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Künzelsau/Stuttgart: Anton Baron stellt Antrag für Taubenhaus und kritisiert Stadtverwaltung Künzelsau

Anton Baron (AfD), Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Hohenlohe, beurteilt die Arbeit der Künzelsauer Taubenfreunde sehr positiv: „Durch die artgerechte Fütterung konnte eine Schädigung der Gebäude weitgehend verhindert werden. Die Entnahme von über 2.100 Eiern aus den Nestern hat zudem eine weitere Vergrößerung der Population abwenden können. Die weit überwiegend unentgeltliche Tierschutzarbeit der Taubenfreunde, für die ich selbst auch schon gespendet habe, ist daher von großem Mehrwert für die Stadt. Die Verantwortlichen im Künzelsauer Rathaus scheinen diese Bedeutung jedoch zu wenig zu beachten, was den Fortbestand des Vereins gefährdet.“ 

„Dr. Peter Hauck beurteilt die Maßnahmen der Taubenfreunde genauso positiv wie ich“

Baron hatte daher neben einem Brief an Landwirtschaftsminister Dr. Peter Hauk auch einen Antrag zu diesem Thema eingereicht, der nun von der Landesregierung beantwortet wurde. „Diese beurteilt die Maßnahmen der Künzelsauer Taubenfreunde ebenso positiv wie ich. Weiterhin geht aus der Antwort hervor, dass eine andere baden-württembergische Stadt jährlich 72.000 Euro an Personal-, Futter- und Materialkosten für elf Taubenschläge beisteuert. Überträgt man diese Summe auf den Künzelsauer Taubenschlag, wären dies für die Stadt also Ausgaben von 6.000 bis 7.000 Euro anstelle der aktuellen 2.000 Euro. Mittels derart moderater Mehrausgaben könnte der unter einem Mangel an ehrenamtlichen Helfern leidende Künzelsauer Taubenschlag etwa einen Minijob finanzieren und wäre zumindest nicht mehr im Fortbestand gefährdet. Ich appelliere daher an Herrn Bürgermeister Neumann und die Gemeinderäte, nach dem Vorbild anderer Kommunen die nötigen Gelder bereitzustellen, die sich für die Stadt garantiert rentieren werden“, resümiert der Landtagsabgeordnete.

Das Fehlen ehrenamtlicher Mitarbeiter sei das Hauptproblem

In Künzelsau gibt es allerdings anstatt elf Taubenschläge, lediglich ein Taubenhaus. Dementsprechend geringer sind auch die entsprechenden Ausgaben. Elke Sturm von der Stadt Künzelsau verwies im Dezember 2019 auf GSCHWÄTZ-Nachfrage darauf, dass „die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene Förderung des Taubenhauses mit 1.000 Euro bereits auf 2.000 Euro verdoppelt“ worden sei. Die Stadt habe auch das Grundstück zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hätten beim Aufbau des Taubenhauses und Einrichten des Grundstücks angepackt. „Voraussetzung für die städtische Förderung war von Beginn an, dass die Betreuung des Taubenhauses dem Verein obliegt. Der Gemeinderat hat in seinem Beschluss im Juli 2015 bereits deutlich formuliert, dass der Betrieb des Taubenhauses und die finanzielle Förderung eingestellt werden, sollte die nachhaltige Betreuung durch das Stadttaubenprojekt nicht sichergestellt sein. Dass es nun eventuell so kommt, ist schade. Die Aktiven des Vereins Taubenfreunde Künzelsau haben, nach eigener Aussage, leider nicht die ausreichenden ehrenamtlichen Mitarbeiter und weitere finanzielle Förderer gefunden. Diese Aufgabe gut zu meistern ist und bleibt eine Herausforderung und ist eine Existenzfrage für viele Vereine. Nicht allein deshalb bietet die Stadtverwaltung mit der Ehrenamtsbörse eine Plattform und unterstützt Künzelsauer Vereine finanziell mit rund 45.000 Euro jährlich.“

Quelle: Pressemitteilung des Landtagsabgeordneten Anton Baron/Recherche GSCHWÄTZ

Stellungnahme der Landesregierung zu der Anfrage von Anton Baron bezüglich des Taubenhauses. Foto: GSCHWÄTZ

Stellungnahme der Landesregierung zu der Anfrage von Anton Baron bezüglich des Taubenhauses. Foto: GSCHWÄTZ

Stellungnahme der Landesregierung zu der Anfrage von Anton Baron bezüglich des Taubenhauses. Foto: GSCHWÄTZ

Stellungnahme der Landesregierung zu der Anfrage von Anton Baron bezüglich des Taubenhauses. Foto: GSCHWÄTZ

Stellungnahme der Landesregierung zu der Anfrage von Anton Baron bezüglich des Taubenhauses. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

 

Anton Baron fordert, dass die Stadtverwaltung mehr Geld für die Tauben jährlich in die Hand nimmt. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die Stadtverwaltung verweist darauf, dass sie die Taubenfreunde in den vergangenen Jahren bereits sehr unterstützt hat. Foto: Gschwätz




„Die Stadt wird zugeschissen“ – Finanzielle Probleme des Taubenhauses in Künzelsau

Mehr Tauben, mehr Dreck, mehr Arbeit und die große Frage: Wer soll das bezahlen?
Am 30. Oktober 2019 lud der Verein Taubenfreunde Künzelsau zum Informationsvortrag über „Die Stadttaube – das vergessene Haustier“ in den Gewölbekeller der Volkshochschule ein. Der Verein Taubenfreunde Künzelsau e.V. betreibt das Taubenhaus am Kocher und sorgt mit diesem dafür, dass die Taubenpopulation in Künzelsau geregelt wird, die Stadttauben satt und gesund sind und somit die empfundene Belästigung und Verschmutzung durch hungrige und kranke Tauben in der Stadt deutlich zurückgegangen ist.
„So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“
Schnell wird klar, dass sich der Schwerpunkt der Veranstaltung ein wenig verschieben wird: Neben dem Vortrag ist die Situation des Vereins ein akutes Thema: Der Taubenfreundeverein leidet aufgrund von Todesfällen, gesundheitlichen Problemen und einem Wegzug an einem Mangel an Helfern. Auch finanziell geht es dem Haus schlecht. Nun steht das Taubenhaus kurz vor dem Aus. „So dankbar ich am Anfang war, so enttäuscht bin ich heute“ sagt Marita Müller vom Taubenhaus mit Blick auf die Unterstützung durch Gewerbe und Stadtverwaltung, von denen trotz persönlicher Einladung niemand zur Veranstaltung gekommen sei.
„Wir machen die Arbeit, aber mit uns spricht man nicht.“
Marita Müller berichtet von einem Gespräch mit Bürgermeister Stefan Neumann im Mai 2019, wobei sie den Bürgermeister auf die Probleme des Vereins und den Nutzen für die Stadt und die Gewerbetreibenden hingewiesen habe.
„Der Aufwand liege bei 6.000 Euro pro Jahr“
Die Stadt Künzelsau unterstützt den Verein und den Betrieb des Taubenhauses derzeit mit 2.000 Euro pro Jahr – dieses Geld reiche aber laut Susanne Müller nicht aus: Allein die Futterkosten lägen bei etwa 1.800 Euro jährlich, das Putzen koste zirka 1.000 Euro pro Jahr, dazu kämen sonstige Personalkosten und Tierarztkosten. Der geschätzte Aufwand liege bei zirka 5.000 bis 6.000 Euro pro Jahr. Genaugenommen umfasse die Arbeit für das Taubenhaus den Umfang eines Halbtagsjobs – und das jeden Tag, auch an Wochenenden, Feiertagen und in den Ferien. Edgar Sorg ruft verwundert dazwischen: „Die Kosten von 6.000 Euro finde ich sehr niedrig kalkuliert.“
Elke Sturm von der Stadt Künzelsau verweist auf GSCHWÄTZ-Nachfrage wiederum darauf, dass „die ursprünglich vom Gemeinderat beschlossene Förderung des Taubenhauses mit 1.000 Euro bereits auf 2.000 Euro verdoppelt“ worden sei. Die Stadt habe auch das Grundstück zur Verfügung gestellt. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs hätten beim Aufbau des Taubenhauses und Einrichten des Grundstücks angepackt. „Voraussetzung für die städtische Förderung war von Beginn an, dass die Betreuung des Taubenhauses dem Verein obliegt. Und der Gemeinderat hat in seinem Beschluss im Juli 2015 bereits deutlich formuliert, dass der Betrieb des Taubenhauses und die finanzielle Förderung eingestellt werden, sollte die nachhaltige Betreuung durch das Stadttaubenprojekt nicht sichergestellt sein. Dass es nun eventuell so kommt, ist schade. Die Aktiven des Vereins Taubenfreunde Künzelsau haben, nach eigener Aussage, leider nicht die ausreichenden ehrenamtlichen Mitarbeiter und weitere finanzielle Förderer gefunden. Diese Aufgabe gut zu meistern ist und bleibt eine Herausforderung und ist eine Existenzfrage für viele Vereine. Nicht allein deshalb bietet die Stadtverwaltung mit der Ehrenamtsbörse eine Plattform und unterstützt Künzelsauer Vereine finanziell mit rund 45.000 Euro jährlich.“
„In Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“
In anderen Städten gehe man den Umgang mit der Stadttaube professioneller an: In der Landeshauptstadt Stuttgart gebe es einen bezahlten Taubenwart, aber selbst in einer mit Künzelsau vergleichbaren Kleinstadt wie Buchen gebe es einen Taubenbeauftragten. Und „in Möckmühl funktioniert das von ganz alleine“, berichtet Bernhard Klier von der Tierrettung Odenwald-Hohenlohe.
Die Einwerbung von Spenden gestaltet sich schwierig, die Taube habe einen schlechten Ruf als „Ratte der Lüfte“ – andererseits ist sie doch auch als Symbol des Heiligen Geistes, als liebenswerte Turteltaube,  hoffnungsstiftende Friedenstaube und natürlich als wohlschmeckendes Haustier bekannt. Trotzdem bekennt Will Behle: „Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist.“ Und Susanne Müller möchte nicht länger betteln müssen: „Dabei erbringen wir eine unterschätzte Dienstleistung für die Stadt.“
„Wenn du sagst, dass du vom Taubenverein bist, schauen dich die Leute an, als ob du jenseits der Realität bist“
Dabei liege der Nutzen für Stadtverwaltung und Gewerbe klar auf der Hand: Seit das Taubenhaus besteht, habe man allein zirka 2.000 Eier abgelesen. Abgelesen bedeutet: Den Nestern im Taubenhaus entnommen, damit sie nicht bebrütet werden und es noch mehr Tauben gibt.  Susanne Müller: „Das sind Tauben, die nicht in der Stadt sind.“ Somit werde durch ihre Arbeit die Population deutlich reduziert auf derzeit zirka 150 Tauben im Taubenhaus selbst sowie zirka 150 Tauben, die am Taubenhaus gefüttert werden. Dadurch seien die Tauben in der Stadt deutlich weniger präsent, denn, so bringt es Bernhard Klier auf einen kurzen Nenner: „Die Taube ist, wo‘s Futter ist“. Die Verschmutzung durch Taubenkot in der Stadt sowie die Belästigung durch futtersuchende, schwache und kranke Tauben in der Innenstadt sei erheblich zurückgegangen. Das werde auch von den Gewerbetreibenden bestätigt. Bernhard Klier kritisiert trotzdem: „Stadt und Gewerbe haben vorher viel investiert – jetzt sind die Tauben verschwunden und niemand gibt mehr Geld für die Tauben aus.“
Gespräch mit dem Gemeinderat
Willi Behle meint, dass die Stadt Künzelsau das Taubenhaus als Erfolg vermarkten müsste, denn das Taubenhaus in Künzelsau ist über die Grenzen der Region als Modellinstitution bekannt. Gudrun Schickert belegt dies: „Wir sind über Baden-Württemberg bekannt – selbst die Stadt Paderborn hat sich informiert.“ Sollte der Verein das Taubenhaus nicht mehr betreiben können, muss das Taubenhaus geschlossen und die Fütterung eingestellt werden. Die Tauben suchen sich dann wieder Nistplätze in der Stadt, sie suchen dann auch wieder Futter in der Stadt, ernähren sich wieder von Abfällen. Willi Behle drückt es deftig aus: „Die Konsequenz ist, dass das Taubenhaus zumacht und die Stadt zugeschissen wird.“
Nachdem es kurzzeitig so ausgesehen hatte, dass der Verein aufgelöst wird, liegen diese Pläne momentan auf Eis. Die Taubenfreunde wollen versuchen, mit dem Gemeinderat ins Gespräch zu kommen. Im April 2020 wollen sie dann schauen, was sich bis dato getan hat und neu überlegen.
Text: Matthias Lauterer

Tauben am Taubenhaus.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Maritta Müller erklärt, warum Hochzeitstauben zum Sterben verurteilt sind. Foto: GSCHWÄTZ

Die Ehrenamtlichen locken die Tauben mit Futter raus aus der Künzelsauer Innenstadt zum Taubenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde

https://www.gschwaetz.de/2019/10/27/die-stadttaube-das-vergessene-haustier/
https://www.gschwaetz.de/2019/09/21/strangulierte-tiere-in-kuenzelsau-die-sollen-doch-verrecken/



Die Stadttaube – das vergessene Haustier

Stadttauben brauchen unsere Hilfe: Würde man in unseren Städten Hunde oder Katzen so behandeln, wie wir mit den Stadttauben verfahren, gäbe es empörte Proteste. Susanne Müller, ist Vorsitzende von Taubenfreunde e.V., Künzelsau und spricht am Mittwoch, den 30. Oktober 2019 um 19 Uhr in der Volkshochschule Künzelsau über ‚Die Stadttaube – das vergessene Haustier‘. Es registriert kaum jemand, dass jeden Tag unzählige dieser Vögel vor unseren Augen ums Überleben kämpfen und mit zum Teil erheblichen Verletzungen leben. Eigentlich ist die Taube ein Haustier, wie Hund und Katze und gehört zu jedem Stadtbild. Doch die Überpopulation führt zu Ärger durch Dreck. Wie damit gut und tiergerecht umgegangen werden kann, ist Thema des abends. Schlagwörter sind zum Beispiel kontrollierte Fütterung, Taubenhaus und tier(schutz)gerechte Möglichkeiten der Populationsverringerung. Der Abend stellt dieses hochintelligente, soziale und liebenswerte Tier in den Mittelpunkt.

Der Eintritt ist frei.

Quelle: Volkshochschule Künzelsau

 

 

 




Hilferuf vom Taubenhaus

Das Taubenhaus ist auf Hilfe angewiesen. Sie leisten ehrenamtlichen Tierschutz zum Gemeinwohl und benötigen dringendst finanzielle Hilfe und helfende Hände.

Rita Thielecke schreib auf die Facebookseite der Taubenfreunde Künzelsau: „Die letzten Tage waren so anstrengend, das ich mir nicht sicher bin, ob unser wirklich wunderschönes Taubenhaus noch lange funktionieren kann. Es begann vor 3 Jahren.Wir haben voller Enthusiasmus erreicht, das die Stadt uns beim Bau eines Taubenhauses unterstützt hat. Das war erst einmal in Ordnung und durchaus machbar. Im Laufe der Zeit hat sich aber vieles geändert, zum einem wussten wir selbst nicht, wie ein Taubenhaus auf lange Sicht funktioniert, es kamen viele Tauben zum Teil aus der Stadt dazu, aber auch viele verirrte Brieftauben, sehr viele Fundtiere und Tiere, die wir bei Sanierungsarbeiten gesichert haben.
Wir haben in diesen drei Jahren 1909 Eier abgelesen. Wir haben Öffentlichkeitsarbeit betrieben, haben bei Stadtfesten, Kuchenbasaren,Tombolas, Wurst braten und vielem Anderen versucht Geld für das Taubenhaus zu bekommen. Die Stadt unterstützt uns mit 2000 Euro im Jahr. Aber es reicht nicht. Wir brauchen vor allem Futter, aber auch Putzmittel, Putzgeräte, Handschuhe, Nistschalen, Gipseier, Blautinktur für das Wasser und und und. Dazu kommen Tierarztbesuche, es müssten regelmäßige Kot-Kontrollen durchgeführt werden. Helfer, die keine Vereinsmitglieder sind, möchten ein paar Euros verdienen.
Die Mitglieder unseres Vereins sind zum Teil zu alt, berufstätig oder wohnen zu weit weg, um helfen zu können. Im Moment stemmen wir zu Dritt diese Aufgabe. Zwei wichtige Helfer sind verstorben, zwei weitere verzogen – die Reihen haben sich gelichtet. Es gibt -außer den ganz lieben Privatpersonen- keine Spenden. Wir haben allen Geschäftsleuten einen Brief geschickt, unsere Arbeit vorgestellt und um Unterstützung gebeten – es kam nichts. Viele nette Worte, Anerkennung, das die Stadt sauberer geworden ist und mehr nicht. Den Kot, den die Tauben nun nicht mehr vor der Ladentür hinterlassen, den kratzen wir jetzt weg. Wir haben keine Lobby und keine Futterspenden wie der Tierschutzverein, der gefüllte Körbe mit Futterspenden in Geschäften stehen hat, denn bei uns geht nichts.
Nicht mal einen Bauern, der uns für wenig Geld Futter verkauft. Wir kaufen in der Hobag. Auch da außer 10 Prozent Skonto keine noch so kleine Futterspende – nichts.
Im Schnitt dreimal pro Woche bekommen wir Anrufe. Verletzte, verirrte, geschwächte Tauben. Alle Tierärzte, die Stadtverwaltung, der Tierschutzverein geben unsere Nummer weiter, wir fahren mit dem Privatauto und holen die Tiere – alles selbstverständlich und immer zum Wohl der Tiere. Und jetzt haben wir bei zwei Sanierungen in der Stadt mehr als 30 Tauben sichergestellt.Viele von denen müssen noch gepäppelt werden. Es ist nicht mehr zu schaffen. Wir brauchen einen Taubenwart wie in anderen Städten oder finanzielle Mittel um Menschen, die ehrenamtlich helfen möchten, zu bezahlen. Von Seiten der Stadt sieht man da keine Möglichkeit. Was bleibt, ist maßlose Enttäuschung, denn in unserem Landkreis liegt die Arbeitslosigkeit bei 0 Prozent, das heißt es ist Geld da. Wir hoffen noch immer auf Verstehen, denn wir sind zwar ein Verein, aber mit dem Erlös unserer Aktivitäten machen wir keine Ausflüge, kaufen keine Sportgeräte. Es fließt zu 100 Prozent in die Versorgung der Tauben. Nicht auszudenken, wenn all die zirka 300 Tiere wieder in der Stadt auf Nahrungssuche unterwegs sind.“

 




Hochzeitstauben: Zum Sterben verurteilt

Für den schönsten Tag eines Paares, den Tag der Hochzeit, kann man auf eBay Kleinanzeigen für sechs Euro weiße Tauben mit einem niedlichen Gesicht und langem Federkleid kaufen. Doch was passiert mit den Tauben, sobald sie in die Lüfte steigen und das Brautpaar sich anderen Dingen widmet?

Maritta Müller erklärt, warum Hochzeitstauben zum Sterben verurteilt sind. Foto: GSCHWÄTZ

// „Eine traurige Tradition“ //

Maritta Müller vom Taubenhaus in Künzelsau erklärt: „Eine traurige Tradition, dass man am Hochzeitstag weiße Tauben fliegen lässt und die an dem Tag sehr schön findet. In der Regel sind das aber Tiere, die gezüchtet werden für diesen einen Tag. Sie werden frei gelassen und wissen dann nicht wohin, da sie in der Regel kein zu Hause haben. Es kommt ein Greifvogel und holt sie sich, weil sie auffällig weiß sind. Sie sind überzüchtet, haben zu kurze Schnäbel und können nicht richtig picken.“ Müller kümmert sich täglich um die 150 im Taubenhaus in Künzelsau lebenden Tauben und die Stadttauben, welche jeden Tag zur Fütterungszeit vorbeikommen. Auch Hochzeitstauben sind darunter.

// „Für mich ist das kein Sport, sondern Tierquälerei.“ //

Brieftauben ergeht es ähnlich. Die monogam lebenden Tiere würden ihren Partnern entrissen und zum Beispiel 300 Kilometer weiter weg wieder frei gelassen werden. „Die Brieftauben müssen dann wieder nach Hause finden. Die Schnellste und Beste gewinnt und es gibt Preisgelder. Für mich ist das kein Sport, sondern Tierquälerei“, sagt Müller. „Man nimmt das Männchen und bringt es weg. Das Männchen will nichts lieber, als zu seiner Familie und deswegen fliegt es so schnell. Aber oft schaffen sie es nicht.“ Das Taubenhaus beherbergt momentan zwölf solcher Vögel. Man erkennt sie daran, dass sie einen Ring ums Bein haben.

// über 1.000 Tauben weniger in Künzelsau //

Die ersten 20 Tauben hat Müller in der Künzelsauer Innenstadt gefangen und im Taubenhaus eingesperrt, bis sie angefangen haben zu brüten. Danach sind sie nicht mehr eingesperrt, aber sie bleiben dann aus reiner Gewohnheit an diesem Fleck, ihrer neuen Heimat – ein freies Areal rund um ein kleines Gartenhäuschen am Rande von Künzelsau.

// Wer ernährt sich schon gerne von Essensresten und Kippenstummel? //

Aber wie kam es dazu, dass immer mehr Tauben die Städte bevölkern? Früher habe man Tauben gezüchtet, um sie zu essen, erklärt Müller, aber irgendwann habe man die Tauben nicht mehr gewollt. Die Taubenliebhaberin verdeutlicht: „Dazu kommt, dass die Tauben in der Regel krank sind, weil sie nichts zu fressen finden – oder das Falsche zu fressen finden. Tauben sind reine Körnerfresser. In der Stadt finden sie aber nur Essensreste und fressen sogar Zigarettenkippen, wenn es ganz schlimm kommt – weil sie am Verhungern sind.“ Da die Tauben meist im Schwarm auf Nahrungssuche sind, erklärt Müller, sind sie für viele Menschen lästig. Aber auch die Angst vor dem gesundheitsgefährdeten Kot schwirre immer im Hinterkopf der Menschen. „Das ist eigentlich bitter, weil es ein von Menschen gemachtes Problem ist. Menschen sind dafür verantwortlich, dass man den Tauben hilft – so wie hier in Künzelsau. Die Taubenanzahl wird minimiert, in dem man Eier abliest,“ erklärt die Künzelsauerin.

Die Ehrenamtlichen locken die Tauben mit Futter raus aus der Künzelsauer Innenstadt zum Taubenhaus. Foto: GSCHWÄTZ

// „Riesige Drecksarbeit, aber ich mache nichts so gerne wie das“ //

Eier ablesen bedeute, wenn eine Taube ein Ei legt, nimmt man dieser Taube das Ei weg und ersetzt es durch ein Gips-Ei, damit den Tauben der Eierklau von den Taubenfreunden nicht auffällt. Bisher konnten so über 1.000 Eier entfernt werden. Das seien, so Müller, über 1.000 Tauben weniger in der Künzelsauer Innenstadt.

Für die Arbeit im Taubenhaus will man gut ausgerüstet sein.

So schaut es im Inneren des Taubenhauses aus. Foto: GSCHWÄTZ

Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde

// Ehrenamtliche gesucht, auch Handwerker //

Das Taubenhaus ist immer auf der Suche nach Ehrenamtlichen, die im Taubenhaus aktiv helfen. „Wenn die Tauben gesund sind, sind es wunderschöne, dankbare und intelligente Tiere“, so Müller. Sie betont aber: „Es ist eine riesige Drecksarbeit, aber ich mache nichts so gerne wie das.“ Das Taubenhaus soll um eine Quarantäne erweitert werden. Dafür werden noch Handwerker gesucht.

Wer nicht ausmisten will oder Eier ablesen möchte, kann sich schon darin nützlich machen die schweren Futtersäcke aus dem Auto zu laden. Denn zu den 150 im Taubenhaus wohnhaften Tiere kommen jeden Morgen noch um die 300 Tiere hinzu, die in der Stadt nicht mehr auf der Suche nach Nahrung sind.

Das komplette Interview mit Maritta Müller gibt es als Video auf www.gschwaetz.de.