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  • Wo sind all die Vögel hin? Foto: Landratsamt des Hohenlohekreises

Wo sind all die Vögel hin?

Jeder Gemeinde ihr Biotop 

Vortrag von Prof. Dr. Peter Berthold über ein neues Naturschutzprojekt zur Wiederbelebung der Artenvielfalt

 

Auch im Hohenlohekreis nimmt der menschliche Nutzungsdruck auf die Landschaft schon seit Jahrzehnten zu. Flächenverbrauch sowie die Intensivierung von Land- und Forstwirtschaft haben dazu geführt, dass vielerorts Lebensräume von Tieren und Pflanzen verloren gingen und nur noch kleine, isolierte Flächen übrig geblieben sind. Um dem entstandenen Artenrückgang entgegenzuwirken, könnten in Zusammenarbeit mit der Heinz Sielmann Stiftung  Naturschutzprojekte ins Leben gerufen werden.

Durch Initiative des CDU-Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb lud der Landschaftserhaltungsverband Hohenlohekreis e.V. Prof. Dr. Peter Berthold nach Dörzbach ins Universum ein, damit dieser für seine Ideen zu einem deutschlandweiten Biotopverbund werben kann.  Prof. Berthold ist von Haus aus Zoologe, im Besonderen jedoch Verhaltensforscher und Ornithologe, leitete lange Jahre die Vogelschutzwarte in Radolfzell, eine Zweigstelle des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen und war Professor an der Universität Konstanz. Als seine Forschungsschwerpunkte sind der Vogelzug und Fragen zur Populationsdynamik und zum Artenschutz in der Ornithologie.

„Drei Kohlmeisenpaare je Hektar vertilgen während der Jungenaufzucht bis zu 50 Prozent aller Schädlingsraupen, wie zum Beispiel den Frostspanner“

Berthold beleuchtete mit aufrüttelnden Zahlen und provokativen Worten Gründe für den dramatischen Artenschwund: „Gehen Sie mit einem Körnerfresser in ein Mais- oder Weizenfeld und fragen ihn, was er zu fressen findet. Da wird er ihnen sagen: Gar nichts! Denn da gibt’s nichts mehr.“ Dagegen fanden sich in den Weizenäckern um 1950 in Deutschland zirka 1 Million Tonnen Sämereien von Wildkräutern. Wie notwendig allein aus Sicht einer umweltverträglichen Schädlingsbekämpfung eine hohe Vogeldichte ist, belegte er damit, dass „drei Kohlmeisenpaare je Hektar während der Jungenaufzucht bis zu 50 Prozent aller Schädlingsraupen vertilgen, wie zum Beispiel den Frostspanner“.

Die Kohlmeise. Foto: Unsplash/Pascal Beyer

„Oasen aus Menschenhand – jeder Gemeinde sein Biotop“

Doch er brachte auch konkrete Beispiele vom Bodensee, wie dem fortschreitenden Artenschwund erfolgreich Einhalt geboten werden kann. Seit seiner Emeritierung im Jahr 2004 wirkt er im Stiftungsrat der Heinz Sielmann Stiftung mit und gab den Anstoß für den Biotopverbund Bodensee (BVB). Die Heinz Sielmann Stiftung schafft seit 2004 ein Netz von neuen Lebensräumen für Tiere und Pflanzen in Sielmanns Biotopverbund Bodensee. Die Tier- und Pflanzenbestände sollen sich erholen und verschwundene Arten sollen zurückkehren können. Dieses Projekt stellt den umfangreichsten Großversuch dar, der im Hinblick auf die Rettung der Artenvielfalt durchgeführt werden konnte. Grundlage dafür ist ein im Jahre 1988 vorgestelltes neues Naturschutzkonzept: Renaturierung von etwa zehn Prozent der Fläche im Bereich jeder Gemeinde und dadurch Schaffung eines bundesweiten Biotopverbundes, basierend auf „Oasen aus Menschenhand – jeder Gemeinde sein Biotop“. Zwischenzeitlich wurden auf 500 Quadratkilometern Fläche über 100 Einzelprojekte an 44 Standorten gemeinsam mit den Städten und Gemeinden aus ganz Deutschland im Wert von etwa fünf Millionen Euro realisiert.

Im vollbesetzten Dörzbacher Universum kamen die markigen Worte Professor Bertholds beim Publikum größtenteils gut an. Die Frage, was daraus nun vor Ort folgen wird, konnte aber auch nach lebhafter Diskussion noch nicht beantwortet werden.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

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