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  • Das WartbergCasino war für einige Besucher ein wichtiger Treffpunkt. Foto: GSCHWÄTZ

Künzelsau: Im Stich gelassen – Senioren wissen nicht wie es weitergeht

Rund zehn ältere Leute sitzen Mitte Oktober 2019 im Nebenraum des Wartberg-Casinos im Hohenloher Krankenhaus (HK). Sie treffen sich hier regelmäßig zum Mittagessen und bleiben auch gerne zum Kaffee. Sie schätzen das frisch gekochte, günstige Essen, aber vor allem ihre Gemeinschaft, die sich im Laufe mehrerer Jahre entwickelt hat. Seit 1992 gibt es im HK einen Mittagstisch auch für externe Besucher.

„Wir sind hier wie eine Familie“

Für die teilweise über 90-jährigen Menschen ist das Casino ein Treffpunkt, den manche täglich ansteuern. „Wichtig ist uns das WartbergCasino vor allem als Anlaufstelle und Zeitvertreib“, sagt eine Besucherin. Eine andere erzählt, dass sie alleinstehend und psychisch angeschlagen ist und sich immer darauf freut, wenn sie jemandem zum Reden hat. Eine weitere fühlt sich in der Gruppe gut aufgehoben: „Man macht sich Sorgen umeinander. Wenn ich mal nicht komme, überlegen die anderen, was mit mir los ist“, sagt sie. Sie seien wie eine Familie.

Unterschriftensammlung mit rund 80 Beteiligten

Doch jetzt sind die Menschen aufgebracht und fühlen sich im Stich gelassen: Sie wissen nicht, wie es nach der Schließung des Krankenhauses mit ihrem Treffpunkt weitergeht. „Der Flurfunk berichtet, dass es am 14. November das letzte Mal Essen gibt und am Tag darauf das letzte Frühstück“, sagt ein Besucher. Bereits im Februar 2019 hat die Gruppe den damaligen kaufmännischen Direktor Alexander Hoß angeschrieben mit der Bitte, auch nach der HK-Schließung einen Mittagstisch für externe Besucher anzubieten. Gleichzeitig starteten sie eine Unterschriftensammlung, an der sich rund 80 Personen beteiligten. Diese Listen schickten sie ebenfalls an Hoß.

Auf einen konkreten Vorschlag wurde nicht reagiert

Die Gruppe machte auch einen ganz konkreten Vorschlag: Ihr Essen sollte mit der Verpflegung für die Menschen in der psychiatrischen Tagesklinik, die bestehen bleibt, gebracht werden. „Egal, ob es frisch in Künzelsau gekocht oder aus Öhringen gebracht wird, wir würden auf jeden Fall kommen“, ist ein Besucher überzeugt. Dafür wäre auch nur wenig Personal nötig. In einem Schreiben von Mitte September sagte Hoß eine finale Antwort für Anfang Oktober zu. Diese steht immer noch aus. Mittlerweile hat Hoß gekündigt. Auch ein Schreiben an die BBT-Gruppe hatte keinen Erfolg. Man lässt die Menschen im Regen stehen, so das Gefühl der Besucher.

Es gibt nur wenig andere Möglichkeiten in Künzelsau

„Nur wir haben uns eingesetzt für den Erhalt des Casinos“, kritisiert einer der Männer. Von den Mitarbeitern des Landratsamtes oder der Kreissparkasse, von denen auch viele im WartbergCasino essen, sei nichts gekommen. Und von den Politikern habe es bloß Lippenbekenntnisse gegeben. Alternativen sehen die Betroffenen in Künzelsau eher nicht. „Es gibt die Möglichkeit, als Externer im Altenheim zu essen, die haben aber wenig freie Kapazitäten“, meint einer. Die Fachhochschule bietet auch ein Mittagessen, hat am Wochenende und in den Ferien allerdings geschlossen. Und in der Stadt selbst „gibt es kaum Wirtschaften, dafür aber Döner- und Imbissbuden“, sagt eine Dame. „Das wollen wir nicht.“ Manche sehen noch eine minimale Chance, dass es irgendwie weitergeht für sie im WartbergCasino. Andere finden, dass es zu spät ist und sich ein Weiterverfolgen nicht lohnt.