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  • Elisabeth S. (Mitte). Foto: Gschwätz/Archiv

Elisabeth S.: Mord aus niederen Beweggründen unwahrscheinlich

Am heutigen Verhandlungstag (26. Februar 2019) gegen Elisabeth S. wurde eine schriftliche Stellungnahme des Sachverständigen Dr. Thomas Heinrich vorgelesen. Heinrich reagierte auf die scharfe Kritik der Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf an seinem Gutachten. Er betonte, dass sein Gutachten verschiedenartige Fragestellungen und insbesondere das gesamte Spektrum der psychiatrischen Krankheitsbilder umfasse. Schwerpunkt seiner Arbeit sei unter anderem die Betreuung und der Behandlung von gerontopsychiatrischen älteren] Patienten gewesen. Er schilderte in seiner Stellungnahme: „Insoweit Frau Rechtsanwältin Stiefel-Bechdolf von einem „Aufflammen einer psychotischen Exabertation der Grunderkrankung“ sprach, ist damit sicherlich eine psychotische Exazerbation gemeint. Es ergab sich im Rahmen der Begutachtung und auch im Rahmen der Hauptverhandlung jedoch keinerlei Hinweise auf das Vorliegen einer psychotischen Exazerbation [Wiederaufleben einer Krankheit].“ Es sei auch unklar, welche Grunderkrankung wiederaufleben solle. Bei der Aufnahmeuntersuchung in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwäbisch Gmünd solle eine körperlich-neurologische Untersuchung durchgeführt worden sein. Diese Untersuchung solle einen unauffälligen Befund ergeben haben.

Stiefel-Bechdolf stellt psychologische Labilität in den Fokus

Stiefel-Bechdolf stellte heute zwei weitere Anträge. Der Sohn von Elisabeth S. soll nochmal vernommen werden, da er nun einverstanden sei über das zirka dreieinhalbstündige Vier-Augen-Gespräch, das er mit seiner Mutter Elisabeth S. im Landgericht Heilbronn Mitte Januar 2019 geführt hat, zu berichten. Bislang hatte er sich diesbezüglich auf sein Zeugnisverweigerungsrecht berufen und seine Aussage verweigert.  Zudem möchte Stiefel-Bechdolf die JVA-Psychologin im Zeugenstand stehen, die seit Mai 2018 zweimal wöchentlich ein bis eineinhalb Stunden mit der Angeklagten therapeutische Gespräche geführt habe.

Der Hausärztin von Elisabeth S., die bereits vor Gericht als Zeugin vernommen wurde, soll noch etwas eingefallen sein und möchte, so Stiefel-Bechdolf, erneut vor Gericht aussagen.

Falls beim nächsten Prozesstermin am 07. März 2019 allen Anträgen von Stiefel-Bechdolf stattgegeben werden, müssten am Folgetermin, den 15. März 2019, somit mindestens der Bruder von Elisabeth S., ihr Sohn, ihre Hausärztin, Dr. Thomas Heinrich und die JVA-Psychologin H. gehört werden, um die weiteren Prozesstermine nicht zu gefährden.

Der Nebenklägervertreter Jens Rabe regte an, im Zuge der Vernehmung der JVA-Psychologin auch die Stockwerk-Beamtin der JVA zu hören, die diese mehr Kontakt zur Angeklagten gehabt habe.

Elisabeth S. sei unternehmungslustig gewesen

Heute wurde auch Zeuge S., der Bekannte beziehungsweise Freund von Elisabeth S., als Zeuge befragt. Ihm sei keine Depressiven Verstimmungen aufgefallen. Er habe sich zweimal jährlich mit ihr persönlich getroffen. Ansonsten fand der Kontakt per Handy statt. Elisabeth S. sei laut seiner Aussage unternehmungslustig und ausgeglichen gewesen und habe sich immer auf Ole gefreut.

Der Erste Vorsitzende Richter, Roland Kleinschroth, betonte heute, dass die Kammer sich noch nicht festgelegt habe, ob das Strafmaß auf Mord aus Heimtücke anstatt Todschlag hochgestuft werden solle. Das Mordmerkmal der niederen Beweggründe „käme eher nicht mehr in Frage“.

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