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Rettungshubschrauber beim Fußballspiel

Am Sonntagnachmittag, 14. August 2022, landete auf dem Nagelsberger Sportplatz ein Rettungshubschrauber. Grund war die schwere Kopfverletzung eines Spielers der Gästemannschaft. Der Spieler mußte längere Zeit auf dem Platz notärztlich behandelt werden, bevor er mit dem angeforderten Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden konnte.

In einem Kopfballzweikampf waren zwei Spieler mit den Köpfen aneinandergestoßen, wobei sich beide Spieler verletzten. Auch der beteiligte Spieler der Heimmannschaft wurde in ein Krankenhaus gebracht.

Das Spiel wurde abgebrochen.

Text: Matthias Lauterer




Kreistag lehnt Achim Becks Antrag ab – Neumann redet Klartext für Künzelsau

Die Überraschung des Kreistagsabends: Der Kreistag, vornehmlich die CDU und die Grünen, lehnen in der Sitzung am 09. Dezember 2019 in Waldenburg den von Achim Beck eingebrachten Antrag der Freien Wähler Verweinigung (FWV) auf Überprüfung des neuen Notarzt-Modells nach nur drei Monaten, das wäre im März 2019, ab. Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (CDU) kritisierte die FWV, die mit ihrem Antrag lediglich das Ziel verfolge, das neue Notarztmodell für Künzelsau sofort wieder abzuschaffen. Daraufhin gab es empörte Wortmeldungen von Seiten der FWV, dass dies eine Unterstellung sei.

Dennoch bleibt die Freude bei den Künzelsauern etwas getrübt. Der Antrag der Grünen wurde einvernehmlich angenommen, das neue Notarztmodell nach etwa vier Monaten und dann nach acht Monaten zu prüfen.

Neumann gibt zu Bedenken, dass man trotz aller Kritik am neuen Notarztmodell, Neuem erst einmal Zeit zum wachsen und zum sich etablieren geben müsse. Unlängst hatte die BBT-Gruppe an Künzelsauer Haushalte erst einen Flyer und Informationen rund um die Angebote der Gesundheitsversorgung in Künzelsau verschickt. Der neue Notarzt wird darin jedoch lediglich nur kurz erwähnt. Dafür erhalten Interessierte einen Überblick, welche Ärzte derzeit im Medikün ihre Dienste anbieten. Auch die Stadtverwaltung Künzelsauer informierte in ihren Künzelsauer Nachrichten ausführlich über den neuen ärztlichen, so genannten „Präsenzdienst“.

Offen ist nach wie vor, wie eine Überprüfung des neuen Notarztmodells nach den vier Monaten ausschaut. Sprich: Nach welchen Kriterien prüft man den Notarzt und die Entscheidung über den Fortbestand der Praxis oder deren Beendigung? Da er derzeit nur sehr wenig Handlungsspielraum hat aufgrund des fehlenden Kassensitzes, wurde auch laut über Möglichkeiten gesprochen, diesen Handlungsspielraum zu verbessern. Zum einen bestünde eventuell die Möglichkeit, sich mit der kassenärztlichen Vereinigung  auf einen Sondersitz zu einigen. Zum anderen könnte man möglicherweise über ein medizinisches Versorgungszentrum (MVZ), das ja für Küzelsau etabliert werden soll, einen regulären Notarztsitz bekommen. Sprich: Dann dürfte der Notarzt auch ganz regulär Patienten behandeln, Überweisungen und Rezepte ausstellen. Das darf er bislang nicht, weil er keinen Kassensitz hat.



 

 




Kreistagssitzung unterbrochen nach Dubowys Äußerungen bezüglich Notarzt in Künzelsau

Die heutige Sitzung des Kreistages des Hohenlohekreises am Montag, den 09. Dezember 2019, in Waldenburg wurde unterbrochen nach einer Wortmeldung von Thomas Dubowy bezüglich dem neuen Notarzt im Krankenhaus Künzelsau.

Der Arzt aus Krautheim wollte eigentlich den Antrag seiner Freien Wähler Vereinigung (FWV) näher erklären. In dem Antrag fordert die FWV eine Überprüfung der Sinnhaftigkeit und des Kosten-Nutzen-Verhältnisses des neuen Notarztes im Krankenhaus Künzelsau. Der Notarzt-Dienst wurde im Zuge der Krankenhausschließung Mitte November 2019 im Krankenhausgebäude etabliert und soll nun bereits im Februar 2019 geprüft und eventuell bereits nach einem Jahr wieder eingestellt werden. Ursprünglich sollte der Dienst mindestens drei Jahre dort ausgeübt werden. Aufgrund der stark eingeschränkten Handlungsfähigkeit des Notarztes (wir berichteten) forderten nun diverse Kreisräte, unter anderem Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck, die Überprüfung und gegebenenfalls Beendigung des Dienstes.

Dubowy hat in der Kreistagssitzung nun möglicherweise ein paar Vertragsdetails öffentlich ausgeplaudert, die nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen sein könnten. Unter anderem erklärte er, dass bei einer früheren Evaluation die Möglichkeit bestünde, den ursprünglichen Drei-Jahres-Vertrag vorzeitig zu beenden. Landrat Dr. Matthias Neth ließ daraufhin die Sitzung unterbrechen, um sich mit den Kreisräten nicht-öffentlich zu besprechen.

Zuvor hatte der Kreistag mit großer Mehrheit dem Haushalt und dem neuen Klimaschutzmanager zugestimmt.




 

 




Tschuldigung, wo geht´s denn hier zum Notarzt?

Wenn sich die Glastüre öffnet, dann immer schön dem Absperrband folgen. Auf einem kleinen Tischchen im Windfang liegt ein Handy mit einem Zettel, auf dem handschriftlich einen Nummer geschrieben steht… Klingt fast wie eine Schnitzeljagd – ist es aber nicht.  GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat morgens gegen 03 Uhr den neuen Künzelsauer Notsitzdienst im ehemaligen Hohenloher Krankenhaus getestet. Ihr Resümee sehen Sie im Video.




Achim Beck betont: Wir stehen hinter der Entscheidung zur Schließung des Künzelsauer Krankenhauses

Der Kreistag hat am 10. Dezember 2018 die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH beauftragt, den Notfall-Sitzdienst in Künzelsau vertraglich zu verpflichten. Die Laufzeit ist auf drei Jahre angelegt. Aber auf Grund der beschlossenen jährlichen Bewertung dieses Pilotprojektes wurde der Vertrag durch die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH zunächst auf ein Jahr abgeschlossen. Die Kosten hierfür, laut der Fraktion Freien Wähler Vereinigung (FWV) 500.000 Euro, trägt der Hohenlohekreis.

Soll der Sitzdienst nach einem halben Jahr schon aufgegeben werden?

Die FWV Hohenlohekreis, mit Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck als Fraktionsvorsitzenden, sieht die jährliche Bewertung des Sitzdienstes aber kritisch. Sie haben nun beantragt, dass der Kreistag ihren Tagesordnungspunkt über die Überprüfung dieses Notarzt-Sitzdienstes für die kommende Kreistagssitzung am Montag, den 09. Dezember 2019 aufnimmt. Die FWV Hohenlohekreis fordert, dass die erste Bewertung des Sitzdienstes in Künzelsau bereits zum 15. Februar 2020 oder spätestens bis zum 15. März 2020 erfolgen. Die Ergebnisse sollen dem Kreistag in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung für eine Fortführung des Sitzdienstes vorgelegt werden. 

Für die zu bewertenden Punkte listet die FWV folgende auf:

– Gesamtkosten/Gesamtzahlungen zum Zeitpunkt der Evaluation
– Einnahmen/Umsatzerlöse zum Zeitpunkt der Evaluation
– Bericht über die Inanspruchnahme (Fallzahlen/Zahl der Patienten/Kategorien) im Zeitraum bis 15.02.2020/15.03.2020
– Ergebnisse der Behandlungen (z.B. Überweisung zum Facharzt, Überweisung in eine Klinik, Behandlungserfolg/Behandlungsweg durch 24/7 Versorgung etc.)

FWV Hohenlohekreis steht hinter der Entscheidung der Schließung des HK

Der Kreistag solle laut Antrag der FWV nach der Evaluation in der darauffolgenden Sitzung über die Fortführung des 24/7-Versorgung entscheiden. Weiter heißt es: „Je nach Arbeitsvertragsausgestaltung kann der Kreistag entscheiden, ob an der Freiwilligkeitsleistung weiter festgehalten wird oder das Angebot kurzfristig wieder aufgegeben wird.“

Des Weiteren betont die FWV in ihrem Antrag, gezeichnet von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck, die Wichtigkeit Landrat Dr. Neth mitzuteilen, dass sie in der Entscheidung über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter ihm stehe: „Sehr geehrter Herr Landrat, unsere FWV-Fraktion ist es darüber hinaus wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Entscheidung üb die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter Ihnen stehen. Freundliche Grüße Achim Beck Fraktionsvorsitzender“

Nun hat der Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Montag, den 09. Dezember 2019, über den Antrag der FWV zu entscheiden.

FWV Antrag auf Aufnahme eines Tagesordnungspunktes. Foto: Landratsamt des Hohenlohekreises

 

 

 




Da werden Sie geholfen – Wir haben den neuen Notarzt im Krankenhaus Künzelsau getestet

Nachdem wir schon einiges über den neuen Notarzt in Künzelsau gehört haben, der seinen so genannten Sitzdienst im Zuge der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses Mitte November 2019 aufgenommen hat, wollten wir uns selbst ein Bild machen. Wie gut ist dieser Notarzt im Sitzdienst? Was kann er? Was darf er? Wo hockt er?

Die Suche nach dem Eingang

Im Eingangsflur des HK liegt ein Handy mit einem Zettel. Foto: privat

Mein erster Besuch beim Notarzt schlägt fehl – denn ich finde seine Praxis nicht. Es ist Mittwoch gegen 20.30 Uhr. Ich weiß, dass der neue Notarzt seine Praxis irgendwo im Krankenhaus beziehungsweise in einem Zwischengebäude im Krankenhaus hat. Als ich vor dem Krankenhauseingang stehe, verweist ein Schriftzug und ein Pfeil auf den geschlossenen verglasten Eingangsschiebetüren auf die orange leuchtende Nachtglocke, die man betätigen solle. Die Nachtglocke befindet sich rechts neben den Eingangstüren und erinnert von ihrem Erscheinungsbild an eine gewöhnliche Türsprechanlage. Ich betätigte mehrmals die Nachtglocke, aber nichts rührt sich. Unsicher geworden, ob das überhaupt der richtige Eingang ist, schaue ich nach rechts und nach links, ob es einen Nebeneingang gibt zur Notarztpraxis gibt – ohne Erfolg. Das Ärztehaus ist dunkel, daher gehe ich nicht bis zum Eingang, sondern laufe hinunter zum unteren Eingang der Apotheke Medikün an der Stettenstraße. Vielleicht ist ja dort der Eingang zur Praxis. Auch hier erwartet mich eine Notdienstglocke, die ich zwar betätige, aber schon ahne, dass diese Glocke nur für die Notfallapotheken gedacht ist.

Also geht meine Suche weiter. Ich laufe Richtung Rettungswache des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), die gegenüber vom Krankenhausgebäude ist. Wenn ich in großer gesundheitlicher Not wäre, würde ich vermutlich jetzt direkt zum DRK laufen und beim Rettungsdienst um Hilfe bitten. Ich finde noch zwei weitere Krankenhauseingänge entlang der Stettenstraße – einer ist der Lieferanteneingang. Auf dieser Türe steht: „Zutritt für Unbefugte verboten.“ Auch die davon nur unweit entfernte andere Tür ist verschlossen. Also gebe ich für diesen Abend auf. Am nächsten Tag erkundige ich mich bei ehemaligem Krankenhauspersonal, wie ich zu der Notarztpraxis im Krankenhaus gelange. Ich bekomme die Auskunft, dass ich einfach zum Haupteingang hineinlaufen muss, dann gäbe es Hinweisschilder. Komisch. Ich stand doch direkt vor den großen Glas-Schiebetüren am Eingang, aber diese gingen nicht auf. Also noch ein Versuch, dieses Mal aber mitten in der Nacht.

2. Versuch – Nachts um drei Uhr in Künzelsau

Beim ersten Versuch öffnete sich die Schiebetüre des Haupteinganges nicht. Foto: privat

Es ist Donnerstagnacht, 28. November 2019. Gegen 03 Uhr gehe ich mit so starker Migräne wie noch nie zum Haupteingang des ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau. Die Schiebetüren öffnen sich. Ich laufe hinein. Über der ehemaligen Empfangs/-Infotheke des Krankenhauses hängt ein rotes Schild, das mir den Weg in die Notfallpraxis weist. Es folgen weitere handgeschriebene Schilder, ich laufe entlang von Absperrbändern links Richtung Aufzug. Der Notarzt ist im ersten Stock, steht in etwas krakeliger Handschrift im Aufzug geschrieben. Im ersten Stock erwarten mich wieder Absperrbänder. Die Praxis von Dr. Kühn ist ausgeschildert. Ist das zugleich die Notfallpraxis?, frage ich mich. Ich betrete den erleuchteten Vorraum einer Praxis. Es ist gespenstisch still. Ein schmaler Flur führt an mehreren Türen vorbei. Eine der ersten Türen hat einen Zugangscode. Neben dieser Tür klebt ein Schildchen. Darauf steht „Notarzt“. Eine Klingel gibt es nicht beziehungsweise ich sehe zumindest keine. Ich rufe ein paar Mal: „Hallo?“. Es bleibt still. Unschlüssig, ob ich hier überhaupt richtig bin, verlasse ich die Praxis, gehe entlang der Absperrbänder wieder zum Aufzug, fahre nach unten und rufe auch hier nochmal: „Hallo?“ Als ich Richtung Ausgang gehe, fällt mir ein kleines Tischchen auf, das im Flur zwischen Foyer und Eingangstür an der Wand steht. Ein handgeschriebener Zettel liegt darauf, auf dem geschrieben steht: „Bitte Telefon Nr. 00151XXXXX975 anrufen. Sie werden dann abgeholt.“ Daneben liegt mit einem Klebeband umwickeltes älteres Handy. Ich wähle mit dem Telefon die angegebene Nummer. Nach ein paar Minuten meldet sich ein Mann. Ich sage ihm, dass ich starke Migräne habe. Er meint, er kommt gleich runter zum Eingang, ich solle dort warten.

Der Notarzt verweist mich zum Krankenhaus nach Schwäbisch Hall

Nach ein paar Minuten steht mir ein älterer Herr in einer orangerot-gelben Notarzt-Kleidung gegenüber. Ich folge ihm in den ersten Stock. Wir erreichen die Praxis, in der ich vorher schon stand. Ich solle auf einem der wenigen Stühle, die wie Wartezimmer-Stühle im Flur aufgereiht sind, hinsetzen. Ich setze mich, er nimmt mir gegenüber Platz. Ich erkläre ihm, was ich habe. Er sagt mir, dass er nicht viel tun könne. Ob ich nicht wisse, dass das Krankenhaus inzwischen geschlossen ist. Dafür sei er hier, um die Menschen, die das nicht wissen, zu informieren. Er sitzt mir noch immer im Flur gegenüber, wartet und schaut mich an. Ich sage mit leicht gequälter Miene: „Ok. Was mache ich denn jetzt?“ Habe er vielleicht stärkere Schmerzmittel als die Dolormin Migräne, die ich zu Hause habe, aber die nicht geholfen haben. Er verneint, er habe keine Medikamente hier. Aber da meine gewöhnlichen Schmerzmittel nicht ausreichen, würde er jetzt einen Krankenwagen rufen, der mich ins Krankenhaus bringt. Er zückt bereits sein Handy, um zu wählen. Ich frage, in welches Krankenhaus er mich bringen lässt. Schwäbisch Hall in die Neurologie, sagt er. Ich stottere, dass mir das jetzt doch alles etwas schnell geht. Er überlegt, schaut mich an, nennt ein Medikament und fragt, ob ich das Medikament kenne. Ich verneine, sage, dass ich eigentlich nur sehr selten Medikamente nehme. Er sagt, ich solle hier warten, er komme gleich zurück. 2 Minuten vergehen, 5 Minuten vergehen. Ich stehe auf, gehe nach Hause, lege mich erschöpft ins Bett und schlafe ein.

Vieles ist sehr notdürftig ausgeschildert. Foto: GSCHWÄTZ

Der Notarzt hat sehr gut reagiert, nur die handgeschriebenen Zettel wirken wie in Zimbabwe

Fazit: Für das, dass dieser Notarzt mich weder behandeln noch Medikamente aushändigen darf, hat er meines Erachtens das getan, was er im Rahmen seiner Möglichkeiten hätte tun können. Ich fand es gut, dass er mich nicht in irgendein Krankenhaus hat fahren lassen wollen, sondern in die Neurologie nach Schwäbisch Hall. Zudem glaube ich persönlich, dass eine Leitstelle bei dem Anruf eines Notarztes schnell reagiert und sofort einen Krankenwagen losschickt. Wenn ich als Privatperson angerufen und über starke Migräne geklagt hätte, hätte das vielleicht weniger Eindruck gemacht. Auch kann es hilfreich sein, sich den Rat des Notarztes zu holen, welches Krankenhaus am geeignetsten für das jeweilige Krankheitsbild ist. Dennoch darf man nicht vergessen, welche Außenwirkung ein Notarzt im Sitzdienst hat. Es wird damit nach außen eventuell suggeriert, dass er kranke Menschen behandeln kann. Aber: Das darf er eigentlich nicht. Sprich: Habe ich etwa erste Anzeichen eines Schlaganfalles, verliere ich vielleicht wertvolle Zeit, wenn ich in diese Praxis gehe, anstatt direkt den Rettungsdienst anzurufen.

500.000 Euro – für was genau?

Was auch mehr als fraglich ist: Über 500.000 Euro soll dieser Notarzt im Sitzdienst jährlich laut diversen Kreisräten kosten (wir berichteten). Man fragt sich: Was genau kostet 500.000 Euro? Klar, der Notarzt verdient im Monat Summe X. Aber ansonsten gibt es weder eine richtige Praxis (ich saß auf einem alten Wartezimmerstuhl im Flur einer bereits bestehenden Praxis), noch eine anständige Beschilderung. Handgeschriebene Zettel weisen den Weg. Hier wurde schon mal nicht mit Geld um sich geworfen. Das alte Handy im Flur kann auch nicht viel gekostet haben. Das Ganze wirkt eher so, als ob diese Notarzt-Praxis provisorisch eingerichtet wurde – obwohl es genug Zeit geben hätte, zumindest keine handschriftlichen Wegweiser auszulegen. Es scheint vielmehr so, als ob man dieser Praxis sowieso kein langes Bestandsrecht zu Teil werden lassen möchte. Ansonsten hätte man es von Anfang an ordentlicher gemacht.

 

 

 

 




„Wir sehen enorme Schwierigkeiten, die Notfallrettung aufrechtzuerhalten“

Momentan sehen wir uns einer extrem angespannten Personalsituation ausgesetzt“, so Jens Müller, Rettungsdienstleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Kreisverband Hohenlohe, in einem  internen Schreiben vom November 2017, das GSCHWÄTZ vorliegt. „Derzeit haben wir fünf offene Stellen im Bereich der Notfallrettung zu verzeichnen.“ Weiter heißt es: „Sollte es zu einer verstärkten Krankheitswelle kommen beziehungsweise in der kommenden Urlaubszeit sehen wir enorme Schwierigkeiten, den regulären Dienstbetrieb der Notfallrettung mit allen Rettungsmitteln aufrechtzuerhalten.“

Diese neuen Aussagen stützen die Aussagen, die Mitarbeiter gegenüber GSCHWÄTZ geäussert haben (siehe Berichterstattung in unserer November-Ausgabe).

Ansätze, die Personalsituation zu entschärfen, nennt Jens Müller in seinem Schreiben ebenso. So soll Personal von benachbarten Rettungsdienstbereichen ausgeliehen werden. Ebenso soll in Betracht gezogen werden, dass Rettungsdienstler benachbarter Standorte einen Standort oder eine Schicht hierzulande abdecken. Und: Stellenanzeigen regional und überregional sollen neue Mitarbeiter zum DRK Hohenlohe spülen.Mitarbeiter betonen indes, dass man leichter Personal halten und hinzugewinnen könne, indem man den internen Umgang mit den Mitarbeitern und dadurch auch den Ruf des DRK verbessert. Besonders in der Kritik steht nach wie vor der langjährige Kreisgeschäftsführer des DRK, Karl Heer, der Ende Juni 2017 in den Ruhestand gegangen ist. Doch auch jetzt noch gehen die Meinungen zwischen Führungsebene und Mitarbeiter in diversen Dingen auseinander, etwa bezüglich Funktionszulagen.

„Es gibt nicht nur keinen Sicherheitsbeauftragten seit Jahren, weil Herr Heer die Zulage nicht bezahlen wollte. Auch gibt es seit Jahren keine Sitzungen mehr vom Arbeitssicherheitsausschuss, obwohl der laut Betriebsrat vorgeschrieben ist“, so ein Mitarbeiter in einer E-Mail an GSCHWÄTZ. Gegenüber GSCHWÄTZ betonte Jens Müller jedoch: „Wir haben Mitarbeiter, die verschiedene personenbezogene Aufgaben- und Verantwortungsbereiche im Dienstbetrieb unserer Rettungswachen wahrnehmen und, sofern es unser geltendes Tarifrecht zulässt, auch entsprechende personenbezogene Funktionszulagen bekommen. Das sind zum Beispiel Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren und so weiter, um nur einige zu nennen. Diese Mitarbeiter sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Auch die Qualität des Rettungsdienstes könnte verbessert werden, so Mitarbeiter. Denn „die für den Rettungsdienst vorgeschriebenen Pflichtfortbildungen werden häufig überhaupt nicht oder nur auf den allerletzten Drücker mit irgendwelchen Pseudoschulungen in den Dienstplan gedrückt, damit halt auf dem Papier etwas da ist. Von Qualität im Rettungsdienst kann da keine Rede sein, aber es stört hier keinen.“

Zwei Welten, zwei Ansichten? Auch der Notarzt, der nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde nicht mehr als freiberuflicher Notarzt beim DRK Hohenlohe eingesetzt wird (GSCHWÄTZ berichtete), äussert sich kritisch über die internen Verhaltensweisen: „Seit Jahren werden Verbesserungsvorschläge und Beschwerden der Mitarbeiter des Hohenloher Rettungsdienstes zum Nachteil der Patienten ignoriert.“
Seine Nichteinsetzung als Notarzt nach seiner Dienstaufsichtsbeschwerde ist laut Aussage des Notarztes nun als Petition vor dem Landtag Baden-Württemberg anhängig. Mitarbeiteraussagen unterstützen die schlechte interne Kommunikation: „Anderswo sind Anregungen und Vorschläge gern gesehen, nicht bei uns. Jeder soll seinen Mund halten, schaffen wie blöd und alles mittragen.“

Karl Heers Führungsstil wird in diversen E-Mails, die GSCHWÄTZ vorliegen, stark kritisiert. „Nicht nur die medizinische Ausstattung und Fahrzeuge ist veraltet, die Räume für die Mitarbeiter sind in einigen Wachen miserabel ausgestattet. Eine uralte Couchgarnitur und keine Geschirrspülmaschine, obwohl wir so viele Leute hier sind.“ Die Mitarbeiter haben kurzerhand von ihrem Geld eine Geschirrspülmaschine gekauft und angeschlossen. Als Leiter Heer dies in der Wache gesehen hat, mussten die Mitarbeiter laut eigenen Aussagen die Maschine wieder „demontieren, schließlich hätte er das Hausrecht beim DRK und sei zuvor nicht gefragt worden“. Heers Nachfolger, Bernd Thierer, habe das Anschließen der Geschirrspülmaschine nun genehmigt.

Ab 2018 verschärft sich die Personalnot, da die Entgelttarife angepasst werden und die Rettungsdienstmitarbeiter eine niedrigere Wochenarbeitsstundenzeit haben. Thierer: „Der DRK-Reformtarifvertrag hat für den Bereich Rettungsdienst nachfolgende Reduzierungen vorgegeben: Ausgangslage am 01. Januar 2016 waren 48 Wochenstunden. Reduzierung zum 01. Januar 2017 auf 47 Wochenstunden und ab 01. Januar 2018 nochmalige Reduzierung auf 46 Wochenstunden. Diese externe Vorgabe durch den Tarifvertrag für alle DRK-Rettungsdienste verstärken natürlich die ohnehin aufgrund der anderen Faktoren angespannte Personalsituation nochmalig.“
Die Reduzierung der Wochenstundenzahl soll für die Mitarbeiter eine Entlastung sein, jedoch hat der DRK dadurch noch weniger Spielraum, um seine Fahrzeuge zu besetzen. Am Ende arbeiten die Mitarbeiter nicht weniger, sondern genauso weiter wie bisher, nur bei einer letztlich noch höheren Überstundenzahl.

Bei der vorgegebenen 15-Minuten-Hilfsfrist, bis dato ein Rettungswagen spätestens vor Ort sein sollte, belegte der Hohenlohekreis 2016 unter 34 Kreisen in Baden-Württemberg mit 91,4 Prozent ohnehin schon den drittletzten Platz, auf Augenhöhe mit dem Zollernalb- und dem Main-Tauber-Kreis. Nur Heilbonn und
Karlsruhe weisen langsamere Zeiten auf. Entgegen dazu erzielt Stuttgart einen Bestwert von 96,2 Prozent.

Zweimal im Jahr informiert der DRK Kreisverband Hohenlohe in einem Rundschreiben die Bürger. Der Präsident des DRK, Landrat Dr. Matthias Neth, verweist im aktuellen Rundschreiben auf die Verdienste Karl Heers in seiner 36-jährigen Amtszeit: „Der stetige Ausbau des Rettungsdienstes, die Einführung des ambulanten Pflegedienstes und der Tagespflege, sowie zahlreiche Baumaßnahmen, inbesondere die Erstellung des Rot-Kreuz-Zentrums in Gaisbach, werden mit seiner Person verbunden bleiben. Wir danken ihm für seine hervorragende Arbeit für unser DRK.“

// Bernd Thierer

Bernd Thierer hat am 01. Juli 2017 die Nachfolge von Karl Heer als Kreisgeschäftsführer des DRK Hohenlohe angetreten. Der 43-Jährige ist verheiratet. Der gebürtige Ulmer, der dem DRK laut eigenen Aussagen „eng verbunden“ ist, war zuvor 18 Jahre Abteilungsleiter im Personal- und Rechnungswesen des DRK.

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// Lesen Sie hierzu auch unseren Artikel vom November 2017

Retter am Limit – Fahrzeuge können oft nicht ausrücken

Im Juli 2017 erreichte die Redaktion GSCHWÄTZ eine E-Mail: „Hallo. Das Thema, das wir ihnen mitteilen möchten, ist schon eine Weile her, doch wir haben uns bisher einfach nicht durchringen können, diese Informationen weiterzugeben, aus Angst vor den Konsequenzen.“

Der Inhalt der E-Mail ist brisant. Die Verfasser verweisen auf den vom Landratsamt des Hohenlohekreises organisierten Bürgerdialog am 03. Juli 2017 in der Stadthalle in Künzelsau, bei dem Landrat Dr. Matthias Neth den Bürgern erklärt hat, warum der Krankenhausstandort Künzelsau geschlossen wird. Zudem wurde dort über die Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis generell gesprochen (GSCHWÄTZ berichtete). „Unser ehemaliger Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Karl Heer, hat viele richtige Dinge dort gesagt, leider aber auch dreist gelogen. Er sagte, dass bisher noch keine Rettungsfahrzeuge wegen Personalmangel ausgefallen seien und das ist schlichtweg falsch“ (Anm. d. Redaktion: Der Rettungsdienst in Hohenlohe obliegt dem DRK Hohenlohe).

Wir haken nach und nach mehrmaligem E-Mail-Verkehr folgt ein persönliches Treffen. DRK-Mitarbeiter, die für den Rettungsdienst im Hohenlohekreis arbeiten, haben die E-Mails geschrieben. Sie möchten nicht namentlich genannt werden. Kritische Äusserungen werden innerhalb des DRK nicht gern gesehen, sagen sie und verweisen auf ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit:

Ein Facharzt für Chirurgie, der zugleich als Notarzt für das DRK Hohenlohe am Standort Künzelsau freiberuflich im Einsatz war, legte im Dezember 2016 eine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde ein, adressiert an Landrat Neth(die Beschwerde liegt GSCHWÄTZ vor). Es ging um einen Unfall mit fünf Verletzten auf der A6, Höhe Rasthof Hohenlohe, bei dem die DRK-Leitstelle fehlerhaft agiert habe, so die Meinung des Notarztes. Zitat aus der Beschwerde: „Somit trafen lebensgefährlich Schwerverletzte jeweils in ein unvorbereitetes Krankenhaus ein, was zu weiteren signifikanten Verzögerungen bei der Versorgung der Patienten führte. Ein weiterer Patient sollte im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen angemeldet werden. Beim Eintreffen des Rettungswagens stellte sich heraus, dass das Krankenhaus hiervon keine Kenntnis hatte und somit keine Vorbereitungen hierfür getroffen waren.“

Der Arzt, der laut eigenen Aussagen 30 Jahre Berufserfahrung hat und nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, Österreich und Norwegen tätig ist, nennt in seinem Schreiben noch weitere solcher Fälle, die ähnlich schlecht von der Rettungsdienst-Leitstelle koordiniert gewesen seien: ein Busunfall mit sieben Verletzten zwischen Jagsthausen und Berlichingen am 14. November 2016; ein Verkehrsunfall mit fünf Verletzten zwischen Kupferzell und Eschental am 30. November 2016 sowie ein Waldunfall mit technisch aufwendiger Bergung am Hang am 26. November 2016 bei Ingelfingen-Bühlhof. Hier sei „keine Feuerwehr primär alarmiert und trotz Anweisung keine Schockraum-Anmeldung im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim“ erfolgt. Fazit: „Abgesehen von den bekannten Folgen der Unterfinanzierung des Rettungsdienstes und/oder der mangelhaften Umsetzung von bestehenden Finanzierungszusagen im Hohenlohekreis wie Abmeldungen von Notarzteinsatzfahrzeugen (allein 2016 über 40 mal, Stand: Ende November 2016) und veraltete, minimalistische und mängelanfällige technische Ausrüstung und Fahrzeuge, zeigen sich in den exemplarisch genannten Einsatzbeispielen signifikante Mängel in der Führung, Organisation und Anwendung einschlägiger Vorschriften und Leitlinien.“

Gotthard Wirth, erster Landesbeamter im Landratsamt des Hohenlohekreises, verwies in seiner Antwort unter anderem darauf, dass „die personelle Nichtbesetzung von Notarzteinsatzfahrzeugen“ bundesweit zu beobachten sei. „Ebenso die Entwicklung, dass insgesamt nicht mehr genügend Rettungsassistenten zur Verfügung stehen. Diese Problematik kann daher von Seiten des Hohenlohekreises kurzfristig leider nicht gelöst werden. Trotz alledem sehe ich den Hohenlohekreis in dieser Hinsicht gut aufgestellt.“

Der Kritik äußernde Notarzt wurde laut DRK-Mitarbeitern seit seiner Beschwerde nicht mehr im Hohenlohekreis eingesetzt.

Seit 2016 hat sich die Personalnot verschärft. GSCHWÄTZ liegen die Dienstpläne von Juli und August 2017 vor. Allein im August 2017 wäre das Notarztfahrzeug in Westernhausen wegen Personalmangels an 20 Tagen ausgefallen, wären nicht Kollegen eingesprungen und hätten für eine Aufwandsentschädigung gearbeitet. Zudem haben Öhringer Kollegen Dienste übernommen. So fiel das Fahrzeug „nur“ an 14 Tagen aus. Der offiziell seit 01. Juli 2017 als neuer DRK-Geschäftsführer agierende Bernd Thierer betonte aber, dass „die Versorgung jederzeit sichergestellt war“. Der Notarzt sei an diesen Tagen nicht separat mit seinem Fahrzeug an die Einsatzorte, sondern direkt im Rettungswagen mitgefahren. Das Problem, dabei sei, so Mitarbeiter, dass durch dieses so gannte „Kompaktsystem“ die Notärzte unnötig lang an einem Einsatzort gebunden seien. Es habe durchaus seinen Sinn, dass Notärzte separat in einem Notarzteinsatzfahrzeug herausfahren. Durch die dünne Personaldecke werde es aber immer schwerer, dieses Fahrzeug zu besetzen, da es nicht nur mit Notarzt, sondern mindestens mit noch einem Rettungsassistenten besetzt werden müsse.

Rettungswagen fallen laut Belegungsplan zwar weit weniger häufig aus (etwa dreimal im Juni 2017). Allerdings „fahren sie unterbesetzt“, so Mitarbeiter. Sprich: In einem Rettungswagen muss ein Rettungsassistent für die Erstversorgung mitfahren. Ansonsten ist es kein Rettungswagen mehr, sondern nur ein Krankenwagen, geeignet, um ältere Menschen zum Arzt zu fahren oder um kleinere Notfälle abzuarbeiten. Anscheinend wurden unter Karl Heer auch FSJ-ler, also junge Menschen, die ein Freiwilliges Soziales Jahr beim DRK absolviert haben, als vollwertige Rettungssanitäter gerechnet, obwohl diese keine hauptamtlichen Stellen besetzen dürfen.

Die Schließung des Krankenhaus-Standortes Künzelsau macht es den DRK-Mitarbeitern nicht einfacher: Die Fahrwege werden länger, die Fahrzeuge – und das Personal – seien dadurch länger gebunden. Die Mitarbeiter betonten überdies: „Die Leitung des Hohenloher Krankenhauses glaubt, dass künftig Patienten nach Öhringen kommen. Doch das ist ein Irrtum. Jeden Patienten, den wir transportieren, werden wir nach Schwäbisch Hall bringen. Das ist kürzer, schonender als nach Öhringen. Patienten werden sofort richtig versorgt und nicht später verlegt, weil man dies und das nicht im Haus machen kann.“

Die DRK-Mitarbeiter häufen unterdessen laut eigenen Angaben Überstunden in dreistelliger Höhe an. Ein Mitarbeiter hat gekündigt – da war er bei 500 Überstunden. Überstunden auszahlen? Dafür war Heer laut Mitarbeitern weniger zu haben. Und abfeiern werde aufgrund des Personalmangels immer schwieriger.

Seit Thierer werden Überstunden nun wieder ausbezahlt: „Die Personalsituation lässt derzeit bedauerlicherweise nahezu keinen Freizeitausgleich zu, deshalb ist die angebotene Auszahlung der Überstunden eine der Realität geschuldete Maßnahme, um etwas Entlastung bei der Besetzung der Dienste zu erreichen. Die Herausforderungen durch die sehr angespannte Personalsituation im Rettungsdienst können wir nur durch die hohe Einsatzbereitschaft und Flexibilität unserer Mitarbeiter erfolgreich bewältigen.“

Seit März ist laut den DRK-Mitarbeitern eine Stelle im Hohenlohekreis gänzlich unbesetzt. Ab Januar 2018 fehlen dem Hohenlohekreis fünf Rettungsassistenten beziehungsweise Notfallsanitäter, sagen die Mitarbeiter und warnen: „Im Sommer werden zwei bis drei Fahrzeuge pro Tag ausfallen, wenn kein zusätzliches Personal gefunden wird oder Mitarbeiter nicht freiwillig einspringen.“

Den Mitarbeiterengpass begründet Thierer unter anderem mit dem Inkrafttreten des Notfallsanitätergesetzes 2014. „Die zweijährige Ausbildung der Rettungsassistenten wurde durch die dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitäter abgelöst. Durch die längere Ausbildungszeit fehlt ein ganzer Jahrgang neu ausgebildeter Mitarbeiter. Vor diesem Problem steht nicht nur das DRK Hohenlohe, sondern alle Rettungsdienstbereiche im Bundesgebiet.“ Mitarbeiter betonten indes, dass es – wie auch in den Nachbarkreisen – durchaus Möglichkeiten gäbe, um den DRK Hohenlohe als Arbeitgeber attraktiver zu machen: „Die meisten sehen einfach keine Perspektiven, keine Aufstiegsmöglichkeiten. Engagement wird nicht gewürdigt“, erzählt ein Mitarbeiter. Es werde etwa keine Funktionszulage bezahlt. Wenn jemand zum Beispiel das Amt des Sicherheitsbeauftragten übernimmt, stehen ihm laut Tarifvertrag 80 Euro Funktionszulage zu. Es gibt daher derzeit keinen Sicherheitsbeauftragten. Gespräche darüber mit Heer, aber auch mit Jens Müller, dem Rettungsdienstleiter in Künzelsau, hätten nichts gebracht. Auch der Notarzt sieht Verbesserungsbedarf: „Beschwerden der Mitarbeiter wurden ganz bewusst ignoriert“, erinnert er sich. Das frustriere. Müller weist die Vorwürfe zurück: „Mitarbeiter als Rettungswachenleitung, deren Stellvertreter, Praxisanleiter, Desinfektoren, um nur einige zu nennen, sind in ihrer Funktion benannt und erhalten schon immer die entsprechenden Zulagen.“ Die DRK-Mitarbeiter hoffen nun auf den neuen Chef und betonen gegenüber GSCHWÄTZ, dass dieser nichts für die ganze Misere könne.

INFO // NOTFALLSANITÄTER UND NOTÄRZTE
Die Ausbildung zum Rettungsassistenten gibt es nicht mehr. Stattdessen gibt es eine dreijährige Ausbildung zum Notfallsanitär. Der Notfallsanitäter hat erweiterte Kompetenzen und muss den Patienten beispielsweise erforderliche Medikamente verabreichen. Bei Verdacht auf einen Schlaganfall, Herzinfarkt, Atemnot und schweren Verkehrsunfällen – also bei lebensbedrohlichen Maßnahmen – werden Notärzte hinzugerufen. Ein Notfallsanitäter verdient zwischen 1.900 und 2.100 Euro netto. Hinzu kommen Zuschläge für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit.