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Milchgipfel in Gaildorf – zwischen vegan, Soja und der Kuh

„Wieso soll man eigentlich Mitglied im Bauernverband sein?“, fragt ein Teilnehmer des traditionell zu Jahresbeginn in Gaildorf stattfindenden Fachgesprächs Milch in die Runde der 150 interessierten Zuhörer in der Limpurghalle am 07. Januar 2020.

Der Hauptredner des traditionell gut besuchten Fachgespräches, der Milchpräsident des Deutschen Bauernverbandes und Präsident des Hessischen Bauernverbandes Karsten Schmal, antwortet kompetent und überzeugend: „Weil wir nur gemeinsam stark genug sind, etwas zu erreichen!“ Zunehmend entscheidender ist dabei das Ziel des Verbandes, als Branche in der Öffentlichkeit sichtbarer zu werden. „Dafür kämpfe ich als Landwirt in Brüssel und Berlin“. Letzteres trage zunehmend Früchte, ein guter Anfang sei gemacht worden.

Die Molkereien hier in der Region sind wirtschaftlich gut aufgestellt

Und genau das haben sich die Verantwortlichen des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems auf die Agenda geschrieben: Alle Beteiligten mit auf den Weg zu nehmen, den Dialog und die Zusammenarbeit zu fördern. Vom Landwirt hier in der Region, über dessen Nachbarn im Ort, die Konsumenten bis hin zu den Gremien und der Politik. Es soll eine wirkliche Agrarwende angestoßen werden. Dazu gehört auch, „dass wir selbstbewusst aufeinander zugehen und der landwirtschaftliche Berufsstand Unterstützung aus der Bevölkerung erfährt“, so der Vorsitzende des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems, Jürgen Maurer.

Josef Vögele, der Geschäftsführer des Milchwerks Crailsheim-Dinkelsbühl, fasst zusammen: Die Molkereien hier in der Region sind wirtschaftlich gut aufgestellt! Daraus ergibt sich für die Milchviehbauern, im Vergleich zu anderen Gebieten, eine sichere Situation. Er erwartet, dass die Milchproduktion in 2020 stabil bleiben wird. „Wenn wir Hersteller aktuelle Trends, wie Bio- oder vegane Produkte, Zucker- und Fettreduktionen, beachten, können wir gut wettbewerbsfähig bleiben.“ Zudem bleibt seiner Kenntnis nach, der Export voraussichtlich stabil und der Austritt Großbritanniens aus der EU hat hier in 2020 noch keine Auswirkungen.

Teilnehmerrunde des Gaildorfer Fachgespräches Milch am 07. Januar 2020, links im Bild Andrea Bleher, verantwortlich für „Klassenzimmer Bauernhof“ beim hiesigen Bauernverband und rechts im Bild Marcus Nübel, Landwirt aus Gaildorf. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

Kommunikation und Wertschätzung sin eine gute Basis

„Wir werden offen und vertrauensvoll miteinander arbeiten und auch um den besten Weg streiten. Wie wir das gern mal tun. Unsere Aufgabe ist es, unsere Mitglieder zu stärken und als Branche sichtbarer und selbstbewusster aufzutreten“, sieht Geschäftsführer Helmut Bleher die Perspektive des Verbandes in der Abschlussdiskussion.

Dialog, Kommunikation und Wertschätzung sind eine gute Basis dafür, dass die hiesige Milchwirtschaft zukünftig weiterhin regionale Milch, Käse und Butter produzieren und über den Lebensmitteleinzelhandel erfolgreich verkaufen kann. Darin sind sich die Verbandsvertreter, die Referenten und die Teilnehmer des „Gaildorfer Milchgipfels 2020“ einig.

Quelle: Pressemitteilung des Bauernverbandes Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems

 

v.l.n.r: Vorsitzender Bauernverband Jürgen Maurer; Geschäftsführer Milchwerk Crailsheim-Dinkelsbühl Josef Vögele; Milchpräsident Deutscher Bauernverband und Präsident Hessischer Bauernverband Karsten Schmal; Mitglied Geschäftsführender Vorstand, Mitglied Milchausschuß und Landwirt Marcus Nübel; Geschäftstführer Bauernverband Helmut Bleher. Foto: Bauernverband Schwäbisch Hall – Hohenlohe – Rems e.V.

 




Bauernverband fordert: Innovationen, ganz neue Ideen und Freiräume

Eindrucksvoll haben die Bauern in den letzten Wochen klar gemacht, dass es so nicht weitergehen kann. Beginnend mit den Grünen Kreuzen an den Feldern als “Einspruch”. Gegen das, wie vorliegend nicht umsetzbare, Volksbegehren und zu Tausenden mit ihren Traktoren auf den Straßen und in der Hauptstadt: sie machen aufmerksam auf ihre teils ausweglose Situation. Die verschiedensten landwirtschaftlichen Gruppierungen gingen dafür aufeinander zu und ins Gespräch, auch mit der Kanzlerin. In Dörzbach ging es am 04. Dezember 2019 in einer Podiumsdiskussion des Bauernverbandes darum, welche Form der Landwirtschaft zukünftig möglich sein wird. Themen waren neben dem Volksbegehren “Pro Biene”, dem Eckpunktepapier der Landesregierung in Stuttgart vor allem auch die zukünftige Rolle der Politik, des Lebensmitteleinzelhandels und der Gesellschaft. 130 Landwirte diskutierten deutlich und hoch emotional mit den Vertretern der Parteien. Einig war man sich darüber, dass der Klimawandel nicht zu leugnen ist und alle Kräfte dazu gebraucht werden, die Probleme anzugehen. Für zukünftige Diskussionen muss ein Konsens gefunden werden.

 

Jeder von uns trägt somit dazu bei, dass beispielsweise die Insekten sterben

 

Jürgen Maurer als Vorsitzender zur Position des Bauernverbandes erklärt: “Wir fordern für die Zukunft eine wirkliche Agrarwende. Mit wirklich meinen wir Innovationen, ganz neue Ideen und Freiräume. Durch Verbote und Gängeleien wird sich grundsätzlich nichts ändern. Weder in den Köpfen noch in den Ställen oder auf den Feldern. Anstatt den Bauern eine wirtschaftlich profitable Tätigkeit auf ihren Höfen immer weiter zu erschweren, erwarten wir von der Politik: Vertrauen in unsere Arbeit, einen weiterführenden Dialog und Mut für neue Rahmen. Die Landwirtschaft wird zukünftig noch stärker klar stellen, dass jeder von uns dazu beiträgt, die Umwelt immer stärker zu belasten. Durch unser Leben allgemein, unsere Wohnung, Heizung und Warmwasser, unsere Ernährung und dadurch, dass wir beispielsweise Auto fahren, mit Flugzeugen fliegen oder die Schienennetze nutzen. Jeder von uns trägt somit dazu bei, dass beispielsweise die Insekten sterben. Es ist einfach falsch, dies ausschließlich auf die Landwirtschaft zu schieben! Wir sehen es als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Lösung dieser dringenden Probleme anzugehen. Die Landwirtschaft ist nicht die Ursache sondern ein wichtiges “Werkzeug” zur Lösung. Wir gehen das an, weil wir die Lebensmittel produzieren, die wir alle essen und trinken. Wir sind ganz nah dran, weil wir unsere Tiere, Äcker, Weinberge und Wiesen bestens kennen. An diesen Lösungen arbeiten wir gern mit. Das tun wir freiwillig, so wie es in die jeweiligen Betriebe passt, und mit Überzeugung. Aber nur, wenn jeder einzelne in unsere Gesellschaft dazu beiträgt. Denn das kann die Landwirtschaft allein nicht schaffen! Wir fordern praxisnahe und wissenschaftlich fundierte Lösungsansätze und Unterstützung von der Politik. Denn zum einen nehmen uns einseitige Beschuldigungen und Verordnungen die Motivation und zum anderen die Lebensgrundlage. Biodiversität und Artenschutz geht uns alle an, deshalb müssen die dadurch erhöhten Kosten zur Produktion unserer Lebensmittel von allen getragen werden. Das FRANZ-Projekt beispielsweise bietet dafür realistische Grundlagen für gut nachvollziehbare Rahmenbedingungen. Wir müssen unsere Höfe unternehmerisch bewirtschaften, sonst schließen wir sie über kurz oder lang. Wir begrüßen die Ankündigung der Bundeskanzlerin auf dem Agrargipfel zu mehr Dialog mit der Landwirtschaft und freuen uns über den Respekt für die Agrarbranche. Die Landwirtschaft hat sich auf verschiedenen Wegen Gehör verschafft, ob in Verbänden organisiert oder nicht. Darauf können wir Bauern alle stolz sein. Wir werden gesehen und gehört. Nun fordern wir insbesondere die jungen Landwirte auf, an diesen Lösungen mitzuarbeiten und sie mitzugestalten. Ob in Verbänden oder Arbeitskreisen: es steht viel auf der Tagesordnung. Wir brauchen jede Hilfe, neue Wege zu gehen, die der Landwirtschaft eine Zukunft und Berechenbarkeit geben.”

Podiumsdiskussion in Dörzbach am 4. Dezember zum Thema „Volksbegehren Artenschutz. Was erwartet die Gesellschaft? Wie sind wir Landwirte betroffen?“ Foto: Bauernverband