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  • Hohenloher Krankenhaus Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

„Es blutet mir das Herz“: Am 15. November gehen die Lichter aus – Unfallchirurgie gibt es nur noch 2 Wochen

Schließung Krankenhaus Künzelsau steht unmittelbar bevor

Über 40 Jahre hat sie im Krankenhaus in Künzelsau gearbeitet, das nun schon am 15. November 2019 endgültig seien Pforten schließt. „Es blutet mir das Herz“, sagt die Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, gegenüber GSCHWÄTZ. Derzeit seien nur noch etwas mehr als 20 Patienten im Krankenhaus in Behandlung. Diverse Räume würden bereits leergeräumt werden. Eine Leere, „die ich auch innerlich fühle“, so die Mitarbeiterin.

Patienten werden von Künzelsau nach Öhringen verlegt

Schon seit einigen Wochen bereitet das Team um Projektleiterin Melanie Junge den Umzug intensiv vor. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der BBT-Gruppe hervor. Die BBT-Gruppe ist der Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses (HK). Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Am Freitag, den 15. November 2019, werden die Patienten aus den Stationen in Künzelsau ins Krankenhaus nach Öhringen gebracht und dort auf die Stationen verteilt. Den qualifizierten Transport der Patienten übernimmt das Deutsche Rote Kreuz DRK. Am Samstag, den 16. November 2019, folgen dann das Material sowie das Labor. Der Transport erfolgt durch ein spezialisiertes Umzugsunternehmen. Ab Montag, den 18. November 2019, beginnt dann der Normalbetrieb auf den Stationen in Öhringen.“

Ab November nur noch eingeschränkte Aufnahme von Patienten in Künzelsau

Ab Anfang November sollen keine Patienten mit absehbar längerer Liegezeit mehr ins Krankenhaus Künzelsau eingeliefert werden. „Damit soll die Zahl der Patienten, die liegend nach Öhringen transportiert werden müssen, überschaubar gehalten werden“, erläutert Melanie Junge. Dies gelte auch für die Belegärzte, die bisher im Krankenhaus in Künzelsau Eingriffe durchführten. „Alle Belegärzte werden künftig in Öhringen operieren und weisen ihre Patienten ab Anfang November nach Öhringen ein.“

Neue Bettenstation im Erdgeschoss

Nach außen wenig erkennbar, wurden in den vergangenen Monaten im Hohenloher Krankenhaus Öhringen verschiedene Umbaumaßnahmen durchgeführt, um künftig für die Aufnahme der zusätzlichen Patienten vom Standort Künzelsau gerüstet zu sein. Im Erdgeschoss des Gebäudes in Öhringen entsteht zurzeit eine neue Bettenstation. Außerdem wurden alle Verwaltungsbereiche aus dem Krankenhaus in den Verwaltungstrakt im Gebäude der Reha-Klinik verlegt und dort zusammengezogen. Dadurch sind weitere Kapazitäten für die Patientenversorgung in Öhringen entstanden. Diese Umbauten sollen bis Mitte November abgeschlossen sein. Für den 15. und 16. November ist dann der Umzug der Patienten sowie der Geräte und Materialien vom Krankenhaus Künzelsau nach Öhringen vorgesehen.

Hintergrund ist die Entscheidung des Kreistages vom 10. Dezember 2018, die akutstationäre Versorgung spätestens zum 31. Dezember 2019 dieses Jahres am Standort Öhringen zu konzentrieren. „Wir setzen damit den vom Kreistag gefassten Beschluss fristgerecht um“,  betont Thomas Wigant, Regionalleiter der BBT-Gruppe, seit gut einem Jahr Mehrheitsgesellschafter des Hohenloher Krankenhauses HK. Dies bedeute nicht nur eine große organisatorische und logistische Aufgabe; es verlange auch von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Thomas Wigant: „Wir sind in den vergangenen Wochen in Öhringen alle ein wenig zusammengerückt und haben Platz geschaffen für die Patienten und Kollegen aus Künzelsau. Gemeinsam wollen wir uns am Standort Öhringen verstärkt um die gute medizinisch-pflegerische Versorgung der Patienten aus unserer Region kümmern und nun mit vereinten Kräften an einem Ort die medizinische Versorgung der Menschen in Hohenlohe sicherstellen.“

Zusätzlicher Notarzt sichert ab 15. November Patientenversorgung in Künzelsau

Die akutstationäre Patientenversorgung endet damit in Künzelsau am 15. November 2019. Die ambulante medizinische Versorgung wird für die Menschen in Künzelsau und Umgebung weiterhin rund um die Uhr gesichert sein. Neben den Praxen der niedergelassenen Ärzte wurde dafür im Beschluss des Kreistages vom Dezember 2018 ein zusätzliches Angebot festgelegt. Ab dem 15. November wird ein zusätzlicher Notarzt im Sitzdienst im Krankenhaus Künzelsau seine Arbeit aufnehmen. Er wird im Zwischenbau untergebracht sein und übernimmt den Dienst immer dann, wenn die niedergelassenen Ärzte nicht in ihren Praxen oder in der KV-Bereitschaftspraxis zur Verfügung stehen, heißt es in der Pressemitteilung der BBt-Gruppe.

Das bedeutet, dass der zusätzliche Notarzt zu folgenden Zeiten im Krankenhaus Künzelsau erreichbar sein wird:

  • Montags, dienstags und donnerstags von 18 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag
  • Mittwochs sowie freitags bis sonntags und feiertags von 14 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag

Gemeinsam mit dem Notarzt in der KV-Bereitschaftspraxis wird also außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärzte rund um die Uhr ein Arzt im Zwischenbau des Krankenhauses in Künzelsau für die Patienten erreichbar sein. Dieser zusätzliche Notarzt kann im Notfall die Erstversorgung übernehmen und die Weiterleitung in die stationäre oder ambulante Weiterbehandlung einleiten. Die Notruf-Telefonnummer der niedergelassenen Ärzte ist außerdem rund um die Uhr kostenlos zu erreichen unter der bundeseinheitlichen Nummer 116 117. In lebensbedrohlichen Fällen sollten die Patienten oder ihre Angehörigen die Nummer des Rettungsdienstes 112 anrufen.

Laut BBT gute Lösungen für Mitarbeitende aus Künzelsau gefunden

„Auch für die Mitarbeiter aus Künzelsau konnten in den vergangenen Wochen gute Lösungen gefunden werden“, so die BBT-Gruppe. Die meisten von ihnen würden künftig im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen arbeiten. Einige würden in eine Einrichtung der Hohenloher Seniorenbetreuung wechseln; weitere seien künftig im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim oder bei einer der Kommunen beschäftigt. „In den vergangenen Wochen haben Personalabteilung und Betriebsrat in vielen persönlichen Gesprächen mit den Mitarbeitern in Künzelsau nach der bestmöglichen Lösung für die Weiterbeschäftigung jedes Einzelnen im Unternehmen gesucht“, betont HK-Personalleiter Stefan Bort. „Trotz mancher Enttäuschung im Einzelfall ist der Prozess, den Mitarbeitenden aus Künzelsau gute Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten an einem neuen Standort zu bieten, insgesamt ohne große Konflikte abgelaufen. Allen Mitarbeitern aus Künzelsau, die im Unternehmen bleiben wollten, konnte eine Stelle angeboten und zugesagt werden. Niemandem wurde gekündigt.“ Dies bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ehmann. „Die Suche nach einvernehmlichen Lösungen war immer sehr konstruktiv und von gegenseitigem Wohlwollen getragen. Die weitreichenden Angebote, die wir im Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart haben, haben sicher dazu beigetragen, gute Lösungen für alle Mitarbeiter zu finden.“

Arbeitsunfälle dürfen im Krankenhaus Künzelsau nicht mehr behandelt werden

Der Chefarzt der Unfallchirurgie Dr. Andreas Berglehner hat das Hohenloher Krankenhaus Ende September verlassen. Er wurde vom Kaufmännischen Direktor Alexander Hoß und dem ärztlichen Direktor Dr. Werner Reinosch verabschiedet. Sie dankten Dr. Berglehner für seine fachlich sehr gute Arbeit in der Unfallchirurgie im Krankenhaus Künzelsau in den vergangenen fünf Jahren und wünschten ihm für seine weitere Zukunft alles Gute.

Mit dem Weggang von Dr. Berglehner erlischt auch die D-Arzt-Zulassung für die Behandlung von Arbeitsunfällen am Krankenhaus Künzelsau. Als D-Arzt in Künzelsau steht nach wie vor Dr. Oliver Böhm im Ärztehaus mediKÜN zur Verfügung; auch das Krankenhaus Öhringen ist für die Versorgung von Arbeitsunfällen zugelassen.

Aufgrund dieser Entwicklung werden die ambulanten und stationären unfallchirurgischen Leistungen bereits ab dem 14. Oktober 2019 in Öhringen zusammengefasst. Ein Arzt der Unfallchirurgie bleibt mit einem kleinen Team zwischen dem 14.10. und 15.11. im Krankenhaus Künzelsau vor Ort und überbrückt damit die Übergangszeit bis zum endgültigen Umzug. Damit ist auch die unfallchirurgische Erstversorgung im Künzelsauer Krankenhaus bis zum Umzugstermin am 15. November sichergestellt, betont die BBT-Gruppe.

Quelle: Pressemitteilung der BBT-Gruppe