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  • Auch Frau Chef, Michael Bauers Frau, lauschte ihrem Mann während seiner Predigt. Foto: GSCHWÄTZ

„Glauben sie nicht jedem Gschwätz“

29. Juli 2019 von Gschwätz Ingelfingen 0 Kommentare

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer predigt in der Kirche in Dörrenzimmern

„Heute hier vorne zu stehen und zu predigen, ist eine Herausforderung für mich“, sagte Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer. Ein ungewohntes Bild präsentierte sich den Gottesdienstbesuchern am Sonntag, den 07. Juli 2019. Der Rathauschef predigte zusammen mit Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken in der Kilianskirche in Dörrenzimmern. Eingeladen hatte Focken. Bauer suchte das Thema aus: „Ehrliches Miteinander“.
Die Kirchenreihen waren an einem Sonntagmorgen ungewöhnlich voll. Besonders „bibelfest“ sei er nicht, gab Bauer gleich zu Beginn ganz ehrlich zu. Aber dank einer befreundeten Religionslehrerin habe er eine passende Bibelstelle gefunden, in welcher es unter anderem heiße: „Rede der eine mit dem anderen Wahrheit.“

Gut gefüllt waren die Kirchenbänke an diesem Sonntagmorgen. Bürgermeister Bauer selbst wollte nicht von der Redaktion des Magazins GSCHWÄTZ fotografiert werden und verzichtete auch auf ein Gespräch im Anschluss. Foto // GSCHWÄTZ Foto: GSCHWÄTZ

Bauer fordert, „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umzugehen“

Die Menschen sollen „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umgehen“, forderte Bauer. Dies sei auch sein „Wegbegleiter und seine Richtschnur“. Man müsse seine Meinung offen äußern, auch wenn „geäußerte Wahrheiten nicht immer gefallen“.

Leider „schwindet das ehrliche Miteinander immer mehr“, bedauert Bauer. „Manche biegen sich auch ihre eigene Wahrheit zurecht. Vielleicht liegt es auch an den modernen digitalen Medien, wo Halbwahrheiten verbreitet werden. Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten. Glauben Sie nicht jedem Gschwätz“, forderte Bauer final auf.

„Zum Glück ist Ingelfingen nicht geprägt von Neid und Missgunst“

„Es gibt heutzutage fast keine Entscheidung mehr, die heute nicht lautstark kritisiert wird.“ Die richtigen Entscheidungen zu treffen, welche eine Kommune fit für die Zukunft machen, falle nicht immer leicht. „Deshalb werde ich weiter sagen, was ich denke und tun, was ich sage.“ Zum Glück seien Ingelfingen und seine Teilorte „nicht geprägt von Neid, Missgunst und Intoleranz.“ Bauer endet mit einem Verweis auf eine Studie, dass Ehrlichkeit zugleich einhergehe mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.

Dieses Stichwort griff Pfarrerin Focken in ihrer direkt am Anschluss folgenden Predigt auf: „Das ist ein starkes Zielbild. Ehrlichkeit bringt wirtschaftliche Vorteile. In Ehrlichkeit zu leben tut auch gut. Ich kann mich verlassen auf den anderen. Wenn ich weiß, dass jemand freundlich ist und hintenrum im Dorf schwätzt er etwas anderes, tut das nicht gut. Aber ich glaube, das hat es zu allen Zeiten gegeben.“
Focken fragte sich deshalb: „Warum sagen die Menschen die Wahrheit immer mal wieder nicht?“ Ihre Antwort: „Die Wahrheit muss man sich leisten können.“ Wenn die Angst da sei, zu kurz zu kommen, wenn man in seinem Leben gelernt habe, ohnmächtig zu sein, wenn man Sorge habe, nicht gut dazustehen und dumm dargestellt zu werden.

„Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten“

Die Liebe sei mit der Wahrheit eng verbunden: „Wenn ich zu allererst mich selbst liebe, kann ich wahr sein lassen, was sowieso wahr ist.“ Und man könne dann die Angst der anderen wahrnehmen, die Dünnhäutigkeit, ohne die Finger in die Wunde zu legen. Ich verzichte auf Bloßstellen des Anderen, weil ich merke, wie weh mir das selber tun würde.“ Focken verweist darauf, dass man manche Dinge auch ungewollt stärker macht, in dem man den Fokus darauf legt: „Demonstrationen gegen den Rechtsradikalismus taugen nichts, weil wir denen dadurch mehr Kraft geben.“

Neue Gottesdienstreihe

Am Sonntag, den 07. Juli 2019, 09.30 Uhr, predigten Bürgermeister Michael Bauer und Pfarrerin Sabine Focken gemeinsam in der Kirche in Ingelfingen-Dörrenzimmern. Das Thema lautete: „Ehrliches Miteinander“. Sabine Focken verweist darauf, dass derartige Gottesdienste künftig in loser Folge immer wieder im Kirchenjahr stattfinden sollen. Das Prinzip sei stets dasselbe, so Focken. „Jemand predigt mit mir zusammen, wählt das Thema, schreibt den ersten Teil und ich lege den zweiten Teil dazu.“
Am 29. September 2019 ist Jens Sprügel zu Gast in der Kirche Dörrenzimmern. Er hat das Thema „Werte“ gewählt.

Auch Frau Chef, Michael Bauers Frau, lauschte ihrem Mann während seiner Predigt. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kirchenreihen waren voll besetzt beim Gottesdienst mit dem Bürgermeister. Foto: GSCHWÄTZ