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HK: Schaltzentrale in Künzelsau wird zugemacht

Nach unserer Berichterstattung über den verwaisten Empfang des seit 15. November 2019 geschlossenen Hohenloher Krankenhauses (HK) in Künzelsau und über das seitdem nicht selten frei zugängliche Bedienpult, an dem man unter anderem die Heizung und die Lüftung des Krankenhauses regeln kann (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2020/01/26/hk-toilette-beliebter-anlaufpunkt-fuer-jedermann/ ), ist die BBT-Gruppe als Mehrheitseigentümer nun aktiv geworden.

Leser haben uns darauf aufmerksam gemacht, dass die „Schaltzentrale“ nun eingerahmt und mit Platten zugemacht wird, damit nicht jeder das Bedienpult im Foyer nach Belieben steuern kann.

 

Empfang im Hohenloher Krankenhaus wird zugemacht. Foto: privat

Die Schaltzentrale des HK in Künzelsau bekommt einen Rahmen. Foto: privat

Bald uneinsehbar: Die Schaltzentrale des HK. Foto: privat




Kein Lohn & keine Krankenversicherung mehr – 2 Mitarbeiterinnen ziehen gegen HK vors Arbeitsgericht

Ganz so reibungslos wie bisher verlautbart gingen die Umsetzungen der Mitarbeiter innerhalb der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK), die wegen der Schließung des Standorts Künzelsau notwendig wurden, wohl doch nicht über die Bühne.

Zwei Mitarbeiterinnen, Anke E. und Elvira Z. (Namen geändert, die Namen sind der Redaktion bekannt), klagen gegen ihren Arbeitgeber. Beiden Mitarbeiterinnen wurden im Zuge der Krankenhausschließung in Künzelsau Änderungen ihres langjährigen Arbeitsvertrags vorgelegt, die sie in dieser Form nicht sofort unterschreiben wollten. Sie wurden von ihrem Arbeitgeber daraufhin umgehend nach Hause geschickt, durften ihre Arbeit gar nicht erst antreten und wurden unbezahlt freigestellt. Diese Freistellung ohne Bezahlung besteht seit dem 18. November 2019.

In beiden Fällen geht es darum, dass die Mitarbeiterinnen von einer Position, die als „Leitung“ bezeichnet war, in eine Position ohne Leitungsfunktion umgesetzt wurden, was unter anderem mit einer anderen Entlohnungsstufe einhergehen sollte.

Das Arbeitsgericht in Crailsheim terminierte den Gütetermin für beide Klagen auf Montag, den 03. Februar 2020. Ein Gütetermin ist im Arbeitsrecht vorgeschrieben und soll dazu dienen, ohne aufwendigen Prozess zu einer gütlichen Einigung, einem Vergleich, zu kommen. In einem Gütetermin beleuchet ein Einzelrichter die rechtliche Situation und schlägt einen Kompromiss
vor. Wird ein Kompromiss zwischen den Parteien erzielt, ist das Verfahren beendet, andernfalls kann es zu einem Prozess kommen.Bei Anke E. geht es um eine Rückstufung um vier Entgeltgruppen, das bedeutet eine Einbuße von 833 Euro pro Monat bei einer 100-Prozent-Stelle. Die HK begründet diesen Schritt damit, dass im Zuge der Mitarbeiterwechseln von Künzelsau nach Öhringen es keine derartige vergleichbare Stelle im Krankenhaus in Öhringen gäbe. Stefan Bort, Personalleiter des HK: „Wir haben keine Funktion als Teamleitung und werden auch keine einsetzen.“

// „Nach 29 Jahren im Dienst spürt man keine Wertschätzung.“ //

Die HK sagt: Anke E. habe ihren Dienst im Öhringer Krankenhaus nicht angetreten. Anke E. widerspricht. Sie sei in Öhringen gewesen, um ihren Dienst anzutreten, sei aber wieder nach Hause geschickt worden: „Da wird man nach 29 Jahren unentgeltlich freigestellt“, mit der Konsequenz übrigens, daß sie von ihrer Krankenkasse kürzlich die Information erhalten hat, daß sie jetzt nicht mehr krankenversichert ist. Sie spürt „keine Wertschätzung nach all den Jahren“ und bringt vor, daß man sie sogar eine Entgeltgruppe unter Kolleginnen mit gleichem Aufgabengebiet einstufen wollte. Ob das tatsächlich der Fall ist, darüber zeigten sich HK-Personalleiter Bort und sein Anwalt überraschend uninformiert. Der Anwalt der Hohenloher Krankenhaus gGmbH, Sebastian Witt, von der Kanzlei Bender, Harrer, Krevet, versteigt sich zu der Aussage :„Sie haben die ganzen Jahre zuviel verdient“ und schließt an: „Wir hatten in Künzelsau die eine oder andere Eingruppierung, die mit dem, was ausgeführt wurde, nicht übereinstimmt.“

HK gibt sich in manchen Punkten überraschend ahnungslos

Richterin Stahl schlägt einen Kompromiss vor, der unter anderem die Einstufung um eine Entgeltgruppe höher als bisher vorsieht, die Nachzahlung der Gehälter seit Freistellung Mitte November 2019 sowie einen umgehenden Arbeitsbeginn enthält. Anke E. zieht sich mit ihrem Rechtsanwalt Hofmann zum Gespräch zurück.

In der Zwischenzeit geht es mit dem Fall Elvira Z. weiter. In ihrem Fall argumentiert die Beklagtenseite, dass es eine Abfrage der Wunschpositionen gegeben habe und Z. habe nicht angezeigt, daß sie eine Leitungsfunktion bekleiden möchte, sie sie aber zuvor in Künzelsau innehatte. Außerdem seien ihre Qualifikationen, die sie seit 1992 erworben hat, gar nicht mehr mit dem Anforderungsprofil der gewünschten Stelle vereinbar, argumentiert die HK. – was etwas widersprüchlich ist, da Elvira Z. in eben dieser Position in Künzelsau bereits gearbeitet hat.

Richterin Stahl stellt die Frage, ob es überhaupt solche Leitungsstellen gibt und ob die Qualifikation von Elvira Z. für eine solche Stelle ausreichen würde. Überraschende Antwort von Seiten des HK: „Ich weiß es nicht.“

Außerdem stellt die Richterin mit Blick auf die beiden Fälle fest, dass die HK hier zwei konträre Argumentationen fahre mit rechtlich verschiedenen Konsequenzen. Ein Widerspruch.

Elvira Z. betont: „Man hat über vieles mit mir gesprochen, aber nie über meine Zukunft“. Ihr Rechtsanwalt Andres sieht ein „bewußtes Mißverstehen des Fragebogens“ und legt Wert darauf, daß Elvira Z. ihre Arbeitskraft angeboten habe und daraufhin direkt in die Personalabteilung geschickt worden sei. Das ist für die Richterin ein sehr relevanter Punkt, denn dann hätte gegebenenfalls keine Freistellung erfolgen dürfen. Rechtsanwalt Andres: „Das ist wie eine fristlose Kündigung, wenn man von einem auf den anderen Tag ohne Bezahlung freigestellt wird.“ – mit dem Unterschied, dass man immernoch in einem Arbeitsverhältnis stehe. Eine krude Situation.

Elvira Z. ist inzwischen aufgrund der Freistellung nicht mehr krankenversichert – sie hat Angehörige, die bisher bei ihr mitversichert waren, deren Versicherungsstatus ist unklar. Ihr Arbeitgeber, das HK, habe sie über diese Konsequenzen nicht informiert. Nachdem Anwalt Witt bestätigt hat, daß man Elvira Z. „schnellstmöglich in den Dienstplan integrieren“ wolle, schlägt Richterin Stahl eine ähnlichen Kompromiss wie bei Anke E. vor, insbesondere mit umgehender Wiederaufnahme der Tätigkeit. Ihr Anwalt sieht aber noch zu viele ungeklärte Punkte, so daß im Termin keine gütliche Einigung zustandekommt. In der Zwischenzeit wollen die Parteien aber weiter miteinander verhandeln.

Mit einem Knalleffekt kommt Anke E. aus dem Gespräch mit ihrem Anwalt zurück: „Meine Bereitschaft zu einem Kompromiss tendiert inzwischen gegen Null.“ Sie habe die Information bekommen, dass es in Öhringen entgegen der Aussage der HK doch eine Stelle mit genau der Bezeichnung gibt, die sie anstrebt. Auch wenn Stefan Bort noch argumentiert, daß diese Stelle deutlich höher qualifiziert sei als die bisherige Stelle von Anke E., ist im Termin keine gütliche Einigung mehr möglich. Rechtsanwalt Hofmann spricht das Schlußwort: „Wir lassen das entscheiden.“

Es wird also zu einem Prozess kommen, sofern die Parteien sich nicht bis dahin untereinander einigen.

Text // Matthias Lauterer

 




HK-Toilette „beliebter Anlaufpunkt für jedermann“

Ein verwaister Eindruck hinterlässt das Krankenhaus in Künzelsau seit seiner Schließung am 15. November 2019. Doch es gibt noch Leben darin. Der so genannte Notarzt im Sitzdienst hat dort seine Räume, auch Dr. Andreas Kühn ist mit seiner Praxis noch vor Ort, eine Fußpflegerin und eine weitere Praxis. Der Empfang allerdings wirkt relativ verwaist. Mehrere der Redaktion namentlich bekannte Quellen berichteten GSCHWÄTZ, dass sie den Empfang leer vorgefunden haben. Auch wir von GSCHWÄTZ waren daraufhin mehrmals im HK-Gebäude und fanden die Rezeption mit dem aktiven Steuerungsboard verwaist vor.

An sich wäre das nicht so dramatisch, gibt es ja dort auch keinen laufenden Betrieb mehr. Problematisch sehen es diese Quellen nur, dass der Empfang sogleich das Bedienpult bereithält für die „Infrastruktur“ des Gebäudes. „Aus den Tastenbeschriftungen im Steuerpult geht hervor, dass Unbefugte und Böswillige bei einer unbesetzten Rezeption mit wenigen Handgriffen über die Theke
die gesamte HK-Elektro-Struktur, einschließlich Störungsstelle, Türen und Lüftung lahm legen könnte“, so eine Quelle. „So viel mangelnde Sicherheit sollte nicht akzeptiert werden.“

„Das WC dort ist inzwischen beliebter Anlaufpunkt für die ganze Umgebung“, so eine weitere Quelle. „Hier muss wieder eine Aufsichtsperson Dienst tun“, werden Forderungen laut.
„Dies besonders in einer Zeit mit häufigem Vandalismus, wobei wir dringend auf die rasche Weiternutzung der verbliebenen HK-Einrichtungen in Künzelsau warten.“

Eine Stellungnahme der BBT-Gruppe als Mehrheitseigner des Krankenhauses hierzu steht noch aus.

Empfang im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus. Foto: privat

 

 

 




Tschuldigung, wo geht´s denn hier zum Notarzt?

Wenn sich die Glastüre öffnet, dann immer schön dem Absperrband folgen. Auf einem kleinen Tischchen im Windfang liegt ein Handy mit einem Zettel, auf dem handschriftlich einen Nummer geschrieben steht… Klingt fast wie eine Schnitzeljagd – ist es aber nicht.  GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat morgens gegen 03 Uhr den neuen Künzelsauer Notsitzdienst im ehemaligen Hohenloher Krankenhaus getestet. Ihr Resümee sehen Sie im Video.




Achim Beck betont: Wir stehen hinter der Entscheidung zur Schließung des Künzelsauer Krankenhauses

Der Kreistag hat am 10. Dezember 2018 die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH beauftragt, den Notfall-Sitzdienst in Künzelsau vertraglich zu verpflichten. Die Laufzeit ist auf drei Jahre angelegt. Aber auf Grund der beschlossenen jährlichen Bewertung dieses Pilotprojektes wurde der Vertrag durch die Geschäftsführung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH zunächst auf ein Jahr abgeschlossen. Die Kosten hierfür, laut der Fraktion Freien Wähler Vereinigung (FWV) 500.000 Euro, trägt der Hohenlohekreis.

Soll der Sitzdienst nach einem halben Jahr schon aufgegeben werden?

Die FWV Hohenlohekreis, mit Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck als Fraktionsvorsitzenden, sieht die jährliche Bewertung des Sitzdienstes aber kritisch. Sie haben nun beantragt, dass der Kreistag ihren Tagesordnungspunkt über die Überprüfung dieses Notarzt-Sitzdienstes für die kommende Kreistagssitzung am Montag, den 09. Dezember 2019 aufnimmt. Die FWV Hohenlohekreis fordert, dass die erste Bewertung des Sitzdienstes in Künzelsau bereits zum 15. Februar 2020 oder spätestens bis zum 15. März 2020 erfolgen. Die Ergebnisse sollen dem Kreistag in einer nachfolgenden öffentlichen Sitzung im März oder April 2020 zur Entscheidung für eine Fortführung des Sitzdienstes vorgelegt werden. 

Für die zu bewertenden Punkte listet die FWV folgende auf:

– Gesamtkosten/Gesamtzahlungen zum Zeitpunkt der Evaluation
– Einnahmen/Umsatzerlöse zum Zeitpunkt der Evaluation
– Bericht über die Inanspruchnahme (Fallzahlen/Zahl der Patienten/Kategorien) im Zeitraum bis 15.02.2020/15.03.2020
– Ergebnisse der Behandlungen (z.B. Überweisung zum Facharzt, Überweisung in eine Klinik, Behandlungserfolg/Behandlungsweg durch 24/7 Versorgung etc.)

FWV Hohenlohekreis steht hinter der Entscheidung der Schließung des HK

Der Kreistag solle laut Antrag der FWV nach der Evaluation in der darauffolgenden Sitzung über die Fortführung des 24/7-Versorgung entscheiden. Weiter heißt es: „Je nach Arbeitsvertragsausgestaltung kann der Kreistag entscheiden, ob an der Freiwilligkeitsleistung weiter festgehalten wird oder das Angebot kurzfristig wieder aufgegeben wird.“

Des Weiteren betont die FWV in ihrem Antrag, gezeichnet von Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck, die Wichtigkeit Landrat Dr. Neth mitzuteilen, dass sie in der Entscheidung über die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter ihm stehe: „Sehr geehrter Herr Landrat, unsere FWV-Fraktion ist es darüber hinaus wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass wir in der Entscheidung üb die Schließung des Künzelsauer Krankenhauses hinter Ihnen stehen. Freundliche Grüße Achim Beck Fraktionsvorsitzender“

Nun hat der Kreistag in seiner Sitzung am kommenden Montag, den 09. Dezember 2019, über den Antrag der FWV zu entscheiden.

FWV Antrag auf Aufnahme eines Tagesordnungspunktes. Foto: Landratsamt des Hohenlohekreises

 

 

 




Was Gscheits muss her und koin halbgorener Scheiss“ – Die alt Fraa zum Rettungsdienst light und Notarzt light in Künzelsau

„Schbare im Gesundheitswese isch ä subber Sach“ – GSCHWÄTZ hat mit der alt Fraa von drobbe de Höh‘ am Tag der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses gesprochen. Wir haben sie unter anderem gefragt, wo sie künftig nun mit ihrer Blasenentzündung hingeht. Die 150-Jährige freut sich jetzt erst einmal auf das Hospiz, das ihr in der Kreistagssitzung versprochen wurde.

Auch die Ausstattung der Rettungswägen mit neuer Software findet sie viel besser als in Personal zu investieren. Denn: „Wer braucht heutzutoog noch Mensche im Gesundheitswese? Die Steiergelder gehöre gscheit inveschtiert und zwar in Berater – so wie in de vergangene Jahre a.“ Die alt Fraa erinnnert dabei unter anderem an die mehrere 100.000 Euro teure Beratung hinsichtlich der Entscheidung, wie es mit dem Hohenloher Krankenhaus weitergehen soll. Die Entscheidung fiel am Ende gegen den Standort Künzelsau und für einen Neubau in Öhringen. Der Künzelsauer Krankenhausstandort wurde am vergangenen Freitag, den 15. November 2019, geschlossen, während mit dem Neubau in Öhringen noch nicht einmal begonnen wurde.

Mit der Schließung des Krankenhauses in Künzelsau sollte es auch einen stärkeren Rettungsdienst geben. Bereits 2017 wurden Personal- und Fahrzeugengpässe bekannt (wir berichteten) und auch die Hilfsfristen, wonach die Rettungsfahrzeuge nach maximal 15 Minuten (eigentlich maximal 12 Minuten) am Unfallort sein sollten, wurde oft nicht eingehalten. Doch derzeit spricht der Kreistag und die BBT-Gruppe lediglich von einer Aufwertung der Rettungsdienstfahrzeuge hinsichtlich  einer Software, mit der Daten von Patienten schneller an die Krankenhäuser übertragen werden sollen. Diese Software betiteln die Beteiligten als „Telemedizin“.

Auch zum Thema Notarzt im Sitzdienst in Künzelsau, der nun kommen soll, der aber laut diversen Kreisräten über fast keine Handlungsspielräume verfügt, hat sich die alt Fraa auch klar positioniert: „Des isch wie mit em gute Bier. Ä light Bier bringt halt a nix. Wenn dann muss es was Gscheits sei und koin halbgorener Scheiss.“ Also vielleicht doch nochmal etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um das Gesundheitswesen gesund zu halten, liebe Lokalpolitiker?

Das Video wurde am letzten Tag gedreht, als das Krankenhaus Künzelsau noch offen hatte, am Freitag, den 15. November 2019.

Für Euch vor Ort: GSCHWÄTZ – Das Magazin | Wir lieben uns Ländle | www.gschwaetz.de |

Die alte Fraa von drobbe de Höh‘ am Krankenhaus Künzelsau am Tag der Schließung. Foto: privat



 




Letzter Tag in Künzelsau: Das HK-Team verabschiedet sich

Eine Ära geht zu Ende – Am heutigen Freitag, den 15. November 2019, ist es soweit: Das Hohenloher Krankenhaus (HK) in Künzelsau schließt. In diesem Sinne möchte sich das verbleibende Künzelsauer Krankenhausteam an dieser Stelle bei ihren Patienten für die Zeit und das Vertrauen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten bedanken.

 

Das verbleibende HK-Team verabschiedet sich. Foto: privat

 

 




Last man standing – Wie die letzten Patienten im Künzelsauer Krankenhaus die Schließung erleben

Am Freitag, den 15. November 2019 ist es soweit: Das Hohenloher Krankenhaus (HK) in Künzelsau schließt. Der erste Stock des Gebäudes ist bereits von den Patienten verlassen. Dort stehen bloß noch mit Plastik überzogene Krankenhausbetten auf den Fluren und in den Zimmern. Eine fast unheimliche Stille breitet sich in den Räumen aus. Die Gefühle der Patienten in diesen letzten Tagen sind zwiespältig.

Fühlte sich gut aufgehoben

Ein Patient – der Mann wollte anonym bleiben – ist einige Tage wegen einer Wirbelkanalverengung stationär im Krankenhaus. Er fühlt sich bei Chefarzt Dr. Andreas Kühn gut aufgehoben. „Für mich persönlich läuft es gut und ich kann nichts Negatives sagen“, so der Mann. „Das geht hier zack-zack voran, viel besser als in Öhringen.“ Er sei sofort aufgenommen worden und habe auch gleich MRT und Krankengymnastik bekommen.

Millionen investiert

Von Abschiedsschmerz oder Wehmut bei den Mitarbeitern spürt der Mann nichts. „Die kümmern sich super“, meint er. Die Zimmer seien noch gut belegt, es kommen immer wieder neue Patienten. „Hier ist immer voll und eigentlich läuft alles ganz normal“, findet er rund vier Wochen vor der Schließung. Auch er versteht nicht, warum das Krankenhaus geschlossen wird, hofft aber, dass aus dem Gebäude etwas gemacht wird. Denn es sei noch nicht alt und es wurden Millionen hineingesteckt.

Ganz anders zeigt sich das Gespräch mit einem ambulanten Patienten, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Er kommt wegen einer schweren Gürtelrose zum Verbandswechsel ins HK. Eigentlich müsste er nach Schwäbisch Hall ins Diak, aber das sei ein Zeitfaktor und außerdem werden die Fahrtkosten dahin nicht übernommen. Der zuständige Facharzt im MediKÜN habe den Verbandswechsel abgelehnt, weil er daran zu wenig verdiene. „Die Überweisungen ins Krankenhaus hat er aber immer gerne ausgestellt“, bemerkt der Patient spitz.

Zukünftig längere Wege – auch für die Angehörigen

Das Personal im Krankenhaus sei aber nach wie vor gut, fehle aber spürbar. Geplante Operationen werden im HK nicht mehr durchgeführt, sondern nur noch Notfälle aufgenommen und die auch nur auf ausdrücklichen Wunsch des jeweiligen Patienten. Der Mann glaubt, „dass es Anweisungen gibt, dass solche Patienten wie ich nicht mehr im HK operiert werden dürfen“.

Wenn er demnächst selbst operiert wird, muss der Mann in ein anderes Krankenhaus. Der Patient findet zwar, dass man auch im Diak oder im Öhringer Krankenhaus gut aufgehoben sei, „aber dort kann die Familie ihre kranken Angehörigen nicht jeden Tag besuchen, wenn sie in Künzelsau oder Umgebung wohnt“. Das sei einfach zu weit weg und das mache ihn traurig. Denn letztendlich trage auch die gute Erreichbarkeit der Patienten durch ihre Familien zur Zufriedenheit der Leute bei. „Wir stehen gscheit da“, bedauert der Mann.

Unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert besuchte rund vier Wochen vor der Schließung des Krankenhauses die letzten verbliebenen Patienten in Künzelsau.

Fotos: privat

 

 




Künzelsauer über KH-Schließung: „Total unzufrieden über die Situation“ – „Einfach abgebaut und abgewickelt“

Diese Woche sollen die Lichter im Krankenhaus Künzelsau endgültig ausgehen. Nicht nur bei vielen Mitarbeitern ist die Stimmung gedrückt, auch die Künzelsauer wissen  nicht, wie es nun weitergeht hinsichtlich der Gesundheitsversorgung. Einige Künzelsauer haben sich am Montag, den 04. November 2019 auf den Weg nach Zweiflingen zur Kreistagssitzung gemacht, um mehr zu erfahren. „Wir wollen wissen, wie es weitergeht“, sagt etwa Ernst Renner aus Künzelsau vor der Kreistagssitzung. „Das Gesundheitszentrum interessiert uns. Ich kann mir darunter nichts vorstellen“, fügt Karl Walter aus Hermuthausen hinzu.

Ehrenfried Biehal, ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule in Künzelsau, kann die KH-Schließung nicht nachvollziehen. Foto: GSCHWÄTZ

„Einfach abgebaut und abgewickelt“

Ehrenfried Biehal, der ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule in Künzelsau, ist zur Kreistagssitzung nach Zweiflingen gefahren, weil „jetzt für uns Künzelsauer einfach Nägel mit  Köpfen gemacht werden müssen. Wir sind zudem total unzufrieden über die Situation, dass unser Krankenhaus geschlossen wird. Ein baulich gutes funktionierendes Krankenhaus wird einfach abgebaut und abgewickelt. Das darf nicht sein.“

Günter Maurer aus Gaisbach möchte sehen,  „was die BBT-Gruppe für Vorschläge hat, wie das zukünftige Gesundheitszentrum aussehen soll. Da geistern ja verschiedene Ideen herum. Momentan ist gar nichts bekannt und  das wollen wir heute erfahren“.

Der Künzelsauer Wolfgang Hornung erwartet „ganz klare Aussagen, was jetzt kommen soll mit dem Ärztehaus. Bisher hört und sieht man nichts. Und so wie die Sache aussieht, kann man davon ausgehen, dass sowieso gar nichts passiert.“

Für Lehrer Wolfgang Weßlein ist das Krankenhaus „ein Herzensanliegen und jetzt muss man sehen, was für Künzelsau bleibt“.

Auch Öhringer besuchten die Kreistagssitzung, so wie Werner Hesse: „Ich bin am Krankenhausthema interessier und hoffe, dass man die Fakten darstellt und dass die Künzelsauer Mitbrüger fair damit umgehen.“

Was bleibt für Künzelsau?

In Zweiflingen dann erklärte die BBT-Gruppe, dass es nach der Krankenhausschließung für Künzelsau zunächst einmal acht Hospizplätze geben werde (wir berichteten). Des Weiteren werde der Rettungsdienst mit  so genannter „Telemedizin“ ausgestattet. Mit dieser Software sollen die Rettungsdienstler messbare Daten des Patienten noch am Ort des Geschehens direkt an das anzufahrende Krankenhaus übermitteln können. Bislang haben die Rettungsdienstler telefonisch über die Leitstelle Angaben darüber gemacht, wie schwer der Patient verletzt ist, damit sich das dementsprechende Krankenhaus, das angefahren wurde, vorbereiten konnte.

Weiterhin sei die BBT-Gruppe mit Ärzten im Gespräch, die sich in dem neuen Gesundheitszentrum ansiedeln sollen, unter anderem integrative Medizin soll es dort bald geben. Bei einer integrativen medizinischen Behandlung werden laut der Hufelandgesellschaft auch unkonventionelle Therapieverfahren wie alternative Medizin zusammen mit konventionellen Methoden angewandt. Ein Notarzt-Sitzdienst, der kommen soll, wackelt indes schon wieder, da diverse Kreisräte in der Kreistagssitzung in Zweiflingen bemängelt habe, dass dieser Notarzt am Standort des dann ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau lediglich eine Anlaufstelle für verletzte Bürger sei, jedoch ansonsten nicht viel machen könnte. Weder habe er die Kompetenz, Überweisungen, etwa ins nächste Krankenhaus auszustellen, noch dürfe er Rezepte, etwa bei einer Blasenentzündung, ausstellen. Der Notarzt-Sitzdienst würde zudem über eine halbe Million Euro jährlich kosten.

Videobefragung: Matthias Lauterer






HK: “ Da kommt en Bepper drauf“ – Nur wenige Kreisräte setzen sich für Künzelsau ein – Zuschauer pfeifen Landrat aus – Die besten Zitate

Gestern war Kreistagsmarathon. Bis abends ging die Sitzung des Kreistages des Hohenlohekreises in Zweiflingen am Montag, den 04. November 2019 mit Punkten wie dem Haushalt, steigenden Abfallgebühren und das wohl emotionalste Thema von allen: der zukünftigen Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis. Nachdem dieser Punkt abgehandelt war, verließen dann auch schlagartig fast alle der rund 200 gekommenen Zuschauer den Saal in der Zweiflinger Mehrzweckhalle, obwohl noch einige andere Punkte wie unter anderem die steigenden Abfallgebühren auf dem Programm standen. Bis dahin aber ging es nochmal heiß her und ungewöhnlich viele Kreisräte meldeten sich beim Thema Gesundheitsversorgung  zu Wort. Für Künzelsau machten sich vor allem Hans-Jürgen Saknus (SPD), Anton Baron (AfD) und Christian von Stetten (CDU) stark. Dr. Dubowy, Kreistagsmitglied und Arzt in Krautheim, sowie Achim Beck, Bürgermeister in Niedernhall, beide nur einen Steinwurf entfernt von Künzelsau, fielen hingegen eher durch andersgeartete Äußerungen auf.

Matthias Warmuth, einer der BBT-Geschäftsführer, verwies darauf, dass BBT nicht für die ambulante Versorgung zuständig sei. Foto: GSCHWÄTZ

BBT: „Die Sicherstellung des ambulanten Bereiches liegt nicht bei uns“

Matthias Warmuth, einer der Geschäftsführer der BBT-Gruppe (die BBT-Gruppe ist der Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses (HK)), machte noch einmal mehrfach deutlich, dass „die Entwicklung eines ambulanten Gesundheitssektors in Künzelsau eigentlich nicht mehr in die Zuständigkeit der BBt-Gruppe falle. Wir haben nun keine echte Zuständigkeit mehr, lediglich in der stationären Versorgung. Die Sicherstellung des ambulanten Bereiches liegt nicht bei uns.“ Aber er betonte auch: „Wir möchten den ambulanten Sektor so weit es geht unterstützen“, auch wenn das nicht das eigentliche Handlungsfeld der BBT sei.“Wir möchten ein Mehr an ambulanter Versorgung schaffen. Eine ambulante Versorgung aber kann ein Krankenhaus nicht in Gänze ersetzen“,  das weiß auch Warmuth und sagte weiter: „Wir werden Sitze niemals gegen die bereits niedergelassenen Kollegen etablieren, sondern mit ihnen.“ Hintergrund dieser Aussage ist, dass man eine Sonderbedarf für ärztliche Sitze hätte beantragen können, die durch die Schließung eines Krankenhauses wegfallen, zum Beispiel im Bereich der Inneren Medizin. Die BBT-Gruppe hat diese Sonderbedarf nicht beantragt, weil die niedergelassenen Ärzte in Künzelsau laut BBT-Aussagen nicht dahintergestanden seien. Somit werden diese Sitze für Künzelsau erst einmal nicht kommen.

Landrat Dr. Matthias Neth verweist auf Sanierungskosten von über 40 Millionen Euro für den „Bettenblock“ in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Landrat Neth: „Ich weiß, dass viele kein Verständnis haben“

Landrat Dr. Matthias Neth weiß, dass er und der Kreistag wegen der Entscheidung zur Schließung des Krankenhausstandortes in Künzelsau noch immer massiv bei den Bürgern besonders in Künzelsau in der Kritik stehen: „Ich weiß, dass viele weiterhin kein Verständnis für die Verlegung der akutstationären Versorgung nach Öhringen haben.“ In diesem Zuge zählte er aber Beispiel um Beispiel in ganz Baden-Württemberg auf, wo Krankenhäuser geschlossen und MVZ gebildet wurden, unter anderem nannte er Brackenheim und Möckmühl. Durch diese Zentralisierung soll eine „bessere Gesundheitsversorgung erreicht werden“.

Neth zum Neubau Öhringen: „Es wird eine extreme Herausforderung, im Kostenrahmen zu bleiben“

Anton Baron (AfD) verwies hingegen darauf, dass die MVZs in Brackenheim und Möckmühl kläglich gescheitert seien.“Der Beschlussantrag ist für uns eine große Enttäuschung. In Künzelsau können künftig Patienten nur noch ambulant behandelt werden.“ Tatsächlich bringe dieser Sitzdienst bei einer lebensbedrohlichen Krankheit nichts, nur der Rettungsdienst. Auch bei einem Beinbruch könne dieser Notarzt im Sitzdienst in Künzelsau nicht wirklich viel bewirken. „Wir sehen einen Handlungsbedarf im Bereich des Rettungsdienstes“, sagte er  und forderte zugleich einen Ausbau des Rettungsdienstes. „Wir werden das Medizinzentrum mittragen. Besser etwas als gar nichts. Aber es ersetzt ein Krankenhaus nicht“, machte Baron zum Schluss noch einmal deutlich. Auf Barons Frage, ob es stimme, dass der Neubau in Öhringen keine 100 Millionen, sondern mittlerweile zwischen 150 und 200 Millionen Euro kosten solle, äußerte sich Landrat Neth nur insofern, als dass er sagte, dass die derzeitigen Baukosten deutschlandweit steigen und daher immer schwerer zu kalkulieren seien. Auf erste Kostenschätzungen der Architekten „warten wir noch“, sagte Neth. Es werde jedoch „eine enorme Herausforderung, im Kostenrahmen zu bleiben“.

Anton Baron: „Wir sehen einen Handlungsbedarf im Rettungsdienst“

Anton Baron (2. von rechts) stellte einige kritische Nachfragen im Bezug auf die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Christian von Stettens neues Praxishaus stand in der Kreistagssitzung in der Kritik. Foto: GSCHWÄTZ

Für Stefan Neumann gab es schon angenehmere Kreistagssitzungen (4. v. links). Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Stefan Neumann hielt sich an diesem Abend mit öffentlichen Äußerungen in der Kreistagssitzung zurück. Er sagte lediglich unmittelbar nach dem Statement der BBT-Gruppe: „Ich darf mich bedanken, dass Sie heute öffentlich gemacht haben, wo wir eigentlich stehen, was kommt und was nicht im ersten Schritt kommt (Anm. d. Redaktion: zusätzliche Angebote im Bereich der Pflege). Die Stadt Künzelsau ist natürlich bereit, diesen Prozess gemeinsam zu gehen, so dass wir auch inhaltlich vorankommen. Das ist wichtig für den Mittelbereich Künzelsau.“ Völlig überrascht war er laut eigenen Aussagen von dem Antrag von Achim Beck im Namen der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), den geplanten Notarzt-Sitzdienst, der ab November 2019 in Künzelsau kommen soll, bereits im Februar 2020 hinsichtlich der Sinnhaftigkeit eines solchen Sitzes zu prüfen. Beck: „wir fordern Fallzahlen, Patientenkosten und die Ergebnisse der Behandlungen.“ Für einige Zuschauer kam dieser Vorschlag ebenfalls überraschend, ist doch Beck mit seiner Stadt Niedernhall nur einen Steinwurf von Künzelsau entfernt und gehört damit ebenfalls zum Einzugsgebiet der Kreisstadt.

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck (3. von rechts) stellte die Sinnhaftigkeit eines Notarzt-Dienstes in Künzelsau in Frage. Auch Dubowy (2. von rechts), ebenfalls von den Freien Wählern, erachtet den Notarzt-Sitzdienst in Künzelsau als wenig sinnvoll. Foto: GSCHWÄTZ

Doppelstrukturen? von Stettens neues Praxishaus in der Kritik

Laut Beck seien die Kosten von über 500.000 Euro jährlich nicht zu vertreten im Hinblick darauf, dass dieser Notarzt nicht mal ein Rezept oder eine Überweisung ins Krankenhaus ausstellen könne. Irmgard Kircher-Wieland von der SPD stimmte ihm dabei zu. Waltraud Kuhnle (FDP, Ingelfingen) fragte gar: „Wer bezahlt ein eventuell nicht kostendeckendes MVZ?“ Wieder ging es in dieser Kreistagssitzung in erster Linie um die Kosten in Künzelsau. Beinahe ausgeklammert wurden die immensen Neubau-Kosten in Öhringen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagte Neumann in Bezug auf die Forderung der Freien Wähler, den Notdienst-Sitz bereits im Februar ob der Sinnhaftigkeit zu überprüfen: Eine derartige Forderung „untergräbt die Glaubwürdigkeit des Kreistages.“ Christian von Stetten führte diesen Glaubwürdigkeitsverlust denn auch in der öffentlichen Sitzung näher aus, indem er Achim Beck antwortete: „Dazu kann ich  nur sagen: Ursprünglich wollten wir zwei Krankenhäuser halten, dann sollte Künzelsau erst geschlossen werden, wenn Öhringens Neubau fertig ist. Dann sollte zumindest eine 24-Stunden-Versorgung für Künzelsau gewährleistet sein. Und jetzt steht auch das auf der Kippe?“ Er habe seine Zweifel, ob das noch vermittelbar sei.

Kuhnle, FDP, Ingelfingen: „Wer bezahlt ein nicht-kostendeckendes MVZ?“

Aber auch Christian von Stettens neues Ärztehaus, das im Frühjahr Eröffnung feiern soll, stand in dieser Kreistagssitzung in der Kritik. Hans-Jürgen Saknus erinnerte daran, dass rund 300 Milliarden jährlich in Deutschland für die Gesundheitsvorsorge zusammenkämen. „Nun ist bekannt, dass Christian von Stetten seit Bekanntwerden der Schließung an einem eigenen Ärztehaus baut und Dr. Kühn unter anderem in dieses Ärztehaus einzieht und seine Dienste dort anbietet. Zugleich entstehen dort ambulante OP-Räume.“ Schloss Stetten habe lediglich 281 Einwohner, liege auch nicht zentral. „Ist das im Sinne der Zentralität?“, fragt Saknus. Und weiter: Wie könne etwas in Schloss Stetten möglich sein, in Künzelsau aber müsse um alles gekämpft werden? Christian von Stetten indes erwiderte: „Wenn Professor Dr. Karle nicht hätte bauen können, hätte man ihn in Heidelberg besuchen können. Ich bin froh, dass dieser absolute Spezialist in Künzelsau bleibt.“

Hans-Jürgen Saknus (SPD, 1. von rechts) sprach Tacheles für Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Saknus: „Ist das Ärztehaus in Schloss Stetten im Sinne der Zentralität?“

Des Weiteren erinnerte Saknus an das Ärztehaus, das vor rund zehn Jahren in Künzelsau gebaut wurde. Komme da nun noch mehr oder bleibe es im Grunde nicht einfach bei eben diesem Ärztehaus? In Bezug auf die BBT-Äusserungen hinsichtlich der geringen Kooperationsbereitschaft der Ärzteschaft in Künzelsau fragte Saknus: „Wie ist man denn mit der Ärzteschaft im Raum Künzelsau umgegangen und ist man auf sie zugegangen? Wurden denn Kompensationsangebote gemacht durch den Wegfall der stationären Versorgung? Wurde über ambulante Räume für operative Eingriffe gesprochen oder nicht, damit die Patienten letztendlich nach Öhringen gehen, um dort das Haus zu füllen?“ Viel Applaus bekam Saknus für seine kritischen Fragen und Anmerkungen aus den Zuschauerreihen. Landrat Neth, bei dem zu Beginn der Sitzung viel gelacht wurde, verwies die Zuschauer darauf, dass „eine Kreistagssitzung nicht vorsehe, dass gebuht oder gejubelt wird.“ Daraufhin erntete Neth noch mehr Pfiffe aus den Zuschauerreihen.

Neth: „Eine Kreistagssitzung sieht nicht vor, dass gebuht oder gejubelt wird“

Kreisrat Prof. Dr. Otto Weidmann, Otto bezeichnet das Ärztehaus in Schloss Stetten indes als „Riesenchance, nur zehn Minuten von Künzelsau weg“. Allerdings müsse man schon schauen, „dass es da keine Doppelstrukturen gibt“.

Frau Junge von der BBT-Gruppe erläuterte, dass Prof. Dr. Karle neben seiner baldigen Tätigkeit in Schloss Stetten auch im Öhringer Krankenhaus mit Belegbetten weiterhin tätig sein wird, ebenso wie der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Krist von Künzelsau sowie Dr. Renner.

„Dieses Haus kann struktuell in schwarzen Zahlen geführt werden“, betonte BBT-Geschäftsführer Warmuth. Allein dieser Satz machte deutlich: Öhringen ist längst nicht über den Berg. Aber Warmuth sagte auch: „Wir hätten uns nicht engagiert, wenn wir nicht geglaubt hätten, dass es eine Zukunft hat.“

Dubowy: „20 km mehr fahren ist kein Beinbruch, aber das Hospiz hat einen echten Mehrwert für die Region“

Das Schlusswort überlassen wir an dieser Stelle dem Krautheimer Arzt Dr. Dubowy, der die bis auf den letzten Stuhl gefüllten Zuschauerreihen „begrüßt“ und den Besuchern erklärt: „Die Schließung des Krankenhauses erfolgt durch eine Veränderung in der ärztlichen Qualifikation. Wir haben einfach das Problem, dass wir nicht von einem Feld- und Wieseninternisten untersucht werden wollen. Und diese Fachgruppen bekommen Sie nicht mehr gestellt.“ Dabei lässt Dubowy außen vor, dass das HK viele gute Fachkräfte hatte. Aber unlängst haben erst wieder zwei sehr gute Chefärzte gekündigt. „Und der Patient möchte, dass ihm auch mal der Magen nach 18 Uhr gespiegelt wird und nicht so, wie wir es zum Schluss hatten.“ Auch das stimmt so nicht, fragt man  Bürger in Künzelsau. Diese erklären, dass sie eher froh sind, wenn sie nicht bis spät abends warten müssen. „Aber“, so Dubowy weiter, „wir müssen darauf achten, dass die Sitze nicht nach Öhringen abwandern. Und das finanzieren und tragen alle Gemeinden nun so mit. Das ist keine Selbstverständlichkeit und das muss man den Künzelsauern auch mal sagen.“ Die Dankbarkeit entzündete sich nicht sofort bei den anwesenden Besuchern aus Künzelsau. Aber das kann ja noch kommen.Auch den Notarzt-Sitzdienst, der nun für Künzelsau kommen soll, sieht er, ähnlich wie sein Fraktionskollege Achim Beck weitestgehend als sinnlos an, da dieser Notarzt kein Kassenrezept ausstellen darf, zum Beispiel bei einer Blasenentzündung. Auch keine Berufsunfälle dürfe er behandeln noch Schlaganfälle. Da bliebe einzig eine Kopfpflanzwunde, die es zu verarzten gelte und da gebe es eben „einen Bepper drauf und dann ab ins Krankenhaus“. Jetzt müssten halt die Künzelsauer weiter fahren als bislang. Aber „bei mir fahren die Patienten schon ewig 20 Kilometer zum nächsten Arzt“, sagt Dubowy. Das Hospiz wäre seiner Meinung nach aber ein echter Mehrwert für die Region.

Eine Analyse von Dr. Sandra Hartmann

Fotos: Matthias Lauterer