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Fast 200 Impfungen am Sonntag 7. November in Künzelsau und Öhringen – Intensivbetten im HOK vollständig belegt

Bei den beiden Impfaktionen in Künzelsau und Öhringen konnten  am Sonntag, 07. November 2021, 98 bzw. 93 Personen gegen das Corona-Virus geimpft werden. „Der Anteil der Boosterimpfungen liegt bei etwa 50 Prozent“, sagt G.P. Schneider, der Koordinator der Mobilen Impfteams der SLK-Kliniken. Die SLK-Kliniken haben zwei Impfteams, die bei öffentlichen Impfaktionen oder beispielsweise in Alten- oder Pflegeheimen täglich im Einsatz sind. Heute, am 08. November 2021, sind seine Teams in Lauffen und Billigheim im Einsatz, am morgigen Dienstag stehe ein Pflegeheim auf dem Programm. Schneider sieht sich und seine Impfteams gut vorbereitet, die Dienstleistung werde stark beansprucht. So stark, dass „wir versuchen, vermehrt anzubieten“, berichtet er.

Inzwischen genießen in Baden-Württemberg fast zwei Drittel der Bevölkerung vollen Impfschutz, ein Drittel ist nicht oder unvollständig geimpft. In der Zahl der Ungeimpften sind auch Kinder und Jugendliche enthalten, denen erst seit kurzem ein Impfangebot gemacht wird oder für die es noch gar kein Impfangebot gibt.

Nichtgeimpfte sind im Krankenhaus und den Intensivstationen erheblich überrepräsentiert

Die Zahlen, die das Regierungspräsidium Stuttgart GSCHWÄTZ auf Anfrage genannt hat, zeigen ein deutliches Bild: Insgesamt wurden am 5. November 2021 2.378 Menschen wegen einer COVID-19-Infektion in den baden-württembergischen Krankenhäusern behandelt. Von denen hatten 1.802 keinen oder keinen vollständigen Impfschutz, 576 waren Impfdurchbrüche. Die Gruppe der Ungeimpften, ein Drittel der Bevölkerung, stellt also mehr als 75 Prozent der Covid-Patienten in den Krankenhäusern. Noch deutlicher sieht es bei den Patienten auf Intensivstationen aus: Von 339 Patienten sind 58 Menschen geimpft und 281 ungeimpft – also sind die Ungeimpften sogar mit mehr als 82 Prozent vertreten.

Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: Alle Intensivbetten belegt

Laut DIVI-Intensivregister steht im Hohenloher Krankenhaus Öhringen kein einziges Intensivbett mehr zur Verfügung:

Intensivbelegung Hohenloher Krankenhaus, Stand 08.11.2021. Quelle: intensivregister.de

Die sieben Intensivbetten des Krankenhauses in Öhringen sind sämtlich belegt, zwei davon mit COVID-Fällen. Besser sieht die Situation in den Nachbarkreisen aus: Im Kreis Schwäbisch-Hall sind noch 8 von 44 Intensivbetten frei – dem DIVI-Register wurde kein einziger COVID-Patient gemeldet. Sechs COVID-Patienten werden im Main-Tauber-Kreis intensivmedizinisch behandelt, 17 von 48 Intensivbetten sind dort noch frei. In Stadt und Kreis Heilbronn sind gerade noch 2 Intensivbetten von insgesamt 86 frei, 12 sind von COVID-Patienten belegt.

Krankenhäuser der Region noch nicht durch COVID überbelastet

Noch sind die Krankenhäuser der Region nicht durch COVID übermäßig belastet, die Intensivbehandlung andere Patienten ist noch möglich und wird durchgeführt.

Text: Matthias Lauterer




„Mein herzlicher Dank geht an die Stadt Öhringen – an der Spitze Herr OB Michler – für die herausragende Zusammenarbeit“

Der Regionalleiter der BBT-Gruppe Marc Reggentin hat am Donnerstag, den 25. März 2021, gemeinsam mit der kaufmännischen Direktorin des Hohenloher Krankenhaus, Melanie Junge, den Bauantrag für den Neubau des Hohenloher Krankenhauses bei der Stadt Öhringen eingereicht. Das geht aus einer Pressemitteilung der BBT-Gruppe gemeinsam mit dem Landratsamt des Hohenlohekreises und der Stadt Öhringen hervor.

„Wichtiger Meilenstein“

„Dieser Tag ist für uns als BBT-Gruppe heute ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu einem zukunftweisenden Krankenhausneubau“, betonte Marc Reggentin bei der Überreichung der mehr als 30 Aktenordner an Öhringens Oberbürgermeister Thilo Michler. „Wir schaffen hier ein Krankenhaus der Zukunft  mit intelligenter Raumnutzung, moderner Technik und kurzen Wegen, das die hochwertige medizinische Versorgung der Menschen in Hohenlohe auf Jahre hinaus wohnortnah sicherstellt.“ Er sei zuversichtlich und stolz, dieses wichtige Projekt nun einen weiteren wichtigen Schritt voranbringen zu können.

Mehr als 30 Aktenordner

Reggentin dankte Landrat Dr. Matthias Neth und dem Oberbürgermeister Thilo Michler für die gute Zusammenarbeit in den zurückliegenden Monaten. „Der Hohenlohekreis und die Stadt Öhringen sind für uns zentrale Partner, die uns bereits bei den gesamten Vorarbeiten und Planungsgesprächen unterstützt haben. Nur mit solch verlässlichen Partnerschaften lässt sich ein Projekt in dieser Größenordnung verwirklichen“, so der BBT-Regionalleiter.

„Krankenhaus der Zukunft mit intelligenter Raumnutzung“

„Ich bin der festen Überzeugung, dass das neue Krankenhaus in Öhringen die optimale Lösung ist, um die medizinische Versorgung aller Hohenloher:innen auch in Zukunft sicherzustellen“, erklärte auch der Landrat des Hohenlohekreises Dr. Matthias Neth.  „Wir bleiben auf Kurs, indem wir den Standort Öhringen jetzt fachlich und im Angebot stärken und weiterentwickeln und gleichzeitig den Neubau entschlossen vorantreiben. Wir bleiben im Zeit- und Kostenplan, die Planung hat eine hohe Qualität – es wird ein sehr gutes Krankenhaus entstehen. Es ist ein guter Tag für die Menschen im Hohenlohekreis. Mein herzlicher Dank geht an die Stadt Öhringen – an der Spitze Herr OB Michler – für die herausragende Zusammenarbeit bei der bisherigen Planung und Abstimmung, an unsere Geschäftsführung, hier insbesondere an die Kaufmännische Direktorin Melanie Junge, die dieses Projekt konsequent in hoher Qualität und mit viel Herzblut vorangetrieben hat und an das Land Baden-Württemberg für die erfreuliche Krankenhausförderung.“

„Mein herzlicher Dank geht an die Stadt Öhringen – an der Spitze Herr OB Michler – für die herausragende Zusammenarbeit“

Die Pläne für den Neubau des Hohenloher Krankenhauses wurden im vergangenen Jahr laut der BBT-Gruppe in intensiven Nutzergesprächen mit Ärzten, Pflegenden und allen beteiligten Bereichen weiter konkretisiert und überarbeitet. Nach der Zustimmung des Aufsichtsrats der BBT-Gruppe sowie der Gesellschafterversammlung der Hohenloher Krankenhaus gGmbH konnten die Pläne bereits im Januar und Februar im Rathaus in Öhringen eingesehen werden und wurden auch beim virtuellen Neujahrsempfang der Stadt Öhringen öffentlich vorgestellt.

Gesundheitscampus für Öhringen

„Wir freuen uns erstmalig ein Projekt dieser Größenordnung baurechtlich begleiten zu dürfen und somit zum Gelingen des Vorhabens beitragen zu können“, sagte Oberbürgermeister Thilo Michler. „In der Gemeinderatssitzung diese Woche haben wir mit dem Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan Gesundheitscampus bereits den gesetzlichen Auftakt für den Neubau gegeben. Wir als Stadt Öhringen unterstützen das Projekt vollumfänglich und ziehen mit allen Beteiligten an einem Strang. Gerade jetzt in Zeiten der Pandemie haben wir gesehen, wie wichtig Investitionen im Gesundheitsbereich sind“, so Öhringens Oberbürgermeister.

Für die Prüfung des Bauantrags sind sechs Monate angesetzt

Für die Prüfung des Bauantrags sind etwa sechs Monate angesetzt. Hier erklärt Stadtbaumeister Kai Langenecker: „Aufgrund der Vorgespräche mit dem Bauherrn und seinen Fachplanern sind wir zuversichtlich, zusammen mit den zu beteiligenden Fachbehörden im Hause, im Landratsamt und im Regierungspräsidium Stuttgart zügig eine Genehmigung erteilen zu können. Nach Entgegennahme der Unterlagen ist es unsere erste Aufgabe die Vollständigkeit zu überprüfen und falls notwendig den Bauherrn um Nachreichung entsprechender Unterlagen zu bitten. Dann werden die Fachbehörden, wie z.B. das Gesundheitsamt, die Gewerbeaufsicht, der Kreisbrandmeister oder im RP Stuttgart das Referat für Denkmalpflege gehört und um entsprechende Stellungnahmen gebeten. Wenn diese alle vorliegen und die Nachbaranhörung, die selbstverständlich auch durchgeführt wird, abgeschlossen ist, liegt es dann an uns die Genehmigung fertig zu machen.“

205-Bettenhaus soll entstehen

Geplant ist ein 205-Bettenhaus, das mit seinem medizinischen Behandlungsspektrum die Grund- und Regelversorgung in den Fachbereichen der Chirurgie und Inneren Medizin sichert und darüber hinaus mit zusätzlichen spezialisierten Versorgungsangeboten ein breites medizinisches Leistungsprofil abdeckt. Dazu gehören etwa die Geburtshilfe, die Diagnostik und Therapie von Herz-Kreislauferkrankungen u.a. im modernen Herzkatheterlabor, die Behandlung von Schlaganfallpatienten in der zertifizierten Stroke Unit, die moderne Endoprothetik sowie die hohe diagnostische und therapeutische Kompetenz bei Magen- und Darmerkrankungen und natürlich die rasche Notfallversorgung in einem interdisziplinären Notfallzentrum.

„Krankenhaus der kurzen Wege“

„Bei allen Überlegungen steht für uns der Patient im Mittelpunkt und alle Wege, die er während eines ambulanten oder stationären Aufenthalts im Krankenhaus durchläuft“, betont die kaufmännische Direktorin Melanie Junge. „Um diese Abläufe und die Bedürfnisse des Patienten herum konzentrieren sich die verschiedenen Räume und Funktionsbereiche. Daraus ergibt sich ein Krankenhaus der kurzen Wege für Patienten, Mitarbeitende und Besucher.“

Das Gebäude wird aus einem rechteckigen Kubus bestehen, der sich um zwei Lichthöfe im Inneren gruppiert und so Tageslicht in allen Patientenzimmern sowie in den Therapie- und Aufenthaltsräumen ermöglicht. Es erstreckt sich über insgesamt vier Stockwerke sowie ein Kellergeschoss für Funktionsräume und Technik.

Wann das Krankenhaus fertig sein soll, darauf wird nicht näher eingegangen

Im Erdgeschoss soll sich dann das Diagnostik- und Ambulanzzentrum befinden: neben der interdisziplinären Notaufnahme ist hier die radiologische Diagnostik mit MRT, CT und konventionellem Röntgen konzentriert. Funktionsdiagnostik mit EEG, Herz-Echo, Sonographie und Endosonographie an, die zugleich den Übergang zu den Ambulanzen bildet. Großzügige Wartezonen sowie die Untersuchungszimmer und Funktionsräume können von verschiedenen Abteilungen gemeinsam genutzt werden. Ein großzügiger Gastronomiebereich am Eingang lädt Patienten, Besucher, Mitarbeiter und Gäste zum Verweilen ein.

Ambulanz, OP-Räume und Therapieräume

Im 1. Stock sollen Räume für Operationen geschaffen werden, für invasive Eingriffe und Interventionen sowie die dazugehörige intensivmedizinische Überwachung sind hier konzentriert. Mehrere Operationssäle mit moderner Ausstattung, dazu das Herzkatheterlabor und die Überwachungsstation für Herzinfarkt- und Schlaganfallpatienten liegen in enger Verbindung nebeneinander. Hinzu kommen vier neue Kreißsäle – einer mehr als bisher – für die Geburtshilfe.

Das zweite und dritte Stockwerk sollen der Pflege der stationären Patienten gewidmet werden. Im Neubau wird es laut der BBT-Gruppe nur noch Ein- oder Zweibettzimmer geben. Alle Patientenzimmer haben große Fenster für viel Tageslicht und verfügen jeweils über ein eigenes Bad mit Dusche und WC. „Hier können wir allen Patienten einen sehr guten Standard anbieten“, unterstreicht Junge. Daneben sind spezielle Therapieräume zum Beispiel für die Behandlung älterer mehrfach erkrankter Patienten in der Geriatrie vorgesehen. Im dritten Obergeschoss bietet eine Komfortstation auf Wunsch zusätzliche Annehmlichkeiten.

„Schon in den vergangenen Monaten hat das Projektteam bei den verschiedenen erforderlichen Gutachten eng mit den Genehmigungsbehörden zusammengearbeitet, um alle Auflagen in Sachen Umweltverträglichkeit, Klimaschutz und Emissionen zu erfüllen“, erläutert Marc Reggentin. „Viele Gedanken haben wir uns auch um die künftigen Verkehrswege und das mit dem Neubau verbundene höhere Verkehrsaufkommen gemacht und hier gemeinsam mit der Stadt Öhringen eine sehr gute Lösung für das gesamte Quartier gefunden: Das Kubiz-Gebäude am Eingang zur Kastellstraße wird abgerissen und an dieser Stelle soll ein Parkhaus errichtet werden, das den Autoverkehr aufnehmen kann, bevor dieser überhaupt das Wohngebiet erreicht. Damit können sämtlich Parkplatzprobleme, insbesondere auch die Parksituation an der gewerblichen Schule aufgefangen werden.“

Der Neubau soll im vorgegebenen Kostenrahmen blieben – was genau das bedeutet, wird nicht genannt

Insgesamt bleibe es bei dem geplanten Krankenhausneubau bei dem ursprünglich vorgegeben Kostenrahmen, so Reggentin. Wie hoch die Kosten nun genau sein sollen – immerhin gab es in der Vergangenheit hierzu ganz unterschiedliche Aussagen – wird nicht genannt. Nur so viel sagt die BBT:

„Um unabsehbare Kostensteigerungen zu vermeiden, haben wir die Firma VAMED als Partner sowohl für die Planung als auch für die Umsetzung des Projekts ins Boot geholt.“ Als international renommierter Spezialist für den Neubau von Kliniken ist VAMED u.a. für die Charité in Berlin, die Uniklinik Köln und die Unikliniken Schleswig-Holstein tätig. „Mit dem sog. Partnering-Verfahren haben wir die Voraussetzung für Kostentransparenz und finanzielle Planungssicherheit geschaffen“, ist sich die BBT-Gruppe sicher.

Vor dem Bauantrag fanden monatelange Grabungen statt, weil auf dem Neubaugelände Teile eines alten Römerkastells gefunden worden sind. Kritiker monierten, dass daher an dieser Stelle ein Neubau kaum möglich sei.

Über den Stand der archäologischen Grabungen äußerte sich die BBT-Gruppe bislang nicht.

30 Aktenordner umfasst das Baugesucht. Foto: BBT-Gruppe / Landratsamt des Hohenlohekreises / Stadt Öhringen

 




„Daher kann man aktuell nicht von einer Entlastung für das ärztliche und pflegerische Personal sprechen“

Bundesweit sind die Inzidenzwerte der Neuinfektionen in den Wochen des Lockdowns gesunken, auch in Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis war dieser Abschwung vor dem neuen Ausbruch bereits spürbar.

DIAK: „Die Belegungszahlen sind stabil“

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern haben davon allerdings noch wenig gespürt, da sich der Abschwung erst zeitversetzt in den Behandlungzsahlen wiederspiegelt: „Die Belegungszahlen sind stabil. Auch wenn die allgemeinen Inzidenzzahlen derzeit sinken, wird sich eine Entlastung unserer Mitarbeitenden erst verzögert einstellen“, sagt Markus Wagner, Pressesprecher des DIAKONEO-Verbunds,zu dem auch das DIAK in Schwäbisch Hall gehört. Und er fügt hinzu: “ wenn die Ansteckungsrate niedrig bleibt.“ Im DIAK waren am 17. Februar 2021 „15 Patienten mit einer Corona-Infektion und zwei Patienten mit Verdacht auf eine Infektion stationär aufgenommen. Drei davon werden intensivmedizinisch betreut, zwei davon beatmet“, so Wagner. Am 17. Februar hat das  DIAK 6 freie Intensivbetten an das DIVI-Zentralregister gemeldet.

Britische Variante auch in den Krankenhäusern der BBT-Gruppe

„Im Hohenloher Krankenhaus werden zurzeit täglich im Schnitt 10 bis 15 Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion bzw. positiv getestete Patienten behandelt, darunter in der Regel 2 bis 3 auf der Intensivstation“, teilt Ute Emig-Lange, Leiterin Unternehmenskommunikation der BBT-Gruppe, mit. Weiter sagt sie: „Im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim liegt die Zahl der COVID-19-Patienten sowie der Corona-Verdachtspatienten insgesamt bei etwas mehr als zehn. In beiden Krankenhäusern sind auch schon Fälle mit der so genannten britischen Variante aufgetreten.“

HK: „Bestenfalls ein paar wenige Tage zum Durchatmen“ für das Personal

Auch im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen gibt es für das Personal noch keine Entspannung, wie Dr. Werner Reinosch, ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus, betont: „Durch die Ausbrüche in verschiedenen Firmen in der Region ist der Hohenlohekreis und auch der Landkreis Schwäbisch-Hall – wieder einmal – zum Hotspot geworden. Erfahrungsgemäß kommen die schweren Krankheitsverläufe dann etwa zehn bis 14 Tage später zu uns ins Krankenhaus. Wir bleiben daher in Bereitschaft und für das Personal gibt es wahrscheinlich bestenfalls ein paar wenige Tage zum Durchatmen.“  Am 20. Februar 2021 meldete das DIVI-Intensivregister ein freies Intensivbett am Hohenloher Krankenhaus.

Sicherheitsmaßnahmen im HK weiterhin hoch

Reinosch beschreibt die Sicherheitsmaßnahmen für Patienten und Personal im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: „Wir testen alle Patienten vor der stationären Aufnahme mit einem PCR-Test, zusätzlich werden sie einmal pro Woche mit einem Antigen-Schnelltest auf Corona abgestrichen. Auch das gesamte Personal wird regelmäßig wöchentlich getestet, bei Verdacht auf ungeschützten Kontakt – etwa wenn das Testergebnis eines Notfall-Patienten erst nachträglich bekannt wurde – werden zusätzliche Tests angeordnet. Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion werden auf einer separaten Isolierstation aufgenommen, getrennt von den übrigen Patienten, die wir natürlich nach wie vor behandeln. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im patientennahen Bereich tragen FFP2-Masken, auch alle ambulanten Patienten müssen FFP2-Masken tragen. Dies gilt ebenfalls für Rettungssanitäter oder Polizisten, wenn sie das Krankenhaus betreten. Die in besonderen Ausnahmefällen zugelassenen Besucher, z.B. bei sterbenden oder schwerstkranken Patienten, müssen einen negativen Antigentest vorweisen, der nicht älter ist als 48 Stunden und zusätzlich ebenfalls FFP2-Masken aufsetzen. Mit diesen Maßnahmen, versuchen wir – gerade auch mit Blick auf die hoch ansteckenden neuen Mutationen – Corona-Infektionen soweit wie irgend möglich zu verhindern.“

Umfangreiche Schutzmaßnahmen auch wegen britischer Mutante

„Dies ist in unseren Krankenhäusern inzwischen Standard“, unterstreicht der ärztliche Direktor des Caritas-Krankenhauses, Dr. Ulrich Schlembach: „Gerade mit Blick auf die auch bei uns in der Region aufgetreten Virusmutationen gehe ich davon aus, dass wir unsere umfangreichen Schutzmaßnahmen im Krankenhaus noch einige Zeit beibehalten werden.“

Auch eine hohe Zahl an Patienten mit anderen schweren Erkrankungen und zahlreiche Notfälle

Auch im Caritas-Krankenhaus sinkt die Belastung für das Personal nicht: „Im Caritas-Krankenhaus behandeln wir neben den Corona-Patienten zur Zeit eine hohe Zahl an Patienten mit anderen schweren Erkrankungen und zahlreiche Notfälle, so dass die Intensivstationen im Haus trotz der rückläufigen Zahl an COVID-19-Patienten stark belegt sind. Daher kann man aktuell nicht von einer Entlastung für das ärztliche und pflegerische Personal sprechen“, sagt Schlembach.

Impfungen für Krankenhauspersonal weit fortgeschritten

Im Hohenloher Krankenhaus sind bereits mehr als 200 Mitarbeiter:innen geimpft: „Damit sind die Mitarbeitenden der ersten Prioritätsstufe weitgehend geimpft – eine große Erleichterung im täglichen Umgang mit Corona-Patienten. Allerdings müssen bis auf Weiteres alle oben genannten Hygienemaßnahmen, wie Maskentragen, Abstandhalten, Tests etc. von den Mitarbeitenden eingehalten werden – denn noch wissen wir nicht, ob die Infektion trotz Impfung weitergegeben werden kann.“, so Dr. Reinosch.

„Alle Impfstoffe schützen sehr gut vor schweren Komplikationen“

Auch in Bad Mergentheim sind rund 200 Mitarbeiter:innen geimpft: „Und seit dieser Woche wissen wir, dass wir zusätzlich Impfdosen von AstraZeneca erhalten werden.“ Dr. Schlembach betont: „Auch wenn hier die Wirksamkeit etwas niedriger angegeben wird – entscheidend ist: Alle Impfstoffe, die bisher in großen Studien getestet und zugelassen wurden, schützen sehr gut vor schweren Komplikationen. In den Studien musste nicht eine vollständig geimpfte Person wegen COVID-19 ins Krankenhaus, keine einzige starb. Daher sind wir froh, unseren Mitarbeiter:innen nun weitere Impfungen anbieten zu können. Das Interesse daran ist nach wie vor sehr hoch, und noch sind nicht alle Kolleg:innen  der ersten Priorität durch eine Impfung geschützt.“

Im DIAK kann die Impfung der Stufe 2 beginnen – wenn der Impfstoff kommt.

„Am Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall sind bisher 350 Mitarbeitende der höchsten Priorität mit einer ersten Impfung versorgt worden“, teilt Thomas Wagner mit: „Für die Mitarbeitenden der Priorität 2 erwarten wir täglich die vom Sozialministerium angekündigte Impfstofflieferung.“

Text: Matthias Lauterer

Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Bild: BBT-Gruppe

Dr. Ulrich Schlembach, Ärztlicher Direktor Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim. Bild: BBT-Gruppe

 




Nach rund einem Jahr ist Schluss

Das Personalkarussell im Krankenhaus Öhringen dreht sich weiter. Helmut Munz ist nicht länger Pflegedirektor am Hohenloher Krankenhaus (HK).

Im Juli 2019 verließ zunächst Thomas Weber das Hohenloher Krankenhaus. Er war Mitglied der Regionalleitung der BBT-Gruppe am Standort Öhringen. Ihm folgte im Oktober 2019 Alexander Hoß, der als kaufmännischer Direktor tätig war. Zuletzt kündigte Chefarzt Dr. Kühn und verließ Ende März diesen Jahres das Hohenloher Krankenhaus. Nun folgt eine weitere Änderung im Direktorium des Öhringer Krankenhauses.

Am 27. April 2020 wurden die Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses darüber schriftlich informiert, dass Helmut Munz nicht länger die Funktion als Pflegedirektor ausüben wird.

Munz für den Datenschutz zuständig

In dem Schreiben an die Mitarbeiter heißt es unter anderem, dass Helmut Munz nach Absprache mit der Regionalleitung und dem Direktorium seinen Schwerpunkt auf die Arbeiten im Qualitätsmanagement setzen wird und zusätzlich als Datenschutzbeauftragter tätig sein soll. Diese Aufgaben soll er künftig für alle Bereiche des Hohenloher Krankenhauses und seinen Einrichtungen durchführen.

Helmut Munz war als Pflegedirektor Teil der Führungsspitze, die im Februar 2019 im Krankenhaus Öhringen feierlich eingesetzt wurde. Helmut Munz ist seit vier Jahrzehnten Mitarbeiter des Hohenloher Krankenhauses und war in dieser Zeit mit unterschiedlichsten Aufgaben und Funktionen betraut.

Mit der Abgabe seiner Verantwortung als Pflegedirektor gehört Helmut Munz nicht länger zur oberen Führungsebene des Krankenhauses Öhringen.

Als Pflegedirektor hatte Helmut Munz unter anderem organisatorische und verwaltende Tätigkeiten und war Hauptansprechpartner für den Pflegebereich.

Ein knappes Jahr später, nach Einsetzung von Helmut Munz als Pflegedirektor, ist diese Stelle nun wieder vakant.

Aus dem Schreiben an die Mitarbeiter geht hervor, dass die Stelle des Pflegedirektors zeitnah ausgeschrieben werden soll.

Text: Carla Mosel

 

 

 




„Jetzt zählt jedes Bett“ – Aufrüstung des Krankenhausgebäudes in Künzelsau – Dr. Andreas Kühn, Chefarzt im HK, im großen Interview

„Schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden“

Dr. Andreas Kühn ist noch bis 01. April 2020 Chefarzt und stellvertretender ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus (HK). Er ist Facharzt für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie. Zusätzlich ist er derzeit noch der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes Hohenlohe und Vorsitzender der Ärzteschaft Künzelsau. Dr. Andreas Kühn wurde am 04.11.1969  geboren, ist verheiratet und hat zwei Kinder im Alter von zwölf und 14 Jahren. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann sprach mit Dr. Kühn über die Corona-Pandemie.

Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden

GSCHWÄTZ: Herr Kühn, angesichts der Coronapandemie und der bezeichnenden Lage im so genannten Hotspot Hohenlohe – Könnten Sie sich vorstellen, nicht ab 01. April 2020 das Krankenhaus zu verlassen, sondern noch länger in dieser Krise als Arzt für das HK zu arbeiten?

Kühn: Ich bin Intensivmediziner und Anästhesist. Das sind genau die Menschen, die man jetzt braucht. Wenn man mich braucht, bin ich auch da in so einer angespannten Situation. Leider ist unser Ärztehaus in Schloss Stetten für die Krise nicht rechtzeitig fertig geworden.

GSCHWÄTZ: Ärzte aus dem Hohenlohekreis nehmen derzeit die Abstriche der Verdachtsfälle in der Abstrichstelle in Belzhag.

Kühn: Hausärzte von hier sind in Belzhag, die sich in ihrer eigenen Praxis frei machen für einige Stunden im stetigen Wechsel. Die kassenärztliche Vereinigung stellt eine medizinische Fachangestellte und man kann noch selbst eine Kraft zur Unterstützung aus der eigenen Praxis mitbringen. Eventuell bleibt dann die Praxis währenddessen zu, wenn man keine Gemeinschaftspraxis hat.

Ganzkörperschutzoverall anstatt „Norovirenkittelchen“

GSCHWÄTZ: Haben Sie selbst auch schon Abstriche vorgenommen? Wenn ja, hat man als Arzt Angst, sich anzustecken? Immerhin sind ja schon einige Ärzte erkrankt.

Kühn: Ich habe Abstriche gemacht, als die Abstrichstelle noch am Gesundheitsamt war, aber Angst vor einer Ansteckung habe ich nicht wirklich, denn ich weiß, wie man sich professionell schützt. Ich hatte einen weißen Ganzkörpervollschutzoverall (kein „Norovirenkittelchen“), Kategorie 3, an, eine Maske (FFP3–Mundschutz) und ein großes Schutzvisier, doppelte Handschuhe, so war alles geschützt, auch der Hals, da guckt kein bisschen Haut raus. Aber es ist unangenehm, damit zu arbeiten, weil es ist heiß darunter ist.

Bergamo ist in seiner Größe vergleichbar mit dem Hohenlohekreis

GSCHWÄTZ: Ihre Schmerztherapie-Praxis hat weiterhin geöffnet, weil ihre Patienten angewiesen sind auf die Behandlungen und Medikamente. Was tun sie, um dabei volle Wartezimmer zu vermeiden?

Kühn: Ich biete jetzt Videosprechstunden an und schicke Rezepte per Post. Darüber hinaus bestelle ich die Menschen einzeln in meine Praxis und lasse kein Wartezimmer volllaufen. Ich arbeite immer mit Handschuhen und Mundschutz, meine Angestellten tragen auch Mundschutz und Handschuhe im Umgang mit Patienten. Viele sagen derzeit aber auch ihre Termine ab aus Angst, sich anzustecken. Meine Frau ist Gynäkologin, in diesem Bereich verschieben gerade auch viele ihre Vorsorgetermine. Aber natürlich kann es dann passieren, dass wir nach der Krise einen Rattenschwanz aufzuarbeiten haben.

GSCHWÄTZ: Keiner von uns hat eine derartige Ausnahmesituation, eine Pandemie, jemals erlebt. Unter- oder übertreiben wir dabei in unserem Tun?

Kühn: Wenn uns so etwas passiert wie in Bergamo, das eine vergleichbare Größe wie der Hohenlohekreis aufweist, wenn man die Einwohnerzahl von 120.000 betrachtet, mit aktuell 800 und bald vermutlich 1.000 Toten, dann kämen wir bald an eine Letalitätsrate [Anm. d. Red.: Sterberate] von einem Prozent auf die Gesamtbevölkerung (nicht nur der Infizierten). Wenn man das auf Gesamtdeutschland überträgt mit rund 82 Millionen Einwohnern, dann wären das 820.000 Tote. Nicht zu vergessen: Die Intensivstationen in Bergamo sind sehr gut ausgestattet un ganz abgesehen davon, dass der Höhepunkt hier noch nicht erreicht ist.

„Uns entgehen die ganzen Symptomlosen“, die nicht getestet werden

GSCHWÄTZ: Hat Deutschland zu spät reagiert?

Kühn: In Südkorea werden nicht nur Menschen mit Symptomen getestet, sondern auch äußerlich gesunde Menschen und darunter waren einige positiv Getestete. Uns entgehen die ganzen Symptomlosen und dadurch verbreitet sich der Virus weiter. Wer sowieso schon Grippesymptome aufweist, geht in der Regel nicht mehr so auf die Straße und steckt andere an, wie jemand, der sich gesund fühlt, aber Corona hat.

GSCHWÄTZ: Durch den Engpass an Teststäbchen werden derzeit auch nicht mal mehr alle mit Symptomen getestet und den Ärzten obliegt es, hier eine korrekte klinischeDiagnose zu treffen. Ein schier unmögliches Unterfangen, oder?

Kühn: Es ist ganz einfach: Wenn jemand derzeit Grippesymptome hat, muss er zu Hause in Quarantäne bleiben. Dann meldet der Arzt ihn als möglichen Coronaverdacht. Der Abstrich wird nur noch gemacht, wenn er ins Krankenhaus muss und er dadurch in Kontakt mit anderen Menschen kommt.

Stichwort Krankenhaus Künzelsau: „Jetzt zählt jedes Bett“

GSCHWÄTZ: Das Krankenhaus Künzelsau wurde am 15. November 2019 geschlossen. Kurz darauf breitete sich in China die Corona-Epidemie rasant aus. Anfang 2020 traf es auch Deutschland. Aus einer Epidemie wurde eine Pandemie. Wie viele Krankenhausbetten entgehen uns derzeit durch das Sparen im Krankenhaussystem in den vergangenen Jahren?

Kühn: Vor der Krise war die Aussage von dem baden-württembergischen Sozialminister Manfred Lucha, dass man von 5,5 auf 4,4 Krankenhausbetten auf 1.000 Einwohner reduzieren wolle. Im Vergleich: Japan hat 13,9 Betten auf 1.000 Einwohner, also rund dreimal so viel. In Hohenlohe gab es bereits vor der Schließung lediglich 2,5 Krankenhausbetten, nach der Schließung des Krankenhauses Künzelsau waren es noch 1,7 Betten auf 1.000 Einwohner. Jetzt zählt jedes Bett und besonders die Intensivbetten mit Beatmung bei den schweren Corona-Verläufen.

GSCHWÄTZ: Wie ist der Hohenlohekreis hier derzeit aufgestellt?

Kühn: In Öhringen gibt es 12 Beatmungsplätze pro 110.000 Einwohner – wenn man die Narkosegeräte noch mit dazu zählt. Der Bundesdurchschnitt liegt hier rund dreimal so hoch bei 34 Beatmungsplätzen pro 100.000 Einwohner. Man darf dabei auch nicht vergessen: Jedes der 140 Betten im Künzelsauer Krankenhaus hätte Sauerstoffversorgung gehabt für die leichteren Fälle. Aber das jetzt auf die Schnelle wieder hochzuziehen, wird sehr schwierig werden. Jetzt sieht man mal, was passiert, wenn man auf viele Jahre das Gesundheitswesen auf Effizienz trimmt. Das reicht halt für eine Pandemie nicht.

„Entweder es gibt eine schnelle Durschseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das in die Länge und kriegen bestmögliche Versorgungsbedingungen hin

GSCHWÄTZ: Was denken Sie, wie lange die Pandemie uns in Atem halten wird?

Kühn: Entweder es gibt eine schnelle Durchseuchung und katastrophale Verhältnisse oder wir ziehen das dementsprechend in die Länge und kriegen bestmögliche Bedingungen für die Versorgung hin, das dauert dann zwar auch dementsprechend länger, aber es werden weniger sterben. Also daher bitte ich jeden, zu Hause bleiben, damit die Kapazitäten ausreichen, damit alle bei Bedarf eine ausreichende Beatmungstherapie bekommen.

GSCHWÄTZ: Eine Herausforderung auch für die Ärzte.

KÜHN: Das sind schwere ethische Entscheidungen, vor denen wir stehen werden und vor denen wir Angst haben. Was macht man beispielsweise, wenn die Intensivstation voll ist mit Menschen über 80 Jahren und dann kommt ein 40-Jähriger, der ebenfalls beatmet werden muss?

Wie konnte Hohenlohe Corona-Hotspot werden?

GSCHWÄTZ: Hohenlohe ist der Corona-Hotspot in Deutschland mit den offiziell am meisten Infizierten pro Kopf, geht man von der offiziellen Zahl aus. Haben Sie eine Erklärung dafür?

Kühn: Man weiß mittlerweile anhand von diversen Beispielen, dass sich viele bei öffentlichen Veranstaltungen angesteckt haben. Daraus kann man schließen, dass man sich ziemlich schnell und leicht anstecken kann mit dem Virus. Zur Zeit des Rebenglühens Anfang März 2020 hat man diesen Virus in Hohenlohe noch nicht so richtig ernst genommen.

„Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann“

GSCHWÄTZ: Wie gehen Sie privat mit der Krise um?

Kühn: Ich gehe persönlich nicht mehr einkaufen im Supermarkt, nur noch im Monat einmal, dann aber kaufe ich viel. Ein guter Tipp aus meiner Zeit, als ich in Kalkutta als Medizinstudent war, beherzigen wir jetzt auch wieder: schälen, kochen oder wegwerfen. Sprich: Wir kaufen derzeit nur Obst und Gemüse, das geschält oder gekocht werden kann.

Herr Kühn, vielen Dank für das Gespräch.

 

 

Seit Anfang dieser Woche rüstet das THW das ehemalige Krankenhaus in Künzelsau auf. Foto: GSCHWÄTZ vom 26.03.2020

Anbei veröffentlichen wir die aktuellen Corona-Zahlen des Sozialministeriums Baden-Württemberg (26. März 2020). Derzeit gibt es offiziell 8.441 Fälle und 76 Todesopfer. 302 Coronafälle weist der Hohenlohekreis dabei auf:




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




HK-Toilette „beliebter Anlaufpunkt für jedermann“

Ein verwaister Eindruck hinterlässt das Krankenhaus in Künzelsau seit seiner Schließung am 15. November 2019. Doch es gibt noch Leben darin. Der so genannte Notarzt im Sitzdienst hat dort seine Räume, auch Dr. Andreas Kühn ist mit seiner Praxis noch vor Ort, eine Fußpflegerin und eine weitere Praxis. Der Empfang allerdings wirkt relativ verwaist. Mehrere der Redaktion namentlich bekannte Quellen berichteten GSCHWÄTZ, dass sie den Empfang leer vorgefunden haben. Auch wir von GSCHWÄTZ waren daraufhin mehrmals im HK-Gebäude und fanden die Rezeption mit dem aktiven Steuerungsboard verwaist vor.

An sich wäre das nicht so dramatisch, gibt es ja dort auch keinen laufenden Betrieb mehr. Problematisch sehen es diese Quellen nur, dass der Empfang sogleich das Bedienpult bereithält für die „Infrastruktur“ des Gebäudes. „Aus den Tastenbeschriftungen im Steuerpult geht hervor, dass Unbefugte und Böswillige bei einer unbesetzten Rezeption mit wenigen Handgriffen über die Theke
die gesamte HK-Elektro-Struktur, einschließlich Störungsstelle, Türen und Lüftung lahm legen könnte“, so eine Quelle. „So viel mangelnde Sicherheit sollte nicht akzeptiert werden.“

„Das WC dort ist inzwischen beliebter Anlaufpunkt für die ganze Umgebung“, so eine weitere Quelle. „Hier muss wieder eine Aufsichtsperson Dienst tun“, werden Forderungen laut.
„Dies besonders in einer Zeit mit häufigem Vandalismus, wobei wir dringend auf die rasche Weiternutzung der verbliebenen HK-Einrichtungen in Künzelsau warten.“

Eine Stellungnahme der BBT-Gruppe als Mehrheitseigner des Krankenhauses hierzu steht noch aus.

Empfang im ehemaligen Künzelsauer Krankenhaus. Foto: privat

 

 

 




Was Gscheits muss her und koin halbgorener Scheiss“ – Die alt Fraa zum Rettungsdienst light und Notarzt light in Künzelsau

„Schbare im Gesundheitswese isch ä subber Sach“ – GSCHWÄTZ hat mit der alt Fraa von drobbe de Höh‘ am Tag der Schließung des Künzelsauer Krankenhauses gesprochen. Wir haben sie unter anderem gefragt, wo sie künftig nun mit ihrer Blasenentzündung hingeht. Die 150-Jährige freut sich jetzt erst einmal auf das Hospiz, das ihr in der Kreistagssitzung versprochen wurde.

Auch die Ausstattung der Rettungswägen mit neuer Software findet sie viel besser als in Personal zu investieren. Denn: „Wer braucht heutzutoog noch Mensche im Gesundheitswese? Die Steiergelder gehöre gscheit inveschtiert und zwar in Berater – so wie in de vergangene Jahre a.“ Die alt Fraa erinnnert dabei unter anderem an die mehrere 100.000 Euro teure Beratung hinsichtlich der Entscheidung, wie es mit dem Hohenloher Krankenhaus weitergehen soll. Die Entscheidung fiel am Ende gegen den Standort Künzelsau und für einen Neubau in Öhringen. Der Künzelsauer Krankenhausstandort wurde am vergangenen Freitag, den 15. November 2019, geschlossen, während mit dem Neubau in Öhringen noch nicht einmal begonnen wurde.

Mit der Schließung des Krankenhauses in Künzelsau sollte es auch einen stärkeren Rettungsdienst geben. Bereits 2017 wurden Personal- und Fahrzeugengpässe bekannt (wir berichteten) und auch die Hilfsfristen, wonach die Rettungsfahrzeuge nach maximal 15 Minuten (eigentlich maximal 12 Minuten) am Unfallort sein sollten, wurde oft nicht eingehalten. Doch derzeit spricht der Kreistag und die BBT-Gruppe lediglich von einer Aufwertung der Rettungsdienstfahrzeuge hinsichtlich  einer Software, mit der Daten von Patienten schneller an die Krankenhäuser übertragen werden sollen. Diese Software betiteln die Beteiligten als „Telemedizin“.

Auch zum Thema Notarzt im Sitzdienst in Künzelsau, der nun kommen soll, der aber laut diversen Kreisräten über fast keine Handlungsspielräume verfügt, hat sich die alt Fraa auch klar positioniert: „Des isch wie mit em gute Bier. Ä light Bier bringt halt a nix. Wenn dann muss es was Gscheits sei und koin halbgorener Scheiss.“ Also vielleicht doch nochmal etwas mehr Geld in die Hand nehmen, um das Gesundheitswesen gesund zu halten, liebe Lokalpolitiker?

Das Video wurde am letzten Tag gedreht, als das Krankenhaus Künzelsau noch offen hatte, am Freitag, den 15. November 2019.

Für Euch vor Ort: GSCHWÄTZ – Das Magazin | Wir lieben uns Ländle | www.gschwaetz.de |

Die alte Fraa von drobbe de Höh‘ am Krankenhaus Künzelsau am Tag der Schließung. Foto: privat



 




Last man standing – Wie die letzten Patienten im Künzelsauer Krankenhaus die Schließung erleben

Am Freitag, den 15. November 2019 ist es soweit: Das Hohenloher Krankenhaus (HK) in Künzelsau schließt. Der erste Stock des Gebäudes ist bereits von den Patienten verlassen. Dort stehen bloß noch mit Plastik überzogene Krankenhausbetten auf den Fluren und in den Zimmern. Eine fast unheimliche Stille breitet sich in den Räumen aus. Die Gefühle der Patienten in diesen letzten Tagen sind zwiespältig.

Fühlte sich gut aufgehoben

Ein Patient – der Mann wollte anonym bleiben – ist einige Tage wegen einer Wirbelkanalverengung stationär im Krankenhaus. Er fühlt sich bei Chefarzt Dr. Andreas Kühn gut aufgehoben. „Für mich persönlich läuft es gut und ich kann nichts Negatives sagen“, so der Mann. „Das geht hier zack-zack voran, viel besser als in Öhringen.“ Er sei sofort aufgenommen worden und habe auch gleich MRT und Krankengymnastik bekommen.

Millionen investiert

Von Abschiedsschmerz oder Wehmut bei den Mitarbeitern spürt der Mann nichts. „Die kümmern sich super“, meint er. Die Zimmer seien noch gut belegt, es kommen immer wieder neue Patienten. „Hier ist immer voll und eigentlich läuft alles ganz normal“, findet er rund vier Wochen vor der Schließung. Auch er versteht nicht, warum das Krankenhaus geschlossen wird, hofft aber, dass aus dem Gebäude etwas gemacht wird. Denn es sei noch nicht alt und es wurden Millionen hineingesteckt.

Ganz anders zeigt sich das Gespräch mit einem ambulanten Patienten, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Er kommt wegen einer schweren Gürtelrose zum Verbandswechsel ins HK. Eigentlich müsste er nach Schwäbisch Hall ins Diak, aber das sei ein Zeitfaktor und außerdem werden die Fahrtkosten dahin nicht übernommen. Der zuständige Facharzt im MediKÜN habe den Verbandswechsel abgelehnt, weil er daran zu wenig verdiene. „Die Überweisungen ins Krankenhaus hat er aber immer gerne ausgestellt“, bemerkt der Patient spitz.

Zukünftig längere Wege – auch für die Angehörigen

Das Personal im Krankenhaus sei aber nach wie vor gut, fehle aber spürbar. Geplante Operationen werden im HK nicht mehr durchgeführt, sondern nur noch Notfälle aufgenommen und die auch nur auf ausdrücklichen Wunsch des jeweiligen Patienten. Der Mann glaubt, „dass es Anweisungen gibt, dass solche Patienten wie ich nicht mehr im HK operiert werden dürfen“.

Wenn er demnächst selbst operiert wird, muss der Mann in ein anderes Krankenhaus. Der Patient findet zwar, dass man auch im Diak oder im Öhringer Krankenhaus gut aufgehoben sei, „aber dort kann die Familie ihre kranken Angehörigen nicht jeden Tag besuchen, wenn sie in Künzelsau oder Umgebung wohnt“. Das sei einfach zu weit weg und das mache ihn traurig. Denn letztendlich trage auch die gute Erreichbarkeit der Patienten durch ihre Familien zur Zufriedenheit der Leute bei. „Wir stehen gscheit da“, bedauert der Mann.

Unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert besuchte rund vier Wochen vor der Schließung des Krankenhauses die letzten verbliebenen Patienten in Künzelsau.

Fotos: privat

 

 




Künzelsauer über KH-Schließung: „Total unzufrieden über die Situation“ – „Einfach abgebaut und abgewickelt“

Diese Woche sollen die Lichter im Krankenhaus Künzelsau endgültig ausgehen. Nicht nur bei vielen Mitarbeitern ist die Stimmung gedrückt, auch die Künzelsauer wissen  nicht, wie es nun weitergeht hinsichtlich der Gesundheitsversorgung. Einige Künzelsauer haben sich am Montag, den 04. November 2019 auf den Weg nach Zweiflingen zur Kreistagssitzung gemacht, um mehr zu erfahren. „Wir wollen wissen, wie es weitergeht“, sagt etwa Ernst Renner aus Künzelsau vor der Kreistagssitzung. „Das Gesundheitszentrum interessiert uns. Ich kann mir darunter nichts vorstellen“, fügt Karl Walter aus Hermuthausen hinzu.

Ehrenfried Biehal, ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule in Künzelsau, kann die KH-Schließung nicht nachvollziehen. Foto: GSCHWÄTZ

„Einfach abgebaut und abgewickelt“

Ehrenfried Biehal, der ehemalige Schulleiter der Grund- und Hauptschule in Künzelsau, ist zur Kreistagssitzung nach Zweiflingen gefahren, weil „jetzt für uns Künzelsauer einfach Nägel mit  Köpfen gemacht werden müssen. Wir sind zudem total unzufrieden über die Situation, dass unser Krankenhaus geschlossen wird. Ein baulich gutes funktionierendes Krankenhaus wird einfach abgebaut und abgewickelt. Das darf nicht sein.“

Günter Maurer aus Gaisbach möchte sehen,  „was die BBT-Gruppe für Vorschläge hat, wie das zukünftige Gesundheitszentrum aussehen soll. Da geistern ja verschiedene Ideen herum. Momentan ist gar nichts bekannt und  das wollen wir heute erfahren“.

Der Künzelsauer Wolfgang Hornung erwartet „ganz klare Aussagen, was jetzt kommen soll mit dem Ärztehaus. Bisher hört und sieht man nichts. Und so wie die Sache aussieht, kann man davon ausgehen, dass sowieso gar nichts passiert.“

Für Lehrer Wolfgang Weßlein ist das Krankenhaus „ein Herzensanliegen und jetzt muss man sehen, was für Künzelsau bleibt“.

Auch Öhringer besuchten die Kreistagssitzung, so wie Werner Hesse: „Ich bin am Krankenhausthema interessier und hoffe, dass man die Fakten darstellt und dass die Künzelsauer Mitbrüger fair damit umgehen.“

Was bleibt für Künzelsau?

In Zweiflingen dann erklärte die BBT-Gruppe, dass es nach der Krankenhausschließung für Künzelsau zunächst einmal acht Hospizplätze geben werde (wir berichteten). Des Weiteren werde der Rettungsdienst mit  so genannter „Telemedizin“ ausgestattet. Mit dieser Software sollen die Rettungsdienstler messbare Daten des Patienten noch am Ort des Geschehens direkt an das anzufahrende Krankenhaus übermitteln können. Bislang haben die Rettungsdienstler telefonisch über die Leitstelle Angaben darüber gemacht, wie schwer der Patient verletzt ist, damit sich das dementsprechende Krankenhaus, das angefahren wurde, vorbereiten konnte.

Weiterhin sei die BBT-Gruppe mit Ärzten im Gespräch, die sich in dem neuen Gesundheitszentrum ansiedeln sollen, unter anderem integrative Medizin soll es dort bald geben. Bei einer integrativen medizinischen Behandlung werden laut der Hufelandgesellschaft auch unkonventionelle Therapieverfahren wie alternative Medizin zusammen mit konventionellen Methoden angewandt. Ein Notarzt-Sitzdienst, der kommen soll, wackelt indes schon wieder, da diverse Kreisräte in der Kreistagssitzung in Zweiflingen bemängelt habe, dass dieser Notarzt am Standort des dann ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau lediglich eine Anlaufstelle für verletzte Bürger sei, jedoch ansonsten nicht viel machen könnte. Weder habe er die Kompetenz, Überweisungen, etwa ins nächste Krankenhaus auszustellen, noch dürfe er Rezepte, etwa bei einer Blasenentzündung, ausstellen. Der Notarzt-Sitzdienst würde zudem über eine halbe Million Euro jährlich kosten.

Videobefragung: Matthias Lauterer