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  • Stefan Neumann ist fassungslos aufgrund des Antrages von Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ

HK: Achim Becks Vorschlag schockt Stefan Neumann

Vier blaue Metzger-Reisen-Busse rollten am heutigen 04. November 2019 zur Mehrzweckhalle nach Zweiflingen, wo der Kreistag tagte. Nicht oft war der Kreistag in den vergangenen Monaten so gut besucht wie heute. Es fanden sich kaum mehr Stühle für die rund 200 Zuschauer, die die heutige Kreistagssitzung verfolgten. Aber es waren nicht nur Künzelsauer vor Ort, um zu hören, was nun nach der Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes für Künzelsau im Bereich der Gesundheitsvorsorge kommt, sondern auch Öhringer, um den Kreistag in seiner Entscheidung hinsichtlich des Neubaus des Krankenhauses in Öhringen zu bestärken.

Vier Busse mit Bürgern wurden von der Stadt Künzelsau entsandt, um „Flagge“ für Künzelsau zu zeigen. Foto: GSCHWÄTZ

Nach 18 Minuten kam bereits der Tagesordnungspunkt vier auf den Tisch: die künftige Gesundheitsversorgung in Künzelsau. „Ich freue mich, dass das Thema so großes Interesse hervorruft“, sagt Landrat Dr. Matthias Neth, der bekannt ist für seine guten freien Reden, heute allerdings sehr engmaschig sein Manuskript herunterliest.

Landrat Dr. Matthias Neth (rechts) verbittet sich Buh- und Bravorufe aus den Zuschauerreihen. Foto: GSCHWÄTZ

Es freue ihn, sagt Neth, dass heute so viele Menschen wie seit langem nicht mehr gekommen sind. „Es zeigt, wie sehr die Ausgestaltung die Menschen in Künzelsau beschäftigt“, sagt er und erntet dafür Gelächter aus den Zuschauerreihen. Er sei in letzter Zeit oft gefragt worden, wann denn das Konzept vorgestellt werde für Künzelsau hinsichtlich der Gesundheitsversorgung. Aber, sagt Neth, „das Konzept steht schon seit einem Jahr. Vor einem Jahr wurde das Konzept vorgestellt.“ Unzufriedenes Geraune und Gemurmel im Publikum. „Ich nehme die Ängste der Bevölkerung ernst“, sagt er. Wieder Gelächter im Publikum. Neth fährt unbeirrt fort: „Die Veränderung tut weh. Niemand strukturiert gerne ein Krankenhaus um. Man muss aber, wenn man in der Verantwortung steht, die richtigen Entscheidungen treffen.“Dass die BBT-Gruppe an der heutigen Kreistagssitzung die einzelnen Bausteine erläutere, die für Künzelsau kommen werden,  „wollen wir als Zeichen der Transparenz verstanden haben“, so der Landrat.

Matthias Warmuth, einer der BBT-Geschäftsführer, bemühte sich um Transparenz. Foto: GSCHWÄTZ

Wer ist denn nun zuständig für Künzelsau? Das Schwarze-Peter-Spiel beginnt

Mehrere Stunden wird dieser Tagesordnungspunkt dauern, denn nicht nur den Zuschauern scheint nicht so ganz klar zu sein, welches konkrete Konzept der Landrat meint. Es gibt auch diverse Wortmeldungen von Kreisräten, die noch jede Menge Fragen zu dem geplanten medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Künzelsau haben. Die Zuständigkeit für dieses MVZ indes wird vom Hohenlohekreis auf die BBT-Gruppe und wieder zurückgeschoben. Während Neth auf die Ausarbeitung des Konzepts für Künzelsau auf die BBT-Gruppe verweist, sagt Matthias Warmuth, einer der BBT-Geschäftsführer: „Wir haben nun keine echte Zuständigkeit mehr, lediglich in der stationären Versorgung. Die Sicherstellung des ambulanten Bereiches liegt nicht bei uns.“

Christian von Stetten (rechts) kann nicht verstehen, warum jetzt auf einmal auch der Notarzt-Dienst in Künzelsau gekippt werden soll. Foto: GSCHWÄTZ

Stefan Neumann ist fassungslos aufgrund des Antrages von Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck (3. von rechts) stellte die Sinnhaftigkeit eines Notarzt-Dienstes in Künzelsau in Frage. Foto: GSCHWÄTZ

Völlig geschockt: Notfallversorgung vor Ort wackelt

Einig waren sie sich indes beim Thema Pflege: Neth betont, dass die Sanierungskosten allein für den „Bettenblock“ des Künzelsauer Krankenhauses laut nicht näher erläuterter Gutachten bei über 40 Millionen Euro liegen würden und diese „Altlasten“ der Kreis stemmen müsse, was wiederum der Kreis eigentlich nicht stemmen könne. Warmuth betonte, dass die BBT-Gruppe eigentlich gerne Kurz- sowie Tagespflege in Künzelsau anbieten würde, aber aufgrund der Sachlage mit den Gutachten „müssen wir das zuerst intensiver untersuchen im Bettenblock“. Also gibt es erst einmal keine zusätzlichen Pflegeangebote in Künzelsau. Auch der angedachte notärztliche Sitzdienst, den es demnächst geben soll, damit die Bevölkerung immer einen Notarzt vor Ort hat, steht nun wieder auf der Kippe. Der Niedernhaller Bürgermeister Achim Beck fordert im Namen der Freien Wählervereinigung, dass man die 24-Stunden-Notarzt-Versorgung vor Ort, die eigentlich im Zuge der Krankenhausschließung in Künzelsau etabliert werden soll, gleich wieder auf den Prüfstand gestellt wird angesichts der hohen Kosten von über 500.000 Euro jährlich und der Fragwürdigkeit des Nutzens, könne doch dieser Notarzt nicht mal ein Kassenrezept ausstellen. Rückendeckung für diesen Antrag bekommt er dabei von Irmgard Kircher-Wieland (SPD). Der Antrag ist ein Schock für Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann: „Das untergräbt die Glaubwürdigkeit des Kreistages“, sagt er. Auch Christian von Stetten kritisiert Becks Forderung und zählt auf, was bereits in der Vergangenheit alles gestrichen worden ist: „Ursprünglich wollten wir zwei Krankenhäuser halten, dann sollte Künzelsau erst geschlossen bleiben, wenn der Neubau in Öhringen steht, dann sollte zumindest die Notfallversorgung vor Ort sichergestellt sein und jetzt soll diese auch noch wegfallen?“ Das sei nur schwer zu vermitteln.

Künzelsau gewinnt ein Hospiz

Doch was kommt nun für Künzelsau? Laut Warmuth von der BBT-Gruppe würden nun acht Hospizplätze zeitnah geschaffen werden würden, unter anderem mit der Kirche als Partner. Anders als bei der Pflege seien hier die Räumlichkeiten laut Warmuth kein Problem: „Wir werden entsprechende Räumlichkeiten finden und herrichten können.“ Mit drei Ärzten stünde die BBT-Gruppe darüber hinaus kurz vor der Unterschrift für ein aktives MVZ, das im Mittelbau des Krankenhauses 2020 etabliert werden solle. Unter anderem eine integrative, also ganzheitliche Medizin, würde dann in Künzelsau angeboten werden. Das sei „etwas sehr Neues“.

Des Weiteren würden die Rettungswägen ab Dezember 2019 mit einer, so der Kreistag, „Telemedizin“ ausgestattet werden, wodurch es ihnen ermöglicht werde, direkt die Daten ihrer Patienten zu erfassen und sofort an das Krankenhaus zu übermitteln, das sie anfahren, damit sich das dortige Team bereits auf die Situation einstellen kann.“ Bislang kontaktierten die Rettungswägen die Leitstelle und diese meldete dann den entsprechenden Krankenhäusern, wie schwer verletzt der Patient ist, der demnächst von einem Krankenwagen gebracht wird.

Die bestehenden Physiotherapie-Angebote sowie die Fußpflege bleiben laut Warmuth weiterhin in Künzelsau bestehen. Zusätzlich gäbe es ja bereits ebenfalls 15 Ärzte aus elf Fachrichtungen, die im Ärztehaus arbeiten. Auch die Radiologie mit MRT bleibe vor Ort.

Des Weiteren sollen Still-Cafés, Frühförderungen, Stillberatungen, Gesundheitskonferenzen sowie Hebammensprechstunden im neuen MVZ angeboten werden, das zumindest wäre laut der BBT-Gruppe wünschenswert.

„Wir möchten ein Mehr an ambulanter Versorgung schaffen“, so Warmuth. Die BBT-Gruppe betreibt derzeit laut eigenen Aussagen 87 Kassenarztsitze in diversen MVZ.

Fotos: Matthias Lauterer

Über 200 Menschen hatten sich auf den Weg zur Kreistagssitzung am 04. November 2019 in Zweiflingen gemacht. Foto: GSCHWÄTZ

Die Stadtverwaltung charterte vier Busse und fuhr die Künzelsauer nach Zweiflingen, um ein Zeichen zu setzen. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

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