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  • Die Milch macht's - oder doch nicht? Foto: adobe stock

Krebserregende Milch? Bundesministerium sagt: Verzehr in den empfohlenen Mengen nicht gesundheitsschädlich

Ausgehend von Anja Petermanns kritischem Text über die Kuhmilch https://www.gschwaetz.de/2019/11/30/nicht-so-wie-bei-heidi-auf-der-alm-neuensteinerin-warnt-milch-foerdert-Krebszellen/ hat die GSCHWÄTZ-Redaktion auch andere Stellen zum Thema Milch befragt.

Der Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe-Rems e.V. leitete unsere Anfrage an den Landesbauernverband in Baden-Württemberg e.V. weiter. Dieser wiederum verwies uns zur weiteren Recherche an die Wissenschaftler der Universität Hohenheim. Keine dieser Stellen machte uns gegenüber eine Aussage, wie gesund(heitsschädlich) Milch ist.

Was die Gesundheitsrisiken der Milch speziell für den Menschen betrifft, haben wir die Ärztekammer Hohenlohe zu Rate gezogen. Dort leitete man uns an die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg weiter. Diese wiederum erklärte: „Über Ihre Fragen kann man sicherlich vortrefflich streiten, wie über viele Ernährungsfragen. Doch diese sind sicherlich bei der Deutschen Gesellschaft für Ernährung besser aufgehoben als bei uns.“ Und so zogen die Wochen ins Land, bis schließlich die Deutsche Gesellschaft für Ernährung unsere Anfrage beantwortet hat.

Zum Thema CO2-Ausstoß und Milchkuh-Haltung hat das Landratsamt des Hohenlohekreises unsere Fragen beantwortet.

„Milch nicht per se gesundheitsschädlich“

Anja Petermann sagt, dass durch die Massentierhaltung bei Kühen eine schlechte CO2-Bilanz entstünde. Sascha Sprenger, Pressesprecher des Landratsamtes des Hohenlohekreises sagt jedoch: „Die Anzahl der gehaltenen Milchkühe und die CO2-Bilanz sind zwei verschiedene Themenkomplexe. Produziert eine Kuh mehr Milch, verringert sich der CO2-Ausstoß je Kilogramm Milch. Auf der anderen Seite wären extensiv gehaltene Bestände unter dem Gesichtspunkt CO2-Ausstoß je Kilogramm Milch eher nachteilig zu bewerten.“ Was die Vorwürfe der Tierquälerei anbetrifft, seien die meisten Milchkühe im Hohenlohekreis zwischenzeitlich in Laufställen mit Auslauf ins Freie gehalten, so dass die heutigen Haltungssysteme für Rinder den Bedürfnissen der Tiere was die Bewegung, das Stallklima und die Hygiene anbetrifft wesentlich besser seien als frühere.

Vielfältige Gesetze und Vorschriften

Jeder Tierhalter in Deutschland habe vielfältige Gesetze und Vorschriften einzuhalten, die regelmäßig auch vom Landratsamt Hohenlohekreis kontrolliert werden, erklärt Sprenger. Verstöße werden beanstandet und müssten behoben werden, ansonsten komme es zu Strafen bis hin zum vollständigen Tierhaltungsverbot. Sprenger versichert: „Nur gesunde Tiere, denen es gut geht, sind in der Lage Milch zu geben. Kranke Tiere müssen vorzeitig den Betrieb verlassen und das ist immer ein wirtschaftlicher Nachteil für die Landwirte. Daher ist jeder Landwirt grundsätzlich daran interessiert, dass es seinen Tieren gut geht.“

„Pflanzliche Getränke sind nicht gesünder“

Marion Kinzinger, Referentin der Pressestelle des Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, steht dem Thema Milch etwas anders gegenüber als Anja Petermann.

Laut Kinzinger können Milch und Milchprodukte einen wichtigen Beitrag zu einer ausgewogenen Ernährung leisten. Milch enthalte viele wertvolle Nährstoffe, wie hochwertiges Eiweiß, Vitamin B2 und Kalzium.

Wie auch schon Sprenger vom Landratsamt des Hohenlohekreises, weist auch Kinzinger auf die empfohlene Tagesmengen von Milch hin: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, täglich Milchprodukte in Mengen von zirka 200 bis 250 Gramm Milch und Milchprodukte sowie zirka zwei Scheiben Käse, also 50 bis 60 Gramm, zu verzehren. Das Max Rubner-Institut (MRI), Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel, habe zusammen mit dem Kompetenzzentrum für Ernährung in Bayern (KErn) etwa 400 wissenschaftliche Publikationen zur Milch gesichtet und bewertet. „Auf Basis dieser Berichte kann keine der in der Anfrage genannten gesundheitsabträglichen Wirkungen durch den Verzehr von Milch gestützt werden“, beteuert Kinzinger.

Risiko lediglich bei sehr hohen Verzehrmengen

Die Ernährungswissenschaftler der beiden oben genannten Einrichtungen kommen zu dem Schluss, dass der Verzehr von Milch oder Milchprodukten in den von der DGE empfohlenen Mengen das Risiko für Krebserkrankungen nicht erhöht. Lediglich für sehr hohe Verzehrmengen, wie über ein Liter Milch pro Tag, sei bei Männern ein Zusammenhang mit Prostatakrebs möglich.

Bezüglich Darmkrebs scheint Milch – in größeren Mengen verzehrt – das Risiko sogar zu senken. Auch für die Entstehung von weiteren Krankheiten wie Allergien oder Asthma könne die Milch nicht verantwortlich gemacht werden. Für kardiovaskuläre Erkrankungen – Bluthochdruck und Diabetes Mellitus Typ 2 – seien sogar schützende Wirkungen beschrieben worden.

Seltene Fälle einer Allergie

Jedoch gäbe es in seltenen Fällen eine Allergie gegen das Milcheiweiß. In solchen Fällen müssen Milch und Milchprodukte gemieden werden. „Ein Zusammenhang zwischen dem Milchverzehr und Osteoporose beziehungsweise Knochenbrüchen ist nicht eindeutig nachgewiesen“, so Kinzinger. Die Calciumzufuhr über Milch und Milchprodukte – insbesondere in jungen Jahren – könne zu einer erhöhten Knochendichte führen.

Beim Thema Wachstumshormone in der Kuhmilch lenkt Kinzinger ein: „Es ist richtig, dass in Kuhmilch, wie in der Milch jedes anderen Säugetiers auch, ein Wachstumshormon enthalten ist. Es konnte jedoch bisher nicht nachgewiesen werden, dass dieses in das Blut des Menschen aufgenommen wird. Und nur dort könnte es Wirkung entfalten. Ein hoher Eiweißverzehr kann jedoch zur Erhöhung des körpereigenen Wachstumshormons und damit zu mehr Längenwachstum führen. Milch wird im allgemeinen nicht als entzündungsfördernd beschrieben.“

Auch Pflanzliche Milchersatzprodukte sind hochverarbeitete Lebensmittel

Menschen, die, Allergien gegen Milcheiweiß haben, sollen auf Milch verzichen. Den Milchkonsum einschränken sollte man bei einer Laktoseintoleranz, also einer Unverträglichkeit gegen den Milchzucker. Jedoch warnt Kinzinger auch: „Pflanzliche Milchersatzprodukte sind hochverarbeitete Lebensmittel. Je nach Pflanzenbasis zum Beispiel Soja, Mandel, Reis und Hafer enthalten sie unterschiedliche Inhaltsstoffe. Für Menschen, die keine Unverträglichkeit gegen Kuhmilch haben, sind die pflanzlichen Getränke nicht gesünder.“

Auch die Aussage, dass Kühe ein Stresshormon produzieren, welches direkt in die Milch übergeht, weil sie zu früh von ihren Kälbern getrennt werden, dementiert Sprenger. Laut Aussage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gäbe es keinen Anlass für die Annahme eines relevanten Gesundheitsrisikos bezüglich der teilweise frühen Trennung von Kuh und Kalb sowie deren Auswirkung auf die Milchqualität.

Gesundheitliche Folgen für die Kuh

Die Milchleistung bei einer Hochleistungskuh liegt laut Petermann heute durch Züchtung und Kraftfutter inzwischen bei 80 Litern täglich – nicht ohne gesundheitliche Folgen für die Kuh. Ihre Lebenserwartung sei in den vergangenen Jahren von 25 auf fünf Jahre gesunken. Sprenger indes hat völlig andere Zahlen: 2018 habe eine Kuh in Baden-Württemberg im Durchschnitt 8.100 Kilogramm Milch pro Jahr gegeben. Umgerechnet auf zirka 305 Tage pro Jahr, in denen eine Kuh Milch gebe, wären das 26,6 Kilogramm Milch pro Tag.

Ständige Futteruntersuchungen und Rationsberechnungen

Durch den viel zu hohen Eiweißgehalt im Kraftfutter werden, laut Petermann, Leber und Niere der Kuh geschädigt. Das führe dazu, dass der Körper unter anderem nicht mehr richtig entgiftet werden könne und das lande wiederum in der Milch. Das Landratsamt des Hohenlohekreises versichert jedoch, dass durch ständige Futteruntersuchungen und Rationsberechnungen die Tiere eine bedarfsgerechte Fütterung erhalten, mit dem vorrangigen Ziel, dass die Tiere gesund und fit bleiben. Die Qualität der produzierten Milch von jedem Einzeltier würde regelmäßig geprüft und in der Zusammenstellung der Futterkomponenten berücksichtigt. Denn: „Nur gesunde und unbedenkliche Milch wird für den Verzehr freigegeben.“

Individuelle Einschätzungen

Sprenger ist der Meinung, dass die Bevölkerung zunehmend über den gesundheitlichen Wert von Milch und Milchprodukten verunsichert wird. Dies beruhe auf individuellen Einschätzungen einzelner Personen und nicht auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen. „Milch und Milchprodukte sind per se nicht gesundheitsschädlich, sondern können in den empfohlenen Mengen von täglich 200 bis 250 Gramm Milch oder Joghurt und 50 bis 60 Gramm Käse einen ausgewogenen Speiseplan bereichern“, ist sich Sprenger sicher.

 

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