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  • Frau mit Coronavirus in Quarantäne. Symbolfoto. Quelle: adobe stock

„Eine weitere Woche halte ich noch durch“ – aus dem Alltag einer Corona-Patientin in Gaisbach – Virenübertragung bei einem Nachbarschaftsplausch?

Anna Maier* klingt atemlos, als sie sich am Telefon meldet. Seit über einer Woche ist die Gaisbacherin krank. Sie leidet unter Atemnot, hat starke Gliederschmerzen, Husten und Kratzen im Hals. Das Fieber ist zwischenzeitlich wieder abgeklungen, Schnupfen hatte sie keinen. Zwischenzeitlich ging es ihr etwas besser, jetzt aber wird es wieder schlechter. Ihre Hausärztin vermutete gleich, dass sie sich mit dem Corona-Virus infiziert haben könnte. Deshalb war sie am vergangenen Dienstag in der Abstrichstelle in Belzhag, um sich testen zu lassen.

Virenübertragung bei einem Nachbarschaftsplausch?

Woher sie die Infektion haben könnte? Das weiß die 73-Jährige auch nicht. Etwas ratlos erzählt sie, dass sie sich in den Tagen, bevor sie krank wurde, rund 20 Minuten mit einer Nachbarin auf der Straße unterhalten hatte. Diese Frau hat ihr ein paar Tage später am Telefon berichtet, dass sie am Corona-Virus erkrankt sei. Aber ob es bei diesem Nachbarschaftsplausch zur Virenübertragung gekommen ist, kann sie auch nicht sagen. 

Eine Woche bis zum Test – „Das Eingesperrtsein wird langsam schwer“

„Es hat eine Woche gedauert von der Überweisung durch meine Hausärztin, bis ich endlich einen Termin in der Abstrichstelle hatte“, erzählt Anna Maier weiter. Aber, meint sie, die Leute dort können wahrscheinlich auch nichts für die lange Dauer. Die würden ja tun, was sie können. Auch das Testergebnis lässt auf sich warten. Also heißt es jetzt es für die Patientin abwarten. Auch wenn das Eingesperrtsein langsam schwer werde, Besuch nicht ins Haus dürfe. Zuvor hat sie regelmäßig im Tafelladen in Künzelsau gearbeitet. „Ich bin ja seit über einer Woche Zuhause“, sagt die Gaisbacherin, die eigentlich ein kontaktfreudiger Mensch sei. Lediglich ihr Lebenspartner, der zwar noch gesund, aber in Quarantäne sei, leiste ihr Gesellschaft. „Eine weitere Woche halte ich jetzt auch noch durch und dann ist das hoffentlich vorbei“, macht sie sich Mut.  

„Ich habe nicht mit der Krankheit gerechnet“

Doch was tut sie in dieser Zeit, in der sie maximal auf die Terrasse ihres Hauses darf? „Ich lese viel, kümmere mich um den Haushalt und telefoniere häufig“, erklärt sie. Langeweile komme bei ihr trotz allem nicht auf. Außerdem sei sie immer so erschöpft und müde, sie gehe deshalb häufig schon um 20 Uhr abends ins Bett. „Sonst gehe ich selten vor 1 Uhr morgens schlafen“, sagt sie. Die Einkäufe erledigten ihr Bruder und seine Frau, die gleich ums Eck wohnen. „Die fragen häufig, ob ich was brauche“, so die Gaisbacherin. Aber sie hätte vorher schon eingekauft und vorgekocht – „falls doch was sein sollte“. Allerdings nicht gehamstert, darauf legt sie Wert. Sie hat sich vorbereitet, auch wenn sie „eigentlich ein ganz gesunder Typ“ sei. Dass sie krank werden könne, damit habe Anna Maier überhaupt nicht gerechnet. Alle ihre Geschwister hätten irgendwelche Krankheiten, die mit dem Alter kommen. Nur sie sei von Bluthochdruck, Herzproblemen, Krebs und Co. verschont geblieben. Die Ironie dabei: Keins ihrer Geschwister hat sich bislang mit dem Corona-Virus infiziert. Allerdings würden diese seit Ausbruch der Krise auch nicht mehr vor die Tür gehen.

*Name auf Wunsch geändert. Der Redaktion ist der Name bekannt.