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Achim Beck und Klaus Richter: Aufeinandertreffen vor Gericht

Am Mittwoch, den 20. März 2019, war der Niedernhaller Gemeinderat vor dem Verwaltungsgericht in Stuttgart geladen. Die Stadt Niedernhall hat das Kerl-Areal 2015 erworben. Das Areal soll aber vom Verkäufer, der Firma Kerl, weiter genutzt worden sein, ohne dass die Stadt Niedernhall Pacht hierfür verlangt habe. Nachdem Klaus Richter dies kritisierte, kündigte Achim Beck an für die Nutzung des Areals zwischen 1.200 und 1.400 Euro jährlich als Pacht einzunehmen. Dies sei laut Richter zu wenig.

Im zweiten Stock des Verwaltungssgericht genauer gesagt im kleinen Sitzungsaal fünf, musste nachbestuhlt werden, um alle Beteiligten und Zuschauer unterzubringen. Von den 14 Gemeinderäten schafften es mehr als die Hälfte, sich in Stuttgart einzufinden. Die Beteiligten machten Fotos von sich.

Auch Bürgermeister Achim Beck war da. Bürgermeister Becks Anwesenheit wurde von der Kammer erwünscht. Klaus Richter saß auf der linken Seite des Saales und Beck auf der rechten.

Der Erste Vorsitzende Richter, Jürgen Mezger, erläutert die Sachlage so, dass eine Gemeinde nicht zur Gewinnmaximierung verpflichtet sei. Im Fall von Niedernhall und dem Kerl-Areal solle es der Gemeinde nicht darum gegangen sein, Gewinn zu erzielen, sondern das gekaufte Areal für Gewerbezwecke nutzen zu können. Die optionale Gestaltungsmöglichkeit solle beim Kauf im Vordergrund gestanden haben.

Klaus Richter betonte, dass es ihm nicht um die verspätete Räumung ginge, sondern darum, dass von der Firma Kerl nichts mehr auf das Areal hätte angeliefert werden dürfen, ohne einen Pachtvertrag zu haben. Denn Ende 2016 hätte des Gelände geräumt sein sollen. Richter pocht darauf, dass die Firma Kerl aber noch im Jahre 2017 angeliefert haben soll. Der Gemeinderat wiederum betont, dass es zwei Teilfächen gibt. Teilfäche eins sei Ende 2016 zu räumen und die Abbrucharbeiten seien auch 2017 umgesetzt worden. Die Teilfläche zwei wiederum sollte erst Ende 2017 geräumt sein. Beck schilderte, dass der Abbruch wie geplant stattfand und die Firma Kerl ein Zugeständnis bezüglich der Teilräumung machte. Das Beck eigenmächtig gehandelt haben solle, wies er von sich. Auch der Erste Vorsitzende Richter stellte fest, dass sich kein Gemeinderatsmitglied von Niedernhall, mit Ausnahme von Klaus Richter, falsch informiert gefühlt habe.

Nach knapp einer Stunde kam man zu keinem Entschluss. Die Richter beraten sich heute und teilen den Beteiligten morgen ihre Entscheidung mit.

 

 

Auch Dieter Bäumlisberger, Bauprojektentwickler aus Künzelsau, war unter den Besuchern zu finden. Warum er da war erfahren Sie im Video.

 




Niedernhaller können ab jetzt für 4,99 Euro E-BMW fahren

Die Mobilität des Bürgers erhalten, gleichzeitig die Umwelt und Resourcen schonen. Das war die Idee, aus der heraus die Stadt Niedernhall das so genannte „E-Disti“, ein Elektroauto angeschafft hat. Mieten kann den BMW i3 jeder Niedernhaller. Beim traditionellen Neujahrsempfang in Niedernhall stellte Bürgermeister Achim Beck das Projekt erstmals der Öffentlichkeit vor und drei Besucher konnten eine Probefahrt mit dem Gefährt samt Bürgermeister gewinnen. Am Freitag, den 15. März 2019, übergab Projektsponsor Gert Müller von der Firma Gemü Bürgermeister Beck die Autoschlüssel vor dem Niedernhaller Rathaus.
„Wir als Stadt und auch die Firma Gemü sind davon überzeugt, dass Car-Sharing und auch E-Car-Sharing im ländlichen Raum einen Umweltbeitrag erfüllt und einen Nutzen für alle hat, die hier wohnen und leben, da dadurch die Mobilität verbessert wird“, so Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck.

Die Firma Gemü sponsert das Fahrzeug, das heißt, sie zahlt die monatlichen Leasingraten. Auch in der Firma selbst sind seit sieben Jahren Elektrofahrzeuge unterwegs, sagt Gert Müller, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Gemü. Mittlerweile präsentiere der Fuhrpark eine Flotte mit zehn Elektroautos. Diese stehen den Mitarbeitern für Fahrten zwischen den Gemü-Standorten Criesbach, Waldzimmern und Kupferzell zur Verfügung. Um die E-Mobilität erfahrbar zu machen, bietet Gemü seinen Mitarbeitern zudem an, die E-Autos über das Wochenende gegen eine kleine Spende privat zu nutzen. Zur Förderung der E-Mobilität hat das Unternehmen bereits im Jahr 2015 die Errichtung einer E-Ladesäule auf dem Wertwiesenparkplatz in Künzelsau initiiert und die Kosten hierfür übernommen.

„Ich bin sehr zufrieden und auch davon überzeugt, dass die Elektromobilität die Zukunft ist“, sagt Müller auf GSCHWÄTZ-Nachfrage. Privat fährt Gert Müller noch einen Verbrennungsmotor, wie er erzählt. Ende des Jahres möchte er aber auf ein voll elektronisches Fahrzeug umsteigen.
Mieten können die Niedernhaller das Fahrzeug laut Bürgermeister Achim Beck ab 4,99 Euro pro Stunde. Ein ganzer Tag kostet das Fahrzeug 29 Euro. Der E-Disti wird vor dem Rathaus stehen. Die Anmeldung erfolgt über die Internetseite der Stadt Niedernhall, die Kundenkarte für den E-Disti ist im BürgerService erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es in Kürze auf www.niedernhall.de/car-sharing.

Die Kandidaten, die eine Fahrt mit Bürgermeister Beck und dem neuen „E-Disti“ gewonnen haben, haben ihre ganz eigenen Erwartungen bezüglich des E-Autos:

Ernst Rapp aus Niedernhall:
„Meine Erwartungen sind, dass es ruhig und schnell fährt, damit man rechtzeitig wieder zu Hause ist.“
Erwin Weber aus Niedernhall:
„Wir freuen uns drauf. Das wird mit unserem Bürgermeister bestimmt eine sehr schöne Fahrt. Es muss keine lustige Fahrt werden. Und wir möchten nicht heimlaufen müssen.“

 

GEMÜ-Chef Gert Müller übergab die Autoschlüssel an Bürgermeister Achim Beck. Foto: GSCHWÄTZ

Schick und Elektro. Der neue E-Disti. Foto: GSCHWÄTZ

Achim Beck freut sich über die neue Anschaffung. Foto: GSCHWÄTZ

Mieten können die Einwohner das Fahrzeug laut Bürgermeister Achim Beck ab 4,99 Euro / Stunde. Ein ganzer Tag kostet das Fahrzeug 29 Euro.

Der E-Disti wird vor dem Rathaus stehen. Die Anmeldung erfolgt über die Homepage der Stadt Niedernhall, die Kundenkarte für den E-Disti ist im BürgerService erhältlich. Ausführliche Informationen gibt es in Kürze auf www.niedernhall.de/car-sharing.

 

 




Achim und Klaus – jetzt geht es vor das Stuttgarter Verwaltungsgericht

Klaus Richter und der Gemeinderat der Stadt Niedernhall sehen sich kommenden Mittwoch im Verwaltungsgericht Stuttgart. Da laut Richter in Niedernhall einiges nicht so laufe, wie es seiner Meinung nach laufen müsse, hat er mittlerweile sieben Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Achim Beck, Niedernhalls Bürgermeister, eingereicht und die Wege geebnet für ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den Bürgermeister und eine verwaltungsgerichtliche Feststellungsklage gegen den Gemeinderat. Konkret geht es um das Kerl-Areal entlang der Kochertalstraße (zwischen katholischer Kirche und Rossmann), das die Stadt Niedernhall von der Firma Kerl 2015 gekauft hat. Klaus Richter sagt: „Das Areal wurde vom Verkäufer voll weitergenutzt. Statt zu räumen, wurde sogar noch weiter Holz angeliefert.“ Im Februar 2017 habe Klaus Richter Bürgermeister Beck gefragt, wieviel Pacht der Verkäufer der Stadt Niedernhall denn für die Monate zahle, in denen der Betrieb weiterläuft. Beck habe geantwortet, dass er dem Verkäufer Pachtfreiheit zugesagt habe. Für diesen Zeitraum hätte die Stadt eine Miete oder Pacht verlangen können und müssen, hat es jedoch nicht gemacht – und damit auf Einnahmen verzichtet, so Richters Ansicht: „Es geht um die Frage: Darf Herr Beck das Gelände, das im Eigentum der Stadt ist, kostenlos einem Unternehmer überlassen, der munter weiter produziert? Im Haushaltsrecht steht, dass ein Bürgermeister alle Steuern, Mieten und Pachten eintreiben muss.“ Wenn er den durchschnittlichen Preis, den ein gewerblicher Pächter in Niedernhall bezahlt und die genutzte Fläche multipliziere, komme er auf „weit über 100.000 Euro“, die hätten verlangt werden müssen, so Richter. 

Zu Recht? Diesen Kommunalverfassungsstreit wird das Verwaltungsgericht in Stuttgart am Mittwoch, den 20. März 2019, klären.

„In der Verwaltungsrechtssache von Herrn Richter gegen den Gemeinderat der Stadt Niedernhall wegen eines Kommunalverfassungsstreits findet am Mittwoch, den 20. März 2019, um 11.30 Uhr, im Sitzungssaal 5 des Verwaltungsgerichts Stuttgart in der Schellingstraße 15 die mündliche Verhandlung statt. Bislang ist nur dieser Termin vorgesehen“, so Ulrike Zeitler, Vorsitzende Richterin und Pressesprecherin am Verwaltungsgericht Stuttgart, auf GSCHWÄTZ-Nachfrage.

 




Niedernhall rechtfertigt AfD-Veranstaltung

Die AfD-Veranstaltung in Niedernhall am 02. Februar 2019 hat für viel Wirbel gesorgt. Bereits vor der Veranstaltung erhielt die Stadt Niedernhall viele Nachfragen bezüglich dieser Veranstaltung.

Die Stadtverwaltung von Niedernhall äusserte sich in ihrem Bekanntmachungsblatt vom 01. Februar 2019 wie folgt zu der AfD-Veranstaltung in der Stadthalle Niedernhall: „Aufgrund vieler Nachfragen möchte die Stadtverwaltung auf folgende Punkte hinweisen:

Bei der Stadthalle handelt es sich um eine öffentliche Einrichtung, die entsprechend ihres Widmungszweckes von jeder natürlichen und juristischen Person gleichermaßen genutzt werden darf. Dazu zählen auch zugelassene Parteien der Bundesrepublik Deutschland.
Es gibt Personen, die die AfD als eine populistische Vereinigung betrachten und die Parteie als verfassungswidrig ansehen. Allerdings handelt es sich um eine demokratisch gewählte Partei, die in Landtagen und dem Bundestag vertreten ist. Insoweit ist bei der Zulassungsbetrachtung – wie auch bei früheren Veranstaltungen anderer Parteien in der Stadthalle – der Gleichheitsgrundsatz zwingend zu berücksichtigen.“

 




Eine Frage der Demokratie

Alice in Niedernhall

Es wird dunkel in Niedernhall. Da ertönen vor der Stadthalle afrikanische Rhythmen. Auf einer kleinen Bühne spricht Evelyne Gebhardt, Europaabgeordnete der SPD. Sie betont die Bedeutung von Europa, der deutsch-französischen Freundschaft. In der Stadthalle spricht Dr. Alice Weidel von der AfD fast parallel dazu von einem Europa, das den Deutschen das Geld aus der Tasche ziehe und von einer Kanzlerin, Angela Merkel, die niederknie vor dem französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron. An diesem Abend konnte man spüren, wie gespalten Deutschland ist.

Alice Weidel bei der AfD-Veranstaltung am 02. Februar 2019 in Niedernhall. Foto: GSCHWÄTZ

Nicht alle Fragen der Zuschauer trafen den Geschmack der Vorsitzenden der AfD-Bundestagsfraktion. Foto: GSCHWÄTZ

Baron: „Die regierenden Politiker fahren das Land mit voller Geschwindigkeit gegen die Wand“

Fast pünktlich um 18 Uhr beginnt die Veranstaltung der AfD, die den Titel trägt: „Bürgernahe Politik gegen den EU-Superstaat“. Bevor die Frau spricht, wegen der viele der rund 350 Menschen auch von weiter weg angereist sind, beginnt Anton Baron, der Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises, der viel Applaus von den Anwesenden erhält. Er kennt die Hohenloher, viele Hohenloher kennen ihn. So ist es nicht verwunderlich, dass er zu Beginn gleich die Themen anspricht, die hier viele bewegen: Die Sanierung des Solebades („für die wir die dringende Unterstützung des Bundestages brauchen“), schnelles Internet, das in „Kupferzell, Waldenburg, Dörzbach oder Krautheim“ teilweise fehle. „Längst haben uns Länder wie Bulgarien und Thailand überholt“, ist sein Fazit. Die Besucher applaudieren. „Das Krankenhaus soll geschlossen werden“, auch hier habe die Bundespolitik viel zu der Misere beigetragen, sagt Baron. Er geht über zur „teuren Flüchtlingspolitik“ bis hin zur „Altersarmut“, die die Bundesregierung nicht in den Griff bekomme und schließt mit dem Satz: „Die regierenden Politiker fahren das Land mit voller Geschwindigkeit gegen die Wand.“ Wieder Applaus.

Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter des Hohenlohekreises, sprach als erster bei der AfD-Veranstaltung am 02. Februar 2019 in Niedernhall. Foto: GSCHWÄTZ

Dr. Marc Jongen sprach über die Arbeit im Bundestag. Foto: GSCHWÄTZ

Marc Bernhard schüttelte den Kopf über die Diesel-Fahrverbote. Foto: GSCHWÄTZ

Jongen: „Unsere Traditionen werden mutwillig über Bord geworfen“

Nun spricht Dr. Marc Jongen, kulturpolitischer Sprecher der AfD-Bundestagsfraktion. „Bürgernah ist diese Politik nicht, sondern völlig abgekapselt in einer Parallelwelt“, sagt er. Die Einführung des Euro sei einer „Enteignung des deutschen Volksvermögens“ gleichgekommen. Die Zuschauer applaudieren. „Wir wollen nicht raus aus der EU“, betont er, „aber wir wollen sie gründlich reformieren.“ In den nächsten Sätzen jedoch sagt er, dass ein mögliches Szenario ebenso vorstellbar wäre, und zwar, dass Deutschland die EU verlasse. Das Volk solle dies letzten Endes entscheiden. Was ihn am meisten ärgert: „Das ist keine Demokratie mehr, sondern eine Demokratie-Simulation“ und bezieht sich damit auf Programme aus Brüssel, die sie im Bundestag „umsetzen sollen“. Und auch Deutschland werde immer zentralistischer. In der Bildungspolitik ziehe der Bund immer mehr Kompetenzen an sich, auch im Universitätsbereich. So sei durch den Bologna-Prozess „der in der ganzen Welt geschätzte Diplomingenieur abgeschafft worden“. Und weiter: „Unsere Traditionen werden mutwillig über Bord geworfen“. Applaus ertönt. „Die Wissenschaft werde gelenkt von der Politik. Eine Streit- und Debattenkultur sei nicht mehr wirklich vorhanden.“ Er führt aus, wie viel Ärger es gegeben habe, als Thilo Sarrazin und AfD-Mitglieder an der Uni Siegen eingeladen gewesen seien. Der dafür verantwortliche Professor hätte dafür richtig Ärger bekommen. Die finanziellen Mittel hierfür sollten gestrichen werden, Jongen selbst habe mit drei BKA-Beamten durch den Hintereingang kommen müssen.

Der Saal war gut gefüllt bei der AfD-Veranstaltung. Foto: GSCHWÄTZ

Gegendemonstranten vor der Stadthalle während der AfD-Veranstaltung. Foto: GSCHWÄTZ

Hohes Sicherheitsaufgebot bei der AfD-Veranstaltung. Foto: GSCHWÄTZ

Die SPD-Europaabgeordnete Evelyne Gebhardt sprach bei der Gegenkundgebung zur AfD-Veranstaltung. Auch musikalisch gab es einiges zu hören. Foto: GSCHWÄTZ

Zwischenredner werden aus der Stadthalle geleitet

Die Stadthalle ist währenddessen voll mit Sicherheitspersonal. Zweimal rufen Menschen dazwischen, als die Redner auf der Bühne das Wort haben. Ein Zuschauer kritisiert: „Sie schüren Ängste in der Bevölkerung.“ Zu seiner Rechten und seiner Linken kommt sofort Sicherheitspersonal auf ihn zu und eskortiert den jungen Mann umgehend aus der Halle.

„Als wir gehört haben, dass die AfD mit einer ihrer Spitzenpolitiker hier in Niedernhall auftaucht und hier eine Veranstaltung abhalten möchte, war es für uns klar, wir zeigen hier Flagge und treten für ein buntes und offenes Hohenlohe ein“, erklärt Hans-Jürgen Saknus (SPD). Er ist der Versammlungsleiter des Arbeitskreises für Demokratie – gegen Faschismus, der zu einer Kundgebung parallel zur AfD-Veranstaltung gegenüber der Stadthalle aufgerufen hat. Mehrere hundert Menschen sind zu dieser Veranstaltung gekommen und hielten Friedensflaggen und Plakate in die Höhe, auf denen unter anderem zu lesen war: „Rassismus kann tödlich sein“. Auch SPD- und „Die Partei“-Fahnen wurden in die Luft gehalten. Die Kundgebung sollte laut Pressemitteilung ein Zeichen für „Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Schutz des Grundgesetzes“ sein. Auch der CDU-Landtagsabgeordnete des Hohenlohekreises, Arnulf von Eyb, war zur Kundgebung erschienen.

„Niemand will eine rassistische Gesellschaft“, betont Jongen. „Wir sind keine Rassisten. Wir beharren nur auf unser Recht. Wir wollen unser kulturelles Erbe bewahren. Wir wollen ein selbstbewusstes Eintreten für die deutsche Leitkultur.“ Heimat sei ihnen wichtig. Wenn Jongen langsam und betont Sätze sagt, wie: „Nur wer das Eigene schätzt, kann auch das Fremde schätzen und integrieren“, merkt man, was für ein begnadeter Redner er ist.

Bernhard: „Der Deutsche zahlt für alles und jeden in Europa. Aber für ihn selbst reicht es oft nicht“

Bevor Alice Weidel ihren großen Auftritt hat, erklärt Marc Bernhard, Vorsitzender der AfD-Landesgruppe Baden-Württemberg, den Zuschauern noch ausführlich, warum die Diesel-Fahrverbote Blödsinn seien. Er nennt das bereits in der Presse häufig erwähnte Beispiel mit dem Adventskranz, der die auf der Straße geltenden Grenzwert-Vorgaben ebenso überschreite und fragt: „Warum hat nur Deutschland das Problem? Die anderen EU-Bürger freuen sich, dass sie nun so günstige Diesel von Deutschland kaufen können.“ Die Zuhörer applaudieren. Er meint: „Der Deutsche zahlt für alles und jeden in Europa. Aber für ihn selbst reicht es oft nicht fürs Eigenheim.“ Er sei daher für eine niedrigere Grunderwerbssteuer. Eine vierköpfige Familie solle gar keine Grunderwerbssteuer mehr zahlen müssen.

Kreisrätin Oettinger-Griese meldet sich zu Wort

Bei der anschließenden Fragerunde wird sich Kreisrätin Ute Oettinger-Griese zu Wort melden und darauf hinweisen, dass Städte und Kommunen mit dieser Steuer unter anderem solche Stadthallen finanzieren. Wie das dann künftig laufen solle?, fragt sie. Marc Bernhard antwortet, dass man dafür natürlich Ausgleichseinnahmen generieren würde, zum Beispiel mit einer Anhebung der Mehrwertsteuer. Der Applaus im Publikum bleibt aus. Er fügt hinzu, dass der Staatssäckel so voll ist wie nie und das „Geld in jedem Fall auch dafür da wäre. „Wir geben ja auch immerhin 55 Milliarden Euro für Flüchtlinge aus“, betont er. Die Abschaffung der Grunderwerbssteuer würde den Staat dagegen nur 14 Milliarden kosten.

Weidel: „Olaf Scholz ist eine Niete als Finanzminister“

Nach rund zwei Stunden kommt der Auftritt von Alice Weidel, Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion. Sie bedankt sich zunächst bei den ehrenamtlichen Helfern der AfD, „ohne die wir heute nicht da wären, wo wir sind“. Sie sagt: „Wir bringen im Bundestag Themen aufs Tableau, die vorher nicht besprochen wurden.“ So sei der UN-Migrationspakt und die Grenzwert-Debatte nur wegen der AfD diskutiert worden. Der Euro werde irgendwann „abgewickelt“ werden, das sei nur noch eine Frage der Zeit, ist sie sich sicher, weil eine derartige Einheitswährung für völlig unterschiedliche Volkswirtschaften auf Dauer nicht funktionieren könne. An Europa kritisiert sie eben dieses „Korsett der Gleichmacherei“, in das die Länder gesteckt worden seien. Die Mehrheit hätten hier ohnehin die Nehmerländer bei allen wichtigen finanzpolitischen Entscheidungen. Über Frankreichs Macron ließ sie verlauten: „Wie kann man so einen Mann ernst nehmen kann, der [Anm. d. Red.: im Bezug auf die „Gelbwesten“] noch nicht mal sein eigenes Land im Griff hat?“ Aber sie übt auch deutliche Kritik an den deutschen Politikern. Olaf Scholz sei eine „Niete als Finanzminister“. Gegen Ende ihrer Rede fragte sie: „Was ist in dieser Politik noch sozial? Ist das pure Dummheit oder Zynismus? Die Bürger haben eine abgehobene Politik satt.“

Die Rhetorik kommt an bei den Zuhörern, auch wenn die ein oder andere Frage der Zuhörer am Ende unbeantwortet blieb. Die Schlagworte der Redner sitzen, empfinden doch viele der Anwesenden genau so derzeit deutsche und europäische Politik. Das Hinausgeleiten von dem ein oder anderen Zuhörer, der eine kritische Bemerkung gemacht hat, durch den Sicherheitsdient allerdings hinterlässt ein durchaus mulmiges Gefühl und die Frage bleibt im Raum hängen wie Zigarettenqualm: Würde diese Partei wirklich alles anders machen, wenn sie an der Macht wäre?

Gegendemonstrantin Lucy aus Schwäbisch Hall. Foto: GSCHWÄTZ

Video von Dr. Felix Kribus: Im Video sehen Sie neben den Höhepunkten der AfD-Veranstaltung auch Bürger, die die AfD-Veranstaltung besucht haben und Bürger, die an der Gegen-Kundgebung teilgenommen haben. Wir haben sie gefragt, warum sie heute hierhergekommen sind. Unterstützt wurde unser Videoreporter von Dr. Sandra Hartmann.

 

 




Niedernhall: Grundschulneubau knapp 1,5 Millionen Euro teurer

Text von Matthias Lauterer

Bürgermeister Beck stellte die Gemeinderatssitzung am Montag, den 28. Januar 2019, unter das Motto des englischen Philosophen Herbert Spencer „Das große Ziel der Bildung ist nicht Wissen, sondern Handeln.“ – ein durchaus passendes Motto, denn Haupttagesordnungspunkt war der Neubau der Grundschule. Etwa 35 Bürger waren gekommen, um die Sitzung zu verfolgen.

Geplanter Neubau der Grundschule in Niedernhall.
Foto: Büro Thiele und Knorr

Karin Thiele vom Büro Knorr und Thiele stellte den aktuellen Stand der Planung des Neubaus der Grundschule Niedernhall dar und ging insbesondere auf Änderungen gegenüber dem vorhergehenden Planungsstand ein. So muss auf den Standort im Wasserschutzgebiet Rücksicht genommen werden: Da ein übliches Fundament nicht genehmigungsfähig ist, muss aufwändig eine entsprechend dimensionierte 45 Zentimeter dicke Bodenplatte erstellt werden. Außerdem ist das Gebäude um 90 Zentimeter gegenüber dem heutigen Tennisplatzniveau zu erhöhen, um einem hundertjährigen Hochwasser zu trotzen.

Alles das sind natürlich Maßnahmen, so Bürgermeister Beck „die auch Mehrkosten verursachen“.

Die Planung sieht vor, dass im Erdgeschoss die Garderobe, die Räume für die Ganztagesbetreuung, der Werkbereich sowie der Lehrerbereich untergebracht werden, dazu eine Fläche für Veranstaltungen, die als Atriumbereich unter einem großen Oberlicht gestaltet ist. Die acht Unterrichtsräume sind im Obergeschoss geplant, dazu für je zwei Unterrichtsräume eine sogenannte Lerninsel und ergänzend eine Begegnungszone. Im Dachgeschoss wird in Erweiterung der vorhergehenden Planung die Steuerung der Lüftungsanlage errichtet, außerdem wird es von dort Wartungszugänge aufs Dach geben.

Detaillierte Betrachtungen über die konstruktive Gestaltung der Klassenzimmer, Integration der Heiz- und Lüftungsanlage sowie die Gestaltung der Rettungswege schließen sich an.

Insgesamt ergibt sich ein Kostenansatz von zirka 8,2 Millionen Euro brutto – was gegenüber der ersten Schätzung von vor zwei Jahren, die noch von  zirka 6,6 Millionen Euro ausging, eine Erhöhung um knapp 24 Prozent darstellt. Gründe für diesen Kostensprung seien vor allem die Höherlegung des Gebäudes, die Lüftungsanlage sowie der starke Anstieg der allgemeinen Baukosten, derzeit rechnet man mit 5 Prozent pro Jahr. Außerdem seien an einigen Punkten, zum Beispiel den Bodenbelägen oder den Fenstern, höhere Investitionen zugunsten von geringeren Folgekosten angesetzt worden.

Über Fördermittel ist zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine endgültige Aussage zu machen, man kann aber von einer Förderung zwischen ein und zwei Millionen Euro ausgehen.

Eine eventuelle Photovoltaikanlage würde zusätzlich etwa 300.000 Euro kosten, kann aber unabhängig vom Neubau auch jederzeit später realisiert werden.

Beck leitete mit dem Statement: „Wir sind in einer Kostensituation, wo wir uns überlegen müssen, wie wir da wieder herunterkommen“, die Diskussion ein, in der auch erste Ansätze zur Kostendämmung genannt wurden: Roland Bolz schlug eine andere Dachkonstruktion vor, Reiner Fischer regt an, wenigstens teilweise auf die umlaufenden Treppen zu verzichten und Klaus Richter findet: „Eine außenliegende Beschattung [des Oberlichts] ist gigantisch teuer“.

Bei der Abstimmung darüber, dass die Verwaltung beauftragt wird, „gemeinsam mit dem Büro Knorr und Thiele das Baugesuch fertigzustellen und einzureichen“ sowie darüber, dass der Technische Ausschuss bei der Ausführungsplanung mitwirken soll, herrscht Einstimmigkeit.

Die Verwaltung geht im  Moment davon aus, dass ein Baubeginn aufgrund des langwierigen Verfahrens erst ab April 2020 möglich sein wird.

 




Achim und Klaus – ist es bald aus?

Betritt man den lichtdurchfluteten Besprechungsraum von Klaus Richter, sieht man einige Aktenordner. Klaus Richter ist Bausachverständiger, gleichzeitig auch stellvertretender Bürgermeister und Gemeinderat in Niedernhall. Er sieht sich in seiner Funktion als Gemeinderat als „Vertreter des Bürgers“. Und da in Niedernhall einiges nicht so laufe, wie es seiner Meinung nach laufen müsse, hat er mittlerweile sieben Dienstaufsichtsbeschwerden gegen Achim Beck, Niedernhalls Bürgermeister, eingereicht und die Wege geebnet für ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den Bürgermeister und eine verwaltungsgerichtliche Feststellungsklage gegen den Gemeinderat. Zu Recht?

 

„In der ganzen Literatur gibt es kein vergleichbares Verfahren“

 

Um diese Frage zu beantworten, sprechen wir mit Klaus Richter, fragen das Gericht, den Bürgermeister und haken beim Gemeinderat nach. Vorab: Es geht um Vorgänge, die teils so komplex sind, dass sie nicht in aller Ausführlichkeit hier dargelegt werden können. Es geht um juristische Fragen, um Fragen der Moral. Aber im Kern geht es darum, wie Demokratie in einer kleinen Stadt auf dem Land funktioniert beziehungsweise funktionieren soll und kann.

Auf der einen Seite gibt es den Oppositionspolitiker Klaus Richter, der sich für die Belange der Bevölkerung einsetzen möchte, wie er sagt. Auf der anderen Seite steht ein junger Bürgermeister, Achim Beck, der einen Stellvertreter (nämlich Richter) hat, der Strafanzeige gegen ihn gestellt hat und da sind Gemeinderäte, die mittlerweile Angst davor haben, etwas Falsches zu sagen.

Klaus Richter ist ein akkurat arbeitender Mann, ein Zahlenmensch, der Sätze sagt wie: „In der ganzen Literatur gibt es kein vergleichbares Verfahren“ wie dieses, das er nun in Niedernhall angestossen habe. Nachprüfbar ist dieser Satz nicht. Klaus Richter ist ambitioniert, keine Frage. Er sieht sich als Volksvertreter. Er wirft dem Bürgermeister und Gemeinderat vor, dass dem Niedernhaller Bürger Pachteinnahmen in nicht unerheblicher Höhe „durch das Vorgehen vom Bürgermeister“ entgangen seien. Untreue nennt sich das unter anderem im Juristendeutsch. Wobei Richter schützend seine Hand über den Gemeinderat hält, wenn er sagt: Dieser sei von Bürgermeister Beck getäuscht worden – über die Höhe der zu zahlenden Pacht: „Ich behaupte, Herr Beck hat wiedermal die Unwahrheit gesagt.“ Und: „Der Gemeinderat hat sich vom Bürgermeister blenden lassen.“

 

„Es geht um die Frage: Darf Herr Beck das Gelände, das im Eigentum der Stadt ist, kostenlos einem Unternehmer überlassen, der munter weiter produziert?“

 

Konkret geht es um das Kerl-Areal entlang der Kochertalstraße (zwischen katholischer Kirche und Rossmann), das die Stadt Niedernhall von der Firma Kerl 2015 gekauft hat. Klaus Richter sagt: „Das Areal wurde vom Verkäufer voll weitergenutzt. Statt zu räumen, wurde sogar noch weiter Holz angeliefert.“ Im Februar 2017 habe Klaus Richter Bürgermeister Beck gefragt, wieviel Pacht der Verkäufer der Stadt Niedernhall denn für die Monate zahle, in denen der Betrieb weiterläuft. Beck habe geantwortet, dass er dem Verkäufer Pachtfreiheit zugesagt habe. Für diesen Zeitraum hätte die Stadt eine Miete oder Pacht verlangen können und müssen, hat es jedoch nicht gemacht – und damit auf Einnahmen verzichtet, so Richters Ansicht: „Es geht um die Frage: Darf Herr Beck das Gelände, das im Eigentum der Stadt ist, kostenlos einem Unternehmer überlassen, der munter weiter produziert? Im Haushaltsrecht steht, dass ein Bürgermeister alle Steuern, Mieten und Pachten eintreiben muss.“ Wenn er den durchschnittlichen Preis, den ein gewerblicher Pächter in Niedernhall bezahlt und die genutzte Fläche multipliziere, komme er auf „weit über 100.000 Euro“, die hätten verlangt werden müssen, so Richter. 

Das Kerl-Areal in Niedernhall, das die Stadt Niedernhall 2015 gekauft hat.
Foto: GSCHWÄTZ

Im Februar 2017 habe er dann die Kommunalaufsicht eingeschalten, erzählt Richter weiter. Schon lange gäbe es keine Kommunikation mehr zwischen Beck und ihm – was er bedaure. Der Bürgermeister grüße ihn auch nicht mehr. Die Kommunalaufsicht wiederum verwies auf den Gemeinderat, der so etwas entscheiden müsse. Im Mai 2017 sei dann die Pachtfreiheit des Kerl-Areals als nicht öffentlicher Tagespunkt beraten worden. Richter vermutet, dies sei gemacht worden, um „das Beck‘sche Vorgehen im Nachhinein zu legalisieren“. Zwischen 1.200 und 1.400 Euro Pacht pro Jahr habe Bürgermeister Beck für den ersten Teilabschnitt des 22.000 Quadratmeter großen Grundstücks vorgeschlagen. Richter vermutet darin lediglich einen symbolischen Akt der Einigung, denn die Pacht für ein derart großes Grundstück „müsste weitaus höher sein“. Sein Fazit: Der Gemeinderat sei hier von Bürgermeister Achim Beck getäuscht worden: „Der Gemeinderat musste offensichtlich glauben, dass das Grundstück nur ein paar Hundert Euro Pacht pro Jahr wert ist.“ 

 

Dieses Geld fehle nun der Stadt und damit den Bürgern.

 

Die Gemeinderäte schütteln den Kopf über das Vorgehen von  Klaus Richter. Es sei eine „riesen Zeitverschwendung, überhaupt über so etwas zu reden. Wir sind froh, dass uns das Grundstück nun gehört“, wird ein Gemeinderat zur damaligen Situation zitiert. Klaus Richter geht es um die „Gleichbehandlung der Bürger und darum, dass letztendlich deshalb der Verkäufer hätte Pacht an die Stadt Niedernhall zahlen müssen.“ Dieses Geld fehle nun der Stadt und damit den Bürgern.

Es ist nicht das erste Mal, dass Klaus Richter das Vorgehen des Bürgermeisters kritisiert. Sieben Dienstaufsichtsbeschwerden habe er schon gegen ihn gestellt, sagt er. Das Hauptthema: Klaus Richter kritisiert, dass diverse Dinge in nichtöffentlicher Sitzung besprochen worden seien, die eigentlich in einer öffentlichen Sitzung besprochen hätten werden müssen und „dass der Bürgermeister immer wieder die Unwahrheit sagt“. 2015 sei es unter anderem um die Entwidmung der Straße „Steige“ gegangen – die Entscheidung darüber, ob diese öffentliche Straße privatisiert wird. Der Beschluss selbst sei öffentlich gewesen. Der Antrag indes sei nicht-öffentlich behandelt worden, sagt Richter. Die von Bürgermeister Beck gelieferten Begründungen für diese Nicht-Öffentlichkeit seien ebenfalls falsch gewesen, so Richter.

Fragt man Achim Beck zu den Vorgängen um Klaus Richter, will er kein persönliches Gespräch darüber führen und verweist in einer E-Mail darauf, dass „hier eine Verwaltungsgerichtsklage, sowie eine Strafanzeige läuft, bei der der Gemeinderat und auch ich persönlich aufgrund bevorstehender Verhandlungen keine Aussage treffen dürfen“. Dennoch beantwortet er ein paar Fragen zur generellen Zusammenarbeit zwischen dem Gemeinderat und ihm per E-Mail. Wir möchten von ihm wissen, ob er mit der bisherigen Zusammenarbeit zwischen ihm und dem  Gemeinderat zufrieden ist. Seine Antwort: „Ja.“ Gibt es Punkte, die es zu verbessern gilt? Wenn ja, welche? Antwort: „Nein.“ Er betont: „Ich arbeite mit allen Mitgliedern des Gemeinderats gleichermaßen zusammen.“

 

„Er ist überhaupt nicht kritikfähig und hat die Einstellung: Für ihn gelten keine Gesetze.“

 

Hinter den Kulissen soll Achim Beck andere Worte äussern. Nach den ersten drei  Dienstaufsichtsbeschwerden, habe Achim Beck ihn in der damaligen Gemeinderatssitzung „ganz massiv niedergemacht“, sagt Klaus Richter. Er zitiert Beck mit folgenden Worten: „Es ist hier ein Gemeinderat, der mit meiner Arbeit nicht zufrieden ist.“ Er habe gar keine Lust mehr, hier zu arbeiten, soll Beck weiter gesagt haben. „Schenken kommt von Herzen. Und Sie werden verstehen, dass ich unter diesen Umständen dem Gemeinderat nichts schenken kann.“ Das Weihnachtsessen wurde abgesagt. Das Geld hierfür wurde, so Achim Beck, an die evangelische Kirche für die Orgelsanierung gespendet. „Die überwiegende Mehrheit der Mitglieder des Gemeinderats war zu diesem Zeitpunkt auch nicht gewillt ein Weihnachtsabschlussessen abzuhalten. Dazu ist auch niemand verpflichtet“, betont Beck.

Es gab laut Richter zwei Vermittlungsgespräche zwischen ihm und Achim Beck im Landratsamt. Man einigte sich damals auf den Minimalkonsens, da sich, so Richter, „Beck keinen Millimeter bewegt hat“: Die Dienstaufsichtsbeschwerden wurden nicht weiter verfolgt. Beck soll zu Richter gesagt haben: „Die Ausgrenzung von Ihnen tut mir leid.“ Das Verhältnis zwischen Beck und Richter habe sich dadurch aber nicht verbessert, sagt Richter und kritisiert Achim Beck scharf: „Er ist überhaupt nicht kritikfähig und hat die Einstellung: Für ihn gelten keine Gesetze.“

Klaus Richter erzählt, dass sich im Zuge der Kerl-Areal-Sache auch die Gemeinderäte gegen ihn gewendet haben. So sei ihm geraten worden, bei der nächsten Wahl nicht mehr zu kandidieren. Wenn die Gemeinderäte nach der Sitzung noch etwas trinken gehen, dürfe er nicht mehr dabei sein. Er sei ein unwillkommener Gast geworden. Er werde permanent angegangen, auch in diversen öffentlichen Gemeinderatssitzungen. So kritisierte er in der jüngsten Sitzung am Montag, den 17. Dezember 2018, dass der Tagesordnungspunkt Bürgerfragen nicht zu dem Zweck missbraucht werden dürfe, um gegen eine Person zu „hetzen“. 

 

„In meinen Augen ist alles richtig gelaufen, was wir getan haben“

 

Für Peter Lutz ist das Wort „Hetze“ in diesem Zusammenhang „harter Tobak“, weil es ihn an eine  längst vergangene Zeit erinnere und völlig unpassend in diesem Zusammenhang sei. Sicher gab es in den Gemeinderatssitzungen „Stellungnahmen“ gegen Richter. „Aber sei das verwunderlich nach seinem Vorgehen?“, fragt Lutz, der wie Richter Gemeinderatsmitglied und ebenfalls bei der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV) ist. Bezüglich des Kerl-Areals habe Richter nicht versucht, eine andere Lösung zu finden, sondern habe sofort gegen den Gemeinderat geklagt. Richter kläre gern Probleme über den Anwalt, ist seine Einschätzung. „Ich probiere, persönlich etwas zu klären“, sagt Lutz. Durch die ganzen Debatten ist Lutz aber vorsichtig geworden: „Man muss mittlerweile im Gemeinderat gut überlegen, was man sagt, sonst wird man schlimmstenfalls angezeigt.“

Er kritisiert, dass Klaus Richter, dass, wofür er kämpft, nicht selbst vorlebt: „Wenn alle anderer Meinung sind, muss ich irgendwann doch sagen: Vielleicht haben die anderen Recht.“ Das sei Demokratie. Und so, wie Klaus Richter fordere, sich an Recht und Gesetz zu halten, müsse das auch für ihn selbst gelten. Denn: Es könne nicht sein, dass Klaus Richter in der Dezember-Gemeinderatssitzung 2018 Interna aus den beiden laufenden Verfahren gegen den Gemeinderat und den Bürgermeister breit trete – zumal dieser Vorgang damals in einer nicht-öffentlichen Sitzung entschieden wurde. 

Ist denn grundsätzlich alles falsch, was Klaus Richter bislang kritisiert hat?, möchten wir von Peter Lutz wissen. „In meinen Augen ist alles richtig gelaufen, was wir getan haben“,sagt er. Warum betreibt Klaus Richter seiner Meinung nach diesen Aufwand? Lutz: „Ich glaube, er macht das für sich. Er muss das Gefühl bekommen, Recht zu kriegen.“ Fragt man Lutz, wie das Verhältnis des Gemeinderats zu Bürgermeister Beck ist, sagt er: „Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander. Aber das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sein müssen.“ Auch er habe schon im Gemeinderat gegen Dinge gestimmt, die von der Stadtverwaltung vorgeschlagen wurden – zum Beispiel gegen die Gemeinschaftskläranlage für das Mittlere Kochertal. 

Am 26. Mai 2019 ist Gemeinderatswahl in Niedernhall. Klaus Richter wird nicht mehr für die BWV antreten – „nach über 30 Jahren auf der Liste“, wie er hinzufügt. „Ich empfinde, dass das Verhalten der anderen vier Listenmitglieder den guten Namen der BWV beschmutzt hat.“ Er möchte als Einzelperson oder im Rahmen einer neuen Liste antreten. Auch für Peter Lutz ist klar: „Wir wären nicht mehr mit Klaus angetreten.“ Es wird spannend, denn die große Frage bei der Wahl wird sein: Schafft Klaus Richter wieder den Sprung in den Gemeinderat? Richter hofft, dass die Entscheidung der Gerichte hinsichtlich des Verfahrens den Bürgermeister betreffend noch vor der Gemeinderatswahl in Niedernhall fällt. Doch die Aussichten hierfür stehen denkbar schlecht. Ulrike Zeitler, Pressesprecherin des Verwaltungsgerichtes Stuttgarts, sagte auf GSCHWÄTZ-Nachfrage: „Wir haben momentan eine unglaubliche Anzahl an Verfahren.“ Rund 30.000 Asylverfahren müssten abgearbeitet werden. Alle Verfahren, ausser so genannte Eilverfahren, verschieben sich laut Zeitler nach hinten. Es sei nicht absehbar, wann für Niedernhall eine Entscheidung falle.  Neben Niedernhall hätten sie derzeit noch 18 ähnliche kommunalpolitische Streitigkeiten, teils wesentlich ältere als Niedernhall. Zwei neue Kammern sollen nun die Verfahren schneller bearbeiten. 

 Über 317.000 Euro für Niedernhall

Für das rund 22.000 Quadratmeter große Kerl-Areal hat die Stadt Niedernhall 2015 über 1,2 Millionen Euro bezahlt. Die Stadt hat vom Land Baden-Württemberg am 18. April 2016 einen Zuwendungsbescheid aus dem ELR-Programm (Entwicklung ländlicher Raum) in Höhe von 309.560,00 Euro für die Baureifmachung durch Abbruch ehemaliger Betriebsgebäude auf dem Kerl-Areal erhalten. Diese Zuschüsse stehen für den Abbruch von Gebäuden sowie die Entsorgung der Altlasten auf allen betroffenen Flurstücken, erklärt Bürgermeister Achim Beck. Im März 2015 erhielt die Stadt Niedernhall einen Zuwendungsbescheid über 8.310 € für die Altlastenuntersuchung auf dem Kerl-Areal.  Der Boden soll mit Altlasten wie Öl behaftet gewesen sein. 




„Natürlich war mir klar, dass der Seehofer nicht ohne Grund da war.“

Kaum hat der Künzelsauer Bürgermeister Neumann seine Bürger empfangen, da war’s auch bei den Niedernhallern soweit. Achim Beck begrüßte am Sonntag, den 13. Januar 2019, bei schmeichelhaftem Nieselregen reichlich Publikum in der Stadthalle Niedernhall, um ein Resümee des vergangenen Jahres zu ziehen und um neue Projekte in diesem Jahr vorzustellen. Musikalisch flankierte ihn die hiesige Stadtkapelle. Damit es kurzweiliger wurde, setzte er in seiner Rede das beschauliche Städtchen mit der ‚kleinen Kneipe an der Ecke‘ gleich, wie sie Schlagerkoryphäe Peter Alexander einst fürsorglich wie allerliebst besang. Und in dieser Kneipe drückten sich die sogenannten Gäste und der Stammtisch um Tisch und Theke, die da waren: der Gemeinderat und die Niedernhaller.

„Natürlich war mir klar, dass der Seehofer nicht ohne Grund da war. Nein! Er brachte den Zuschuss für die Sanierung des Solebades vorbei“, reimte Achim Beck bei seiner Rede beim Neujahrsempfang. Im kurzen GSCHWÄTZ-Interview teilte Beck mit: „Die schwierigsten Themen 2018 waren die rund ums Soledad. Die wir allerdings sehr gut gemeistert haben und sehr dankbar sind, dass es den Förderantrag für die Bundesmittel gibt.“

Gschwätz Videoreporter Felix Kribus hat sich unters Publikum gemischt und sowohl die Atmosphäre als auch Volkes Stimme eingefangen.

 




Erstes Dinner Krimi in Niedernhall

Die Theatergruppe Niedernhall veranstaltet ihren ersten Dinner Krimi im Gasthaus Rose in Niedernhall – ein krimineller Abend mit drei Gängen erwartet die Gäste. Aufgeführt wird: „Schlechtes Timing“. Es geht um ein Klassentreffen, einen Mord und einen verschwundenen Lehrer. Die Aufführungen sind am Freitag, den 23. November 2018, Sonntag, den 25. November 2018 sowie am Sonntag, den 02. Dezember 2018, jeweils um 19 Uhr. Reservierung erforderlich. Karten für 49 Euro gibt es ab 05. November 2018 bei der Drogerie Mäder in Niedernhall. Telefon: 07940/28 94. Folgendes Menü erwartet die Teilnehmer: Vorspeise: Hohenloher Brotsalat mit Cocktailtomaten. Hauptgang: Geräucherte Forelle mit Bratkartoffeln oder Filetspitzen vom Schwein mit Kräuterknöpfle oder Kräuterknöpfle mit Gemüsecurry. Dessert: Grüne Vanilleüberraschung.

Mehr Informationen: www.theatergruppe-niedernhall.de

 

Dinner Krimi Niedernhall 2018
Foto: Theatergruppe Niedernhall

Dinner Krimi Niedernhall 2018
Foto: Theatergruppe Niedernhall




„Ich wusste, dass ich gegen ihn keine Chance habe“: ebm-papst-Marathon in Niedernhall

// 3.400 Teilnehmer und 10.000 Zuschauer waren auch dieses Jahr wieder beim ebm-papst-Marathon am 8. und 9. September 2018 in Niedernhall dabei.

Familienfest mit Wettkampfcharakter

Am Samstag und Sonntag, 8. und 9. September 2018, wurde das Kochertal wieder zur Laufstrecke. Rund 3.400 Teilnehmer und tausende Zuschauer machten die 23. Auflage des ebm-papst-Marathons in Niedernhall zu einer gelungenen Kombination aus Sportevent und Familienfest. Zum ersten Mal wurden auf der Halbmarathondistanz in diesem Jahr die baden-württembergischen Meister ermittelt.

Kinderläufe immer beliebter

“Ich freue mich, dass der Lauf immer mehr in Richtung Familie geht. Das ist großartig”, sagte Hauke Hannig, Pressesprecher von ebm-papst. Auch die Kinderläufe haben von Jahr zu Jahr Zuwachs zu verzeichnen. Ein Beweis dafür ist der 16-jährige 10-Kilometer-Sieger Till Federolf. In früheren Jahren war er Teilnehmer bei den Kinderläufen. 2017 ging er zum ersten Mal über die zehn Kilometer an den Start und wurde Achter. Dieses Jahr gewann er in einer Zeit von 35:17 Minuten.

Die Veranstalter, der Polizeisportverein Hohenlohe und ebm-papst, legen jedes Jahr viel Wert auf eine Wohlfühlatmosphäre für Läufer und Zuschauer. Das kommt an – bei Breiten-, aber auch Leistungssportlern. “Ein tolles Beispiel dafür sind auch die vielen Unternehmen, die jedes Jahr beim ebm-papst Marathon mit ihren Laufgruppen antreten”, so Hannig.

Schnellste Frau auf der kurzen Distanz war Laura Kuhnle vom TSV Weißbach in 38:19 Minuten. “Mein Ziel war es, unter 45 Minuten zu bleiben”, meinte die 30-Jährige. Das schaffte sie deutlich. “Ich laufe einfach so, dass ich am Limit bin, ganz ohne Uhr.” Mit dem Sieg hatte Kuhnle im Vorfeld nicht gerechnet.

Till Federolf, Gewinner des Zehn-Kilometer-Laufs beim ebm-papst-Marathon 2018. Foto: ebm-Papst

„Ich wusste, dass ich gegen ihn keine Chance habe“

Dagegen war Daniel Noll vom TSV Glems als Mitfavorit über die Halbmarathon-Distanz ins Rennen gegangen. Nach 1:12:17 Stunden hatte er die 21 Kilometer bewältigt und ist damit auch baden-württembergischer Meister. “Ich war vom Start weg alleine, was ein Rennen umso schwieriger macht”, sagte Glems. “Es lief aber gut. Ich bin zwar schon schneller gelaufen, aber es ist auch keine Bestzeitenstrecke, da sie schon einige Höhenmeter hat.” Auf Rang zwei zeigte sich Pascal Schäfer (TSG Heilbronn) zufrieden. “Ich wusste ja, dass Daniel am Start ist und ich gegen ihn keine Chance habe”, gestand er. “Am Ende war ich 20 Sekunden über meiner Bestzeit, was für diese Strecke echt gut ist.”

Den Landesmeistertitel der Frauen holte sich Christine Schleifer (Tri-Team Heuchelberg). “Mit der Zeit bin ich nicht gerade zufrieden”, sagte sie nach ihrer ersten Teilnahme beim ebm-papst-Marathon. “Ich habe mich heute auch nicht wohl gefühlt. Aber es ist schön, dass ich den Titel gewinnen konnte. Das ist hier eine schöne Strecke und auch die Atmosphäre war gut.” 1:18:43 Stunden war sie unterwegs.

„Die Strecke ist schön, aber anstrengend“

Die doppelte Strecke bewältigte Martin Schwab in 2:48:40 Stunden. Er verteidigte damit seinen Marathon-Sieg aus dem vergangenen Jahr. “Ich habe etwas länger gebraucht als letztes Jahr, deshalb bin ich nicht ganz zufrieden”, sagte er. Ab Kilometer 19 setzte er sich ab und lief dann alleine. “Die Strecke ist schön, aber anstrengend”, sagte er. “Ich hatte allerdings einen guten Führungsradfahrer neben mir, der mich motiviert hat.”

Zusätzliche Motivation benötigte Marathonsiegerin Sandra Fätsch (TSV Kandel) nicht. 42 Kilometer sind für die Ultraläuferin eine Trainingseinheit. Fätsch, deutsche Vizemeisterin über 100 Kilometer in der Altersklasse W55, bereitet sich derzeit auf einen 94-Kilometer-Lauf in Lanzarote vor, bei dem es zudem 3100 Höhenmeter zu bewältigen gibt.

Startschuss des ebm-papst-Marathons 2018. Foto: ebm-Papst

Trainingsgruppen für Anfänger

Den Veranstalter sind aber auch die Breitensportler wichtig. Im zweiten Jahr gibt es nun schon die Trainingsgruppe 0-10-21, bei der Anfänger an das Laufen herangeführt werden. “Ich freue mich richtig, wenn die Teilnehmer ins Ziel kommen”, sagt Ulrich Hauber, einer der Trainer. Er selbst war bereits zum 20. Mal in Folge in Niedernhall dabei. “Es hat richtig Spaß gemacht, als Trainer mitzuarbeiten”, sagte er. “Es ist eine tolle Erfahrung, mit Anfängern zu arbeiten”, bestätigt auch Wettkampfleiter Uwe Richlik, der ebenfalls zum Trainerteam gehörte.

Eröffnet wurde der ebm-papst-Marathon auch in diesem Jahr bereits am Samstag von den Nordic Walkern. 317 Teilnehmer wagten sich auf die Strecken über 7,5 und 12,5 Kilometer. “Die ersten zwei, drei Kilometer waren schon etwas steil. Ansonsten war es schön wie immer”, meinte der Dimbacher Manfred Kenner.

Quelle: Pressemitteilung von ebm-papst vom 09. September 2018