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Ingelfingen: Leben im Treibhaus

Die Stadtverwaltung und der Gemeinderat Ingelfingen laden am Sonntag, den 26. Januar 2020, um 11 Uhr zum Bürgerempfang. Ehrengast in der Stadthalle ist die Moderatorin Claudia Kleinert, die vielen Fernsehzuschauern täglich das Wetter erklärt. Sie hält einen praxisnahen Vortag zum Thema „Klimawandel? – Leben im Treibhaus“.

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgt die Stadtkapelle Ingelfingen. Beim anschließenden Stehempfang gibt es die Gelegenheit für Gespräche und zum Informationsaustausch bei einem Gläschen Wein.

Quelle: Amtsbote der Stadt Ingelfingen

 




TSV Ingelfingen gestaltet neues Faschingsplakat – Stadt gibt dieses nun frei zur Veröffentlichung

Nachdem die Stadtverwaltung Ingelfingen sowohl den Abdruck als auch den Aushang des Plakats zur Prunksitzung in Ingelfingen untersagt hat (siehe Artikel unten), änderte der Veranstalter, der TSV Ingelfingen, nun das Plakat ab. Die Stadtverwaltung störte sich wohl an dem Titel: „Manege frei. So ein Zirkus in Ingelfingen.“ Auf den neu gestalteten Plakaten heißt es nun: „Manage frei. Unter dem Zirkuszelt.“ Des Weiteren ist auf dem neuen Plakat nun auch nicht mehr das Schloss / Rathaus Ingelfingens abgebildet. Im aktuellen Amtsboten hat die Stadtverwaltung nun erstmals das diesjährige Prunksitzungs-Plakat des TSV abgebildet, um auf die Veranstaltung am 08. Februar 2020 hinzuweisen. Karten gibt es bei Presse Turber.

 

 




Ingelfingen: Diebe im Autohaus

Einbrecher machten sich am vergangenen Wochenende in einem Autohaus in Ingelfingen ans Werk. Die unbekannten Täter drangen durch ein Fenster ins Gebäude ein und verschafften sich durch das gewaltsame Aufhebeln von Türen Zutritt bis zum Tresorraum. Mit einem vor Ort gefundenen Schweißgerät öffneten sie den Tresor. Bei zwei weiteren Tresoren scheiterten die Täter jedoch und zogen mit dem erbeuteten Bargeld wieder ab.

Der Tatzeitpunkt liegt zwischen Samstag, den 14. Dezember 2019, 12.30 Uhr und Montag, den 16. Dezember 2019 um 6.30 Uhr. Wer im genannten Bereich verdächtige Wahrnehmungen gemacht hat, soll sich bitte beim Polizeirevier Künzelsau unter Telefon 07940/94 00 melden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn vom 17.12.2019




Christkind hat Helfer in Ingelfingen

Alle Kinder freuen sich über Geschenke. Doch weil nicht jedes Kind etwas zu Weihnachten bekommt, gibt es die Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“ der gemeinnützigen Organisation Samaritan’s Purse e.V. in Berlin. Auch Familie Heim aus Ingelfingen engagiert sich seit vier Jahren: Bei ihnen können Spender weihnachtlich dekorierte Schuhkartons samt Inhalt abgeben. Leute, die keine Zeit zum Päckchen packen haben, können auch Geld spenden. „Dieses Jahr wurden 83 Päckchen und 471 Euro bei uns abgegeben“, freut sich Ilse Heim. „Das ist doch ein schönes Ergebnis in Ingelfingen.“ Es kommen aber nicht nur Spenden aus Ingelfingen, sondern auch aus der Umgebung. „Bei vielen Spendern helfen außerdem die Kinder beim Einpacken und Gestalten der Kartons und bringen dann die Päckchen mit Mama oder Papa und strahlenden Augen zu uns“, beschreibt Ilse Heim einen weiteren Aspekt dieser Weihnachtsgeschichte.

Die Kartons gehen nach Osteuropa und Zentralasien

Die Kartons und das Geld bringen die Heims dann mit ihrem Auto nach Westernach zur großen Sammelstelle. Von dort aus geht es per Lkw nach Berlin, wo wiederum zahlreiche Ehrenamtliche den Inhalt kontrollieren – unter anderem wegen den Zollbestimmungen. Deshalb sollen die Kartons nur mit einem Band oder Gummi verschlossen und nicht zugeklebt sein. Noch vor Weihnachten werden die Geschenke nach Osteuropa und Zentralasien gebracht und dort an bedürftige Kinder verteilt. Mit den Geldspenden werden die Transportkosten bezahlt sowie Päckchen ergänzt, in denen noch etwas fehlt.

Christkind beantwortet Weihnachtspost

„In Ingelfingen werden schon lange Päckchen für die Aktion gesammelt“, sagt Ilse Heim. Als die Familie, die das vor ihnen machte, aufhörte, übernahmen sie und ihr Mann. „Mit der Aktion machen wir das, was wir können“, sagt sie bescheiden. „Außerdem haben wir einfach Platz.“ Familie Heim hat ein Zertifikat erhalten, damit sie Spendenquittungen ausstellen darf und die Spender wissen, dass alles seine Ordnung hat. Die evangelische Kirchengemeinde begleitet die Aktion und kümmert sich beispielsweise um die Veröffentlichung des Spendenaufrufs im Amtsboten. Ilse Heim und ihr Mann sind überzeugt von der Sache, schließlich „kommt das Kinder zugute, die es brauchen“. Deshalb wollen sie auch im nächsten Jahr wieder bei der Aktion mitmachen.

Süßigkeiten, Schulmaterialien und Spielzeug können in die Päckchen

In Hohenlohe beteiligen sich auch viele Schulen an der Aktion und werben bei den Eltern ihrer Schüler dafür. Damit diese dann wissen, was sie in die Kartons packen können, macht Samaritan’s Purse e.V. Vorschläge. So kann man neben Süßigkeiten und Schulmaterialien auch Kleidung, Spielzeug oder Hygieneartikel in die Päckchen legen. Sehr beliebt bei den Kindern sind sogenannte „Wow-Geschenke“ wie Fußball mit Pumpe, Puppen, Musikinstrumente oder Tischtennisschläger. Zusätzlich kann auf dem Karton ein Etikett angebracht werden, auf dem steht, ob das Geschenk für einen Jungen oder ein Mädchen gedacht ist und welches Alter das Kind haben sollte.

Übrigens: Ab dem 1. Advent ist im bayrischen Himmelstadt wieder die Weihnachtspostfiliale des Christkinds geöffnet. Damit die Briefe rechtzeitig zum Fest beantwortet werden können, müssen sie bis spätestens zehn Tage vor Heiligabend eingegangen sein. Die Adresse des Christkinds ist: An das Christkind, 97267 Himmelstadt.

Auch viele Schulen in Hohenlohe beteiligten sich an der Aktion „Weihnachten im Schuhkarton“. Foto: GSCHWÄTZ

 

In den Karton kann man die unterschiedlichsten Dinge wie Spielzeug, Süßigkeiten oder Schulmaterialien packen. Foto: GSCHWÄTZ

 

Die Organisation Samaritan’s Purse e.V. macht auch Vorschläge für die Geschenke. Foto: GSCHWÄTZ

 




Heute 10 bis 21 Uhr Werkstatt am Schloss in Künzelsau: Tag der offenen Tür mit Sektempfang

Dörrenzimmern/Künzelsau: Kreative Events mit Christiane Bürkert und Ed’s Café

Christiane Bürkert von der Kreativwerkstatt in Ingelfingen-Dörrenzimmern lädt im November zu zwei Events ein: Am Samstag, den 23. November 2019, dreht sich ab 17 Uhr in der Eberstaler Straße alles um Kunsthandwerk, Mode und Geschenke. Dazu gibt es Livemusik mit dem Trio Ed’s Café sowie Essen und Trinken. Zusätzlich gibt es noch einen Workshop, in dem man Makramee-Armbänder gestalten kann. Am Dienstag, den 26. November 2019, gibt es ab 19 Uhr einen Workshop zum Thema Adventskranzbasteln.

Beim Adventskranzbasteln ist eine Anmeldung erforderlich 0151/1678 9807 oder über christiane.buerkert@me.com

Bereits am Freitag, den 08. November 2019, gibt es in der Werkstatt am Schloss in Künzelsau ein Werkstatt-Event mit offener Werkstatt und Sektausschank von 10 bis 21 Uhr.

Die Hohenloher Band Ed’s Café kommt im November in die Werkstatt am Schloss. Foto: Ed’s Café




Mann schlägt mit Besen zu

Bewohner der Mariannenstraße in Ingelfingen konnten am Samstag, den 31. August 2019, um circa 20.45 Uhr einen 58-jährigen Mann dabei beobachten, wie dieser mit einem Besen bewaffnet auf einen anderen Mann losging. Der 58-Jährige hatte zuvor aus bislang unbekannten Gründen ein Glas beziehungsweise eine Flasche aus seiner Wohnung auf die Straße geworfen. Kurze Zeit später ging er mit einem Besen raus um die Scherben zu entfernen. In dieser Zeit kam ein Bekannter mit dem Auto vorbei gefahren und fragte ob alles in Ordnung sei. Anstatt auf die Frage zu antworten schlug der 58-Jährige mit seinem Besen mehrmals auf das Auto ein. Der Fahrer gab Gas und parkte seinen PKW wenige Meter weiter. Der Mann mit dem Besen lief hinterher und schlug erneut mit dem Besen zu. Der Autofahrer konnte davon rennen und verständigte die Polizei. Der Mann muss nun mit einer Anzeige rechnen.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Mit der Axt im Ingelfinger Netto

Am Freitag, den 23. August 2019, wurde um die Mittagszeit ein Mann mit einer Axt in Ingelfingen gesichtet. Polizeibeamte rückten aus und fanden besagten Mann im Netto in Ingelfingen an der Kasse, der mit seiner Axt einkaufen ging. Gerald Olma, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, teilte auf GSCHWÄTZ Nachfrage mit, dass die Axt mit einem Gummiüberzug gesichert war und der Mann sie mit einem Schnürsenkel befestigt an seiner rechten Körperhälfte trug. „Der Mann war psychisch krank. Die Beamten übergaben ihn einem Arzt. Er war ganz lieb, leistete keinen Widerstand und griff die Beamten nicht an“, so Olma weiter.

 




Imageschaden für Ingelfingen

Ein Kommentar zum Rauswurf der Kochertaler Schwimmschule aus dem Ingelfinger Hallenbad (wir berichteten) von Dr. Sandra Hartmann. 




„Glauben sie nicht jedem Gschwätz“

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer predigt in der Kirche in Dörrenzimmern

„Heute hier vorne zu stehen und zu predigen, ist eine Herausforderung für mich“, sagte Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer. Ein ungewohntes Bild präsentierte sich den Gottesdienstbesuchern am Sonntag, den 07. Juli 2019. Der Rathauschef predigte zusammen mit Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken in der Kilianskirche in Dörrenzimmern. Eingeladen hatte Focken. Bauer suchte das Thema aus: „Ehrliches Miteinander“.
Die Kirchenreihen waren an einem Sonntagmorgen ungewöhnlich voll. Besonders „bibelfest“ sei er nicht, gab Bauer gleich zu Beginn ganz ehrlich zu. Aber dank einer befreundeten Religionslehrerin habe er eine passende Bibelstelle gefunden, in welcher es unter anderem heiße: „Rede der eine mit dem anderen Wahrheit.“

Gut gefüllt waren die Kirchenbänke an diesem Sonntagmorgen. Bürgermeister Bauer selbst wollte nicht von der Redaktion des Magazins GSCHWÄTZ fotografiert werden und verzichtete auch auf ein Gespräch im Anschluss. Foto // GSCHWÄTZ Foto: GSCHWÄTZ

Bauer fordert, „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umzugehen“

Die Menschen sollen „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umgehen“, forderte Bauer. Dies sei auch sein „Wegbegleiter und seine Richtschnur“. Man müsse seine Meinung offen äußern, auch wenn „geäußerte Wahrheiten nicht immer gefallen“.

Leider „schwindet das ehrliche Miteinander immer mehr“, bedauert Bauer. „Manche biegen sich auch ihre eigene Wahrheit zurecht. Vielleicht liegt es auch an den modernen digitalen Medien, wo Halbwahrheiten verbreitet werden. Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten. Glauben Sie nicht jedem Gschwätz“, forderte Bauer final auf.

„Zum Glück ist Ingelfingen nicht geprägt von Neid und Missgunst“

„Es gibt heutzutage fast keine Entscheidung mehr, die heute nicht lautstark kritisiert wird.“ Die richtigen Entscheidungen zu treffen, welche eine Kommune fit für die Zukunft machen, falle nicht immer leicht. „Deshalb werde ich weiter sagen, was ich denke und tun, was ich sage.“ Zum Glück seien Ingelfingen und seine Teilorte „nicht geprägt von Neid, Missgunst und Intoleranz.“ Bauer endet mit einem Verweis auf eine Studie, dass Ehrlichkeit zugleich einhergehe mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.

Dieses Stichwort griff Pfarrerin Focken in ihrer direkt am Anschluss folgenden Predigt auf: „Das ist ein starkes Zielbild. Ehrlichkeit bringt wirtschaftliche Vorteile. In Ehrlichkeit zu leben tut auch gut. Ich kann mich verlassen auf den anderen. Wenn ich weiß, dass jemand freundlich ist und hintenrum im Dorf schwätzt er etwas anderes, tut das nicht gut. Aber ich glaube, das hat es zu allen Zeiten gegeben.“
Focken fragte sich deshalb: „Warum sagen die Menschen die Wahrheit immer mal wieder nicht?“ Ihre Antwort: „Die Wahrheit muss man sich leisten können.“ Wenn die Angst da sei, zu kurz zu kommen, wenn man in seinem Leben gelernt habe, ohnmächtig zu sein, wenn man Sorge habe, nicht gut dazustehen und dumm dargestellt zu werden.

„Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten“

Die Liebe sei mit der Wahrheit eng verbunden: „Wenn ich zu allererst mich selbst liebe, kann ich wahr sein lassen, was sowieso wahr ist.“ Und man könne dann die Angst der anderen wahrnehmen, die Dünnhäutigkeit, ohne die Finger in die Wunde zu legen. Ich verzichte auf Bloßstellen des Anderen, weil ich merke, wie weh mir das selber tun würde.“ Focken verweist darauf, dass man manche Dinge auch ungewollt stärker macht, in dem man den Fokus darauf legt: „Demonstrationen gegen den Rechtsradikalismus taugen nichts, weil wir denen dadurch mehr Kraft geben.“

Neue Gottesdienstreihe

Am Sonntag, den 07. Juli 2019, 09.30 Uhr, predigten Bürgermeister Michael Bauer und Pfarrerin Sabine Focken gemeinsam in der Kirche in Ingelfingen-Dörrenzimmern. Das Thema lautete: „Ehrliches Miteinander“. Sabine Focken verweist darauf, dass derartige Gottesdienste künftig in loser Folge immer wieder im Kirchenjahr stattfinden sollen. Das Prinzip sei stets dasselbe, so Focken. „Jemand predigt mit mir zusammen, wählt das Thema, schreibt den ersten Teil und ich lege den zweiten Teil dazu.“
Am 29. September 2019 ist Jens Sprügel zu Gast in der Kirche Dörrenzimmern. Er hat das Thema „Werte“ gewählt.

Auch Frau Chef, Michael Bauers Frau, lauschte ihrem Mann während seiner Predigt. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kirchenreihen waren voll besetzt beim Gottesdienst mit dem Bürgermeister. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 




Wenn einem der Nachbar Angst macht

„Drei Beamte gelangen mit stark leuchtenden Taschenlampen über das Nachbargrundstück in den Garten und vor das Fenster des Mannes. Dieser brüllt weiter lautstark und läßt sich gar nicht stören. ,Ist mir doch egal‘, sagt er immer wieder, als die Polizeibeamten ihn darauf hinweisen, dass seine Nachbarn schlafen wollen und dass das Ruhestörung sei, was er hier betreibe. ,Hör jetzt endlich auf und sei ruhig‘, fahren ihn die Beamten an. ,Ich kann nicht aufhören, ich muss das tun‘, lautet seine Antwort und der Singsang geht weiter. ,Komm runter, wir wollen mit dir reden‘, versuchen es die Beamten noch einmal. ,Mach ich nicht‘, ist seine Antwort.

,Wenn du nicht runterkommst, kommen wir rauf.‘
,Ich komm nicht runter. Macht doch!‘
,Wenn du jetzt nicht endlich Ruhe gibst, nehmen wir dich mit in die Zelle!‘
,Mir doch egal.‘ Es folgen Beschimpfungen, die nicht neu für die Nachbarn sind. Unter anderem ,Motherfucker‘ schreit der Mann immer wieder.“

Was sich wie eine Polizeiparodie anhört, ist bittere Realität für die Anwohner eines Stadtviertels in Ingelfingen geworden. Es handelt sich hierbei um eine Schilderung einer Ingelfingerin. Es ist eine wahre Begebenheit, die sich im Mai 2019 in Ingelfingen – unweit der katholischen Kirche und der Firma Bürkert – zugetragen hat.

 

Anwohner in Ingelfingen klagen über nächtelange Lärmbelästigung. Foto: privat

Ist es ein boshafter Wahn oder werden wir hier alle gesegnet und beschützt?

 

Seit mehreren Monaten fällt ihr Nachbar J. durch massive Lärmbelästigung auf. Teilweise stundenlang stimmt er fremdartige Gesänge an und schreit Schimpfwörter aus seinem Fenster, so dass die Nachbarn nachts kaum schlafen können. Manchmal singt und brüllt er von 02.30 Uhr bis morgens um 7 Uhr, berichtet Anwohnerin Daniela Müller (alle Namen der Nachbarn in diesem Artikel wurden auf Wunsch geändert). Und fragt sich: „Warum wird der Mensch nicht heiser dabei?“ Auch tagsüber sei das permanente Geschrei nicht angenehm. Manchmal brülle er auf Englisch: „Ich sehe dich. Ich tue es für meinen Vater. Das Ende ist nahe.“

„Ich halte es für einen schweren religiösen Wahn“, schätzt Daniela die Situation ein. „Die Frage ist nur: Ist es ein boshafter Wahn oder werden wir hier alle gesegnet und beschützt?“, fragt Lara, eine weitere Nachbarin.

 

„Der hat ein Messer!“

 

Die Anwohner sind sich einig: J. ist vermutlich psychisch krank. Sie vermuten, sein Verhalten und seine Gesänge drücken aus, dass er hier irgendetwas Böses sieht und das will er bekämpfen, spekuliert Daniela, die einen gepflegten Garten hat, in ihrem Esszimmer steht eine Dürrenmatt-Lektüre. Menschen wie Müller sind es nicht gewohnt, in einem sozialen Brennpunkt zu leben.
Zu Beginn, als J. von Kupferzell nach Ingelfingen gezogen ist, sei J. lediglich drei- oder viermal im Jahr durch ungebührliches Verhalten aufgefallen. Die übrige Zeit sei er vermutlich gut mit Medikamenten eingestellt gewesen, schätzen die Nachbarn. Ab Mitte Februar 2019 sei er nun wieder deutlich auffälliger. Als er einmal mit einem Messer in der Hand in Nachbars Gärten unterwegs war, habe Nachbarin Belinda geschrien: „Der hat ein Messer!“ Bis die Polizei kam, sei er aber längst wieder bei sich in der Wohnung gewesen.

Die Nerven der Anwohner liegen mittlerweile blank – auch weil J. es nicht dabei belässt, die Gesänge aus seinem geöffneten Fenster seiner Wohnung in Ingelfingen anzustimmen und herumzubrüllen. J. geht auch tagsüber in die Gärten der Nachbarn, nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflasche und spuckt überall in den Gärten herum. Einmal haben ihn die Nachbarn dabei gefilmt, wie er vor seinem Haus in eine Flasche uriniert, einen Schluck daraus genommen und diesen ausgespuckt hat. Autos, die in der Nähe seiner Wohnung parken, bespuckt J. ebenfalls, so die Anwohner. „Verbale Drohungen finden auch statt“, berichtet Anwohnerin Daniela. Einmal habe er zu einer Nachbarin von Daniela Müller geschrien: „Du fehlst demnächst. Das sag‘ ich dir. Bald.“ Und: „Ich bring euch alle um. Scheiß Deutschland!“
Die Nachbarn haben ihn bei seinen irritierenden Aktionen gefilmt und fotografiert. GSCHWÄTZ liegen die Videos und Fotos vor. Als wir selbst mit J. sprechen wollen, sagt uns eine Polizeibeamter, dass wir das lieber lassen sollen. Man wisse nicht, wie J. reagieren würde.

So ein Küchenmesser habe J. in der Hand gehalten, berichten Nachbarn. Foto: privat

Wenn J. seine Medikamente nehmen würde, dann klappt es auch wieder mit dem Nachbarn.

 

Die Polizei Niedernhall hat schon des Öfteren ausrücken müssen und ermahnen J. zur Ruhe – mit mäßigem Erfolg, wie die Anwohner berichten. Auch einige Nächte in Gewahrsam hat sein Verhalten bereits zur Folge gehabt, ebenfalls ohne länger anhaltenden Erfolg.
Auch der Polizei sind die Hände bis zu einem gewissen Grad gebunden. Gerald Olma, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, erklärt gegenüber GSCHWÄTZ: „Die Person ist der Polizei bekannt. Es gab Einsätze. Er ist verhaltensauffällig. Aber zu einer körperlichen Gewalt ist es bislang nicht gekommen.“ Man sei in direktem Kontakt mit den Behörden, betont Olma. „Jeder Einsatz wird genauestens geprüft, was rechtlich möglich ist und was medizinisch angeregt werden kann.“ So würden alle Fälle an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden. Gutachter würden dann wiederum entscheiden, was zu tun sei. „Wenn eine Person sich oder andere gefährdet, können wir ihn zu einem Arzt fahren und in Gewahrsam nehmen.“ Aber, so Olma, J. habe laut seinem Wissen nur einmal ein Messer mitgeführt. Auch beim wiederholten Einschreiten der Polizei habe es nie Probleme geben. Eine zwangsweise Einweisung sei nur möglich, wenn etwas passiert ist. Man könne eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erstatten, aber man habe keine Rechtsgrundlage, den Mann dauerhaft wegzubringen.
Auch Anzeige haben die Anwohner schon erstattet. Bislang ohne Erfolg.
Die Anwohner sind sich sicher: Wenn J. seine Medikamente nehmen würde, dann klappt es auch wieder mit dem Nachbarn.

Schon diverse Dinge seien laut den Nachbarn unternommen worden, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Sie haben neben den Polizeieinsätzen die Stadt Ingelfingen um Hilfe gebeten. Auch das Landratsamt wisse Bescheid. Dieses weist psychisch auffälligen Menschen wenn nötig einen Betreuer zu. Doch auch Betreuer sind nicht rund um die Uhr da. In der Regel haben sie einen festen Stundensatz. Wer der Betreuer von J. ist, ist GSCHWÄTZ nicht bekannt. Das Landratsamt wollte sich zu dem Fall nicht äußern und verwies auf die Persönlichkeitsrechte von J..

 

„Meine Schwiegermutter geht nicht mehr in den Garten, sondern auf den Spielplatz.“

 

Das Problem: Die Anwohner sind verunsichert und wissen nicht: Wie gefährlich ist beziehungsweise kann J. werden?

Daniela Müller: „Keiner von uns traut sich mehr recht in den Garten oder eine Tür aufzulassen. Als ich an einem Sonntag mit meinem dreijährigen Enkel am Sandkasten war, ist er plötzlich auf meiner Stützmauer aufgetaucht und hat uns zu Tode erschreckt. Die Kinder in der Siedlung trauen sich nicht mehr alleine drei Häuser weiter zu den Großeltern.“ Nachbarin Belinda ergänzt: „Meine Schwiegermutter geht nicht mehr mit den Enkeln von meiner Schwägerin in den Garten, sondern auf den Spielplatz.“ Der Spielplatz ist weiter entfernt. In ihrem eigenen Garten hätten sie hingegen Angst, dass der Mann plötzlich auftauche mit seinem merkwürdigen Verhalten. Eine Jugendliche traue sich gar nicht mehr vor die Tür, nachdem sie von J. bedroht worden sei. Ansprechbar sei J. bei seinen Ausflügen nur sehr eingeschränkt. Er scheine dann in seiner eigenen Welt zu leben. Belinda berichtet bei einem persönlichen Vor-Ort-Gespräch mit GSCHWÄTZ, dass J. sich schon mal auf dem Pflaster vor ihrer Einfahrt gewälzt habe.

„Ich habe Angst. Er braucht Hilfe“, sagt Julia. Sie wohnt ebenfalls in der Nachbarschaft. „Ich fühle mich gerade nicht mehr so sicher und wohl. Ich möchte mein Grundstück wieder für mich haben. Aber ich möchte auch, dass man ihm hilft.“ Darüber sind sich alle einig.
Was also bleibt den Anwohnern übrig?

 

„Muss denn erst etwas passieren?“

 

Allmählich macht sich Frustration im betroffenen Stadtviertel breit. Und ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Sie fühlen sich nicht gehört von den betreffenden Behörden. „Irgendwie scheint sich keiner zuständig zu fühlen. Der Fall wird wie eine heiße Kartoffel herum geschoben“, so ist der Eindruck der Anwohner, erzählt Daniela. „Muss denn erst etwas passieren?“, fragen sie.

„Ich merke, wie unsere Nerven schwächer werden“, sagt Daniela und Belinda stimmt ihr zu: „Absolut. Man weiß nie, ob er nicht gleich vor einem steht. Ich habe Angst, das Haus zu verlassen. Wenn ich von meiner Arbeit nach Hause nach Ingelfingen fahre, rufe ich meinen Mann an, damit er zu Hause an der Garage auf mich wartet.“