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  • Die bekannteste Kryptowährung Bitcoin ist im Gegensatz zu Libra limitiert. Foto // unsplash/André François McKenzie

Facebook-Chef will Geldmarkt umkrempeln

1. September 2019 von Gschwätz Allgemein 0 Kommentare

Mark Zuckerberg will Berge versetzen. Die Facebook-Währung Coin Libra ist in aller Munde. Weltweite Aufmerksamkeit innerhalb und außerhalb des eigenen sozialen Netzwerkes erregen – das ist gelungen, ohne einen müden Cent für das Marketing in die Hand zu nehmen. Nach der Veröffentlichung des sogenannten „Whitepapers“ von Libra (darin wird erklärt, wie die neue digitale Währung funktioniert), berichten weltweit alle Medien davon.

Skepsis und negative Meinungen überwiegen

Die meisten sehen in dem Projekt einen Machtausbau des Unternehmens, manche fordern eine dringende Regulierung oder sogar die sofortige Einstellung des Vorhabens. Aber Schritt für Schritt. Was ist der Sinn und Zweck der Facebook-Währung, welche Vor-und Nachteile ergeben sich eigentlich für uns? Mit dem Libra sollen zuerst Zahlungen innerhalb des eigenen Netzwerkes möglich sein (Facebook, Instagram, WhatsApp). Jedoch ist geplant, diese „hauseigene“ Währung auch außerhalb der eigenen vier Wände zu etablieren. Nicht umsonst sind momentan 28 Schwergewichte wie Ebay, Mastercard, Visa, Paypal und andere mit an Bord, um Libra als zukünftiges Zahlungsmittel zu akzeptieren.

Und Libra präsentiert sich dabei überaus sozial. Denn: Viele Menschen aus der Dritten Welt und auch viele Europäer, die bislang zum Teil nicht einmal ein eigenes Bankkonto hatten – also Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben (zirka 1,7 Milliarden Menschen) – hätten mit Libra die Möglichkeit, am internationalen Zahlungsverkehr und somit der weltweiten Wirtschaft teilzunehmen.

Die Transaktionsgebühren sollen laut Zuckerberg, wenn überhaupt, minimal sein und die Überweisungen rasend schnell.
Nach Bitcoin & Co. (wir berichteten) jetzt auch noch der Libra. Kein Wunder also, dass Banken und Staaten nicht gerade Befürworter der kommenden Währung sind. Banken sehen einen großen Geschäftsbereich Ihrer Einnahmequellen – wenn nicht sogar Ihr komplettes Geschäftsmodell – wegbrechen. Staaten befürchten einen Kontrollverlust.

Die Nachteile von Libra

Die Nachteile des Libra liegen klar auf der Hand. Facebook würde noch deutlich mehr an Macht gewinnen und wird sehr wahrscheinlich der größte Vermögensverwalter und zur wertvollsten Firma (was die Marktkapitalisierung angeht) der Welt aufsteigen.

Die Gefahr für den Besitzer des Libra liegt darin, dass dieser von staatlicher Seite verboten werden kann, weil dahinter eine Firma steht. Im Whitepaper wird erklärt, dass alles über eine Blockchain abgewickelt werden soll, überprüfen kann man dies jedoch nur über den Explorer der Kryptowährung, solange dieser open source ist (für alle transparent, nachvollziehbar und öffentlich zugänglich). Was Versprechungen von Facebook und auch den Datenschutz ihrer User angeht, hat das Unternehmen sich in der Vergangenheit nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

Darf oder muss Libra staatlich reguliert werden?

Die bekannteste Kryptowährung Bitcoin ist im Gegensatz zu Libra limitiert, dezentral und nicht „verbietbar“. Wallets kann man nicht löschen oder einfrieren, da keine Firma, Organisation oder ein Staat dahinter steht. Bitcoin ist damit zunächst einmal die „sichere Bank“. Aber auch der Bitcoin hat sich trotz des Hypes um ihn bislang noch nicht als gängiges Zahlungsmittel im Internet etabliert.

Libra hat mit Zuckerberg einen Meister des Marketings und hat es jetzt schon geschafft, dass seine neue digitale Währung genauso bekannt, wenn nicht sogar bekannter ist als Bitcoin.

Die große Frage ist: Wie sehr muss und darf Libra staatlich reguliert werden? Das ist im Endeffekt dieselbe Frage, die es auch gegenüber Facebook zu beantworten gilt.

Staatliche Politiker versuchen immer wieder, Einfluss auf Facebook zu nehmen, wie unlängst der französische Staatspräsident Emanuel Macron, der Mark Zuckerberg nun zu einem Abkommen überredet hat: Die Weitergabe der persönlichen Daten von Nutzern, die verdächtig sind, für illegale Hassbotschaften und volksverhetzende Äusserungen verantwortlich zu sein (Spiegel online: „Facebook unterstützt Macrons Kampf gegen Hassbotschaften vom 26. Juni 2019).

Es ist bekannt, dass die Mühlen der Politik sehr langsam maahhhhllleeen. Nächstes Jahr will Libra starten….sprich: für die Volksvertreter morgen. Wir dürfen gespannt sein, wie sehr sich ein Riese wie Facebook in die staatlichen Knie zwingen lässt.

 

Text von Markus Neugebauer.

Erschienen in der GSCHWÄTZ-August 2019-Ausgabe.

 

Quellen:
https://boerse.ard.de/anlageformen/kryptowaehrungen/bundesbank-warnt-vor-facebook-waehrung-libra100.html
https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/facebook-waehrung-finanzexperte-schick-warnt-vor-weitreichenden-folgen-des-libra-a-1273749.html

https://www.focus.de/digital/dldaily/kolumnen/ein-gastbeitrag-von-andrew-keen-libra-ein-neues-facebook-fiasko_id_10850355.html
https://www.finanzen.net/nachricht/devisen/starke-konkurrenz-facebook-und-libra-eine-bedrohung-fuer-visa-und-mastercard-7626323
https://www.wsj.com/articles/facebooks-libra-is-a-license-to-print-money-11561282380?mod=searchresults&page=1&pos=4

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