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Keine Chance mehr für den Einzelhandel in Kiau? – Jürgen Setzer vom Schuhhaus Setzer im Video-Interview: „Wir waren einfach zu lange weg“

Nichts ist für immer im Leben. Und so hat das Schuhhaus Setzer nach über 130 Jahren nun seine Türen dauerhaft geschlossen. Wie es dazu kam und wie Inhaber Jürgen Setzer die Zukunft für Gewerbetreibende hier im Städtle sieht, darüber hat er mit GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus gesprochen.

130 Jahre Stadtgeschichte am Unteren Markt schließen

Das Schuhhaus Setzer am Unteren Markt, eines der Künzelsauer Traditionsgeschäfte, schließt nach 130 Jahren seine Türen. GSCHWÄTZ -Videoreporter Dr.Felix Kribus hat sich aus diesem Anlass mit Jürgen Setzer über seine Situation und die Situation des Einzelhandels in Künzelsau unterhalten:

GSCHWÄTZ: Das Schuhhaus Setzer schließt jetzt nach über 130 Jahren, warum?
Setzer: Das war nicht geplant. Der Hauptgrund ist, dass wir nach dem Hochwasser ein Jahr weg waren. Da haben wir viele Kunden verloren und dann hätten wir wieder richtig durchstarten müssen, investieren müssen. Die Versicherung hat zwar viel bezahlt, aber nicht so viel, dass ich davon eine komplette Ladeneinrichtung hätte kaufen können oder wie früher 5.000 Paar Schuhe. Das hat nicht gereicht. Dadurch und durch den Onlinehandel, der uns in die Zwickmühle nimmt, haben wir viele Kunden verloren. Und durch den ein oder anderen Textiler, der jetzt Schuhe anbietet, die wir früher gehabt haben. Wir waren einfach zu lange weg, viele Kunden sind abgewandert, das haben wir gespürt und dann haben wir gesagt, machen wir ein Ende.

Durch Onlinehandel in der Zwickmühle 

GSCHWÄTZ: Was passiert mit der Filiale in Schwäbisch-Hall?
Setzer: Schwäbisch-Hall läuft natürlich weiter. Schwäbisch-Hall läuft noch ganz gut. Wir müssen sehen, wie sich das mit dem Virus weiterentwickelt, aber sonst bin ich noch ganz zufrieden mit Schwäbisch-Hall.

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie generell die Situation für Gewerbetreibende in Künzelsau und der näheren Umgebung ein, also zum Beispiel Forchtenberg oder Niedernhall?
Setzer: Wenn man sich spezialisiert, kann der eine oder andere sein Geschäft noch machen. Wie zum Beispiel in Niedernhall, wo zwei Schuhgeschäfte vor Ort sind. Ich glaube schon, dass die Kunden binden können und dass das auch funktioniert. Generell wird es im Schuhhandel immer schwerer. In Kleinstädten wird der Einzelhandel in Zukunft das Ganze immer schwieriger bewältigen können.

GSCHWÄTZ: Woran liegt das, dass der Einzelhandel in der Provinz auf dem absteigenden Ast ist?
Setzer: Ein Hauptgrund ist, dass die Frequenz in den Innenstädten zurückgeht. Viele gehen in größere Städte oder zum Onlinehandel. Zalando macht 3 Milliarden Umsatz und bisher fast keinen Gewinn, das nimmt einem viel weg.

GSCHWÄTZ: Wie könnte man das ändern? Oder kann man das überhaupt noch ändern?
Setzer: Als kleiner Schuhhändler ist es schwierig, einen Onlinehandel aufzubauen, denn man müsste ja ein doppeltes Lager haben, eines fürs Onlinehandelsgeschäft und eines fürs stationäre Geschäft. Denn wenn Schuhe online gekauft werden, dann gehen die raus und dann habe ich die nicht mehr im Laden. Das ist schwer zu finanzieren für einen kleinen Schuhhändler. Große machen es vor, Deichmann und Co., die machen das gut: Da kann man einkaufen, zurückgeben, tauschen, wo man will. Da macht das Sinn.

Deichmann macht es vor

GSCHWÄTZ: Da braucht man dann Personal, das mit nichts anderem beschäftigt ist?
Setzer: Richtig, das muss man wie eine eigenständige Filiale betrachten, irgendwo in einer Lagerhalle, wo man dann die Sachen versendet.

Es waren die richtigen Marken 

Caroline aus Mäusdorf, Kundin von Setzer, hat während unseres Videointerviews mit Jürgen Setzer ein Paar Schuhe ausgesucht: „Die sind gekauft. Die sind bequem, haben ein gutes Fußbett und die Farbe ist für mich ausschlaggebend.“ Daß es die Schuhe momentan zum halben Preis gibt, war für sie der Anlaß, am Feierabend noch einen Besuch im Schuhgeschäft einzuschieben: „Es wäre ja schade um die schönen Schuhe, da kann man schon nochmal ein Schnäpchen machen.“ Sie findet es schade, daß das Schuhhaus Setzer schließt: „Ich bin gerne hierher gekommen und habe immer gute Schuhe bekommen. Das waren die richtigen Marken, die hier angeboten wurden. Wirklich gute Marken, das ist schade. Immerhin gibt’s die in Schwäbisch-Hall noch, dann gibt’s öfter mal einen Ausflug nach Schwäbisch-Hall.“

GSCHWÄETZ: Herr Setzer, Sie sind ja Eigentümer des Gebäudes, das heißt, Sie bezahlen keine Miete. Das trifft für viele Ladenbetreiber in Künzelsau zu. Für die, die keine Eigentümer sind, wird es ja zunehmend schwerer, oder? Setzer: Ja, davon bin ich überzeugt. Gerade in der jetzigen Zeit mit dem Coronavirus. Wenn man mehrere Wochen kaum Geschäft macht, Miete, Löhne und Ware bezahlt werden sollen, dann wird’s für viele ziemlich eng.

GSCHWÄTZ: Wie würde Künzelsau aussehen, wenn die ganzen Inhaber nur Mieter wären?
Setzer: Ich denke, es wären einige andere Geschäfte da oder mehr Leerstand.

GSCHWÄTZ: Was wünschen sie sich für die Zukunft als selbständiger Unternehmer?
Setzer: Grundsätzlich wünsche ich mir, dass das Geschäft wieder besser läuft und es mit dem stationären Schuhhandel aufwärts geht. Ich wünsche mir auch für Künzelsau, dass die Frequenz besser wird oder dass die Menschen umdenken und doch wieder mehr lokal kaufen.

PEKA: Nicht schlecht, wenn es schon lange gebaut worden wäre 

GSCHWÄTZ: Das PEKA-Areal liegt ja immer noch brach, eigentlich sollte da ja schon gebaut werden. Gibt es dafür überhaupt Bedarf? Man kann ja das Geld nur einmal ausgeben. 
Setzer: Für die Stadt wäre es nicht schlecht gewesen, wenn es schon lange gebaut worden oder das alte Gebäude weiter bewirtschaftet worden wäre. Wenn Müller mit seinen 1.700 oder 1.800 qm in das neue Gebäude zieht, ist das gut für die Stadt. Das alte Müller-Gebäude müsste man dann umbauen, um neue Geschäfte anzusiedeln. Wenn da was kommt, wäre das gut.

GSCHWÄTZ: Wenn Müller ins PEKA-Areal zieht, haben sie dann die Befürchtung, dass es sich dann in der Innenstadt weiter beruhigt?
Setzer: Es könnte natürlich etwas weniger los sein. Die Lage ist natürlich außerhalb, bisher liegt Müller in der Hauptstraße. Aber Müller ist dann um Einiges größer und zieht vielleicht Leute von außerhalb in die Stadt, die in der Stadt verweilen, bummeln und einkaufen. Das kann man noch nicht abschätzen.

GSCHWÄTZ: Sofern irgendwann gebaut wird.
Setzer: Ich sehe das im Moment auch noch nicht.

GSCHWÄTZ: Sie schließen heute zum letzten Mal zu. Wie fühlen Sie sich damit?
Setzer: Traurig, ein bisschen traurig. Aber ich glaube, das ist der richtige Weg und deswegen machen wir das jetzt so.

GSCHWÄTZ: Danke für das Gespräch.

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