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Muss das sein?

„Zirkus mit Tieren gehört abgeschafft“, rufen Demonstranten. „Denn artgerecht ist nur die Freiheit.“ Es ist Samstag, der 22. Dezember 2018, der Tag der Premiere des Main-Tauber Weihnachtscirkus auf dem Volksfestplatz in Bad Mergentheim. Auf der einen Seite das gelbe Zirkuszelt mit den roten Wimpeln und den Menschen, die Schlange stehen, um in der Manege Luftartisten, Clowns, Tiger und Löwen sehen zu können. Einige Menschen blicken zu ihrer Rechten. Auf der anderen Straßenseite stehen, hinter rotem Absperrband, 43 Demonstranten mit Schildern in der Hand, die ihre Parolen rufen. Sie haben Schilder
mit Schriftzügen wie „Tierquälerei ist keine Unterhaltung“ oder „Zirkus, aber ohne Tiere“ in den Händen.

GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer fragt die Besucher, die in der Schlange zur Kasse stehen, wie sie es finden, dass direkt neben ihnen eine Demonstration gegen Tiere im Zirkus stattfindet. Fast alle sind sich einig: Das ist eine gute Idee. Auf die zweite Frage, wieso sie denn dann gerade in der Schlange stehen, um in den Zirkus zu gehen, wusste keiner so recht eine Antwort.

 

„Kein Tier springt freiwillig durch brennende Reifen“

 

Carolin und Marie-Christin, die beiden Organisatoren der Demo gegen Tiere im Zirkus, wissen, wieso sie selbst keine Tiere in der Manege sehen wollen: „Kein Tier begibt sich freiwillig in Situationen, die es als unangenehm empfindet. Tiernummern im Zirkus sind aufgrund der Musik und der kreischenden und applaudierenden Menschen laut und wegen der Lichteffekte grell und daher psychisch unheimlich belastend. Zudem springt kein Tier freiwillig durch brennende Reifen oder macht Salti. Um Tiere dazu zu bekommen, diese Kunststücke aufzuführen, werden sie mit Peitschenhieben, Stockschlägen und ähnlichen grausamen Erziehungsmethoden bearbeitet“, sind sich die beiden sicher. Sie betonen, dass Tiere nicht ausgebeutet und zu Unterhaltungszwecken ausgenutzt werden dürfen. „Uns war klar, dass wir hier ein Zeichen gegen Tiermissbrauch vor unserer eigenen Haustüre setzen müssen.“ Und so meldeten sie die Demo gegen Tiere im Zirkus beim Ordnungsamt der Stadt Bad Mergentheim an.

Der Main-Tauber Weihnachtszirkus wirbt auf seinen Plakaten mit Tigern. Foto: GSCHWÄTZ

Bad Mergentheim hat die Demonstration genehmigt. „Auch wenn wir die Position der Veranstalter und Teilnehmer der Demo nicht teilen – und vor allem den geäußerten Vorwurf der Tierquälerei zurückweisen“, erklärt Carsten Müller, Pressesprecher der Stadt Bad Mergentheim, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Eine Polizeistreife mit zwei Polizeibeamten war vor Ort, es kam aber zu keinerlei Zwischenfällen der friedlichen Plakat-Demo.
GSCHWÄTZ fragte die 27- und 28-jährigen Organisatoren Mitte Januar 2019, ob es bisher Feedback auf die Demo gab. „Es gab zahlreiches Feedback – sowohl positives als auch Unverständnis.“

 

Veranstalter sieht keinen Grund auf Tiere zu verzichten

 

Auf Unverständnis stoßen die beiden auch bei Rudi Bauer, dem Veranstalter des Main-Tauber Weihnachtscirkus. Zwar vertritt er die Meinung, dass grundsätzlich jeder das Recht hat, seine Meinung in der Öffentlichkeit kundzutun. Jedoch sind für ihn „Tiere im Zirkus eine Selbstverständlichkeit – sofern die Haltung und der Umgang mit ihnen stimmt“. Bauer sagt: „Solange nur 15 Menschen vor dem Zirkus stehen und demonstrieren, zeitgleich aber knapp 1.000 Zuschauer im Zelt sitzen“, sehe er keinen Grund, Tiere nicht mehr in das Zirkusprogramm aufzunehmen. Er werde auch im nächsten Jahr nicht auf Tiere in der Manege verzichten, denn tausende Besucher seien genau wegen der Tierdarbietungen zur Show gekommen, ist seine Meinung. „Unsere Tierhaltung wurde vom lokalen Veterinäramt überprüft und als gut bewertet. Nur weil eine Minderheit gegen Tiershows demonstriert, ist dies noch lange kein Grund, diese aus dem Programm zu nehmen. Im Gegenteil, die Besucher haben nach mehr Tieren gefragt und diesem Wunsch kommen wir im nächsten Jahr auch gerne nach.“

 

 

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