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  • Buch zur Stadthistorie von Künzelsau. Foto: Screenshot https://stadtgeschichtekuenzelsau.de/

Galgen, Chemiefabrik, Theater und ein Astronaut

Erstmals hat der Verein StadtGeschichte Künzelsau e.V. die Geschichte Künzelsaus in einem selbst herausgegebenen Buch zusammengefasst. Auf 200 Seiten erklärt Autor Ehrenfried Biehal die Geschichte der Stadt und ihrer Teilorte seit der ersten schriftlichen Erwähnung. Er dokumentiert, stellt Zusammenhänge her und zeigt viele Bilder von historischen und zeitgeschichtlichen Objekten, die man täglich sieht und von deren Historie man oft nur wenig weiss.

Biehal berichtet, dass öfter an den Verein herangetragen wurde, der Verein würde sich zuwenig mit den Teilorten beschäftigen. Da kam das 50. Jubiläum der Verwaltungsreform, durch die einige Teilorte zu Künzelsau eingemeindet wurden, gerade recht, um die Teilorte in den Fokus zu rücken: Neben der Ausstellung im Stadtmuseum, zu der der Verein fiktive Zeitungen zur Dorfgeschichte beigetragen hatte, veranstalteten Stadt und Verein gemeinsam eine Reihe von Stadtteilrundgängen, die sich großer Nachfrage erfreuten. „Das Buch entstand letztlich als Antwort auf die Frage, was machen wir, wenn die Ausstellung vorbei ist?“, berichtet Biehal.

Industriegeschichte Künzelsaus

Die Schlossmühle, die Keimzelle einiger heutiger Weltmarktführer. Foto: StadtGeschichte Künzelsau e.V.

Jeder kennt die bekannten Firmen, die aus Künzelsau stammen und die bis heute im Stadtbild und auf den Märkten der Welt präsent sind. Kaum bekannt ist, dass Künzelsau einst ein Zentrum der Leder- und Schuhindustrie war oder dass es eine Sodafabrik gegeben hat. Selbst Zigarren wurden hier hergestellt. Einige dieser Firmen gingen zugrunde, weil Künzelsau erst 1892 an das Eisenbahnnetz angebunden wurde. Die Anbindung an die Verkehrsnetze ist bis heute ein Thema, das die Politiker und Produzenten beschäftigt.

300 Mitglieder engagieren sich im Verein

Die Geschichte des Vereins hängt eng mit der Lokalpolitik zusammen: 2003 sollte die städtische Sammlung „übergeben werden“ an Museen und Institutionen, die nicht in Künzelsau beheimatet sind. Eine Gruppe von Bürgern wollte das nicht so hinnehmen und gründeten einen „Arbeitskreis Stadtmuseum“, der unter dem Motto „Stadtmuseum – wir küssen Dich wach“ aktiv wurde. So aktiv, dass der Gemeinderat letztlich den Beschluss rückgängig machte. Seit 2010 werden die Objekte der städtischen Sammlung im Stadtmuseum in der Schnurgasse ausgestellt.

2014 wurde aus dem Arbeitskreis, der innerhalb des Fördervereins Künstlerfamilie Sommer arbeitete, schließlich der Verein StadtGeschichte Künzelsau e.V. Der Anlass war erfreulich: Das Haus „Stadtvilla 1897“ wurde dem kurz vorher gegründeten Verein von einer Bürgerin vermacht. Der Verein hat das historische Gebäude renoviert und nutzt es für Veranstaltungen.

Wenn es um die Vereinsaktivitäten geht, erwähnt Biehal immer wieder die Zusammenarbeit mit der Stadt Künzelsau, insbesondere mit dem Stadtarchivar Stefan Kraut. So auch, wenn er von der Verlegung der Stolpersteine spricht. Diese Aktionen mit dem Künstler Gunter Demnig wurden vom Verein Stadtgeschichte in Zusammenarbeit mit der Stadt, den Künzelsauer Senioren (KÜSS) und den Schulen durchgeführt: „Eine gute Möglichkeit, jungen Menschen ein Bewusstsein für die Geschichte zu vermitteln“, erklärt Biehal.

Inzwischen hat der Verein rund 300 Mitglieder, das Motto heißt inzwischen „Stadtgeschichte – wir halten Dich wach.“

Mehr als die Hälfte des Buchs gehört den Stadtteilen

Den Teilorten widmet Biehal mehr als die Hälfte der Seiten. Eindrucksvolle Bilder aus der Übergangszeit von der muskel- zur benzingetriebenen Landwirtschaft in aus Steinbach, der Galgen von Laßbach, die jüdische Geschichte Nagelsbergs oder der Postraub von Mäusdorf sind nur einige wenige der Schlaglichter, die Biehal in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Ortsvorstehern zusammengetragen hat.

Auch Bier wurde früher in Künzelsau gebraut. Foto: StadtGeschichte Künzelsau e.V.

„Für Einsteiger“

Das Buch soll, so Biehal „ein Nachschlagewerk, ein erster Einstieg in die Stadtgeschichte“ sein. Einen geschichtswissenschaftlichen Anspruch erhebt er nicht. „Für Einsteiger“ sei das Buch gedacht, aber auch für Künzelsauer, ehemalige Künzelsauer und zukünftige Künzelsauer sei das Buch bestimmt interessant.
Auf die Anmerkung, dass das Buch ja genau zum richtigen Zeitpunkt, kurz vor Weihnachten, herausgekommen sei, lächelt Biehal verschmitzt.

Das Buch „Künzelsau – unsere Stadt mit ihren Stadtteilen … damals und heute …“ ist zum Preis von 20 Euro beim Verein StadtGeschichte e.V., bei LOTTA, Optik Müller und bei der Buchhandlung Lindenmayer und Harsch erhältlich.

Text: Matthias Lauterer

 

 

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