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Schwimmschule fliegt aus Ingelfingens Hallenbad

„Die Enttäuschung ist groß“, sagt Simone Schweigert aus Niedernhall. Sie ist Gründerin und Leiterin der Kochertaler Schwimmschule und kann immer noch nicht fassen, dass sie mit ihren Anfänger-Schwimmkursen für Kinder quasi von heute auf morgen aus dem Hallenbad in Ingelfingen geflogen ist.

Seit fünf Jahren bietet Schweigert nun schon Schwimmkurse im Kochertal an, unter anderem in Ingelfingen. Die Kurse sind begehrt, weil sie sich durch kleine Gruppen auszeichnen. Zudem legt Schweigert Wert darauf, dass nicht nur ein Schwimmtrainer die Gruppe betreut, sondern drei oder vier. Nun das Aus. Warum streicht die Stadt die Kurse? Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage äußerte sich Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer bislang nicht zu der Beendigung.

Über die Gründe für den Rausschmiss geistern verschiedene Gerüchte durch die Gegend. Was sich geändert hat: Seit dem Frühjahr 2019 ist ein neuer Bademeister im Hallenbad aktiv. Andreas Nowotny folgte auf Otto Clement. Nowotny leitet die neuen VHS-Schwimmkurse, die im Hallenbad in Ingelfingen angeboten werden. War die private Kochertaler Schwimmschule eine unliebsame Konkurrenz?

Bademeister Nowotny hat sich im Zusammenhang mit dem Rausschmiss der Kochertaler Schwimmschule wiederum anscheinend dahingehend erklärend geäußert, dass der Schulleiter der Georg-Fahrbach-Schule in Ingelfingen gemeint habe, er brauche mehr Schwimmzeiten für seine Schüler.

Ob dies stimmt, konnte aufgrund der Ferien bislang nicht geprüft werden. Sicher ist: Andere Kurse wie AquaFitness und Rheumakurse werden nach wie vor in dem Hallenbad angeboten.
Besonders bitter für Schweigert: Zunächst wurde ihr mündlich versichert, dass sie ihre Kurse ab September 2019 wie üblich weiterhin in Ingelfingen durchführen könne. Daraufhin meldeten Mamis ihre Kinder an.
Nun muss Schweigert die angemeldeten Kinder auf ihre anderen Kurse nach Künzelsau und Kupferzell umbuchen. Besonders ärgerlich: Die Stadtverwaltung habe zunächst nicht mal in einem persönlichen Gespräch die Situation erklärt. Es sei lediglich eine schriftliche Kündigung gekommen.
Auch für die Georg-Fahrbach-Schule sei diese Entwicklung nicht optimal, sagt Schweigert: „Überall fehlen Schwimmkurse für Kinder.“ Bei den bereits angemeldeten Kindern seien auch einige dabei gewesen, die ab Herbst auf die Georg-Fahrbach-Schule gehen.




Ein junges Mädchen wird zur Hoffnungsträgerin für ganz Europa

Noch vor etwas mehr als einem Jahr hat kaum jemand Greta Thunberg gekannt. Dann hat die Schülerin mit ihren Sitzstreiks vor dem schwedischen Parlament begonnen. Die Fotos von ihr gingen um die Welt und fanden Millionen von Nachahmern. Die Fridays-for-Future-Bewegung erfasste Europa. Und die Klimaretter hatten endlich ein Gesicht gefunden, um die Öffentlichkeit wachzurütteln. Gretas.

Nun reist die 16-Jährie mit einem Segelboot zum Klimakongress der Vereinten Nationen nach New York. Und die ganze Welt schaut zu. Was hat Greta, was andere Klimaaktivistin vor ihr nicht haben? Vermutlich ist es ihre kompromisslose Einstellung und ihr absoluter Wille, die Welt wieder grüner werden zu lassen.

Kompromisslos ist ein verpöntes Wort in der politischen Welt. Aber wegen tausender klein-klein-Kompromisse kommt eben häufig kein großes Ganzes am Ende raus. Aber Greta will die große Veränderung. Den Wandel. Jetzt. Es ist ein Mädchen, dass Potenzial hat, die ganze Welt damit zu „infizieren“. Sie ist ein Lichtblick zwischen den ganzen Schwarzmalern, eine Hoffnungsträgerin für ganz Europa, uns wieder auf die großen, die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren und gemeinsam ein positives Ziel anzustreben – das wohl Wichtigste für unseren Planeten und damit für uns. Ein gesundes Klima.




Bauer predigt das, was er selbst nicht beherrscht

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann zur Predigt von Ingelfingens Bürgermeister in der Kirche in Dörrenzimmern (wir berichteten, siehe Beitrag unten)

Es ist eine schöne Idee mit der neuen Gottesdienst-Reihe, die Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken ins Leben gerufen hat. Es predigen Menschen aus der Gemeinde gemeinsam mit der
Pfarrerin über Dinge, die Ihnen wichtig sind. Bürgermeister Bauer über ein ehrliches Miteinander, im September Jens Sprügel über Werte. Zu einer reinen Selbstdarstellung sollte diese Predigt jedoch nicht genutzt werden und zu Propagandazwecken schon gar nicht. Es kam nicht umsonst vor über 100 Jahren zur strikten Trennung von Staat und Kirche. Selbstkritik anstatt Selbstbeweihräucherung wäre an diesem Sonntag ein schönes Zeichen gewesen. Aber gut, jeder nutzt die pastorale Bühne, wie er mag. Auch das ist ja Zeichen genug.

Jeder nutzt die pastorale Bühne, wie er mag

Ein ehrliches Miteinander, dazu gehört auch, kritische Dinge auszusprechen und auszuhalten. Das tut manchmal weh, aber der Wahrheit ins Auge zu sehen ist wichtig. Auch wir sollten uns nach unserem Tun noch in die Augen sehen, miteinander sprechen können. Wir sollten nicht nur auf der pastoralen Bühne, sondern auch hinter den Kulissen jeden mit Anstand und Respekt behandeln. Es ist schade, dass am Sonntag das Thema „ehrliches Miteinander“ nicht wirklich ehrlich aufgearbeitet wurde. Und stattdessen Gefühle wie Angst und Wut spürbar waren. Bauer predigt davon, dass die Menschen „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umgehen“. sollen Aber geht er selbst mit seinen Mitmenschen ehrlich, gerecht und friedlich um?

Bei diversen Vorfällen, auch in der jüngeren Vergangenheit, hat er die Beherrschung verloren. Auf für Ingelfingen wichtige Veranstaltungen kommt er nicht oder nicht mehr – man erinnere sich nur an die große Prunksitzung in Ingelfingen, die von so vielen Gemeindemitgliedern gestemmt werden. Man erinnere sich an den Vorfall, als er unlängst ein Bußgeld an eine Ingelfingerin wegen Nötigung im Straßenverkehr zahlen musste. Auf den Vorfall von uns angesprochen, behauptete er, die Polizei und die Staatsanwaltschaft würden lügen und auch wir lügen, wenn wir den Vorfall veröffentlichen. Bei einer Veröffentlichung werde er uns anzeigen, waren seine Worte. Man muss daher umso mehr schmunzeln, dass Michael Bauer sich ausgerechnet das Thema „ehrliches Miteinander“ für seine Predigt ausgesucht hat und dabei Worte wie „friedliches Miteinander“ verwendet. Ein Meister der Selbstbeherrschung sieht wahrlich anders aus.

Ist die Kirche der richtige Ort für solche Äußerungen?

Es ist in Ordnung, wenn Michael Bauer seine Meinung über unsere Berichterstattung äußert – ob das im Rahmen einer Predigt als Gast in einer Kirche sein muss, sei dahingestellt. Wir haben mehrfach kritisch über ihn berichtet, das ist richtig. Aber es gab eben auch diverse Anlässe, ihn als Bürgermeister kritisch unter die Lupe zu nehmen – auch und vor allem als lokale Presse. Wir diskutieren gern über unsere Berichterstattung und haben auch nach dem Gottesdienst versucht, mit Bauer in einen Dialog zu treten, aber er beließ es bei einem: „Mit Ihnen spreche ich nicht.“

Alles wird gut, Herr Bauer

Bei jedem einzelnen unserer Beiträge haben wir ihm vorab die Möglichkeit eingeräumt, sich zu äußern, mit uns und in diesem Zuge auch mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Bislang hat er jeden Dialog verweigert oder hat uns gedroht. Bei Themen, die das öffentliche Interesse berühren, gibt er auf Nachfrage keine Auskunft. Die Mariannenstraße etwa sollte seit Mitte Mai 2019 eigentlich als Einbahnstraße durch Ingelfingen führen. Doch lediglich die Parkplätze hierfür wurden eingezeichnet. Getan hat sich seitdem nichts. Kommt die Einbahnstraße nun oder nicht? Michael Bauer schweigt. Sein gutes Recht als Bürgermeister? Eben nicht.

Diverse Menschen kritisieren seinen Umgang im zwischenmenschlichen Miteinander, seinen harten Ton – eben das, was er nun an anderen während seiner Predigt kritisiert hat. Fast schon könnte er einem leid tun, weil man, wie er da so stand hinter der Kanzel, gespürt hat, wie zerrüttet er innerlich ist. Aber ganz unschuldig ist er daran nicht.

Das Gute aber ist: Man kann immer wieder von vorne anfangen, es besser machen. Jede harte Schale hat ihren Ursprung und fast schon mag man ihn an der Hand nehmen und sagen: „Alles wird gut.“ Man muss es nur wollen.

 




Wenn einem der Nachbar Angst macht

„Drei Beamte gelangen mit stark leuchtenden Taschenlampen über das Nachbargrundstück in den Garten und vor das Fenster des Mannes. Dieser brüllt weiter lautstark und läßt sich gar nicht stören. ,Ist mir doch egal‘, sagt er immer wieder, als die Polizeibeamten ihn darauf hinweisen, dass seine Nachbarn schlafen wollen und dass das Ruhestörung sei, was er hier betreibe. ,Hör jetzt endlich auf und sei ruhig‘, fahren ihn die Beamten an. ,Ich kann nicht aufhören, ich muss das tun‘, lautet seine Antwort und der Singsang geht weiter. ,Komm runter, wir wollen mit dir reden‘, versuchen es die Beamten noch einmal. ,Mach ich nicht‘, ist seine Antwort.

,Wenn du nicht runterkommst, kommen wir rauf.‘
,Ich komm nicht runter. Macht doch!‘
,Wenn du jetzt nicht endlich Ruhe gibst, nehmen wir dich mit in die Zelle!‘
,Mir doch egal.‘ Es folgen Beschimpfungen, die nicht neu für die Nachbarn sind. Unter anderem ,Motherfucker‘ schreit der Mann immer wieder.“

Was sich wie eine Polizeiparodie anhört, ist bittere Realität für die Anwohner eines Stadtviertels in Ingelfingen geworden. Es handelt sich hierbei um eine Schilderung einer Ingelfingerin. Es ist eine wahre Begebenheit, die sich im Mai 2019 in Ingelfingen – unweit der katholischen Kirche und der Firma Bürkert – zugetragen hat.

 

Anwohner in Ingelfingen klagen über nächtelange Lärmbelästigung. Foto: privat

Ist es ein boshafter Wahn oder werden wir hier alle gesegnet und beschützt?

 

Seit mehreren Monaten fällt ihr Nachbar J. durch massive Lärmbelästigung auf. Teilweise stundenlang stimmt er fremdartige Gesänge an und schreit Schimpfwörter aus seinem Fenster, so dass die Nachbarn nachts kaum schlafen können. Manchmal singt und brüllt er von 02.30 Uhr bis morgens um 7 Uhr, berichtet Anwohnerin Daniela Müller (alle Namen der Nachbarn in diesem Artikel wurden auf Wunsch geändert). Und fragt sich: „Warum wird der Mensch nicht heiser dabei?“ Auch tagsüber sei das permanente Geschrei nicht angenehm. Manchmal brülle er auf Englisch: „Ich sehe dich. Ich tue es für meinen Vater. Das Ende ist nahe.“

„Ich halte es für einen schweren religiösen Wahn“, schätzt Daniela die Situation ein. „Die Frage ist nur: Ist es ein boshafter Wahn oder werden wir hier alle gesegnet und beschützt?“, fragt Lara, eine weitere Nachbarin.

 

„Der hat ein Messer!“

 

Die Anwohner sind sich einig: J. ist vermutlich psychisch krank. Sie vermuten, sein Verhalten und seine Gesänge drücken aus, dass er hier irgendetwas Böses sieht und das will er bekämpfen, spekuliert Daniela, die einen gepflegten Garten hat, in ihrem Esszimmer steht eine Dürrenmatt-Lektüre. Menschen wie Müller sind es nicht gewohnt, in einem sozialen Brennpunkt zu leben.
Zu Beginn, als J. von Kupferzell nach Ingelfingen gezogen ist, sei J. lediglich drei- oder viermal im Jahr durch ungebührliches Verhalten aufgefallen. Die übrige Zeit sei er vermutlich gut mit Medikamenten eingestellt gewesen, schätzen die Nachbarn. Ab Mitte Februar 2019 sei er nun wieder deutlich auffälliger. Als er einmal mit einem Messer in der Hand in Nachbars Gärten unterwegs war, habe Nachbarin Belinda geschrien: „Der hat ein Messer!“ Bis die Polizei kam, sei er aber längst wieder bei sich in der Wohnung gewesen.

Die Nerven der Anwohner liegen mittlerweile blank – auch weil J. es nicht dabei belässt, die Gesänge aus seinem geöffneten Fenster seiner Wohnung in Ingelfingen anzustimmen und herumzubrüllen. J. geht auch tagsüber in die Gärten der Nachbarn, nimmt einen tiefen Schluck aus seiner Wasserflasche und spuckt überall in den Gärten herum. Einmal haben ihn die Nachbarn dabei gefilmt, wie er vor seinem Haus in eine Flasche uriniert, einen Schluck daraus genommen und diesen ausgespuckt hat. Autos, die in der Nähe seiner Wohnung parken, bespuckt J. ebenfalls, so die Anwohner. „Verbale Drohungen finden auch statt“, berichtet Anwohnerin Daniela. Einmal habe er zu einer Nachbarin von Daniela Müller geschrien: „Du fehlst demnächst. Das sag‘ ich dir. Bald.“ Und: „Ich bring euch alle um. Scheiß Deutschland!“
Die Nachbarn haben ihn bei seinen irritierenden Aktionen gefilmt und fotografiert. GSCHWÄTZ liegen die Videos und Fotos vor. Als wir selbst mit J. sprechen wollen, sagt uns eine Polizeibeamter, dass wir das lieber lassen sollen. Man wisse nicht, wie J. reagieren würde.

So ein Küchenmesser habe J. in der Hand gehalten, berichten Nachbarn. Foto: privat

Wenn J. seine Medikamente nehmen würde, dann klappt es auch wieder mit dem Nachbarn.

 

Die Polizei Niedernhall hat schon des Öfteren ausrücken müssen und ermahnen J. zur Ruhe – mit mäßigem Erfolg, wie die Anwohner berichten. Auch einige Nächte in Gewahrsam hat sein Verhalten bereits zur Folge gehabt, ebenfalls ohne länger anhaltenden Erfolg.
Auch der Polizei sind die Hände bis zu einem gewissen Grad gebunden. Gerald Olma, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Heilbronn, erklärt gegenüber GSCHWÄTZ: „Die Person ist der Polizei bekannt. Es gab Einsätze. Er ist verhaltensauffällig. Aber zu einer körperlichen Gewalt ist es bislang nicht gekommen.“ Man sei in direktem Kontakt mit den Behörden, betont Olma. „Jeder Einsatz wird genauestens geprüft, was rechtlich möglich ist und was medizinisch angeregt werden kann.“ So würden alle Fälle an das Gesundheitsamt weitergeleitet werden. Gutachter würden dann wiederum entscheiden, was zu tun sei. „Wenn eine Person sich oder andere gefährdet, können wir ihn zu einem Arzt fahren und in Gewahrsam nehmen.“ Aber, so Olma, J. habe laut seinem Wissen nur einmal ein Messer mitgeführt. Auch beim wiederholten Einschreiten der Polizei habe es nie Probleme geben. Eine zwangsweise Einweisung sei nur möglich, wenn etwas passiert ist. Man könne eine Strafanzeige wegen Hausfriedensbruch erstatten, aber man habe keine Rechtsgrundlage, den Mann dauerhaft wegzubringen.
Auch Anzeige haben die Anwohner schon erstattet. Bislang ohne Erfolg.
Die Anwohner sind sich sicher: Wenn J. seine Medikamente nehmen würde, dann klappt es auch wieder mit dem Nachbarn.

Schon diverse Dinge seien laut den Nachbarn unternommen worden, um dem Wahnsinn Einhalt zu gebieten. Sie haben neben den Polizeieinsätzen die Stadt Ingelfingen um Hilfe gebeten. Auch das Landratsamt wisse Bescheid. Dieses weist psychisch auffälligen Menschen wenn nötig einen Betreuer zu. Doch auch Betreuer sind nicht rund um die Uhr da. In der Regel haben sie einen festen Stundensatz. Wer der Betreuer von J. ist, ist GSCHWÄTZ nicht bekannt. Das Landratsamt wollte sich zu dem Fall nicht äußern und verwies auf die Persönlichkeitsrechte von J..

 

„Meine Schwiegermutter geht nicht mehr in den Garten, sondern auf den Spielplatz.“

 

Das Problem: Die Anwohner sind verunsichert und wissen nicht: Wie gefährlich ist beziehungsweise kann J. werden?

Daniela Müller: „Keiner von uns traut sich mehr recht in den Garten oder eine Tür aufzulassen. Als ich an einem Sonntag mit meinem dreijährigen Enkel am Sandkasten war, ist er plötzlich auf meiner Stützmauer aufgetaucht und hat uns zu Tode erschreckt. Die Kinder in der Siedlung trauen sich nicht mehr alleine drei Häuser weiter zu den Großeltern.“ Nachbarin Belinda ergänzt: „Meine Schwiegermutter geht nicht mehr mit den Enkeln von meiner Schwägerin in den Garten, sondern auf den Spielplatz.“ Der Spielplatz ist weiter entfernt. In ihrem eigenen Garten hätten sie hingegen Angst, dass der Mann plötzlich auftauche mit seinem merkwürdigen Verhalten. Eine Jugendliche traue sich gar nicht mehr vor die Tür, nachdem sie von J. bedroht worden sei. Ansprechbar sei J. bei seinen Ausflügen nur sehr eingeschränkt. Er scheine dann in seiner eigenen Welt zu leben. Belinda berichtet bei einem persönlichen Vor-Ort-Gespräch mit GSCHWÄTZ, dass J. sich schon mal auf dem Pflaster vor ihrer Einfahrt gewälzt habe.

„Ich habe Angst. Er braucht Hilfe“, sagt Julia. Sie wohnt ebenfalls in der Nachbarschaft. „Ich fühle mich gerade nicht mehr so sicher und wohl. Ich möchte mein Grundstück wieder für mich haben. Aber ich möchte auch, dass man ihm hilft.“ Darüber sind sich alle einig.
Was also bleibt den Anwohnern übrig?

 

„Muss denn erst etwas passieren?“

 

Allmählich macht sich Frustration im betroffenen Stadtviertel breit. Und ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit. Sie fühlen sich nicht gehört von den betreffenden Behörden. „Irgendwie scheint sich keiner zuständig zu fühlen. Der Fall wird wie eine heiße Kartoffel herum geschoben“, so ist der Eindruck der Anwohner, erzählt Daniela. „Muss denn erst etwas passieren?“, fragen sie.

„Ich merke, wie unsere Nerven schwächer werden“, sagt Daniela und Belinda stimmt ihr zu: „Absolut. Man weiß nie, ob er nicht gleich vor einem steht. Ich habe Angst, das Haus zu verlassen. Wenn ich von meiner Arbeit nach Hause nach Ingelfingen fahre, rufe ich meinen Mann an, damit er zu Hause an der Garage auf mich wartet.“




Wärmflasche gefällig?

Wieviel kostet das kleine Klo hier?“, fragt eine Kundin am Stand von Rolf Kleinheinz aus Dörzbach und zeigt auf eine Miniatur-Toilette aus Porzellan. Eine andere Kundin begutachtet eine Wärmflasche aus Kupfer. 15 Euro möchte Kleinheinz dafür haben. Ein Schnäppchen für diese Antiquität, doch die Kundin könnte sich auch vorstellen, die Wärmflasche noch zu benutzen. Denn sie hält der Strahlung wegen nicht viel von in der Mikrowelle warmgemachten Kirschkernsäckchen.

Christiane Bürkert von der Kreativwerkstatt in Dörrenzimmern lud am Sonntag, den 14. Juli 2019, zu ihrem mittlerweile sehr bekannten Open Air Flohmarkt nach Dörrenzimmern ein. Unter dem Motto: „Trödeln mach glücklich“ kamen denn auch zahlreiche Besucher. Auch der Wettergott machte mit und bescherte strahlenden Sonnenschein.

Das Angebot war bunt gemischt – es reichte von selbst gemachtem Hanftee über Geschirr aus Omas Zeiten bis hin zu neuen Cooling-Sporthandtüchern.

Parallel dazu lud die Schreinerei Reichardt, quasi der Nachbar von Christiane Bürkerts Kreativwerkstatt, zu einem Tag der offenen Tür mit Weißwurstfrühstück ein. Das Team der Schreinerei freute sich: Bereits nach drei Stunden waren alle 120 Würstl-Pärchen weggefuttert. Mit einem Sekt Rosé oder einem Weizen ind er Hand konnten die Kunden an diesem Tag ganz entspannt die Möbel der Schreinerei begutachten.

Kaum ein Platz war mehr frei zum Parken. Foto: GSCHWÄTZ

So hat man früher den Kaffee gemahlen. Foto: GSCHWÄTZ

Ein Kinderstuhl aus Omas Zeit. Foto: GSCHWÄTZ

Diese jungen Frauen sind immer auf der Suche nach ausgefallener Deko. Foto: GSCHWÄTZ

Moritz verkauft diese Bierkrüge eines Sammlers. Foto: GSCHWÄTZ

Diese Besucherinnen aus Krautheim haben ein Holz-Schneidebrett und einen Korb erworben. Foto: GSCHWÄTZ

Rolf Kleinheinz aus Dörzbach verkauft unter anderem diese antique Wärmflasche. Foto: GSCHWÄTZ

So sahen früher die Wärmflaschen aus. Foto: GSCHWÄTZ

Selbst gestrickte Socken und Handpuschen gibt es bei Susanne Wurst (links) aus Dörrenzimmern zu kaufen. Foto: GSCHWÄTZ

Florian Hertweck von den Hochholzhöfen verkauft Hanf-Produkte. Foto: GSCHWÄTZ

Carmen Koch aus Dörrenzimmern verkauft selbst genähte Kleidung. Foto: GSCHWÄTZ

Filzanhänger von Carmen Koch. Foto: GSCHWÄTZ

Anja Schmitt aus Dörrenzimmern bietet ihre kreativen Dienste an. Foto: GSCHWÄTZ

Renate Stier aus Hohebach verkauft selbst gemachte Leberwurst. Foto: GSCHWÄTZ

Antique Schreibmaschinen konnten Besucher erwerben. Foto: GSCHWÄTZ

Lecker Baguettes gab es bei Christiane Bürkerts Trödelmarkt. Foto: GSCHWÄTZ

Das Team der Schreinerei Reichardt in Dörrenzimmern lud parallel zum Tag der offenen Tür mit Weißwurstfrühstück, Bier und Sekt Rosé. Foto: GSCHWÄTZ

Stefan Baum von der Schreinerer Reichardt gibt Einblicke in das neueste Schmuckstück. Foto: GSCHWÄTZ

Bänke und Tisch für das Esszimmer, gefertigt von der Schreinerei Reichardt. Foto: GSCHWÄTZ

Nach nur zwei Stunden waren alle 120 Pärchen Weißwürste weggevespert. Foto: GSCHWÄTZ

 

 




Sulek: „Auch in Künzelsau gibt es Menschen, die Homosexualität als Sünde sehen“

Falk Sulek lag der letzte Absatz im Artikel über sexuellen Missbrauch „schwer im Magen“ und er ließ einen Facebook-Post unter dem Artikel für uns da. So lud GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann den  Leser Falk Sulek in die Redaktion ein, um ein Gespräch zu führen.

GSCHWÄTZ: Sie waren nicht zufrieden mit unserem Artikel über sexuellen Missbrauch in unserer April-Ausgabe?
Sulek: Nicht ganz, nein. Ich fand es grundsätzlich gut, dass Sie über ein solches Thema berichtet haben. Mir hat jedoch am Ende ein Absatz sehr schwer im Magen gelegen.

GSCHWÄTZ: Sie haben das auch auf unserer Facebookseite kommentiert und wollten das auch nicht so stehen lassen – was auch schön ist. Wir sind immer im Austausch mit unseren Lesern. Um welchen Absatz geht es denn konkret?
Sulek: Bereits in der Zwischenüberschrift steht, dass Homosexualität eine Folge von sexuellem Missbrauch sein kann. Als weitere Folge von sexuellem Missbrauch werden neben der ,Homosexualität, ,sexuelle Funktionsstörungen‘ sowie ein ,erhöhtes Risiko, selbst zu Tätern zu werden‘ genannt. Das assoziiert einen Zusammenhang, wo keiner ist. Des Weiteren stigmatisieren Sie in diesem Absatz Jungen als Opfer von sexuellem Missbrauch und dichten diesen ein ,erhöhtes Risiko‘ an, ,selbst Täter zu werden‘. Auf diese Weise verbreiten Sie Mythen über Homosexualität und Jungen als Opfer sexuellen Missbrauchs, die wissenschaftlich längst widerlegt sind. Homosexualität ist keine Folge von sexuellem Missbrauch, keine sexuelle Funktionsstörung oder Fehlentwicklung und schon gar nicht therapierbar oder therapiebedürftig.

GSCHWÄTZ: Es bedarf auch keiner Therapie, weil Homosexualität keine Krankheit ist.
Sulek: Richtig – und zwischen Homosexualität und sexuellem Missbrauch gibt es nachweislich keinen derartigen Zusammenhang, wie er in Ihrem Artikel konstruiert wurde.

 

„Der Mythos, Homosexualität sei eine Folge von sexuellem Missbrauch, ist wissenschaftlich widerlegt“

 

GSCHWÄTZ: Kann man denn davon ausgehen, dass homosexuelle Erfahrungen in der Kindheit im Rahmen eines sexuellen Missbrauchs auch im späteren Leben bei heterosexuellen Opfern als ’normal‘ empfunden werden?
Sulek: Ein heterosexueller Junge, der von einem Mann sexuell missbraucht wird, wird durch den Missbrauch nicht homosexuell werden. Der Mythos, Homosexualität sei eine Folge von sexuellem Missbrauch, ist wissenschaftlich widerlegt. Hierzu verweise ich gerne auf die aktuelle Fachliteratur. Beispielhaft nenne ich hier die Veröffentlichungen von Dr. Dirk Bange oder die der Sexualwissenschaftlerin Sophinette Becker. Beide beobachteten in ihrer langen Praxiserfahrung
sogar, dass sich durch Männer sexuell missbrauchte Jungen mit Homosexualität deutlich schwerer tun. Gründe sind der Ekel und die Scham, die von den Jungen hinsichtlich des früheren Missbrauchs empfunden werden.

GSCHWÄTZ: Aber dass ein Missbrauch zu einer gewissen Unsicherheit im sexuellen Bereich führen kann, stimmen Sie zu?
Sulek: Sie können ein Stück weit verunsichert werden, dadurch dass Jungen während des Missbrauchs durch die körperliche Reizung auch eine sexuelle Erregung verspüren können, diese jedoch nicht richtig einordnen können und sich dann die Frage stellen: Bin ich jetzt vielleicht ,schwul‘ oder kein ,richtiger Mann‘? (unabhängig davon, dass diese Gleichung „schwul = unmännlich“ sachlich falsch ist). Als weitere Folgen im sexuellen Bereich kann genannt werden, dass es die Betroffenen auf Grund des traumatischen Erlebnisses schwer haben, intime Beziehungen zu führen und Sexualität frei zu leben. Andererseits kann es auch passieren, dass jede Form von Beziehung generell übersexualisiert wird. Aber auch andere Folgen wie zum Beispiel Depressionen, Essstörungen und Lernschwierigkeiten in der Schule können sich zeigen. Missbrauchte Jungen haben zudem kein erhöhtes Risiko, selbst zu Tätern zu werden und auch Homosexualität ist keine Folge von sexuellem Missbrauch.

 

„Manche setzen sogar Homosexualität mit Pädophilie gleich“

 

GSCHWÄTZ: Etwas Positives hatte dieser Satz in unserem Artikel: Wir sprechen über dieses Thema.
Sulek: Da haben Sie Recht. So etwas sollte man offen ansprechen. Denn Äußerungen wie die, dass Homosexualität eine Folge von sexuellem Missbrauch sein kann oder Homosexualität in einem Atemzug mit sexuellen Funktionsstörungen genannt wird – unterstützen homophobe Kräfte und Gruppierungen, die sich durch solche Veröffentlichungen beispielsweise in ihren menschenverachtenden Forderungen nach Konversionstherapien bestärkt fühlen. Personen und Gruppen, die Homosexualität als Sünde, als Krankheit oder als psychische Fehlentwicklung definieren, gibt es leider auch in und um Künzelsau. Manche setzen sogar Homosexualität mit Pädophilie oder der antiken Päderastie gleich und meinen dann: „So einem würde ich niemals meine Kinder anvertrauen.“ Vor allem von Personen aus christlichfundamentalistischen Kreisen aus dem Raum Künzelsau wurde ich schon mit solchen homophoben Positionen und Forderungen konfrontiert. Ich weiß aber, dass die wissenschaftlichen Fakten andere sind und Homosexualität (genauso wie Heterosexualität auch) eine Sache der biologischen Anlage und unveränderbar ist. Gerade im Bereich der Epigenetik ist man hier zu bedeutenden Erkenntnissen in der Forschung gekommen. Homosexualität ist eine ganz normale sexuelle Orientierung. Auch mit Pädophilie hat Homosexualität rein gar nichts zu tun.

GSCHWÄTZ: Da wird dann quasi gesagt: Jeder Homosexuelle ist auch zugleich pädophil?
Sulek: Ja, das rührt zum einen aus Unwissenheit, zum anderen sind da Vorurteile im Raum, Ängste, die man selbst hat. Es gibt ja Menschen, die homophob sind, die hassen Homosexuelle, weil diese in ihr konservatives, meist starr religiös begründetes Weltbild nicht passen. Manch homophobe Person ist in Wahrheit aber selbst homosexuell orientiert, kann dies sich selbst und anderen gegenüber aber nicht eingestehen und hält stattdessen ein Scheinbild aufrecht, das in homophobe Äußerungen wiederum seine Bestätigung sucht. Insgesamt benötigt es noch immer sehr viel Aufklärung zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt. Es braucht zum Beispiel Aufklärung in den verschiedenen Bildungseinrichtungen und Schulen, aber auch die Bereitschaft der Medien, hinsichtlich dieser Themen sensibler zu reagieren, so dass die Botschaft klar ankommt: Homosexualität ist etwas ganz Normales und nichts, was man in irgendeiner Form verurteilen oder therapieren müsste.




In 6 Monaten zu: Krankenhaus Künzelsau – Notaufnahme offen bis Ende November – Hospiz im Gespräch

Der Countdown läuft. Die Tage des Künzelsauer Krankenhauses sind gezählt. Wir haben die BBT-Gruppe (zu welcher das Hohenloher Krankenhaus mit seinen beiden Standorten Öhringen und Künzelsau gehört) gefragt, wie lange die Künzelsauer ihr Krankenhaus noch nutzen können und in welchem Umfang.

„Alle Abteilungen stehen bis Ende November in vollem Umfang zur Verfügung“

Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der BBT-Gruppe, verweist dabei auf den „Beschluss des Kreistages vom vergangenen Dezember 2019, die akutstationäre Versorgung schon Ende diesen Jahres am Standort Künzelsau zu beenden und am Standort Öhringen zu konzentrieren. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Umzug. In Öhringen sind verschiedene Umbaumaßnahmen notwendig, um die Abteilungen aus Künzelsau dort aufnehmen zu können. Der Umzug wird nach jetzigem Planungsstand Ende November 2019 stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt stehen alle Abteilungen und die Notaufnahme im Krankenhaus Künzelsau in vollem Umfang für die Versorgung von Patienten zur Verfügung.“

BBT: Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2021

Wie viele Mitarbeiter wurden beziehungsweise werden im Zuge der Schließung des Krankenhauses in Künzelsau gekündigt und wie viele arbeiten nach der Schließung in Öhringen weiter?, wollte GSCHWÄTZ von BBT unter anderem wissen. Ute Emig-Lange: „Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat in der vergangenen Woche die Mitarbeitenden von HK und HSB in Betriebsversammlungen sowohl in Künzelsau als auch in Öhringen über den mittlerweile zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ausgehandelten Interessenausgleich und den Sozialplan informiert und diese ausführlich erläutert. Dabei haben wir noch einmal ausdrücklich betont, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Dezember 2021 geben wird. Zu diesem Versprechen der BBT-Gruppe stehen wir. Vielmehr sollen – sofern als möglich – alle am Standort Künzelsau tätigen Mitarbeiter innerhalb der HK, der HSB oder in einem anderen Unternehmen in der Region Tauberfranken-Hohenlohe bzw. der BBT-Gruppe weiterbeschäftigt werden.“ Konkretere Angaben zu den genauen Zahlen konnte Emig-Lange zu dem jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht machen. Sie erklärt: „Die von der Standortzusammenlegung der Krankenhäuser betroffenen Mitarbeitenden haben in den nächsten Wochen nun die Gelegenheit, über sogenannte Präferenzlisten mehrere Optionen anzugeben, wo sie nach Beendigung der stationären Versorgung in Künzelsau eingesetzt werden wollen. Es gibt dazu viele differenzierte Angebote. Die Stimmung in beiden Betriebsversammlungen war sachlich und lösungsorientiert – wie schon zuvor die Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft. In den kommenden Tagen und Wochen bieten Direktorium, Personalleitung und Betriebsrat diverse Gesprächsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur individuellen Beratung an. Erst wenn diese Phase abgeschlossen ist, lassen sich Zahlen über die künftigen Einsatzorte der Mitarbeitenden aus Künzelsau nennen.

Nachnutzung: Psychiatrische Tagesklinik bleibt, Hospiz im Gespräch

Wie wird das Krankenhausgebäude künftig genutzt? Bei der Mitarbeiterversammlung sei unter anderem von Thomas Weber von der BBT-Gruppe kommuniziert worden, so berichteten es interne Quellen gegenüber GSCHWÄTZ, darüber gesprochen worden, dass möglicherweise ein Hospiz in die Räumlichkeiten kommt. Laut Emig-Lange stehe jedoch noch nichts sicher fest: „Über die Nachnutzung des Standorts Künzelsau führen wir zurzeit vielfältige Gespräche mit verschiedenen Partnern.“ Die psychiatrische Tagesklinik, die einen Stock des Gebäudes belegt, solle aber auch zukünftig am Standort Künzelsau erhalten bleiben.

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 

 




Wer bekommt das XXL-Grundstück mitten im Herzen Künzelsau?

Im Besprechungsraum von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann ziert ein Poster die Wand. Es zeigt den Plan zur Neugestaltung des großen Areals zwischen dem Rathaus und der Bergbahn. Das neue Landratsamt nimmt darin eine große Fläche ein. Von oben sieht es aus wie ein mehrfach zerteiltes Steak. Daneben sieht man das Kaufland, das so gar nicht an das Kaufland erinnern will, das es da facto bereits an dieser Stelle gibt. Mit seiner ovalen Form erinnert es vielmehr an ein kleines Fußballstadion. Besser, größer, neuer soll das Kaufland werden. Nur an der Umsetzung scheiden sich die Geister. Es geht um Millionen und um die Frage: Wie soll Künzelsau künftig ausschauen?

Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen.

Nur einen Steinschlag von diesem Kaufland entfernt hat Rainer Grill sein Büro. Er ist Pressesprecher von Ziehl-Abegg (ZA) und er hatte große Pläne mit dem Kaufland in Künzelsau. Genauso wie Dr. Herbert Küblböck aus Regensburg. Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen. Allerdings nicht an dem Standort an der Bergbahn, sondern in der Würzburger Straße neben dem Elektronikgeschäft HEM. Auf der über 13.000 Quadratmeter großen Fläche steht derzeit noch eine alte Produktionshalle von Ziehl-Abegg. Daran hängt schon seit Längerem das Schild: „Zu verkaufen“. Laut Bodenrichtwert ist das Grundstück mehrere Millionen Euro wert.

Vor einigen Jahren schon hat ZA in der Küblböck Unternehmensgruppe aus Regensburg einen Investor gefunden, der das Grundstück kaufen möchte. Ein großes, modernes Kaufland soll darauf entstehen. Architektonische Pläne gibt es. Gespräche mit der Stadt und dem Gestaltungsberater wurden geführt. Martin Gehring von Küblböck kritisiert: „Seit unserem einem ersten Gespräch 2015 ist uns über mehrere Jahre das Wohlwollen der Stadt in Persona des Bürgermeisters Neumann zugesichert“ worden. Es sei offen kommuniziert worden, „dass wir Einzelhandel auf dem Areal der Firma ZA in der Würzburger Straße/Kocherwiesen ansiedeln wollen. Erst – für uns völlig überraschend – im April 2018 wurde seitens Herrn Neumann verlautbart, dass unser Projekt nun von der Stadt abgelehnt würde. Wochen vorher waren unsere ausgereiften Architektenplanungen für den Umzug von Kaufland an die Würzburger Straße und die Nachnutzung der bisherigen Kaufland-Immobilie noch im Gestaltungsbeirat positiv beurteilt worden. Im Schreiben des Bürgermeisters Neumann zur Ablehnung steht nur ein einziger wortkarger Satz, der die Entscheidung begründet: das Kaufland gehöre in die Innenstadt.“
Fragt man Bürgermeister Stefan Neumann, betont dieser, dass er ebenso wie ZA ein Interesse daran habe, dass dieses Grundstück in der Würzburger Straße nicht ewig brach liege, sondern dass hierauf wieder etwas Neues entstehe.

Stefan Neumann möchte das Kaufland in der Innenstadt halten und nicht in die Würzburger Straße verlieren.
Foto: GSCHWÄTZ

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Er verweist aber auch darauf, dass das ZA-Grundstück in der Würzburger Straße ein eingeschränktes Gewerbegebiet sei. Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau präzisiert: „Sortimente von innenstadtrelevanter Bedeutung wie Nahrungs-und Genussmittel, Lebensmittel, Drogeriewaren, Kosmetika, Pharmazeutika, Oberbekleidung, Kurzwaren und Handarbeiten, Schuhe, Haushalt, Papier-und Schreibwaren, Bücher sind hier nicht zugelassen… Alles Sortimente die Kaufland anbietet.“

Aber was ist mit Lidl und Edeka, die sich ebenfalls in der Würzburger Straße angesiedelt haben? Elke Sturm erklärt: „Die von Ihnen angesprochenen Lebensmittelanbieter sind in einem Sondergebiet klassifiziert und jeweils mit der entsprechenden Verkaufsfläche und den Sortimenten begrenzt.“ Neumann betont darüber hinaus, wie wichtig das Kaufland für die Innenstadt Künzelsaus sei, immerhin grenze das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück direkt an ein größeres Wohngebiet und auch Taläcker mit seinen rund 3.000 Einwohnern sei nur eine Bergbahnfahrt entfernt: „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Das haben wir von Anfang an so kommuniziert. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen?

Rainer Grill von ZA betont, dass das jetzige Kaufland keine Bauruine geworden wäre, sondern es seien Pläne vorhanden gewesen, wonach ein kleiner Lebensmittelmarkt sowie ein oder zwei Fachgeschäfte darin hätten Platz finden sollen. Die Rede war von einem Schuhfilialisten sowie einem Sportartikelladen. Der Stadt Künzelsau war diese Planung zu unkonkret.

Der Investor ist mittlerweile vom Kaufvertrag zurückgetreten. Nun steht die große Frage im Raum: Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen? Die Stadt hat nun beschlossen, daraus ein so genanntes „urbanes Gebiet“ zu machen (Umwidmung). Dadurch bestünden mehr Möglichkeiten, das Gebiet zu bebauen. Dies sei auch ein positives Signal gegenüber dem Investor beziehungsweise anderer Investoren. „Produzierendes Gewerbe, Handwerksbetriebe, insofern sie nicht störend sind, ein Küchenstudio, Büros und auch Wohnungen sollen fortan möglich sein“, so Neumann. Martin Gehring von der Küblböck Unternehmensgruppe argumentiert: „Es gibt seitens der Stadt keine konkreten Nutzungsvorschläge. Etwas wolkig ist seitens des Bürgermeisters in einem mündlichen Gespräch eine nicht-handelsbezogene Gewerbenutzung ins Spiel gebracht worden – ohne konkrete, nachhaltige Interessenten benennen zu können. Für eine weitere Gewerbenutzung eignet sich das Grundstück wegen der hohen Abbruchkosten der bisherigen Gebäude – im Vergleich zum Kaufpreis für ein gewöhnliches Gewerbegrundstück in der Region – aber nicht. Ein solcher Verkauf wäre ein Draufzahlgeschäft für den bisherigen Eigentümer“, ist sich der Investor sicher. „Bezüglich der Altlasten- und Abbruchkosten hat unser Haus bereits 2017 fundierte Gutachten machen lassen, welche dies belegen. Wegen der umliegenden Handels- und Gewerbebebauung und der Lage an der viel befahrenen Bahnhofstraße mit den Schallproblematiken kommt auch eine wohnwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage.“
Wenn sich die Stadt bezüglich dem Kaufland umentscheide, habe der Investor jedoch nach wie vor Interesse: „Ein Vertragsabschluss wäre auch kurzfristig möglich.“ Auch die Stadt könne sich vorstellen, die Fläche zu kaufen. Das habe man auch ZA schon signalisiert, so Neumann.

Rainer Grill von Ziehl-Abegg.
Foto: GSCHWÄTZ

 Was macht Ziehl-Abegg?

Die Firma Ziehl-Abegg (ZA) sitzt nicht nur in Künzelsau, sondern auch in Computern, Kühlgeräten und klimatisierten Gebäuden. Denn in diesen Geräten befinden sich kleine Ventilatoren. Der Ventilatoren-Hersteller ZA setzt bei der Entwicklung seiner Ventilatoren dabei sehr stark auf Bionek, betont Pressesprecher Rainer Grill gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir setzen Dinge, die in der Natur gut funktionieren, im technischen Bereich um.“ So seien in den 1960er Jahren die gebogenen Schwingen in den Ventilatoren erfunden worden, damit sie ruhiger laufen. Man habe sich dabei an Vogelschwingen orientiert. Die Zacken in den Schwingen kamen 2006/2007 hinzu, diese habe man der Eule abgeschaut. Eine Bienenwabenstruktur sorge für Materialeinsparung. ZA fertigt vieles selbst in Deutschland, sagt Rainer Grill. Eine eigene Gießerei gehöre zu ZA. Vergangenes Jahr sei der Kunststoffspritzguss hinzugekommen. Es sei „nicht teurer, intern zu fertigen“. Im Gegenteil: Es sei „ zeitsparend“. Man sei dadurch „flexibler“. Und: „So können wir auch die Qualität optimal prüfen.“

2018 hat ZA laut Rainer Grill 50 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt (200 weltweit). Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich laut eigenen Angaben auf 540 Millionen Euro* (2017). ZA hat nach eigenen Aussagen 3.900* Mitarbeiter weltweit, davon 2.200* in Deutschland/Hohenlohe. Das Unternehmen exportiert laut eigenen Aussagen dreiviertel ihrer produzierten Teile ins Ausland.
Gründer der Firma ist Emil Ziehl. Er hat 1910 mit Eduard Abegg in Berlin begonnen, Elektromotoren zu bauen. Abegg verließ die Firma laut Rainer Grill bereits nach einem Jahr wieder. Ziehl stirbt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Da die Firma in Ostberlin stand, siedelten seine Söhne Günther und Heinz nach dem Krieg nach Künzelsau um, weil Kontakte zur dortigen Firma R. Stahl bestanden. 1963 gehen die Brüder getrennte Wege. Laut der Internetseite von ebm-papst, gründeten Heinz Ziehl und Gerhard Sturm Elektrobau Mulfingen (Ebm). Durch eine Fusion entsteht 2003 ebm-papst.

* Zahlen 2017

 

 




Dieses Plakat sagt doch alles

Dekadenter kann sich eine Regierung kaum ausdrücken. „Wir wählen Wohlstand, Sie auch?“, fragte die CDU hier im Hohenlohischen auf ihren XXL-Wahlplakaten. Och, liebe CDUler, wer auch immer sich bei Euch diese geistreiche Überschrift ausgedacht hat, dem sei gesagt: Jeder Bürger würde gerne Wohlstand wählen, kann es aber leider nicht. Nicht jeder hat diese Wahl. So einfach ist das Leben eben für viele nicht. Auch in unserem wohlbehüteten Hohenlohe gibt es viele, die nicht nur einen Job haben, um über die Runden zu kommen, sondern mehrere. Es gibt Alleinerziehende, die irgendwie klarkommen müssen, es gibt Aussortierte von der Gesellschaft, die wegen körperlichen Einschränkungen am Rande des Systems leben. Es gibt Rentner, die jede Woche zum Tafelladen nach Künzelsau gehen und die jeden Cent herumdrehen müssen. Es gibt Altenpfleger, die kaum eine Familie mit ihrem Gehalt ernähren können. Wir als Lokaljournalisten sprechen beinahe täglich mit jenen, die eben nicht so einfach „Wohlstand wählen“ können. Sie auch?

So weit weg von den Problemen des Volkes

Dieses Plakat zeigt eines sehr deutlich: Ihr seid so weit weg von den Problemen des Volkes wie lange nicht mehr. Und es scheint nicht wirklich besser mit Euch zu werden. Ein Video sorgte derzeit für ein Erdbeben in ganz Deutschland: Rezos „Die Zerstörung der CDU“, das mittlerweile über 13 Millionen Mal auf youtube geklickt wurde. Es war eine 55-minütige Abrechnung mit der Politik der Volksparteien – allen voran mit der CDU, aber auch mit der SPD. Und was ist Eure Antwort? Am Wahlabend – nach Bekanntgabe der Ergebnisse – habt ihr uns Eure Antworten verraten: „Das ist alles eine geplante Kampagne gegen uns gewesen.“ Und: „Das Volk versteht die Komplexität der Probleme nicht.“ Oder: „Die Quellen, die in dem Video genannt wurden, sind ja wohl mehr als unseriös.“

Da zerlegt ein 26-Jähriger in 55 Minuten die Politik der vergangenen Jahrzehnte

Unseriös? Ich finde es ganz schön beachtlich und mutig, wie profund da ein 26-Jähriger die Politik der Großen zerlegt. Solch eine kritische Berichterstattung mit derart vielen verschiedenen Quellen würde man sich auch im Staatsfernsehen wünschen.

Das absolut Traurige ist, dass von Euch nicht ein Wort zum Inhalt gesagt wurde. Rezo hat so vieles angeprangert. Warum aber antwortet man nur mit Angst und Abwehr? Warum sprechen wir nicht über die Inhalte? Rezo beginnt in seinem Video mit der „Wohlstands“-Partei CDU, die in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten dafür gesorgt habe, dass die Reichen immer reicher wurden und die Armen immer ärmer, so Rezo. Hierzu führt auch Studien an.

Nun kommen wir zurück auf unser Plakat am Anfang. So ein Plakat kann sich nur jemand ausdenken, der auf der Sonnenseite des Lebens steht. Und auch wir spüren bei jedem Gespräch mit lokalen Politikern immer wieder, dass die Sorgen und Probleme der Bürger überhaupt nicht mehr wirklich bekannt sind bei unserer Führungselite, die in ihrer Wohlstandsblase lebt, in der Notaufnahme die private Krankenversichertenkarte zückt und nicht Stunden im Wartezimmer verbringen muss, bis er drankommt. Politiker, die sich im Alter wegen der knappen Rente nicht überlegen müssen, ob sie überhaupt in Urlaub fahren können. Politiker, die ihre Kinder nicht auf staatliche Schulen schicken, sondern auf private, dem Volk aber andauernd erklären, wie toll unser derzeitiges staatliches Schulsystem ist.

Politiker leben häufig in ihrer privaten Heile-Welt-Blase

Die Bürger scheinen die Komplexität nicht zu verstehen? Wir glauben eher: Viele regierende Politiker verstehen die Probleme des Volkes nicht mehr. Es werden immense Gelder für einen überbordenden Staatsapparat ausgegeben, für staatliche Prachtbauten, für Berater auf der einen Seite, auf der anderen Seite wird gesagt: Krankenhäuser können wir uns nicht mehr leisten, beim öffentlichen Nahverkehr muss gespart werden, die Altenheime sind zu teuer. Fragt sich: Wer kann hier nicht richtig wirtschaften?

Ein JUSO-Chef Kevin Kühnert möchte am liebsten alles verstaatlichen, weil der Staat die Finanzen ja so gut im Griff hat.

CDU-Chefin Annegret-Kramp-Karrenbauer möchte am liebsten Influencer mundtot machen, die sich regierungskritisch äussert. Man überlege nur mal, was los gewesen wäre, wenn das ein Donald Trump oder ein Erdogan gewagt hätte?

Was ist los mit unserer derzeitigen politischen Führungsriege?

Daher: Eine neue politische Bewegung muss her – mit Menschen, die authentisch sind, die wirklich noch etwas bewegen möchten. Denn: Deutschland kann es besser.

 

Hier seht ihr das Video, das für so viel Furore sorgt:

Rezo: Die Zerstörung der CDU:

https://www.youtube.com/watch?v=4Y1lZQsyuSQ




Absturz CDU: Arnulf von Eyb: „Ist mir unverständlich“

Arnulf von Eyb steht vor der Leinwand im Landratsamt und verfolgt die Ergebnisse der Europawahlen 2019. Die CDU fährt das schlechteste Ergebnis der Geschichte bei diesen Wahlen ein. „Das ist mir unverständlich“, sagt der Arnulf von Eyb, der als CDU-Landtagsabgeordnete vom Hohenlohekreis im Landtag in Baden-Württemberg sitzt.

„Politik zu erklären, wird immer schwerer“

„Ich hätte mir etwas anderes gewünscht. Ich gebe aber auch zu: Politik zu erläutern und zu erklären, wird immer schwerer. Ganz schnelle Lösungen für komplexe Lebensverhältnisse zu haben, ist nicht immer einfach. Wir müssen Lösungen finden, um einiges verständlicher zu vermitteln.“ von Eyb betont, wie gut es in Deutschland in vielen Bereichen laufe: „Hier funktioniert vieles sehr, sehr gut. Man darf nicht alles mit negativen Dingen überzeichnen, so dass am Ende von den positiven nicht mehr viel übrig bleibt.“

„Kleine Parteien sind völlig überfordert“

Im Bezug auf die Zusammensetzung des Europäischen Parlaments wäre es, so von Eyb, sinnvoll, künftig eine Quote einzuführen. Denn „diese vielen kleinen Parteien sind allein durch die Fülle der Dinge, die dort bearbeitet werden müssen, völlig überfordert.“ Das wäre, führt der Dörzbacher näher aus, „wie wenn der eine einen Lastwagen hat und der andere mit einem Handkarren mithalten will.“

Erfreulich sei die gestiegene Wahlbeteiligung: „Die Menschen sehen, dass auch das deutsche Schicksal ganz eng mit Europa verbunden ist.“ Das bedeute nicht, dass man auch in Deutschland „notwendige Verbesserungen ansprechen“ müsse. Aber „Deutschland ist der große Gewinner des Europäischen Einigungsprozesses.“

„Deutschland ist der große Gewinner von Europa“

Der Schlossherr hofft, dass trotz der CDU-Wahlschlappe Spitzenkandidat Manfred Weber neuer EU-Kommissionspräsident wird. Er kenne ihn und er halte von ihm sehr viel.

Was Bremen angeht, fügt er schmunzelnd hinzu, dieses Ergebnis freue ihn natürlich sehr. In Bremen wurde zeitgleich mit den Europawahlen der neue Landtag gewählt. Die CDU wird hier stärkste Kraft und könnte nach vielen Jahrzehnten die SPD vom Regierungsthron stoßen.