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  • Dr. Karle plant Herz-OPs in Schloss Stetten, etwa: Herzschrittmacher einsetzen. Foto: AdobeStock

Nur für Araber und reiche Russen?

Für private Praxisklinik auf Schloss Stetten klatscht nicht jeder Applaus.

Dr. Hans-Wilhelm Köhler kann nur den Kopf schütteln  über das, was er von Schloss Stetten hört beziehungsweise was manche Bürger meinen: Nun haben wir ja bald wieder ein Krankenhaus.

Der Arzt aus Künzelsau aber betont: „Diese Praxisklinik ist nicht annähernd vergleichbar mit einem vollwertigen Krankenhaus“ und sei daher auch kein Ersatz für die bevorstehende Schließung des Krankenhauses in Künzelsau.

Anfang Juli 2018 ist es amtlich, was schon seit September 2017 in Form von Gerüchten durch das Kochertal waberte (wir berichteten): „Es gibt Gerüchte, dass Sie eine Praxisklinik zusammen mit Professor Dr. Christoph Karle in Schloss Stetten mit Schwerpunkt Kardiologie planen.“ Ob das zutreffe, haben wir den Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten im August 2017 gefragt.

Von Stettens damalige Antwort verlor sich im Unkonkreten: „Wie Sie wissen, habe ich mich sehr für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses eingesetzt. Nach dem die politische Mehrheit aber anders entschieden hat, arbeiten wir an Möglichkeiten, die medizinische Versorgung der Bevölkerung im Kochertal (von Niedernhall bis Braunsbach) und im Jagsttal (von Mulfingen bis Langenburg) aufrecht zu erhalten oder in bestimmten Punkten zu verbessern.“

Es sei jedoch noch zu früh, um mitzuteilen, welche dieser Projekte tatsächlich realisiert werden können.

Nun rollen die Bagger, damit das Gebäude für eine private Praxisklinik schnell hochgezogen werden kann.

In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Schwerpunkt: Kardiologie, also für Patienten mit Herzerkrankungen. Hauptmieter der Räume ist Professor Dr. Christoph Karle. Auch OP-Räume sind vorgesehen. Privatpatienten könnten sich künftig in Schloss Stetten beispielsweise einen Herzschrittmacher legen lassen. In Notfällen könnten aber auch Kassenpatienten kommen.

Die Frage ist nur: Wäre nach 18 Uhr noch ein Arzt in der Klinik anzutreffen. Und: Was ist überhaupt ein Notfall? „Notfälle bestimmt der MdK (Anm. d. Redaktion: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung)“, so Köhler. Das Problem: Viele Bürger säßen heutzutage in den Notfallambulanzen, ohne einen Notfall zu haben. „Das ist in den vergangenen fünf Jahren explodiert“, berichtet Köhler. Daher ist der Allgemeinmediziner auch für eine Notfallgebühr, die momentan in der Politik diskutiert wird. Die Bürger würden mit Bauchschmerzen „aus Bequemlichkeit“ ins Krankenhaus gehen, um sich den Arztbesuch zu sparen. das ist für ihn inakzeptabel.

Nach wie vor fehle in Künzelsau mit Blick auf die bevorstehende Schließung des Krankenhauses eine Perspektive für eine 24-Stunden-Notfallambulanz, kritisiert Köhler.

In Künzelsau darf keine weitere Praxis aufmachen

Das Künzelsauer Problem: Diverse Ärzte sind in Forchtenberg und Öhringen mittlerweile mit ihren Praxen ansässig. Wieviel Praxen in einem bestimmten Kreis aufmachen dürfen, entscheidet die kassenärztliche Vereinigung. Und da schaut es gerade ziemlich mau aus mit freien Sitzen im Hohenlohekreis. In Künzelsau dürfte daher gemäß der aktuellen Lage keine weitere Praxis, etwa zum Aufbau eines Notfallzentrums, aufmachen, so Köhler. Und die Ärzte, die derzeit noch im Ärztehaus arbeiten, seien  ausgelastet. Auf die Kritik von Köhler angesprochen, entgegnete Karle, dass es natürlich das langfristige Ziel sei, in Schloss Stetten auch Kassenpatienten behandeln zu können. Köhler sieht dies skeptisch: „Nach heutigem Recht ist das absolut unmöglich.“ Zudem soll Karle einmal gesagt haben: „Mich interessieren nur Araber und reiche Russen.“ Karle betont gegenüber GSCHWÄTZ indes, dass diese neuen Einrichtungen der gesamten Bevölkerung in der Region Hohenlohe offen stehen soll, „unabhängig davon, ob die Patienten privat oder gesetzlich versichert sind.“ Dieses Ziel unterstützt auch Bauherr Christian von Stetten „uneingeschränkt“, wie er in einer Pressantwort an unser Magazin betont.

Doch das ist gar nicht so einfach. Dr. René Schilling, Pressesprecher der AOK Heilbronn Franken, betonte gegenüber GSCHWÄTZ: „Grundsätzlich gilt für die gesetzliche Krankenversicherung bei der Abrechnung von stationären Leistungen mit Kliniken: Diese müssen im Landeskrankenhausplan geführt werden. Ist diese Rechtsgrundlage nicht gegeben, ist eine Abrechnung ausgeschlossen.“ Sprich: Es obliegt dem Land Stuttgart, zu entscheiden, ob Künzelsau wieder Betten bekommt, nachdem sie zuvor im Rahmen des HK gestrichen wurden.

Bauherr Christian von Stetten rechnet mit einer Bauzeit von 1,5 Jahren. Ende 2019 soll das Gebäude bereits in Betrieb genommen werden. „Der Pachtvertrag mit Prof. Karle ist abgeschlossen und Gespräche mit weiteren Ärzten laufen.“

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