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  • Besonders gerne suchen sich die Telefonbetrüger ältere Menschen als Opfer aus. Foto: pixabay

Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse

Über zwei Fälle von erfolgreichen Schockanrufen mußte GSCHWÄTZ in den vergangenen Tagen berichten: Vor gut einer Woche in Distelhausen und am 11. August 2022 in Künzelsau erbeuteten die Täter jeweils wohl einen sechsstelligen Betrag.

Immer der gleiche Trick

Das Vorgehen ist immer ähnlich: Personen wird vorgegaukelt, dass ein Angehöriger einen schweren Unfall verursacht hätte, gerne mit tödlichem Ausgang, und nur durch Zahlung einer hohen Kaution wieder frei käme. Die Anrufer geben sich dabei gerne als Polizisten oder Staatsanwälte aus. Und selbstverständlich wird sofort eine Geldübergabe vorgeschlagen – entweder wird das Geld direkt vor Ort vom Geschädigten abgeholt oder es wird ein Treffpunkt vereinbart. Niemals aber wird das Geld in einer Dienststelle der Polizei oder der Staatsanwaltschaft übergeben. Die Staatsanwaltschaft Heilbronn berichtete im Juni 2022 von etwa 50 Geschädigten in ihrem Zuständigkeitsbereich in den Jahren 2020 bis 2022. Die Schadenssumme habe rund 1,5 Millionen Euro betragen. Die beiden genannten Fälle sind darin noch nicht enthalten.

In dem Fall aus Distelhausen wurden die Wertsachen gleich abgeholt, im Künzelsauer Fall wurde ein Treffpunkt hinter der Markthalle in Stuttgart(!) vereinbart.

Gezielte Ansprache von Menschen

Die Schilderungen der Polizeiberichte lassen gewisse Folgerungen zu: Immer scheinen die Täter zu wissen, dass in den Haushalten größere Geldmengen oder Wertgegenstände vorhanden sind oder sich größere Summen schnell beschaffen lassen. Berichte darüber, dass arme Menschen angerufen werden, die keine Werte schnell verfügbar haben, sind nicht bekannt. Die Opfer wurden also offenbar vorab ausgekundschaftet.

Organisierte Kriminalität

Es muß also eine Organisation mit mindestens drei unterschiedlichen Abteilungen hinter den Taten stecken: Eine Gruppe, die Menschen und ihre Verhältnisse ausforscht. Eine Gruppe, die die Anrufe durchführt und zuletzt die sogenannten „Läufer“, die die Wertgegenstände abholen und weiterleiten.

Ansatzpunkt: Die „Läufer“

Die Läufer haben oft zu den Hintermännern der Organisation wenig Kontakt, werden nur mit der Abholung beauftragt und geben die Beute unmittelbar weiter. Trotzdem sind diese „Läufer“ für die Ermittlungsbehörden der Ansatzpunkt. Dazu ist es aber notwendig, dass die potentiellen Opfer aufmerksam sind und die Polizei vor der Übergabe schon informieren, sagt Statsanwalt Müller-Kapteina. Ein Trick sei, einen Rückruf zu vereinbaren und zu versuchen, die tatsächliche Telefonnummer des angeblichen Anrufers zu ermitteln und ihn anzurufen, etwa die Polizeidienststelle, die angeblich angerufen hat. Die Behörden können dann bei der Übergabe der Wertsachen Maßnahmen ergreifen.

Die Telefonzentrale

Die Hintermänner am Telefon, die oft im Ausland sitzen, sind nur zeitaufwändig zu ermitteln – und dann haben diese ihren Standort auch schon gewechselt. Heutige Technik macht es möglich, ein falsche Rufnummer vorzutäuschen, sogenanntes „Spoofing“. Oft lassen die Täter die 110 anzeigen, viele Menschen lassen sich dadurch täuschen. Die Strukturen dieser „Telefonzentralen“ sind den Behörden bekannt.

Die Kundschafter

Wenig ist zu erfahren über die Ausforschung der potentiellen Opfer. Die Behörden sprechen über diesen Part nicht viel. Diese „Spione“ sind die, die am weitesten von der späteren Tat entfernt sind.

Vorsicht bei Fragen von vorgeblichen Finanzberatern

Vorsicht dürfte beispielsweise geboten sein, wenn man von unbekannten Finanzberatern oder -vermittlern kontaktiert wird, die schnell über hohe Anlagesummen sprechen und Angebote machen. Wer bei einem solchen Gespräch Interesse zeigt, der scheint über diese Summen verfügen zu können und kommt möglicherweise als Angriffsziel in Betracht. Ein seriös wirkender Finanzberater wird sich selbstverständlich auch über familiäre Verhältnisse erkundigen.

Und möglicherweise meinen diese Kundschafter tatsächlich, dass sie legal arbeiten und Daten potentieller Kunden erfassen, die dann von einem Vertriebsaußendienstler aufgesucht werden. Aber, so warnt Staatsanwalt Müller-Kapteina, schon „Leichtfertigkeit“ führe zur Strafbarkeit.

Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse

Dass die potentiellen Opfer aber genau so vorab ausgehorcht werden, dafür spricht der Rat der Polizei:  Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse. Seien Sie mißtrauisch, wenn ein Unbekannter Sie über ihre finanziellen oder familiären Verhältnisse ausfragen will.

Vermögensabschöpfung – „das ist bitter“

Die schmerzhafteste Folge für einen ertappten Finanzagenten, also einen „Läufer“ oder einen Kundschafter, ist oft gar nicht das strafrechtliche Urteil, sondern die Vermögensabschöpfung bzw. die „Einziehung von Wertersatz“: Er muß nicht nur das Geld zurückzahlen, das er für seine Dienste erhalten hat, sondern kann auch für die Begleichung des gesamten Schadens herangezogen werden, Müller-Kapteina: „Das ist bitter“. Er weist darauf hin, dass diese Zahlungsverpflichtungen auch durch eine eventuelle Privatinsolvenz nicht wegfallen.

Die Ratschläge der Behörden zum Umgang mit eventuellen Schockanrufen:

  • Die Polizei ruft Sie niemals unter dem Polizeinotruf 110 an.
  • Lassen Sie sich am Telefon nicht unter Druck setzen.
  • Legen Sie den Hörer auf, so werden Sie Betrüger los.
  • Werden Sie misstrauisch bei Forderungen nach
    • schnellen Entscheidungen,
    • Kontaktaufnahme mit Fremden sowie
    • der Herausgabe von persönlichen Daten, Bargeld, Schmuck oder Wertgegenständen.
  • Wählen Sie die 110 und teilen Sie den Sachverhalt mit. Benutzen Sie nicht die Rückruftaste, da Sie sonst wieder bei den Tätern landen.
  • Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
  • Beraten Sie sich mit Ihrer Familie oder Personen, denen Sie vertrauen.

Kontaktieren sie ihre Familie oder Personen unter den Ihnen bekannten Rufnummern

Weitere Informationen und Präventionstipps finden Sie unter www.polizei-beratung.de

Text: Matthias Lauterer

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