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Belogen und betrogen?

4. Juli 2017 von Gschwätz Allgemein 0 Kommentare

 

// Hitzige Debatte beim gestrigen Bürgerdialog
// Künzelsau soll sich künftig mehr um die Alten kümmern
// auch Hospiz in Künzelsau vorstellbar
// ambulante Versorgung nun Sache der hiesigen Ärzteschaft

Schon am Eingang debattierten Bürger mit den eintreffenden Kreisräten wie Krautheims Bürgermeister Andreas Köhler und Karlheinz Börkel, ob ihrer Entscheidung am 09. Juni 2017, das Krankenhaus Künzelsau zu schließen. Landrat Dr. Matthias Neth hatte zum Bürgerdialog zum Thema Gesundheitsversorgung in Künzelsau in die Stadthalle geladen.

Dort konnte man die angestauten Emotionen förmlich fühlen. Auf der einen Seite die Bürger, Krankenhausmitarbeiter und Ärzte, auf der anderen Seite die Kreisräte und der Landrat. Landrat Dr. Matthias Neth versuchte in seiner Rede zu erklären, warum das Krankenhaus Künzelsau geschlossen wird und wollte mit den Bürgern darüber sprechen, welche Möglichkeiten es nun für Künzelsau gebe.

Was stimmt und was stimmt nicht?

Die Bürger indes wollten Tacheles reden. Sie haben das Gefühl, für den Neubau in Öhringen um ihr Krankenhaus in Künzelsau betrogen worden zu sein. Viele Vorwürfe lagen im Raum. „Es geht uns um die Qualität, die wir anbieten können“, sagte Neth und erntete sofort Rufe aus dem Publikum: „Ums Geld geht es, um mehr nicht.“ Eine Krankenschwester aus dem Publikum meldet sich zu Wort: „Künzelsau wäre der bessere Standort. Es gibt hier eine wunderbare Kombination aus Chirurgie und neuem Ärztehaus.“ Auch von der Bausubstanz sei Künzelsau besser als Öhringen. Neth begründete die Entscheidung für Öhringen damit, dass Öhringen mehr Einwohner habe, ergo, eine automatisch höhere Bettenauslastung. „Die Landeszuschüsse, die wir jetzt bekommen, lagen „deutlich über dem, was erwartbar war.“ Neth wiederholte immer wieder: „Wir haben keine Alternative.“

„Wir haben eine derzeitige Belegung von unter 50 Prozent in Künzelsau. Mitarbeiter wundern sich und entgegnen gegenüber GSCHWÄTZ, dass die aktuelle Belegung deutlich höher sei. Zudem sei es kein Wunder, dass immer weniger Patienten eingeliefert würden, da nicht nur die Bürger, selbst die niedergelassenen Ärzte nicht mehr genau gewusst haben, was in Künzelsau alles behandelt werde und was nicht, monieren Bürger, darunter auch Ärzte selbst, auf der Veranstaltung. Es wurde nur noch unzureichend oder überhaupt nicht kommuniziert.

Altersmedizin, Hospiz und Psychatrie für Künzelsau

„Wir werden alles tun, um in Künzelsau eine bestmögliche ambulante Versorgung mitzuorganisieren.“ Das war das Mantra des Abends von Jürgen Schopf, dem Geschäftsführer der Hohenlohe Krankenhaus gGmbH. Mehr könne man nun nicht mehr tun für Künzelsau, betonte er. Da die ambulante Versorgung den niedergelassenen Ärzten vorbehalten sei. Die kassenärztliche Vereinigung sei wiederum die Interessenvertretung der niedergelassenen Ärzte. Die Ärzte wiederum betonen in ihren zahlreichen Wortmeldungen immer wieder, wie dringend erforderlich ein Krankenhaus für Künzelsau sei – gerade, so Dr. Jürgen Lany, im Hinblick auf eine immer älter werdende Bevölkerung.

„Wir wollen Räume für ambulantes Operieren anbieten“, gesteht Schopf den Künzelsauer Bürgern zu. Weiterhin seien vorstellbar: ambulante Pflegedienste, Kurzzeitpflege, ein Hospiz sowie Reha-Plätze und eine weitere, wenn nicht sogar eine erweiterte, Zusammenarbeit mit dem psychatrischen Klinikum am Weissenhof in Weinsberg.

Mehr Rettungswägen oder eine Rettungswache in Mulfingen

Karl Heer, ehemaliger Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes, führte in seinem Kurzvortrag aus, dass es nun Überlegungen gebe, mehr Rettungswägen oder einen zweiten Notfallstandort in Künzelsau aufzumachen, auch von einer vierten Rettungswache in Mulfingen ist die Rede. Aber „was wirtschaftlich umsetzbar ist“, sei ungewiss. Zudem plagen den Rettungsdienst Nachwuchssorgen.

Fazit: „Wir haben keine klare Empfehlung“, wie es für Künzelsau weitergeht, so Neth. Angesichts der steigenden Zahl an Alten und Pflegebedürftigen sagte er: „Wir wollen, dass die multimorbiden Alten versorgt sind und werden.“

Für Künzelsau scheint damit der Weg, wohin es gehen soll, vorgezeichnet.

Foto 1: Die Stadthalle war voll.

Foto 2: Die Bürgerinitiative (BI) hat vor der Stadthalle zum Boykott des Bürgerdialogs aufgerufen.

Foto 3: Die Polizei verweist die BI darauf, dass dieser Boykott hätte anmeldet werden müssen

Foto 4: Die Lichter des Krankenhauses Künzelsau gehen aus

 

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