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  • Die Kochertalbahn war laut Klaus Föhl bis in die 70er Jahre eine der rentabelsten Nebenbahnen in Baden-Württemberg. Foto: www.fohl/kochertalbahn.de

Kommt’s Kochertalbähnle doch noch?

Im April 2019 hat sich Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann zu einer Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken geäußert. Viele dieser Abschnitte hätten ein hohes Fahrgastpotential, so Hermann. Die Strecke Waldenburg-Künzelsau ist folgendermaßen klassifiziert: „Zu untersuchende Reaktivierungsstrecke. Aktuell ohne Personenverkehr.“

Im Regionalplan 2020 der Region Heilbronn-Franken wird die Strecke ebenfalls mehrfach erwähnt; neben der Trassensicherung wird auch eine mögliche Prüfung alternativer „Trassenführungen in den Bereichen Kupferzell und Künzelsau-Gaisbach […] im Falle sich konkretisierender Planungen“ angekündigt.
Bei der Bürgerinitiative „Wir bauen die neue Kochertalbahn e. V.“ sind laut Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter für den Hohenlohekreis, mehrere Varianten im Gespräch: Neben einer mit der Reaktivierung verbundenen Verlängerung der Heilbronner Stadtbahnlinie Heilbronn – Öhringen – Cappel bis Künzelsau werde auch die Variante einer Ausführung als Straßenbahn angeregt.

Baron wollte es genauer wissen und erkundigte sich beim Stuttgarter Verkehrsministierum, wie realistisch die Wiederinbetriebnahme der Kochertalbahn ist.
Verkehrsminister Hermann bestätigte, dass die Strecke Waldenburg – Kupferzell – Künzelsau als Reaktivierungsstrecke in die engere Auswahl gekommen ist – neben 41 weiteren Strecken im Ländle.

Die Strecken mit dem besten Fahrgastpotenzial kommen wiederum in die erweiterte engere Auswahl mit 14 anderen Strecken, die eine vertiefte Untersuchung des Fahrgastpotenzials erfahren sowie eine Abschätzung der notwendigen Investitionskosten. Diese müssen, so Hermann, einem „volkswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Index“ entsprechen. Letztendlich sollen fünf bis sieben Strecken mit einer Gesamt-Streckenlänge von zirka 100 Kilometern ab 2025 reaktiviert werden.

Die reaktivierte Stecke müsste mindestens eine Fahrgastanzahl von 1.000 Fahrgästen pro Schultag aufweisen.

Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann ist sich sicher, dass dies bei der Kochertalbahn der Fall wäre: „Aus unserer Sicht ist das sehr realistisch. Die Erfahrung zeigt, dass die Schiene besser angenommen wird als der Bus. Die starke Trasse wird den Gewerbepark Hohenlohe mit über 3.000 Arbeitsplätzen und Künzelsau mit rund 13.000 Arbeitsplätzen ans Schienennetz anbinden. Rund 11.000 Berufseinpendler kommen täglich nach Künzelsau und mehr als 7.000 Schüler und Studenten.“
Auch Baron ist hier guter Dinge: „Ich bin mir sicher, dass wir diesen Wert erreichen würden. Bereits jetzt haben wir ja einen bis zu zweimal pro Stunde verkehrenden Bus zwischen Waldenburg und Künzelsau. Dieser transportiert täglich im Durchschnitt 529 Personen, wie kürzlich eine Anfrage ergab. Die Zahl für einen Werktag ist dementsprechend deutlich höher. Allerdings ist es wichtig, dass die Bahn auch über Künzelsau-Gaibach verkehrt, wo es zahlreiche Arbeitsplätze gibt.“ Auch eine Erweiterung zum Stadtbahnanschluss Öhringen sei dann potenziell möglich. Bis die Bahn in Betrieb genommen werde, könne man den neuen autonom fahrenden Kleinbus „Ego-Mover“ aus Friedrichshafen einsetzen, schlägt Baron vor.

Doch selbst wenn die Kochertalbahn ausgewählt wird als reaktivierte Bahn bleibt die Kostenfrage, denn eine Wiederinbetriebnahme ist nicht billig.

Das Verkehrsministerium entscheidet zwar, welche Strecken reaktiviert werden, verweist ansonsten jedoch darauf, dass Bau und Betrieb grundsätzlich die Kommunen bezahlen müssen. Das Land könne lediglich Investitionen wie den Streckenausbau fördern.

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