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Belsenberg: Äpfel sammeln, Apfelsaftschorle bekommen

Streuobstbäume umgeben traditionell die Ortschaften und bieten zudem regionale und saisonale Lebensmittel. Die Stadtverwaltung Künzelsau will gemeinsam mit den ortsansässigen Schulen, Kindergärten und Bürgern die Wertschätzung der Bäume in der Gesellschaft stärken und der Verschwendung wertvoller Nahrungsmittel entgegenwirken. Deshalb lädt sie am Freitag und Samstag, 27. und 28. September, von 9 bis 13 Uhr  zu einer gemeinsamen Apfel-Sammelaktion in Belsenberg ein.

Jeder ist willkommen, sollte aber Körbe, Eimer oder sonstige Behälter zum Aufsammeln mitbringen und falls vorhanden einen Rüttelhaken. Auch Obstbauern oder Privatpersonen, die Äpfel übrig haben und spenden möchten, dürfen diese abgeben. Aus dem Obst macht die Hohenloher Fruchtsäfte GmbH in Schwäbisch Hall original Hohenloher Apfelsaftschorle. Für die eingesammelten Äpfel gibt es einen Gutschein, der später im Rathaus Künzelsau gegen Apfelsaftsaftschorle eingelöst werden kann.

Die zentrale Sammelstelle für die Äpfel ist im zukünftigen Baugebiet „In den Hälden“ in Belsenberg. Privatpersonen, die ihre Äpfel direkt nach Schwäbisch Hall liefern möchten, erhalten ebenfalls das Apfelsaftschorle nach Vorlage der Quittung bei der Stadtverwaltung Künzelsau. Alle Äpfel sollten ungespritzt und nicht verfault beziehungsweise wurmig sein. Auch der Mostverein Nagelsberg unterstützt die Nutzung der Streuobstwiesen. Bis Ende Oktober 2019 kann jeden Samstag eigenes Obst zu Most verarbeitet werden.

Rückfragen und Anmeldungen nimmt David Hägele unter Telefon 07940/129 422 oder per E-Mail: david.haegele@kuenzelsau.de bis zum 26. September 2019 entgegen.

 

 




Künzelsau: Über 83.000 Euro für neue Rathausmöbel

Die Büros im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss im Künzelsauer Rathaus bekommen neue Möbel. Den Auftrag mit einem Bruttovolumen über 83.227,41 Euro hat die Firma Breuninger GmbH aus Künzelsau erhalten. Sie liefert die Möbel und stellt sie auch auf. Im Rahmen der vorhandenen Haushaltsmittel, einschließlich erster Nachtrag 2019, kann die Stadtverwaltung den Auftrag auf die Ausstattung weiterer Büros im zweiten Obergeschoss des Rathauses erweitern. Der Beschluss wurde mit drei Gegenstimmen gefasst.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau

 




Demozug rollt morgen durch Künzelsau

Globaler Klimastreik am Freitag

Während die Bundesregierung am Freitag, den 20. September 2019, über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik entscheidet, ruft die Bewegung  Fridays for Future (fff) zum globalen Klimastreik auf. Aus Solidarität gehen auch die Parents for Future Hohenlohe/ Hall in Künzelsau auf die Straße. Dahinter stehen Erwachsene aus dem Hohenlohekreis und dem Kreis Schwäbisch Hall, die die fff-Bewegung und vor allem die Schüler vor Ort unterstützen möchten. Mitmachen können alle Interessierte ob mit oder ohne Kinder.

Klimapicknick und Filmvorführung

Start der Demo in Künzelsau ist um 12 Uhr am Rathaus. Der Demo-Zug wird sich durch die Innenstadt ziehen mit einer Abschlusskundgebung am Schlossplatz. Um 13 Uhr gibt es ein Klimapicknick im Schlosshof. Ab 15 Uhr lädt Parents for Future ins Prestige Filmtheater, wo der Film „Tomorrow – die Welt ist voller Lösungen“ gezeigt wird. Der Eintritt dazu ist frei.

Im Zusammenhang mit den Schulstreiks der fff-Bewegung kritisiert Anton Baron, AfD-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Hohenlohe, die Aussagen der Künzelsauer Schulamtsleiterin zur Schulpflicht. Ursula Jordan empfahl, aufgrund der Klimaproteste freitags keine Klassenarbeiten schreiben zu lassen. Es stünden ja vier weitere Schultage zur Verfügung. Außerdem riet sie, die Themen der Klimabewegung verstärkt im Unterricht zu behandeln. Anton Baron sieht darin jedoch eine „politische Einflussnahme“. Sämtliche Themen seien daher seiner Meinung nach neutral zu behandeln. Außerdem seien sowohl Lehrer als auch Schulamt zur strikten Einhaltung der Schulpflicht verpflichtet. Ein politisches Engagement der Schüler außerhalb der Schulzeiten begrüßt Baron dagegen unabhängig von der Ausrichtung.

Auf der Internetseite von fff können Schüler einen Entschuldigungsgenerator nutzen und somit ihre Schulentschuldigung bereits ausformuliert ausdrucken: https://fridaysforfuture.de/streiktermine/entschuldigungs-generator/

Beispiel einer ausformulierten Entschuldigung, die es auf der Internetseite von Fridays for Future zum downloaden gibt. Foto: Fridays for Future

Beispiel einer ausformulierten Entschuldigung, die es auf der Internetseite von Fridays for Future zum downloaden gibt. Foto: Fridays for Future

 

 




„Jetzt wird es erstmal laut und schmutzig“ – Neuer Aldi im neuen Baugebiet Gaisbach ersetzt Aldi in Ortsmitte

Nah. Näher. Aldi. Das Motto, das sich eigentlich Würth auf die Fahnen geschrieben hat, ist nun auch das Bestreben des deutschen Discounters Aldi. Während die Erschließung des Neubaugebietes Haselhöhe in Künzelsau-Gaisbach erst gegen Ende des Jahres starten soll, gab es am Donnerstag, den 12. September 2019, bereits den Spatenstich für den Neubau einer Aldi-Filiale in eben diesem Gebiet. Und für Gaisbach gilt: Es wächst und wächst und wächst.

„Einen großen Dank an Herr Neumann, den Gemeinderat und den Ortschaftsrat“

Aldi-Geschäftsführer Lars Hetzel: „Ganz besonders danken möchte ich Herr Neumann, dass wir es geschafft haben, in dieser Zeit das Gelände zu entwickeln. Und auch einen großen Dank an den Gemeinderat und alle Mitglieder des Ortschaftsrates [Anm. d. Red.: von Gaisbach], dass sie dieses Vorhaben unterstützen.“ Für die Anwohner heiße es nun: „Jetzt wird es erstmal laut und schmutzig. Aber es lohnt sich. Wir werden einen ganz tollen Standort hier bekommen“, verspricht Hetzel. Laut Hetzel reichte die Planung des Projektes bis ins Jahr 2011 zurück.

Neumann: „Ich bin froh, dass Aldi an diesem Standort investiert“

„Ich bin sehr froh und dankbar, dass Aldi hier investiert am Standort Gaisbach. Ich bin auch sehr dankbar, dass Sie uns überholt haben im Baugebiet. Für das neue Baugebiet ist es wirklich ein Knaller.“ Wer könne schon sagen, dass bereits zum Start eines neuen Baugebietes bereits ein Lebensmittelversorger vor Ort sei?, betonte Neumann. Das mache das neue Baugebiet noch attraktiver. Auf die Frage, ob Aldi vermehrt den Fokus in den ländlichen Raum lege, betonte betonte Wilhelm Dümmel, Prokurist Leiter Filialentwicklung, gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir versuchen, vermehrt an den Kunden heranzurücken. Das gilt sowohl für Großstädte, dass wir auch dort Standorte aufmachen, wo wir sie vielleicht vor zehn Jahren noch nicht gemacht haben und wo wir auch flächenmäßig Kompromisse eingehen müssen. Aber wir prüfen auch mehr Standorte im ländlichen Bereich, um einfach näher an den Kunden heranzugehen.“ In Gaisbach gibt es bereits einen Aldi in der Ortsmitte. Dieser werde nun durch den Neubau ersetzt. Der Neubau soll jedoch laut einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau größer und moderner als die bisherige Aldi-Filiale werden.

Ursprünglich sollte das Neubaugebiet dreimal so groß werden

Ursprünglich sollte das Neubaugebiet in Gaisbach mehr als dreimal so groß sein, als es nun geworden ist. Statt den von der Stadtverwaltung gewünschten 33 Hektar, sind es nun zehn Hektar geworden. Neumann: „Im Rahmen der Regionalplanung haben wir gemerkt: Das geht so nicht. Wir müssen das aufteilen.“ Die Erschließung des Baugebietes über den Erschließungsträger IBW aus Bald Waldsee soll Ende 2019 starten. In unmittelbarer Reichweite entstehe zusätzlich der Innovationscampus von Würth, was ebenfalls die Attraktivität des Gebietes noch unterstütze.

Einfamilienhäuser und Mehrfamilienhäuser

Das neue Baugebiet werde, so Neumann, alles bieten: vom Einfamilienhaus über Reihenhaus bis hin zu mehrgeschossigen Häusern. Dabei habe man sich die Frage gestellt: „Wie können wir die verschiedenen Formen des Wohnens sinnvoll integrieren, damit es kein Ghetto wird, sondern dass es sich auch ein Stück weit harmonisch einpflanzt und ineinander übergeht?“ Im Neubaugebiet werde es auch Räume für öffentliche Nutzung geben. Die Stadt möchte hier unter anderem einen Schwerpunkt  im Bereich Kindergarten setzen, das mehrere Millionen kosten werde. Neumann betont: „Gaisbach als unser Wohnungsbauschwerpunkt hat einfach eine besondere Bedeutung.“

Videos, Fotos & Text: Elke Brand

Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Geladene Gäste zum Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Spatenstich am Donnerstag, den 12. September 2019, zur neuen Aldi-Filiale. Foto: GSCHWÄTZ

Aldi-Baustelle mit angrenzendem Neubaugebiet. Foto: GSCHWÄTZ

Aldi-Baustelle mit angrenzendem Neubaugebiet. Foto: GSCHWÄTZ




Kraut- und Rübenmarkt mit Bäckerei Inventar

Am Samstag, den 7. September 2018, ab 9 Uhr, bieten viele Mitgliedsgeschäfte der Werbegemeinschaft Künzelsau Produkte zu Schnäppchenpreisen vor ihren Läden an, so eine Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau. Zwar gibt es weder Kraut noch Rüben zu kaufen, dafür erwartet die Kunden aber das ein oder andere Angebot passend zur Jahreszeit: ein Paar Sommerschuhe zu Tiefstpreisen hier, Kurzarmhemden oder Herrenhosen in schöner Auswahl dort, sowie rabattierte Schreib- und Spielwaren.

Auch Künzelsaus Bäckerei Kühner, die Ende Mai 2019 schloss, lädt ein. „Leider backen wir nicht mehr für euch, aber vielleicht hat der ein oder andere von euch Spaß am backen und benötigt noch Zubehör? Dann kommt am Kraut- und Rübenmarkt von 9 – 13 Uhr bei uns vorbei. Wir haben verschiedene Backformen, Brotkörbe, Bäckereigeräte und vieles mehr für euch im Angebot
Wir freuen uns auf euch“, heißt es auf der Facebook-Seite von Bäckerei Kühner.

Wer braucht verschiedene Backformen, Brotkörbe, Bäckereigeräte und vieles mehr? Foto: Kühner

 




Bürgermeister Neumann hat nun drei anstatt zwei Stellvertreter

Zum ersten Mal hat der am 26. Mai 2019 neu gewählte Gemeinderat am vergangenen Dienstag, den 16. Juli 2019, getagt. In dieser konstituierenden Sitzung hat Bürgermeister Stefan Neumann alle Stadträte per Handschlag, mit dem Hinweis auf die gewissenhafte Erfüllung ihre Amtspflichten und Vorschriften der Gemeindeordnung verpflichtet. 22 Stadträte, darunter sieben erstmals gewählte, gehören fünf Fraktionen an:

CDU-Fraktion: Robert Volpp (Vorsitzender), Ernst-Friedrich Bürkert, Christian Freiherr von Stetten, Rolf Hamprecht, Jochen Jäger, Gerhard Rudolph.

Fraktion SPD & Grüne: Hans-Jürgen Saknus (Vorsitzender), Martin Braun, Erhard Demuth, Reintraud Lindenmaier, Lisa Möhler.

Fraktion Die Freien: Verena Löhlein-Ehrler (Vorsitzende), Dr. med. Andrea Faust, Rainer Süßmann.

Fraktion für Künzelsau (FfK): Herbert Schneider (Vorsitzender), Dr. med. Andrea Grups, Stefan Kraft, Wolfgang Schmelzle.

Fraktion Unabhängige Bürger Künzelsau (UBK): Boris d’Angelo (Vorsitzender), Sabine Janny, Wolfgang Kubat, Johannes Rückgauer.

Stellvertreter Bürgermeister

Bürgermeister Stefan Neumann hat vorgeschlagen, die bisherige Regelung mit zwei ehrenamtlichen Stellvertretern des Bürgermeisters beizubehalten. Auf Antrag der UBK-Fraktion hat der Gemeinderat dann jedoch einstimmig beschlossen, einen dritten Stellvertreter zu bestellen. Die Mitglieder des Gemeinderates haben deshalb aus ihren Reihen drei ehrenamtliche Stellvertreter des Bürgermeisters gewählt: Erster Stellvertreter ist Christian Freiherr von Stetten, zweite Stellvertreterin ist Reintraud Lindenmaier und dritter Stellvertreter ist Boris d’Angelo.

 

Quelle: Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau




Parents 4 Future – Die Eltern demonstrieren mit

Seit Monaten demonstrieren Kinder und Jugendliche für den Klimaschutz. Auch in Künzelsau (wir berichteten). Am heutigen Freitag, den 19. Juli 2019, um 11.58 Uhr ist es wieder soweit. Aber diesmal mit Eltern – denn Klimaschutz geht alle etwas an.

Es sind Erwachsene aus dem Hohenlohekreis und dem Kreis Schwäbisch Hall, die die Fridays-for-Future Bewegung und vor allem die Schüler hier vor Ort unterstützen möchten. Das Ziel ist es, den jungen Menschen bei ihren Forderungen nach einer konsequenten Klima- und Umweltschutzpolitik solidarisch zur Seite zu stehen, um so mit ihnen gemeinsam für eine bessere Welt zu kämpfen.

Aber es werden nicht nur Eltern gesucht, sondern eine bunte Mischung von Menschen mit und ohne Kinder, verschiedenen Alters.

Weitere Informationen gibt es auf der Interseite: Parents For Future

 

 




Die Künzelsauer haben gute Herzen

Der angehende Wirtschaftsrechtler und Flüchtling Hasan Al Johmani aus Syrien hat hier eine zweite Heimat gefunden. Anbei veröffentlichen wir einen Text von ihm, den er für seine „zweite Heimat“ Künzelsau verfasst hat:

„Im Jahr 2012 musste ich Syrien verlassen, weil ich gegen Al Assad protestiert hatte. Nach zwei Jahren in Libyen bin ich – nachdem dort ebenfalls Krieg ausgebrochen ist – im September 2014 nach Deutschland geflohen. Ich wurde in verschiedene Flüchtlingsunterkünfte in Stuttgart, Karlsruhe und Heidelberg verlegt. Ich habe etwa sechs Wochen in den Flüchtlingsunterkünften in diesen Städten gewohnt.

Wegen schlechter Hygiene in den Flüchtlingsunterkünften habe ich mir eine Infektion am Finger eingefangen. Ich kam 15 Tage ins Krankenhaus. Beinahe hätte ich meinen Finger verloren. Aber er konnte gerettet werden. Schließlich wurde ich nach Künzelsau geschickt. Damals bekam ich in der Flüchtlingsunterkunft in Karlsruhe ein abgelaufenes Baden-Württemberg-Ticket und einen Fahrplan. Ich hatte nur zehn Minuten, um den ersten Zug zu erreichen. Wie erwartet habe ich dann den Zug verpasst. 30 Minuten später stieg ich in den nächsten Zug, aber wusste nicht, dass dieser in eine andere Stadt fuhr. So brauchte ich sechs anstatt dreieinhalb Stunden, um nach Künzelsau zu kommen.

Fußmarsch nach Amrichshausen

Als ich schließlich in Künzelsau gelandet bin, dachte ich, jetzt ist es nur noch ein Schritt in mein neues Zuhause. Ich musste in die Flüchtlingsunterkunft in einen Teilort von Künzelsau – nach Amrichshausen. Aber der Busfahrer hat mein Ticket nicht akzeptiert, obwohl es von der Flüchtlingsunterkunft beglaubigt war und ich sagte mir: ,Na ja, dann bezahle ich selbst. Es ist kein großer Betrag.‘ In diesem Moment habe ich entdeckt, dass ich meinen Geldbeutel verloren hatte. ,So ein Mist-Tag‘, schoss es mir durch den Kopf.
„Al hamdu lillah“ (Gott sei Dank) konnte ich mit dem letzten Anruf, bevor der Akku leer war, meinen Freund erreichen, der in der neuen Flüchtlingsunterkunft in Amrichshausen wohnte. Er verwies mich an einen Jungen, der gerade noch in Künzelsau war und nun ebenfalls in Richtung Amrichshausen unterwegs war. Diesem sollte ich mich anschließen. Der Junge wollte aber nicht auf den nächsten Bus warten und sagte: „Wir brauchen nur 15 Minuten zu Fuß.“ Der Fußmarsch hat aber insgesamt eine Stunde gedauert – immerzu den Berg hinauf mit einer voll bepackten Einkaufstasche. Ich war sehr müde.

Amrichshausen. Ich wollte immer weg von dort. Wir hatten damals keine Chance, Deutsch zu lernen und durften keine
Deutschkurse besuchen, außer einen einmonatigen Grundkurs, weil unser Aufenthalt noch nicht genehmigt worden war. Die Anerkennung hat bei mir 13 Monate gedauert. In dieser Zeit habe ich einen arabischen Geschäftsmann kennengelernt, der hier seit Jahren wohnt. Er wollte meine Deutschkursgebühren bezahlen. Das Landratsamt hat meine Teilnahme daran verboten, das hat mich sehr geärgert. So vieles, was wir brauchten, wurde abgelehnt – Wir hatten nur eine Chance auf einen Ein-Euro-Job für einen Monat, danach kam der nächste dran. Es gab dafür eine Warteliste. Es ging uns nicht um das Geld, wir suchten einfach etwas Abwechslung.

Teilnahme am Deutschkurs verboten

Die Wartezeit konnte ich nutzen, um alleine ein bisschen Deutsch und etwas kochen zu lernen. Damals war der Kontakt mit den Menschen besonders schwierig. Hatten sie Angst vor uns? Drei Monate nach unserer Ankunft in Künzelsau war Weihnachten und wir wurden erstmals eingeladen. Das hat uns sehr gefreut. Stundenlang machten wir viele Auamas (kleine süße Kugeln) für das ganze Dorf. Drei Tage danach haben uns viele im Dorf immer gegrüßt, danach immer weniger. Scherzhaft verglichen wir diese Wirkung mit Drogen, und dachten: „Vielleicht brauchen wir mehr davon?“

Acht Monate später haben wir eine Frau kennengelernt. Sie war sehr offen, sie wollte uns beim Deutsch lernen helfen. Damals verletzte ich mein Knie beim Fußballspiel. Mit zwei Überweisungen von einem Hausarzt wollte ich zum Facharzt. Dazu brauchte ich eine Genehmigung vom Landratsamt, doch die bekam ich nicht, da ich noch keine Anerkennung als Flüchtling hatte. Durch diese Absagen vergingen drei Monate.

Doch als ich dieser Frau mein Problem beschrieb, gingen wir gleich gemeinsam zum Arzt und zum zuständigen Amt und ich bekam die Einwilligung sofort. Vom Facharzt ging es nach einem Monat weiter zum Radiologen. Zwei Tage davor hatte sie mich an diesen Termin erinnert. Das war wirklich nett von ihr.

Nach und nach habe ich mehr Leute kennengelernt. Sie waren alle sehr nett. Eine Frau ist mit mir nach Mosbach gefahren, eine andere nach Ludwigsburg, damit ich mich über mein Studium informieren kann. Sie ist bis jetzt die beste Freundin von mir. Sie haben sich sehr bemüht, mir zu helfen. Mein ehemaliger Vermieter und meine Vermieterin haben mich wie ihren Sohn behandelt. Sie hatten immer Sorge um mich und meine Familie, sie haben mich unterstützt – einfach bei allem.

Wenn ihr solche Menschen kennt, seid ihr mit Sicherheit in Künzelsau

Ein deutscher Freund hat mich unterstützt bei der Suche nach einer Stelle und mir bei Bewerbungsschreiben geholfen.

Stellt euch vor, eine unbekannte Frau wünscht euch einen schönen Tag beim Kaffee trinken, obwohl ihr sie nicht kennt. Oder ihr lauft auf einer Straße und plötzlich steht ein Auto neben euch und bietet euch an, euch nach Hause zu fahren, obwohl ihr den Fahrer beziehungsweise die Fahrerin auch nicht kennt.

2017 haben sich meine Freunde und ich beim Stadtfest beteiligt. Wir hatten einen Falafelstand. Das Fest hat drei Tage gedauert. Junge Menschen haben geschrien: „Ihr seid die besten hier.“ Alle haben uns gefragt, ob wir ein Restaurant haben. Wir waren sehr glücklich.

Wenn der Flüchtlings- und Integrationsbeauftragte der Stadt an euren Glauben denkt und euch einen Raum zu Verfügung stellt, damit ihr beten könnt, dann ist das toll.

Wenn ihr solche Menschen kennt, seid ihr mit Sicherheit in Künzelsau.

Wenn tausende Menschen mit euch gegen die AfD demonstrieren, seid ihr sicher in Künzelsau.

Wenn Menschen immer bereit sind, euch zu helfen, dann seid ihr bestimmt in Künzelsau.

Wenn Euch euer ehemaliger Chef und eure ehemalige Chefin die Chance geben und sagen: „Ihr seid herzlich willkommen in jeden Ferien, um hier zu arbeiten“, dann seid ihr mit Sicherheit in Künzelsau.

Die Künzelsauer sind einfach anders

Seit April wohne ich in Fulda und fahre alle zwei oder drei Wochen zurück nach Künzelsau. Ich fühle mich immer wie ein Kind, das seit langem seine Mutter nicht gesehen hat und sie umarmen will. Künzelsau schenkte mir überdies das Schönste in meinem Leben, meine Verlobte. Sie und ihre Familie wohnen in Künzelsau und kommen ebenfalls aus Syrien.

In Künzelsau sind meine Freunde, sind die Künzelsauer, die Besitzer von guten Herzen. Normalerweise wird man nostalgisch, wenn man an die Stadt denkt, in der man geboren wurde, aber ich werde es auch bei Künzelsau, meiner zweiten Heimat.

Vielleicht kann ich das auch irgendwann von Fulda sagen.

Aber was für mich absolut sicher ist: dass die Stadt Fulda mir keine weitere Frau gibt, da ich nur eine habe und haben will.“

 

Text von Hasan Al Johmani




Neumann: „Künftig kann man seine Füße im Kocher sehen“

Nicht so dolle werfen, lautete eine zaghafte Bitte während des ersten symbolischen Spatenstiches für das neue Kocherfreibad am Montag, den 24. Juni 2019. In der Tat täuschen die sonnigen Fotos des Spatenstiches über den starken Wind hinweg, der zu genau dieser Zeit über das Kocherfreibad hinwegfegte, als Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann und Co. die erste Schaufel voller Erde warfen – ein Zeichen für den Baubeginn des neuen Kocherfreibades. Ganz neu soll es nicht werden, aber doch generalüberholt, so dass die Wasserwerte alsbald wieder den EU-Richtwerten entsprechen und das Bad im Sommer 2020 wieder zum Baden einladen kann.

In einer lockeren Rede erinnert Neumann an die Protestschwimmer, die sich einst gegen die Schließung des Kocherfreibades formiert hatten. Die Frage, die der Künzelsauer Gemeinderat damals beantworten musste: Schließen wir das Bad oder bauen wir es um? „Wir sind im Gemeinderat letztendlich zu dem Schluss gekommen, dass wir die Badebucht vom Kocher abtrennen.“ Das Problem, so Neumann, sei die „wechselnde Wasserqualität des Kochers“. Das habe aber nichts mit irgendwelchen Kläranlagen-Abwässern zu tun. Das Problem sei vielmehr verschlammtes Wasser und/oder eine zu starke Strömung, zum Beispiel nach einem starken Unwetter. Das Gute sei: „Wir sind künftig unabhängig von der Wasserqualität des Kochers und damit auch von Hochwasser und Starkregen.“ Er betont aber: Für das Kocherfreibad „nutzen wir weiterhin Kocherwasser“. Das Wasser werde dabei so gereinigt sein, dass man seine Füße künftig im Kocher sehen könne, verspricht der Rathauschef, der selbst in der Vergangenheit regelmäßiger Besucher des Kocherfreibades war.

Bis Oktober 2019 soll laut Neumann die Baustelle abgeschlossen sein.

Bürgermeister Neumann (fünfter von links) freut sich auf das neue Bad. Foto: GSCHWÄTZ

Zum Spatenstich für den Umbau des Kocherfreibades Künzelsau am 24.06.2019 kamen einige Gäste und die lokale sowie regionale Presse. Foto: GSCHWÄTZ

So sieht es derzeit auf der Baustelle Kocherfreibad aus. Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Stefan Neumann erinnert in seiner Rede an den steinigen Weg, der hinter dem Gemeinderat liegt. Dieser musste immerhin entscheiden: Schließen wir das Bad oder gibt es eine andere Lösung? Foto: GSCHWÄTZ

Derzeit kein Wasser im Kinderplanschbecken. Foto: GSCHWÄTZ

Hier wird gebaggert, was das Zeug hält. Foto: GSCHWÄTZ

 

Für Sie vor Ort: Unsere Mitarbeiterin Elke Brand

Fotos & Videos: GSCHWÄTZ/Elke Brand

 

 




Odyssee nach Künzelsau

Nach dem Pfingstwochenende fing die kurze Arbeitswoche für manch einen Pendler mit Streß an. Von Dienstag, den 11. Juni bis voraussichtlich Sonntag, den 23. Juni 2019, ist die B19 zwischen Künzelsau und Ingelfingen gesperrt. Also fährt man, wenn man nach Künzelsau möchte, die Umleitung über Hermuthausen, Ohrenbach, Amrichshause oder Hermuthausen, Steinbach und Garnberg. Auch LKW-Fahrer müssen diese Strecke nehme. Nun hat man abgesehen von dem Umweg nun auch noch LKWs die auf den schmalen Straßen versuchen unfallfrei aneinander vorbei zu fahren und schon fährt man kurzzeitig im Schneckentempo. Auch wir von der Redaktion rollen jeden morgen die Umleitung entlang. Morgens um kurz nach 7 Uhr haben wir einen Zeitverlust von zirka 20 Minuten.

Bei Steinbach staut sich der Verkehr, da die Straße für LKWs zu schmal ist. Foto: GSCHWÄTZ

Hat man es dann endlich bis nach Künzelsau geschafft, steht man von Amrichshausen kommend am Berg und genießt die Aussicht nach Künzelsau weil sich, dank der Ampel an der Kocherbrücke, der ganze Verkehr den Berg hinauf staut. Aber was will man tun? Zähne zusammenbeißen und sich in Geduld üben?

Wie kann man die Zeit im Stau sinnvoll nutzen? Wir haben in der Redaktion ein bisschen Brainstorming betrieben und sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

  • GSCHWÄTZ lesen
  • seinen Kaffee im Auto trinken
  • sein komplettes Frühstück ins Auto verlagern
  • den Chef fragen ob man Car-Office machen kann
  • die Aussicht genießen
  • Luftpolsterfolie verdrücken um seinen inneren Frieden zu finden

Der Verkehr staut sich aufgrund der Ampel an der Kocherbrücke. Foto: GSCHWÄTZ

Wenn man es bis zur Ampel geschafft hat, hat der Spuk ein Ende.
Foto: GSCHWÄTZ