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Ouklopfe Hämmerle in Künzelsau – Kinder sammeln für Kinder

In der Adventszeit haben die Schüler der Klassen 3a und 3b der Georg-Wagner-Schule an Künzelsauer Türen geklopft und den alten immer gleichen Spruch aufgesagt: „Ouklopfe, Hämmerle, ’s Brot leit im Kämmerle. ’s Messer leit daneben, sollst mer a Stückle gebe! Äpfel raus, Bira raus, oder i geh in a anders Haus! …“. Sie wurden mit 1.230,22 Euro Spenden belohnt.

Bürgermeister Stefan Neumann hat den Betrag aufgerundet, sodass Wolfgang J. Bartole kurz vor Weihnachten für das Albert-Schweitzer-Kinderdorf in Waldenburg einen Spendenscheck über 1.500 Euro entgegennehmen konnte. Die Klassenlehrerinnen Martina Jüptner und Janine Sauerteig haben die Spendensammelaktion begleitet.

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 




Künzelsau: 10 Jahre Alex & sein junges Gemüse

Im Zeitalter des Geschäfteschwundes in Künzelsau behauptet er sich als fester Bestandteil in der Künzelsauer Innenstadt. Alexander Kletzel versorgt mit seiner Frau und dem Sohn Künzelsau mit allem Essbaren, was frisch und gesund ist. „Ich habe alles, was der Mensch braucht: Obst und Gemüse, Nudeln und Eier bis hin zu Käse“, sagt der Ladenbesitzer. Zehn Jahre genau gibt es ihn jetzt schon – den Lebensmittelladen im Gerbhausweg zwischen Semi und Hauptstraße. Grund genug für GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus mit dem Chef darüber zu sprechen, was er alles im Sortiment hat und wer seine Kunden sind.

„Ich komme einmal in der Woche hierher und mache einen Großeinkauf“, sagt Regina aus Weldingsfelden. Sie ist Stammkundin und kauft seit Beginn in dem Laden ein. Die Kunden freuen sich vor allem über die Frische der Ware. Kundin Edeltraud aus Künzelsau kommt meist viermal in der Woche in den Laden: „Man bekommt eine einwandfreie Ware, das bekommt man ansonsten nicht mehr in der Stadt.“ Antonia aus Künzelsau kauft hauptsächlich griechische Ware. „Was Alex hat, findest du sonst in ganz Künzelsau nicht“, sagt sie. Alexander Kletzel kauft seine Ware auf dem Großmarkt in Stuttgart – direkt vom Erzeuger.

Alle Generationen kaufen bei Alexander Kletzel. Foto: GSCHWÄTZ

 

Das Gemüse kauft Alexander Kletzel auf dem Großmarkt in Stuttgart. Foto: GSCHWÄTZ




„Die Stadt wird zugeschissen“ – Finanzielle Probleme des Taubenhauses in Künzelsau

Mehr Tauben, mehr Dreck, mehr Arbeit und die große Frage: Wer soll das bezahlen?
Am 30. Oktober 2019 lud der Verein Taubenfreunde Künzelsau zum Informationsvortrag über „Die Stadttaube – das vergessene Haustier“ in den Gewölbekeller der Volkshochschule ein. Der Verein Taubenfreunde Künzelsau e.V. betreibt das Taubenhaus am Kocher und sorgt mit diesem dafür, dass die Taubenpopulation in Künzelsau geregelt wird, die Stadttauben satt und gesund sind und somit die empfundene Belästigung und Verschmutzung durch hungrige und kranke Tauben in der Stadt deutlich zurückgegangen ist.
„So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“
Schnell wird klar, dass sich der Schwerpunkt der Veranstaltung ein wenig verschieben wird: Neben dem Vortrag ist die Situation des Vereins ein akutes Thema: Der Taubenfreundeverein leidet aufgrund von Todesfällen, gesundheitlichen Problemen und einem Wegzug an einem Mangel an Helfern. Auch finanziell geht es dem Haus schlecht. Nun steht das Taubenhaus kurz vor dem Aus. „So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“ sagt Marita Müller vom Taubenhaus mit Blick auf die Unterstützung durch Gewerbe und Stadtverwaltung, von denen trotz persönlicher Einladung niemand zur Veranstaltung gekommen sei.
„Wir machen die Arbeit, aber mit uns spricht man nicht.“
Marita Müller berichtet von einem Gespräch mit Bürgermeister Stefan Neumann im Mai 2019, wobei sie den Bürgermeister auf die Probleme des Vereins und den Nutzen für die Stadt und die Gewerbetreibenden hingewiesen habe.
„Der Aufwand liege bei 6.000 Euro pro Jahr“
Die Stadt Künzelsau unterstützt den Verein und den Betrieb des Taubenhauses derzeit mit 2.000 Euro pro Jahr – dieses Geld reiche aber laut Susanne Müller nicht aus: Allein die Futterkosten lägen bei etwa 1.800 Euro jährlich, das Putzen koste zirka 1.000 Euro pro Jahr, dazu kämen sonstige Personalkosten und Tierarztkosten. Der geschätzte Aufwand liege bei zirka 5.000 bis 6.000 Euro pro Jahr. Genaugenommen umfasse die Arbeit für das Taubenhaus den Umfang eines Halbtagsjobs – und das jeden Tag, auch an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien. Edgar Sorg ruft verwundert dazwischen: „Die Kosten von 6.000 Euro finde ich sehr niedrig kalkuliert.“
Elke Sturm von der Stadt Künzelsau verweist auf GSCHWÄTZ-Nachfrage wiederum darauf, dass „die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene Förderung des Taubenhauses mit 1.000 Euro bereits auf 2.000 Euro verdoppelt“ worden sei. Die Stadt habe auch das Grundstück zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hätten beim Aufbau des Taubenhauses und Einrichten des Grundstücks angepackt. „Voraussetzung für die städtische Förderung war von Beginn an, dass die Betreuung des Taubenhauses dem Verein obliegt. Und der Gemeinderat hat in seinem Beschluss im Juli 2015 bereits deutlich formuliert, dass der Betrieb des Taubenhauses und die finanzielle Förderung eingestellt werden, sollte die nachhaltige Betreuung durch das Stadttaubenprojekt nicht sichergestellt sein. Dass es nun eventuell so kommt, ist schade. Die Aktiven des Vereins Taubenfreunde Künzelsau haben, nach eigener Aussage, leider nicht die ausreichenden ehrenamtlichen Mitarbeiter und weitere finanzielle Förderer gefunden. Diese Aufgabe gut zu meistern ist und bleibt eine Herausforderung und ist eine Existenzfrage für viele Vereine. Nicht allein deshalb bietet die Stadtverwaltung mit der Ehrenamtsbörse eine Plattform und unterstützt Künzelsauer Vereine finanziell mit rund 45.000 Euro jährlich.“
„In Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“
In anderen Städten gehe man den Umgang mit der Stadttaube professioneller an: In der Landeshauptstadt Stuttgart gebe es einen bezahlten Taubenwart, aber selbst in einer mit Künzelsau vergleichbaren Kleinstadt wie Buchen gebe es einen Taubenbeauftragten. Und „in Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“, berichtet Bernhard Klier von der Tierrettung Odenwald-Hohenlohe.
Die Einwerbung von Spenden gestaltet sich schwierig, die Taube habe einen schlechten Ruf als „Ratte der Lüfte“ – andererseits ist sie doch auch als Symbol des Heiligen Geistes, als liebenswerte Turteltaube,  hoffnungsstiftende Friedenstaube und natürlich als wohlschmeckendes Haustier bekannt. Trotzdem bekennt Will Behle: „Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist.“ Und Susanne Müller möchte nicht länger betteln müssen: „Dabei erbringen wir eine unterschätzte Dienstleistung für die Stadt.“
„Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist“
Dabei liege der Nutzen für Stadtverwaltung und Gewerbe klar auf der Hand: Seit das Taubenhaus besteht, habe man allein zirka 2.000 Eier abgelesen. Abgelesen bedeutet: Den Nestern im Taubenhaus entnommen, damit sie nicht bebrütet werden und es noch mehr Tauben gibt.  Susanne Müller: „Das sind Tauben, die nicht in der Stadt sind.“ Somit werde durch ihre Arbeit die Population deutlich reduziert auf derzeit zirka 150 Tauben im Taubenhaus selbst sowie zirka 150 Tauben, die am Taubenhaus gefüttert werden. Dadurch seien die Tauben in der Stadt deutlich weniger präsent, denn, so bringt es Bernhard Klier auf einen kurzen Nenner: „Die Taube ist, wo‘s Futter ist“. Die Verschmutzung durch Taubenkot in der Stadt sowie die Belästigung durch futtersuchende, schwache und kranke Tauben in der Innenstadt sei erheblich zurückgegangen. Das werde auch von den Gewerbetreibenden bestätigt. Bernhard Klier kritisiert trotzdem: „Stadt und Gewerbe haben vorher viel investiert – jetzt sind die Tauben verschwunden und niemand gibt mehr Geld für die Tauben aus.“
Gespräch mit dem Gemeinderat
Willi Behle meint, dass die Stadt Künzelsau das Taubenhaus als Erfolg vermarkten müsste, denn das Taubenhaus in Künzelsau ist über die Grenzen der Region als Modellinstitution bekannt. Gudrun Schickert belegt dies: „Wir sind über Baden-Württemberg bekannt – selbst die Stadt Paderborn hat sich informiert.“ Sollte der Verein das Taubenhaus nicht mehr betreiben können, muss das Taubenhaus geschlossen und die Fütterung eingestellt werden. Die Tauben suchen sich dann wieder Nistplätze in der Stadt, sie suchen dann auch wieder Futter in der Stadt, ernähren sich wieder von Abfällen. Willi Behle drückt es deftig aus: „Die Konsequenz ist, dass das Taubenhaus zumacht und die Stadt zugeschissen wird.“
Nachdem es kurzzeitig so ausgesehen hatte, dass der Verein aufgelöst wird, liegen diese Pläne momentan auf Eis. Die Taubenfreunde wollen versuchen, mit dem Gemeinderat ins Gespräch zu kommen. Im April 2020 wollen sie dann schauen, was sich bis dato getan hat und neu überlegen.
Text: Matthias Lauterer

Tauben am Taubenhaus.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Maritta Müller erklärt, warum Hochzeitstauben zum Sterben verurteilt sind. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ehrenamtlichen locken die Tauben mit Futter raus aus der Künzelsauer Innenstadt zum Taubenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde

https://www.gschwaetz.de/2019/10/27/die-stadttaube-das-vergessene-haustier/
https://www.gschwaetz.de/2019/09/21/strangulierte-tiere-in-kuenzelsau-die-sollen-doch-verrecken/



Künzelsau: WinterLounge am Alten Rathaus hat länger geöffnet – noch bis 04. Januar täglich ab 16 Uhr

Mit großen Schritten geht es dem Jahresende entgegen. Das jährliche Weihnachtsgeschäft, die letzten Jahressitzungen und so manches Mal auch die Termin-Enge bestimmen unseren vorweihnachtlichen Alltag. Umso wichtiger ist es, sich in diesen Tagen einige Momente der Besinnlichkeit und der Adventsatmosphäre zu gönnen. Zum ersten Mal gibt es dieses Jahr in der Künzelsauer Innenstadt eine exklusive WinterLounge der Werbegemeinschaft Künzelsau am Alten Rathaus.

Der besondere Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit im Herzen der Stadt lädt zur Entspannung mit Freunden, Familie, Geschäftspartnern und Kollegen in den gemütlich-rustikalen Loungemöbeln. Bei einem leckeren Glühwein, Punsch oder einem Glas Prosecco können die Besucher ein paar entspannte Stunden verbringen oder die vorweihnachtliche Zeit mit herzhaften, regionalen Speisen genießen.

Die WinterLounge wurde so gut angenommen, dass die Öffnungszeiten nun verlängert wurden. Ursprünglich sollte sie am 23. Dezember 2019 letztmalig geöffnet sein. Nun können Besucher bis einschließlich Samstag, den 04. Januar 2020, die ganz besondere Atmosphäre genießen.

Die WinterLounge hat von montags bis freitags ab 16 Uhr und samstags ab 11 Uhr geöffnet. 

Text: Werbegemeinschaft & Fotos: Künzelsau

Video: GSCHWÄTZ/Sonja Bossert im Gespräch mit Matthias Uebele, Geschäftsführer von Breuninger und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Künzelsau

Bei der Künzelsauer WinterLounge gibt es Glühwein und Punsch sowie herzhafte, regionale Speisen. Foto: Werbegemeinschaft Künzelsau




Dr. Faust: „Bei uns läuft die Praxis schon über“ – Kreistag diskutiert über notärztlichen Sitzdienst in Künzelsau

Der nach der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zum 16. November 2019 eingeführte notärztliche Sitzdienst war Thema bei der Kreistagssitzung am 09. Dezember 2019 in Waldenburg. Die Fraktion der Freien Wähler hatte den Antrag eingebracht, dass dieser Sitzdienst nicht erst nach einem Jahr sondern bereits nach drei Monaten evaluiert werden soll, damit der Kreistag „in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung bezüglich der weiteren Fortführung“ kommen könne, so der Wortlaut des Antrags, der vom Fraktionsvorsitzenden Achim Beck gezeichnet ist. Die abschließenden Worte dieses Antrags lauteten wie folgt: „Sehr geehrter Herr Landrat, unserer FWV-Fraktion ist es darüber hinaus wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Entscheidung über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter Ihnen stehen. Freundliche Grüße, Achim Beck, Fraktionsvorsitzender“

Thomas Dubowy (FWV): „Es sollte ein guter Notdienst sein.“

Die erste Wortmeldung kommt von Thomas Dubowy (FWV), der den Antrag seiner Fraktion nochmals präzisiert darstellen wollte: „Jeder von uns hatte damals seine eigenen Vorstellungen von der Ausgestaltung eines Notdienstes. Der Notdienst soll rechtskonform und qualitätsgesichert sein. Umgangssprachlich: Es sollte ein guter Notdienst sein.“ Nachdem die Ausgestaltung bekannt ist, ist Dubowy nicht von der Qualität des Notdienstes überzeugt. „Eine Evaluation am Ende des ersten Jahres würde eine Verbesserung oder Änderung erst am Ende des zweiten Jahres, zum 31.November 2021 ermöglichen.“ Ihm geht es bei diesem Antrag „um eine fristgerechte Beurteilung im Rahmen bestehender Verträge“ und widerspricht damit genaugenommen der Formulierung des Antrags seiner eigenen Fraktion. Er schließt: „Da jeder verantwortungsbewusst für die Bürger entscheiden möchte, kann ich mir nur einen einstimmigen Zuspruch vorstellen. Wer gegen diesen Antrag stimmt, stimmt gegen eine gute ärztliche Versorgung in Künzelsau.“ Die Argumentation mit vertraglich festgelegten Fristen ging für Landrat Dr. Matthias Neth zu sehr in persönliche Vertragsdetails, so dass er sich gezwungen sah, die Öffentlichkeit kurzfristig auszuschließen.

Waldtraud Kuhnle (FDP): „So schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen.“ 

Nach kurzer nichtöffentlicher Aussprache meldet sich Waltraud Kuhnle (FDP) zu Wort. Sie will dem Antrag zustimmen und präsentiert Zahlen, dass der kassenärztliche Notdienst nach der Schließung des Krankenhauses 72 Patienten hatte und somit ungefähr 1,5 Patienten pro Stunde behandelt habe – über die Art der Behandlungen und darüber, ob 40 Minuten pro Notfallpatient nicht vielleicht angemessen sein können, sagt sie aber nichts. Insbesondere sagt sie nichts über die Zahlen des 24/7-Notarztdienstes. „Zu diesen Zahlen, wollen Sie, Herr Neumann, einen zusätzlichen Arzt, den niemand aufsucht“ – worauf Neumann zwischenruft, dass nicht er, sondern der Kreistag das so beschlossen hat. Kuhnle will „so schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen“.

Hans-Jürgen Saknus (SPD): „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft.“ 

Spätestens jetzt wird klar, dass es offenbar ganz unterschiedliche Ziele gibt: Den einen geht es darum, den Notdienst umgehend einstellen zu können, um damit Geld zu sparen, andere sehen die Notwendigkeit einer Versorgung durch einen notärztlichen Sitzdienst im Raum Künzelsau und wollen durch frühe Evaluierung die Chance bekommen, die Struktur des Notdienstes an die tatsächlichen Anforderungen anzupassen.
Hans-Jürgen Saknus (SPD) stellt die Frage: „Was evaluieren wir?“ Die gegenwärtige Umsetzung sei kein qualifiziertes Konzept für den Raum Künzelsau und tauge auch nicht als Pilotprojekt. „Wir müssen uns anschauen, was die Künzelsauer erwartet haben und was sie dafür bekommen.“ Eine Notfallpraxis müsse bestimmte Leistungen erbringen und diese Leistungen seien zu evaluieren, nicht nur Zahlen. „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft, da muss man genau hinschauen“ und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir müssen genau hinschauen, ob nicht im Hintergrund etwas ganz Anderes läuft, dem wir wehren müssen: Nämlich dem Abbau der Notfallpraxis in Künzelsau.“

Ernst Kern (Die Linke): „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern.“ 

Ernst Kern (Die Linke) legt Wert darauf, eine Lösung für die Bevölkerung in Künzelsau im Blick zu haben: „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern und etwas wirklich Gutes machen und nicht durch Evaluation alles hinausschieben oder wieder abschaffen.“ Einen ähnlichen Standpunkt nimmt auch Catherine Kern (Grüne) ein und fordert klare und öffentlich bekannte Kriterien für die Evaluation: „Es ist ganz wichtig, den Bürgern von Künzelsau die Kriterien transparent darzustellen, damit wir wissen, ab wann kann diese freiwillige Leistung nicht mehr am Leben erhalten werden.“

Dr. Faust (FWV): „Bei uns läuft die Praxis schon über.“

Dr. Faust (FWV), niedergelassener Arzt in Künzelsau, hat kein Problem mit der Datenerhebung und richtet den Blick in die Zukunft: „Damit wir auch Daten haben, um weiterzudenken. Parallel müssen wir etwas hinkriegen als Ersatz für das, was wir durch das Krankenhaus verloren haben.“ Er bekommt die Auswirkungen der Schließung bereits zu spüren: „Bei uns läuft die Praxis schon über“. Martin Braun (Grüne) schlägt vor, die Evaluierung nicht schon nach drei Monaten sondern nach vier Monaten und nach acht Monaten durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. „Nur so kriegen wir einen Teil des Vertrauens wieder zurück, das wir als Kreistag verloren haben durch die Schließung des Krankenhauses.“ Und schlägt mit der Betonung der Interessen der Bevölkerung in dieselbe Kerbe wie Ernst Kern und Catherine Kern.

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV): „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV) bekräftigt nochmals den Standpunkt der FW-Fraktion: „Wenn man sieht, dass ein Angebot keinen Nutzen hat und nur Kosten bringt, dann muss man es einstellen, das ist ein ökonomischer Grundsatz.“ Die Nutzerzahlen seien ein Indiz, dass der Nutzen gering sei, eine frühzeitige Evaluation sei nötig, um schnell reagieren und die Reißleine ziehen zu können. „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“ 
Anton Baron (AfD) ist im Prinzip gegen die Konstruktion des Sitzdienstes, fordert aber eine 24/7-Versorgung im Rahmen der kassenärztlichen Zulassung: „Wir haben damals zugestimmt, weil wir gehofft haben, dass dieser Sitzdienst eine kassenärztliche Zulassung bekommt.“ Der Sitzdienst sei „ein Zusatzservice, der eigentlich völlig überflüssig ist, da die Leute ja sowieso versorgt werden“.

Landrat Dr. Neth: „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“

Landrat Neth geht direkt in den Dialog und vermutet, dass der 24/7-Dienst keine Kassenzulassung erhalten wird, sieht aber anderweitige Konstrukte und verweist dazu auf das noch nicht existente MVZ: „Ich kann ein MVZ über Öffnungszeiten steuern, das könnte eine sinnvolle Möglichkeit sein. Die Frage ist nur, wie schnell kriegen wir so etwas hin.“ Auf jeden Fall will er aufgrund des AfD-Antrags Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen. Auf nochmalige Nachfrage Barons nennt Neth das Beispiel Marienhospital in Stuttgart, wo es bereits eine 24-Stunden KV-Notfallpraxis gibt. „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in den Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“ Mangels Kassensitz geht Neth aber nicht davon aus, dass der gegenwärtige 24/7-Notarzt eine Kassenzulassung erhalten kann.

Bürgermeister Neumann: „Da verliert der Kreistag das Gesicht.“

Ungewohnt emotional zeigt sich der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann: „Es braucht Zeit, um mit der BBT-Gruppe zusammen neue Strukturen zu entwickeln.“ Es ist für ihn „völlig in Ordnung, dass wir die Zahlen auch bekanntmachen“. Gleichzeitig wirft er den Freien Wählern vor: „Ihr Ziel ist es, möglichst bald diesen Sitzdienst zu schließen. Das ist nicht in Ordnung, weil der Kreistag entschieden hat, dieses Instrument als Kompensation zu etablieren. Wenn man etwas etablieren will, dann kann man nicht nach drei Monaten schon die Reißleine ziehen, dann hat man dem keine Chance gegeben.“ Auch Neumann geht es um die Verlässlichkeit des Kreistages und das Vertrauen des Bürgers in den Kreistag: „Vor einen Jahr haben wir gesagt, wir evaluieren nach einem Jahr und jetzt sagen wir, wir wollen schon nach drei Monaten evaluieren und dann entscheiden: Da verliert der Kreistag das Gesicht. Ich würde da als Bürger auch das Vertrauen in diesen Kreistag verlieren.“

Rüdiger Volk (CDU): „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann.“

Mit einem völlig anderen Blickwinkel bereichert Rüdiger Volk (CDU) gegen Ende der Aussprache die Diskussion: „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann“, sagt er und bemängelt, dass bisher keine Kriterien für die Beurteilung der zu erhebenden Zahlen festgelegt sind: „Dann haben wir Zahlen, aber wo sind die Kennziffern, die uns sagen: Ist das gut, ist es schlecht. Reicht es, wenn wir feststellen, es wurde ein Menschenleben gerettet. Oder müssen es 3 oder 5 sein?“ Diese Kriterien fehlen ihm im Gesundheitswesen, „das macht mir eine Entscheidung sehr, sehr schwer“. Landrat Neth antwortet direkt: „Wir haben keine Kriterien hinterlegt, am Schluss ist es eine politische Entscheidung.“

Evaluation nach 4 und 8 Monaten

Nach kurzer Unterbrechung und fraktionsinterner Diskussion darüber, welcher der beiden Anträge der „weitergehende“ ist, wird dann zuerst über den ursprünglichen Antrag der Freien Wähler abgestimmt: Der Antrag der FW, bereits nach 3 Monaten zu evaluieren, wird mit 18 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag der Grünen wird im Anschluss einstimmig ohne Enthaltung angenommen – es wird also nach 4 und nach 8 Monaten eine Evaluation des Notarztdienstes vorgenommen.

Es wurde allerdings nicht darüber abgestimmt, was genau evaluiert werden soll. Eine reine Betrachtung „Minuten pro Patient“ oder daraus folgend „Euro pro Patient“ dürfte aufgrund der Vielzahl der möglichen Einsatzszenarien eines solchen Notarztes nicht angemessen sein.

Text: Matthias Lauterer

Nur wenige Zuhörer verirrten sich in die Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ

 




Künzelsau: Rainer Ott neuer Kripo-Chef

Das Kriminalkommissariat Künzelsau hat seit Dienstag, den 17. Dezember 2019 einen neuen Leiter: Erster Kriminalhauptkommissar Rainer Ott wurde von Polizeipräsident Hans Becker bei einer kleinen Feierstunde zum neuen Kripo-Chef ernannt. Ott hatte bereits in den letzten zweieinhalb Jahren als Leiter des Arbeitsbereichs Kapitaldelikte den bisherigen Kommissariatsleiter Hermann Deeg in seinem Amt vertreten. Letzterer wurde Ende Oktober in den Ruhestand verabschiedet. Rainer Ott war auch ein Zeuge beim Prozess gegen Elisabeth S., die im April 2019 wegen Totschlags an dem Jungen Ole verurteilt worden war.

Vertrautes Revier

Der Hohenlohekreis ist für Rainer Ott ein vertrautes Revier. Angefangen hat seine Polizeikarriere bei der Bereitschaftspolizei in Biberach an der Riss, wo er im September 1975 als Polizeiwachtmeister seine Ausbildung begann. Nach deren Abschluss war er zunächst bis 1979 beim Schwäbisch Haller Streifendienst eingesetzt, er wechselte aber 1980 für ein Jahr zum Arbeitsgebiet Rauschgiftbekämpfung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Zurück in Schwäbisch Hall, arbeitete er bei der Fahndung und eignete sich im Rahmen seiner Tätigkeit gute Ortskenntnisse in den Kreisen Hohenlohe und Main-Tauber an.

Jahrelange Tätigkeit in Künzelsau

Mit Gründung der neuen Polizeidirektion Künzelsau wechselte Ott 1983 als junger Kriminalobermeister zur dortigen Kriminalpolizei. Hier war er jahrelang hauptsächlich für die Bekämpfung der Raub- und schweren Diebstahlskriminalität zuständig, bis er Anfang 1989 für zwei Jahre das Amt des Pressesprechers und Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizeidirektion Künzelsau übernahm. Von 1995 bis 1997 folgte sein Studium zum gehobenen Dienst, nach dessen Beendigung er zur Hohenloher Kripo zurückkehrte. Bis zur Polizeireform 2014 war Ott schwerpunktmäßig als Inspektionsleiter für die Bereiche Kapital-, Sexual- und Missbrauchsdelikte zuständig. Die Funktion als stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Künzelsau nahm er auch weiterhin wahr.

Pressesprecher bei der Expo 2000

Mit der Polizeistrukturreform wechselte Ott zum Januar 2014 in das neugeschaffene Heilbronner Polizeipräsidium, wo ihm die Leitung der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit/Pressestelle übertragen wurde. Hier stieg er auch in das Spitzenamt des gehobenen Dienstes auf. Besonderheiten: Während seiner mittlerweile 44-jährigen Dienstzeit war er 1985 als einer der ersten Beamten aus Baden-Württemberg im Austausch in Berlin eingesetzt. Im Kriminaldauerdienst der Metropole Berlin sammelte er dort für rund ein halbes Jahr Großstadterfahrungen. Auf der im Jahr 2000 stattfindenden Expo 2000 in Hannover vertrat er die baden-württembergische Polizei als Pressesprecher. 

Große Fachkompetenz

Im Sommer 2017 kehrte Ott zu seinen beruflichen Wurzeln in den Hohenlohekreis zurück. Der Vollblut-Kriminaler übernahm als Arbeitsbereichsleiter wiederum den Bereich Kapitaldelikte beim Kriminalkommissariat Künzelsau und wurde gleichzeitig zum stellvertretenden Kommissariatsleiter bestellt. Polizeipräsident Hans Becker bedankte sich ausdrücklich für seine ausgeprägte große Bereitschaft, seine Verwendungsbreite zu vergrößern und seine Fachkompetenz und sein Wissen zu erweitern. Davon könnten vor allem die ihm anvertrauten Kolleginnen und Kollegen profitieren. Becker bedankte sich darüber hinaus auch für seine Bereitschaft, den Eintritt in den Ruhestand noch hinauszuzögern und sich weiterhin in den Dienst der Polizei zu stellen. 

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 18.12.2019




Künzelsau: Kaufmännische Schule bleibt fairtrade-school

Die Kaufmännische Schule Künzelsau behält laut einer Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis das Zertifikat fairtrade-school für zwei weitere Jahre. Um das Engagement der Schule zu würdigen, wurde der Titel von Vertretern des Vereins TransFair e.V. verlängert. Mit zahlreichen Aktionen wie beispielsweise Infoveranstaltungen der Übungsfirma Fabiro GmbH, Fairtrade-Rosenaktionen am Valentinstag, Verkostungen von Fairtrade-Produkten sowie deren Verkauf in der Pause setzt sich die Schule für fairen Handel ein. Zusätzlich sind Themen wie Nachhaltigkeit und Fairtrade fester Bestandteil im Unterricht.

Die Kampagne fairtrade-schools verankert das Thema fairer Handel im Schulalltag und schafft bei den Schülern ein Bewusstsein für nachhaltige Entwicklung. Seit dem Kampagnenstart im Jahr 2012 hat sich eine bundesweite Bewegung an teilnehmenden Schulen entwickelt, die das Engagement von Kindern und Jugendlichen für Nachhaltigkeit fördert, eigenständiges Handeln bestärkt und die Vernetzung von motivierten Akteuren unterstützt.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Künzelsau: Metzgerei Häussler schließt nach fast 100 Jahren – Nachfolger steht bereits in den Startlöchern

„Schweren Herzen“ haben sich Hans und Susanne Häussler zur Aufgabe ihrer traditionsreichen Metzgerei in der Keltergasse 1 am Oberen Bach entschieden. Der Schritt fiel ihnen nicht leicht, sagt Hans Häussler. Immerhin gibt es die Metzgerei seit fast 100 Jahren.

1927 hat der Großvater das Gebäude gekauft, erzählt Hans Häussler gegenüber GSCHWÄTZ. Häusslers Vater habe das Geschäft dann nach dem Krieg übernommen, seit 1980 führt es Herr Häussler in dritter Generation. Nun aber fehle der Nachfolger in der Familie, die beiden Töchter haben sich beruflich anderweitig orientiert. „Altershalber haben wir uns entschieden, aufzuhören“, erklärt Häussler. Der Anfang 70-Jährige betont aber, dass am 31. Dezember 2019 zwar die Metzgerei Häussler schließe. Allerdings gäbe es aber einen Nachfolger, der die Metzgerei übernimmt und zwar Jürgen Bauer. Häussler erzählt: „Mir war es sehr wichtig, dass das Gebäude nicht abgerissen wird, sondern wieder ein Metzger in die Räumlichkeiten kommt.“

Metzgerei Häussler (v.l.): Michael Braun, Volker Franz, Susanne Häussler, Michael Engelhardt, Anette Stier, Jutta Davideyk, Hans Häussler und Bianca Schmied. Foto: GSCHWÄTZ

Jürgen Bauer hat in Pfedelbach und Neuenstein jeweils eine Landmetzgerei. Nun kommt mit der Metzgerei in Künzelsau noch eine dritte hinzu. Für die Mitarbeiter werde sich nicht all zu viel ändern, betont Bauer: „Wir übernehmen die Belegschaft.“ Auch in punkto Essen sollen die bisherigen Angebote Bestand haben, ergänzt um ein paar Neuerungen. Auch Hans und Susanne Häussler werden weiterhin im Verkauf für ihre Kunden da sein. Wie lange noch, dass weiß Häussler noch nicht genau.

Im Januar soll die Metzgerei umgebaut und Anfang Februar 2020 wieder eröffnet werden.

Das relativ große Areal mitsamt Gebäuden unmittelbar in der Innenstadt Künzelsaus hat das Ehepaar Häussler ebenfalls verkauft – an einen Käufer aus Künzelsau. Näheres sowohl zum Käufer als auch zum Kaufpreis wollten sie nicht preisgeben. Jürgen Bauer hat die Metzgerei von dem Käufer gepachtet.

Susanne und Hans Häussler. Foto: GSCHWÄTZ

Metzgerei Häussler in Künzelsau schließt zum 31. Dezember 2019. Foto: GSCHWÄTZ

Es wird wieder ein Metzger in die Räumlichkeiten der Häussler Metzgerei einziehen. Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsau: Bei Hempels unterm Sofa – Lars Ruppel erzählt, wie es ist, Dichter im 21. Jahrhundert zu sein

Lars Ruppel, ein moderner Dichter, der 2014 deutscher Poetry-Slam-Meister wurde, war am 19. Oktober 2019 zu Gast im Kulturhaus Würth in Künzelsau. GSCHWÄTZ hat den 35-jähringen Berliner gefragt, was man denn als Dichter im 21. Jahrhundert so macht.

Lars Ruppel ist ein Meister des Reimes. Foto: GSCHWÄTZ

GSCHWÄTZ: Wie würde eine Stellenausschreibung zu ihrem Job aussehen?

Ruppel: Sie fahren gerne Zug und arbeiten lieber nachts? Sie haben kein Problem damit, vor Publikum zu reden und sind selten heiser? Sie können eine gesunde Ernährung und genügend Bewegung auf mehrwöchigen Geschäftsreisen managen? Sie können sich mit den Grundwerten der Aufklärung und dem Grundgesetz identifizieren und mögen bewussten Umgang mit Worten? Werden Sie Poetry Slammer!

Poetry Slam demokratisierte die Kunst

GSCHWÄTZ: Poetry Slammer sind die Dichter des 21. Jahrhunderts. Goethe, Schiller, Shakespeare, Ruppel – Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und den etwas älteren Dichtern?

Ruppel: Alle genannten Künstler waren aus gutem Haus und männlich. Durch Poetry Slam wurde die Kunst demokratisiert, man muss keinen Adelstitel tragen, um anerkannt zu werden und schreiben können ist kein Privileg der Reichen mehr. Außerdem haben es Frauen heute leichter als damals, aber immer noch zu schwer, sich im Kulturbetrieb zu etablieren. Textlich aber hat sich bis auf den normalen Wandel der Sprache nichts geändert, man findet bei den Alten experimentelle und moderne Texte, bei uns findet man klassische Formen, da gibt es kaum Berührungsangst.

Das Einkommen ist zu hoch

GSCHWÄTZ: Hier in Hohenlohe stellt man sich meist die Frage – Verdient der au a Geld?

Ruppel: Ich erhalte mehr Geld, als ich verdiene. Mein Einkommen ist zu hoch, wenn man es mit der Relevanz und dem Einkommen anderer Berufe vergleicht.

GSCHWÄTZ: Wieso sind Redensarten ihr Ding und warum schreiben Sie darüber?

Ruppel: Die Reihe war aus der Not heraus geboren. Ich brauchte neue Texte und nachdem „Holger, die Waldfee“ so gut funktioniert hatte, nahm ich mir einfach die nächste Redensart und versuchte es nochmal. So musste ich keine Themen suchen, sondern konnte einfach die Redensarten abarbeiten.

GSCHWÄTZ: Was ist ihre Lieblingsredensart?

Ruppel: Bei Hempels unterm Sofa. Ich frage mich, was Familie Hempel darüber denkt.

Gedichte sollen Pflege kulturell aufwerten

GSCHWÄTZ: Sie haben das Projekt „Weckworte“ ins Leben gerufen. Was genau ist das und wie kam es dazu?

Ruppel: Es ist ein Fortbildungsprogramm, in dem ich Angehörigen oder Pflegekräften von Menschen mit Demenz zeige, wie sie Gedichte so in der täglichen Pflege integrieren, dass sie trotz aller Verständnisschwierigkeiten verstanden und gefühlt werden. Die Pflege soll kulturell aufgewertet werden.

GSCHWÄTZ: Glauben Sie, dass sich die deutsche Sprache im Zuge von Social Media und WhatsApp verschlechtert hat?

Ruppel: Es ist nur eine weitere Veränderung, das war schon immer so, jeder hat das Gefühl, die Jungen würden der Sprache schaden. Über Sprachnachrichten kommunizieren wir viel mehr miteinander als früher über Telefon, wir schreiben permanent mit unzähligen Leuten. Zwar nicht immer richtig, aber wenn ich mir handschriftliche Postkarten vom Flohmarkt betrachte, ging da auch nicht immer alles mit rechten Dingen zu.

Crashkurs für angehende Poetry Slammer

GSCHWÄTZ: Workshops halten Sie auch noch. Können Sie unseren Lesern einen kurzen Crashkurs geben, wie man zu einem Poetry-Slammer á la Lars Ruppel wird?

Ruppel: Einfach versuchen und herausfinden, wie man selbst klingt. Niemanden nachmachen, schreiben und direkt vortragen, dann erfährt man die Wirkung des eigenen Wortes. Der Rest ist Übungssache und kommt mit der Zeit.

GSCHWÄTZ: Sie sind mittlerweile Vater von zwei kleinen Kids. Poetry-Slammen Sie die Kleinen in den Schlaf oder wie kann man sich Ihren Alltag vorstellen?

Ruppel: Die lieben Reime, wie alle Menschenskinder auch. Über das Spiel mit der Sprache lernen wir alle das Sprechen. Leider bin ich immer viel zu müde, um den beiden extra was zu dichten, deshalb nehmen wir Reime, die es schon gibt. Kinderlieder finde ich langweilig, ich singe lieber Lieder, die ich selbst textlich gut finde, von Degenhardt, Reiser, Mey, Tocotronic.

Heimat ist Fernweh und Heimweh zugleich

GSCHWÄTZ: Da Sie meist in ganz Deutschland unterwegs sind – was bedeutet Heimat für Sie?

Ruppel: Heimat ist immer woanders. Sie ist Fernweh und Heimweh gleichzeitig, ein Kommen und Gehen. Dort, wo meine Frau und meine Kinder sind, ist immer Heimat, aber Heimat ist auch die Reiselust und die Schönheit des Unterwegsseines. Es gibt mehrere Heimaten unterschiedlicher Art.

GSCHWÄTZ: Nun sind Sie wieder hier. Wie würden Sie denn die Hohenloher charakterisieren?

Ruppel: In einer globalisierten Welt gibt es diese Zuordnung, finde ich, nicht mehr. Man merkt aber, wie wohl sich Menschen dort fühlen, wo sie leben. Und ich glaube, die Hohenloher fühlen sich sehr wohl und sind deshalb sehr lieb. Sie sind fleißig, weil es viel Arbeit gibt, sie sind oft gläubig, weil die Kirche dort eine lange Tradition hat. Sie essen gerne gut, weil es gutes Essen dort gibt. Das mag ich.

Seine Gäste waren Lars Ruppel in Sachen Lyrik und Poesie durchaus gewachsen. Foto: GSCHWÄTZ

Nicht schlecht, Herr Specht

Auszug aus einem von Lars Ruppels Gedichten

Herr Bertold Specht war zweifelsohne
Eine Spechthandwerksikone
Angestellt im Großbetrieb
Bei dem er nach der Lehrzeit blieb

Schob dort täglich Extraschichten
Saß danach noch an Berichten
Rinden-Härte-Wert-Tabellen
Kalkulierte Sollbruchstellen

Hielt (wenn seine Zeit es zu ließ)
Vorträge für Specht Azubis
Kurz bevor der Tag zu Ende
Kehrt er das Betriebsgelände

Dann im Dunkeln heimgeflogen
Jogginghose angezogen
Doch statt Feierabendfeeling
Abendliches Schnabelpeeling

Bleibt am Ende Zeit für gerade
So ne Fertigtiefkühlmade
Und ein zimmerwarmes Bierchen
Für das bettelarme Tierchen

Das mit letzter Willenskraft
Den letzten Weg ins Bett noch schafft
Um pünktlich mit dem Morgengrauen
Den Schnabel in den Baum zu hauen

Doch all die Opfer, die er brachte
Alle Mühen, die er machte
All die Tränen, all der Schweiß
Sein nicht endenwolllender Fleiß

All das gab er dem Betrieb
Und als Dank? Nicht mal ein Piep!
Wenn man sich die Bilanz ansah
Die Dank Herrn Specht fantastisch war

Kam vom Chef geradebrecht
Ein läppisches „Nicht schlecht, Herr Specht“

Nicht schlecht, Herr Specht!

Und als er mal der einen Fichte
Gegen deren derbe, dichte
Rinde manche Spechtkollegen
Schon so tragisch unterlegen

Nur mit einem höchst präzisen
Schlag dem ganzen Nadelriesen
Seine Rinde abgeschlagen
Hörte er den Chef nur sagen
Nicht schlecht, Herr Specht.
In all den Jahren
Die nun schon vergangen waren
Hörte er nur diesen einen
Schrecklich, unpersönlich kleinen

Satz, der so dahergesprochen
Herrn Specht beinahe das Herz gebrochen
Worte ohne Wert und Wärme
Wie ein Lied in weiter Ferne

Das ein toter Vogel singt
Luft die halt wie Sprache klingt
Trotzdem ist er immer wieder
Im Arbeitssicherheitsgefieder

An seinem Arbeitsplatz erschienen
Um dort wie gewohnt zu dienen
Und war damit, nicht übertrieben,
Aber meistens, ganz zufrieden

Doch! Das Wort an sich zeigt deutlich:
Jetzt wird es sehr unerfreulich
Und das Timbre in der Stimme
Unterstreicht, dass sich das Schlimme

Auf die Handlung zubewegt
Und das Poem entscheident prägt
Denn dem „Doch“ folgt „eines Tages“
Es ist hart, aber so war es

Mit „Sollte alles anders kommen“
Hat das Unglück schon begonnen
Denn in der Betriebskantine
Trat mit trüber Trauermine

Der Chef vor seine Mitarbeiter
Grüßte kurz und sprach dann weiter
Von den Konjunkturproblemen
Steuern, die die Wirtschaft lähmen

Explodierten Nebenkosten
Billigmaden aus dem Osten
Dass ein Weg aus der Misere
Leider nicht so einfach wäre

Opfer seien nicht zu vermeiden
Doch man musste sich entscheiden
Lange Rede kurzer Sinn
Letzlich käm man nicht umhin

Diesen Wald hier aufzugeben
Und nach China zu verlegen

Grad als das letzte Wort gesprochen
War das Chaos ausgebrochen[…]




Künzelsau: Der Nussknacker im Prestige am Sonntag

Die Inszenierung des Royal Ballet von Der Nussknacker, kreiert von Peter Wright im Jahr 1984, ist das Musterbeispiel eines Dauerfavoriten des Balletts. Tschaikowskys schillernde Musik, die hinreißend festliche Bühnendekoration und die bezaubernden Tänze des Royal Ballets machen diesen Nussknacker zu der absoluten Weihnachtserfahrung.

Die Inszenierung, aufgezeichnet im Dezember 2016, kann man am Sonntag, 15. Dezember 2019 im Prestige Filmtheater in Künzelsau genießen. Die einmalige Vorstellung beginnt um 11 Uhr.