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Einbahnstraße Ingelfingen: Umsatzeinbußen der Gewerbetreibenden von bis zu 30 Prozent – Kosten des Einbahnstraßenversuchs: 89.000€

„Die Feierabend-Kundschaft bleibt aus“, es werde kein neuer Wein und keine neuen Trauben mehr gekauft, stellt Susanne Schmezer fest. Sie ist Anwohnerin, Weingärtnerin und Betriebsinhaberin in der Mariannenstraße und unmittelbar betroffen von der Einbahnstraße, die seit August 2019 in Ingelfingen von der Stadt als Versuch getestet wird. Die Winzerin steht mit dem Rückgang ihrer Kundschaft nicht alleine da.

Während Wohneigentümer Wied (links) eine Beruhigung der Straße befürwortet, sieht Raumgestalter Frank (rechts) eine Schwächung des Gewerbes. Fotos durften auf Genehmigung von Bürgermeister Bauer erst am Ende der Veranstaltung gemacht werden. Foto: GSCHWÄTZ

Mariannenstraße als Abkürzung

Beim Informations- und Diskussionsabend der Stadt Ingelfingen am Donnerstag, den 07. November 2019, im Christian-Bürkert-Saal im Schwarzen Hof in Ingelfingen über den Sinn dieser als Test neu eingeführten Einbahnstraße, bei der rund 90 Besucher zugegen waren, teilten die Gewerbetreibenden aus der Mariannenstraße weitestgehend die Meinung von Schmezer.  Auch Thomas Frank von der Raumausstattung Frank in Ingelfingen machte seinem Ärger an diesem Abend Luft: „Wir haben es schon schwer genug als kleine Gewerbetreibende, zumal es uns die Kommune auch nicht immer leicht macht. Für uns war es gut, dass abends viele die Mariannenstraße als Abkürzung genutzt haben.“ Damit meint Frank vor allem die Pendler aus Richtung Künzelsau, die auf dem Heimweg über Ingelfingen zum Beispiel nach Eberstal und Dörrenzimmern weitergefahren sind und über die Mariannenstraße in Ingelfingen ihren Heimweg „abgekürzt“ haben, anstatt über die Landesstraße-Kreuzung zu fahren. Dem kann Raiffeisenbank-Chef Andreas Siebert nur beipflichten, der an diesem Informationsabend ebenfalls von seinen Erfahrungen berichtete: „Ich bin dankbar, dass die Gemeindeverwaltung das macht und dass wir darüber diskutieren. Aber die Frequenz nimmt ab. Die Menschen sind unglücklich, weil sie außen herum fahren müssen.“ Fritz Haag vom Lipfersberg bestätigt dies: „Ich habe Kollegen aus Dörrenzimmern und Eberstal. Die werden sich überlegen, künftig in Künzelsau zur Bank zu gehen.“

Morgendlicher Rückstau auf der Kochertalstraße Richtung Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Frank: „Wir haben es schon schwer genug als Gewerbetreibende“

Das Problem: Die Verkehrsteilnehmer aus Künzelsau müssen nun, um zu einem der Geschäfte in der Mariannenstraße zu kommen, quasi eine Ehrenrunde in Ingelfingens Innenstadt drehen. Das sind rund 800m Umweg, wobei dieser Umweg nun auch noch dadurch geprägt ist, dass sich seit der Einbahnstraßenregelung der Rückstau auf der Landesstraße in Stoßzeiten – vor allem zum morgendlichen und abendlichen Berufsverkehr – noch vergrößert habe. Das berichten mehrere Ingelfinger an diesem Abend. Morgens zwischen 07 und 08 Uhr staue es sich nun wesentlich mehr auf der Landesstraße (Kochertalstraße) von Ingelfingen Richtung Künzelsau und abends zwischen 16 und 18 Uhr erlebe man dasselbe Spiel auf der Gegenseite von Künzelsau kommend bis in die Innenstadt Ingelfingens. Vor der Einbahnstraßenregelung habe die Mariannenstraße die Landesstraße durch den Abkürzungsverkehr hingegen entlastet.

Gewerbevereinsvorsitzender Leiser bedankte sich für die Richtigstellung bei Bürgermeister Bauer

Bürgermeister Michael Bauer verwies darauf, dass die Kochertalstraße die stark befahrenste Straße im ganzen Hohenlohekreis sei, es die starke Verkehrsbelastung auch vorher schon gegeben habe, dass der Pendlerverkehr auch in Zukunft zunehmen werde, man aber nun nicht alles auf die Einbahnstraßenregelung schieben könne. Die Einbahnstraße wurde versuchsweise eingerichtet, so Bauer, „weil Teile des Gewerbevereins und Anwohner auf zu wenig Parkplätze für Anwohner und Kunden verwiesen hätten. Es sei nicht so, betonte Bauer, wie es vielleicht falsch rübergekommen sei, dass der Gewerbeverein gewünscht habe, dass die Mariannenstraße zur Einbahnstraße werde. Heiner Leiser, der Gewerbevereinsvorsitzende von Ingelfingen, bedankte sich daraufhin für die Richtigstellung: „Wir möchten in einem guten Miteinander eine gute Lösung finden“, betonte er, gab aber gleichzeitig zu bedenken: „Man muss an eine Belebung dieser Straße denken und nicht an eine Reduzierung.“ Dies sei naturgemäß aber ein anderer Ansatz als eine Privatperson habe.“ Aber er kenne die Mariannenstraße auch als Privatperson und wenn er abends in seinem Garten sitze, störe ihn der Lärm von der Kochertalstraße mehr als von der Mariannenstraße. Er sehe im Schnitt mehr Nach- als Vorteile für eine Einbahnstraße.

Es sollten damit mehr Parkplätze geschaffen werden

Nach Beschwerden hinsichtlich der Parksituation sei laut Bauer damals ein innerstädtisches Verkehrskonzept in Auftrag gegeben worden. In diesem Zuge habe man auch den Lkw-Verkehr für die Schlossstraße / Bühlhofer Straße gesperrt. Auch die enge Schlossstraße sei dabei untersucht worden, aber eine Einbahnstraßenregelung als nicht umsetzbar erachtet worden. Das Positive bei der Einbahnstraßenregelung sei, so Bauer, dass durch die Verschiebung der Bushaltestelle an die Landesstraße auf Höhe der Kelter ein neuer Fußgängerüberweg geschaffen worden sei zwischen Kelter und dem Ausgang Schlosspark. Frühere Versuche eines Fußgängerüberweges seien an dem zu geringen Fußgängerverkehr gescheitert, so dass es keine Bewilligung seitens des Landes hierfür gegeben habe. Ähnlich sehe es an der Kreuzung auf Höhe der Apotheke aus. Bereits zweimal, so Bauer, habe man versucht, hier einen Zebrastreifen insbesondere für die Schüler zu schaffen und habe es nicht durchbekommen, weil die Fußgängerfrequenz zu niedrig gewesen sei, sprich: zu wenig Fußgänger haben die Straßen bei Analysen überquert, ein Fußgängerüberweg habe man an dieser Stelle bis heute daher nicht durchgesetzt bekommen.

Michael Bauer: „Ich verweise Falschfahrer freundlich“ auf die neue Einbahnstraßenregelung

Zwar seien und würden auch noch einige Verkehrsteilnehmer Straßenschilder anscheinend nicht lesen können und immernoch in falscher Richtung durch die neue Einbahnstraße fahren, so Bauer. Aber die Polizei habe nach der Umstellung verstärkt an dieser Stelle kontrolliert und auch er selbst habe Verkehrsteilnehmer, die falsch gefahren sind, „freundlich darauf hingewiesen“. Die Vorteile der neuen Einbahnstraßenregelung liegen für ihn klar auf der Hand: weniger Verkehrsbelastung und damit weniger Lärm und mehr Schutz für die Mariannenstraße. So berichtete das planende Ingenieurbüro Dr. Karajan von einer Entlastung der Straße von rund einem Drittel. Allein in den erhobenen acht Stunden (morgens und abends jeweils vier) seien rund 1300 Fahrzeug durchgefahren, durch die Einbahnstraße 420 weniger.

Ein Drittel weniger Fahrzeuge durch die Einbahnstraße

Auch die Parkplatzsituation sei verbessert worden, so Bauer. Thomas Frank wiederum verwies darauf, dass es früher mehr Geschäfte in der Mariannenstraße gab und dadurch auch die Kundenfrequenz höher gewesen sei. Mittlerweile aber habe sich die Parkplatzsituation „deutlich entspannt“ – auch durch die neu eingeführte eingeschränkte Parkdauer. Schmezer pflichtet dem bei: „Es waren immer mehr als ausreichend Parkplätze vorhanden.“

Hummel: „Wir werden weniger eingeparkt als früher“

Ein weiteres Problem der neuen Einbahnstraße, so Frank: Halten Lkws oder Paketdienstleister derzeit in der Einbahnstraße, blockieren sie sogleich die komplette Straße, weil für die Fahrzeuge dahinter kein Durchkommen mehr sei. Auch Busse kämen wegen der rechts und links parkenden Autos nicht immer so einfach durch. Franks Fazit: „Für mich als Gewerbetreibender wäre es ein Unding, wenn das so bleibt. Ich sehe keine Vorteile.“

Anders sieht das Uwe Wied, er vermietet ein Wohngebäude in der Mariannenstraße: „Die Lebensqualität sollte durch die Einbahnstraßenregelung erhöht werden und sieht man nach Niedernhall oder Künzelsau, ist diese Umstellung eine Gewohnheitssache, es wird aber funktionieren.“ Auch Anwohner Dieter Hummel sagt: „Wir werden derzeit viel weniger eingeparkt als früher.“ Auch an der Kreuzung bei der Apotheke habe sich der Verkehr wesentlich entspannt. Dadurch sei es für die Kinder auch sicherer geworden.

Anwohner entscheiden

Alle Anwohner Mariannenstraße erhalten nun laut Bauer ein Schreiben mit Rückmeldebogen zum Ankreuzen, ob sie für oder gegen die Einbahnstraße sind. Dann entscheide der Gemeinderat, wobei Bauer betonte, er werde im Gemeinderat dafür plädieren, sich dem Wunsch der Mehrheit anzuschließen. Leiser wollte von Bauer wissen, ob die Stimme eines Mieters genauso viel wie die eines Fachgeschäftes zähle, dass schon seit 50 Jahren vor Ort ist. Bauer bejahte dies. Des Weiteren monierten Besucher an diesem Abend, dass lediglich die Anwohner der Mariannenstraße abstimmen dürfen über die Einbahnstraße, obwohl sie im Grunde ganz Ingelfingen betrifft. So verwies Judith Heink unter anderem darauf, dass seit der Einbahnstraßenregelung viele über den Auweg ihre Fahrt abkürzen würden.

Leicht schräge Parkplätze sollen kommen

Wenn die Einbahnstraße komme, so Bauer, erfolge die weitere Planung und Umgestaltung der Straße mit leicht schräg verlaufenden Parkplätzen. Seit der Einbahnstraßenregelung gäbe es 20 Parkplätze mehr, wenn sie nun komplett neu gestaltet werden würde, seien noch viel mehr Parkplätze möglich. Außerdem käme eventuell noch eine Radspur dazu. Zudem würde die provisorische Bushaltestelle an der Kelter entfallen und eine neue Bushaltstelle entlang der Landesstraße auf Höhe des Schlossparks geschaffen werden. Zusätzlich wäre eventuell noch eine Bushaltestellte an der Kochertalststraße auf Höhe der Beschützenden Werkstätte möglich, da die Anwohner der Hochhäuser aufgrund der neuen Verkehrssituation weite Wege in Kauf nehmen müssten.

Bauer: „Wenn Sie es zahlen, dann gern“

Der NVH begrüßt laut Bauer die Einbahnstraßenregelung, da die Busse dadurch ein paar Minuten schneller in Öhringen seien und dadurch die Anschlussverbindung zur Stadtbahn besser klappe. Könnte man, wenn man sich gegen die Einbahnstraße entscheide, nicht zumindest das neue Buskonzept mit der Verlagerung der Bushaltestellen entlang der Kochertalstraße so lassen?, fragt eine Besucherin. Bauer ist da skeptisch: „Das ist eine Landesstraße. „Ob das Land bereit ist hierfür, wenn es nicht unbedingt nötig ist“, sei fraglich.

Bauer betonte, dass derzeit Sanierungsmittel vom Land zur Verfügung stünden für diese Umgestaltung zur Einbahnstraße. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage verwies Bauer darauf, dass der bislang dreimonatige Probelauf der Einbahnstraße rund 89.000 Euro gekostet habe. Darin unter anderem enthalten: der Umbau der Ampel, das Provisorium Bushaltestelle, die Honorar- und Planungskosten des Büros Karajan sowie die Verkehrssicherung mit dem Aufstellen der Schilder und die Kennzeichnung der neuen Parkplätze.

von links: Michael Bauer, Dr. Karajan vom Planungsbüro und Hauptamtsleiter Winter. Foto: GSCHWÄTZ

Für Weingärtner wird es eng – eventuell Sonderregelung

Die Weingärtner erbaten sich noch eine Sonderregelung. Viele hätten ihre Flächen beim Breter und haben keine andere Abfahrtmöglichkeit als in die Mariannenstraße. Dort angekommen, müssten sie mit ihren landwirtschaftlichen Fahrzeugen allerdings stark links abbiegen, was kaum möglich sei. Es wäre einfacherer und sicherer, wenn dieses kurze Wegstück auf der Mariannenstraße von der ehemaligen Metzgerei Spreng Richtung Apotheke für die Landwirtschaft freigegeben werden würde. Bauer sendete hierfür positive Signale.

Ob es denn auch einen Plan B gäbe oder erarbeitet arbeiten könnte als Alternative, wollte Leiser abschließend wissen. „Wenn Sie es zahlen, dann gern“, lautete die Antwort von Bürgermeister Bauer.

 

 

 




Bauer predigt das, was er selbst nicht beherrscht

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann zur Predigt von Ingelfingens Bürgermeister in der Kirche in Dörrenzimmern (wir berichteten, siehe Beitrag unten)

Es ist eine schöne Idee mit der neuen Gottesdienst-Reihe, die Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken ins Leben gerufen hat. Es predigen Menschen aus der Gemeinde gemeinsam mit der
Pfarrerin über Dinge, die Ihnen wichtig sind. Bürgermeister Bauer über ein ehrliches Miteinander, im September Jens Sprügel über Werte. Zu einer reinen Selbstdarstellung sollte diese Predigt jedoch nicht genutzt werden und zu Propagandazwecken schon gar nicht. Es kam nicht umsonst vor über 100 Jahren zur strikten Trennung von Staat und Kirche. Selbstkritik anstatt Selbstbeweihräucherung wäre an diesem Sonntag ein schönes Zeichen gewesen. Aber gut, jeder nutzt die pastorale Bühne, wie er mag. Auch das ist ja Zeichen genug.

Jeder nutzt die pastorale Bühne, wie er mag

Ein ehrliches Miteinander, dazu gehört auch, kritische Dinge auszusprechen und auszuhalten. Das tut manchmal weh, aber der Wahrheit ins Auge zu sehen ist wichtig. Auch wir sollten uns nach unserem Tun noch in die Augen sehen, miteinander sprechen können. Wir sollten nicht nur auf der pastoralen Bühne, sondern auch hinter den Kulissen jeden mit Anstand und Respekt behandeln. Es ist schade, dass am Sonntag das Thema „ehrliches Miteinander“ nicht wirklich ehrlich aufgearbeitet wurde. Und stattdessen Gefühle wie Angst und Wut spürbar waren. Bauer predigt davon, dass die Menschen „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umgehen“. sollen Aber geht er selbst mit seinen Mitmenschen ehrlich, gerecht und friedlich um?

Bei diversen Vorfällen, auch in der jüngeren Vergangenheit, hat er die Beherrschung verloren. Auf für Ingelfingen wichtige Veranstaltungen kommt er nicht oder nicht mehr – man erinnere sich nur an die große Prunksitzung in Ingelfingen, die von so vielen Gemeindemitgliedern gestemmt werden. Man erinnere sich an den Vorfall, als er unlängst ein Bußgeld an eine Ingelfingerin wegen Nötigung im Straßenverkehr zahlen musste. Auf den Vorfall von uns angesprochen, behauptete er, die Polizei und die Staatsanwaltschaft würden lügen und auch wir lügen, wenn wir den Vorfall veröffentlichen. Bei einer Veröffentlichung werde er uns anzeigen, waren seine Worte. Man muss daher umso mehr schmunzeln, dass Michael Bauer sich ausgerechnet das Thema „ehrliches Miteinander“ für seine Predigt ausgesucht hat und dabei Worte wie „friedliches Miteinander“ verwendet. Ein Meister der Selbstbeherrschung sieht wahrlich anders aus.

Ist die Kirche der richtige Ort für solche Äußerungen?

Es ist in Ordnung, wenn Michael Bauer seine Meinung über unsere Berichterstattung äußert – ob das im Rahmen einer Predigt als Gast in einer Kirche sein muss, sei dahingestellt. Wir haben mehrfach kritisch über ihn berichtet, das ist richtig. Aber es gab eben auch diverse Anlässe, ihn als Bürgermeister kritisch unter die Lupe zu nehmen – auch und vor allem als lokale Presse. Wir diskutieren gern über unsere Berichterstattung und haben auch nach dem Gottesdienst versucht, mit Bauer in einen Dialog zu treten, aber er beließ es bei einem: „Mit Ihnen spreche ich nicht.“

Alles wird gut, Herr Bauer

Bei jedem einzelnen unserer Beiträge haben wir ihm vorab die Möglichkeit eingeräumt, sich zu äußern, mit uns und in diesem Zuge auch mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen. Bislang hat er jeden Dialog verweigert oder hat uns gedroht. Bei Themen, die das öffentliche Interesse berühren, gibt er auf Nachfrage keine Auskunft. Die Mariannenstraße etwa sollte seit Mitte Mai 2019 eigentlich als Einbahnstraße durch Ingelfingen führen. Doch lediglich die Parkplätze hierfür wurden eingezeichnet. Getan hat sich seitdem nichts. Kommt die Einbahnstraße nun oder nicht? Michael Bauer schweigt. Sein gutes Recht als Bürgermeister? Eben nicht.

Diverse Menschen kritisieren seinen Umgang im zwischenmenschlichen Miteinander, seinen harten Ton – eben das, was er nun an anderen während seiner Predigt kritisiert hat. Fast schon könnte er einem leid tun, weil man, wie er da so stand hinter der Kanzel, gespürt hat, wie zerrüttet er innerlich ist. Aber ganz unschuldig ist er daran nicht.

Das Gute aber ist: Man kann immer wieder von vorne anfangen, es besser machen. Jede harte Schale hat ihren Ursprung und fast schon mag man ihn an der Hand nehmen und sagen: „Alles wird gut.“ Man muss es nur wollen.

 




„Glauben sie nicht jedem Gschwätz“

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer predigt in der Kirche in Dörrenzimmern

„Heute hier vorne zu stehen und zu predigen, ist eine Herausforderung für mich“, sagte Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer. Ein ungewohntes Bild präsentierte sich den Gottesdienstbesuchern am Sonntag, den 07. Juli 2019. Der Rathauschef predigte zusammen mit Dörrenzimmerns Pfarrerin Sabine Focken in der Kilianskirche in Dörrenzimmern. Eingeladen hatte Focken. Bauer suchte das Thema aus: „Ehrliches Miteinander“.
Die Kirchenreihen waren an einem Sonntagmorgen ungewöhnlich voll. Besonders „bibelfest“ sei er nicht, gab Bauer gleich zu Beginn ganz ehrlich zu. Aber dank einer befreundeten Religionslehrerin habe er eine passende Bibelstelle gefunden, in welcher es unter anderem heiße: „Rede der eine mit dem anderen Wahrheit.“

Gut gefüllt waren die Kirchenbänke an diesem Sonntagmorgen. Bürgermeister Bauer selbst wollte nicht von der Redaktion des Magazins GSCHWÄTZ fotografiert werden und verzichtete auch auf ein Gespräch im Anschluss. Foto // GSCHWÄTZ Foto: GSCHWÄTZ

Bauer fordert, „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umzugehen“

Die Menschen sollen „ehrlich, gerecht und friedlich miteinander umgehen“, forderte Bauer. Dies sei auch sein „Wegbegleiter und seine Richtschnur“. Man müsse seine Meinung offen äußern, auch wenn „geäußerte Wahrheiten nicht immer gefallen“.

Leider „schwindet das ehrliche Miteinander immer mehr“, bedauert Bauer. „Manche biegen sich auch ihre eigene Wahrheit zurecht. Vielleicht liegt es auch an den modernen digitalen Medien, wo Halbwahrheiten verbreitet werden. Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten. Glauben Sie nicht jedem Gschwätz“, forderte Bauer final auf.

„Zum Glück ist Ingelfingen nicht geprägt von Neid und Missgunst“

„Es gibt heutzutage fast keine Entscheidung mehr, die heute nicht lautstark kritisiert wird.“ Die richtigen Entscheidungen zu treffen, welche eine Kommune fit für die Zukunft machen, falle nicht immer leicht. „Deshalb werde ich weiter sagen, was ich denke und tun, was ich sage.“ Zum Glück seien Ingelfingen und seine Teilorte „nicht geprägt von Neid, Missgunst und Intoleranz.“ Bauer endet mit einem Verweis auf eine Studie, dass Ehrlichkeit zugleich einhergehe mit einem höheren Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.

Dieses Stichwort griff Pfarrerin Focken in ihrer direkt am Anschluss folgenden Predigt auf: „Das ist ein starkes Zielbild. Ehrlichkeit bringt wirtschaftliche Vorteile. In Ehrlichkeit zu leben tut auch gut. Ich kann mich verlassen auf den anderen. Wenn ich weiß, dass jemand freundlich ist und hintenrum im Dorf schwätzt er etwas anderes, tut das nicht gut. Aber ich glaube, das hat es zu allen Zeiten gegeben.“
Focken fragte sich deshalb: „Warum sagen die Menschen die Wahrheit immer mal wieder nicht?“ Ihre Antwort: „Die Wahrheit muss man sich leisten können.“ Wenn die Angst da sei, zu kurz zu kommen, wenn man in seinem Leben gelernt habe, ohnmächtig zu sein, wenn man Sorge habe, nicht gut dazustehen und dumm dargestellt zu werden.

„Es gibt auch bewusst Menschen unter uns, die Halbwahrheiten verbreiten“

Die Liebe sei mit der Wahrheit eng verbunden: „Wenn ich zu allererst mich selbst liebe, kann ich wahr sein lassen, was sowieso wahr ist.“ Und man könne dann die Angst der anderen wahrnehmen, die Dünnhäutigkeit, ohne die Finger in die Wunde zu legen. Ich verzichte auf Bloßstellen des Anderen, weil ich merke, wie weh mir das selber tun würde.“ Focken verweist darauf, dass man manche Dinge auch ungewollt stärker macht, in dem man den Fokus darauf legt: „Demonstrationen gegen den Rechtsradikalismus taugen nichts, weil wir denen dadurch mehr Kraft geben.“

Neue Gottesdienstreihe

Am Sonntag, den 07. Juli 2019, 09.30 Uhr, predigten Bürgermeister Michael Bauer und Pfarrerin Sabine Focken gemeinsam in der Kirche in Ingelfingen-Dörrenzimmern. Das Thema lautete: „Ehrliches Miteinander“. Sabine Focken verweist darauf, dass derartige Gottesdienste künftig in loser Folge immer wieder im Kirchenjahr stattfinden sollen. Das Prinzip sei stets dasselbe, so Focken. „Jemand predigt mit mir zusammen, wählt das Thema, schreibt den ersten Teil und ich lege den zweiten Teil dazu.“
Am 29. September 2019 ist Jens Sprügel zu Gast in der Kirche Dörrenzimmern. Er hat das Thema „Werte“ gewählt.

Auch Frau Chef, Michael Bauers Frau, lauschte ihrem Mann während seiner Predigt. Foto: GSCHWÄTZ

Die Kirchenreihen waren voll besetzt beim Gottesdienst mit dem Bürgermeister. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 




Dörrenzimmern: Bürgermeister Bauer predigt in der Kirche über „ehrliches Miteinander“

Am kommenden Sonntag, den 07. Juli 2019, 09.30 Uhr, predigen Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer und Pfarrerin Sabine Focken gemeinsam in der Kirche in Ingelfingen-Dörrenzimmern. Das Thema lautet: „Ehrliches Miteinander“. Sabine Focken verweist darauf, dass derartige Gottesdienste künftig häufiger in loser Folge immer wieder im Kirchenjahr stattfinden sollen. Das Prinzip sei stets dasselbe, so Focken. „Jemand predigt mit mir zusammen, wählt das Thema, schreibt den ersten Teil und ich lege den zweiten Teil dazu.“

Pfarrerin Sabine Focken.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Am 29. September soll Jens Sprügel zu Gast in der Kirche Dörrenzimmern sein. Er hat das Thema „Werte“ gewählt.

 




Versammlung des TSV Ingelfingen: Harsche Kritik an Bürgermeister

Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Dach. So lautet ein bekanntes Sprichwort. Während Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer mit ein paar Gemeinderäten übers Wochenende Ingelfingens Partnergemeinde Saint-Héand in Südfrankreich besucht hat, traf sich der TSV Ingelfingen am Freitagabend, den 15. März 2019, im Christian-Bürkert-Saal im Schwarzen Hof zur Jahreshauptversammlung. Es war eine Versammlung, bei der das alles entscheidende Thema derjenige war, der an diesem Abend rund 770 Kilometer weit weg weilte: der Bürgermeister.

Michael Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Wer hat bei wem übernachtet?

„Es war die interessanteste Mitgliederversammlung aller Zeiten“, erzählte ein Vereinsmitglied gegenüber GSCHWÄTZ am nächsten Tag. Auch in Ingelfingens Nachbarstadt Künzelsau ist die Jahreshauptversammlung unter den Einwohnern am Wochenende Thema.  Wortführer bei der TSV-Versammlung war TSV-Vereinsvorstand und gleichzeitiges Gemeinderatsmitglied Bernd Bauer. Sein Verhältnis zu seinem Namensvetter Michael Bauer ist seit geraumer Zeit angespannt (wir berichteten). An der Versammlung war unter anderem der Besuch in der französischen Partnergemeinde Saint-Héand Thema. Genauer: die Unterbringung der Reise-Entourage. Während die Ingelfinger Gemeinderäte bei anderen Gemeinderäten nächtigen, schlafe der Bürgermeister in einem Hotel etwas ausserhalb der Stadt, hieß es. Vorausgegangen war vor vielen Jahren ein Besuch der französischen Reisedelegation nach Ingelfingen, wo es ähnlich abgelaufen sein soll: Während die französischen Gemeinderäte bei den Ingelfinger Gemeinderäten übernachteten, sei der Bürgermeister von Saint-Héand im Hotel Niklass in Ingelfingen einquartiert worden. Manch ein Ingelfinger sagt, das sei damals ein Affront gegen den französischen Bürgermeister hinsichtlich deutsch-französischer Gastfreundschaft gewesen. Wie der französische Bürgermeister die Hotel-Unterbringung gesehen hat, ist nicht bekannt. Bernd Bauer sagt, er habe das Nicklass-Thema damals in einer Gemeinderatssitzung angesprochen. Seitdem sei sein Verhältnis zu Bürgermeister Michael Bauer nicht mehr das beste.

Fußballer fühlen sich heimatlos

Ein weiteres großes Thema der Mitgliederversammlung war die noch relativ neue Heinrich-Ehrmann-Halle in Ingelfingen und die Nutzung derer. Hierzu muss man wissen: Vor dem Neubau befand sich an dieser Stelle die alte Turnhalle mit dem Vereinsheim der Fußballer von Ingelfingen, des damaligen SC Ingelfingen (mittlerweile sind die Fußballer wieder ein Bestandteil des TSV, wir berichteten). Seit dem Neubau haben die Fußballer noch keinen wirklichen Ersatz für ihr verloren gegangenes Vereinsheim gefunden. Im ehemaligen Spazz in Criesbach, der nun wieder saniert und renoviert wird, fanden sie eine Zeitlang Unterschlupf. Nun ist auch das vorbei. Während des Trainings im Sommer stehen sie weitgehend ohne Räume da, damit sich etwa die Kinder umziehen können, da sie die Halle laut Anordnung der Stadt nur im Winter benutzen dürfen, so ein Fußballmitglied gegenüber GSCHWÄTZ. Aber selbst diese Nutzung gestalte sich schwierig (wir berichteten): „Wenn das so weitergeht, geht der Fußball in den nächsten Jahren kaputt.“ Es gäbe unterschiedliche Regelungen seitens der Stadt, was die Halle beträfe, moniert auch Bernd Bauer.

TSV-Vorstand Bernd Bauer. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Wer darf in die Halle und wer muss draußen bleiben

An der Mitgliederversammlung ein Beispiel zweier Jazztanzgruppen. Während eine Jazztanzgruppe die Halle in den Sommerferien zum Üben auf Wettkämpfe nutzen durfte, sei es der anderen Gruppe untersagt worden. Die Stadt verwies laut Bernd Bauer auf eine „häusliche Sonderregelung“. Hinter vorgehaltener Hand wird aber gemunkelt, dass der Grund für diese unterschiedliche Behandlung darin begründet liege, dass die Freundin des Sohnes von Michael Bauers Lebensgefährtin Monika Chef in der Jazztanzgruppe tanzt, die in die Halle gelassen wurde.

Vereinsnachrichten veröffentlichen koste Geld

Bernd Bauer moniert, dass die Stadt sich auch in anderer Hinsicht wenig vereinsfreundlich zeige. Seien im städtischen Amtsboten früher Vereinsanzeigen kostenlos erschienen, verlange die Stadt seit geraumer Zeit Geld dafür, wenn der Umfang der Veröffentlichung länger als eine halbe Seite sei, sagt Bauer. So zahle der Verein eine gewisse Summe an die Stadt, damit unter anderem die Stadt die Vereinserfolge in den städtischen Nachrichten veröffentliche.

In Ingelfingen wird darüber gesprochen, dass wohl einige Gemeinderäte nicht mehr als Gemeinderat kandidieren möchten. Inwieweit diese Gerüchte stimmen, ist GSCHWÄTZ nicht bekannt.

Wir haben Michael Bauer in einer Presseanfrage gefragt, inwieweit die in der Mitgliederversammlung genannten Themen die Stadt Ingelfingen betreffend der Richtigkeit entsprechen. Eine Antwort steht noch aus.

 




Ingelfingens Bürgermeister – Ermittlungsverfahren wegen Nötigung

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer soll eine Anzeige wegen Nötigung bekommen haben. Er soll einer Frau, die im Straßenverkehr mit ihrem Fahrzeug etwas zu weit auf Bauers Fahrbahn fuhr, hinterher gefahren sein. Als diese anhielt, habe Bauer sie verbal angegriffen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage äußerte sich Harald Lustig, Erster Staatsanwalt der Staatsanwaltschaft Heilbronn der Zweigstelle Schwäbisch Hall: „Zutreffend ist, dass gegen den Bürgermeister von Ingelfingen bei der Staatsanwaltschaft Heilbronn – Zweigstelle Schwäbisch Hall – ein Ermittlungsverfahren wegen Nötigung im Straßenverkehr und Beleidigung geführt wurde. Der Vorfall ereignete sich am 15. Oktober 2018 in Ingelfingen.“ Das Verfahren gegen Bauer soll laut Lustig gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt worden sein. Bauer hat sich nach mehrmaligem Nachfragen per E-Mail der GSCHWÄTZ-Redaktion bisher noch nicht geäußert. Telefonisch war Bauer bislang ebenfalls nicht zu erreichen.




„Mei grünes, grünes Sportheim ist super, supergut“

Kommentar – Die alte Fraa von drobbe de Höh‘ über die Gewitterwolken, die derzeit über Ingelfingen hängen – Der Haussegen hängt schief zwischen Bürgermeister Michael Bauer und dem TSV-Vorstand Bernd Bauer. Auslöser ist ein Sporthäusle, das der eine für zu klein für so einen großen Verein hält, während der andere auf Ebbe in der Haushaltskasse verweist.

Sportplatz am Kocher in Ingelfingen – direkt daneben befindet sich das kleine Vereinsheim

 

 

Durch die Fusion von SCI und TSV zum 01. Juli 2018 könnte es enger zugehen im Vereinsheim

Es ging heiß her in der Gemeinderatssitzung im Mai 2018:

https://www.gschwaetz.de/2018/05/24/angedrohter-rausschmiss-bei-gemeinderatssitzung-ingelfingen/

 

Auch beim Thema Hilfsamtsboten gerieten Bauer & Bauer erst kürzlich aneinander:

 

 




Video // Rathausgeflüster: Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer

// Ingelfingerns Bürgermeister ist kein Fan von allem

Unsere alt Fraa ist der Meinung, dass es dem Ingelfingenr Bürgermeister nicht schaden könnte, ein bisschen mehr Mister Charming zu sein.

Zur diesjährigen Prunksitzung in Ingelfingen ist der Bürgermeister Michael Bauer nicht aufgetaucht und auch ansonsten zeigt er wenig Gesprächsbereitschaft. Na, dann hoffen wir, dass die Ingelfinger künftig ein unterhaltsames Programm bieten, damit der Bürgermeister auch Spaß hat.

 

 

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