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  • Krankenhaus in Künzelsau: In einem Jahr gehen die Lichter hier ganz aus. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Das kann dann mal weg

Schnell war er weg, Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, nach der Entscheidung des Kreistags am 10. Dezember 2018, das Krankenhaus in Künzelsau nun doch schon Ende 2019 zu schließen und nicht erst, wie ursprünglich gebetsmühlenartig von Landrat und Kreistag versprochen, 2022/23 – bis der Krankenhausneubau in Öhringen steht. Neumann votierte gegen die Schließung, ebenso wie Christian von Stetten (CDU), Birgit Muth aus Künzelsau (SPD) und Michael Bauer (CDU), waren damit aber in der großen Minderheit.

Nun wurde mit dem Neubau in Öhringen noch nicht mal begonnen und schon gibt es, vier Jahre früher, eine Bettenburg weniger im Hohenlohekreis. „Das tut schon sehr weh“, sagen Künzelsauer, wenn man sie fragt – zumal viele von ihnen ihre Kinder in den 1980er Jahren noch im Krankenhaus in Künzelsau zur Welt gebracht haben. Eine Kreisstadt ohne Krankenhaus?, wo gebe es denn sowas?, fragt der ein oder andere. Nun ist die Antwort klar: in Künzelsau.

Nur wenige Minuten nach der Entscheidung verschickte des Landratsamt des Hohenlohekreises eine Pressemitteilung mit der Verkündigung der Entscheidung.

Worüber denkt Landrat Neth (2. von links) wohl gerade nach? Foto: GSCHWÄTZ

„Heute ist ein schwarzer Tag für Künzelsau“

„Heute ist ein schwarzer Tag für Künzelsau“, sagt die Bürgerinitiative zum Erhalt des Hohenloher Krankenhauses (BI) nach der Entscheidung des Kreistages. Sie hat Recht behalten mit ihrer Befürchtung, dass der Kreistag heute entscheidet, das Krankenhaus in Künzelsau bereits einige Jahre früher zu schließen.

Welche Ärzte sollen den Mehraufwand stemmen?

Wie bereits im Sitzungsprotokoll angekündigt, stimmte der Kreistag einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Künzelsau zu. Das heißt: Als Basis dient das bereits vorhandene Ärztehaus. Ein so genannter Versorgungsassistent der Hausärzte (VERAH) soll zusätzlich etabliert werden. Hier sei es wichtig, „dass die Ärzte in der Region gut miteinander zusammenarbeiten und nicht gegeneinander“. Ziel sei eine 24-Stunden-Notfallversorgung an sieben Tagen in der Woche. Die Frage, inwieweit die Ärzte, die jetzt schon teilweise mit Patienten überlastet sind, nun auch noch einen solchen Versorgungsassistenten aufbauen und mitbetreuen sollen, wurde nicht näher erörtert. Begriffe wie Telemedizin fielen – eine medizinische Beratung / Diagnose per Fernwartung, welche unter anderem Teil des medizinischen Konzepts für Künzelsau werden soll.

Neben der bereits bestehenden psychiatrischen Tagesklinik soll auch eine Kurzzeitpflege für Künzelsau kommen.

Was tippt Künzelsaus Bürgermeister Neumann (2. von links) da in sein Handy ein? Foto: GSCHWÄTZ

Der Rettungswagen braucht lange zum nächsten Krankenhaus

Fakt ist: Die Transportwege werden für den Rettungsdienst von Künzelsau deutlich länger werden. In die umliegenden Krankenhäuser nach Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim oder Öhringen braucht man wegen der verstopften Straßen nicht selten 30 Minuten oder länger.

Die Kreisräte betonen, dass es immer schwieriger sei, Ärzte, besonders für eine Notfallabteilung in Künzelsau zu finden und verweisen auf eine Belegungsquote in Künzelsau von nur noch mageren 40 Prozent – wobei diese Entwicklungen angesichts der offiziellen Schließungsverkündung des Krankenhauses Künzelsau vor fast zwei Jahren keine Überraschung sind. Denn: Wer geht noch in ein Krankenhaus, über dem ein großes Totenkreuz hängt? Der Kreistag lobt indes den neuen großen Bruder, die BBT-Gruppe, die seit  März 2018, die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses hält. Aus Kostengründen werde nun ein früherer Schlussstrich in Künzelsau gezogen, erklären sie fast einmütig. Die damit mit einem Schlag wegfallenden Betten scheinen für die HK nicht weiter ins Gewicht zu fallen – womit man bei der Frage angelangt wäre, inwieweit der Neubau in Öhringen wirklich  nötig ist.

„Ein Krankenhaus können wir uns nicht mehr leisten, aber ein neues Landratsamt“

„Ein Krankenhaus können wir uns nicht mehr leisten, aber ein neues Landratsamt“, murren viele Künzelsauer – besonders nach der letzten Kreistagssitzung, in welcher Kreiskämmerer Michael Schellmann und Landrat Dr. Matthias Neth verkündeten, dass das geplante neue Landratsamt (vom Landratsamt als „Kreishaus“ bezeichnet) keine 56,6 Millionen Euro mehr kosten soll, wie geplant, sondern vermutlich ein paar Millionen Euro mehr, da sich seit den Pklanungen von 2015 „einiges verändert habe“.

 

Text: Elke Brand und Dr. Sandra Hartmann

Foto: Elke Brand

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