07940 | 935 557
 0,00 (0 Gegenstände)

Keine Produkte im Warenkorb.

  • Elisabeth S. soll sich am Kocherufer versteckt gehalten haben.

Elisabeth S.: Kleine Tiere krabbelten aus ihren Ärmeln

Die Gemüter sind erhitzt. Man merkt, dass es langsam Richtung Endspurt geht bei dem Prozess gegen Elisabeth S., die sich derzeit wegen Totschlags an dem siebenjährigen Ole vor dem Landgericht Heilbronn verantworten muss. Über zwei Stunden dauerte die Befragung von Rainer O. am Mittwoch, den 30. Januar 2019. O. ist Kriminalhauptkommissar in Künzelsau. Er war der erste, der Elisabeth S. zur Tatnacht befragt hat.

Das, was Elisabeth S. damals ihm gegenüber erzählt hat, hat sie mittlerweile wieder revidiert. Ole sei nicht beim Toben vom Bett gestürzt (erste Aussage bei der polizeilichen Vernehmung), sondern habe schlecht Luft bekommen (Aussage am Montag, den 28. Januar 2019; wir berichteten). Die gerichtlichen Untersuchungsbefunde hatten diese erste Schilderung der Tat ohnehin ausgeschlossen. Am Mittwoch, den 30. Januar 2019, ist nun nach dem Gutachten des Gerichtsmediziners klar: Auch ihre zweite Schilderung der Tatnacht stimmt nicht. Klar ist: Die Ersatz-Oma hat ihren Ersatz-Enkel erwürgt. Die Gründe hierfür sind bislang noch unklar.

Kommende Woche, am Montag, den 04. Februar 2019, tragen die Verteidigung und die Staatsanwaltschaft ihre jeweiligen Plädoyers vor. Auf Mittwoch, den 06. Februar 2019 ist die Urteilsverkündung geplant. Für das Strafmaß relevant ist unter anderem der Geisteszustand von Elisabeth S. und aus welchen Motiven heraus sie dieses Tötungsdelikt begangen hat.

Kriminalhauptkommissar Rainer O. hat vor Gericht Auskunft darüber gegeben, wie sie sich in den ersten Stunden nach der Ergreifung am Samstagabend, den 28. April 2018,  ihm gegenüber präsentiert hat.

„Ich werde diese Situation nie vergessen“

„Ich werde diese Situation nie vergessen“, sagt er zu Beginn seiner Vernehmung. „Sie saß vor mir am Tisch. Aus ihren Ärmeln krabbelten kleine Tiere heraus.“ O. berichtet von Ameisen und anderen kleinen Tieren. „Ihre Jacke war feucht.“ Dies stützt die Schilderung von Elisabeth S., dass sie sich am Folgetag der Tatnacht in einem Gebüsch am Kocherufer aufgehalten hat. Ob sie etwas zum Sachverhalt sagen möchte, habe er sie gefragt. „Ja, ich möchte mit Ihnen reden.“ Ole sei bei ihr über Nacht gewesen. Sie wollte Ole die Haare waschen. Zuhause habe er das nie machen lassen. Aber von ihr hätte er das immer wieder machen lassen. Er habe das aber dann doch nicht gewollt. Das sei für sie auch in Ordnung gewesen. Dann hätten sie Zähne geputzt und seien sie ins Bett gegangen. „Sie brach dabei immer wieder in Weinkrämpfe aus“, so Rainer O.. „Ich habe dem Ole doch nichts getan“, soll Elisabeth S. ihm gegenüber immer wieder geäussert haben. Es sei ein Unfall gewesen. Und: „Ich liebe Ole. Er ist mein Ein und Alles.“ Er sei auf ihrem Bett herumgehüpft, heruntergefallen, mit der Körpervorderseite liegengeblieben und nicht mehr geatmet. Rainer Ott führt im Gerichtssaal vor, wie Elisabeth ihm wiederum bei ihrer polizeilichen Vernehmung demonstriert habe, wie sie anscheinend auf Oles Brustkorb gedrückt habe, damit er wieder atme. Der Gerichtsmediziner äusserte später dazu, dass lediglich das Würgen am Halsbereich feststellbar gewesen sei – nicht jedoch Tätigkeiten am Brustkorb des Jungen. Weiter habe sie ihm berichtet, dass Ole tatsächlich einmal noch geschnauft habe, dann aber nicht mehr. „Ich habe Ole nicht getötet“, sagt sie. „Ich war seine Oma.“

Sie wisse, dass sie alles falsch gemacht habe. Sie hätte Rettungskräfte rufen müssen. Dann habe sie ihn auch noch alleingelassen. Das sei das Schlimmste, was sie je getan habe. Aber sie sei so in Panik gewesen. Sie habe gedacht, wenn sie ihn ins Wasser lege, würde er wieder atmen.

Für Rainer Ott mit seinen mittlerweile über 40 Dienstjahren auf dem Buckel waren ihre Aussagen überzeugend. Er habe ihr geglaubt, auch und vor allem bei ihrer sich wiederholenden Aussage, wie sehr sie Ole geliebt habe.

Sie wollte auf keinen Fall hinter Gitter

Ganz schlimm sei für Elisabeth S. gewesen, als er zu ihr gesagt hat, dass sie heute Nacht in einer Zelle im Künzelsauer Polizeirevier übernachten werde und morgen der Staatsanwalt und der Richter entscheiden, ob sie in U-Haft komme. „Das hat sie richtig getroffen“, hatte O. das Gefühl. Sie habe noch gemeint, so O., dass sie hoffe, dass sie jetzt nicht ins Gefängnis müsse und dass man ihr glaube. Die zwei Gläser Orangentee habe sie später wieder erbrochen. O. habe ihr am nächsten Tag Brezeln zum Frühstück mitgebracht. Dazu habe sie Kaffee trinken wollen und keinen Tee mehr. An diesem Tag habe sie nochmal mit ihm über die Tat reden wollen, ebenso auf der Fahrt zur Justizvollzugsanstallt Schwäbisch Gmünd. „Ich hatte das Gefühl, dass sie immer reden wollte.“

Bei der Haarprobe hatte sie Angst um ihr Äusseres

 

Bei der Haarpobe, die von ihr am 17. Mai 2018, in der JVA Gschwäbisch Gmünd entnommen wurde, um zu schauen, ob sie Medikamente eingenommen hat, habe sie Angst gehabt davor, wie sie nach der Haarprobe ausschauen würde. Die eingesendete Haarpobe wurde analysiert. Es konnten jedoch keine Medikamentenrückstände gefunden werden. Die Ermittler fanden jedoch in Ihrem Haus das angebrochene Medikament Trimipramin. Das Antidepressivum sollte ihre Schlafprobleme lindern. Hatte sie das Medikament gar nicht genommen? Warum fehlen dann zirka 60 bis 80 Tropfen?

Rückblickend habe O. das Gefühl, dass Elisabeth S. bei ihrer ersten polizeilichen Vernehmung sich sehr bedacht geäussert habe: „Jedes Wort, das sie gesagt hat, hat sie auf die Goldwaage gelegt und genau überlegt, was sie sagen soll.“

Rund 60 Zeugen seien zu dem Fall befragt worden. Alle hätten unisono die Aussage gemacht, so O., „ein innigeres Verhältnis als zwischen Elisabeth S. und Ole konnte es nicht geben“.

 

 

 

Markiert in Elisabeth S.Ole
Aktuelle Beiträge