07940 | 935 557
 0,00 (0 Gegenstände)

Keine Produkte im Warenkorb.

SPD-Frontmann Hans-Jürgen Saknus übt Kritik an GSCHWÄTZ-Berichterstattung über AfD in Niedernhall

Herr Saknus, Sie haben uns kritisiert hinsichtlich unserer Berichterstattung zur AfD-Veranstaltung in Niedernhall (wir berichteten).

Saknus: Ich hatte das Gefühl, dass Sie die AfD in eine Opferrolle drängen. Die AfD ist aber nicht Opfer, sondern Täter, weil sie Hetze betreibt, Hass verbreitet und die Menschen springen auf diesen Zug auf. Der Landtagsabgeordnete André Poggenburg aus Sachsen-Anhalt zum Beispiel beschimpft in Deutschland lebende Türken als Kümmelhändler und Kameltreiber. Er ist zwar mittlerweile aus der AfD ausgetreten, konnte aber bis dahin lange hetzen. Björn Höcke steht aber weiterhin unter Gaulands Schutz [Anm. d. Red.: Folgende Aussage von Höcke wurde auch öffentlich stark kritisiert: „Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“, Dresden, 17. Januar 2017, über das Holocaust-Denkmal in Berlin] .

AfD = NPD?

Ist die AfD Ihrer Meinung nach der NPD gleichzusetzen?
Saknus: Der große Verdienst von Gauland ist, dass er die rechtsradikale Szene vereint hat. Es waren immer schon Versuche da, etwa im Saarland, dass die AfD und die NPD Bestrebungen hatten, sich zusammenzuschließen. Jeder, der das abstreitet, lügt. Die AfD ist ein Sammelbecken der Rechtsradikalen.

Bürger enttäuscht von den etablierten Parteien

Haben Sie Angst vor der AfD oder vor dem, was kommen mag, wenn die AfD immer mehr Wähler gewinnt?
Saknus: Die AfD arbeitet mit Angst. Wir haben Angst, was sich daraus entwickelt. Hass und Hetze gibt es im Internet und die AfD befördert und unterstützt diese Entwicklung. Sie versucht, die Demokratie zu zerstören.

„Gefahr für die Demokratie“

Die AfD wiederum hat in Niedernhall sinngemäß gesagt, dass die etablierten Parteien eine Gefahr für die Demokratie seien.
Saknus: Die AfD behauptet, die etablierten Parteien verhalten sich nicht mehr nach Recht und Gesetz. Aber sie benennen nicht, wie. Die Presse verbreitet laut der AfD nur Lügen. Aber wir haben Gott sei Dank noch eine kritische Presse, die nachfragt und unabhängig ist. Das ist für mich eine Grundlage von Freiheit.

Wir haben nicht unbedingt das Gefühl, dass sich die Parteien über kritische Berichterstattung freuen. Manchmal können wir auch keine wirklichen Unterschiede mehr erkennen zwischen den einzelnen Parteien. Wo waren etwa die Gegenstimmen bei der Schließung des Krankenhausstandortes Künzelsau? Da hätten ein paar SPD-Kreisräte Farbe bekennen können.
Saknus: Wir haben das Krankenhaus-Thema kritisch innerhalb der Partei diskutiert und das hat die Partei fast zerrissen. Da sind wirklich Gräben aufgerissen worden. Aber letzten Endes ist das die Entscheidung der Kreisräte, wie sie abstimmen. Das ist Demokratie.

Wohin fließen die ganzen Steuergelder?

Nicht nur beim Krankenhaus, auch in die Altenheime könnte mehr Geld investiert werden.
Saknus: Die AfD möchte ja den Sozialstaat komplett abbauen. Beim Krankenhaus hat es mich völlig erstaunt, dass wir vom Land Baden-Württemberg rund 50 Millionen Zuschuss zugesagt bekommen haben. Ich hatte mit 20 oder 30 Millionen gerechnet. Denn die Länder sind hier schon viele Jahrzehnte und Jahrzehnte zu geizig, mehr Geld in die Hand zu nehmen und sich mehr daran zu beteiligen. Deutschlandweit werden hier drei, wenn nicht sogar fünf Milliarden Euro zu wenig investiert. Aber das wissen die Bundesländer auch.

„Schließung Krankenhaus Künzelsau hats unsere Partei fast zerrissen“

Viele machen bei der AfD ihr Kreuz aus Protest, weil die Steuergelder vermeintlich nicht mehr beim Bürger ankommen und/oder für andere Dinge ausgegeben werden. Allein für die erste Machbarkeitsstudie bezüglich des Neubaus des Landratsamtes in Künzelsau hat der Hohenlohekreis 167.000 Euro gezahlt. Ist das gerechtfertigt?
Saknus: Es ist immer besser, nochmal alle Fakten zu sammeln und auf dem Tisch zu haben, bevor man 50 Millionen Euro in den Neubau investiert.

Hans-Jürgen Saknus, stellvertretender SPD-Kreisverbandsvorsitzender des Hohenlohekreises beim Pressegespräch am 16. April 2019 in unserer Redaktion (Foto links). Er zeigt ein AfD-Wahlplakat in Berlin und kritisiert: Die AfD werbe mit einem Bild von einem Sklavenmarkt aus dem Jahr 1866. Foto rechts // Saknus beim Interview mit GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann bei der AfD-Veranstaltung mit Alice Weidel in der Stadthalle Niedernhall.

Die Schließung des Krankenhauses in Künzelsau hätte die SPD vor Ort schier zerrissen, so Saknus. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Video: GSCHWÄTZ/Archiv/Interview mit Hans-Jürgen Saknus am 30. April 2018

 

Markiert in AfDSaknusSPD