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Elisabeth S.: Sohn Stephan S. beruft sich auf das Zeugnisverweigerungsrecht

Am siebten Verhandlungstag des Prozesses gegen Elisabeth S., am Freitag, den 18. Januar 2019, war Stephan S., der Sohn von Elisabeth S., heute als Zeuge geladen. Er hatte Anfang dieses Jahres ein Vier-Augen-Gespräch mit seiner Mutter im Landgericht Heilbronn. Am Dienstag, den 15. Januar 2019, schrieb er dem Büro der Anwältin von Elisabeth S. eine E-Mail mit dem Inhalt, dass er vorerst keine Aussage machen werde. Er berufe sich auf Paragraph 52 StPO, dem Zeugnisverweigerungsrecht für Angehörige von Beschuldigten. Der Vorsitzende Richter Kleinschroth bedauert dies, denn das Gericht hätte sich ein paar mehr Information erhofft.

 

„Die Oma habe selbst geäußert, dass sie den Jungen umgebracht hat“

 

Als Zeugin wurde heute die Mitgefangene von Elisabeth S. aus der Justizvollzugsanstalt (JVA) Schwäbisch Gmünd Alexandra K. befragt, die bei der Polizei eine Zeugenaussage getätigt haben soll, in der es heißt: „Die Oma habe selbst geäußert, dass sie den Jungen umgebracht hat.“ Heute, vor Gericht im Zeugenstand, konnte sie diese Aussage nicht mehr bestätigen. Die Zellengenossin von Elisabeth S. habe aber zu ihren Freundinnen auf Russisch einen Satz gesagt, den Alexandra K. gehört habe. Diesen russischen Satz habe Alexandra K. verstanden, denn im russischen sollen einige Worte dem jugoslawischen ähneln. Die Aussprache sei zwar anders, aber die Bedeutung der Worte sei gleich, schildert die 27-jährige Mitgefangene. Vom Jugoslawischen aufs Deutsche übersetzt hieße der Satz sinngemäß: „Die Frau ist verrückt.“ Denn Elisabeth S. soll in ihrer Zelle die Nachrichten angesehen haben, in denen es um sie und Ole ging, was die Zellengenossin als verrückt definiert.

 

18 Fragen an Elisabeth S.

 

Die Kammer hat sich nun einen Fragenkatalog für Elisabeth S. überlegt. „Wenn Sie, Frau S., überlegen, warum wir diese Fragen stellen, merken sie vielleicht, dass bei Ihren Aussagen nicht alles zusammenpasst“, sagte der Vorsitzende Richter Kleinschroth. Die 18 Fragen wurde im Saal verlesen. Auf die Frage hin, ob Elisabeth S. die Fragen heute beantworten werde, meldete sich Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf zu Wort: „Heute nicht.“

Die 18 Fragen an Elisabeth S. lauteten sinngemäß wie folgt:

  1. Wie war Ihre psychische Verfassung am Tattag und in der Woche davor?
  2. Hatten Sie Depressionen oder Verlustängste?
  3. Inwieweit machte Ihnen das Entrümpeln und Aufräumen des Kellers zu schaffen?
  4. War Ole an dem Tag wie immer oder war er anders?
  5. Wer kam auf die Idee zu baden? Wie hat Ole deutlich gemacht, dass er nicht baden wollte? Oder sollten nur die Haare gewaschen werden?
  6. Wie war Ihre Reaktion auf das Ablehnen des Badens?
  7. Warum wurde das Wasser in der Badewanne nicht abgelassen?
  8. Sie haben unterschiedliche Aussagen gemacht. War es ein Unfall oder hatte Ole Atemnot?
  9. Sie sollen Ole geschüttelt haben. Wie sah das Schütteln aus? Und wo haben Sie ihn am Hals gedrückt?
  10. Haben sie Ole reanimiert? Wenn ja, mit welchen Reanimationsversuchen? Wenn nein, wieso nicht?
  11. Wie haben Sie ihn ins Badezimmer gezogen? An den Händen, an den Füßen, an den Schultern?
  12. Wie wurde Ole mit Wasser beträufelt?
  13. Wie kann es sein, dass Ole ins Wasser geplumpst ist?
  14. Ab wann wirkte Ole auf Sie leblos?
  15. Haben Sie einen Brief an Stefan S. geschrieben? Warum?
  16. War es ein Abschiedsbrief?
  17. Warum lag ein Messer oben auf der Kommode und seit wann?
  18. Was haben Sie getan, als Sie das Haus verlassen haben? Wollten Sie sich umbringen? Warum haben Sie sich bei Ihrer Rückkehr auf die Rückbank Ihres Autos gesetzt?

 

Der Vorsitzende Richter Kleinschroth betonte am Ende der Verlesung der Fragen gegenüber Elisabeth S., dass man nicht vorhabe, nochmal ein Gespräch mit einem Sachverständigen zu starten. „Sie sind die Einzige, die es uns erklären kann“, so Kleinschroth.

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