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„Die Stadt wird zugeschissen“ – Finanzielle Probleme des Taubenhauses in Künzelsau

Mehr Tauben, mehr Dreck, mehr Arbeit und die große Frage: Wer soll das bezahlen?
Am 30. Oktober 2019 lud der Verein Taubenfreunde Künzelsau zum Informationsvortrag über „Die Stadttaube – das vergessene Haustier“ in den Gewölbekeller der Volkshochschule ein. Der Verein Taubenfreunde Künzelsau e.V. betreibt das Taubenhaus am Kocher und sorgt mit diesem dafür, dass die Taubenpopulation in Künzelsau geregelt wird, die Stadttauben satt und gesund sind und somit die empfundene Belästigung und Verschmutzung durch hungrige und kranke Tauben in der Stadt deutlich zurückgegangen ist.
„So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“
Schnell wird klar, dass sich der Schwerpunkt der Veranstaltung ein wenig verschieben wird: Neben dem Vortrag ist die Situation des Vereins ein akutes Thema: Der Taubenfreundeverein leidet aufgrund von Todesfällen, gesundheitlichen Problemen und einem Wegzug an einem Mangel an Helfern. Auch finanziell geht es dem Haus schlecht. Nun steht das Taubenhaus kurz vor dem Aus. „So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“ sagt Marita Müller vom Taubenhaus mit Blick auf die Unterstützung durch Gewerbe und Stadtverwaltung, von denen trotz persönlicher Einladung niemand zur Veranstaltung gekommen sei.
„Wir machen die Arbeit, aber mit uns spricht man nicht.“
Marita Müller berichtet von einem Gespräch mit Bürgermeister Stefan Neumann im Mai 2019, wobei sie den Bürgermeister auf die Probleme des Vereins und den Nutzen für die Stadt und die Gewerbetreibenden hingewiesen habe.
„Der Aufwand liege bei 6.000 Euro pro Jahr“
Die Stadt Künzelsau unterstützt den Verein und den Betrieb des Taubenhauses derzeit mit 2.000 Euro pro Jahr – dieses Geld reiche aber laut Susanne Müller nicht aus: Allein die Futterkosten lägen bei etwa 1.800 Euro jährlich, das Putzen koste zirka 1.000 Euro pro Jahr, dazu kämen sonstige Personalkosten und Tierarztkosten. Der geschätzte Aufwand liege bei zirka 5.000 bis 6.000 Euro pro Jahr. Genaugenommen umfasse die Arbeit für das Taubenhaus den Umfang eines Halbtagsjobs – und das jeden Tag, auch an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien. Edgar Sorg ruft verwundert dazwischen: „Die Kosten von 6.000 Euro finde ich sehr niedrig kalkuliert.“
Elke Sturm von der Stadt Künzelsau verweist auf GSCHWÄTZ-Nachfrage wiederum darauf, dass „die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene Förderung des Taubenhauses mit 1.000 Euro bereits auf 2.000 Euro verdoppelt“ worden sei. Die Stadt habe auch das Grundstück zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hätten beim Aufbau des Taubenhauses und Einrichten des Grundstücks angepackt. „Voraussetzung für die städtische Förderung war von Beginn an, dass die Betreuung des Taubenhauses dem Verein obliegt. Und der Gemeinderat hat in seinem Beschluss im Juli 2015 bereits deutlich formuliert, dass der Betrieb des Taubenhauses und die finanzielle Förderung eingestellt werden, sollte die nachhaltige Betreuung durch das Stadttaubenprojekt nicht sichergestellt sein. Dass es nun eventuell so kommt, ist schade. Die Aktiven des Vereins Taubenfreunde Künzelsau haben, nach eigener Aussage, leider nicht die ausreichenden ehrenamtlichen Mitarbeiter und weitere finanzielle Förderer gefunden. Diese Aufgabe gut zu meistern ist und bleibt eine Herausforderung und ist eine Existenzfrage für viele Vereine. Nicht allein deshalb bietet die Stadtverwaltung mit der Ehrenamtsbörse eine Plattform und unterstützt Künzelsauer Vereine finanziell mit rund 45.000 Euro jährlich.“
„In Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“
In anderen Städten gehe man den Umgang mit der Stadttaube professioneller an: In der Landeshauptstadt Stuttgart gebe es einen bezahlten Taubenwart, aber selbst in einer mit Künzelsau vergleichbaren Kleinstadt wie Buchen gebe es einen Taubenbeauftragten. Und „in Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“, berichtet Bernhard Klier von der Tierrettung Odenwald-Hohenlohe.
Die Einwerbung von Spenden gestaltet sich schwierig, die Taube habe einen schlechten Ruf als „Ratte der Lüfte“ – andererseits ist sie doch auch als Symbol des Heiligen Geistes, als liebenswerte Turteltaube,  hoffnungsstiftende Friedenstaube und natürlich als wohlschmeckendes Haustier bekannt. Trotzdem bekennt Will Behle: „Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist.“ Und Susanne Müller möchte nicht länger betteln müssen: „Dabei erbringen wir eine unterschätzte Dienstleistung für die Stadt.“
„Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist“
Dabei liege der Nutzen für Stadtverwaltung und Gewerbe klar auf der Hand: Seit das Taubenhaus besteht, habe man allein zirka 2.000 Eier abgelesen. Abgelesen bedeutet: Den Nestern im Taubenhaus entnommen, damit sie nicht bebrütet werden und es noch mehr Tauben gibt.  Susanne Müller: „Das sind Tauben, die nicht in der Stadt sind.“ Somit werde durch ihre Arbeit die Population deutlich reduziert auf derzeit zirka 150 Tauben im Taubenhaus selbst sowie zirka 150 Tauben, die am Taubenhaus gefüttert werden. Dadurch seien die Tauben in der Stadt deutlich weniger präsent, denn, so bringt es Bernhard Klier auf einen kurzen Nenner: „Die Taube ist, wo‘s Futter ist“. Die Verschmutzung durch Taubenkot in der Stadt sowie die Belästigung durch futtersuchende, schwache und kranke Tauben in der Innenstadt sei erheblich zurückgegangen. Das werde auch von den Gewerbetreibenden bestätigt. Bernhard Klier kritisiert trotzdem: „Stadt und Gewerbe haben vorher viel investiert – jetzt sind die Tauben verschwunden und niemand gibt mehr Geld für die Tauben aus.“
Gespräch mit dem Gemeinderat
Willi Behle meint, dass die Stadt Künzelsau das Taubenhaus als Erfolg vermarkten müsste, denn das Taubenhaus in Künzelsau ist über die Grenzen der Region als Modellinstitution bekannt. Gudrun Schickert belegt dies: „Wir sind über Baden-Württemberg bekannt – selbst die Stadt Paderborn hat sich informiert.“ Sollte der Verein das Taubenhaus nicht mehr betreiben können, muss das Taubenhaus geschlossen und die Fütterung eingestellt werden. Die Tauben suchen sich dann wieder Nistplätze in der Stadt, sie suchen dann auch wieder Futter in der Stadt, ernähren sich wieder von Abfällen. Willi Behle drückt es deftig aus: „Die Konsequenz ist, dass das Taubenhaus zumacht und die Stadt zugeschissen wird.“
Nachdem es kurzzeitig so ausgesehen hatte, dass der Verein aufgelöst wird, liegen diese Pläne momentan auf Eis. Die Taubenfreunde wollen versuchen, mit dem Gemeinderat ins Gespräch zu kommen. Im April 2020 wollen sie dann schauen, was sich bis dato getan hat und neu überlegen.
Text: Matthias Lauterer

Tauben am Taubenhaus.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Maritta Müller erklärt, warum Hochzeitstauben zum Sterben verurteilt sind. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ehrenamtlichen locken die Tauben mit Futter raus aus der Künzelsauer Innenstadt zum Taubenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde

https://www.gschwaetz.de/2019/10/27/die-stadttaube-das-vergessene-haustier/
https://www.gschwaetz.de/2019/09/21/strangulierte-tiere-in-kuenzelsau-die-sollen-doch-verrecken/



Künzelsau: WinterLounge am Alten Rathaus hat länger geöffnet – noch bis 04. Januar täglich ab 16 Uhr

Mit großen Schritten geht es dem Jahresende entgegen. Das jährliche Weihnachtsgeschäft, die letzten Jahressitzungen und so manches Mal auch die Termin-Enge bestimmen unseren vorweihnachtlichen Alltag. Umso wichtiger ist es, sich in diesen Tagen einige Momente der Besinnlichkeit und der Adventsatmosphäre zu gönnen. Zum ersten Mal gibt es dieses Jahr in der Künzelsauer Innenstadt eine exklusive WinterLounge der Werbegemeinschaft Künzelsau am Alten Rathaus.

Der besondere Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit im Herzen der Stadt lädt zur Entspannung mit Freunden, Familie, Geschäftspartnern und Kollegen in den gemütlich-rustikalen Loungemöbeln. Bei einem leckeren Glühwein, Punsch oder einem Glas Prosecco können die Besucher ein paar entspannte Stunden verbringen oder die vorweihnachtliche Zeit mit herzhaften, regionalen Speisen genießen.

Die WinterLounge wurde so gut angenommen, dass die Öffnungszeiten nun verlängert wurden. Ursprünglich sollte sie am 23. Dezember 2019 letztmalig geöffnet sein. Nun können Besucher bis einschließlich Samstag, den 04. Januar 2020, die ganz besondere Atmosphäre genießen.

Die WinterLounge hat von montags bis freitags ab 16 Uhr und samstags ab 11 Uhr geöffnet. 

Text: Werbegemeinschaft & Fotos: Künzelsau

Video: GSCHWÄTZ/Sonja Bossert im Gespräch mit Matthias Uebele, Geschäftsführer von Breuninger und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Künzelsau

Bei der Künzelsauer WinterLounge gibt es Glühwein und Punsch sowie herzhafte, regionale Speisen. Foto: Werbegemeinschaft Künzelsau




Stadt Ingelfingen verbietet Abdruck & Aushang von Faschingsplakat des TSV

Manage frei – so ein Zirkus in Ingelfingen“ – unter diesem Motto steht die Prunksitzung des TSV Ingelfingen am 08. Februar 2020 in der Stadthalle. Die Plakate sind gestaltet und sollten nun veröffentlicht werden. Da grätscht dem TSV die Stadtverwaltung Ingelfingen dazwischen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage bestätigte Hauptamtsleiter Alexander Winter, dass das Plakat derzeit nicht im Amtsboten abgedruckt wird. Tatsächlich ist in dem Amtsboten, der am 19. Dezember 2019 verteilt wurde, nur ein kurzer Infotext über die Prunksitzung ohne Foto oder Flyer wie sonst üblich abgedruckt. Zu der Begründung für die Drucksperre verwies Winter auf Bürgermeister Michael Bauer. Telefonisch war Bauer bislang nicht zu erreichen. Auch eine schriftliche Antwort steht derzeit noch aus.

Auch in öffentlichen Gebäuden soll das Plakat nicht ausgehängt werden.

Beim TSV spekulieren Mitglieder derweil über die Gründe der Abdruck- und Aushangsperre. Anscheinend fühle man sich durch das diesjährige Motto „Manege frei – so ein Zirkus in Ingelfingen“ als Stadtverwaltung diskreditiert – für den TSV allerdings nicht nachvollziehbar. Nun habe es angeblich seitens des Orga-Teams bereits Überlegungen gegeben, das Motto dementsprechend zu ändern, damit doch noch Plakate ausgehängt und abgedruckt werden seitens der Stadtverwaltung.

Das Plakat zur Prunksitzung des TSV Ingelfingen 2020. Quelle: privat

 




Schlepper-Flashmob

Zahlreiche Trekker-Fahrer machten sich am Mittwochnachmittag, den 18. Dezember 2019, auf zu einem bundesweiten Traktoren-Flashmob zum stillen Protest gegen die Lage der Landwirte. In Wertheim-Bettingen versammelten sich gut 25 Traktor-Fahrer mit ihrem Maschinen und positionierten sich mit angeschalteten Warnblinkern im gesamten Industriegebiet Almosenberg. In Ilsfeld trafen sich die Fahrer von 16 Schleppern auf einer Wiese neben der A81 und machten dort mit eingeschalteten Rundumlichtern auf ihr Anliegen aufmerksam. Auch zwischen Nordhausen und Hausen wurde auf einem Feld für die Landwirte demonstriert. Hier kamen für kurze Zeit etwa 25 Personen mit 15 Trekkern zusammen. Ein Banner wurde gehisst und auch hier waren die Warnblinkanlagen eingeschaltet. Bei Neuenstein kam es zu leichten Verkehrsbehinderungen, weil etwa 20 Traktor-Fahrer mit ihren Gefährten die Strecke zwischen dem Emmertshof und Neuenstein auf und ab fuhren. Nach einem Hinweis der Polizei setzten die Teilnehmer ihren Protest dann stehend auf einem Feld neben der Straße fort. Neben der B27 bei Walldürn versammelten sich zehn Schlepper mit ihren Fahrern und auch an der A81 auf Höhe der Anschlussstelle Osterburken kamen sechs Traktoren und ihre Fahrer zum stillen Protest zusammen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Dr. Faust: „Bei uns läuft die Praxis schon über“ – Kreistag diskutiert über notärztlichen Sitzdienst in Künzelsau

Der nach der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zum 16. November 2019 eingeführte notärztliche Sitzdienst war Thema bei der Kreistagssitzung am 09. Dezember 2019 in Waldenburg. Die Fraktion der Freien Wähler hatte den Antrag eingebracht, dass dieser Sitzdienst nicht erst nach einem Jahr sondern bereits nach drei Monaten evaluiert werden soll, damit der Kreistag „in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung bezüglich der weiteren Fortführung“ kommen könne, so der Wortlaut des Antrags, der vom Fraktionsvorsitzenden Achim Beck gezeichnet ist. Die abschließenden Worte dieses Antrags lauteten wie folgt: „Sehr geehrter Herr Landrat, unserer FWV-Fraktion ist es darüber hinaus wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Entscheidung über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter Ihnen stehen. Freundliche Grüße, Achim Beck, Fraktionsvorsitzender“

Thomas Dubowy (FWV): „Es sollte ein guter Notdienst sein.“

Die erste Wortmeldung kommt von Thomas Dubowy (FWV), der den Antrag seiner Fraktion nochmals präzisiert darstellen wollte: „Jeder von uns hatte damals seine eigenen Vorstellungen von der Ausgestaltung eines Notdienstes. Der Notdienst soll rechtskonform und qualitätsgesichert sein. Umgangssprachlich: Es sollte ein guter Notdienst sein.“ Nachdem die Ausgestaltung bekannt ist, ist Dubowy nicht von der Qualität des Notdienstes überzeugt. „Eine Evaluation am Ende des ersten Jahres würde eine Verbesserung oder Änderung erst am Ende des zweiten Jahres, zum 31.November 2021 ermöglichen.“ Ihm geht es bei diesem Antrag „um eine fristgerechte Beurteilung im Rahmen bestehender Verträge“ und widerspricht damit genaugenommen der Formulierung des Antrags seiner eigenen Fraktion. Er schließt: „Da jeder verantwortungsbewusst für die Bürger entscheiden möchte, kann ich mir nur einen einstimmigen Zuspruch vorstellen. Wer gegen diesen Antrag stimmt, stimmt gegen eine gute ärztliche Versorgung in Künzelsau.“ Die Argumentation mit vertraglich festgelegten Fristen ging für Landrat Dr. Matthias Neth zu sehr in persönliche Vertragsdetails, so dass er sich gezwungen sah, die Öffentlichkeit kurzfristig auszuschließen.

Waldtraud Kuhnle (FDP): „So schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen.“ 

Nach kurzer nichtöffentlicher Aussprache meldet sich Waltraud Kuhnle (FDP) zu Wort. Sie will dem Antrag zustimmen und präsentiert Zahlen, dass der kassenärztliche Notdienst nach der Schließung des Krankenhauses 72 Patienten hatte und somit ungefähr 1,5 Patienten pro Stunde behandelt habe – über die Art der Behandlungen und darüber, ob 40 Minuten pro Notfallpatient nicht vielleicht angemessen sein können, sagt sie aber nichts. Insbesondere sagt sie nichts über die Zahlen des 24/7-Notarztdienstes. „Zu diesen Zahlen, wollen Sie, Herr Neumann, einen zusätzlichen Arzt, den niemand aufsucht“ – worauf Neumann zwischenruft, dass nicht er, sondern der Kreistag das so beschlossen hat. Kuhnle will „so schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen“.

Hans-Jürgen Saknus (SPD): „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft.“ 

Spätestens jetzt wird klar, dass es offenbar ganz unterschiedliche Ziele gibt: Den einen geht es darum, den Notdienst umgehend einstellen zu können, um damit Geld zu sparen, andere sehen die Notwendigkeit einer Versorgung durch einen notärztlichen Sitzdienst im Raum Künzelsau und wollen durch frühe Evaluierung die Chance bekommen, die Struktur des Notdienstes an die tatsächlichen Anforderungen anzupassen.
Hans-Jürgen Saknus (SPD) stellt die Frage: „Was evaluieren wir?“ Die gegenwärtige Umsetzung sei kein qualifiziertes Konzept für den Raum Künzelsau und tauge auch nicht als Pilotprojekt. „Wir müssen uns anschauen, was die Künzelsauer erwartet haben und was sie dafür bekommen.“ Eine Notfallpraxis müsse bestimmte Leistungen erbringen und diese Leistungen seien zu evaluieren, nicht nur Zahlen. „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft, da muss man genau hinschauen“ und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir müssen genau hinschauen, ob nicht im Hintergrund etwas ganz Anderes läuft, dem wir wehren müssen: Nämlich dem Abbau der Notfallpraxis in Künzelsau.“

Ernst Kern (Die Linke): „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern.“ 

Ernst Kern (Die Linke) legt Wert darauf, eine Lösung für die Bevölkerung in Künzelsau im Blick zu haben: „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern und etwas wirklich Gutes machen und nicht durch Evaluation alles hinausschieben oder wieder abschaffen.“ Einen ähnlichen Standpunkt nimmt auch Catherine Kern (Grüne) ein und fordert klare und öffentlich bekannte Kriterien für die Evaluation: „Es ist ganz wichtig, den Bürgern von Künzelsau die Kriterien transparent darzustellen, damit wir wissen, ab wann kann diese freiwillige Leistung nicht mehr am Leben erhalten werden.“

Dr. Faust (FWV): „Bei uns läuft die Praxis schon über.“

Dr. Faust (FWV), niedergelassener Arzt in Künzelsau, hat kein Problem mit der Datenerhebung und richtet den Blick in die Zukunft: „Damit wir auch Daten haben, um weiterzudenken. Parallel müssen wir etwas hinkriegen als Ersatz für das, was wir durch das Krankenhaus verloren haben.“ Er bekommt die Auswirkungen der Schließung bereits zu spüren: „Bei uns läuft die Praxis schon über“. Martin Braun (Grüne) schlägt vor, die Evaluierung nicht schon nach drei Monaten sondern nach vier Monaten und nach acht Monaten durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. „Nur so kriegen wir einen Teil des Vertrauens wieder zurück, das wir als Kreistag verloren haben durch die Schließung des Krankenhauses.“ Und schlägt mit der Betonung der Interessen der Bevölkerung in dieselbe Kerbe wie Ernst Kern und Catherine Kern.

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV): „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV) bekräftigt nochmals den Standpunkt der FW-Fraktion: „Wenn man sieht, dass ein Angebot keinen Nutzen hat und nur Kosten bringt, dann muss man es einstellen, das ist ein ökonomischer Grundsatz.“ Die Nutzerzahlen seien ein Indiz, dass der Nutzen gering sei, eine frühzeitige Evaluation sei nötig, um schnell reagieren und die Reißleine ziehen zu können. „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“ 
Anton Baron (AfD) ist im Prinzip gegen die Konstruktion des Sitzdienstes, fordert aber eine 24/7-Versorgung im Rahmen der kassenärztlichen Zulassung: „Wir haben damals zugestimmt, weil wir gehofft haben, dass dieser Sitzdienst eine kassenärztliche Zulassung bekommt.“ Der Sitzdienst sei „ein Zusatzservice, der eigentlich völlig überflüssig ist, da die Leute ja sowieso versorgt werden“.

Landrat Dr. Neth: „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“

Landrat Neth geht direkt in den Dialog und vermutet, dass der 24/7-Dienst keine Kassenzulassung erhalten wird, sieht aber anderweitige Konstrukte und verweist dazu auf das noch nicht existente MVZ: „Ich kann ein MVZ über Öffnungszeiten steuern, das könnte eine sinnvolle Möglichkeit sein. Die Frage ist nur, wie schnell kriegen wir so etwas hin.“ Auf jeden Fall will er aufgrund des AfD-Antrags Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen. Auf nochmalige Nachfrage Barons nennt Neth das Beispiel Marienhospital in Stuttgart, wo es bereits eine 24-Stunden KV-Notfallpraxis gibt. „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in den Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“ Mangels Kassensitz geht Neth aber nicht davon aus, dass der gegenwärtige 24/7-Notarzt eine Kassenzulassung erhalten kann.

Bürgermeister Neumann: „Da verliert der Kreistag das Gesicht.“

Ungewohnt emotional zeigt sich der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann: „Es braucht Zeit, um mit der BBT-Gruppe zusammen neue Strukturen zu entwickeln.“ Es ist für ihn „völlig in Ordnung, dass wir die Zahlen auch bekanntmachen“. Gleichzeitig wirft er den Freien Wählern vor: „Ihr Ziel ist es, möglichst bald diesen Sitzdienst zu schließen. Das ist nicht in Ordnung, weil der Kreistag entschieden hat, dieses Instrument als Kompensation zu etablieren. Wenn man etwas etablieren will, dann kann man nicht nach drei Monaten schon die Reißleine ziehen, dann hat man dem keine Chance gegeben.“ Auch Neumann geht es um die Verlässlichkeit des Kreistages und das Vertrauen des Bürgers in den Kreistag: „Vor einen Jahr haben wir gesagt, wir evaluieren nach einem Jahr und jetzt sagen wir, wir wollen schon nach drei Monaten evaluieren und dann entscheiden: Da verliert der Kreistag das Gesicht. Ich würde da als Bürger auch das Vertrauen in diesen Kreistag verlieren.“

Rüdiger Volk (CDU): „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann.“

Mit einem völlig anderen Blickwinkel bereichert Rüdiger Volk (CDU) gegen Ende der Aussprache die Diskussion: „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann“, sagt er und bemängelt, dass bisher keine Kriterien für die Beurteilung der zu erhebenden Zahlen festgelegt sind: „Dann haben wir Zahlen, aber wo sind die Kennziffern, die uns sagen: Ist das gut, ist es schlecht. Reicht es, wenn wir feststellen, es wurde ein Menschenleben gerettet. Oder müssen es 3 oder 5 sein?“ Diese Kriterien fehlen ihm im Gesundheitswesen, „das macht mir eine Entscheidung sehr, sehr schwer“. Landrat Neth antwortet direkt: „Wir haben keine Kriterien hinterlegt, am Schluss ist es eine politische Entscheidung.“

Evaluation nach 4 und 8 Monaten

Nach kurzer Unterbrechung und fraktionsinterner Diskussion darüber, welcher der beiden Anträge der „weitergehende“ ist, wird dann zuerst über den ursprünglichen Antrag der Freien Wähler abgestimmt: Der Antrag der FW, bereits nach 3 Monaten zu evaluieren, wird mit 18 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag der Grünen wird im Anschluss einstimmig ohne Enthaltung angenommen – es wird also nach 4 und nach 8 Monaten eine Evaluation des Notarztdienstes vorgenommen.

Es wurde allerdings nicht darüber abgestimmt, was genau evaluiert werden soll. Eine reine Betrachtung „Minuten pro Patient“ oder daraus folgend „Euro pro Patient“ dürfte aufgrund der Vielzahl der möglichen Einsatzszenarien eines solchen Notarztes nicht angemessen sein.

Text: Matthias Lauterer

Nur wenige Zuhörer verirrten sich in die Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ

 




Simprechtshausen: Heiliger Besuch

Im Januar kommt der Papst nach Simprechtshausen. Der Jugendclub Simprechtshausen e.V. präsentiert das Theaterstück „… und morgen kommt der Papst!“ von Heidi Mager im Dorfgemeinschaftshaus in Simprechtshausen. Am Sonntag, den 05. Januar 2020, am Samstag, den 11., 18. und 25. Januar 2020, sowie am Freitag, den 24. Januar 2020, dreht sich alles um ein eigentlich wohlvorbereitetes Weihnachtsfest. Aufgrund der hohen Nachfrage gibt es am Freitag, den 17. Januar 2020 eine Zusatzvorstellung.

Der Eintritt zu der Komödie kostet 7 Euro. Die Aufführung beginnt um 19.30 Uhr, Einlass ist ab 18.30 Uhr. Im Anschluss an die Vorstellung ist Barbetrieb. Die Karten gibt es im Vorverkauf täglich von 17 bis 20 Uhr bei Ramona und Stephan Fuchs unter Telefon 07938/ 12 80. 




Künzelsau: Konzert in völliger Dunkelheit

Ein Konzert der besonderen Art findet am Donnerstag, den 9. Januar 2020 in der Reinhold-Würth-Hochschule Künzelsau statt – nämlich in völliger Dunkelheit. Das international erfahrene LightsOut Trio, bestehend aus Klavier, Violine und Violoncello, wird Tschaikowskys großes, romantisches Werk, das Klaviertrio a-moll op. 50 ohne Noten in absoluter Dunkelheit aufführen. Eine Grenzerfahrung für die Musiker und ein unvergessliches Erlebnis für das Publikum. Über die Erfahrungen kann man sich anschließend beim Künstlergespräch austauschen.

Einlass ist ab 18.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird aber um Voranmeldung unter http://www.hs-heilbronn.de/dunkelkonzert gebeten.




Künzelsau: Rainer Ott neuer Kripo-Chef

Das Kriminalkommissariat Künzelsau hat seit Dienstag, den 17. Dezember 2019 einen neuen Leiter: Erster Kriminalhauptkommissar Rainer Ott wurde von Polizeipräsident Hans Becker bei einer kleinen Feierstunde zum neuen Kripo-Chef ernannt. Ott hatte bereits in den letzten zweieinhalb Jahren als Leiter des Arbeitsbereichs Kapitaldelikte den bisherigen Kommissariatsleiter Hermann Deeg in seinem Amt vertreten. Letzterer wurde Ende Oktober in den Ruhestand verabschiedet. Rainer Ott war auch ein Zeuge beim Prozess gegen Elisabeth S., die im April 2019 wegen Totschlags an dem Jungen Ole verurteilt worden war.

Vertrautes Revier

Der Hohenlohekreis ist für Rainer Ott ein vertrautes Revier. Angefangen hat seine Polizeikarriere bei der Bereitschaftspolizei in Biberach an der Riss, wo er im September 1975 als Polizeiwachtmeister seine Ausbildung begann. Nach deren Abschluss war er zunächst bis 1979 beim Schwäbisch Haller Streifendienst eingesetzt, er wechselte aber 1980 für ein Jahr zum Arbeitsgebiet Rauschgiftbekämpfung beim Landeskriminalamt Baden-Württemberg. Zurück in Schwäbisch Hall, arbeitete er bei der Fahndung und eignete sich im Rahmen seiner Tätigkeit gute Ortskenntnisse in den Kreisen Hohenlohe und Main-Tauber an.

Jahrelange Tätigkeit in Künzelsau

Mit Gründung der neuen Polizeidirektion Künzelsau wechselte Ott 1983 als junger Kriminalobermeister zur dortigen Kriminalpolizei. Hier war er jahrelang hauptsächlich für die Bekämpfung der Raub- und schweren Diebstahlskriminalität zuständig, bis er Anfang 1989 für zwei Jahre das Amt des Pressesprechers und Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit bei der Polizeidirektion Künzelsau übernahm. Von 1995 bis 1997 folgte sein Studium zum gehobenen Dienst, nach dessen Beendigung er zur Hohenloher Kripo zurückkehrte. Bis zur Polizeireform 2014 war Ott schwerpunktmäßig als Inspektionsleiter für die Bereiche Kapital-, Sexual- und Missbrauchsdelikte zuständig. Die Funktion als stellvertretender Pressesprecher der Polizeidirektion Künzelsau nahm er auch weiterhin wahr.

Pressesprecher bei der Expo 2000

Mit der Polizeistrukturreform wechselte Ott zum Januar 2014 in das neugeschaffene Heilbronner Polizeipräsidium, wo ihm die Leitung der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit/Pressestelle übertragen wurde. Hier stieg er auch in das Spitzenamt des gehobenen Dienstes auf. Besonderheiten: Während seiner mittlerweile 44-jährigen Dienstzeit war er 1985 als einer der ersten Beamten aus Baden-Württemberg im Austausch in Berlin eingesetzt. Im Kriminaldauerdienst der Metropole Berlin sammelte er dort für rund ein halbes Jahr Großstadterfahrungen. Auf der im Jahr 2000 stattfindenden Expo 2000 in Hannover vertrat er die baden-württembergische Polizei als Pressesprecher. 

Große Fachkompetenz

Im Sommer 2017 kehrte Ott zu seinen beruflichen Wurzeln in den Hohenlohekreis zurück. Der Vollblut-Kriminaler übernahm als Arbeitsbereichsleiter wiederum den Bereich Kapitaldelikte beim Kriminalkommissariat Künzelsau und wurde gleichzeitig zum stellvertretenden Kommissariatsleiter bestellt. Polizeipräsident Hans Becker bedankte sich ausdrücklich für seine ausgeprägte große Bereitschaft, seine Verwendungsbreite zu vergrößern und seine Fachkompetenz und sein Wissen zu erweitern. Davon könnten vor allem die ihm anvertrauten Kolleginnen und Kollegen profitieren. Becker bedankte sich darüber hinaus auch für seine Bereitschaft, den Eintritt in den Ruhestand noch hinauszuzögern und sich weiterhin in den Dienst der Polizei zu stellen. 

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 18.12.2019




Kupferzell: Verkaufstraining für Direktvermarkter

Die Landwirtschaftsämter des Hohenlohekreises, des Landkreises Schwäbisch Hall, des Rems-Murr-Kreises und des Main-Tauber-Kreises bieten am Donnerstag, den 16. Januar 2020 und am Donnerstag, den 23. Januar 2020, ein Seminar für Direktvermarkter an. Es findet statt von 9.30 bis 16.30 Uhr in der Aula der Akademie für Landbau und Hauswirtschaft in Kupferzell.

Claudia Albrecht, Moderatorin und Autorin, nimmt bewährte Konzepte und Lösungen aus der Werbepsychologie unter die Lupe und sucht gemeinsam mit den Teilnehmern nach Ansätzen, die für den eigenen Betrieb geeignet sind. Die Teilnehmer lernen einfache und wirkungsvolle Beispiele kennen, wie sie mit wenig zeitlichem und finanziellem Aufwand professionell werben und verkaufen können. Denn neben der Produktion von gesunden Lebensmitteln in bester Qualität ist es wichtig, dass der Betrieb auch in der Vermarktung, im Vertrieb und bei der Umsetzung von Werbemaßnahmen gut aufgestellt ist.

Die Teilnahme kostet 60 Euro pro Person (inklusive Verpflegung). Eine Anmeldung ist erforderlich bis Donnerstag, den 9. Januar 2020 unter Telefon 07940/ 18 601 oder per E-Mail unter landwirtschaftsamt@hohenlohekreis.de 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes Hohenlohekreis




Niedernhall: Kochertaler Schwimmschule kommt ins Solebad

Die Kochertaler Schwimmschule, die im August 2019 aus dem Hallenbad in Ingelfingen geflogen ist, bietet ab März 2020 Kurse im Solebad in Niedernhall an. „Wir werden dienstags von 14 bis 21 Uhr im Solebad sein“, sagt Simone Schweigert, Gründerin und Leiterin der Schwimmschule.

Es wird verschiedene Kurse für die unterschiedlichsten Interessenten geben: Babyschwimmen, Eltern-Kind-Schwimmen, Wassergewöhnung für Angstkinder, Schwimmkurse sowie Gesundheitskurse, die von einer Fachkraft begleitet werden. Anmeldungen sind ab sofort über die Homepage der Kochertaler Schwimmschule https://www.kochertaler-schwimmschule.de/ möglich.