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Arnulf von Eyb (CDU): Landtagsabgeordnete sollen Praktikum in der Landwirtschaft machen

Ein „Signalfeuer als Zeichen zum Gespräch mit den Bauern und gegen Bevormundung veranstaltete der Ortsbauernverband Neuenstein zusammen mit Mitgliedern der Initiative „Land schafft Verbindungen“ am Samstag, den 01. Februar 2020, an der A6 nahe der Abfahrt Neuenstein. „Der Regen heute ist wärmer als beim letzten Feuer“, kommentierten Teilnehmer des Mahnfeuers das Wetter. Rund 150 Bauern und Gäste aus der direkten Umgebung begrüßte laut einer Pressemitteilung der Geschäftsführende Vorstand für den Hohenlohekreis im Bauernverband, Thomas Wenzel. Er machte gleich zu Beginn deutlich, „warum die Zündschnur bei den Bauern zurzeit so kurz ist“. 

Mit den Landwirten reden und nicht über sie

„Wir produzieren mit den höchsten Auflagen und Standards weltweit Lebensmittel. Wir arbeiten aber auch täglich für die Gestaltung unsere Hohenloher Landschaft, beispielsweise für die Pflege der Hänge im Kocher- und Jagsttal. Wir möchten das auch weiterhin tun!“, sagte Thomas Wenzel laut der Mitteilung. Auch machte er klar, dass die Landwirte sich wünschten, dass man mit ihnen redet und nicht über sie – das meinte er in Richtung Politik genauso wie in Richtung unserer Gesellschaft. „Dafür möchten wir zusammen ein Signal setzen, deshalb sage ich lieber Signalfeuer statt Mahnfeuer“, so Wenzel weiter. Er freue sich, dass sowohl nichtorganisierte Landwirte, wie die Teilnehmer der Initiative „Land schafft Verbindungen“, Vertreter des Maschinenringes und der Politik zusammen am Feuer standen. „Im gesunden Miteinander wollen wir in Zukunft noch stärker zeigen, wo unsere Lebensmittel herkommen. Wir möchten Vertrauen und Wertschätzung steigern“, wünschte sich Thomas Wenzel. Eine große Kiste Äpfel, Eier und Nudeln als heimische Produkte stand dafür direkt zum Kosten und Mitnehmen bereit.

Landtagsabgeordnete sollen Praktikum in der Landwirtschaft machen

Grußworte an die Teilnehmer des Signalfeuers kamen vom CDU-Landtagsabgeordneten Arnulf von Eyb und Rüdiger Volk, Geschäftsführer des Maschinenrings vom Main-Tauber-Kreis. Von Eyb freute sich über die Einladung nach Neuenstein und „dass die Bauern das gemeinsam machen: für ihren Berufsstand werben!“ Er betonte: „Jeder ist Verbraucher, auch die Landwirte. Aber nicht jeder Verbraucher hat Ahnung von Landwirtschaft.“ Damit Wissen um die Themen der Landwirtschaft aufgebaut wird, will er sich dafür einsetzen, dass jeder seiner Kollegen im Ausschuss Ländlicher Raum des Landtags ein Praktikum in einem landwirtschaftlichen Betrieb macht. Das habe er beim Bauernverband bereits angesprochen.

Umsetzbare, landwirtschaftliche Politik

Faire Preisgestaltung und fairer Wettbewerb zu anderen Ländern, „das ist es, was die Bauern wollen“, erklärte Landwirt Wenzel nahm Bezug auf die in dieser Woche versprochenen Gelder seitens der Regierung. Er forderte stellvertretend für seinen Berufsstand „viel eher eine fachlich-konkrete, sachbezogene und umsetzbare landwirtschaftliche Politik“ und möchte für die Anerkennung der landwirtschaftlichen Arbeit werben. „Eure Hohenloher Bauern wünschen Euch erst mal einen schönen Abend und gute Gespäche“, schloss Gastgeber Wenzel seine Begrüßung, inzwischen ohne Regen, ab.    

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Landwirt Thomas Wenzel begrüßte die rund 150 Gäste beim Signalfeuer in Neuenstein. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V

 

 




A6/Neuenstein: Bauernverband lädt am Samstag zu großem Mahnfeuer ein gegen „Bevormundung und Gängelei“

Der Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems Ortsbauernverband Neuenstein lädt gemeinsam mit Mitgliedern der Initiative „Land schafft Verbindungen“ lädt am kommenden Samstag, den 01. Februar 2020, ab 17 Uhr, zu einem Mahnfeuer der regionalen Landwirte ein. In Neuenstein, in der Nähe der Autobahnabfahrt, 500 Meter rechts, auf der Fläche oberhalb des Supermarktes „Netto“ werde es ein „gemeinsames Mahnfeuer in Neuenstein gegen Bevormundung & Gängelei“ geben, so der Bauernverband in einer Pressemitteilung.

Weiter heißt es : „Entscheidend ist, dass die Stärken der Betriebe, die verantwortliche Unternehmerschaft, die Innovationen und das freie Handeln in der Zukunft wieder im Vordergrund stehen. Wir wehren uns gegen die ständige Bevormundung und Überregulierung.“

Besonderes wichtig sei es dem Bauernverband dabei, dass „die jungen Landwirtinnen und Landwirte sich stärker engagieren und für ihre Zukunft etwas erreichen können“. Denn: „Gemeinsam sind die Bauern stärker und werden sowohl in der Gesellschaft auch in der Politik mit ihren wichtigen Anliegen ernster genommen.“

Für den Bauernverband vor Ort wird der Vorstand für den Hohenlohekreis im Bauernverband, Thomas Wenzel, sein.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems

 




„Das Vertrauen in die CDU droht auf der Strecke zu bleiben“ – Aussprache zwischen Christian von Stetten und dem Bauernverband

Konstruktive Aussprache zwischen dem Bauernverband und Vertretern der CDU/ CSU-Bundestagsfraktion im Bundestag Christian Frhr. von Stetten (Vorsitzender Parlamentskreis Mittelstand der CDU/CSU Fraktion) und Alois Gerig (Vorsitzender des Bundestagsausschusses Landwirtschaft und Ernährung) am 25.Januar 2020 im Sitzungsaal des Bauernverbandes in Übrigshausen.

Bauernverband: „Unter diesen Umständen müssen Betriebe schließen“

Seit der Veröffentlichung des Agrarpaketes durch die Ministerinnen Klöckner und Schulze im vergangenen Herbst 2019, der erneuten Verschärfung der Düngeverordnung, dem Mercosur-Abkommen und dem “Green Deal” durch die EU-Ratspräsidentin Ursula von der Leyen haben sich viele Landwirte “deutlich Luft gemacht”, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems. Weiter heißt es darin:

„Das Vertrauen in die CDU droht auf der Strecke zu bleiben“

Ob über die Grünen Kreuze, die Schlepper-Demonstrationen oder die Mahnfeuer: Die Bauern sind sich über verschiedene Organisationen hinweg einig, dass sie zukünftig unter diesen Umständen ihre Betriebe schließen müssen. Das Vertrauen in die Politik und in die CDU/ CSU – als der angestammten Partei der Bauern – droht auf der Strecke zu bleiben. Der Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems e.V. hat im Herbst 2019 dazu deutliche Kritik geübt.

Bauern fordern Wege für eine „unternehmerische Landwirtschaft“, welche auf „Bevormundungen“ verzichtet

“Wir vom Bauernverband möchten, dass das Vertrauen wieder hergestellt wird,” eröffnet der Geschäftsführer Helmut Bleher den konstruktiven Austausch am 25. Januar 2020 in der Geschäftsstelle des Bauernverbandes. “Wir stehen für einen Dialog und möchten dazu beitragen, dass die Politik wieder klare Botschaften im Sinne unserer Bauern sendet und verlässlicher Partner wird”, so Bleher weiter. Die Verbandsvertreter fordern Wege für eine innovative und unternehmerische Landwirtschaft, welche auf Vertrauen und Wertschätzung baut und auf die, aus ihrer Sicht, wenig durchdachten und unvernünftigen Bevormundungen verzichtet.

Alois Gerig, CDU-Vorsitzender des Ernährungsausschusses des Bundestags, und Freiherr Christian von Stetten, als Vorsitzender des parlamentarischen Mittelstandskreises des CDU/ CSU-Bundestagsfraktion, sind offen für Gespräche und der Einladung des Verbandes gefolgt. Rund 80 CDU-Agrarier aus ganz Nord-Württemberg waren gespannt darauf, wie die beiden Vertreter der Politik mit den sachlichen Erwartungen und den klaren Forderungen der Landwirtschaft umgehen.

 

Die Forderungen an die Agrarpolitik in Berlin werden mit sieben Vorschlägen des Bauernverbands Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems klar umrissen:

1. Das Agrarpaket der Bundesministerien muss “vom Tisch”, denn die Landwirtschaft ist nicht allein verantwortlich für das Insektensterben

2. Die CDU/CSU muss sich wieder klar zu den Bauern zu bekennen, gerade auch zu den konventionell produzierenden Höfen

3. Die CDU/CSU muss sich aktiv und federführend um das umstrittene Thema “Nitratmeßstellen” kümmern. Es muss geklärt werden, ob Deutschland “tendenziöse” Werte nach Brüssel gemeldet hat.

4. Die CDU / CSU muss fachgerechte und machbare Düngeregeln einfordern und gegebenenfalls Neuverandlungen mit der EU dazu aufnehmen.

5. Die Politik darf sich bei den Entwürfen zu Gesetzen nicht einem fachfremden “Mainstream” beugen, sondern an wissenschaftlichen Fakten und Untersuchungen orientieren. Und: Gegen den Populismus Farbe bekennen

6. Die von der Gesellschaft gewünschte Förderung der Biodiversität muss im Rahmen des Vertragsnaturschutzes außerhalb der Debatte um die Neuausrichtung der EU-Prämienzahlungen stattfinden. Denn die ganze Gesellschaft ist für den Rückgang der Arten verantwortlich. Eine von Landwirten und Bevövkerung gewünschte Verbesserung kann nur von allen zusammen gestemmt werden.

7. Gerade die CDU / CSU muss von allen politischen und gesellschaftlichen Strömungen mehr Wertschätzung gegenüber der Arbeit der Bauern einfordern. Die ländlichen Regionen sind die originäre Heimat der CDU / CSU und auch die der Bauern

„Wahlergebnisse sind kein Wunschkonzert“

Zudem fordern die Bauern, „die Landwirtschaft zukünftig als Teil des Bildungsprozesses unserer Kinder und Jugendlichen in die Diskussion bringen“. Der Vorsitzende des Agrarausschusses, Alois Gerig ,macht in seinem Referat und in der anschließenden Aussprache die Grenzen der politischen Gestaltungsräume deutlich. Wahlergebnisse sind kein “Wunschkonzert”, die Partner müssten dabei berücksichtigt werden. Freiherr Christian von Stetten, als Mitglied des Bundestages und Vorsitzender des parlamentarischen Mittelstandskreises des CDU/CSU-Bundestagsfraktion hingegen ergänzt, so der Bauernverband, praktisch und konkret: Er werde sich dafür einsetzen, dass die Themen Ernährung und Herkunft unserer Lebensmittel verpflichtend in die Bildungspläne aufgenommen werden, als fester Bestandteil und mit praktischen Ansätzen in der Bildungspolitik. „Denn nur was man kennt und weiß, schätzt man auch.“ Man könne dabei gar nicht früh genug beginnen. Außerdem habe er zugesichert, das strittige Thema “Nitratstellen-Meßnetz anzugehen und aufzuklären.

Christian von Stetten habe, so der Bauernverband, versprochen, einen Termin zum Austausch zwischen der Führungsspitze des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner anzugehen. Die emotional und engagiert diskutierende Versammlung nahm dies positiv auf. Nicht ohne jedoch auf eine dringende Wende in den Köpfen der Verantwortlichen hinzuweisen. Dass “dicke Bretter gebohrt werden müssen”, darüber sind sich die Agrarier der CDU sehr bewusst.

„Der Bauernverband ist und bleibt parteipolitisch neutral. Gleichwohl wünschen wir uns eine Partei, welche die Bauerninteressen im Fokus hat“, bestärkt Vorsitzender Jürgen Maurer die sieben Hauptforderungen des hiesigen Bauernverbandes. Er ist zuversichtlich, dass Hohenlohe in Berlin inzwischen bekannt ist und deshalb auch deutlich vernommen wird.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V. vom 27. Januar 2020

Helmut Bleher, Geschäftsführer des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems. Foto: Bauernverband

Jürgen Maurer, Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems. Foto: Bauernverband




Dürre in den Wäldern – Bauvernverband lädt zu Infoveranstaltung mit Minister Hauk

Zu einer Veranstaltung mit Landwirtschaftsminister Peter Hauk lädt der Bauernverband Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems e.V. gemeinsam mit den Forstbetriebsgemeinschaften im Rems-Murr-Kreis am Dienstag, den 21. Januar 2020, in die Festhalle nach Murrhardt. Ab 19.30 Uhr soll es um die Schäden gehen, die die Dürre der vergangenen beiden Jahre an den Wäldern verursacht hat. Deren Aufarbeitung macht enorme Schwierigkeiten, ist aber wegen der drohenden Borkenkäferinvasion dringend notwendig.

Viele Fragen treten dabei auf: Wie stellt sich das Land Baden Württemberg an die Seite der Waldbauern? Was tut das Land insgesamt, um dem Klimawandel zu begegnen? Daneben haben Umwelt- und Landwirtschaftsministerium einen Gesetzentwurf in Vorbereitung, der im Rahmen des Eckpunktepapiers den Forderungen des Volksbegehrens antwortet und abhilft. Was kommt auf die Bauern zu? Wie soll das Eckpunktepapier umgesetzt werden? Für die Antworten steht Minister Hauk zur Verfügung. 

Quelle: Bauernverband Hohenlohe

 




Milchgipfel in Gaildorf – zwischen vegan, Soja und der Kuh

„Wieso soll man eigentlich Mitglied im Bauernverband sein?“, fragt ein Teilnehmer des traditionell zu Jahresbeginn in Gaildorf stattfindenden Fachgesprächs Milch in die Runde der 150 interessierten Zuhörer in der Limpurghalle am 07. Januar 2020.

Der Hauptredner des traditionell gut besuchten Fachgespräches, der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes und Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal, antwortet kompetent und überzeugend: „Weil wir nur gemeinsam stark genug sind, etwas zu erreichen!“ Zunehmend entscheidender ist dabei das Ziel des Verbandes, als Branche in der Öffentlichkeit sichtbarer zu werden. „Dafür kämpfe ich als Landwirt in Brüssel und Berlin“. Letzteres trage zunehmend Früchte, ein guter Anfang sei gemacht worden.

Die Molkereien hier in der Region sind wirtschaftlich gut aufgestellt

Und genau das haben sich die Verantwortlichen des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems auf die Agenda geschrieben: Alle Beteiligten mit auf den Weg zu nehmen, den Dialog und die Zusammenarbeit zu fördern. Vom Landwirt hier in der Region, über dessen Nachbarn im Ort, die Konsumenten bis hin zu den Gremien und der Politik. Es soll eine wirkliche Agrarwende angestoßen werden. Dazu gehört auch, „dass wir selbstbewusst aufeinander zugehen und der landwirtschaftliche Berufsstand Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt“, so der Vorsitzende des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems, Jürgen Maurer.

Josef Vögele, der Geschäftsführer des Milchwerks Crailsheim-Dinkelsbühl, fasst zusammen: Die Molkereien hier in der Region sind wirtschaftlich gut aufgestellt! Daraus ergibt sich für die Milchviehbauern, im Vergleich zu anderen Gebieten, eine sichere Situation. Er erwartet, dass die Milchproduktion in 2020 stabil bleiben wird. „Wenn wir Hersteller aktuelle Trends, wie Bio- oder vegane Produkte, Zucker- und Fettreduktionen, beachten, können wir gut wettbewerbsfähig bleiben.“ Zudem bleibt seiner Kenntnis nach, der Export voraussichtlich stabil und der Austritt Großbritanniens aus der EU hat hier in 2020 noch keine Auswirkungen.

Teilnehmerrunde des Gaildorfer Fachgespräches Milch am 07. Januar 2020, links im Bild Andrea Bleher, verantwortlich für „Klassenzimmer Bauernhof“ beim hiesigen Bauernverband und rechts im Bild Marcus Nübel, Landwirt aus Gaildorf. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Kommunikation und Wertschätzung sin eine gute Basis

„Wir werden offen und vertrauensvoll miteinander arbeiten und auch um den besten Weg streiten. Wie wir das gern mal tun. Unsere Aufgabe ist es, unsere Mitglieder zu stärken und als Branche sichtbarer und selbstbewusster aufzutreten“, sieht Geschäftsführer Helmut Bleher die Perspektive des Verbandes in der Abschlussdiskussion.

Dialog, Kommunikation und Wertschätzung sind eine gute Basis dafür, dass die hiesige Milchwirtschaft zukünftig weiterhin regionale Milch, Käse und Butter produzieren und über den Lebensmitteleinzelhandel erfolgreich verkaufen kann. Darin sind sich die Verbandsvertreter, die Referenten und die Teilnehmer des „Gaildorfer Milchgipfels 2020“ einig.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems

 

v.l.n.r: Vorsitzender Bauernverband Jürgen Maurer; Geschäftsführer Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl Josef Vögele; Milchpräsident Deutscher Bauernverband und Präsident Hessischer Bauernverband Karsten Schmal; Mitglied Geschäftsführender Vorstand, Mitglied Milchausschuß und Landwirt Marcus Nübel; Geschäftstführer Bauernverband Helmut Bleher. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

 




Bauernverband kritisiert „billige Importprodukte in den Supermärkten“

Der Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems E.V. hat sich deutlich zu dem Eckpunktepapier der Landesregierung positioniert. Zwar erkenne er dieses an, allerdings betonte der Bauernverband, dass damit „die Grenze des Machbaren erreicht“ sei.

Das geht aus einer Pressemitteilung des Bauernverbandes hervor.

Bauern entzünden Mahnfeuer in Künzelsau-Steinbach zur Unterstützung der Proteste der Bauern in Berlin. Foto: privat

Mit der Zustimmung zum Eckpunktepapier der Landesregierung signalisieren die landwirtschaftlichen Verbände ihre Bereitschaft, Verantwortung gegenüber Natur- und Artenschutz zu übernehmen. Die Grenze des Machbaren sei jedoch damit für die Bauern nun erreicht. Gegenüber dem Entwurf des laut Bauernverbandes nicht umsetzbaren Volksbegehrens „Pro Biene“ sei eine deutliche Entschärfung der Vorgaben für die Landwirtschaft  eingebracht worden, die für die Landwirte gerade noch tragbar sei. „Dies ermöglicht der Landwirtschaft zum einen, sich zukünftig stärker im freiwilligen Vertragsnaturschutz einzubringen. Andererseits erwarten die Bauern nun ein Ende der Spirale mit immer weitergehenden und zunehmend unerfüllbaren Forderungen.“ Der Verband

Bauern haben sich im November 2019 auf den Weg zu einer Demo nach Berlin gemacht, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Foto: Archiv/ Bauernverband

betont:“Die Landwirtschaft braucht Luft zum Atmen.“

Die Zustimmung zum Eckpunktepapier zeige den Naturschutzverbänden nun die Kompromissbereitschaft der Bauern, aber auch klare Grenzen. Das Papier formuliert Eckpunkte, die im folgenden Gesetzesentwurf der Landesregierung zu berücksichtigen sind.

Laut dem Bauernverband sind jedoch die vorgesehenen Ziele zur Reduktion von 40 bis 50 Prozent chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel und die drastische Erhöhung auf 30 – 40 Prozent Biolandwirtschaft in Baden Württemberg für die Landwirte kaum realistisch.

Zentrale des Bauernverbandes in Übrigshausen. Foto: Bauernverband

Um so wichtiger sei es, dass nun Untersuchungszeiträume für die Jahre 2023 und 2027 gesetzt sind, welche die Umsetzbarkeit dieser Punkte prüfen und im Hinblick auf die Realität eine Neubewertung ermöglichen.

Aus Sicht des Bauernverbandes Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems ist es klug, ein Einvernehmen zum Eckpunktepapier gefunden zu haben. Der Verband hofft, dass durch das Ende des Volksbegehrens und durch den Dialog mit den Naturschutzverbänden zukünftig den konventionellen Landwirten „mehr Respekt entgegengebracht“ werde. Beschimpfungen, beispielweise als „Giftspritzer“ oder Umweltverschmutzer, gehören, so sehen es beide Seiten, nicht zu einer konstruktiven Zusammenarbeit. Im Gegenteil: „Der Naturschutz und die Landwirtschaft sind Partner für mehr Artenschutz und Biodiversität. Die ganze Gesellschaft ist hier gefordert, nicht nur die Landwirtschaft.“

Podiumsdiskussion in Dörzbach am 4. Dezember 2019 zum Thema „Volksbegehren Artenschutz. Was erwartet die Gesellschaft? Wie sind wir Landwirte betroffen?“ Foto: Bauernverband

“Denn wir sehen es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Lösung offensichtlicher Probleme anzugehen. Die Landwirtschaft ist in weiten Teilen nicht Ursache, sondern ein wichtiger Partner für die Umsetzung von Lösungen, an denen wir gern mitarbeiten. Aber nur, wenn jeder Einzelne in unserer Gesellschaft dazu beiträgt. Denn das kann die Landwirtschaft allein nicht schaffen”, betont Jürgen Maurer als Vorsitzender des Bauernverbandes.

Bekenntnis zur Regionalität in der Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft hat sich in den letzten Wochen geschlossen und auf verschiedenen Wegen Gehör verschafft. Ob mit Demonstrationen oder in der Politik. „Darauf können die Bauern stolz sein. Sie werden gesehen und gehört. Die Öffentlichkeit hat positiv auf die Kompromissfähigkeit und auf die “Warnrufe” der Landwirte reagiert. Deren Botschaft an die Gesellschaft ist, den Wert regionaler Lebensmittel zu erkennen, zu schätzen und beim Einkauf entsprechend zu handeln. In politischen Entscheidungsprozessen muss Schluss gemacht werden, mit ständig steigenden und unrealistischen Anforderungen an die Landwirte.“

Geschäftsführer Helmut Bleher dazu: “Denn unsere Bauern haben keine Chance mit heimischen Lebensmitteln, wenn in den Regalen der Supermärkte billige Importprodukte liegen, die weit unter unseren Standards erzeugt werden. Genau deshalb sind sie auch billiger! Im Grunde sollte bei uns nur das gekauft werden können, was den Vorschriften entspricht, die auch an uns gestellt werden.“




Bauernverband fordert: Innovationen, ganz neue Ideen und Freiräume

Eindrucksvoll haben die Bauern in den letzten Wochen klar gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Beginnend mit den Grünen Kreuzen an den Feldern als “Einspruch”. Gegen das, wie vorliegend nicht umsetzbare, Volksbegehren und zu Tausenden mit ihren Traktoren auf den Straßen und in der Hauptstadt: sie machen aufmerksam auf ihre teils ausweglose Situation. Die verschiedensten landwirtschaftlichen Gruppierungen gingen dafür aufeinander zu und ins Gespräch, auch mit der Kanzlerin. In Dörzbach ging es am 04. Dezember 2019 in einer Podiumsdiskussion des Bauernverbandes darum, welche Form der Landwirtschaft zukünftig möglich sein wird. Themen waren neben dem Volksbegehren “Pro Biene”, dem Eckpunktepapier der Landesregierung in Stuttgart vor allem auch die zukünftige Rolle der Politik, des Lebensmitteleinzelhandels und der Gesellschaft. 130 Landwirte diskutierten deutlich und hoch emotional mit den Vertretern der Parteien. Einig war man sich darüber, dass der Klimawandel nicht zu leugnen ist und alle Kräfte dazu gebraucht werden, die Probleme anzugehen. Für zukünftige Diskussionen muss ein Konsens gefunden werden.

 

Jeder von uns trägt somit dazu bei, dass beispielsweise die Insekten sterben

 

Jürgen Maurer als Vorsitzender zur Position des Bauernverbandes erklärt: “Wir fordern für die Zukunft eine wirkliche Agrarwende. Mit wirklich meinen wir Innovationen, ganz neue Ideen und Freiräume. Durch Verbote und Gängeleien wird sich grundsätzlich nichts ändern. Weder in den Köpfen noch in den Ställen oder auf den Feldern. Anstatt den Bauern eine wirtschaftlich profitable Tätigkeit auf ihren Höfen immer weiter zu erschweren, erwarten wir von der Politik: Vertrauen in unsere Arbeit, einen weiterführenden Dialog und Mut für neue Rahmen. Die Landwirtschaft wird zukünftig noch stärker klar stellen, dass jeder von uns dazu beiträgt, die Umwelt immer stärker zu belasten. Durch unser Leben allgemein, unsere Wohnung, Heizung und Warmwasser, unsere Ernährung und dadurch, dass wir beispielsweise Auto fahren, mit Flugzeugen fliegen oder die Schienennetze nutzen. Jeder von uns trägt somit dazu bei, dass beispielsweise die Insekten sterben. Es ist einfach falsch, dies ausschließlich auf die Landwirtschaft zu schieben! Wir sehen es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Lösung dieser dringenden Probleme anzugehen. Die Landwirtschaft ist nicht die Ursache sondern ein wichtiges “Werkzeug” zur Lösung. Wir gehen das an, weil wir die Lebensmittel produzieren, die wir alle essen und trinken. Wir sind ganz nah dran, weil wir unsere Tiere, Äcker, Weinberge und Wiesen bestens kennen. An diesen Lösungen arbeiten wir gern mit. Das tun wir freiwillig, so wie es in die jeweiligen Betriebe passt, und mit Überzeugung. Aber nur, wenn jeder einzelne in unsere Gesellschaft dazu beiträgt. Denn das kann die Landwirtschaft allein nicht schaffen! Wir fordern praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze und Unterstützung von der Politik. Denn zum einen nehmen uns einseitige Beschuldigungen und Verordnungen die Motivation und zum anderen die Lebensgrundlage. Biodiversität und Artenschutz geht uns alle an, deshalb müssen die dadurch erhöhten Kosten zur Produktion unserer Lebensmittel von allen getragen werden. Das FRANZ-Projekt beispielsweise bietet dafür realistische Grundlagen für gut nachvollziehbare Rahmenbedingungen. Wir müssen unsere Höfe unternehmerisch bewirtschaften, sonst schließen wir sie über kurz oder lang. Wir begrüßen die Ankündigung der Bundeskanzlerin auf dem Agrargipfel zu mehr Dialog mit der Landwirtschaft und freuen uns über den Respekt für die Agrarbranche. Die Landwirtschaft hat sich auf verschiedenen Wegen Gehör verschafft, ob in Verbänden organisiert oder nicht. Darauf können wir Bauern alle stolz sein. Wir werden gesehen und gehört. Nun fordern wir insbesondere die jungen Landwirte auf, an diesen Lösungen mitzuarbeiten und sie mitzugestalten. Ob in Verbänden oder Arbeitskreisen: es steht viel auf der Tagesordnung. Wir brauchen jede Hilfe, neue Wege zu gehen, die der Landwirtschaft eine Zukunft und Berechenbarkeit geben.”

Podiumsdiskussion in Dörzbach am 4. Dezember zum Thema „Volksbegehren Artenschutz. Was erwartet die Gesellschaft? Wie sind wir Landwirte betroffen?“ Foto: Bauernverband




Bauernproteste: Mahnfeuer auch in Künzelsau-Steinbach

Um die anderen Landwirte, die in Berlin sind, zu unterstützen, hat Familie Wex in Steinbach ein Mahnfeuer entzündet. Sie wurde von weiteren Landwirten der Hohen Straße unterstützt. Die Landwirte demonstrieren nicht gegen Umweltauflagen oder für mehr Subventionen. Sie fordern eine nachhaltige Politik und einen fairen Umgang, betonten sie.

Bauern entzünden Mahnfeuer zur Unterstützung der Proteste der Bauern in Berlin. Foto: privat


 




Schwäbisch Hall/Hohenlohe: Bauern demonstrieren in Berlin

Landwirte sind mit ihren Traktoren erneut unterwegs nach Berlin. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe -Rems e.V. hervor. Für eine Demonstration am Dienstag, den 26. November 2019, in der Mitte von Berlin fahren sie aus allen Landesteilen als Staffelfahrt in Richtung Hauptstadt. Dort wollen sie erneut und mit Nachdruck auf die schwierige Situation der Landwirtschaft aufmerksam machen.

Eine Station auf dem Weg dahin ist die Geschäftsstelle des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems an der B19 nahe Schwäbisch Hall. Dort werden Sie vom Vorsitzenden des Vorstandes, Jürgen Maurer, und dem Geschäftsführer des Verbandes, Helmut Bleher, begrüßt.

Bauern machen sich auf den Weg zu einer Demo nach Berlin, um auf ihre Lage aufmerksam zu machen. Foto: Bauernverband


Teilnehmer stärken sich auf dem Weg zur Berlin-Demonstration beim Bauernverband. Foto: Bauernverband

Laut dem Bauernverband machen rund 250 Traktoren am späten Sonntagabend, den 24. November 2019, Halt beim Bauernverband in Übrigshausen. Foto: Bauernverband




„Höhere Schäden im Kocher- und Jagsttal“

Bauernverbandsvorsitzender Klaus Mugele über Futterknappheit, das Züchten wetterresistenter Pflanzen und die Verursache der Klimamisere.

Wir haben Klaus Mugele, Vorsitzender des Bauernverbandes Schwäbisch Hall Hohenlohe Rems, gefragt, welche Auswirkungen das extreme Wetter auf die Landwirte vor Ort hat und wie die Zukunft der Landwirtschaft aussehen kann.

GSCHWÄTZ: Gibt es von der Politik nun finanzielle Unterstützung für die Landwirte und wenn ja, in welcher Höhe? Und: Fließt das Geld an jeden landwirtschaftlichen Betrieb oder nur an bestimmte Betriebe (Großbetriebe oder gibt es andere Auswahlkritieren)?

Mugele: Dazu muss ich mich auf die Medien beziehen. Sie schreiben, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium die tatsächlichen Erntemengen aus den Ländern abwarten will und danach entscheiden wird. Pauschale Hilfen lehnt Klöckner für Bauern erneut ab. „Wir müssen uns die einzelnen Regionen genau anschauen“, sagte Klöckner der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. „In Nordrhein-Westfalen oder Rheinland- Pfalz zum Beispiel sind viele Landwirte weniger betroffen.“ Zudem werde ein Teil der Ausfälle bei Getreide durch Preissteigerungen ausgeglichen. „Im Norden und Osten, zum Beispiel in Sachsen, sieht es vielerorts sehr schlimm aus“, bilanzierte Klöckner.

Laut dem Statistischen Landesamt Baden-Württemberg gibt es im Hohenlohekreis derzeit insgesamt 1.098 Betriebe, die 41.838 Hektar bewirtschaften. Das sind 38,1 Hektar im Durchschnitt pro Betrieb. Im Schwäbisch Haller Kreis gibt es aktuell 18.74 landwirtschaftliche Betriebe mit einer Durchschnittsgröße von 38,1 Hektar (7.6105 Hektar gesamt).

„Getreidepreise an den Börsen bereits angestiegen“

GSCHWÄTZ: Bauern vor Ort kritisieren diese Einmalfinanzspritzen als unzureichend und fordern, dass die Lebensmittelpreise in Deutschland generell zu niedrig sind. Wie sehen Sie das?

Mugele: Für unseren Bauernverband steht fest, dass in der Vergangenheit die Preise für nahezu alle unsere Erzeugnisse zu niedrig waren. Es muss gelingen, dass wir mit unserer Erzeugung Geld verdienen können. Durch die Dürre in Deutschland und in der EU fallen die Erntemengen geringer aus. Beispielsweise sind die Getreidepreise an den Börsen bereits angestiegen. Auf den Brotpreis bleibt das ohne Auswirkung, weil der Rohstoff Weizen nur einen minimalen Anteil an den Herstellungs- und sonstigen Kosten hat. Unser Bauernverband fordert, dass den existenziell betroffenen Betrieben entsprechend den einschlägigen Richtlinien geholfen wird. Diese dienten auch bei früheren extremen Dürreschäden wie auch bei den Frostschäden im vergangenen Jahr als Grundlage. Das Ministerium Ländlicher Raum Baden-Württemberg hat seinerzeit schnell reagiert und ein Unterstützungsprogramm auf den Weg gebracht. Da noch keinerlei Entscheidungen gefallen sind, ja noch nicht einmal das Ausmaß der Schäden im Detail beziffert werden kann, ist es für eine Beurteilung der angedachten Maßnahmen viel zu früh. Seitens
der Politik und der Bevölkerung erkennen wir in weiten Teilen Zustimmung zu Hilfsprogrammen. Wir sind zuversichtlich.

GSCHWÄTZ: Zudem beobachten Bauern einen Klimawandel dahingehend, dass die Ernten jedes Jahr immer ein bisschen früher eingefahren werden müssen, in diesem Jahr rund vier Wochen früher. Sprich: Der Herbst steht früher vor der Tür. Stimmen Sie dem zu?

Mugele: Die offiziellen Beobachtungen der Wetterexperten sind bekannt und decken sich mit unseren Beobachtungen. Frühsommertrockenheit kommt häufiger vor als früher. Das Ausmaß von 2018 ist allerdings extrem und vergleichbar mit 2003 oder 1976. Es war also alles schon einmal da. Ältere Kollegen berichten auch aus den 50er Jahren von solchen Extremsommern.

„15 bis 20 Prozent Ertragsausfall“

GSCHWÄTZ: Kann man schon beziffern, wie viel Ernteverluste bei unseren Bauern vor Ort durch die Trockenheit entstanden sind? Im Nachrichtenmagazin Spiegel stand, dass allein die Kartoffelernte eventuell um 40 Prozent niedriger ausfallen werde.

Mugele: Als Faustzahl oder grobe Schätzung gehen wir hier in der Region von 15 bis 20 Prozent Ertragsausfall bei Getreide aus. Allerdings mit großen Unterschieden, selbst innerhalb einer Gemarkung, weil da und dort Gewitterwolken schon Niederschläge bescherten. Die sind oft eng begrenzt auf Streifen von wenigen Kilometern – beispielsweise zwischen Kocher und Jagst sowie Richtung Bauland dürften auch höhere Schäden von über 30 Prozent entstanden sein. Auch der Mais und die Zuckerrüben leiden erheblich. Näheres werden die Erhebungen der Behörden zeigen.

GSCHWÄTZ: Welches Obst und Gemüse ist besonders betroffen und werden das die Verbraucher durch teurere Preise merken?

Mugele: Ein Obstbauer hat mir berichtet, dass insgesamt reichlich Obst auf den Bäumen hängt. Äpfel seien klein geblieben. Zu Gemüse fehlen mir Informationen.

„Futterknappheit für Rinder und Schafe ist ein echtes Problem.“

GSCHWÄTZ: Ein weiteres Problem in der Landwirtschaft: Das Futter für die Tiere bleibt aus, da die Weiden wegen der anhaltenden Trockenheit nicht mehr richtig nachwachsen. Ein Bauer sagte, er habe deswegen rund 20.000 Euro Mehrausgaben, da er das Futter nun zukaufen müsste. Können Sie diese Zahl bestätigen oder haben Sie andere Zahlen diesen Bereich betreffend?

Mugele: Futterknappheit für Rinder und Schafe ist ein echtes Problem. Die bezifferten Mehrausgaben können zutreffen. Sie werden von Betrieb zu Betrieb variieren,
unter Umständen auch höher ausfallen.

GSCHWÄTZ: Werden wir künftig immer mehr mit Wetterextremen (Hochwasser, Stürme, Trockenheit) bei uns leben müssen und wenn ja, wie können sich die Landwirte und auch die Verbraucher) darauf einstellen?

Mugele: Wissenschaftliche Untersuchungen beschreiben ein solches Szenario. Anpassungsmöglichkeiten für die Landwirtschaft werden erforscht. Ein Patentrezept gibt es noch nicht. Beispielsweise sollte es mit Hilfe der Pflanzenzüchtung, auch mit neuen Verfahren, gelingen, neue Sorten hervorzubringen, die trotz Trockenheit beständigere Erträge ermöglichen. Dieser Ansatz wurde politisch niedergeschmettert, zuletzt auch vom Europäischen Gerichtshof. So werden Fortschritte verhindert. Zudem ist es völlig daneben, wenn jetzt Vertreter der Grünen und von Umweltverbänden die Landwirtschaft zum Buhmann und Verursacher extremer Witterungsverläufe abstempeln.

Mugele bezieht sich dabei unter anderem auf einen Beitrag auf der Internetseite der Huffingtonpost, in welchem Anton Hofreiter von „umweltschädlicher Landwirtschaft“ spricht: “Die industrielle Landwirtschaft kann nicht so weiter machen wie bisher. Statt krisenanfälliger Monokulturen und umweltschädlicher Tierhaltung brauchen wir eine ökologisch verträgliche Landwirtschaft.” Die von Greenpeace Europe für Agrikultur zuständige Christiane Huxdorff blies in Brüssel in ein ähnliches Horn: „Die von der Europäischen Kommission beschlossenen Maßnahmen sind geeignet, einigen Landwirten vielleicht eine begrenzte Erleichterung zu verschaffen, wird aber gleichzeitig die intensiven, die Natur zerstörenden landwirtschaftlichen Bewirtschaftungspraktiken weiter unterstützen, die sich für den Klimawandel in erster Linie verantwortlich zeichnen und die Gefahr von Trockenperioden, wie wir sie zur Zeit in Europa erleben, eher noch verstärken.“

Mugele hat dazu eine klare Meinung und distanziert sich davon, dass die Landwirtschaft Schuld an der Klimaveränderung sei, sondern nennt stattdessen die in seinen Augen Hauptverursacher: „Das ist so was von absurd und böswillig. Nicht nur das Umweltbundesamt nennt Energieerzeugung, Industrie und Verkehr als Hauptverursacher.

Das Interview erfolgte schriftlich per E-Mail am 13. August 2018.