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GSCHWÄTZ-Redaktion mit rechtsradikalen Aufklebern beschmiert

Die GSCHWÄTZ-Redaktion ist am Wochenende zwischen Freitag, dem 15. Mai 2020, und Sonntagmorgen, dem 17. Mai 2020, 07 Uhr, Opfer einer rechtsradikal motivierten Tat geworden. Die Schaufenster der Redaktion in der Gaisbacher Straße 6 om Oberen Bach in Künzelsau wurden mit Aufklebern mit rechtsradikalem Inhalt beschmiert.

Unter anderem steht dort zu lesen: „Wir waren schon rechts, bevor es cool wurde“ oder „Make Germany white again“. Die Aufkleber weisen auf unterschiedliche Organisationen und Internetseiten hin, unter anderem auf wie „Junge Revolution“. the-revolution.de. druck18.de und junge-nationalisten.de

Die Inhalte der Aufkleber seien eindeutig, so die Polizei. Dadurch dass es sich laut der Polizei Künzelsau um eine „politisch motivierte Straftat“ und nicht nur eine reine Sachbeschädigung handele, sei die Sache direkt an den Staatsschutz abgegeben worden. Die Ermittlungen laufen.

Wir von der Redaktion GSCHWÄTZ setzen uns auch weiterhin ein für freiheitlich-demokratische Werte, für ein soziales Miteinander, für Gerechtigkeit und Frieden. Wir verurteilen die Diskriminierung von Menschen – aufgrund von Herkunft, Religion, Hautfarbe oder anderen Gründen – aufs Schärfste.

Text: Dr. Sandra Hartmann

Die Polizei Künzelsau hat Fotos von den Aufklebern gemacht. Foto: GSCHWÄTZ

Die Schaufenster der GSCHWÄTZ-Redaktionsräume wurden mit rechtsrakdikalen Aufklebern beschmiert. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Die Aufkleber weisen auf verschiedene Internetseiten mit rechtsradikalem Inhalt hin. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Übersäht mit Aufklebern mit rechtsradikalem Inhalt: Die GSCHWÄTZ-Eingangstür. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

„Macht Deutschland wieder weiß“ – lautetet die Forderung auf einem der Aufkleber. Foto: GSCHWÄTZ

„Time to fight“ – Aufruf an an die Europäer, zu kämpfen. Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ

Foto: GSCHWÄTZ




„Größtes Hilfspaket in der Geschichte Deutschlands“

Derzeit regnet es Hilfsgelder für die durch die Coronakrise angeschlagene Wirtschaft in Milliardenhöhe. Das Bundesfinanzministerium bezeichnete es als „größ­tes Hilfs­pa­ket in der Ge­schich­te Deutsch­lands“ https://www.bundesfinanzministerium.de/Content/DE/Standardartikel/Themen/Schlaglichter/Corona-Schutzschild/2020-03-13-Milliarden-Schutzschild-fuer-Deutschland.html

Insgesgesamt 50 Milliarden stellt der Bund laut eigenen Aussagen allein für unbürokratische Soforthilfe für kleine Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler bereit. Indes fragt das Nachrichtenmagazin Spiegel zu Recht: „Wo kommen all die Milliarden her?“ https://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/corona-hilfen-wo-kommen-all-die-milliarden-her-und-hin-a-b02d45bf-ff20-4a31-82f4-5851919d2516

Zum einen hat der Bund über die vergangenen Jahre fleißig an der Schwarzen Null hinsichtlich Neuverschuldung gearbeitet, zum anderen aber häuft er nun auf einen Schlag wesentlich mehr Schulden an als all die Jahre zuvor. Dennoch, so der Spiegel, sei ein nicht zu unterschätzender Teil davon verzinste Darlehen, die an den Bund letzten Endes zurückgezahlt werden müssten.

Auch für den Gesundheitssektor sollen Corona-Milliarden bereit stehen. Laut dem Bundesfinanzministerium sieht das Schutzpaket hierfür folgendermaßen aus:

  • Die Bundesregierung stellt 3,5 Milliarden Euro zusätzlich bereit, unter anderem für Schutzausrüstung sowie die Entwicklung eines Impfstoffs und von weiteren Behandlungsmaßnahmen.
  • Weitere 55 Milliarden Euro stehen für die Pandemiebekämpfung zur Verfügung. Das ist wichtig, um flexibel und kurzfristig auf die Entwicklung der Pandemie reagieren zu können.
  • Der Bund spannt einen Schutzschirm für Krankenhäuser, um Einnahmeausfälle und höhere Kosten abzufedern.
  • Auch für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte werden die derzeitigen Einnahmeausfälle abgefedert.
  • Der Zoll überwacht die Einhaltung des EU-Ausfuhrverbots für Schutzmasken, Schutzbrillen und Schutzanzüge.

Allerdings scheint davon bislang nicht wirklich viel angekommen zu sein bei den Städten, Gemeinden und Landkreisen. Diese lassen unter anderem ihre Bürger Masken selbst nähen oder bitte um Spenden bezüglich Masken und Schutzausrüstung (wir berichteten). Auch Krankenschwestern, Altenpfleger und Bestatter aus dem Hohenlohekreis berichteten von einem Engpass bei der Schutzausrüstung. Teilweise hätten sie sich Schutzausrüstung selbst besorgen oder Dinge zum Einmalgebrauch mehrfach benutzen müssen. https://www.gschwaetz.de/2020/04/20/leider-muss-man-sagen-klinikpersonal-muss-einwegmaterialen-mehrfach-benutzen-sich-selbst-schutzausruestung-besorgen-derweil-explodieren-die-preise-fuer-schutzmasken/

Keine Zeit für Lobbyarbeit

In den vergangenen Jahren wurde vor allem im Gesundheitssektor der finanzielle Gürtel sehr eng geschnallt. Eine jahrzehntelange Sparpolitik auch im Hohenlohekreis, unter anderem bei der Altenpflege https://www.gschwaetz.de/2018/09/28/aufstand-im-altenheim-krautheim-der-pflege-skandal/, im Rettungsdienst https://www.gschwaetz.de/2017/12/03/wir-sehen-enorme-schwierigkeiten-die-notfallrettung-aufrechtzuerhalten/und die deutschlandweite Schließung zahlreicher kleiner Krankenhäuser, da sie zu kostenintensiv seien, ist erfolgt. https://www.gschwaetz.de/2017/06/10/aus-fuer-krankenhaus-kuenzelsau-kreisraete-attackieren-neumann-scharf/.

Während nun Pflegekräfte eine langfristig bessere Entlohnung in einem Offenen Brief an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn fordert, http://www.altenpflege-online.net/Infopool/Nachrichten/Offener-Brief-Die-Belange-der-Pflegenden-nicht-vergessen,  ist es recht still um die Krankenschwestern und Pflegern, die in den Kliniken Covid-Patienten betreuen und damit an vorderster Front in dieser Coronakrise kämpfen. Vermutlich ist es aber nur deshalb so still um sie, weil sie gar keine Zeit haben, ordentlich Lobbyarbeit für sich und ihren Berufsstand zu machen. 

Text: Dr. Sandra Hartmann

Beatmung im Krankenhaus. Symbolfoto. Quelle: adobe stock




Ein Hoch auf euch

Starke Frauen braucht das Land,

starke Frauen werden oft verkannt.

Starke Mamis noch viel mehr,

dabei steht und fällt ein Land damit so sehr.

Marilyn Monroe, Romy Schneider und Brigitte Bardot

drei Stars – keine von ihnen hatte es leicht – haben die Filmwelt auf den Kopf gestellt mal eben so.

 

Margret Thatcher, Queen Elisabeth, Jeanne d`Arc*, Michelle Obama

alles Frauen in der Politik mit Karma,

Mut, Engagement und ein eiserner Willen zeichnet sie aus,

ohne solche Frauen sähe die Welt ganz anders aus.

 

Auch in anderen Bereichen, wie etwa in der Wirtschaft und der Wissenschaft, gehen Frauen voran,

mit diplomatischem Geschick und voller Elan.

Bettina Würth, Marie Curie, Maria Montessori – Alice Schwarzer, Cleopatra und Simone de Beauvoir,

diese Frauen prägen, haben die Welt verändert und ihr ein weibliches Gesicht geschenkt.

Und die Geschicke in der Wirtschaft und der Wissenschaft in die ein oder andere Richtung gelenkt.

 

Nach den Kriegen haben die so genannten Trümmerfrauen die Länder wieder aufgebaut,

über Generationen sind Frauen die kritischen Geister,

die sich trauen, gegen den Strom zu schwimmen.

wie Greta Thunberg, Hanna Arendt, oder Anne Frank.

Sie zeigen auf, wo es in unserem System krankt.

 

Und auch heute wieder, in dieser schwierigen Zeit

halten Frauen und Mamis dieses überhitzte  System am Laufen, schützen es vor Einsamkeit.

Sind Mamis, Ehefrauen, Köchin, Lehrer, Arbeiter gleichermaßen,

Nein, sie sind Wunderkinder über alle Maßen.

 

 

*französische Befreiungskämpferin

 

Text: Dr. Sandra Hartmann




Lieber Lehrer Flad, mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter

+ + + Öffentliche Stellungnahme + + +
Lieber Lehrer Flad,
 
Sie haben meinen Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum „Coronaschulwahnsinn“ https://www.youtube.com/watch?v=Qj2xYDJ3es8 auf unserer Facebookseite GSCHWÄTZ mehrfach öffentlich kommentiert und kritisiert. Ich wende mich daher heute auch öffentlich an Sie, weil Ihre kritischen Kommentare leider am Inhalt vorbeigehen und ich sie von einem Lehrer in Künzelsau, wie Sie es sind, in der Argumentation enttäuschend schwach fand.
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter
 
Mit diesem verbalen Niveau kommen wir nicht weiter, Herr Flad. Aber schauen wir uns doch einfach noch einmal einige Ihrer Kommentare der Reihe nach an:
 
Kommentar Philipp Flad: „Ich hätte es [Printausgabe von GSCHWÄTZ] eh nicht genommen, wegen der Druckerschwärze am Popo, haha.“ Da hätte ich Ihnen sicherlich keine gute Note im Ausdruck gegeben. Inhaltlich, das versteht sich von selbst, geht dieser Kommentar leider nicht auf die Probleme des homeschooling ein, die es aufwirft. Schade, Chance vertan.
 
Chance vertan
 
Bezüglich Kommentar 2 von Ihnen, Herr Flad: Überlegen wir mal, was ich in meinem Video-Kommentar vom 19. April 2020 zum Thema „Coronaschulwahnsinn“ gesagt habe: Man sollte die nächsten Wochen einen Gang runterschalten beim homeschooling. Sie antworten wortwörtlich: „Als Gymnasiallehrer der ab morgen wieder 10 Stunden am Tag am Schreibtisch sitzen wird um Unterrichtsmaterial Schüler- und elterngerecht aufzubereiten und von 8-17h online in Videokonferenzen zur Verfügung stehen.“ Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Das merken Sie selbst, oder? Ich habe gesagt, wir müssten homeschooling etwas entspannter angehen. Das würde ja nicht nur die Eltern, sondern auch engagierte Lehrer entlasten. Stattdessen gehen Sie als Antwort darauf in eine ungefragte Rechtfertigungshaltung. Ich bin in meinem Kommentar auf die Situation der Eltern eingegangen und habe schließlich nicht gesagt, dass Lehrer gar nichts vorbereiten würden. Aber es findet de facto kein Präsenzunterricht statt. Also schon wieder: leider völlig am Thema vorbei argumentiert.
 
Automatischer Rechtfertigungsmechanismus
 
Sie schreiben: „Sie stehen zur Verfügung in Videokonferenzen“? Was meinen Sie konkret mit dieser Aussage? Bei Bedarf der Eltern? Nach Terminvereinbarung? Ganz zu schweigen davon, dass viele Schulen gar keine Videokonferenzen machen – und auch keine Tabletts oder Lap Tops an ihre Schüler verteilen. Hier gibt es große Unterschiede. Auch hier muss man der Realität der begrenzten technisch-digitalen Möglichkeiten auf dem Land realistisch in die Augen schauen. Wäre es nicht auch sinnvoller, an einem einheitlichen digitalen Unterricht zu arbeiten und nicht nur „zur Verfügung zu stehen“ für den einzelnen Bedarf? Hierzu müsste man aber wie gesagt, zunächst dafür sorgen, dass jeder eine ausreichend schnelle Datenleitung dafür hat – und auch die erforderliche (Anzahl an) Hard- und Software zu Hause.
In Bayern gehen Schulen hier mustergültig mit Tablets für die Schüler zwecks homeschooling und digitalem Unterricht voran. Das kann natürlich kein Lehrer für sich entscheiden, aber man kann sich dafür einsetzen und offen ansprechen, damit auch die Schüler im Hohenlohekreis hier flächendeckend gleichermaßen gut versorgt sind. Und: Es gibt extreme Unterschiede, wie Schulen und Lehrer Stoffe vermitteln, wie präsent sie sind und wie empathisch. Denn derzeit möchten viele Eltern schlicht nur eines von ihren Lehrern: Verständnis – Verständnis, wenn nicht alle Aufgaben bewältigt werden können. Lehrer, die den Druck aus dieser für alle einmaligen schwierigen Situation herausnehmen, anstatt ihn noch weiter aufzubauen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
 
 Bayrische Schulen machen es vor: Tablets für Kinder fürs homeschooling
 
Der beste Kommentar von Ihnen, Herr Flad, ist aber dieser: „Und jetzt werden Sie doch auch mal konkret: Welche neuen! Lerninhalte haben Sie [Dr. Sandra Hartmann] oder ihre Follower ihren Kindern schon vermitteln müssen. Wie sind sie didaktisch und methodisch dabei vorgegangen? Das würde mich brennend interessieren. Vielleicht lerne ich ja noch was von Ihnen.“
Dieser Kommentar von Ihnen suggeriert zum einen, dass Eltern in diesen Wochen des homeschooling ihren Kindern keine neuen Lernhinhalte beibringen müssen. Das ist nicht korrekt. So lernen beispielsweise Grundschüler in diesen Wochen des homeschooling unter anderem neue Buchstaben und die korrekte Schreibweise von ihren Eltern. Von Fremdsprachen in den höheren Klassen ganz zu schweigen. Zum anderen suggeriert Ihr Kommentar, dass Eltern oft nur didaktisch und methodisch falsch an die Sache herangehen. Sie, Herr Flad, werten mit dieser Aussage ihren eigenen Beruf ab. Nicht ohne Grund gibt es doch ein Lehramtsstudium, in dem Sie gelernt haben, wie man didaktisch und methodisch vorgeht. Wie sollen das Eltern – gelernte Krankenschwestern, Supermarktmitarbeiter, Bürokauffleute – mal kurz nebenbei lernen? Geschweige denn, dass es auch für Sie sicherlich nicht einfäch wäre, mal kurz über Wochen einen anderen Beruf wie etwa Krankenschwester auf der Intensivstation ungelernt auszuüben – und parallel homeschooling zu betreiben.
Von der Realität vieler Eltern weit entfernt
 
Man merkt: Sie sind weit von der Realität vieler Eltern entfernt. Natürlich antworten diverse Eltern, wenn sie gefragt werden, wie es zu Hause läuft: Super läuft‘s. Denn fast niemand möchte sich die Blöße geben, zu sagen: Das funktioniert so nicht.
 
Sie gehen leider in keinster Weise auf die Hauptargumentation in meinem Kommentar ein, wie es berufstätige Eltern schaffen sollen, neben ihrem normalen (nicht selten nicht zu Hause umsetzbaren) Beruf parallel homeschooling mit mehreren Kindern zu betreiben. Sie vergessen, dass es Familien mit mehreren Kindern gibt und dass teilweise auch Grundschüler nicht nur Mathe und Deutsch als Aufgaben zu Hause abarbeiten müssen, sondern auch in den Nebenfächern. Das macht dann pro Kind im Durchschnitt acht Fächer. Wenn man vier Kinder hat, sind das Aufgaben für 32 Fächer pro Woche. Wann soll eine Mutter, die etwa morgens fünf Stunden an der Kasse im Supermarkt arbeitet, einkauft, nach Hause kommt, kocht, den Haushalt macht, noch die Zeit finden, diese Aufgaben mit ihren Kindern durchzugehen, die ja leider nicht alle 16 Jahre alt sind und mustergültig vormittags alles schon ganz alleine oder mit Papa zu Hause bewältigt haben? Aber vielleicht hat man auch als Eltern das Glück, dass zwei der vier Kinder noch in die Kita gehen und zu Hause „nur bespaßt“ werden wollen – ganz ohne offizielle Aufgaben.
 
Gehen wir doch einfach alle mal ein bisschen runter vom Gas
 
Wie ist das zu schaffen? Sie machen sich nicht mal die Mühe, darauf einzugehen. Anstatt auch Verständnis für die Eltern zu zeigen, schlagen Sie nur verbal um sich, weil Sie sich als Lehrer angegriffen fühlen wegen eines Kommentars von uns, der lediglich sagt: Gehen wir doch einfach mal alle ein bisschen runter vom Gas.
 
Bereit für ein Interview?
 
Ich möchte Ihnen die Gelegenheit geben, die Sie einfordern an das GSCHWÄTZ-Team in Ihren Kommentaren. Lassen Sie uns ein Interview führen, in welchem wir über die Arbeit der Lehrer und über die Arbeit der Eltern in den Coronawochen sprechen. Lassen Sie uns für einen Tag den Alltag in diesen Wochen tauschen und vielleicht gewinnen wir dann beide neue Erkenntnisse.
 
Ich warte auf Ihren Terminvorschlag an: info@gschwaetz.de
Sonnige Grüße
Dr. Sandra Hartmann

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

Auszug aus den Kommentaren von Philipp Flad auf unserer öffentlichen Facebookseite GSCHWÄTZ zum Thema Coronaschulwahnsinn. Screenshot

So einfach ist homeschooling, oder? Symbolfoto homeschooling. Foto: adobe stock




Und darauf trieb Ole. Ihr einziges Kind. Sieben Jahre. Und er war tot – Vor zwei Jahren geschah das Unfassbare in Künzelsau

Am Montag, den 27. April 2020, jährt sich zum zweiten Mal der Todestag von Ole T. aus Künzelsau. In einem beispiellosen Prozess vor dem Heilbronner Landgericht wurde seine Ersatzoma und Tagesmutter Elisabeth S. aus Künzelsau fast genau ein Jahr später wegen Totschlags zu 10 Jahren und 6 Monaten Gefängnis verurteilt.

Und darauf trieb Ole

Kein Prozess hat die Künzelsauer so sehr bewegt wie dieser. Nicht nur die bewegenden Aussagen der Eltern von Ole T. rührten Zuschauer, Pressevertreter und Richter im Gerichtssaal damals zu Tränen (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/2018/11/27/warum-elisabeth/. Damals schrieben wir von der Redaktion GSCHWÄTZ über den Prozessauftakt: „Es ist eine bizarre Szene, die Susanne T. (41) schildert. Sie sei die Treppe hinaufgegangen. Im Schlafzimmer sei alles dunkel gewesen. „Dann bin ich Richtung Bad gegangen.“ Auch dort sei alles dunkel gewesen. „Vom Türrahmen sah ich schon, dass Wasser in der Badewanne war. Und zwar ziemlich hoch.“ Und darauf trieb Ole. Ihr einziges Kind. Sieben Jahre. Und er war tot.“ https://www.gschwaetz.de/2018/11/29/wie-in-einem-horrorfilm-eltern-von-ole-erleben-fuerchterliches/

„Ich habe ihn in der mit Wasser gefüllten Badewanne liegen sehen.“

Oles Mutter schilderte damals vor Gericht, wie sie ihren Jungen im Haus von Elisabeth S. gefunden hat: „Ich habe ihn in der mit Wasser gefüllten Badewanne liegen sehen.“ Die Mutter ringt mehrmals während der Vernehmung um Fassung, weint, und versucht immer wieder, den Blickkontakt zu Elisabeth S. herzustellen. Elisabeth S. wiederum sitzt mit ihrer Anwältin mit dem Rücken zugewandt zu den Eltern. Selbst bei der Frage „warum, Elisabeth?“, stellt Elisabeth S. den Blickkontakt zu den betroffenen Eltern nicht her. Der Vater schilderte, wie er den Schrei seiner Frau nie wieder im Leben vergessen wird und auch wie er seinen Sohn aus der Badewanne hob, nach unten ins Wohnzimmer trug und ihn dort auf den Boden legte. Er schrie: „Mein Junge, mein Junge“.

Einige Prozesserverfolger plädierten für eine Verurteilung wegen Mordes

Die Angeklagte indes gibt und gab Rätsel auf – Rätsel, die bis zum Schluss trotz größtem Bemühen des Vorsitzenden Richters Roland Kleinschroth, der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung nicht vollständig gelöst werden konnten. Denn: Es gab bis zum Schluss keine richtige Erklärung für die Tat. Nach monatelangen Verhandlungen und rund 30 Zeugenaussagen war eines klar: Ole T. und Elisabeth S. mochten einander sehr. Die Tagesmutter wurde über die Jahre zu einer Ersatzoma für ihn.

Selbst gute Freunde erkannten sie teilweise nicht mehr wieder

Einige Prozessverfolger plädierten dafür, die Angeklagte für Mord aus Heimtücke zu verurteilen, weil sie den Jungen im Schlaf, als er schutz- und wehrlos hat, erdrosselt hat. Elisabeth S. hat unter dem Druck des Prozesses gestanden – erinnern kann sie sich letzten Endes aber laut eigenen Aussagen nicht an  ihre Tat. https://www.gschwaetz.de/2019/01/14/elisabeth-s-ich-uebernehme-die-verantwortung-fuer-den-tod-von-ole/ Letzten Endes wurde die gelernte Krankenschwester „nur“ wegen Totschlags verurteilt, weil ein MRT von Elisabeth S. Hirn gezeigt hat, dass dieses starke Veränderungen aufwies. Sprich: Es könnte sein, dass Elisabeth S. wegen ihres geistigen Zustandes zur Tatzeit nicht mehr voll zurechnungsfähig gewesen ist. Dafür sprechen auch ihre Wesensveränderung in der Zeit vor der Tat. Unter anderem gab es Tage, an denen sie sich nur noch im Haus verkroch. Eine übersteigerte Angst vor Alltagsdingen überfiel sie und versetzte sie immer häufiger in ein Gefühl des Überfordertseins. Selbst gute Freunde erkannten sie in manchen Phasen nicht wieder, hatten regelrecht Angst vor ihr https://www.gschwaetz.de/2018/12/17/ich-hatte-angst-dass-sie-nachts-an-meinem-bett-sitzt/

https://www.gschwaetz.de/2019/01/31/elisabeth-s-kleine-tiere-krabbelten-aus-ihren-aermeln/

Antidepressivum sollte helfen

Elisabeth S. holte sich Rat bei ihrer Ärztin. Sie bekam daraufhin ein Antidepressivum verschrieben. Das war nur wenige Tage vor der Tat. Über die Tatnacht hat Elisabeth S. mehrfach im Rahmen der rund viermonatigen Verhandlung gesprochen. Doch sie schilderte die Tatnacht immer wieder anders. https://www.gschwaetz.de/2019/01/07/elisabeth-s-spricht-ueber-die-tatnacht/ Kritiker sagten, Elisabeth S. habe bewusst gelogen, ihre Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf betonte, ihre Mandantin könne sich schlichtweg nicht mehr erinnern an das, was in dieser Nacht geschehen ist. https://www.gschwaetz.de/2019/02/15/mensch-oder-monster/

Eines ist aber Fakt in diesem ganzen Prozess, das bringt Richter Kleinschroth gegenüber Elisabeth S., die immer wieder betont, wie sehr sie Ole geliebt habe, („Es fällt mir sehr, sehr schwer, darüber zu reden. Es ist für mich unbegreiflich. Ole war für mich einer der wichtigsten Menschen. Wir haben nie gestritten. Nie im Leben hätte ich Ole etwas angetan. Es ist mir unerklärlich, wie ich reagiert habe in dieser Nacht“) auf den Punkt: „Das Problem ist nur: Ole ist tot.“

https://www.gschwaetz.de/2019/01/29/richter-kleinschroth-das-problem-ist-nur-ole-ist-tot/

Mögen die Eltern von Ole T. ihren Sohn immer bei sich wissen, in Gedanken und im Herzen. Und möge Ole in Frieden ruhen.

Text: Dr. Sandra Hartmann

 

 

 

Die 70-Jährige wird rund 10 Jahre ins Gefängnis gehen müssen. Foto: GSCHWÄTZ

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf plädierte auf fahrlässige Tötung. Foto: GSCHWÄTZ

Deutschlandweites Medieninteresse. Foto: GSCHWÄTZ

Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf links neben Elisabeth S. beim Prozessauftakt zum Gerichtsprozess gegen Elisabeth S. aus Künzelsau am 27.11.2018 vor dem Landgericht Heilbronn. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 

 




Reinhold, wenn wir dich nicht hätten…wie sähe Künzelsau dann wohl aus? Eine Hymne auf den Meister

Reinhold Würth, heute wirst du 85 Jahr.

Hast geschafft 70 Jahr ganz wunderbar.

Hast aus einem 2-Mann-Handwagen-Betrieb

gemacht ein Weltunternehmen mit Ehrgeiz, Effizienz und innerem Antrieb.

 

Dein offener Brief an deine Aussendienstler wird wohl bleiben unvergessen.

Getankt wird nicht innerhalb, sondern ausserhalb der Arbeitszeit, sonst kann man die Effizenz ja vergessen.

Bei der Kunst und bei Gedichten – da öffnet sich dein sonst so effizientes Herz.

Da bist du Mensch, da kannst du sein. Manche Gedichte, die du mit deiner Ehefrau Carmen liest, gehen dir durch Mark und Bein.

 

Mit Carmen führst Du eine Ehe schon über 60 Jahr.

Ihr pendelt euch gegenseitig aus, aber ganz einfach hattet ihr es im Leben sicher nicht – das ist wahr.

Persönliche Schicksalsschläge musstest ihr so manchen ertragen.

Aber ihr habt stets das Beste draus gemacht und habt versucht, den Sinn dahinter zu erfragen.

 

Ihr spendet, setzt euch ein für Menschen mit handicap.

Ohne euch hätt Künzelsau die halbe Innenstadt net.

Auch Gaisbach wäre vermutlich ein Fliegenschiss geblieben,

durch die Würth-Zentrale, das Carmen-Würth-Forum, das Museum und so viel mehr

wird sich das Zentrum des Hohenlohekreises irgendwann von Künzelsau nach Gaisbach verschieben.

 

Noch immer lässt du dich in deinem Unternehmen nicht stoßen vom Thron,

drei Sekretärinnen beschäftigst du noch – und die haben stets viel zu tun.

Was wird nur aus Würth, wenn Du nicht mehr bist?

Wer füllt diese große Lücke, wer kann es, wer ist so mit dem Unternehmen verbunden mit Herz und Seele und all seinem Tun?

Wir wissen: Du wirst es wissen. Vorsorge treffen. Denn Würth wird niemals ruhn.

 

Die Jugend von heute – denen gibst Du einen Rat: Mache, net schwätze,

schaffe, net im Bett de ganze Tag fletze.

So ist doch jeder seines eigenen Glückes Schmied,

wie uns ein großer Mann einst in einem Interview verriet.

 

Text: Dr. Sandra Hartmann

Video: Dr. Felix Kribus (Interview mit Reinhold Würth im November 2019)

2020 sorgte Reinholds Würth Yacht für Ärger bei dem ein oder anderen Touristen, der dadurch die Freiheitsstatue in New York nur mit Yacht abfotografieren konnte, weil sie vor der Freiheitsstatue geparkt war. Illustration: GSCHWÄTZ/Natalis Lorentz

Prof. Dr. Reinhold Würth plauderte im November 2019 an der FH Künzelsau aus dem unternehmerischen Nähkästchen. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 




Corona/Ingelfingen: „Es war, als wenn mir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht“ – Frisörgeschäftsinhaberin Birsen über 100 Prozent Umsatzeinbruch

Seit 18 Jahren gibt es das Frisörgeschäft B&B in der Bühlhofer Straße in Ingelfingen schon. Noch nie in diesen 18 Jahren hat Inhaberin Birsen ihren Salon so lange geschlossen gehabt wie nun angesichts der Coronakrise. Seit nunmehr fast einem Monat empfängt die Frisörin entsprechend der baden-württembergischen Landesverordnung keine Kunden mehr. Wir haben mit ihr über längst überfällige Haarschnitte gesprochen und was die Zwangsschließung für ihr Geschäft bedeutet.

Dieser Satz ging ihr durch Mark und Bein

„Birsen, es ist soweit. Wir dürfen ab morgen nicht mehr arbeiten.“ Dieser Satz ihrer Beschäftigen Maria ging Birsen durch Mark und Bein. „Es war, als wenn mir jemand den Boden unter den Füßen wegzieht“, erinnert sich die dreifache Mutter.

Es war Freitagabend, den 20. März 2020, die neue Corona-Landesverordnung trat in Kraft und von heute auf morgen brach auch bei den Frisören im Ländle der Umsatz weg, denn sie mussten ihre Geschäfte schließen. „Wir sind dann Samstagmorgens ins Geschäft gegangen und haben für unsere Kunden einen Zettel an die Tür gehängt“, erinnert sich Birsen. „Der erste Kunde stand dann schon vor uns. Wir haben ihm die Lage erklärt und für ihn war das auch in Ordnung. Aber er hat auch gesehen, wie traurig ich war.“

„Kunden haben auch schon gefragt: Könnt ihr nicht zu uns nach Hause kommen?“

Schon fast mit einem lachenden Auge berichtet sie, dass der Kunde eigentlich freitags schon seinen Termin gehabt hätte, aber diesen verschlafen habe. Nun muss er Ausdauer beweisen, bis zum nächstmöglichen Termin. Denn wann Frisöre wieder aufmachen, ist bislang ungewiss.

„Wenn man das gewusst hätte, hätte man Kunden vorziehen und Überstunden machen können“, sagt die Frisörin. „Wir wurden auch schon von Kunden gefragt: „Könnt ihr nicht zu uns nach Hause kommen?“ Nein, das geht nicht“, betont Birsen. Immerhin drohen hohe Strafen bei Zuwiderhandlung.

„Ich will arbeiten und darf nicht“

Es sei eine verrückte Situation, sagt sie: „Ich will arbeiten und kann nicht arbeiten.“ Aber dennoch hat Birsen ihren Humor nicht verloren: „Ich habe zuhause meinen Hund Charly geschnitten, damit ich nicht aus der Übung komme. Birsen hat gehofft, dass „wir am 20. April wieder aufmachen dürfen, denn die Menschen müssen doch zum Frisör. Ich selbst bräuchte auch eine neue Farbe“, sagt sie lachend. Die baden-württembergische Landesregierung hat nun allerdings beschlosse, dass Frisöre frühestens wieder am 04. Mai 2020 ihre Geschäfte öffnen dürfen.

Birsen erinnert sich in diesen Tagen daran, wie schwer es am Anfang für sie war, dieses Geschäft aufzubauen. „Als ich mein Kind bekommen habe, bin nach fünf bis sechs Tagen wieder ins Geschäft gegangen und habe gearbeitet. Das war nicht einfach. Und jetzt, wo alles läuft, kommt so ein blöder Virus.“

„Ich habe Gott sei Dank meine Familie im Hintergrund“

Aber Birsen hat auch Glück im Unglück, was sie sehr zu schätzen weiß: „Mein Vermieter hat mit erst einmal meine Miete ausgesetzt. Meine beiden Mitarbeiterinnen verzichten auf ihre Löhne, bis alles wieder läuft. Dafür bin ich schon sehr dankbar.“ Auf die Frage, ob sie Existenzängste habe, wenn auf einmal 100 Prozent des Umsatzes wegbrechen, verneint sie. „Es gibt auch Frisöre, wo sehr viel Schulden haben. Gott sei Dank habe ich keine Schulden und bin nicht der Alleinverdiener, sonst würde ich jetzt dastehen. Ich habe Gott sei Dank meine Familie im Hintergrund.“

Derzeit lebt ihr Familie von dem Gehalt ihres Mannes und auch ihre Söhne unterstützen sie. Birsen hat auch den Sofortkredit beantragt, den die baden-württembergische Landesregierung ins Leben gerufen hat. Doch entgegen manch einem anderen Ladeninhaber wartet sie bislang noch auf das Geld.

„Den Mindestabstand können wir natürlich nicht einhalten“

Birsen hofft, dass die Frisöre bald wieder aufmachen dürfen, eventuell mit Auflagen. Sie kann sich vorstellen, dass Frisöre nur eine bestimmte Kundenanzahl in ihren Geschäften empfangen dürfen und Mundschutz getragen werden müsse. „Den Mindestabstand könnten wir aber natürlich nicht einhalten.“

Dennoch hat sie ihren Optimismus nicht verloren: „Auf schlechte Tage folgen auch immer gute. Und sie weiß: „Ich habe treue Kunden. Es liegt mir wirklich am Herzen, dass meine Mitarbeiterinnen hinter mir stehen. Ich soll mir keine Gedanken machen. Schließlich hocken wir alle im gleichen Boot.“

So lange war der Frisörsalon noch nie geschlossen. Foto: GSCHWÄTZ

 

von links: Birsen Cetinkaya, (49 Jahre), Maria Anthopoulou (46 Jahre), Irem Polat, (31 Jahre)




Taucherhelm aus Stoff – Hohenlohe: Ingenieursteam entwickelt mit hiesigen Firmen Schutzausrüstung für medizinisches Personal und Pflege – „Gewöhnliche Masken nicht ausreichend“

„Wir haben uns entschlossen, etwas zu tun, anstatt abzuwarten. Die Politik entscheidet dann, ob sie das Angebot annimmt oder nicht.“ Professor Dr. Ralph Wystup aus Morsbach hat zusammen mit anderen Ingenieuren und Medizinern eine Privatinitiative gegründet, um der Coronakrise aktiv zu begegnen. Heute haben sie Landrat Dr. Matthias Neth ihre neu entwickelte Schutzhaube für medizinisches Personal. 

Die Initiative wurde ursprünglich zum Bau von Beatmungshilfen gegründet. Das hat sich mittlerweile etwas geändert, wie Wystup gegenüber GSCHWÄTZ erklärt: „Ursprünglich wollten wir Beatmungsgeräte bauen.“ In Gesprächen mit den Medizinern sei dem Team jedoch schnell klar geworden, dass Beatmungsgeräte derzeit zweitrangig wären.

Professor Dr. med. habil. Reiner Buchhorn vom Caritas Bad Mergentheim meinte, dass durch die Corona-Krise zunehmend deutlich werden würde, dass neben einem Mangel an Beatmungsgeräten vor allem die notwendige Schutzausrüstung für das medizinische Personal fehlen würde. Als klassische Tröpfcheninfektion infiziere sich das medizinische Personal vor allem durch hustende Patienten, unter anderem im Rahmen intensivmedizinischer Prozeduren. Das infizierte medizinische Personal wäre hierdurch selbst großen gesundheitlichen Gefahren ausgesetzt und stünde darüber hinaus nicht mehr für die Versorgung von Patienten zur Verfügung. Außerdem würde das infizierte Personal selbst zu einer Gefahrenquelle für Patienten und Kollegen werden.

Nun ist Wystup mit Diplomingenieur Rainer Nase, Professor Dr. Andreas Krug von der Hochschule Heilbronn und Professor Dr. Reainer Buchhorn vom Caritas Bad Mergentheim dabei, in Absprache mit Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth Schutzhauben zu entwerfen. Die Künzelsauer Firma Ziehl-Abegg stellte erst kürzlich seine 3-D-Schutzhauben vor (wir berichteten), die wie Visiere ausschauen. Doch die Schutzhauben des Netzwerks sehen etwas anders aus.

Eine akkubetriebene Gebläseeinheit soll den Träger mit frischer, virenfreier Luft versorgen.

„Es handelt sich hierbei um eine Haube, die komplett über den Kopf gezogen wird“, erklärt Professor Wystup, der vor seiner aktuellen Professur für Elektrotechnik in Eisenach als Lehrbeauftragter am Campus Künzelsau tätig war. „Die Haube erinnert an einen Taucherhelm aus Stoff.“ Eine akkubetriebene Gebläseeinheit soll den Träger mit frischer, virenfreier Luft versorgen. Die Haube sei für das medizinische Personal und für Mitarbeiter der Pflege gedacht, damit diese Menschen weiterarbeiten können.

Professor Wystup lobt dabei die in Hohenlohe ansässigen Firmen, die das Projekt unterstützen. So seien die Akkus von der Firma Ansmann und das Gebläse von der Firma ebm-papst zur Verfügung gestellt worden. Die Firma Ziehl-Abegg war laut Wystup sofort bereit, den 3D-Druck der mechanischen Komponenten zu übernehmen, die Konstruktion hierfür habe „rasch und unbürokratisch“ das Ingenieurbüro Xares übernommen. Die Firma Jako leistete „wertvolle Hilfe“ beim textilen Design und bei der Fertigung der Haube selbst. Ingenieur Nase erklärt weiter, dass in dem noch parallel laufenden Projekt des Beatmungsgeräts außerdem die Firma Gemü sehr aktiv sei. Die Firma Würth Elektronik habe bei der Platinenerstellung Unterstützung zugesichert und auch die Firma Bürkert wäre bereit für weitere Unterstützung der Initiative. „Alle Firmen, welche wir bis jetzt um Unterstützung gebeten haben, waren sofort bereit zu helfen“, betont Wystup.

Mitwirkende Firmen sind unter anderem Ziehl-Abegg, Jako, Gemü, ebm-papst, Würth Elektronik

Aus Sicht der Hochschule zeigt die Bündelung dieser regionalen Kapazitäten „die besondere Innovationskraft der Region Hohenlohe“. Wystup: „Nur durch die sofortige, bereitwillige Unterstützung der regionalen Firmen ist es uns überhaupt möglich, dass wir nun einen ersten Prototyp dem Landrat präsentieren können.“ Dann soll der Prototyp zum Regierungspräsidium nach Stuttgart weitergereicht werden.

„Gewöhnliche Masken  für medizinisches Fachpersonal in stark kontaminierter Umgebung nicht ausreichend“

Wie bewertet Professor Buchhorn den selbst genähten Mundschutz, der derzeit auch in Hohenlohe in einer vierstelligen Zahl hergestellt wird? „Die Ansteckungsgefahr hängt mit der Virenkonzentration zusammen. Für den normalen Spaziergang ist ein selbst genähter Mundschutz besser als nichts, um andere zu schützen. Aber wenn Sie ständig angehustet werden, dann sind Schutzmasken, selbst professionelle Masken, oft unzureichend. Für das medizinische Fachpersonal in stark kontaminierter Umgebung sind normale Masken nicht ausreichend“, meint Prof. Buchhorn.

Zurück zu „Made in Germany“?

Eine Aussage dazu, wie schnell die Masken von den Prototypen in die Serienproduktion gehen können, kann Wystup momentan noch nicht treffen: „Es geht jetzt erst einmal darum, die Machbarkeit zu zeigen. Wie eine Serienproduktion konkret aussehen kann, wissen wir erst, nachdem wir uns über die benötigten Ressourcen und Einzelteile im Klaren sind. Aufgrund des bisherigen positiven Verlaufs des Projekts und der guten Gespräche mit den Firmenvertretern hoffen wir aber, über Wochen statt über Monate zu reden.“

Die ursprünglich geplanten Beatmungsgeräte sind ebenfalls nicht gänzlich aus ihren Köpfen gestrichen. Allerdings sei durch die Komplexität im Bau die Umsetzung langwieriger im Vergleich zu den Schutzhauben. Zudem gäbe es hohe Zulassungsbestimmungen bei den Beatmungsgeräten. Dennoch: „Prototypen für Beatmungsgeräte für die mittelschweren Fälle wären machbar“, ist Wystup überzeugt.

Das Problem bei den Herstellern in Deutschland sei derzeit schlichtweg die Lieferzeit – zumal auch diverse Komponenten aus dem Ausland kommen. Wystup: „Jetzt kommt die Zeit, in welcher wir uns wieder auf Made in Germany besinnen.“  

So schaut die Schutzhaube aus. Foto: Screenshot Präsentationsfolie Professor Wystup

Ralph Wystup. Foto: privat

Sonja Wystup. Foto: privat

Reiner Buchhorn. Foto: privat

Rainer Nase. Foto: privat

Frederik Wystup. Foto: privat

Andreas Krug. Foto: privat

 




Keine Kontrollen, keine Quarantäne – Corona-Kreuzfahrtler Bernd Wuttke berichtet über seine Wiedereinreise nach Deutschland – „Nicht vertretbar“

Rund 2.700 Passagiere und rund 1.000 Besetzungsmitglieder befanden sich Mitte März 2020 auf einer Kreuzfahrt in der südlichen Karibik mit dem Kreuzfahrtschrift Costa Magica. Einer der Passagiere war Bernd Wuttke aus Oberlauterbach. Doch die Reise fand ein jähes Ende, als die ersten Coronainfizierten (Passagiere wie auch Besatzung) auf dem Kreuzfahrtschiff gemeldet wurden. Auch Bernd Wuttke wurde infiziert mit dem Virus. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann hat mit dem Maschinenbauer am Telefon gesprochen.

„Es wurden Durchsagen gemacht“

Wie erfuhren die Passagiere von den ersten Coronainfizierten an Bord? „Es wurden Durchsagen gemacht.“ Auf ihren Kajüten mussten die Passagiere zwar nicht bleiben, erklärt Wuttke,  aber öffentlichen Bereiche wie Bars seien geschlossen worden. Allgemein habe eine große Unsicherheit unter den Touristen geherrscht, wie es nun weitergeht. Es habe auch Tumulte und Unruhen an Bord gegeben, weil der Informationsfluss relativ dürftig gewesen sei, berichtete der 56-Jährige.

Die Kreuzfahrt mit der Costa Magica sollte eigentlich 14 Tage gehen, wurde aber nach zehn Tagen abgebrochen. Dann erfolgte der Rückflug der Passagiere. Wuttke wurde mit Air Belgium zurückgeflogen nach Frankfurt am Main. An Bord befanden sich laut Wuttke nur Passagiere des Kreuzfahrtschiffes.

In Frankfurt angekommen, kamen mehrere Ärzte an Bord der Maschine und fragten, ob es jemandem schlecht gehe oder Coronasymptome habe. Die, die sich daraufhin gemeldet haben, seien mitgenommen worden zur weiteren Untersuchung. Der Rest sei ganz normal ausgestiegen und mit einem, so Wuttke „überfüllten Shuttlebus“ zur Gepäckabfertigungshalle gefahren worden. Dor hätten sie wie alle anderen Reisenden auch an den Gepäckbändern ihre Koffer abgeholt und seien nach Hause gegangen – entweder mit dem Taxi oder den öffentlichen Nahverkehrsmitteln oder anderweitig. Es gab keine separaten Ausgänge, um sie von Touristen von anderen Flugzeugen zu trennen.

Es habe laut Wuttke auch weder pauschalen (Fieber-)Testungen für alle Passagiere des Kreuzfahrtschiffes gegeben, als sie in Deutschland angekommen seien – noch Quarantäneanordnungen bei der Einreise. Für Wuttke völlig unverständlich, da die Gefahr groß ist, dass man dadurch weitere Personen ansteckt. Lediglich der Rat sei ihnen mit auf den Weg gegeben worden, dass man, sobald man Symptome habe, beim Hausarzt vorstellig werden solle. „Wir sind sehr, sehr enttäuscht“, wie das gelaufen sei, sagt Wuttke heute rückblickend. „Das war für uns eigentlich nicht vertretbar.“ Er und auch einige, mit denen Wuttke bis heute Kontakt hält, haben nach ein paar Tagen in Deutschland tatsächlich Corona-Symptome bekommen.

Er sei daraufhin zum Hausarzt gegangen und auch getestet worden. Das Ergebnis: positiv. Drei Wochen hat er grippeartige Symptome. Nun ist er wieder gesund, sagt er.

Das Reisen aufgeben möchte er aber deswegen noch lange nicht. zumal die Reisegesellschaft sehr kulant gewesen sei und den Passagieren Gutscheine über den vollen Reisepreis (bei ihm 2.100 Euro) ausgestellt habe. Zudem hätten sie an Bord ein Bordguthaben ausgestellt bekommen über 300 Euro, als die Landgänge nicht mehr möglich gewesen waren.

Öffentliche Einrichtungen wie Bars wurden nach den ersten Coronafällen geschlossen. Foto: privat

Auf diesem Kreuzfahrtschiff war Bernd Wuttke. Foto: privat

Landgänge wie hier waren den Passagieren irgendwann nicht mehr gestattet. Foto: privat

Das Schiff durfte an mehreren Häfen nicht mehr anlegen. Foto: privat

Mit einer Maschine von Air Belgium ging es zurück nach Deutschland. Foto: privat

 

 




Warum die heile Hohenloher Welt danach eine andere ist

Es ist Samstag, der 28. März 2020, 19.41 Uhr. Aber es spielt keine Rolle, mit welchem Satz ich beginne, denn alles, was das Thema Coronavirus betrifft, ist binnen kürzester Zeit obsolet, veraltet, überholt.

Verzeihen Sie uns, aber noch nie war das von heute Geschriebene morgen schon so veraltet.

Ich bin ein Kind der 1980er Jahre. Das Spektakulärste, das ich bislang hinsichtlich unserer deutschen Geschichte erlebt habe, war vielleicht der Fall der Berliner Mauer, aber auch das tangierte mich eher peripher in Baden-Württemberg.

Denn: Es änderte sich nicht wirklich viel im schönen Hohenlohekreis, als die Mauer fiel. Damals war ich ein Kind. Der Krieg war weit weg und rückte erst ein Stückchen näher, als die Zwillingstürme des World Trade Center in den Vereinigten Staaten einstürzte. Die Welt bekam Risse, aber sie schien noch heil.
Als Fridays for future mit Greta startete, bewunderte ich die neue politisch motivierte Jugend mit ihrem Glauben an eine bessere Welt (und tue es immernoch).

Und jetzt? Heute, als ich zum hellblauem Himmel blickte bei schönstem Sonnenschein, sah ich kein einziges Flugzeug, kein einziger Kondensstreifen zeigte sich. Aber leider hat das nicht die Greta-Bewegung geschafft. Sondern Deutschland scheint seit über zwei Wochen stillzustehen wegen eines Virus‘, zuerst genannt Corona, dann Covid-19. Ein Virus legt in Rekordschnelle eine hochmoderne Welt lahm. Wer hätte das gedacht?

Und man sieht: So anfällig ist unser System. Was 1919 die Spanische Grippe bewirkte (damals starben 27 bis 50 Millionen Menschen), könnte laut der Financial Times auch uns jetzt blühen.

Die heile, sichere Hohenloher Welt, wie wir sie gekannt haben, ist passé.

Keine Frage, irgendwann werden die jetzt steigenden Zahlen an Infizierten und Toten wieder fallen. Irgendwann wird die Seuche wieder verschwunden sein.

Aber wir werden damit leider in die Geschichte eingehen und unsere Enkel werden uns vielleicht irgendwann einmal fragen: Oma, wie war das damals, als die Seuche über euch kam? Wie habt ihr euch verhalten?

So ähnlich, wie ich meine Großmutter einst gefragt habe, wie der Krieg war.

Wir werden danach in einer anderen Welt leben.