1

Corona Hotspot Hohenlohe – Was ist schiefgelaufen?

Festleskultur, zu wenig Tests, zu viele „stille“ Träger

Der Hohenlohekreis gelangte in den vergangenen Wochen zu deutschlandweiter Berühmtheit. Und das diesmal nicht durch den Schraubenmilliardär Reinhold Würth und sein Imperium mit der Schaltzentrale in Künzelsau-Gaisbach, sondern mit einem Virus, das sich rasant weltweit ausgebreitet hat.

Der Hohenlohekreis ist ähnlich wie Bergamo in Italien und das Elsaß in Frankreich als Hotspot von Coronainfizierten in den Medien genannt worden. So viele Infizierte umgerechnet auf die Einwohnerzahl gibt es derzeit nirgends sonst in Deutschland. Doch wie konnte es soweit kommen? Was ist schiefgelaufen in diesem kleinen Kreis im Norden Baden-Württembergs mit seinen rund 120.000 Einwohnern? Ein Kreis, der so ländlich geprägt und gleichzeitig so wirtschaftsstark ist wie kaum ein anderer.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn befand sich noch im Winterschlaf

Drehen wir die Zeit ein paar Wochen zurück. Wir schreiben Mitte Februar 2020. Während in China die Zahl der an Covid-19 erkrankten Fälle und auch die Todesrate sprunghaft in die Höhe schießt, schwadroniert der Bundesgesundheitsminister und damals noch potenzielle Kanzlerkandidat Jens Spahn darüber, dass er mit der CDU bei der nächsten Wahl die 30-Prozent-Hürde knacken möchte. Kein Wort zu Corona. Wir haben darüber am 14. Februar 2020 einen Kommentar mit dem Titel veröffentlicht: „Der Coronavirus kommt und ihr seid noch beim Karneval – Die Unfähigkeit der regierenden Politiker“.

Air China fliegt weiter

Air China fliegt weiter und wird noch lange weiterfliegen – aus wirtschaftlichen Gründen, wie der Münchner Merkur berichtet. Die ersten Meldungen aus dem Bundesland Bayern kommen hereingeflattert, Mitarbeiter der Firma Webasto haben sich infiziert mit dem neuartigen Coronavirus, dem man den Namen Covid-19 geben wird. Menschen, die aus China angeflogen kommen, müssen einen Fragebogen ausfüllen, auf dem sie ankreuzen, ob sie Kontakt mit Coronainfizierten hatten und damit in 14-tägige Quarantäne müssen. Das erinnert ein wenig an den Fragebogen der Vereinigten Staaten, wenn man einreist à la : Sind Sie Terrorist?

Noch Anfang März Veranstaltungsankündigungen des Landratsamtes

Es gibt zunächst kaum offizielle und einheitliche Informationsschreiben über das Virus, die Symptome, den Verbreitungsweg (wir berichteten in unserer Märzausgabe 2020). Daher kann es sich auch zunächst ungeniert in Deutschland ausbreiten. Noch Ende Februar und Anfang März 2020 veröffentlicht das Landratsamt des Hohenlohekreises Pressemitteilungen mit der Ankündigung öffentlicher Veranstaltungen, die teilweise für den 19. März 2020 terminiert sind. Am 02. März 2020, nur wenige Tage nach dem Ende der Faschingsferien, ändert sich alles. Die Stadt Künzelsau sagt alle öffentlichen Veranstaltungen, auch die Einwohnerversammlung ab.

Die offizielle Zahl des Hohenlohekreises beläuft sich anfangs noch auf Null

Das Landratsamt berichtet fortan fast täglich über die Zahl der Coronainfizierten im Hohenlohekreis, deren Zahl sich zunächst auf Null beläuft. Ein Koordinierungsstab wird gebildet, das Landratsamt verweist darauf, dass öffentliche Veranstaltungen dazu beitragen können, dass sich der Virus schneller verbreitet. Der erste offiziell als corona-positiv bestätigte Fall veröffentlichte das Landratsamt am 05. März 2020.

Aber es gibt Veranstaltungen, die nicht abgesagt werden in einem Landkreis, der geprägt ist von der Vereins- und Festleskultur, vom Ehrenamt und Zusammenhalt. Das Rebenglühen in Bretzfeld mit rund 10.000 Teilnehmern findet von 06. bis 08. März 2020 statt. Am Samstag, den 07. März 2020, gab es einen Kleinkindkleiderbasar in der Weinbrennerhalle in Untermünkheim. Am 01. März 2020 gab es noch Konzert mit mehreren Posaunenchören in einer kleinen Kirche im Ort Kupferzell. So berichtet es das Nachrichtenmagazin Focus online. Auch in Pfedelbach gibt es noch diverse Veranstaltungen, unter anderem der Weltgebetstag in Pfedelbach-Untersteinbach am 06. März 2020 sowie die Hohenlohe Rallye am 07. März 2020 – alles Städte und Gemeinden, die später zu so genannten Hotspots mutierten sollen – also wo es besonders viele Covid-Infizierte geben wird.

10. März 2020. Es gib 16 offiziell registrierte Coronafälle im Hohenlohekreis. In Kupferzell lässt das Landratsamt unter anderem durch das Technische Hilfswerk (THW) vorsorglich eine Quarantänestation in der Akademie für Landwirtschaft einrichten. Die 17 Betten sollen für Menschen sein, die sich nach einer Corona-Diagnose nicht zu Hause isolierten können oder wollen, um andere anzustecken. In der Pressemitteilung des Landratsamtes hierzu heißt es: „Das Robert Koch-Institut beurteilt die Gefährdungssituation für die Bevölkerung als mäßig.“Das wird sich kurze Zeit später ändern.

15. März 2020. „In den kommenden Tagen rechnet der Hohenlohekreis mit einem weiteren Anstieg der bestätigten Coronavirus-Fälle im Hohenlohekreis sowie der Verdachtsfälle“, heißt es in einer Pressemitteilung des Landratsamtes. Daher hat das Landratsamt in Zusammenarbeit mit dem THW Pfedelbach nun die Möglichkeit einer so genannten „Drive-in-Abstrichstelle“ in Belzhag bei Kupferzell geschaffen. Die Abstrichstelle wird von Ärzten der kassenärztlichen Vereinigung gemeinsam mit dem Technischen Hilfswerk und dem Deutschen Roten Kreuz betrieben. Ähnliche Stellen gibt es bereits in anderen Landkreisen. Das THW Künzelsau unterstützt die Umsetzung des Projekts ab Betriebsbeginn. Die Abstrichstelle beim Gesundheitsamt in Künzelsau wird ihren Betrieb einstellen.

Das Prozedere: Die Menschen, die grippeähnliche Symptome und dann noch typische Covid-Symptome haben wie trockener Husten und Atemnot, sollen sich beim Hausarzt melden. Dieser überweist sie an die Drive-In-Abstrichstelle. Erst mit dieser Überweisung wird der Abstrich in Belzhag vorgenommen.

Kein telefonisches Durchkommen bei den Hausärzten, Tage später Tests, Tage später das Ergebnis.

An dieser Stelle ergeben sich gleich mehrere Probleme: Bei den Hausärzten ist zu dieser Zeit kaum mehr ein telefonisches Durchkommen. Viele Einwohner berichten uns, dass es vom Verdacht bis zur Diagnose mehrere Tage vergehen. In dieser Zeit können wiederum andere Personen angesteckt werden, weil es zu diesem Zeitpunkt noch keine Quarantäneregulungen für diese Verdachtsfälle gibt.

17. März 2020. Der Hohenlohekreis meldet den ersten Corona-Todesfall.

18. März 2020. Nach Bayern und zahlreichen anderen Bundesländern schließt nun auch Baden-Württemberg alle Schulen und Kindergärten. Bereits Tage zuvor schloss das Ganerben-Gymnasium und die Anne-Sophie -Schule, weil sie Covid-Verdachtsfälle hatte. Die Ergebnisse lassen auf sich warten.
Zur gleichen Zeit schließen fast alle Rathäuser ihre Pforten für die Öffentlichkeit und sind fortan lediglich über E-Mail oder eingeschränkt telefonisch zu erreichen.

Niedernhalls Stadtverwaltung setzt ein Zeichen und lässt nur noch eine begrenzte Zahl an Kunden in die Supermärkte und Drogerien vor Ort. In der Kreisstadt Künzelsau gibt es in den Supermärkten in Künzelsau auch Anfang April noch keine Einlassbeschränkungen. Teilweise stauen sich die Kundenschlangen im Kaufland, weil nur zwei Kassen offen sind. Auch bei den Schutzmasken ist Niedernhalls Stadtverwaltung Vorreiter und veröffentlicht Anfang April 2020 ein Schreiben, indem die Bevölkerung gebeten wird, mitzuhelfen, 4.000 Masken herzustellen.

Lange Schlangen an den Supermarktkassen, auch als alle Alarmzeichen schon leuchten

Es gibt landesweite Kontaktsperren. Mehr als zwei Personen dürfen sich nicht mehr zu Zusammenkünften treffen – ausgenommen Familien. Bayern geht mit der meisten Anzahl an Infizierten einen Sonderweg und führt Ausgangssperren ein. Auch in Baden-Württemberg werden die Menschen angehalten, nur noch zwecks Arbeit und zum Enkaufen das Haus oder die Wohnung zu verlassen. Derweil haben die Krankenhäuser in und um den Hohenlohekreis die ersten Covid-Patienten, die
wegen starken Atemwegsproblemen ins Krankenhaus eingeliefert werden.

HK-Chefarzt kritisiert Vorgehen des Landratsamtes massiv

Trotz eines klaren „Neins“ der BBT-Gruppe, des Mehrheitseigners der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), gegenüber GSCHWÄTZ zwei Wochen zuvor, wird das Krankenhaus Künzelsau Ende März 2020 vom THW für Coronazwecke reaktiviert.Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha bekundet angesichts der Coronapandemie nun, dass auch ehemalige Krankenhausgebäude wieder genutzt werden könnten. Erst rund vier Monate zuvor, am 15. November 2020, wurde es auch federführend unter Lucha geschlossen, weil es laut dem Landkreis und dem Land Baden-Württemberg zu kostenintensiv war. Aber: Es soll nur als Isolierstation dienen, ohne medizinisches Fachpersonal und ohne Sauerstoffversorgung für Patienten mit Atemwegsproblemen. Dr. Andreas Kühn, bis 01. April 2020, Chefarzt am HK, kritisiert scharf, dass laut dem Landratsamt sowohl gesunde Risikogruppen als auch kranke Menschen mit leichten Symptomen in der Isolierstation untergebracht werden. Dieses Vorgehen sei „absolut fahrlässig“. Kühn warnt öffentlich davor, als Gesunder in die Isolierstation zu gehen, da die Ansteckungsgefahr zu groß sei.

Ärzte im Hohenlohekreis schlagen Alarm

Hohenlohe: Viele Jahre wurde an den Krankenhausmitarbeitern gespart – Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter noch gegen Arbeitsverträge

Am 22. März 2020 meldet das Landratsamt die offizielle Zahl von 350 Infizierten.

Landrat Dr. Matthias Neth ruft öffentlich nach Spenden von Schutzkleidung wie Schutzmasken auf. Zusätzlich werde medizinisches Personal benötigt. Woran derzeit keiner mehr denkt: Noch Anfang des Jahres klagten Mitarbeiter des seit vier Monaten geschlossenen Krankenhauses in Künzelsau gegen die HK vor, weil sie wesentlich schlechtere Arbeitsverträge angeboten bekommen haben https://www.gschwaetz.de/2020/02/06/keinen-lohn-keine-krankenversicherung-mehr-2-mitarbeiterinnen-verklagen-hk/

Auch medizinisches Personal muss man sich eben leisten können. Vor der Seuche konnte der Hohenlohekreis es nur noch eingeschränkt. Und jetzt?

Vor den Hilfsrufen des Landrats hat er noch zwei Videos veröffentlicht, in welchen er unter anderem die Bvölkerung dazu aufruft, zu Hause zu bleiben, um die Schwachen und Alten zu schützen. Es gehe „um Leben und Tod“.

Es gehe um Leben und Tod

Teile der Hohenloher Bevölkerung sind irritiert angesichts der relativ niedrigen offiziellen Zahl an Infizierten auf der einen und den Maßnahmen, die der Hohenlohekreis parallel dazu derzeit ergreift, auf der anderen Seite.

Allerdings darf man dabei mehrere Dinge nicht außer Acht lassen.

Die Zahl der offiziell bestätigen Fälle wächst schnell an. Am Tag zuvor waren es „nur“ 300 Fälle, zwei Tage später über 400. Bei einerm derartigen Wachstum ist der Sprung zu einer vier- oder gar fünfstelligen Zahl nicht mehr weit.

Der exponentielle Anstieg der Infektionszahlen, vor dem zahlreiche Experten warnen (je höher die Zahl, umso schneller der Anstieg) sieht man besonders deutlich an den Zahlen der Infizierten in Baden-Württemberg. Ende März 2020 wächst die Zahl der Coronafälle pro Tag vierstellig. Am 28. März 2020 sind es fast 11.000 offiziell erfasste Coronafälle im Ländle – Tendenz weiter stark steigend. Vier Wochen zuvor waren es noch eine Handvoll.

Zahlreiche Coronainfizierte werden nicht erfasst

Das Problem bei dieser Statistik ist: Es werden längst nicht alle Coronainfizierte erfasst. Die Dunkelziffer ist daher weitaus höher. Kritiker würden jetzt sagen: Das war noch nie anders.

Die gefährlichsten Verbreiter, nämlich Infizierte ohne Symptome, werden nicht getestet

Stimmt. Besonders die Coronainfizierten ohne Symptome werden und wurden im Hohenlohekreis in der Regel nur erfasst, wenn es sich um Kontaktpersonen handelt, also Personen, die mit Infizierten Kontakt hatten. Eine pauschale Testung aller Einwohner, etwa in Hotspots wie Kupferzell, Bretzfeld oder Pfedelbach oder eine pauschale Testung aller Besucher einer Veranstaltung mit Coronainfzierten wurde bislang nicht gemacht. So hätte man aber gerade die vielen „stillen“, weil symptomlosen Träger in Quarantäne schicken können, bevor sie andere Menschen anstecken.

Nichtsdestotrotz testen die Hausärzte im Hohenlohekreis zuerst im Gesundheitsamt in Künzelsau, dann an einer provisorisch eingerichteten so genannten Drive-In-Abstrichstelle in Belzhag im März 2020 zahlreiche Menschen mit Teststäbchen, an einem Tag nicht selten zwischen 100 und 200. Das Problem: Diese Teststäbchen sind mittlerweile nur noch in begrenzter Anzahl vorhanden. Ein deutschlandweites Problem. Getestet werden daher in der Regel nur noch „Härtefälle“ mit schwerem Verlauf, die ins Krankenhaus müssen und man vorher abklären muss, ob sie eine starke Grippe oder Corona haben, um im Krankenhaus nicht wieder andere zu infizieren.
Bereits in der letzten Märzwoche finden wesentlich weniger Testungen statt, teils nur noch 16 pro Tag. Damit einhergehend steigt auch die offizielle Zahl von Coronainfizierten im Hohenlohekreis weniger stark an. Denn: Nur die mittels Teststäbchen im Labor getesteten Infizierten fließen in die offizielle Coronastatistik mit ein.

Diese so genannten klinischen Diagnosen der Ärzte fließen aber nicht in die offizielle Zahlenstatistik des Landratsamtes mit ein. 

Zweistellige Zahl an Arztpraxen musste schließen

Hinzu kommt: Eine ärztliche Diagnose ist gar nicht mehr so einfach zu bekommen. Eine zweistellige Zahl an Arztpraxen im Hohenlohekreis hat seit Mitte März 2020 in den vergangenen zwei Wochen, nachdem Ärzte und/oder Personal erkrankt sind, (vorübergehend) schließen müssen. Bei leichten Symptomen verzichten daher auch Menschen darauf, den Arzt zu konsultieren, solange die Symptome nicht schlimmer werden. Auch diese Fälle sind nicht von der Statistik erfasst.

Das Problem mit der nachträglichen Ermittlung aller Kontaktpersonen.

Die so genannten Hotspots in Hohenlohe – Pfedelbach, Kupferzell und Bretzfeld – sind vornehmlich entstanden durch öffentliche Veranstaltungen, bei denen sich einige Menschen infiziert haben. Das Landratsamt des Hohenlohekreises hat erklärt, dass eine Rückvollziehbarkeit von Kontaktpersonen etwa an der Großveranstaltung „Rebenglühen“ in Bretzfeld mit einer fünfstelligen Teilnehmerzahlschier schier unmöglich sei. Diese öffentliche Erklärung erfolgte allerdings erst über zwei Wochen nach der eigentlichen Veranstaltung.

Was bedeutet eine steigende Zahl an Infizierten für die Krankenhäuser im Hohenlohekreis und im Umland?

Krankenhäuser haben nicht unbegrenzte viele Intensivplätze (mit Beatmung), die man bei schweren Coronaverläufen braucht. Auch wenn das Krankenhaus in Öhringen derzeit nochmal mehr Intensivplätze mit Beatmung geschaffen hat (maximal 12 sind laut Aussagen von hiesigen Ärzten möglich), ist das Krankenhaus von der Corona-Intensivbelegung bereits nahezu ausgelastet. Coronapatienten werden schon jetzt teilweise weitergeleitet in die Kliniken nach Heilbronn und Ludwigsburg. Zumal das Krankenhauspersonal in Öhringen unter erschwerten Bedingungen arbeitet, da sie Coronapatienten von anderen Patienten trennen muss – in den normalen Stockwerken wie auch in der Intensivstation. Ein vollkommen separates Haus wie etwa in Schwäbisch Hall gibt es für Coronapatienten in Öhringen nicht.

Das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau wäre prädestiniert dafür, das Krankenhaus Öhringen zu entlasten, sollte die Coronawelle von Italien und Frankreich zu uns überschwappen.

Aber dafür muss der Kreis jetzt alle Vorkehrungen treffen, um für den Ernstfall, gewappnet zu sein.

Besonders bitter: Weder das Landratsamt des Hohenlohekreises noch das Sozialministerium des Landes Baden-Württemberg haben bislang gegenüber der Presse (Stand: 30.03.2020) auch auf mehrfache Nachfrage hin keine Zahlen über die klinischen, also die ärztlichen Corona-Diagnosen veröffentlicht. Dann hätte man vermutlich ein wesentlich realistischeres Bild hinsichtlich der Anzahl der Infizierten. Die offiziell über das Labor positiv getesteten Infizierten liegt laut dem Landratsamt bei 453 Infizierten im Hohenlohekreis (Stand: 30.03.3030).

 




Geflügelpest in Hohenlohe – Aufhebung der Sperrmaßnahmen

Die infolge des Ausbruchs der Geflügelpest am Freitag, den 07. Februar 2020, in einem kleinen Geflügelbestand in Bretzfeld durch Allgemeinverfügung des Hohenlohekreises angeordneten Sperrmaßnahmen in den Restriktionszonen wurden laut einer Pressemitteilung am Sonntag, den 15. März 2020 aufgehoben. Nach Sperrung des Ausbruchsbetriebes und Einrichtung eines Sperrbezirkes sowie eines Beobachtungsgebietes hat das Veterinäramt des Hohenlohekreises die EU-rechtlich erforderlichen Maßnahmen abschließend durchgeführt. Dazu gehörten unter anderem umfassende Reinigung-, Entwesungs- und Desinfektionsmaßnahmen im Ausbruchsbetrieb, die amtlich überprüft und anschließend abgenommen wurden.

Alle Proben negativ

Zudem wurden in den Restriktionszonen insgesamt 107 geflügelhaltende Betriebe amtstierärztlich überprüft. Es handelt sich dabei um sämtliche 60 Betriebe im Sperrbezirk und die sogenannten gewerbsmäßigen 47 Geflügelhalter im Beobachtungsgebiet. Insgesamt wurden mehr als 1000 Proben – auch aus dem Wildvogelbereich – im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) Stuttgart auf das AI-Virus getestet. Bis auf den Ausbruchsbestand waren alle negativ.

Amtshilfe durch andere Veterinärämter

Diese Kontrollaufgabe konnte nur mit der unkomplizierten Unterstützung durch andere Veterinärämter in dieser kurzen Zeit geleistet werden. So bedankt sich der Leiter des Veterinäramtes Hohenlohekreis, Dr. Thomas Pfisterer, in der Mitteilung ausdrücklich für diese Amtshilfe. „Ohne die Kollegen aus den Landkreisen Heidenheim, Göppingen, Ludwigsburg und Bad Mergentheim wäre die Aufgabe in der zur Verfügung stehenden Zeit nicht zu bewältigen gewesen. Ich danke deshalb den entsendenden Ämtern sehr herzlich für die fachkundige, unkomplizierte und sehr kurzfristige Unterstützung.“

Früheste Frist

Unter dem Strich konnten die Sperrmaßnahmen innerhalb der rechtlich vorgegebenen frühesten Frist aufgehoben werden. „Dies ist nur durch den großartigen Einsatz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter möglich gewesen“, so Dr. Thomas Pfisterer.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamts Hohenlohekreis




Hohenlohekreis: „Weg vom Mindestlohn-Image“ – NGG fordert höhere Löhne

Lohn-Plus fürs Burger-Braten: Im Hohenlohekreis sollen die Beschäftigten in Fast-Food-Restaurants wie McDonald’s oder Burger King mehr Geld bekommen. Das fordert laut einer Pressemitteilung die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Die Mitarbeiter stehen rund um die Uhr an der Fritteuse oder an der Verkaufstheke – bekommen dafür aber meist nur den Mindestlohn von 9,35 Euro pro Stunde“, kritisiert Burkhard Siebert von der NGG Heilbronn. Die Gewerkschaft verlangt „armutsfeste Löhne“ von mindestens 12 Euro pro Stunde. Profitieren würden davon auch die Beschäftigten bei Marken wie Starbucks, KFC, Nordsee, Vapiano, Tank & Rast und Pizza Hut. Allein der Branchenprimus McDonald’s betreibt im Hohenlohekreis zwei Filialen.

Löhne reichen kaum

Hintergrund ist die laufende Tarifrunde zwischen der Gewerkschaft NGG und dem Bundesverband der Systemgastronomie (BdS). Die Branche beschäftigt bundesweit rund 120.000 Beschäftigte in 3.000 Restaurants und Cafés. „Es ist höchste Zeit, vom Mindestlohn-Image wegzukommen. Die Menschen haben für ihre harte Arbeit eine faire Bezahlung verdient“, betont NGG-Geschäftsführer Siebert. Aktuell reichten die Löhne kaum, um ohne einen Zweitjob oder staatliche Stütze über die Runden zu kommen. Siebert: „Milliardenschwere Konzerne wie McDonald’s zahlen so wenig, dass die Allgemeinheit einspringen muss. Heute müssen die Steuerzahler die Löhne und später die Renten aufstocken, damit das Geld zum Leben reicht – hiermit muss endlich Schluss sein.“

Aufruf zu Protestaktionen und Warnstreiks

Die Arbeitgeber hätten jedoch ein spürbares Lohn-Plus bislang vehement blockiert. „Die Wut der Beschäftigten ist groß. Wir rufen jetzt in ausgewählten Orten zu Protestaktionen und Warnstreiks auf, auch im Hohenlohekreis könnte es noch vor der nächsten Verhandlung zu Ausständen kommen“, so der Gewerkschafter. Die Tarifverhandlungen werden am 13. und 14. Februar in Stuttgart fortgesetzt. Es ist bereits die dritte Runde.

Verschärfter Personalmangel wegen schlechter Bezahlung

Die schlechte Bezahlung führt nach Einschätzung der NGG auch zu einem verschärften Personalmangel in der Branche. „Sowohl ausgebildete Fachkräfte als auch Quereinsteiger überlegen sich dreimal, ob sie den stressigen Job im Schnellrestaurant zum Billig-Tarif machen. Stattdessen wechseln sie häufig in andere Branchen – etwa zum Discounter an die Kasse“, berichtet Siebert. Höhere Löhne in der Systemgastronomie seien ein entscheidender Beitrag, um Fachleute in der Branche zu halten und Schulabgänger für eine Ausbildung zu gewinnen.

Quelle: Pressemitteilung der NGG – Region Heilbronn




Hohenlohekreis: Girls‘ und Boys‘ Day

Mädchen und Jungen für neue Berufswege zu interessieren, ist das Ziel des jährlich bundesweit stattfindenden Girls‘ und Boys‘ Day. Jedes Frühjahr wird ihnen damit die Möglichkeit geboten, Berufsfelder kennenzulernen, die außerhalb der traditionellen Orientierung liegen. So sollen sie dazu ermutigt werden, Berufe zu ergreifen, die überwiegend vom jeweils anderen Geschlecht ausgeübt werden. In diesem Jahr findet der Girls‘ und Boys‘ Day am Donnerstag, den 26. März 2020 statt. 

Auch das Landratsamt Hohenlohekreis bietet für Mädchen und Jungen ab der 5. Klasse interessante Kurzpraktika in verschiedenen Bereichen an. So können Jungs das Berufsfeld Hauswirtschaft kennen lernen oder Einblicke in die vielfältigen Aufgabengebiete des Sozial- und Versorgungsamts oder des Gesundheitsamts des Hohenlohekreises erhalten. Mädchen haben die Möglichkeit, in die sogenannten Männerberufe wie Vermessungstechniker, Bauingenieur oder Förster reinzuschnuppern oder einen Tag bei der Lebensmittelkontrolle verbringen.

„Bei uns im Landratsamt Hohenlohekreis gibt es eine Vielzahl interessanter Berufe zu entdecken, die abwechslungsreich sind und spannende Karrieremöglichkeiten bieten. Wir hoffen, dass wir die Mädchen und Jungen durch den Girls’Day und Boys’Day für Berufe begeistern können, an die sie bisher vielleicht noch gar nicht gedacht haben“, so Landrat Dr. Matthias Neth in einer Pressemitteilung des Landratsamts Hohenlohekreis.

Anmeldungen sind ab sofort über die Internetseiten www.girls-day.de beziehungsweise www.boys-day.de möglich. Für Fragen steht die Gleichstellungsbeauftragte Lisa-Marie Hemer unter gleichstellung@hohenlohekreis.de oder unter Telefon 07940/18 849 zur Verfügung.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamts Hohenlohekreis




Dr. Faust: „Bei uns läuft die Praxis schon über“ – Kreistag diskutiert über notärztlichen Sitzdienst in Künzelsau

Der nach der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses zum 16. November 2019 eingeführte notärztliche Sitzdienst war Thema bei der Kreistagssitzung am 09. Dezember 2019 in Waldenburg. Die Fraktion der Freien Wähler hatte den Antrag eingebracht, dass dieser Sitzdienst nicht erst nach einem Jahr sondern bereits nach drei Monaten evaluiert werden soll, damit der Kreistag „in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung bezüglich der weiteren Fortführung“ kommen könne, so der Wortlaut des Antrags, der vom Fraktionsvorsitzenden Achim Beck gezeichnet ist. Die abschließenden Worte dieses Antrags lauteten wie folgt: „Sehr geehrter Herr Landrat, unserer FWV-Fraktion ist es darüber hinaus wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Entscheidung über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter Ihnen stehen. Freundliche Grüße, Achim Beck, Fraktionsvorsitzender“

Thomas Dubowy (FWV): „Es sollte ein guter Notdienst sein.“

Die erste Wortmeldung kommt von Thomas Dubowy (FWV), der den Antrag seiner Fraktion nochmals präzisiert darstellen wollte: „Jeder von uns hatte damals seine eigenen Vorstellungen von der Ausgestaltung eines Notdienstes. Der Notdienst soll rechtskonform und qualitätsgesichert sein. Umgangssprachlich: Es sollte ein guter Notdienst sein.“ Nachdem die Ausgestaltung bekannt ist, ist Dubowy nicht von der Qualität des Notdienstes überzeugt. „Eine Evaluation am Ende des ersten Jahres würde eine Verbesserung oder Änderung erst am Ende des zweiten Jahres, zum 31.November 2021 ermöglichen.“ Ihm geht es bei diesem Antrag „um eine fristgerechte Beurteilung im Rahmen bestehender Verträge“ und widerspricht damit genaugenommen der Formulierung des Antrags seiner eigenen Fraktion. Er schließt: „Da jeder verantwortungsbewusst für die Bürger entscheiden möchte, kann ich mir nur einen einstimmigen Zuspruch vorstellen. Wer gegen diesen Antrag stimmt, stimmt gegen eine gute ärztliche Versorgung in Künzelsau.“ Die Argumentation mit vertraglich festgelegten Fristen ging für Landrat Dr. Matthias Neth zu sehr in persönliche Vertragsdetails, so dass er sich gezwungen sah, die Öffentlichkeit kurzfristig auszuschließen.

Waldtraud Kuhnle (FDP): „So schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen.“ 

Nach kurzer nichtöffentlicher Aussprache meldet sich Waltraud Kuhnle (FDP) zu Wort. Sie will dem Antrag zustimmen und präsentiert Zahlen, dass der kassenärztliche Notdienst nach der Schließung des Krankenhauses 72 Patienten hatte und somit ungefähr 1,5 Patienten pro Stunde behandelt habe – über die Art der Behandlungen und darüber, ob 40 Minuten pro Notfallpatient nicht vielleicht angemessen sein können, sagt sie aber nichts. Insbesondere sagt sie nichts über die Zahlen des 24/7-Notarztdienstes. „Zu diesen Zahlen, wollen Sie, Herr Neumann, einen zusätzlichen Arzt, den niemand aufsucht“ – worauf Neumann zwischenruft, dass nicht er, sondern der Kreistag das so beschlossen hat. Kuhnle will „so schnell wie möglich evaluieren, um dieses Geld zu sparen“.

Hans-Jürgen Saknus (SPD): „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft.“ 

Spätestens jetzt wird klar, dass es offenbar ganz unterschiedliche Ziele gibt: Den einen geht es darum, den Notdienst umgehend einstellen zu können, um damit Geld zu sparen, andere sehen die Notwendigkeit einer Versorgung durch einen notärztlichen Sitzdienst im Raum Künzelsau und wollen durch frühe Evaluierung die Chance bekommen, die Struktur des Notdienstes an die tatsächlichen Anforderungen anzupassen.
Hans-Jürgen Saknus (SPD) stellt die Frage: „Was evaluieren wir?“ Die gegenwärtige Umsetzung sei kein qualifiziertes Konzept für den Raum Künzelsau und tauge auch nicht als Pilotprojekt. „Wir müssen uns anschauen, was die Künzelsauer erwartet haben und was sie dafür bekommen.“ Eine Notfallpraxis müsse bestimmte Leistungen erbringen und diese Leistungen seien zu evaluieren, nicht nur Zahlen. „Die Leistungen, die von diesem Notdienst angeboten werden, sind wahrscheinlich sehr zweifelhaft, da muss man genau hinschauen“ und geht sogar noch einen Schritt weiter: „Wir müssen genau hinschauen, ob nicht im Hintergrund etwas ganz Anderes läuft, dem wir wehren müssen: Nämlich dem Abbau der Notfallpraxis in Künzelsau.“

Ernst Kern (Die Linke): „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern.“ 

Ernst Kern (Die Linke) legt Wert darauf, eine Lösung für die Bevölkerung in Künzelsau im Blick zu haben: „Damit die Bürger auch merken, wir wollen uns um sie kümmern und etwas wirklich Gutes machen und nicht durch Evaluation alles hinausschieben oder wieder abschaffen.“ Einen ähnlichen Standpunkt nimmt auch Catherine Kern (Grüne) ein und fordert klare und öffentlich bekannte Kriterien für die Evaluation: „Es ist ganz wichtig, den Bürgern von Künzelsau die Kriterien transparent darzustellen, damit wir wissen, ab wann kann diese freiwillige Leistung nicht mehr am Leben erhalten werden.“

Dr. Faust (FWV): „Bei uns läuft die Praxis schon über.“

Dr. Faust (FWV), niedergelassener Arzt in Künzelsau, hat kein Problem mit der Datenerhebung und richtet den Blick in die Zukunft: „Damit wir auch Daten haben, um weiterzudenken. Parallel müssen wir etwas hinkriegen als Ersatz für das, was wir durch das Krankenhaus verloren haben.“ Er bekommt die Auswirkungen der Schließung bereits zu spüren: „Bei uns läuft die Praxis schon über“. Martin Braun (Grüne) schlägt vor, die Evaluierung nicht schon nach drei Monaten sondern nach vier Monaten und nach acht Monaten durchzuführen und die Ergebnisse zu veröffentlichen. „Nur so kriegen wir einen Teil des Vertrauens wieder zurück, das wir als Kreistag verloren haben durch die Schließung des Krankenhauses.“ Und schlägt mit der Betonung der Interessen der Bevölkerung in dieselbe Kerbe wie Ernst Kern und Catherine Kern.

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV): „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“

Prof. Dr. Otto Weidmann (FWV) bekräftigt nochmals den Standpunkt der FW-Fraktion: „Wenn man sieht, dass ein Angebot keinen Nutzen hat und nur Kosten bringt, dann muss man es einstellen, das ist ein ökonomischer Grundsatz.“ Die Nutzerzahlen seien ein Indiz, dass der Nutzen gering sei, eine frühzeitige Evaluation sei nötig, um schnell reagieren und die Reißleine ziehen zu können. „Ein Nein zur Evaluierung ist völlig unverständlich.“ 
Anton Baron (AfD) ist im Prinzip gegen die Konstruktion des Sitzdienstes, fordert aber eine 24/7-Versorgung im Rahmen der kassenärztlichen Zulassung: „Wir haben damals zugestimmt, weil wir gehofft haben, dass dieser Sitzdienst eine kassenärztliche Zulassung bekommt.“ Der Sitzdienst sei „ein Zusatzservice, der eigentlich völlig überflüssig ist, da die Leute ja sowieso versorgt werden“.

Landrat Dr. Neth: „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“

Landrat Neth geht direkt in den Dialog und vermutet, dass der 24/7-Dienst keine Kassenzulassung erhalten wird, sieht aber anderweitige Konstrukte und verweist dazu auf das noch nicht existente MVZ: „Ich kann ein MVZ über Öffnungszeiten steuern, das könnte eine sinnvolle Möglichkeit sein. Die Frage ist nur, wie schnell kriegen wir so etwas hin.“ Auf jeden Fall will er aufgrund des AfD-Antrags Gespräche mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufnehmen. Auf nochmalige Nachfrage Barons nennt Neth das Beispiel Marienhospital in Stuttgart, wo es bereits eine 24-Stunden KV-Notfallpraxis gibt. „Ich will nicht ausschließen, dass wir eine vernünftige Lösung finden, um in den Randzeiten ein Versorgungsangebot zu machen.“ Mangels Kassensitz geht Neth aber nicht davon aus, dass der gegenwärtige 24/7-Notarzt eine Kassenzulassung erhalten kann.

Bürgermeister Neumann: „Da verliert der Kreistag das Gesicht.“

Ungewohnt emotional zeigt sich der Künzelsauer Bürgermeister Stefan Neumann: „Es braucht Zeit, um mit der BBT-Gruppe zusammen neue Strukturen zu entwickeln.“ Es ist für ihn „völlig in Ordnung, dass wir die Zahlen auch bekanntmachen“. Gleichzeitig wirft er den Freien Wählern vor: „Ihr Ziel ist es, möglichst bald diesen Sitzdienst zu schließen. Das ist nicht in Ordnung, weil der Kreistag entschieden hat, dieses Instrument als Kompensation zu etablieren. Wenn man etwas etablieren will, dann kann man nicht nach drei Monaten schon die Reißleine ziehen, dann hat man dem keine Chance gegeben.“ Auch Neumann geht es um die Verlässlichkeit des Kreistages und das Vertrauen des Bürgers in den Kreistag: „Vor einen Jahr haben wir gesagt, wir evaluieren nach einem Jahr und jetzt sagen wir, wir wollen schon nach drei Monaten evaluieren und dann entscheiden: Da verliert der Kreistag das Gesicht. Ich würde da als Bürger auch das Vertrauen in diesen Kreistag verlieren.“

Rüdiger Volk (CDU): „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann.“

Mit einem völlig anderen Blickwinkel bereichert Rüdiger Volk (CDU) gegen Ende der Aussprache die Diskussion: „Ich bin mir nicht sicher, ob man im Gesundheitswesen immer rein ökonomisch denken kann“, sagt er und bemängelt, dass bisher keine Kriterien für die Beurteilung der zu erhebenden Zahlen festgelegt sind: „Dann haben wir Zahlen, aber wo sind die Kennziffern, die uns sagen: Ist das gut, ist es schlecht. Reicht es, wenn wir feststellen, es wurde ein Menschenleben gerettet. Oder müssen es 3 oder 5 sein?“ Diese Kriterien fehlen ihm im Gesundheitswesen, „das macht mir eine Entscheidung sehr, sehr schwer“. Landrat Neth antwortet direkt: „Wir haben keine Kriterien hinterlegt, am Schluss ist es eine politische Entscheidung.“

Evaluation nach 4 und 8 Monaten

Nach kurzer Unterbrechung und fraktionsinterner Diskussion darüber, welcher der beiden Anträge der „weitergehende“ ist, wird dann zuerst über den ursprünglichen Antrag der Freien Wähler abgestimmt: Der Antrag der FW, bereits nach 3 Monaten zu evaluieren, wird mit 18 Ja- gegen 20 Nein-Stimmen bei 2 Enthaltungen abgelehnt. Der Antrag der Grünen wird im Anschluss einstimmig ohne Enthaltung angenommen – es wird also nach 4 und nach 8 Monaten eine Evaluation des Notarztdienstes vorgenommen.

Es wurde allerdings nicht darüber abgestimmt, was genau evaluiert werden soll. Eine reine Betrachtung „Minuten pro Patient“ oder daraus folgend „Euro pro Patient“ dürfte aufgrund der Vielzahl der möglichen Einsatzszenarien eines solchen Notarztes nicht angemessen sein.

Text: Matthias Lauterer

Nur wenige Zuhörer verirrten sich in die Kreistagssitzung. Foto: GSCHWÄTZ

 




Rettungsdienstler kritisiert: „Man versucht zu sparen, wo es geht“ – DRK kündigt 2 neue Rettungswachen in Kirchensall und Stachenhausen an

In der Nacht vom 10. auf den 11. Oktober 2019 soll eine Person in Westernhausen den Notruf verständigt haben. Der Grund: Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt. Das Problem: Alle Fahrzeuge des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Hohenlohe seien laut Aussage von Betroffenen zu dieser Zeit unterwegs zu anderen Einsätzen unterwegs gewesen. Daher habe schließlich ein DRK-Fahrzeug aus Möckmühl Westernhausen angefahren.  „Wenn man es krachen lässt, braucht man von Möckmühl nach Westernhausen zwischern 20 und 25 Minuten“, schätzt ein Rettungsdienstler, der anonym bleiben möchte und uns diesen Fall geschildert hat. 25 Minuten für einen Schlaganfall- beziehungsweise einen Herzinfarktpatienten – Das ist lang, wo doch jede Minute zählt. Gab es derart viele Einsätze in dieser Nacht, dass das DRK keine anderen Fahrzeuge mehr vor Ort hatte, zumal Westernhausen eine eigene DRK-Rettungswache hat? Eine Stellungnahme des DRK Hohenlohe hierzu steht derzeit noch aus.
Nicht genügend Notarztfahrzeuge
Der Rettungsdienstler bemängelt, dass der Hohenlohekreis generell zu wenig Rettungsdienstfahrzeuge habe. So gäbe es nur jeweils einen Notarztwagen in Künzelsau, Öhringen und Westernhausen. Der Notarztwagen in Westernhausen sei nur tagsüber im Einsatz. Bei den Rettungswägen sehe es nicht wirklich rosiger aus. In Künzelsau und Öhringen gäbe es jeweils zwei – davon sei aber nur jeweils einer 24 Stunden im Einsatz, der andere nur tagsüber. Westernhausen habe darüber hinaus noch einen Rettungswagen im 24-Stunden-Einsatz. Das ergibt zusammen fünf Rettungswägen und drei Notarztwägen –  drei der Rettungswägen und zwei der Notärztwägen sind 24 Stunden im Einsatz. Die Notarztfahrzeuge in Künzelsau und Öhringen seien 2019 erneuert worden. Reichen diese Fahrzeuge für 120.000 Einwohner des Hohenlohekreises aus? „Das reicht nicht aus für die gesamten Notfälle“, sagt der Rettungsdienstler.
Mehrere Stunden Wartezeit
Zwar gebe es seit zwei Monaten in Öhringen einen Krankentransportwagen, der auch nachts fahre. Dieser komme zum Einsatz, wenn jemand sehr hohes Fieber oder schlechte Blutwerte habe und zur Überwachung nachts in ein Krankenhaus müsse. Aber auch auf diesen Krankentransportwagen hätten Patienten schon mehrere Stunden warten müssen oder seien auf den nächsten Tag vertröstet worden. Manchmal springe auch ein Rettungswagen für den Krankentransportwagen ein, wenn dieser unterwegs ist. Allerdings fehle dieser Rettungswagen dann wieder bei nachfolgenden Einsätzen. Zudem koste ein Rettungswagen rund 400 Euro pro Einsatz. Ein Krankenwagen sei mit rund 50 Euro da schon deutlich günstiger. „Wenn man die ganzen Einsätze betrachtet, bräuchte man die doppelte Anzahl an Fahrzeugen“, so der Rettungsdienstler.
Vorgaben des Bereichsausschusses
Bernd Thierer, Kreisgeschäftsführer des DRK, verwies auf GSCHWÄTZ-Nachfrage zur Anzahl der zur Verfügung stehenden Rettungsfahrzeuge und ob diese ausreichend seien, auf den Bereichsausschusses für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis: „Die Anzahl und der zeitliche Umfang der im Hohenlohekreis vorzuhaltenden Rettungsmittel werden vom Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis festgelegt (…). Es ist festzuhalten, dass das DRK als Leistungserbringer in der Notfallrettung die Vorgaben des Bereichsausschusses umzusetzen hat. Eine Einschätzung zur Angemessenheit des Umfangs obliegt uns nicht.“ 
Jeder zehnte Rettungsdienst ist zu spät
Mit der Schließung des Krankenhauses Künzelsau sei das DRK „unter Zugzwang“. Nun hätten die Rettungsdienstler noch längere Wege zum nächsten Krankenhaus zu fahren und seien dadurch wiederum länger bei den Einsätzen gebunden. Insbesondere bei Fahrten nach Dörzbach oder Mulfingen seien die Einsatzkräfte lange unterwegs, moniert indes der Rettungsdienstler. Die gesetzlich vorgeschriebene Hilfsfrist, also wie lange ein Rettungswagen zum Unfallort brauchen darf, ist mit 10 bis 12 Minuten festgelegt, in Ausnahmefällen dürfe er auch 15 Minuten brauchen. Aber nicht selten halte der DRK diese Fristen nicht ein, so der Rettungsdienstler. Thierer verweist  auf das Rettungsdienstgesetz des Landes Baden-Württemberg. Darin heißt es: „Die Hilfsfrist soll aus notfallmedizinischen Gründen möglichst nicht mehr als 10, höchstens 15 Minuten betragen.“ Der Rettungsdienstplan Baden-Württemberg konkretisiere diese Vorgabe wie folgt: „Die Hilfsfrist ist eine Planungsgröße. Sie ist erfüllt, wenn sie in 95 Prozent aller Einsätze im Vorjahreszeitraum im gesamten Rettungsdienstbereich eingehalten wird.“ Für 2018 sei die Hilfsfrist im Bereich der nichtnotärztlichen Rettungsmittel bei 91,6 Prozent und bei den notarztbesetzten Rettungsmitteln bei 87,4 Prozent im Hohenlohekreis. Die Zahlen klingen gut und doch war damit rund jeder zehnte Rettungsdienst zu spät am Ort des Geschehens – zumindest wenn man die vorgegebene Hilfsfrist als Messlatte nimmt.
Keine Aufstockung des Personals
Als 2017 bekannt wurde, unter welchem personellen Engpässen der DRK Hohenlohe leidet (wir berichteten), wurde postuliert, dass der Rettungsdienst im Zuge der Krankenhausschließung in Künzelsau gestärkt werden solle. Auch jetzt wurden derartige Forderungen in der Kreistagssitzungen im November 2019 wieder laut.
Personell erfolgte seitdem jedoch keine Aufstockung, wie Thierer auf GSCHWÄTZ-Nachfrage erklärt und dabei ebenfalls auf den Bereichsausschuss verweist, der dafür zuständig sei: „Die Personalvorhaltung im Bereich der Notfallrettung (Anzahl und Qualifikation der Mitarbeiter) richtet sich ausschließlich nach der vom Bereichsausschuss beschlossenen Vorhaltung der Rettungsmittel im Hohenlohekreis.“ Weiter sagt Thierer: „Es erfolgt seit 2017 keine Ausweitung der Rettungsmittel im Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis, für eine Aufstockung des Personals bestand daher kein Anlass.“ Zur Besetzung der Rettungsmittel in der Notfallrettung werden derzeit laut dem DRK-Kreisgeschäftsführer zirka 80 Mitarbeiter beim DRK beschäftigt. Der Rettungsdienstler bemängelt: „Man versucht zu sparen, wo es nur geht.“
Zwar habe es keine Aufstockung gegeben, aber, so Thierer, „die Ausstattung sämtlicher bei uns eingesetzter Rettungsmittel der Notfallrettung entsprechen den Vorgaben der DIN EN für Rettungswagen und Notarzteinsatzfahrzeuge und befindet sich auf dem aktuellen Stand der Technik.  Eine regelmäßige Neubeschaffung erfolgt kontinuierlich im Rahmen der mit den Kostenträgern verhandelten Nutzungszeiträume.
Mangelhafte Notfallversorung
In seiner Sitzung am 04. November 2019 in Zweiflingen hat der Kreistag die Aufwertung der Rettungsdienstfahrzeuge mit „Telemedizin“ zugesichert. Dies bedeute eine gewisse Entlastung, sagt der Rettungsdienstler, weil etwa die EKG-Daten direkt in die Tablets eingelesen und an das betreffende Krankenhaus versendet werden können. Diese „digitale Dokumentation“ sei allerdings von Funklöchern abhängig, die es hierzulande zahlreiche gäbe. Selbst der Funkempfang sei teilweise so schlecht, dass der Rettungsdienst auf dem Feuerwehrkanal funke. „Das ist katastrophal“, sagt der Rettungsdienstler und zieht ein erschreckendes Fazit: Es herrsche eine mangelhafte Notfallversorgung im Hohenlohekreis.
Neue Rettungswache in Kirchensall
Nur wenige Tage nachdem GSCHWÄTZ eine Presseanfrage an das DRK bezüglich der vermeintlich mangelhaften Notfallversorgung gestellt hat, geht eine Pressemitteilung des DRK-Bereichsausschusses an alle lokalen Medien heraus. Der Bereichsausschuss verspricht darin: Der Rettungsdienst im Hohenlohekreis soll gestärkt werden.
So habe der Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis einstimmig die Errichtung eines dezentralen zusätzlichen Standortes einer neuen Rettungswache in Kirchensall (Gemeinde Neuenstein) beschlossen. Diese werde mit einem Notarzteinsatzfahrzeug (NEF) im 12-Stunden-Tagbetrieb an 365 Tagen und mit einem Rettungswagen (RTW) im 24-Stunden-Dienstbetrieb an 365 Tagen ausgestattet werden. Eine Ausweitung der Vorhaltezeiten in der Zukunft sei möglich. Wann die Rettungswache kommen soll, steht nicht in der Pressemitteilung.
„Bessere Versorgung von Neuenstein, Kupferzell und Waldenburg“
Durch die Einrichtung der zusätzlichen Wache werden laut der Pressemitteilung insbesondere die Bereiche Neuenstein, Kupferzell und Waldenburg sowie der Gewerbepark Hohenlohe besser versorgt werden, was zu einer großen Entlastung der anderen Rettungsmittel in Künzelsau und Öhringen führe. Damit würden auch die Rettungsmittel in Künzelsau und Öhringen entlastet. Nach erfolgreicher Etablierung der Rettungswache in Kirchensall werden in einem weiteren Schritt die Vorhaltezeiten der Rettungswache Öhringen angepasst. „Wir arbeiten weiter daran, die Notfallversorgung im Hohenlohekreis zu optimieren. Die ersten Maßnahmen sollen vor allem dazu führen, dass die Hilfsfristen im ganzen Hohenlohekreis besser eingehalten werden“, erklärt Jürgen Heckmann (AOK), Vorsitzender des Bereichsausschusses für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis.
„Zusätzlicher Standort trägt zur Verbesserung der Hilfsfrist bei“
Der zusätzliche Standort ist eine erste Maßnahme aus einem Gutachten zur Organisation des Rettungsdienstes im Hohenlohekreis, das dem Bereichsausschuss am 21. November 2019 vorgestellt wurde. In diesem hat der Gutachter verschiedene Optionen und zusätzliche Standorte für NEF und RTW simuliert und ausgewertet. Ein zusätzlicher Standort in Kirchensall – so das Ergebnis – trägt zur Verbesserung der Hilfsfrist bei, da von ihm aus viele Einsatzschwerpunkte im Hohenlohekreis schnell erreicht werden können. Damit ist der Standort Kirchensall allen anderen geprüften Standorten überlegen.
Kein Mehrbedarf an Rettungsmitteln im Raum Künzelsau
„Nach der Umsetzung werden wir kontinuierlich die Auswirkungen betrachten, um dann eventuelle weitere Maßnahmen in Betracht zu ziehen“, erklärt Heckmann weiter. Das Gutachten habe deutlich dargelegt, dass es durch die Schließung des Klinikstandortes Künzelsau keinen Mehrbedarf an Rettungsmitteln im Raum Künzelsau gibt. „Dennoch werden wir nach Evaluierung des Standorts Kirchensall auch die Einrichtung eines weiteren zusätzlichen Standortes im Nordosten des Hohenlohekreises, etwa in Stachenhausen, prüfen, um die Flächenversorgung noch weiter zu verbessern.“
Gutachten zur Organisation des Rettungsdienstes im Hohenlohekreis
Der Bereichsausschuss für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis hat Anfang dieses Jahres ein Gutachten zur Organisation des Rettungsdienstes in Auftrag gegeben.
Ziel des Gutachtens war es, das rettungsdienstliche Leistungsgeschehen für den Rettungsdienstbereich Hohenlohekreis zu untersuchen. Dabei stand vor allem die Optimierung in Bezug auf die Verbesserung der Hilfsfrist im Vordergrund. In der vergangenen Sitzung des Bereichsausschusses am 21. November 2019 wurde das Gutachten dem Gremium vorgestellt.

Bereichsausschuss
In jedem Rettungsdienstbereich wird ein Bereichsausschuss für den Rettungsdienst gebildet. Mitglieder sind Vertreter der Leistungsträger, Kostenträger, Landkreise, Feuerwehr sowie ein Leitender Notarzt des Rettungsdienstbereiches, ein Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung sowie Vertreter der Krankenhäuser.
Dem Bereichsausschuss obliegt die Beobachtung und Beratung der Angelegenheiten des Rettungsdienstes im Rettungsdienstbereich sowie deren Regelung mit Ausnahme der Luftrettung. Dazu gehört unter anderem die Festlegung von Vermittlungsentgelten für die Integrierte Leitstelle, die planerische Sicherstellung der notärztlichen Versorgung einschließlich der Gewinnung von Ärzten und die Bestimmung des Organisatorischen Leiters Rettungsdienst.
Quelle: Pressemitteilung des Bereichsausschusses
Notfallversorgung in Künzelsau   
Eine wichtige Anlaufstelle in Künzelsau ist das neue Gesundheitszentrum in den Räumen des ehemaligen Krankenhauses Künzelsau. Außerhalb der Praxiszeiten leisten dort der ärztliche Präsenzdienst (Notarzt im Sitzdienst) sowie die Bereitschaftspraxis der Kassenärztlichen Vereinigung ärztliche Hilfe.
Die Erreichbarkeit des ärztlichen Sitzdienstes, der sich im Zwischenbau des ersten Obergeschosses befindet, ist wie folgt: Montag, Dienstag und Donnerstag von 18 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag sowie Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonntag und feiertags von 14 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag.
Die Erreichbarkeit der Kassenärztlichen Bereitschaftspraxis, die sich im Erdgeschoss befindet, ist wie folgt: Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 8 Uhr bis 14 Uhr.
Quelle: Künzelsauer Nachrichten und Flyer der BBT-Gruppe
https://www.gschwaetz.de/2019/12/04/erinnert-ein-wenig-an-zimbabwe-zu-besuch-beim-neuen-notarzt-im-krankenhaus-kuenzelsau/
https://www.gschwaetz.de/2019/11/16/wenn-dann-muss-es-was-gscheits-sei-und-koin-halbgorener-scheiss/
 



Stuttgart: Regierung fördert Ökolandbau

Die Bevölkerung wünsche sich regionale und umweltschonend erzeugte Lebensmittel, schreibt das Landratsamt des Hohenlohekreises in einer Pressemitteilung. Um dieser Forderung nachzukommen, bietet die Landesregierung das Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT) an. Für die Teilnahme 2020 müssen die Landwirte bis zum Montag, den 16. Dezember 2019 einen gültigen Vorantrag stellen. Ziel von FAKT ist, den Landwirten einen finanziellen Ausgleich zu schaffen, um nachhaltig und besonders umweltgerecht zu produzieren und die Kulturlandschaft zu erhalten. So gibt es beispielsweise eine Förderung für Streuobstbäume, den ökologischen Landbau und für den Verzicht von Pflanzenschutzmittel. Weitere 37 Maßnahmen können die Landwirte nach dem Baukastenprinzip individuell zusammenstellen.

Finanzieller Anreis für Mehraufwand

Im Hohenlohekreis wurden im Jahr 2018 mehr als 700 FAKT-Anträge gestellt. Somit hat jeder zweite Landwirt im Kreis an dem Programm teilgenommen. Dafür wurden 2018 insgesamt drei Millionen Euro aus dem EU-, Bundes- und Landeshaushalt bereitgestellt. Ein Landwirt aus Waldenburg fasst es so zusammen: „Wir Menschen wollen doch Klimaschutz und den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Diese Arbeit zu tun, ist eine öffentliche Leistung. Und dafür stellt der Staat öffentliche Mittel zur Verfügung. Wir Landwirte freuen uns, dass wir einen finanziellen Anreiz für unseren Mehraufwand bekommen.“

Über 600.000 Euro für den Hohenlohekreis

Die höchste Förderung erhalten die Landwirte bei den Maßnahmen zum ökologischen Landbau. Die zweijährige Umstellungsphase von konventionellem auf ökologischen Landbau wird mit 350 Euro pro Hektar unterstützt. Dabei liegt die durchschnittliche Betriebsgröße bei 46 Hektar. Nach Abschluss der Umstellung erhält der Landwirt noch 230 Euro pro. Im Jahr 2018 flossen durch diese Ökologisierung mehr als 600.000 Euro in den Hohenlohekreis. Bei der FAKT-Maßnahme zum Erhalt der Streuobstbestände gab es letztes Jahr 460 Antragsteller, mehr als bei allen anderen Maßnahmen. Pro Streuobstbaum erhält der Landwirt 2,50 Euro. Dafür müssen allerdings auch einige Voraussetzungen erfüllt sein: 1,40 Meter Stammhöhe, eine ausgebildete Krone und keine synthetische Düngung des Grünlands unter dem Baumbestand. Die Streuobstwiesen prägen das Landschaftsbild rund um die Dörfer und stellen gleichzeitig Lebensräume für Pflanzen und Tiere dar.

Programm wird weiterentwickelt

Die aktuelle Förderperiode läuft noch bis 2020. Danach steht die nächste Agrarreform an. Die Experten gehen davon aus, dass das FAKT-Programm weiterentwickelt wird und damit die Förderung für Extensivierung bestehen bleibt. Die Landwirte, die FAKT beantragen, verpflichten sich die Maßnahme fünf Jahre lang durchzuführen. Nähere Auskünfte sind beim Landratsamt Hohenlohekreis, Landwirtschaftsamt, unter der Telefonnummer 07940/18 601 erhältlich.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamts Hohenlohekreis

 

 




Hohenlohe: Müllgebühren steigen ab Januar um über 16 Prozent

Die Müllgebühren für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt im Hohenlohekreis werden laut einer Pressemitteilung der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis im nächsten Jahr um 16,6 Prozent auf 216,60 Euro ansteigen. Bisher waren es 185,70 Euro. Der Betrag beinhaltet zusätzliche Leistungen wie unter anderem die kostenlose Abholung von 2 m³ Sperrmüll einmal jährlich, die Sammlung von Altpapier über die Grüne Tonne ab Haus sowie die Nutzung der Recyclinghöfe und Grüngutplätze. Die Abfallgebühren im Hohenlohekreis sind aber laut Abfallwirtschaft weiterhin sehr moderat und liegen auch 2019 im landesweiten Durchschnitt

Gründe: Fehlkalkulierungen der vergangenen Jahre und Deponieschließung

Bis 2016 hat die Abfallwirtschaft des Hohenlohekreises zu geringe Gebühren erhoben, die die Ausgaben des Betriebs nicht deckten. Insgesamt entstand so zwischen 2011 und 2016 ein Fehlbetrag von rund drei Millionen Euro. Davon wurden über 700.000 Euro bereits ausgeglichen. Die noch fehlenden 2,3 Millionen Euro sollen deshalb mit den Gebührenerhöhungen ab 2020 beseitigt werden. Ebenso sollen Rückstellungen für die gestiegenen Kosten bei der Stilllegung der ehemaligen Kreismülldeponie Stäffelesrain gebildet werden. Hier liegen die realen Kosten laut Abfallwirtschaft bei über 20 Millionen Euro. Bisher waren dafür aber nur rund 7,5 Millionen Euro an Rückstellungen eingeplant.

 

Quelle: Pressemitteilung der Abfallwirtschaft Hohenlohekreis

 

 




Öhringen sticht Künzelsau: „Der direkte Draht nach Stuttgart“

,25 Jahre ist es her, dass Öhringen durch den damaligen Ministerpräsident Erwin Teufel zur Großen Kreisstadt ernannt wurde‘ heißt es auf der Internetseite der Stadt Öhringen. So feierten die Öhringer im Rahmen eines Sommerfestivals am 31. Juli 2019 ihr 25-jähriges Jubiläum.

In den letzten 25 Jahren ging es voran. „Egal ob Westtangente, Limespark, Stadtbahn oder Landesgartenschau, schon diese Meilensteine zeigen beispielhaft, wie dynamisch sich Öhringen in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten entwickelt hat“, so Thilo Michler, Oberbürgermeister der Großen Kreisstadt Öhringen.

Erweiterter Zuständigkeitsbereich für Öhringen

Nachdem Öhringen 1993 die Einwohnerschwelle von 20.000 Einwohnern überschritten hatte, beschloss der Gemeinderat am 18. Januar 1994 einen Antrag gegenüber der Landesregierung zu stellen, um zur Großen Kreisstadt ernannt zu werden, erklärt Leona Weber, die in Öhringen für das Stadtmanagement und die Wirtschaftsförderung zuständig ist. Aber was ist eigentlich der Unterschied zwischen einer Kreisstadt und einer Großen Kreisstadt, abgesehen von der Einwohnerzahl? Weber verdeutlicht: „Eine Kreisstadt ist einem Landkreis zugeordnet. Sie teilt sich kommunale Aufgaben mit dem Landratsamt des jeweiligen Landkreises.

Große Kreisstädte haben dann weitere Zuständigkeiten als so genannte untere Verwaltungsbehörde. Eine Große Kreisstadt wird zudem von einem
Oberbürgermeister geleitet, der nicht mehr der Rechtsaufsicht des Landkreises untersteht, sondern dem Regierungspräsidenten des übergeordneten
Regierungsbezirks, also Stuttgart, Rechenschaft ablegen muss. Eine Große Kreisstadt ist beispielsweise Denkmalschutzbehörde, sie führt ein Ausländeramt, eine Wohngeldstelle, ebenso ein Rechnungsprüfungsamt.“

Keine Konkurrenz zwischen Öhringen und Künzelsau

Im Alltag hieße das vor allem Bürgernähe. Zudem könne Öhringen als Große Kreisstadt den direkten „Draht“ nach Stuttgart ins Regierungspräsidium im Verwaltungsalltag nutzen, um Unterstützung oder Antworten bei Verwaltungsfragen von oberer Stelle zu erhalten. „Gerade für die Durchführung
der Landesgartenschau 2016 war der direkte Austausch mit den Referaten und Abteilungen im Regierungspräsidium Stuttgart enorm wichtig und sehr
fruchtbar, um das Großprojekt zeitlich und finanziell optimal durchführen zu können“, so Weber. Die gesamte Region und auch der Landkreis profitiere davon, wenn vor Ort eine Große Kreisstadt mit ihrem Oberbürgermeister ihr gewisses „Gewicht“ in verschiedenste Anträge und Vorhaben legen könne, schildert Weber.

Zwischen Öhringen und Künzelsau bestünde auch keine Konkurrenz, sondern vielmehr arbeiten die beiden Mittelzentren in vielen Bereichen eng
zusammen, um den Hohenlohekreis und die Region gemeinsam weiter voranzubringen. Dabei sei es, laut Weber, bei Anfragen in der Landeshauptstadt sicher kein Nachteil, wenn auch eine Große Kreisstadt und ein Oberbürgermeister gewisse Anfragen stellt und sich für die Region einsetzt.

 

Mit einem großen Fest im Hofgarten feierten die Öhringer ihre Große Kreisstadt. Foto: Stadtverwaltung Öhringen

 

 




Neth und seine Ritter der Tafelrunde

Ein Kommentar von Matthias Lauterer zum Interview mit Landrat Neth bei SWR 4 am 23. Mai 2019
Der SWR hat „unseren“ Landrat Matthias Neth interviewt. Ausgerechnet am 70. Geburtstag des Grundgesetzes, dem wichtigsten Buch unseres Staates, das unsere persönlichen Freiheiten (und auch die Pflichten) definiert.
Und Neth hat diese Gelegenheit wahrgenommen, hat den Ball, den ihm der SRW auf den Punkt gelegt hat, grandios verwandelt: Er fordert die Bürger auf, am Sonntag ausgerechnet ihre Bürgermeister bevorzugt in den Kreistag zu wählen.

Luftschloss von Gesundheitszentrum

Matthias Lauterer verfolgt in seinem Blog kritisch das Künzelsauer Geschehen. Foto: Lauterer

Das muß man sich mal vorstellen: Dieser Landrat will genau die Leute um sich scharen, die von ihm in besonderem Maße abhängig sind, kann er doch durch Entscheidungen von Landratsamtsbediensteten Entwicklungen der jeweiligen Gemeinden gezielt hemmen oder fördern … da wäre ein Schuft, wer Böses dabei denkt.
Dieselben Entscheidungsträger sollen gleich zwei demokratische Hierarchiebenen bevölkern und damit sich selber beaufsichtigen.

Das ist wie an der Tafelrunde: Der Feudalherr umgibt sich mit seinen Rittern und abhängigen Lehensherren … die Kontrollfunktion des Kreistages (ja, Herr Neth, so ein Kreistag soll nicht abnicken, der soll kontrollieren) ist somit ad absurdum geführt.

Warme Worte fürs Volk

Ach, bevor ichs vergesse: ganz nebenbei hat Neth das tolle Gesundheitszentrum in Künzelsau erwähnt. Also kein „Gesundheitscampus“ mehr und auch kein „Medinisches Versorgungszentrum“ mehr sondern ein „Gesundheitszentrum“ – ganz egal, wie es heißt: Kein Mensch wurde bisher informiert, was das sein soll – Förderung der virtuellen Medizin steht zwar im Koalitionsvertrag der Grün-Schwarzen Landesregierung … aber bisher habe ich mir darunter etwas anderes vorgestellt, sowas mit HighTech und Internet, bestimmt nicht ein virtuelles Luftschloß von Gesundheitszentrum.

Wieder mal zeigt sich, daß Neth gerne mit dem Rundfunk, aber so gut wie gar nicht mit dem Bürger – nur zur Erinnerung an Art 20 GG:  Das Volk ist in unserem Staat der Souverän, nicht der Rundfunk und auch nicht ein Landrat – redet (außer natürlich die Junge Union macht mal wieder einen Bierabend und er ist der Hauptgast, diese Art von Bürgern mag er letztendlich ganz gerne).

Große Worte, keine Inhalte und die Bürger der Kreisstadt Künzelsau werden weiter zuverlässig mit warmer Luft versorgt – im alten Rom gab es wenigstens Brot und Spiele, das ist aber heutzutage (Ausnahmen bestätigen die Regel, wenn zum Beispiel ein leibhaftiger Bundesminister anreist) auch wieder nur ein Zuschußgeschäft … aber Hauptsache, auch der Künzelsauer Bürgermeister Neumann kommt in den Kreistag und hebt an der richtigen Stelle die Hand … so ist es im Sinne des Landrats.

Es ist alles so hoffnungslos ….

Mit untertänigsten Grüßen

Ihr Matthias Lauterer

https://matthiasausk.blogspot.com/2019/05/untertanigste-wahlkampfsplitter-14.html