Ab Freitag, den 09. April 2021, sollen in den Kindertagesstätten von Niedernhall die Kinder zweimal wöchentlich – voraussichtlich montags und donnerstags – mittels eines Schnelltests auf Corona getestet werden. Dies geht aus einem Schreiben von Bürgermeister Achim Beck an die betroffenen Eltern hervor, das unserer Redaktion vorliegt und das auf den 07. April 2021 datiert ist. Der Rathauschef hält die Tests für eine gute Sache. Auf GSCHWÄTZ-Anfrage schreibt er: „Ich persönlich halte das Testen für eine gute Kombination zu allen anderen Maßnahmen. Mein persönlicher Wunsch ist, dass wir schnellstmöglich die pandemische Lage in den Griff bekommen, um zügig zu unserem gewohnten Leben zurückzukommen. Wenn das Testen dazu führt, Infektionsgeschehen rechtzeitig zu erkennen und damit einzelne Einrichtungen vor einer Schließung zu bewahren, dann ist das im Sinne aller Beteiligten, ganz besonders für die Eltern.“
Vorerst Tests bis Pfingsten geplant
Grundsätzlich sollen die Tests freiwillig sein. Die Eltern müssen dazu eine Einverständniserklärung abgeben, weigern sie sich, dürfen ihre Kinder trotzdem in die Kita. Bürgermeister Beck zur geplanten Dauer der Testungen: „Derzeit haben wir eine Testreserve bis zu Beginn der Pfingstferien beschafft. Ob darüber hinaus weitere Testungen stattfinden, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“ Bezahlt werden die Tests zunächst von der Stadtverwaltung. „Bislang ist die Stadt Niedernhall hier in Vorleistung gegangen. Selbstverständlich hoffe ich auf eine Erstattung durch das Land“, schreibt dazu der Rathauschef.
Erzieherinnen weigern sich laut Elternaussagen teilweise
Bei den Tests handelt es sich um den „Hotgen – Coronavirus Antigentest/Schnelltest“, die die Stadtverwaltung von der örtlichen Morstein-Apotheke bezogen hat. Mit diesen soll ein Abstrich im vorderen Nasenbereich vorgenommen werden. Das Kita-Personal soll vorher durch die örtliche Allgemeinarztpraxis Dr. Ehrmann in der Anwendung der Tests geschult werden, sodass diese die Testungen begleiten oder sogar an den Kindern vornehmen könnten. Wie ein betroffener Vater, dessen Kinder die Kita Giebelheide besuchen, uns im Gespräch mitteilte, sollen sich die Erzieherinnen teilweise weigern, die Kinder zu testen. „Die wussten bis zum Abend davor nichts davon und sie sagen, dass die Kita ein sicherer Platz für die Kinder sein soll.“ Er fragt sich nun, ob jetzt externe Tester in die Kita kommen werden.
Tests nur in der Kita
Die Tests sollen ausdrücklich in der jeweiligen Einrichtung erfolgen und nicht zu Hause angewendet werden. Dazu Bürgermeister Beck auf die GSCHWÄTZ-Anfrage: „Wir halten die Tests in der Einrichtung für zielführender. Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko sehen wir hier nicht. Die Testung in den Einrichtungen ist so vorbereitet, dass die Eltern lediglich den Nasenabstrich vornehmen, das pädagogische Personal übernimmt dann die zeitaufwendige Auswertung. Daher müssen die Eltern nicht mit einem zeitraubenden Verfahren rechnen.“
Auswertung durch das Personal
Bürgermeister Beck schlägt in seinem Schreiben an die Eltern folgende Vorgehensweise vor: Die Eltern nehmen die Tests an ihren Kindern unter Begleitung des pädagogischen Personals vor, was nach seiner Einschätzung rund eine Minute dauern dürfte. Nach dem Test verlassen die Eltern die Einrichtung, die Auswertung übernimmt das pädagogische Personal. Sollte ein Kind positiv getestet worden sein, würden die Eltern rund 15 Minuten nach dem Test informiert werden. Sie müssten ihre Kinder wieder aus der Kita abholen.
Widerspruch schon zwei Wochen vorher
Das Vorgehen der Niedernhaller Stadtverwaltung wirft bei betroffenen Eltern Fragen auf. Nach Aussage des betroffenen Vaters wussten auch die Mitarbeiter der Stadtverwaltung zunächst nichts vom Schreiben des Bürgermeisters, als er diesen kontaktieren wollte. Diese Familie hat, so sagt der Vater weiter, bereits zwei Wochen vor dem Bürgermeister-Brief gegen eventuelle Testungen ihrer Kinder widersprochen: „Unsere Kinder werden auf keinen Fall ohne unser Beisein getestet, das habe ich vor zwei Wochen bereits Herrn Beck geschrieben.“ Die Eltern hatten damals schon befürchtet, dass medizinisches Personal „in voller Montur (komplett vermummt) in die Kindergärten gehen und Tests machen. Da würden unsere Kinder von drei Jahren nie mehr schlafen und dann noch die Schmerzen“.
Zeit-Problem
Der Mann betont ausdrücklich, dass er nicht gegen die Tests sei, aber er möchte nicht, dass „die Kinder von irgendwem getestet werden“. Er wolle bei den Tests dabei sein, aber: „Wie stellt er [Bürgermeister Beck, Anmerk. der Redaktion] es sich so kurzfristig vor? Viele Eltern müssen arbeiten, sind alleinerziehend. Wie sollen zum Beispiel wir das machen? Meine Frau arbeitet ab 6.30 Uhr. Um 7 bringe ich die Kinder zum Kindergarten, meine Pflichtarbeitszeit ist ab 7.15, hab dann keine 20 Minuten, Zeit dort zu warten.“
„Aktuell ist uns nicht bekannt, ob Tests in Kitas durchgeführt werden sollen“
Der Widerspruch der Familie ging an Bürgermeister Beck, Landrat Dr. Neth sowie an das Gesundheitsamt. Aus dem Rathaus kam am 30. März 2021 die Bestätigung über den Eingang ihres Widerspruchs. In dem Antwortschreiben der Verwaltung steht: „Aktuell ist uns nicht bekannt, ob – und wenn ja – in welcher Form Tests in den Kindertageseinrichtungen durchgeführt werden sollen.“ Der Vater fragt sich nun: „Am 30.3. ist ihr nichts von Tests bekannt und zwei Tage nach Ostern hat Herr Beck Tests angeschafft und will zwei weitere Tage später testen und zum Widerspruch hat man nur einen Tag Zeit?“ Ob das wohl Absicht gewesen sei, überlegt er.
Impfzwang durch die Hintertür?
Die Gedanken des Vaters gehen aber noch viel weiter: „Bisher waren solche Tests für Hotspots vorgesehen wie in Teilen von Schwäbisch Hall. Niedernhall ist kein Hotspot. Wie viele Fälle gibt es aktuell in Niedernhall? Wie viele davon waren oder sind Kinder?“ Er fragt sich, ob so den Familien gesagt werden solle, dass doch die Kinder Pandemietreiber seien. Und ob den Eltern Angst gemacht werden soll und sie quasi über diesen Umweg zum Testen und zum Impfen gezwungen werden sollen wie später auch die Kinder.
„Dann kann man sich den Test auch sparen“
Auch das weitere Vorgehen nach den Tests sieht der Mann kritisch: Nach dem Test sollen „die Kinder alle zusammen im Gruppenraum warten“. Dann könne man sich nach seiner Ansicht „den Test sparen, wenn dann nämlich eines der Kinder positiv ist, wären alle Kinder K1 und da wäre es sehr spannend, wie lange die Arbeitgeber sowas mitmachen“. Sinnvoller würde er unter diesem Gesichtspunkt finden, „eigene Tests daheim durchzuführen, als alle Kinder zusammen warten zu lassen“. Denn auch: „Was macht man in der Zeit mit den Kindern, dürfen sie wie Kinder spielen oder müssen sie still sitzen und es wird über Corona und Tests erzählt?“ Er befürchtet, dass die Kleinen so nur verängstigt werden. „Von den psychischen Dingen ganz zu schweigen – privat keine Freunde und dann solche Erlebnisse in einem eigentlich sicheren Raum.“
Gespräch mit Bürgermeister Beck
Zwischenzeitlich hatte der Vater ein Gespräch mit Achim Beck, der bedauerte, „dass die Kommunikation in diesem Fall schlecht gelaufen ist“. Was den Vater dennoch verärgert: „Bürgermeister Beck hat mir gesagt, dass er der allgemeinen Gesellschaft unterstellen müsste, dass die Tests zu Hause nicht ordnungsgemäß durchgeführt werden.“ Der Rathauschef soll in dem Gespräch mit dem Vater auch gesagt haben, „dass er sich erst am 31. März für die Tests entschieden habe, nachdem er mit seiner Frau darüber gesprochen hatte“. Und Beck hat sich wohl mit den Bürgermeistern von Forchtenberg und Weißbach abgesprochen. Seiner Aussage dem Vater gegenüber sollen demnächst dort die Kita-Kinder ebenfalls getestet werden.

Schreiben des Bürgermeisters Achim Beck an die Kita-Eltern (Seite 1). Quelle: privat

Schreiben des Bürgermeisters Achim Beck an die Kita-Eltern (Seite 2). Quelle: privat