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„Das wird wieder“ – Bärbel Schröders Schicksalsschlag und die Kraft der positiven Energie

Bärbel Schröder ist ein fröhlicher Mensch, der gerne lacht. „Ich bin sehr bunt und vom lieben Gott mit vielen Talenten beschenkt“, sagt die gelernte Krankenschwester. Sie ist leidenschaftliche Hobbymalerin, hat eine Ausbildung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie gemacht und fotografiert „unheimlich gerne“. Ihr liebstes Motiv: ihr Wohnort Ingelfingen-Criesbach. Seit Februar diesen Jahres macht die 54-Jährige zudem eine Ausbildung zur Leiterin für Lach-Yoga. „Damit kann man gut arbeiten, zum Beispiel bei Depressionen“, sagt sie.

Criesbacher Weinberge. Foto: Bärbel Schröder

Lach-Yoga

1990 – Bärbel Schröder und ihr Mann waren gerade 24 und der gemeinsame Sohn Thilo ein zwölf Wochen alter Säugling – zog die Familie von Ost-Berlin nach Hohenlohe. „Mein Mann hatte bei Würth Elektronik eine Stelle bekommen“, erzählt sie. Sie selbst arbeitete im Krankenhaus in Künzelsau, was sie aber irgendwann aus gesundheitlichen Gründen aufgab. „Ich war gerne Krankenschwester, aber für das ganze Leben ist das ein harter Beruf“, sagt sie. Danach begann sie bei Würth Elektronik, seit 2015 ist sie zwei Tage in der Woche im Labor der Würth Elektronik Asia Productions tätig.

Eine von mehreren Leidenschaften ist für Bärbel Schröder das Fotografieren von Orten aus der Region. Foto: Bärbel Schröder

Schicksalsschlag in frühen Jahren

Kaum war die Familie in Ingelfingen angekommen, wurde Sohn Thilo mit rund zehn Monaten schwer krank. Nach vielen Untersuchungen wurde der kleine Junge im Kinderkrankenhaus der Uniklinik Würzburg mehrmals operiert. Eine schwere Zeit für die dreiköpfige Familie, doch der behandelnde Arzt, Prof. Hartmut Collmann, sagte den Eltern gleich: „Das wird wieder.“

Bis er zehn Jahre alt war, musste Thilo Schröder regelmäßig stationär behandelt werden, danach ging es ambulant weiter. Die Eltern wollten, dass er eine Chance auf ein normales Leben hat und auch eine normale Schule besucht. „Er sollte spielen dürfen wie jedes andere Kind auch“, blickt seine Mutter zurück. Draußen und auch im Dreck. Obwohl er in vielem sehr viel langsamer war, bezogen ihn die Nachbarskinder stets in ihre Spiele mit ein. Und auch in der Schule konnte er mithalten. Er musste keine Klasse wiederholen, absolvierte nach der Werkrealschule die kaufmännische Schule, schließlich die Bernd-Blindow-Schule in Heilbronn.

Die Criesbacher Weinberge, fotografiert von Bärbel Schröder.

Happy end und die Kraft der positiven Energie

Heute ist der mittlerweile 30-Jährige gesund, nur eine minimale motorische Störung im linken Bein erinnert noch an die schwere Kindheit. Mittlerweile hat er eine Ausbildung zum Logopäden abgeschlossen und betreibt eine eigene Praxis in Criesbach. „Es hat sich gelohnt, als Familie zusammenzuhalten“, erklärt Bärbel Schröder, die sehr stolz auf ihren Sohn ist.

Irgendwann hat sie mit dem Malen begonnen. „Ich habe Ölfarben auf dem Flohmarkt gekauft und einfach alles ausprobiert“, sagt die Autodidaktin. Sie malt Häuser, Tiere und Blumen und hat sich in den letzten Jahren auf Aquarelle fixiert. „Ich wollte nie eine Vernissage“, sagt sie und hat deshalb auch noch nie ihre Bilder ausgestellt. Lediglich im Altenheim in Westernhausen und im Gästehaus Lell hängen ein paar ihrer Werke.
Während der Aufenthalte im Würzburger Krankenhaus musste die Familie auch auf die dortige Kinderkrebsstation. Bärbel Schröder war entsetzt: „Das war schlimm, da haben so viele Sachen gefehlt.“ Sie ist sehr dankbar, dass ihrem Sohn so gut geholfen werden konnte und wollte etwas zurückgeben. Deshalb gestaltete sie mit ihren Aquarellen Postkartenkalender mit Motiven von Hohenlohe. Innerhalb von drei Jahren sammelte sie so über 7.500 Euro für die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V..

Sich auf die Details konzentrieren, kann manchmal wahre Wunder bewirken. Foto: Bärbel Schröder

Hohenloher Kalender mit Motiven vom Ländle

In Jahr 2019 hat die Hobbymalerin einen immerwährenden Kalender gestaltet, dessen Erlös sie an die Geschwister-Scholl-Schule in Künzelsau spendet. 300 Exemplare hat sie drucken lassen, über die Hälfte davon ist schon verkauft. Sehr dankbar ist sie allen ihren Unterstützern – vor allem ihrem Mann. „Ich darf so viel Zeit für meine Interessen haben“, sagt sie. Andere unterstützen sie seit Jahren beim Verkauf ihrer Kalender.

Bärbel malt Bilder aus der Region, entstanden ist daraus ein Kalender, mit dessen Erlös Bärbel Schröder krebskranke Kinder unterstützt. Foto: privat

Bärbel Schröder ist ein umtriebiger Mensch und hat bereits ein neues Projekt im Visier. An drei Tagen in der Woche marschiert sie frühmorgens, „wenn alles noch schläft“, mit ihrer Kamera durch Criesbach und Umgebung und fotografiert – vor allem Landschaft und Tiere. Mittlerweile hat sie so viele Bilder, „ich könnte Bücher füllen“. Einige dieser Fotografien hat sie nun mit den Gedichten von Cäsar Flaischlen aus „Mandolinchen, Leierkastenmann und Kuckuck“ in einem eigenen Buch kombiniert. „Ich habe 25 Bücher drucken lassen, die ich dann verschenke“, sagt die Fotografin. Sollte etwas Größeres daraus entstehen, müsste sie aber erst die Inhaberin der Rechte an Flaischleins Gedichten fragen.

„Ich habe immer wieder neue Ideen“, sagt Bärbel Schröder dankbar. „Wer weiß, was nächstes Jahr kommt.“ Sie will offen bleiben für alles, „was das Leben noch schenkt“.

Einsatz für leukämie- und tumorkranke Kinder

Für einen guten Zweck setzt sich Bärbel Schröder aus Criesbach ein. Ihr Sohn musste als Kind mehrmals operiert werden. Heute ist er gesund, aber seine Mutter will etwas zurückgeben. Die Hobbymalerin gestaltete Kalender mit Motiven von Hohenlohe. Den Erlös von über 7.500 Euro spendete sie an die Elterninitiative leukämie- und tumorkranker Kinder Würzburg e.V. Dieses Jahr hat Bärbel Schröder einen immerwährenden Kalender gestaltet. Der Erlös geht an die Geschwister-Scholl-Schule in Künzelsau. Erhältlich sind die Kalender für fünf Euro bei Papierwaren Turber in Ingelfingen, in der WG in Ingelfingen und in der Drogerie Mäder in Niedernhall. Auch bei der Redaktion GSCHWÄTZ kann man den Kalender ordern.

Bärbel Schröder hat mit dem Malen ein Hobby gefunden, mit dem sie gleichzeitig Gutes tun kann. Foto: privat

 




Künzelsau: WinterLounge am Alten Rathaus hat länger geöffnet – noch bis 04. Januar täglich ab 16 Uhr

Mit großen Schritten geht es dem Jahresende entgegen. Das jährliche Weihnachtsgeschäft, die letzten Jahressitzungen und so manches Mal auch die Termin-Enge bestimmen unseren vorweihnachtlichen Alltag. Umso wichtiger ist es, sich in diesen Tagen einige Momente der Besinnlichkeit und der Adventsatmosphäre zu gönnen. Zum ersten Mal gibt es dieses Jahr in der Künzelsauer Innenstadt eine exklusive WinterLounge der Werbegemeinschaft Künzelsau am Alten Rathaus.

Der besondere Treffpunkt in der Vorweihnachtszeit im Herzen der Stadt lädt zur Entspannung mit Freunden, Familie, Geschäftspartnern und Kollegen in den gemütlich-rustikalen Loungemöbeln. Bei einem leckeren Glühwein, Punsch oder einem Glas Prosecco können die Besucher ein paar entspannte Stunden verbringen oder die vorweihnachtliche Zeit mit herzhaften, regionalen Speisen genießen.

Die WinterLounge wurde so gut angenommen, dass die Öffnungszeiten nun verlängert wurden. Ursprünglich sollte sie am 23. Dezember 2019 letztmalig geöffnet sein. Nun können Besucher bis einschließlich Samstag, den 04. Januar 2020, die ganz besondere Atmosphäre genießen.

Die WinterLounge hat von montags bis freitags ab 16 Uhr und samstags ab 11 Uhr geöffnet. 

Text: Werbegemeinschaft & Fotos: Künzelsau

Video: GSCHWÄTZ/Sonja Bossert im Gespräch mit Matthias Uebele, Geschäftsführer von Breuninger und Vorsitzender der Werbegemeinschaft Künzelsau

Bei der Künzelsauer WinterLounge gibt es Glühwein und Punsch sowie herzhafte, regionale Speisen. Foto: Werbegemeinschaft Künzelsau




Pfedelbacher Chor Cocopelli sorgt für gute Laune – 2 Weihnachtskonzerte

„Hihihi“, „Hahaha“ – die Tonleiter rauf und runter singen rund 30 Frauen im Alter von etwa 25 bis 60 Jahren an diesem Abend in der Nobelgusch in Pfedelbach. Dazu recken sie die Arme, strecken sich und gehen in die Knie. Was sich für den Laien eher lustig anhört, sind Aufwärmübungen des Frauenchors Cocopelli. „Das ist wichtig für die Stimmen und Stimmbänder“, sagt Dirigentin Zelma Wachholz-Mezriczky. Die Übungen sorgen dafür, dass „der ganze Körper da ist“.

Vielseitiges Repertoire auch ohne Männerstimmen

Doch dann legen die Damen los und bringen mit „It’s raining men“ von den Weather Girls ihre ganze Sangesfreude zum Ausdruck. Sie begleiten sich mit rhythmischem Klatschen, strahlen über das ganze Gesicht und haben sichtlich Spaß. Zelma Wachholz-Mezriczky spielt die Melodie dazu auf dem Klavier und singt den Sopran. Dass es nur Frauen sind, hat sich einfach so ergeben. „Die Männer sind nie geblieben, obwohl wir immer ganz nett waren“, sind sich die Frauen einig. Es könne auch nicht am Repertoire liegen, dass keine Männer mitsingen, denn das „ist sehr vielseitig“. Aber um Pfedelbach herum gebe es sehr viele Chöre. Wenn dann doch mal Männerstimmen nötig sind, „leihen wir uns einfach welche aus“.

Indianischer Flötenspieler als Namensgeber

Den Chor Cocopelli gibt es seit 2009. Er ist entstanden aus dem Gesangsverein Concordia, der 2015 aus Altersgründen aufgelöst wurde. Leiterin der sangesfreudigen Damen ist seit Beginn Zelma Wachholz-Mezricky, eine ausgebildete Sopranistin. Die hatte auch die Idee zu dem eher ungewöhnlichen Namen des Chors. Cocopelli ist ein indianischer Flötenspieler aus Südamerika und das Symbol des Chors. Das Repertoire ist bunt gemischt: von Oldies bis modern, Bekanntes, aber auch Raritäten. Aber immer müsse es abwechslungsreich und spannend sein – darauf legen die Damen Wert. „Wir sind ein junger, dynamischer Chor, also darf es auch was Modernes sein“, sind sie sich einig. Die Lieder sucht die Dirigentin aus, stimmt sie aber mit den Frauen ab. „Sie traut uns wirklich was zu“, erzählen die. „Sie ist toll, aber auch perfektionistisch.“ Das finden die Sängerinnen gut, denn „so entwickeln wir uns weiter“. Schließlich wollen alle, dass sich ihr Gesang gut anhört. Intensiv geübt wird vor jedem Konzert bei einem Probenwochenende. „Dann nehmen wir uns Feinheiten vor“, sagen die Frauen.

Jeder darf mitsingen

Besonders wichtig ist ihnen eine gute Gemeinschaft. „Manchmal schleppt man sich hierher, geht dann aber fröhlich wieder heim“, erklärt eine. Eine andere meint: „Aktives Singen berührt, man fühlt sich dann freier und alles wird leichter“. Studien würden besagen, dass Singen guttut. Einig sind sich alle: Das, was sie verbindet, sind Freundschaften geworden. Doch auch neue Sängerinnen sind jederzeit willkommen. „Bei uns darf jede mitsingen“, erklären sie. „Wir nehmen alle gut auf.“ Vorerfahrungen oder Notenkenntnisse seien keine nötig. Reine Soli eher selten. Meist singen Grüppchen von fünf bis sechs Frauen miteinander. Die nötige Technik vermittelt die Dirigentin, die großen Wert auf Stimmbildung und Präzision legt.

Verschiedene Konzerte und Auftritte

Zwei eigene Konzerte veranstaltet der Chor jährlich: jeweils eines im Sommer und in der Adventszeit. Dann wird auch das Umfeld der Frauen eingebunden: Partner, Kinder, Geschwister und Eltern helfen beim Auf- und Abbau. Die musikalische Begleitung beim Sommerkonzert bestreiten Bekannte und Freunde auf Saxofon, Klavier, Geige oder Schlagzeug.

Der Chor tritt aber auch beim Volkstrauertag auf und im privaten Umfeld wie beispielsweise zu Hochzeiten oder Geburtstagen. Auch beim Chorfest auf der Buga in Heilbronn waren die Frauen dabei. Rund 20 Lieder singen sie bei einem Konzert, passend gekleidet zu den jeweiligen Themen.

Vierter Platz beim Grand Prix der Popchöre

Ein Highlight in 2019 war die Teilnahme am Grand Prix der Popchöre im Oktober 2019. „Da haben wir ganz spontan mitgemacht“, erzählen sie. „Eigentlich muss man sich dafür bewerben, aber wir wurden eingeladen, weil ein anderer Chor ausfiel.“ Größte Hürde dabei: Vor rund 600 Zuhörern mussten sie ein A Capella-Stück, ein deutsches Lied und einen Popsong auswendig singen, obwohl sie vorher kaum Zeit zum Proben hatten. Das Publikum und die anderen Chöre bewerteten dann jeweils die Auftritte. Cocopelli sang „The Rose“, „Das kann uns keiner nehmen“ und „It’s raining men“ und belegte einen beachtlichen vierten Platz. „Es war auch sehr interessant, sich mal mit anderen Chören zu vergleichen“, blicken sie zurück. Eine gute Erfahrung, die allen viel Spaß gemacht habe.

Zwei Konzerte im Dezember

Der Chor Cocopelli veranstaltet am Samstag, den 14. Dezember 2019, in der evangelischen Kirche in Adolzfurt und Sonntag, den 15. Dezember 2019, in der katholischen Kirche in Pfedelbach ein Winterzauber-Konzert mit Beiträgen aus verschiedenen Musikrichtungen. Als Gastchor mit dabei ist der MGV Geddelsbach.

Los geht es jeweils um 18 Uhr, Einlass ist jeweils 30 Minuten vor Konzertbeginn. Der Eintritt ist frei, es wird um Spenden gebeten.

Die Frauen des Chors Cocopelli haben auch außerhalb der Proben viel Spaß miteinander. Foto: Chor Cocopelli

 

 

Vor dem Singen müssen Stimme und Körper aufgewärmt werden. Foto: GSCHWÄTZ




Künzelsau: Im Stich gelassen – Senioren wissen nicht wie es weitergeht

Rund zehn ältere Leute sitzen Mitte Oktober 2019 im Nebenraum des Wartberg-Casinos im Hohenloher Krankenhaus (HK). Sie treffen sich hier regelmäßig zum Mittagessen und bleiben auch gerne zum Kaffee. Sie schätzen das frisch gekochte, günstige Essen, aber vor allem ihre Gemeinschaft, die sich im Laufe mehrerer Jahre entwickelt hat. Seit 1992 gibt es im HK einen Mittagstisch auch für externe Besucher.

„Wir sind hier wie eine Familie“

Für die teilweise über 90-jährigen Menschen ist das Casino ein Treffpunkt, den manche täglich ansteuern. „Wichtig ist uns das WartbergCasino vor allem als Anlaufstelle und Zeitvertreib“, sagt eine Besucherin. Eine andere erzählt, dass sie alleinstehend und psychisch angeschlagen ist und sich immer darauf freut, wenn sie jemandem zum Reden hat. Eine weitere fühlt sich in der Gruppe gut aufgehoben: „Man macht sich Sorgen umeinander. Wenn ich mal nicht komme, überlegen die anderen, was mit mir los ist“, sagt sie. Sie seien wie eine Familie.

Unterschriftensammlung mit rund 80 Beteiligten

Doch jetzt sind die Menschen aufgebracht und fühlen sich im Stich gelassen: Sie wissen nicht, wie es nach der Schließung des Krankenhauses mit ihrem Treffpunkt weitergeht. „Der Flurfunk berichtet, dass es am 14. November das letzte Mal Essen gibt und am Tag darauf das letzte Frühstück“, sagt ein Besucher. Bereits im Februar 2019 hat die Gruppe den damaligen kaufmännischen Direktor Alexander Hoß angeschrieben mit der Bitte, auch nach der HK-Schließung einen Mittagstisch für externe Besucher anzubieten. Gleichzeitig starteten sie eine Unterschriftensammlung, an der sich rund 80 Personen beteiligten. Diese Listen schickten sie ebenfalls an Hoß.

Auf einen konkreten Vorschlag wurde nicht reagiert

Die Gruppe machte auch einen ganz konkreten Vorschlag: Ihr Essen sollte mit der Verpflegung für die Menschen in der psychiatrischen Tagesklinik, die bestehen bleibt, gebracht werden. „Egal, ob es frisch in Künzelsau gekocht oder aus Öhringen gebracht wird, wir würden auf jeden Fall kommen“, ist ein Besucher überzeugt. Dafür wäre auch nur wenig Personal nötig. In einem Schreiben von Mitte September sagte Hoß eine finale Antwort für Anfang Oktober zu. Diese steht immer noch aus. Mittlerweile hat Hoß gekündigt. Auch ein Schreiben an die BBT-Gruppe hatte keinen Erfolg. Man lässt die Menschen im Regen stehen, so das Gefühl der Besucher.

Es gibt nur wenig andere Möglichkeiten in Künzelsau

„Nur wir haben uns eingesetzt für den Erhalt des Casinos“, kritisiert einer der Männer. Von den Mitarbeitern des Landratsamtes oder der Kreissparkasse, von denen auch viele im WartbergCasino essen, sei nichts gekommen. Und von den Politikern habe es bloß Lippenbekenntnisse gegeben. Alternativen sehen die Betroffenen in Künzelsau eher nicht. „Es gibt die Möglichkeit, als Externer im Altenheim zu essen, die haben aber wenig freie Kapazitäten“, meint einer. Die Fachhochschule bietet auch ein Mittagessen, hat am Wochenende und in den Ferien allerdings geschlossen. Und in der Stadt selbst „gibt es kaum Wirtschaften, dafür aber Döner- und Imbissbuden“, sagt eine Dame. „Das wollen wir nicht.“ Manche sehen noch eine minimale Chance, dass es irgendwie weitergeht für sie im WartbergCasino. Andere finden, dass es zu spät ist und sich ein Weiterverfolgen nicht lohnt.




Christkind hat Helfer in Ingelfingen

Alle Kinder freuen sich über Geschenke. Doch weil nicht jedes Kind etwas zu Weihnachten bekommt, gibt es die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ der gemeinnützigen Organisation Samaritan’s Purse e.V. in Berlin. Auch Familie Heim aus Ingelfingen engagiert sich seit vier Jahren: Bei ihnen können Spender weihnachtlich dekorierte Schuhkartons samt Inhalt abgeben. Leute, die keine Zeit zum Päckchen packen haben, können auch Geld spenden. „Dieses Jahr wurden 83 Päckchen und 471 Euro bei uns abgegeben“, freut sich Ilse Heim. „Das ist doch ein schönes Ergebnis in Ingelfingen.“ Es kommen aber nicht nur Spenden aus Ingelfingen, sondern auch aus der Umgebung. „Bei vielen Spendern helfen außerdem die Kinder beim Einpacken und Gestalten der Kartons und bringen dann die Päckchen mit Mama oder Papa und strahlenden Augen zu uns“, beschreibt Ilse Heim einen weiteren Aspekt dieser Weihnachtsgeschichte.

Die Kartons gehen nach Osteuropa und Zentralasien

Die Kartons und das Geld bringen die Heims dann mit ihrem Auto nach Westernach zur großen Sammelstelle. Von dort aus geht es per Lkw nach Berlin, wo wiederum zahlreiche Ehrenamtliche den Inhalt kontrollieren – unter anderem wegen den Zollbestimmungen. Deshalb sollen die Kartons nur mit einem Band oder Gummi verschlossen und nicht zugeklebt sein. Noch vor Weihnachten werden die Geschenke nach Osteuropa und Zentralasien gebracht und dort an bedürftige Kinder verteilt. Mit den Geldspenden werden die Transportkosten bezahlt sowie Päckchen ergänzt, in denen noch etwas fehlt.

Christkind beantwortet Weihnachtspost

„In Ingelfingen werden schon lange Päckchen für die Aktion gesammelt“, sagt Ilse Heim. Als die Familie, die das vor ihnen machte, aufhörte, übernahmen sie und ihr Mann. „Mit der Aktion machen wir das, was wir können“, sagt sie bescheiden. „Außerdem haben wir einfach Platz.“ Familie Heim hat ein Zertifikat erhalten, damit sie Spendenquittungen ausstellen darf und die Spender wissen, dass alles seine Ordnung hat. Die evangelische Kirchengemeinde begleitet die Aktion und kümmert sich beispielsweise um die Veröffentlichung des Spendenaufrufs im Amtsboten. Ilse Heim und ihr Mann sind überzeugt von der Sache, schließlich „kommt das Kinder zugute, die es brauchen“. Deshalb wollen sie auch im nächsten Jahr wieder bei der Aktion mitmachen.

Süßigkeiten, Schulmaterialien und Spielzeug können in die Päckchen

In Hohenlohe beteiligen sich auch viele Schulen an der Aktion und werben bei den Eltern ihrer Schüler dafür. Damit diese dann wissen, was sie in die Kartons packen können, macht Samaritan’s Purse e.V. Vorschläge. So kann man neben Süßigkeiten und Schulmaterialien auch Kleidung, Spielzeug oder Hygieneartikel in die Päckchen legen. Sehr beliebt bei den Kindern sind sogenannte „Wow-Geschenke“ wie Fußball mit Pumpe, Puppen, Musikinstrumente oder Tischtennisschläger. Zusätzlich kann auf dem Karton ein Etikett angebracht werden, auf dem steht, ob das Geschenk für einen Jungen oder ein Mädchen gedacht ist und welches Alter das Kind haben sollte.

Übrigens: Ab dem 1. Advent ist im bayrischen Himmelstadt wieder die Weihnachtspostfiliale des Christkinds geöffnet. Damit die Briefe rechtzeitig zum Fest beantwortet werden können, müssen sie bis spätestens zehn Tage vor Heiligabend eingegangen sein. Die Adresse des Christkinds ist: An das Christkind, 97267 Himmelstadt.

Auch viele Schulen in Hohenlohe beteiligten sich an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Foto: GSCHWÄTZ

 

In den Karton kann man die unterschiedlichsten Dinge wie Spielzeug, Süßigkeiten oder Schulmaterialien packen. Foto: GSCHWÄTZ

 

Die Organisation Samaritan’s Purse e.V. macht auch Vorschläge für die Geschenke. Foto: GSCHWÄTZ

 




Last man standing – Wie die letzten Patienten im Künzelsauer Krankenhaus die Schließung erleben

Am Freitag, den 15. November 2019 ist es soweit: Das Hohenloher Krankenhaus (HK) in Künzelsau schließt. Der erste Stock des Gebäudes ist bereits von den Patienten verlassen. Dort stehen bloß noch mit Plastik überzogene Krankenhausbetten auf den Fluren und in den Zimmern. Eine fast unheimliche Stille breitet sich in den Räumen aus. Die Gefühle der Patienten in diesen letzten Tagen sind zwiespältig.

Fühlte sich gut aufgehoben

Ein Patient – der Mann wollte anonym bleiben – ist einige Tage wegen einer Wirbelkanalverengung stationär im Krankenhaus. Er fühlt sich bei Chefarzt Dr. Andreas Kühn gut aufgehoben. „Für mich persönlich läuft es gut und ich kann nichts Negatives sagen“, so der Mann. „Das geht hier zack-zack voran, viel besser als in Öhringen.“ Er sei sofort aufgenommen worden und habe auch gleich MRT und Krankengymnastik bekommen.

Millionen investiert

Von Abschiedsschmerz oder Wehmut bei den Mitarbeitern spürt der Mann nichts. „Die kümmern sich super“, meint er. Die Zimmer seien noch gut belegt, es kommen immer wieder neue Patienten. „Hier ist immer voll und eigentlich läuft alles ganz normal“, findet er rund vier Wochen vor der Schließung. Auch er versteht nicht, warum das Krankenhaus geschlossen wird, hofft aber, dass aus dem Gebäude etwas gemacht wird. Denn es sei noch nicht alt und es wurden Millionen hineingesteckt.

Ganz anders zeigt sich das Gespräch mit einem ambulanten Patienten, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Er kommt wegen einer schweren Gürtelrose zum Verbandswechsel ins HK. Eigentlich müsste er nach Schwäbisch Hall ins Diak, aber das sei ein Zeitfaktor und außerdem werden die Fahrtkosten dahin nicht übernommen. Der zuständige Facharzt im MediKÜN habe den Verbandswechsel abgelehnt, weil er daran zu wenig verdiene. „Die Überweisungen ins Krankenhaus hat er aber immer gerne ausgestellt“, bemerkt der Patient spitz.

Zukünftig längere Wege – auch für die Angehörigen

Das Personal im Krankenhaus sei aber nach wie vor gut, fehle aber spürbar. Geplante Operationen werden im HK nicht mehr durchgeführt, sondern nur noch Notfälle aufgenommen und die auch nur auf ausdrücklichen Wunsch des jeweiligen Patienten. Der Mann glaubt, „dass es Anweisungen gibt, dass solche Patienten wie ich nicht mehr im HK operiert werden dürfen“.

Wenn er demnächst selbst operiert wird, muss der Mann in ein anderes Krankenhaus. Der Patient findet zwar, dass man auch im Diak oder im Öhringer Krankenhaus gut aufgehoben sei, „aber dort kann die Familie ihre kranken Angehörigen nicht jeden Tag besuchen, wenn sie in Künzelsau oder Umgebung wohnt“. Das sei einfach zu weit weg und das mache ihn traurig. Denn letztendlich trage auch die gute Erreichbarkeit der Patienten durch ihre Familien zur Zufriedenheit der Leute bei. „Wir stehen gscheit da“, bedauert der Mann.

Unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert besuchte rund vier Wochen vor der Schließung des Krankenhauses die letzten verbliebenen Patienten in Künzelsau.

Fotos: privat

 

 




Jagsthausen: Vaterliebe ohne Erbarmen

Vor dem Landgericht Heilbronn hat der Prozess gegen einen 58-Jährigen aus einer Jagsttalgemeinde begonnen, der seinen Sohn sexuell missbraucht und schwer misshandelt haben soll.

Mutter erschien nicht vor Gericht

Es ist nur schwer zu ertragen, was die Staatsanwaltschaft am Landgericht Heilbronn dem Angeklagten Helmut N.* vorwirft: sexueller Missbrauch und sexuell motivierte Quälereien von Kindern und Schutzbefohlenen in den Jahren von 1992 bis 2005. Das Opfer: der eigene Sohn Daniel*. Es soll mit Oralverkehr im Kindesalter begonnen und erst im Jugendalter des Sohnes geendet haben. Seit dem 21. Februar 2019 sitzt der 58-Jährige deshalb in U-Haft. Am Donnerstag, den 31. Oktober 2019, hat der Prozess vor der achten Großen Strafkammer des Landgerichts begonnen.

Anscheinend auch Übergriffe auf die Tochter

Die Familie des Angeklagten war nicht zum Prozessauftakt erschienen. Der Sohn tritt bei dem Prozess als Nebenkläger auf, ließ sich aber von Rechtsanwältin Tanja Haberzettl-Prach vertreten. „Das ist auch gewollt so“, sagte diese. Die Frau von Helmut N. hatte zwar ihr Kommen zugesagt, war dann aber nicht im Gericht.

Viele Vergehen seien bereits verjährt

Bereits vor dem nun in der Anklage genannten Zeitraum soll es Übergriffe des Vaters unter anderem auch gegen die Tochter Franziska* gegeben haben. Doch zahlreiche der Taten ließen sich nicht mehr konkretisieren, viele weitere Vergehen seien bereits verjährt, so Staatsanwältin Christiane Knauel beim Verlesen der Anklageschrift. Auch das genaue Datum der nun angeklagten zehn Taten lasse sich nicht mehr bestimmen. „Es kam dem Angeklagten nur darauf an, sich sexuelle Befriedigung zu verschaffen“, sagte die Staatsanwältin. „Das Alter seiner Kinder war ihm selbstredend bekannt.“

Mit fünf Jahren soll alles begonnen haben

Die nun dem Angeklagten vorgeworfenen Taten sollen begonnen haben, als Daniel noch keine fünf Jahre alt war, und bis kurz vor dessen 18. Geburtstag gegangen sein – zunächst in der Wohnung der vierköpfigen Familie und dann im neuen Haus. Beim ersten Übergriff soll der Vater den Penis des Kindes gestreichelt und diesen in den Mund genommen haben, der Junge musste dann das Gleiche bei seinem Vater tun. Bei einer weiteren Tat soll der Vater mit einem Finger oder mit einem weiteren Gegenstand in den After des Jungen eingedrungen sein. Zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt zwischen dem 11. Dezember 1999 und dem 5. Januar 2001 sollen sich diese Taten fortgesetzt haben. Als die Mutter und die Schwester nicht zuhause waren, soll es zu den Übergriffen des Vaters gegen Daniel im elterlichen Schlafzimmer sowie im Kinderzimmer des Sohnes gekommen sein.

Plastikschlauch in den Penis

Bei zwei nicht näher bestimmbaren Zeitpunkten – aber spätestens mit Beginn des 15. Lebensjahres von Daniel bis kurz vor dessen 18. Geburtstag –  soll der Vater im Garagenkeller oder im Hobbyraum des Hauses einen dünnen Plastikschlauch in den Penis des Sohnes eingeführt haben, bis Urin kam. „Dies verursachte bei Daniel, wie dem Angeklagten bewusst war, ganz erhebliche Schmerzen, dies kümmerte ihn jedoch auf gefühllose und fremdes Leid missachtende Weise nicht“, sagte Staatsanwältin Knauel. „Es kam ihm ausschließlich darauf an, sich einen sexuellen Reiz zu verschaffen.“ Dabei hätte Helmut N. jeweils billigend in Kauf genommen, seinen Sohn der Gefahr einer erheblichen Schädigung der seelischen Entwicklung auszusetzen, wie die Anklägerin weiter ausführte. Der Sohn sei durch die Behandlung durch seinen Vater völlig verängstigt gewesen.

Gefesselt auf einen Stuhl

Bei zwei weiteren Übergriffen soll der Vater den Sohn mit einer Hundeleine oder einem Spanngurt auf einen Stuhl gefesselt haben, dessen Sitzfläche herausnehmbar war. „Der dem Angeklagten völlig schutzlos preisgegebene Sohn saß nackt und gefesselt auf der Stuhlkonstruktion, während Helmut N. ihn zu seiner eigenen sexuellen Befriedigung mit einem eigens umgebauten Rasierapparat am Penis stimulierte“, verlas Staatsanwältin Knauel.

Mit Stromstößen malträtiert

Zudem soll der Vater, ein gelernter Elektrotechniker, den Transformator einer Märklin-Eisenbahn so umgebaut haben, dass er damit bei zwei Übergriffen seinem Sohn während dessen 17. Lebensjahres im Genitalbereich Stromstöße verabreichen konnte. „Dies ließ der verängstigte Daniel geschehen, da er sich aufgrund der früheren Übergriffe vor Gewalttätigkeiten des Angeklagten fürchtete“, so die Staatsanwältin. Bereits in der Vergangenheit hätte Helmut N. den Sohn mit der Faust in den Rücken geschlagen. „Durch die Stromstöße verursachte Helmut N. sich wiederholendes Leiden und starke Schmerzen und ging mit einer gefühllosen und fremdes Leiden missachtenden Gesinnung vor“, führte Knauel weiter aus. „Wobei er zumindest billigend in Kauf nahm, Daniel durch jene Behandlung der Gefahr einer erheblichen Schädigung der seelischen Entwicklung auszusetzen.“

Angeklagter ein kleiner, unscheinbarer Mann

Während der Ausführungen der Staatsanwältin saß der eher kleine und unscheinbare Helmut N. ruhig neben seinem Verteidiger. Der Mann im grauen Anzug mit Brille und Halbglatze hörte sich weitgehend reglos an, was die Staatsanwaltschaft ihm vorwirft. Lediglich zu seinen persönlichen Daten machte der 58-Jährige Angaben.

Möglichkeit einer Schmerzensgeld-Zahlung

Der Vorsitzende Richter Frank Haberzettl belehrte den Angeklagten, „dass er insgesamt das Recht zu schweigen hat“ und sowohl zu den persönlichen Verhältnissen als auch den Vorwürfen keine Angaben machen müsse. Haberzettl forderte den Verteidiger Christian Bonorden dazu auf, darzulegen, wie die Verteidigungsstrategie aussehen werde. „Bevor Herr N. hier etwas sagt, ist es mit ihm abgesprochen, dass ich hiermit anrege, dass in Verständigungsgespräche eingetreten wird“, erwiderte Bonorden. „Also ein Erörterungsgespräch halten wir auch für sinnvoll“, sagte Richter Haberzettl. „Ob daraus dann ein Verständigungsgespräch werden kann, wird sich im weiteren Verlauf zeigen“, so Haberzettl weiter. Da auch die Vertreterin der Nebenklage ihre Bereitschaft signalisierte, zogen sich die Kammer, der Verteidiger, die Nebenklägervertreterin sowie die Staatsanwältin für über eine Stunde zurück.

„Das waren sehr zielführende Gespräche“, sagte Haberzettl anschließend. „Dabei haben wir erfahren, dass Sie, Herr N., bereit sind, in diesem Verfahren dafür zu sorgen, dass ihr Sohn nicht aussagen muss“, führte der Richter weiter aus. „Wir haben das sehr positiv bewertet.“ Der Inhalt der Gespräche solle aber erst am nächsten Verhandlungstag am Freitag, den 8. November 2019, bekanntgegeben werden. „Es läuft aber darauf hinaus, dass man sich auch zivilrechtlich einigen kann, dass also ein Schmerzensgeld gezahlt wird und ein Täter-Opfer-Ausgleich stattfindet.“ An diesem Tag werde die Kammer einen Verständigungsvorschlag machen, „der Ihnen eine gesicherte Rechtsposition verschafft“, so Haberzettl weiter. „Dann gibt es einen Strafkorridor, von dem wir nicht mehr abweichen.“ Auf dieser Grundlage könne die Verteidigung dann ihr Prozessverhalten ausrichten. Haberzettl gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass am nächsten Verhandlungstag ein Vergleich abgeschlossen werden könne, der dann zu Protokoll genommen werde.

Aktuell sind für dieses Verfahren acht Verhandlungstage angesetzt. Es werden voraussichtlich zwölf Zeugen und ein Sachverständiger gehört.

*Die Namen der Beteiligten hat die Redaktion aufgrund des Opferschutzes komplett geändert

Helmut N. muss sich vor dem Landgericht Heilbronn wegen Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs und sexuell motivierten Quälereien von Kindern und Schutzbefohlenen verantworten. Foto: GSCHWÄTZ


 




Eigene Schlager-Hymne für die Muswiese

„Die Muswiese hat eine eigene Hymne verdient“, sagt Torsten Krcmar und hat einen Text speziell für die Muswiese bei Rot am See geschrieben. „Die Muswiese ist der älteste und größte Jahrmarkt in Hohenlohe und bringt seit Jahrhunderten Jung und Alt auf die Beine“, schwärmt Krcmar. Er ist zwar kein Berufsmusiker, sondern im Pharma-Vertrieb tätig, aber er findet, dass eine solche Tradition aufrechterhalten und unterstützt werden müsse. Deshalb hat der 43-Jährige bereits 2014 zur Melodie von dem Jürgen-Drews-Lied „Kornblumen“ einen eigenen, zu dem Jahrmarkt passenden Text geschrieben.

Für die Muswiese in diesem Jahr hat der verheiratete Hobby-Musiker das Lied nun professionell aufbereiten lassen im Tonstudio soundhouse 7 in Iggersheim. Den Text singt Krcmar selbst, Backgroundsängerin ist Denise Naser. Der Besitzer des Tonstudios, Thomas Hemming, hat das Ganze mit der Melodie gemischt. Nun hört sich der Song frisch an – ein Partylied. Es ist tanzbar und den Text kann jeder mitsingen. Der Jahrmarkt ist übrigens nach dem Teilort Musdorf benannt, in dem er stattfindet.  

Musikalische Einstimmung in den Pendelbussen

Den Anstoß zu dem Song gab Beate Meinikheim, Muswiesen-Organisatorin und damals Vorsitzende des Musikvereins Rot am See. Besucher des Festes hatten sie öfter nach einem Lied gefragt, vor allem als musikalische Einstimmung in den Pendelbussen. Sie erzählte Krcmar davon, der passives Mitglied im Musikverein ist. Gesagt, getan: Kurzerhand schrieb er in einer Nacht-und-Nebel-Aktion seinen Text. Die Melodie lud er sich als Karaoke-Version aus dem Internet herunter. „Das Lied sollte eine Brücke schlagen zwischen Jung und Alt“, erklärt Krcmar. Er möchte, dass die Leute Spaß und Freude daran haben.

Innerhalb von zwei Tagen war die Muswiesen-Hymne auf Youtube abrufbar. „Es war eher nicht professionell“, erinnert sich Krcmar, „aber die Leute waren begeistert“. Im Rathaus lief das Lied bereits am ersten Tag pausenlos. Außerdem brannte er es auf CD, entwarf ein Cover und verschenkte das Ganze. Bereits im Jahr darauf gab es auf Youtube eine zweite Version des Videos.

Muswiesen-Virus grassiert

Krcmar ist kein gebürtiger Musdorfer, lebt aber seit Jahren in Rot am See und hat sich selbst mit dem Muswiesen-Virus infiziert. „Am Anfang dachte ich, das ist bloß ein Volksfest wie viele andere“, bekennt er. Erst mit der Zeit sei ihm aufgegangen, wie riesig der Aufwand ist und wie sehr sich die Leute für das Fest einsetzen. „Viele schreiben übers Jahr auf, was sie brauchen und kaufen das ganz gezielt auf der Muswiese“, erzählt er beeindruckt davon, wie die Menschen hier Nützliches und Gesellschaftliches miteinander verbinden. Selbst wenn die Leute seit Jahren nicht mehr in der Gegend wohnen, kommen sie zur Muswiese immer wieder zurück in die alte Heimat. Auf dem Fest herrsche ein besonderes Flair, findet Krcmar. Viele junge Leute sind mit an Bord und das Miteinander werde groß geschrieben. Alle machen mit: Familien räumen ihre landwirtschaftlichen Hallen aus oder bauen Zelte auf, um dort die Besucher bewirten zu können. Es gibt auf der Muswiese keine professionellen Wirte, sondern die Musdorfer haben für die fünf Festtage ein Schankrecht.

Bereits vorher gab es Lieder zur und über die Muswiese. „Die waren aber eher erzählend mit getragenen Melodien“, findet Krcmar, der Musik bloß als Hobby betreibt. Ein offizielles Muswiesenlied gibt es aber nicht. „Das ist auch ein rechtliches Thema, denn die Rechte an dem Begriff hat die Gemeinde“, erklärt er. Mit dem Lied verfolgt Krcmar keine persönlichen finanziellen Interessen. Auch von der Gemeinde bekommt er keine finanzielle Unterstützung. Deren Gewinn durch das Lied sei ideeller Art.

CDs werden verkauft

Rund 100 CDs hat Krcmar brennen lassen, um sie auf der diesjährigen Muswiese für fünf Euro zu verkaufen. Auch auf Spotify soll das Lied noch erscheinen. Die Herstellungskosten versucht er per Crowdfunding-Aktion zu finanzieren, die am 11. Oktober endet. Falls etwas von dem gespendeten Geld übrig bleibt, will er es gemeinsam mit der Gemeinde Rot am See für wohltätige Zwecke geben. „Mein Lohn ist, wenn gutes Feedback kommt“, erklärt er bescheiden. Er habe ja nur Zeit und Gedankengut aufgebracht.

Info

Die Muswiese beginnt in diesem Jahr am Samstag, den 12. Oktober, um 12 Uhr. Zuvor gibt es den Händlergottesdienst in der Michaelskirche. Das Marktgeschehen findet täglich von 10 bis 19 Uhr statt, samstags erst ab 12 Uhr. Der Jahrmarkt endet am Donnerstag, den 17. Oktober, um 20 Uhr mit dem Großen Brillantfeuerwerk.

Das Muswiesenlied kann man auch auf YouTube hören: https://www.youtube.com/watch?v=JygrqkvP57I

Zur Muswiese in Rot am See kommen zehntausende Besucher. Foto: Polizeipräsidium Einsatz

Viele Besucher kaufen ganz gezielt auf der Muswiese ein. Foto: Gemeinde Rot am See

 




Hand am Abzug

Sie ist eine der größten Hoffnungen des Deutschen Schützenbundes e.V.: die Sportpistolenschützin Doreen Vennekamp. 2018 war das bisher erfolgreichste Jahr für die Sportsoldatin, die zwar im hessischen Ronneburg-Hüttengesäß aufgewachsen ist und dort auch lebt, aber in der Bundesliga für die Schützengilde (Sgi) Waldenburg startet.

Meisterschaften überall auf der Welt

Ihre bisher größten Erfolge im Einzel war der dritte Platz bei der Weltmeisterschaft 2018 in Korea, eine zweite Platzierung beim Weltcup in Mexiko 2018, ein vierter Platz beim Weltcup in den USA 2018, ein zweiter Platz mit Weltrekordergebnis bei der Militär-Weltmeisterschaft in der Schweiz sowie ein dritter Platz bei der Junioren-Europameisterschaft in Italien 2018.
Mit Schießsport begann die 23-Jährige 2008 – zunächst mit dem Luftgewehr, dann stieg sie auf die Pistole um. „Bei einem Vereinswettkampf konnte ich es selbst probieren“, erinnert sie sich. „Es gefiel mir so gut, dass ich wiederkam.“

Eher zufällig ist sie zur Sgi Waldenburg gekommen, eigene Verbindungen nach Hohenlohe hat sie nicht. Zuvor hat sie die Liga-Kämpfe für ihren Heimverein geschossen, doch die Mannschaft hat sich aufgelöst. Wegen des höheren Niveaus wollte sie in die erste Bundesliga wechseln. Der erste, der sie darauf ansprach, war Phillip Käfer – ein befreundeter Kaderkollege und Bundesligaschütze aus Waldenburg. Ihr bisher schönstes Erlebnis im Schießsport hatte die gebürtige Hessin bei der WM in Korea: „Als ich von all meinen Teamkollegen umarmt wurde ist mir bewusst geworden, dass ich den ersten Quotenplatz für meine Disziplin geholt habe.“
Besonders beeindruckt haben sie auch die Koreaner. „Die sind sehr sportbegeistert, was im Finale deutlich zu spüren war“, erinnert sie sich. „Die Lautstärke und Freude waren unvergleichlich.“ Fast jedes Finale war ausverkauft und die Tribüne voller jubelnder Menschen, selbst wenn kein Landsmann dabei war. So intensiv hatte sie es zuvor noch nicht erlebt. Leider konnte sie nur wenig von dem Land sehen, Kontakt gab es nur zu den „sehr freundlichen und übereifrigen Volunteers“.

Die Schützin ist auch Jägerin. Foto: privat

Als Jägerin mit dem Hund ins Revier

An rund 20 Wettkämpfen im Jahr nimmt die junge Frau teil – 2019 unter anderem an den European Games im Juni. Das Training, das aus Kraft- und Ausdauertraining, Mentaltraining, Trockentraining (Ablauf eines Schusses ohne scharfen Schuss) und Scharfschießen besteht, variiert je nachdem, was in der Saison ansteht – zum Höhepunkt wird jeden Tag scharf geschossen.
Zum Ausgleich geht die passionierte Jägerin zu Hause mit dem Hund ins Revier.
Nach Ansicht der Sportschützin gibt es keine goldene Regel für erfolgreiche Wettbewerbe. „Ich glaube, es ist wichtig, einen Ausgleich für sich zu finden und niemals den Spaß an dem, was man macht, zu verlieren“, sagt sie.

Mit dem Erfolg steigt auch der Erwartungsdruck

Sich selbst beschreibt Doreen Vennekamp als sehr zielstrebige und perfektionistische Schützin. Allerdings könne sie auch über ihre Fehler lachen und lerne immer aus ihnen. Die Motivation, immer weiter zu machen und alles zu geben, ist für sie der Moment, wenn sie auf dem Treppchen steht und das erreicht hat, wofür sie so lange trainiert hat.
Angesichts ihrer Erfolge steigt auch der Erwartungsdruck. „Ich versuche, immer realistisch zu bleiben“, erklärt sie. „Ob man in dem Moment, auf den es ankommt, wirklich alles geben kann, hängt von vielen Faktoren ab.“ Die Erwartungen von außen nicht zu erfüllen, heiße nicht immer, dass man in diesem Moment nicht besser geworden wäre. Wenn man aus seinen Fehlern lerne, bringe das einen auch weiter.

Nächstes Ziel – Olympische Spiele

Das nächste ganz große sportliche Ziel hat die Hessin bereits anvisiert: die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020. Dafür will sich Doreen Vennekamp im kaderinternen Ausschießen der Startplätze qualifizieren.

In Korea holte sie den ersten Quotenplatz für Deutschland in der Disziplin Sportpistole. Dieser ist die Voraussetzung, dass überhaupt eine deutsche Dame in Tokio starten kann. Sie will alles dafür tun, um diese Dame zu sein.




Dem Tod von der Schippe gesprungen

„Dem Tod näher als dem Leben“, so bezeichnet Jutta Riemer ihren körperlichen Zustand im Jahr 1997. Aufgrund einer chronischen Lebererkrankung stand die damals 44-Jährige kurz vor dem Leber- und Nierenversagen.

„Ich wusste, dass ich ohne Spenderleber bald sterben würde“, blickt sie zurück. Doch sie hatte Glück: Am 9. Juni in jenem Jahr bekam sie in einer neunstündigen Operation eine andere Leber – ein Tag, den sie bis heute als ihren „Lebergeburtstag“ bezeichnet. Nach mehreren Wochen konnte sie das Krankenhaus verlassen und sich auf den Weg zurück ins Leben machen. Doch obwohl es ihr relativ schnell viel besser ging, konnte sie nicht mehr zurück in ihren alten Beruf.

Riemer fand eine neue Lebensaufgabe in einem Verein

Heute geht man anders damit um, aber damals hatten die Ärzte der ehemaligen Biologie- und Sportlehrerin wegen der erhöhten Infektionsgefahr davon abgeraten. Ihre neue Lebensaufgabe fand die Bretzfelderin – wie sie selbst sagt, „heftig unterstützt“ von ihrem Mann – bei der Patientenselbsthilfeorganisation Lebertransplantierte Deutschland e.V. (LD e.V.). Der bundesweit tätige Verein mit rund 1400 Mitgliedern unterstützt seit über 25 Jahren Transplantierte, Wartepatienten und ihre Angehörigen durch persönliche Beratung, Seminare, Broschüren, einer Website und ihre Interessenvertretung. Um unter anderem den Erfahrungsaustausch zwischen Patienten und Ärzten, Schwestern und Experten zu fördern, veranstaltet LD e.V. in Tübingen und in Heidelberg Patientenseminare sowie Gruppentreffen in ganz Baden-Württemberg und darüber hinaus. Auch im Raum Hohenlohe/ Schwäbisch Hall gibt es regelmäßige Treffen.

Wie wichtig ist ein Organspendeausweis?

Auslöser für Jutta Riemers Engagement war ein Erlebnis im Krankenhaus: Ein junger, kranker Vater bekam kein Organ. Sie wollte etwas beitragen zur Aufklärung über das Thema Organspende. Selbst hatte sie sich lange vor ihrer Erkrankung mit diesem Thema auseinandergesetzt und besaß bereits einen Organspendeausweis. Im Rahmen ihrer Arbeit für LD e.V. geht die 65-Jährige in Schulen und spricht mit Schülern ab Klasse neun: „Die Jugendlichen sind sehr offen und haben meist wenig Verständnis für Leute, die sich mit dem Thema gar nicht auseinandersetzen wollen“. Sie schätzt, dass ein Drittel bis ein Viertel der jungen Leute einen Spenderausweis hat – ab 16 Jahren kann sich jeder für oder gegen eine Organspende entscheiden.

Ärzte denken zu wenig an seine Organspende

Vor allem muss sich in Zeiten des Organmangels etwas in den Krankenhäusern ändern, findet Jutta Riemer. „Ich bin besonders dem Pflegepersonal im Krankenhaus dankbar, das damals den Verstorbenen als möglichen Organspender entdeckt hat“, sagt sie. Das Grundproblem sei, dass ein Spender trotz Ausweis oft nicht entdeckt werde.

Die Ärzte haben zuerst den Patienten vor ihnen im Blick und wie sie ihm helfen können. „Das ist auch richtig so, aber wenn sie nichts mehr für den Patienten tun können und der Hirntod eingetreten ist, denken immer noch zu wenige Ärzte und Pfleger an eine Organspende.“ Deshalb müsse ein neuer Geist in den Kliniken einziehen: Chefärzte und Verwaltungen müssten hinter den Organspenden stehen und diese zu einem selbstverständlichen ärztlichen Handeln machen. „Doch das geht nicht nebenher und braucht Zeit im Klinikalltag“, erklärt die langjährige Vereinsvorsitzende. Immerhin sei ein Zuwachs von 20 Prozent an Organspenden verzeichnet worden, seit es im Januar 2018 einen Aufschrei gab angesichts des Tiefstands bei Organspenden.

„Man ist nicht Schuld am Tod des Spenders.“

Die Transplantationsmedizin wird nicht infrage gestellt – „leben will schließlich jeder“. Die Patienten seien zunächst in ih- rer Krankheit gefangen, doch irgendwann muss jeder akzeptieren, dass da auch die Organspende dazu gehört und Betroffene nur weiterleben können, wenn jemand anderes nach dem Tod seine Organe weitergibt. „Ganz wichtig aber ist, sich bewusst zu machen, dass man nicht schuld an dem Tod des Spenders ist“, findet sie. „Ich habe nicht auf den Tod dieses Menschen gewartet und er ist auch nicht wegen mir gestorben, aber ich hatte Glück und durfte ein Organgeschenk erhalten.“ Bis heute gedenkt Jutta Riemer in ganz besonderem Maße ihrem Organspender und seiner Familie. Ihr ist bewusst, dass ihr Überleben nur, dank dieser Spende möglich ist. Deshalb ist es ihr auch ein besonders Anliegen, etwas über die Gedanken und Gefühle von Spenderangehörigen zu erfahren. Für diese gibt es nun im Verein Ansprechpartner und es wurde ein Netzwerk gegründet, um auch sie zu unter- stützen und politisch zu vertreten.

Für ihre Vereinsarbeit wurde Jutta Riemer 2014 der Verdienstorden von Baden-Württemberg verliehen. Im Oktober 2018 bekam sie das Bundesverdienstkreuz. „Schön war dabei vor allem, dass das Ehrenamt mal wieder im Vordergrund stand“, freut sich die Geehrte. Denn schließlich ginge es nicht ohne ihre zahl- reichen Mitstreiter. Die sehr vielfältige und spannende Arbeit macht ihr Spaß. „Ganz besondere Kraft gibt mir aber auch, wenn jemand sagt: Du hast mir weitergeholfen.“