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Quarantänemaßnahmen in zwei weiteren Pflegeheimen aufgehoben

Das Gesundheitsamt des Hohenlohekreises hat die angeordneten Quarantänemaßnahmen für zwei weitere Pflegeheime im Landkreis wieder aufgehoben, da keine Bewohner und auch keine Mitarbeiter mehr positiv getestet wurden oder Symptome entwickelt haben, die auf eine Erkrankung mit SARS-COV-2 hinweisen. Damit dürfen sich die Bewohner innerhalb des Heimes wieder frei bewegen.

Auch die Mitarbeiter des Heims müssen sich zuhause nicht mehr isolieren. Die für alle Heime grundsätzlich geltenden Besuchsbeschränkungen sowie verschärften Hygienemaßnahmen bleiben bestehen.

Insgesamt stehen im Hohenlohekreis nun noch sechs Pflegeheime unter Quarantäne, weil das Coronavirus entweder bei einem Bewohner oder einem Mitarbeiter nachgewiesen wurde.

Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises

Symbolfoto Pflege




Hohenlohe: Mitarbeiter/Personal in 8 Altenheimen infiziert – Krankenhaus Öhringen eventuell bald an Kapazitätsgrenze

Nein. Das ist kein Aprilscherz gewesen. Eine auf den 01. April 2020 datierte Pressemitteilung des Landratsamtes sagt: Es gib nun Quarantänemaßnahmen in fünf weiteren Pflegeheimen. Damit wären insgesamt acht Heime derzeit von dem Coronavirus im Hohenlohekreis betroffen. Nach positiven Tests dürfen Bewohner die Heime bis auf Weiteres nicht mehr verlassen. Auch Mitarbeiter sind positiv getestet worden.

Da die Heimbewohner zur Risikogruppe zählen und pro Heim mehrere Dutzend Betroffene zusammenkommen, dürfte es nur eine Frage der Zeit sein, dass die Kapazitäten im Krankenhaus Öhringen an seine Grenze kommt – insbesondere auf der Intensivstation. Schon jetzt werden Corona-Patienten nach Heilbronn oder nach Ludwigsburg weiterverlegt.

Alle Bewohner sowie die MMitarbeiter gelten damit bis auf Weiteres als sogenannte Kontaktpersonen der Kategorie 1. Für die Bewohner bedeutet das, dass sie das Gelände nicht mehr verlassen sowie keinen Besuch empfangen dürfen. Die Mitarbeiter der Heime gehören zur Gruppe der systemrelevanten Berufe und dürfen weiterarbeiten, solange sie keine Krankheitssymptome haben. Währenddessen muss stets eine persönliche Schutzausrüstung getragen werden. In der restlichen Zeit müssen sich die Mitarbeiter zuhause isolieren.
Mitarbeiter und Bewohner werden täglich auf die typischen COVID-19-Symptome beobachtet und gegebenenfalls getestet. Eine pauschale Testung aller Mitarbeiter und Bewohner findet somit nicht statt.

Das Landratsamt nennt die Namen der betroffenen Seniorenheime nicht: „Die Nennung der Häuser obliegt den jeweiligen Betreibern“, heißt es in der Pressemitteilung. Eine Veröffentlichung der Namen würde es allerdings erleichtern, weitere mögliche Kontaktpersonen zu ermitteln.




„Wir wollen uns hier wohlfühlen“

Helmut Hermann ist bekannt im Kochertal – spätestens seit den Demonstrationen für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses, bei denen er sich zu Wort meldete und eine gefeierte Rede hielt, in welcher er die lokale politische Führung kritisierte. Nach unserer Berichterstattung über den Pflegeskandal in Krautheim (November 2018) wandte sich Hermann an GSCHWÄTZ. Er wolle uns ein vorbildlich geführtes Seniorenheim zeigen.

Helmut Hermann ist Heimführsprecherin Ingelfingen.
Foto: GSCHWÄTZ

„In 16 Jahren bekam ich nur rund zehn kleinere Beschwerden“

 

Vor 16 Jahren sei das Landratsamt auf ihn zugegangen und habe ihn gefragt, ob er Heimfürsprecher für das von privater Hand betriebene Seniorenheim in Ingelfingen werden wolle. Ein Ehrenamt, bei dem er der Ansprechpartner für die Anliegen der Bewohner ist. Seitdem ist Hermann regelmäßig in dem Heim in Ingelfingen zu Besuch – auch unangekündigt. Er wie auch die Bewohner und Angehörigen hätten wenig bis nichts zu kritisieren, sagt er – im Gegenteil. „In 16 Jahren bekam ich nur rund zehn kleinere Beschwerden“, sagt er. „Die Heimleitung sei mit dem Herzen dabei“, sagt der ansonsten sehr kritische Geist, der der SPD nach 34 Jahren wegen Hartz IV  den Rücken gekehrt hat. 

 

135 Bewohner und 140 Mitarbeiter

 

Wir schauen uns das Heim an, Hermann begleitet uns bei unserem Rundgang. Es ist Mittagszeit. Die Bewohner sitzen in den acht verschiedenen Essensbereichen in kleinen Grüppchen zusammen, Mitarbeiter der Küche rollen das Essen auf Wägen direkt in die Essensbereiche hinein und schöpfen das Essen individuell nach Bewohnerwunsch. Die Bewohner können täglich zwischen zwei verschiedenen frisch gekochten Menüs wählen. Obwohl das Seniorenheim in Ingelfingen größer als manch ein Heim in der Umgebung ist, herrscht ein geringer Lärmpegel. Laut der Heimleitung leben hier derzeit 135 Bewohner. 140 Mitarbeiter arbeiten in der Pflege, Küche, Hauswirtschaft, Haustechnik, Verwaltung und Heimleitung. Ein Mitarbeiter betreut fünf bis sechs Bewohner. Das ist ein Betreuungsschlüssel, der hinsichtlich anderer staatlicher Heime in der Umgebung eher unüblich ist. Nicht selten kommen auf einen Mitarbeiter wesentlich mehr Bewohner, um die man sich kümmern muss. Geschäftsführerin Heidi Kiemele-Koffler erklärt, dass sie – wie jedes andere Heim – ebenfalls anhand der Pflegegrade Geld für die Personallöhne bekomme. Sie versuche jedoch, bestmögliche Personalschlüssel mit den Pflegekassen und Sozialhilfeträgern zu verhandeln. Kiemele-Koffler hat die Leitung des Seniorenstifts Ingelfingen von ihren Eltern übernommen, die das Heim 1978 von Null aufgebaut hatten.

 

„Ein Bewohner ist schon seit 36 Jahren bei uns“

 

Geht man durch die Räume, fällt auf, dass viele Zimmertüren geöffnet sind. Das sei, so Kiemele-Koffler, der Wunsch der Angehörigen gewesen, damit die pflegebedürftigen Bewohner auch am Alltagsgeschehen teilnehmen können. „Wir setzen auch Gehwalker ein“, erzählt Pflegedienstleitung Anja Frey begeistert und steigt in ein solches Modell, um es vorzuführen. Gehwalker sind an den Gehfrei für Kleinkinder angelehnt – nur für Senioren, die nicht mehr gut zu Fuß sind, sich aber damit alleine fortbewegen können. Einmal wöchentlich dürfen sich die Bewohner wie im Hotel fühlen. In dem öffentlichen Cafe Lichteneck geben Mitarbeiter Essen wie im Restaurant aus. Die Bewohner wählen, was sie essen möchten. Mittwochs ist Chor. „Gut 40 Bewohner singen hier mit“, sagt Frey. Es gibt Filmenachmittage, Gottesdienste und andere Angebote. Ein Frisör und eine Fußpflegerin besuchen das Haus. Küchenleiter Ulrich Giebler führt uns in die Küche des Seniorenheims. „Wir machen auch den Kartoffelsalat selbst – mit Kartoffeln von Neufels“, sagt er.  Neben den Senioren beliefert das Küchenteam auch die Schüler der Georg-Fahrbach-Schule Ingelfingen. 

Küchenteam um Küchenmeister Ulrich Giebler (erste Reihe mitte).
Foto: GSCHWÄTZ

„Ein Bewohner ist schon seit 36 Jahren bei uns“, sagt Kiemele-Koffler nicht ganz ohne Stolz. Und auch die Pflegedienstleitung Anja Frey ist nun schon fünf Jahre hier. „Morgens treffen wir uns vor unserem Dienst und frühstücken gemeinsam“, erzählen Frey und Kiemele-Koffler. „Wir wollen, dass sich unsere Bewohner und Mitarbeiter hier wohl fühlen“, sagt die Geschäftsführerin. „Und wir wollen uns auch wohlfühlen.“

Pflegedienstleitung Anja Frey mit dem Gehwalker.
Foto: GSCHWÄTZ

Geschäftsführerin Heidi Kiemele-Koffler.
Foto: GSCHWÄTZ




Hohenloher Seniorenheime bekommen neue Leitungen

Das Personalkarussell dreht sich in den Hohenloher Seniorenheimen. Seit 01. Dezember 2018 hat das Seniorenheim in Krautheim eine neue Leitung. Heike Stadtmüller ist die neue Einrichtungs- und Pflegedienstleitung und ist zugleich ein bekanntes Gesicht – zumindest innerhalb der Hohenloher Seniorenbetreuung (HSB). Die zweifache Mutter, die in Krautheim-Oberndorf lebt, hat zuvor im Seniorenheim in Schöntal-Westernhausen als Altenpflegerin gearbeitet, zuletzt auch als stellvertretende Pflegedienstleitung. Sie hat nun, laut der BBT-Gruppe, 24 Mitarbeiter im Bereich Pflege und Betreuung unter sich, acht weitere in der Hauswirtschaft. 42 Senioren bewohnen derzeit das Altenheim in Krautheim. In Schöntal-Westernhausen sind es derzeit 32 Bewohner.

Bereits nach ein paar Tagen kennt Stadtmüller die Namen und das Alter einiger Bewohner, das wird bei einem Rundgang mit dem Magazin GSCHWÄTZ am Nikolaustag, dem 06. Dezember 2018, deutlich: „Ich muss meine Bewohner und die Angehörigen doch kennenlernen“, sagt die 52-Jährige und fügt hinzu: „Mein Ziel ist es, dass es den Bewohnern und Angehörigen hier gut geht.“ Der Abschied von Schöntal fiel ihr schwer. Aber sie freue sich auf die neue Aufgabe, fühle sich hier wohl und möchte in Krautheim eine Demenzgruppe aufbauen, so wie sie es schon in Schöntal getan hat. Die Demenzgruppe soll getrennt sein von den „Orientierten“, erklärt Stadtmüller, weil Demenzerkrankte eine andere Betreuung bräuchten. Generell gebe es immer mehr Demenzkranke in Seniorenheimen, stellt sie fest.

Der Vorgänger von Heike Stadtmüller, Maximilian Mächtlen, „hat neue Aufgaben in dem Seniorenheim in Forchtenberg übernommen“, erklärt BBT-Pressesprecherin Ute-Emig Lange auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Zu den Gründen des Wechsels liegen GSCHWÄTZ keine näheren Informationen vor.

Hintergrund

Seit März 2018 hat die BBT-Gruppe die Mehrheitsanteile der Hohenloher Seniorenheime übernommen. Der Hohenlohekreis hält die restlichen Anteile (49 Prozent). Zuvor hatten die SLK-Kliniken Heilbronn die Mehrheitsanteile.