„Jetzt schon wieder voller Kacke“
„Seit diesem Sommer ist es schlimmer geworden“, beklagt eine Künzelsauer Anwohnerin, die gerne anonym bleiben möchte (der Name ist der Redaktion bekannt). „Die Alte Schmiede betrifft es am meisten.“ Was sie meint: Die zahlreichen Tauben, die in der Gaisbacher Straße in Künzelsau und drumherum ihr Domizil aufgeschlagen haben, dort auf Futtersuche gehen, übernachten, frühmorgens schon gurren und natürlich ihren Kot hinterlassen. Aber auch in der Hauptstraße hat sie die Vögel schon häufig auf dem Dach des Brillen- und Kontaktlinsen-Studios gesehen. Die Frau vermutet, dass jemand die Tiere füttert. Zum Beweis legt sie Schalen von Sonnenblumenkernen und Kürbiskernen vor, die sie immer häufiger auf der Straße findet. Sie hat beobachtet, dass die Vögel dort herumpicken.
Heimliche Taubenfütterer?
„Das ist doch verboten“, empört sich die Frau, die seit Jahrzehnten im Süden der Kernstadt wohnt. Eigentlich sei eine Taube ja etwas Schönes, findet sie. „Aber so viele sind eine Plage.“ Sie meint, dass man das Taubenproblem in Künzelsau nicht im Griff habe, obwohl es hier ein Taubenhaus gibt. (Über das Taubenhaus hat GSCHWÄTZ bereits mehrfach berichtet, zum Beispiel unter https://www.gschwaetz.de/2019/02/08/hochzeitstauben-zum-sterben-verurteilt/ oder https://www.gschwaetz.de/2019/12/22/die-stadt-wird-zugeschissen-finanzielle-probleme-des-taubenhauses-in-kuenzelsau/).
Tauben-Besuch im Bad
„Ich hatte sogar schon Tauben in meinem Badezimmer“, erzählt die Mutter eines erwachsenen Sohnes. „Noch schlimmer ist der Kot auf den Dachfenstern. Den kriegt man fast nicht mehr weg.“ Was sie besonders bedauert: Das Gebäude der Weinbar Alte Schmiede sei erst vor rund zwei Jahren frisch gestrichen worden und jetzt schon wieder „voller Kacke“. „Dort legen die Tauben sogar ihre Eier auf den Balkonen ab“, sagt die gebürtige Garnbergerin. „Außerdem kann ich nicht zugucken, wie dieses Haus versaut wird.“ Das tue ihr in der Seele weh.
Intelligente Tiere
„Ganz lange sind die Tauben scharenweise auf der Metzgerei Häussler gesessen, das kann ich von meinem Fenster aus sehen“, erzählt sie von ihren Tauben-Erfahrungen. „Sobald ich sie gesehen habe, habe ich mit einem Rost gegen ein Holzbrett geschlagen. Dann sind sie abgehauen.“ Seither würden sich die Tiere auch nicht mehr auf das Gebäude setzen. Überhaupt seien die sehr intelligent, ist die Anwohnerin überzeugt: „Die sind tagsüber nicht da, aber pünktlich um 16 Uhr kommen sie jeden Tag zurück.“ Da könne man die Uhr danach stellen. Doch gleichzeitig fürchtet sie, dass die Tiere Ungeziefer im Schlepptau haben und Krankheiten übertragen.
Anfrage bei der Stadtverwaltung
Was die Frau sich wünscht: „Man müsste das Bürgerbüro wachrütteln und wichtig wäre, dass mal jemand kommt und sich das anschaut.“ Das sei ihr ein großes Anliegen. Sie habe bereits eine Gemeinderätin angesprochen, die sich auch schon fürs Künzelsauer Taubenhaus eingesetzt habe. Diese aber habe sie ans Bürgerbüro verwiesen. GSCHWÄTZ hat nun bei der Stadtverwaltung um eine Stellungnahme gebeten. Die Antwort darauf steht noch aus.
Text: Sonja Bossert

Diese Schalen liegen immer öfter auf der Gaisbacher Straße. Reste von Taubenfutter? Foto: GSCHWÄTZ