Schüler (13) kritisiert: „Man möchte, dass mehr Menschen Bus fahren, aber die Buspläne sind Müll“
Politisch korrekt wünschten sich die Ganerben-Schüler, die am Donnerstag, den 23. Januar 2020, zu Gast im Rathaus waren und Bürgermeister Stefan Neumann Ideen für Künzelsau vorschlagen durften, eine grüne Lunge für die Kreisstadt – mit großen Bäumen, Wildblumen und vielleicht noch dem ein oder anderen Bienenhotel (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/01/23/ganerben-achtklaessler-fragen-buergermeister-neumann-warum-hat-die-realschule-whiteboards-und-wir-nicht/ ). Als der offizielle Programmteil sich dem Ende entgegenneigte und eine lockere Fragerunde eingeläutet wurde, stellten einige Schüler Fragen den praktischen Alltag betreffend. Warum gibt es an unserer Schule keine I-Pads? Warum hat die Realschule Whiteboards und wir noch normale Tafeln – trotz einer Millionen-Renovierung und -Sanierung des Ganerben-Gymnasiums vor nicht allzu langer Zeit. Und auch der Nahverkehr nervte einige Schüler gewaltig.
Schüler sind die Hauptkunden und damit die Haupteinnahmequelle des NVH
„Man möchte, dass mehr Menschen Bus fahren, aber die Buspläne sind Müll. Wir müssen eine halbe Stunde nach der Nachmittagsschule auf unsere Busse warten und verpassen teilweise unsere Anschlussbusse in Waldenburg. Warum bekommt man es als Nahverkehr nicht hin, dass Busse fahren, wenn man sie braucht?“, fragt etwa Severin (13).
Bürgermeister Stefan Neumann gab in diesem Zuge zu Bedenken, dass die Kunden des NVH immerhin rund 80 Prozent Schüler seien. Gleichzeitig aber betonte Neumann, dass der Hohenlohekreis schon jetzt viel Geld in den Nahverkehr investiere: „NVH kostet unheimlich viel Geld. Der Hohenlohekreis setzt unheimlich viel Geld hinein. Das müsste von Landesseite kommen.“ Gleichzeitig verwies er auf die europaweite Ausschreibung der NCV-Fahrten. Sprich: Europaweit können sich Unternehmen für diese Busfahrten bewerben. So fahren auch mittlerweile längst nicht mehr nur Busunternehmen aus der Region die Busse, sondern deutschland- wenn nicht sogar europaweit, weil diese günstiger sind und letzten Endes den Zuschlag bekommen. Eine Schülerin merkt an: „Uns ist auch aufgefallen, dass die Busse bei längeren Wartezeiten die Motoren laufen lassen. Das ist ja auch nicht so umweltfreundlich.“
Ingelfingen kennt die Problematik
Das Problem mit den Unterrichtszeiten und den nicht immer übereinstimmenden Busfahrplänen gibt es schon seit einigen Jahren – nicht nur in Künzelsau. Unter anderem auch in Ingelfingen gibt es zahlreiche Mamis, die jeden Montag um 15.30 Uhr zur Georg-Fahrbach-Schule fahren, um dort ihre Kinder abzuholen, weil für viele Teilortkinder kein Bus fährt. In Gretazeiten eigentlich ein Unding.
Auch der Lehrerin der Achtklässler, Michelle Kinbacher (31), ist dieser Mangel aufgefallen. Kinbacher wohnt in Heilbronn: „Was ich wirklich vermisse in Künzelsau, ist eine bessere Nahverkehrsinfrastutkur“, sagt sie. „Wenn wir Exkursionen machen, brauchen wir einen Reisebus oder Eltern müssen fahren“, weil es keine Möglichkeiten gäbe, mit dem öffentlichem Nahverkehr größere Sprünge zu machen.
Carsharing für Künzelsau
Dabei zeigen sich die Achtklässler an diesem Vormittag im Rathaus sehr grün und würden auch gerne grüner leben – wenn es denn so einfach wäre. Ein Schüler erzählte: „In Stuttgart gibt es jetzt auch Elektroroller, die man übers Handy mieten kann.“ Auch die Stadt habe sich diesbezüglich bereits Gedanken gemacht. Neumann erklärte darauf: „Wir überlegen Car-Sharing in unserem Städtenetzwerk Künzelsau – Öhringen -Schwäbisch Hall – Crailsheim. Außerdem bekommt jeder Student zum Studienstart ein Fahrrad von uns geschenkt.“ Zudem will das Regierungspräsidium Stuttgart laut Neumann noch in diesem Jahr entscheiden, ob die alte Bahnstrecke der einstigen Kochertalbahn wiederbelebt werde.
Einkaufsbeutel für Gemeinderäte
Generell finden die Ganerben-Schüler eine umweltfreundliche Stadt gut. Auszeichnungen für Schulen, Kindergärten und Haushalte, die gut Müll trennen und Strom sparen, können sie sich vorstellen. Auch Neumann findet die Idee gut und spinnt die Idee weiter zu einem Wettbewerb zwischen Schulen und Kindergärten. Dennoch betonte der Rathauschef, dass es auf jeden einzelnen ankomme: „Jeder kann etwas ändern. Wo kaufe ich ein? Brauche ich das wirklich? Das Thema umweltfreundliche Stadt ist sehr vielschichtig. Was bedeutet eigentlich klimaneutral und welche Maßnahmen setzen wir darunter?“ Als Weihnachtsgeschenk gab es laut dem Bürgermeister für die Gemeinderäte in diesem Zuge Einkaufsbeutel, um künftig plastikfrei unterwegs zu sein.
Bäume pflanzen
Darüber hinaus verwende das Rathaus Recyclingpapier zum Drucken. Stromsparlampen sollen kommen. Zudem soll dem Gemeinderat vorgeschlagen werden, die Schulen mit Photovoltaik zu bestücken, damit „wir unseren Strom selber produzieren und verbrauchen“.
Eine Schülerin fände Baumpflanzaktionen toll. Neumann verwies auf eine Aktion der Stadtverwaltung in der Vergangenheit mit der Pflanzung von 1.000 kleinen Bäumchen. „Das wollen wir im Stadtwald fortführen.“ In diesem Zuge könne man sich dann auch mehr Bäume für die Innenstadt überlegen.

Energiesparlampen sollen die alten Scheinwerfer laut Stefan Neumann bald ersetzen. Foto: GSCHWÄTZ

Die Schüler hatten einige Fragen im Gepäck. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Stefan Neumann hörte sich die einzelnen Ideen der Schüler an. Foto: GSCHWÄTZ

So sieht es also im Sitzungssaal im dritten Stock im Rathaus aus. Foto: GSCHWÄTZ

























