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Das, was hier passiert, grenzt einer Farce

Sodele, jetzt wollen wir auch gar nicht zu viele Gefühle da reinpacken, sondern das einfach abhandeln wie echte harte Hohenloher:innen. Augen zu und durch damit. Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth betont in der letzten Kreistagssitzung (wir berichteten) noch einmal die Sachlichkeit des Themas. Emotionen sollen bitteschön draußen bleiben.

Abriss sehr wahrscheinlich

Verabschiedet sind die neuen Anträge das ehemalige Künzelsauer Krankenhausgebäude betreffend denn auch schnell. Die überwiegende Mehrheit der Kreisräte stimmte dafür, dass die Eigentümer:innen (die BBT-Gruppe und der Hohenlohekreis) nunmehr freie Hand haben, das Gebäude zu verkaufen und/oder abzureißen. Zu teuer eine Renovierung/Sanierung und neuerliche Nutzung.

Medizinisch total abgehängt

Derzeit schlafen ukrainische Flüchtlinge, vorwiegend, Frauen und Kinder, in diesem Gebäude. Darin ist auch das Sprachcafé integriert. Eigentlich wurde den enttäuschten Künzelsauer:innen vor fünf Jahren versprochen, als die Entscheidung fiel, das Krankenhaus wegen Unrentabilität zu schließen, dass man für Ersatz in Form eines MVZ (medizinischen Versorgungszentrums) an selbiger Stelle sorge (wir berichteten) und so die Räume umnutze, damit die Bevölkerung nicht total medizinisch abgehängt ist im Ländle.

Keine alternative Gesundheitsversorgung in Sicht

Doch auch das ist nun, wie der Kreistag entschied, wohl ein Ding der Unmöglichkeit. Kurz: Es gibt nicht die versprochene Ausgleichsversorgung durch ein MVZ, noch wurde der Rettungsdienst persönlich und finanziell gestärkt, um den Verlust des Krankenhauses in irgendeiner Form auszugleihen.

Was ist wichtiger: Ein neues Landratsamt oder ein Krankenhaus?

Das alles hatte die BI (Bürgerinitiative) zum Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses vor Jahren bereits prophezeit. Nun ist alles genau so eingetreten. Fast zeitgleich zieht der Hohenlohekreis ein neues Millionenprojekt, nur einen Steinwurf von dem Krankenhausgebäude entfernt, hoch: ein neues, prestigeträchtige Landratsamt, nun Kreishaus genannt.

Fragt man die Einwohner:innen, was ihnen wichtiger wäre, ein neues Krankenhaus oder ein neues Kreishaus, dürfte die Antwort klar sein. Zumal es ihre Steuergelder sind, die zum einen für den Abriss und zum anderen für den Aufbau benutzt werden.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann




Künzelsauer Krankenhaus: Vor 2 Wochen noch ein klares Nein der BBT-Gruppe – Nun erfolgt eine Kehrtwende um 180 Grad

Was kann einem Landkreis peinlicheres passieren, als ein Krankenhaus trotz wochenlanger Proteste der Bevölkerung zu schließen, um es nur vier Monate später wieder zu öffnen (sicher, es ist derzeit „nur“ eine Isolierstation, aber wer weiß heutzutage schon, was morgen daraus wird? Hier scheinen sich jedenfalls die Spielregeln ständig zu ändern)? Hinzu kommt, dass ausgerechnet dieser Landkreis derzeit im Fokus Deutschlands als Corona-Hotspot steht. Beides Schlagzeilen, über die der Hohenloher Landrat Dr. Matthias Neth vermutlich nicht besonders amused ist.

Not amused

Vielleicht schaffen wir es aber auch bald, den Hotspot-Thron wieder zu verlassen, es gibt ja derzeit im Hohenlohekreis sowieso nur noch eine begrenzte Zahl an Teststäbchen, mit denen man testen kann, wer nun Corona hat und wer nicht.  Jeder, der grippeähnliche Symptome hat, wird derzeit angehalten, einfach mal Zuhause bleiben und wenn es schlimmer wird, sich wieder zu melden. Soweit von der Krisenfront im Hohenlohischen.

Als wir rund vor zwei Wochen bei der BBT-Gruppe – wir erinnern uns, die mit dem wohlklingenden Namen ,Barmherzigen Brüder‘ – gefragt haben, ob das Künzelsauer Krankenhausgebäude im Zuge der Coronapandemie möglicherweise genutzt wird – besteht also eventuell auch nur die geringste Chance – erhielten wir ein klares Nein. Ohne Begründung. Und nun, zwei Wochen später, die Kehrtwende um 180 Grad. So weit zur Weitsicht von Krankenhausträgern in gesundheitsbedingten Krisenzeiten.

Wir erinnern uns: Kleine Krankenhäuser sind zu teuer und zu ineffizient

Die Pandemie ist keine Frage verheerend, kein Spaß und mit Sicherheit hat sie keiner kommen sehen zu einer Zeit, als die Bundes- und/oder Landesregierungen (wer weiß das schon so genau, keiner will es gewesen sein) die Krankenhausschließungen  mit der Axt quer durch Deutschland geschlagen haben. In zahlreichen Landkreisen gab es Proteste wie in Künzelsau. Kleine Krankenhäuser seien zu teuer, zu ineffizient. Manfred Lucha, der Sozialminister in Baden-Württemberg, gab die Marschrichtung vor, zahlreiche Landräte folgten und verwiesen stets auf „die da oben“. Eines aber schienen die meisten von ihnen vergessen zu haben:

Auf einmal sind problemlos Milliarden da

Das Sozialsystem Deutschlands ist kein Wirtschaftsgut, sondern ein Grundrecht, dieses es nicht zu bemessen gilt mit dem spitzen Bleistift eines Finanzministers – zumal – hoppla, auf einmal problemlos Milliarden da sind, die nun an die Wirtschaft angesichts der drohenden Krise ohne Probleme seitens der Regierung ausgeschüttet werden können, weil – so erklärt es die Regierung in Berlin – der Staatssäckel gut gefüllt sei, weil man ja gut gewirtschaftet habe. Genau. Unter anderem beim Gesundheitssystem. In Katastrophen-Szenarien zeigen sich die wahren Helden und das sind die Menschen, die dieses Gesundheitssystem jetzt und bereits seit Jahren unter erschwerten Bedingungen am Leben erhalten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nicht nur bei einem „danke“ an alle nun helfenden Hände – Rettungsdienstler, Ärzte, Krankenschwestern, Pflegemitarbeiter und viele andere mehr – bleibt, sondern dass zumindest einer als Sieger aus dieser Pandemie hervorgeht:

das deutsche Gesundheitssystem und alle, die es stützen.

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

 

 




Last man standing – Wie die letzten Patienten im Künzelsauer Krankenhaus die Schließung erleben

Am Freitag, den 15. November 2019 ist es soweit: Das Hohenloher Krankenhaus (HK) in Künzelsau schließt. Der erste Stock des Gebäudes ist bereits von den Patienten verlassen. Dort stehen bloß noch mit Plastik überzogene Krankenhausbetten auf den Fluren und in den Zimmern. Eine fast unheimliche Stille breitet sich in den Räumen aus. Die Gefühle der Patienten in diesen letzten Tagen sind zwiespältig.

Fühlte sich gut aufgehoben

Ein Patient – der Mann wollte anonym bleiben – ist einige Tage wegen einer Wirbelkanalverengung stationär im Krankenhaus. Er fühlt sich bei Chefarzt Dr. Andreas Kühn gut aufgehoben. „Für mich persönlich läuft es gut und ich kann nichts Negatives sagen“, so der Mann. „Das geht hier zack-zack voran, viel besser als in Öhringen.“ Er sei sofort aufgenommen worden und habe auch gleich MRT und Krankengymnastik bekommen.

Millionen investiert

Von Abschiedsschmerz oder Wehmut bei den Mitarbeitern spürt der Mann nichts. „Die kümmern sich super“, meint er. Die Zimmer seien noch gut belegt, es kommen immer wieder neue Patienten. „Hier ist immer voll und eigentlich läuft alles ganz normal“, findet er rund vier Wochen vor der Schließung. Auch er versteht nicht, warum das Krankenhaus geschlossen wird, hofft aber, dass aus dem Gebäude etwas gemacht wird. Denn es sei noch nicht alt und es wurden Millionen hineingesteckt.

Ganz anders zeigt sich das Gespräch mit einem ambulanten Patienten, der ebenfalls anonym bleiben wollte. Er kommt wegen einer schweren Gürtelrose zum Verbandswechsel ins HK. Eigentlich müsste er nach Schwäbisch Hall ins Diak, aber das sei ein Zeitfaktor und außerdem werden die Fahrtkosten dahin nicht übernommen. Der zuständige Facharzt im MediKÜN habe den Verbandswechsel abgelehnt, weil er daran zu wenig verdiene. „Die Überweisungen ins Krankenhaus hat er aber immer gerne ausgestellt“, bemerkt der Patient spitz.

Zukünftig längere Wege – auch für die Angehörigen

Das Personal im Krankenhaus sei aber nach wie vor gut, fehle aber spürbar. Geplante Operationen werden im HK nicht mehr durchgeführt, sondern nur noch Notfälle aufgenommen und die auch nur auf ausdrücklichen Wunsch des jeweiligen Patienten. Der Mann glaubt, „dass es Anweisungen gibt, dass solche Patienten wie ich nicht mehr im HK operiert werden dürfen“.

Wenn er demnächst selbst operiert wird, muss der Mann in ein anderes Krankenhaus. Der Patient findet zwar, dass man auch im Diak oder im Öhringer Krankenhaus gut aufgehoben sei, „aber dort kann die Familie ihre kranken Angehörigen nicht jeden Tag besuchen, wenn sie in Künzelsau oder Umgebung wohnt“. Das sei einfach zu weit weg und das mache ihn traurig. Denn letztendlich trage auch die gute Erreichbarkeit der Patienten durch ihre Familien zur Zufriedenheit der Leute bei. „Wir stehen gscheit da“, bedauert der Mann.

Unsere GSCHWÄTZ-Redakteurin Sonja Bossert besuchte rund vier Wochen vor der Schließung des Krankenhauses die letzten verbliebenen Patienten in Künzelsau.

Fotos: privat

 

 




HK-Schließung, ohne zu wissen,wie es weitergeht – Geht’s noch?

Die Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes, ohne dass die Bürger zu wissen, wie es hier und auch in Öhringen weitergeht, gleicht einer mittleren Katastrophe für die 112.000 Hohenloher.

Ein Video-Kommentar von Dr. Sandra Hartmannn

Rede von Dr. Sandra Hartmann (rechts: Dr. Andreas Eckle) bei einer Demo der BI in Künzelsau für den Erhalt des Krankenhauses. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Die Rede von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann an einer der Demos der BI für den Erhalt des Künzelsauer Krankenhauses sehen Sie hier:

 


 




BI kritisiert Neumanns offenen HK-Brief: Zu spät „auf die Hinterbeine gestellt“

Kommentar der BI WIR sind HK zum offenen Brief des Bürgermeisters Stefan Neumann und den Gemeinderäten vom 10. Oktober 2019

von Dr. Andreas Eckle und Corinna Moisel

„Offene Briefe hat es in den vergangenen Jahren mehrfach gegeben. Im Dezember 2016 schrieb Bürgermeister Stefan Neumann gemeinsam mit der Bürgerinitiative (BI) einen offenen Brief
an Landrat Dr. Neth und die Kreistagsmitglieder. Nachzulesen ist dieser Brief auf unserer Homepage unter „Aktuelles“. Keine Zwei Monate später, nämlich am 16.02.2017 gab es dann eine gemeinsame Pressemitteilung von Landrat Dr. Matthias Neth und Bürgermeister Stefan Neumann. Was blieb von den Forderungen des gemeinsamen Briefes der BI und BM Neumann übrig? So gut wie nichts. Ebenfalls auf unserer Homepage nachzulesen.

Kommt der Neubau in Öhringen überhaupt oder wird es nur ein Anbau geben?, fragt die BI

Wieso drängt sich uns nun erneut der Eindruck auf, dass es auch zu dem aktuellen offenen Brief an Landrat Dr. Neth Absprachen gibt, die dem eigentlichen Thema nicht dienen? Warum haben sich Bürgermeister Neumann und der Gemeinderat nicht rechtzeitig auf die Hinterbeine gestellt, um die Schließung des Krankenhauses in Künzelsau zu verhindern beziehungsweise aktiv mit der BI gegen diese Beschlüsse sich zur Wehr zu setzen? Am 09. Juni 2017 hat der Kreistag über die Zukunft des Hohenloher Krankenhauses entschieden.
Mit großer Mehrheit wurde an dem Beschluss vom 30.09.2016 festgehalten und im weiteren wurden die 51,5 Millionen Euro aus dem Krankenhausstrukturfonds angenommen. Landrat Dr. Matthias Neth und die Kreisräte haben damit die Einstellung der stationären Krankenhausversorgung von Künzelsau beschlossen.

Annahme Fördermittel für Neubau Öhringen „schwerwiegender Fehler“

Die Hohenloher Zeitung schrieb am 13.10.2016; „Von seinem Standpunkt, den Kreistagsbeschluss vom 30. September mitzutragen, der die Schließung der Künzelsauer Klinik vorsieht, um an Fördermittel zu kommen, gleichzeitig aber weitere Möglichkeiten der Gesundheitsversorgung vor Ort prüft, rückt Neumann nicht ab.“ Das ist doch eine klare Aussage. Man fragt sich nur für was? Wir stehen weiter auf dem Standpunkt, dass die Annahme der Fördermittel für einen etwaigen Neubau in Öhringen ein schwerwiegender Fehler war. Der Neubau in Öhringen zieht sich zwischenzeitlich so lang hin, dass man sich fragt, ob er wirklich kommt, oder soll es nur einen Anbau mit Sanierung geben?

Keine Verbesserung der ambulanten Versorgung

Die Konsequenz ist, dass wir Bürger nun alle mit diesem Zustand leben müssen. Herr Neumann und auch die Gemeinderäte hätten auf 36 Demonstrationen die Möglichkeit gehabt, aktiv und
glaubwürdig für das Krankenhaus und die Stadt einzustehen. Diese Möglichkeit haben nur sehr wenig Gemeinderäte wahrgenommen. So sieht es doch wieder sehr nach Lippenbekenntnissen aus. Es war schließlich lange genug bekannt, dass der Krankenhausbetrieb spätestens Ende 2019 eingestellt wird. Kommt dieser offene Brief nicht auch wieder etwas spät? Fällt dem Gemeinderat und dem Bürgermeister  wirklich erst im Oktober auf, dass die angekündigte Verbesserung der ambulanten Versorgung wohl ein Papiertiger ist und das versprochene und geforderte leistungsfähige Gesundheitszentrum nicht kommt? Muss Kommunalpolitik immer im Geheimen stattfinden, wie Landrat Dr.Neth erklärt?

So bleibt erneut wieder nur Enttäuschung, auch wenn wir uns in dem Punkt gerne täuschen würden. Bürgermeister Neumann und der Gemeinderat dürfen den Bürgern beweisen, dass es
dieses Mal keine Kehrtwende nach wenigen Wochen gibt. Vielleicht kann man so verlorengegangenes Vertrauen auch wiederherstellen.

Demonstration vor dem Krankenhaus Künzelsau zum Erhalt des Krankenhausstandortes.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 

 




Krankenhaus Künzelsau: Aus schon 2019? Basiskonzept für die Kreisstadt steht

Am heutigen Montag, den 10. Dezember 2018, trifft sich der Kreistag des Hohenlohekreises um 15.30 Uhr in Bretzfeld und man darf jetzt schon gespannt sein, welche Entscheidungen an der heutigen Kreistagssitzung gefällt werden. Tagesordnungspunkt Nummer eins ist das Hohenloher Krankenhaus. Konkret: wie es in Künzelsau und Öhringen mit der Gesundheitsversorgung weitergehen soll.

Im Vorfeld äusserten sich bereits diverse Stimmen. Die Bürgerinitiative zum Erhalt des HK (BI) befürchtet, dass heute das vorzeitige Aus für das Krankenhaus in Künzelsau beschlossen wird. Geplant war bislang, das Künzelsauer Krankenhaus noch bis 2022/23 offenzuhalten – so lange, bis in Öhringen der Neubau steht. Angesichts der schwächelnden Patienten- und Personalzahlen nach Verkündigung des Aus‘ für Künzelsaus Krankenhaus sei eine frühere Schließung möglicherweise heute Gesprächs- wenn nicht sogar Entscheidungsthema (siehe offener Brief von der BI an Landrat Dr. Matthias Neth weiter unten im Text), vermutet die BI.

Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der BBT-Gruppe (die BBT-Gruppe hält seit März 2018 die Mehrheitsanteile der HK), sagt auf GSCHWÄTZ.Nachfrage, dass mehrere Konzepte für Künzelsau im Raum stünden, aber der Kreistag letztendlich die Entscheidung darüber fälle, ob und wenn ja, welches Konzept angenommen werde.

Demonstration vor dem Krankenhaus Künzelsau zum Erhalt des Krankenhausstandortes.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Tagespsychiatrische Klinik soll bleiben

Die Sitzungsvorlage des Landratsamtes des Hohenlohekreises zu diesem Tagesordnungspunkt ist relativ kurz und bleibt eher unkonkret. Sie umfasst eine DIN-A4-Seite. Darin heißt es unter anderem, dass dieses Konzept aus einem Basismodell bestehe. „Ergänzend sind weitere kostenpflichtige Bausteine nach dem Bestellerprinzip möglich.“ Für das Gesundheitszentrum in Künzelsau „ist im Basismodell von Beginn an die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit verschiedenen Disziplinen vorgesehen. Daneben ist der Fortbestand der tagespsychiatrischen Klinik  berücksichtigt.“ Die Frage, die sich hier aufdrängt, ist: Wird das derzeit bereits existierende Ärztehaus, das sich nun zu einem MVZ wandeln soll, auch zusätzliche medizinische Angebote für die Bevölkerung bereithalten oder fragt die BI zu Recht in ihrem offenen Brief, ob sich die Künzelsauer nun mit dem bereits bestehenden Ärztehaus nun zufriedengeben müssen.

Kostenpflichtige Bausteine können darüberhinaus angeboten werden

Weiter heißt es: „Auch über die Errichtung/Organisation einer Kurzzeitpflege und die Abbildung der Notfallversorgung über das Maß der rettungsdienstlichen Angebote hinaus“ soll der Kreistag entscheiden. Ein weiterer heikler Punkt dabei ist die akutstationäre Versorgung von Patienten: „Mit der Etablierung eines Gesundheitszentrums in Künzelsau, aber auch wegen der Entwicklung der letzten Monate am Standort Künzelsau ist gleichzeitig zu entscheiden, ob an der jetzigen Beschlusslage zum Zeitpunkt der Konzentration der akutstationären Versorgung am Standort Öhringen festgehalten wird.“

Ob eine akutstationäre Versorgung von Patienten (unter anderem Notfallversorgung mit Über-Nacht-Überwachung) bereits früher nur noch in Öhringen möglich sein wird, wird sich möglicherweise in der heutigen Kreistagssitzung entscheiden.

 

Auch GSCHWÄTZ wird vor Ort sein.

Offener Brief der BI an Landrat Neth

Die BI hat angesichts der neuesten Entwicklungen bezüglich des Hohenloher Krankenhauses einen offenen Brief an Dr. Matthias Neth geschrieben. Diesen drucken wir an dieser Stelle leicht gekürzt ab:

„Man scheint sich mit dem Ärztehaus zufriedenzugeben“

„Mehr als zwei Jahre sind vergangen, als Dr. Neth in einer Versammlung verkündete, dass der Hohenlohekreis nur mit zwei starken Standorten die Gesundheitsversorgung gewährleisten kann. Keine sechs Monate später stellte sich Landrat Neth erneut vor die Mitarbeiter, um zu verkünden, dass der Standort Künzelsau geschlossen werden muss, da beide Häuser nicht zu finanzieren seien. Schon damals fragte sich die BI, ob die Aussage sechs Monate vorher nur ein Lippenbekenntnis war, um das Vertrauen der Mitarbeiter zu erschleichen.

Nun, zwei Jahre später, sehen wir eine Wiederholung. Es wird nach politischen Möglichkeiten gesucht, um den Standort Künzelsau schneller zu schließen. Wird doch der Kreistag auch darauf wieder gut vorbereitet. Das auch dass Versprechen, den Standort Künzelsau bis Fertigstellung des Neubaus in Öhringen, zu erhalten, nicht ernst gemeint war, wird jetzt sicher auch dem letzten klar.

Jetzt versucht man die Bürger zu überzeugen mit einer Flut von Millionen. Wir fragen uns: Wer hat da vor einem Jahr gerechnet? Sollte der Ausgleich auf die nächsten Jahre tatsächlich so viele Millionen verschlingen, was bleibt denn da noch von den 50 Millionen aus dem Strukturfonds übrig?

Wir sehen die neuesten Entwicklungen kritisch, tritt jetzt doch das ein, was wir bereits letztes Jahr vermutet haben und was seiner Zeit eine Rednerin und ehemalige Mitarbeiterin der Tagesklinik auf einer Demo auch ausgesprochen hat, nämlich das geplante Aus für 2019 – so wurde es vom damaligen Geschäftsführer der HK [Anm. d. Red.: Hohenloher Krankenhaus gGmbH] gegenüber der Tagesklinik kommuniziert. Gehört hat das natürlich niemand gern, wurde die Rednerin damals von einem Kreistagsmitglied abgestraft, in dem ihr damaliger Arbeitgeber informiert wurde, ungeachtet dessen, dass wir in Deutschland Redefreiheit haben.

Auch zu den Aussagen bezüglich eines Gesundheitszentrums kann man sich nur wundern. Man scheint sich damit zufrieden zu geben, was man im Ärztehaus schon hat. [….].

Es ist traurig, dass die Patienten heutzutage keine Stimme mehr haben und die Versorgung vollkommen egal scheint, auch die Meinung niedergelassener Ärzte ist scheinbar nichts mehr wert.

Wir wünschen nun der BBT-Gruppe viel Erfolg bei der anstehenden Zertifizierung der Stroke Unit, die man nun endlich nach 1,5 Jahren mal angeht. Schließlich war die Verlegung der Stroke Unit von Künzelsau nach Öhringen ganz eilig seiner Zeit.“

Landrat verzichtet auf Stellungnahme

Landrat Dr. Matthias Neth. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Wir haben Dr. Matthias Neth das Schreiben weitergeleitet mit der Bitte um eine Stellungnahme. Seine Pressesprecherin Silke Bartholomä hat für ihn geantwortet: „Das Schreiben, das Sie uns übersendet haben, ist – wie Sie sicherlich wissen – ein Posting auf einer einschlägigen Facebook-Seite zum Thema Künzelsauer Krankenhaus. Es ist an keiner Stelle als „offener Brief“ gekennzeichnet, hat keinen genauen Adressaten, keinen Absender und ist in keinem Medium veröffentlicht worden. Facebook als soziales Netzwerk fällt nicht unter diesen Begriff, da es keine Medien produziert und keinerlei Kontrollfunktion übernimmt. Es ist dem Landratsamt Hohenlohekreis auf keinem üblichen Weg zugegangen. Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir zu einer anonymen Meinungsäußerung keine Stellung nehmen.“




Neues Wahrzeichen in Öhringen: ein Hochregallager?

Am Ende der Berliner Straße in Öhringen kann man noch in weite Ferne blicken, aber genau dort ist der umstrittene Bau eines 30 Meter hohen Hochregallagers geplant (zum Vergleich: Der steinerne Umgang des Turms evangelische Stiftskirche St. Peter und Paul in Öhringen ist 32 Meter hoch).

Laut dem Planungsentwurf des Architekturbüros Schimmel soll neben das bestehende Staplerlager des Unternehmens Schäfer+Peters ein 16 Meter hohes Zwischengebäude und ein 30 Meter hohes Hochregallager gebaut werden. Auch ein dreigeschossiges Parkdeck soll geplant sein. Dieser Bau bewegt Öhringen nun schon seit Monaten und an ihm scheiden sich die Geister. GSCHWÄTZ-Redakteurin Nadja Fischer war in Öhringen und traf sich mit Bastian Falk und Dr. Wolfgang Kammerer vom Öhringer Verein PrimaKlimaWest, der gegen den Bau auf die Barrikaden geht.

In unmittelbarer Reichweite des Gewerbegebietes ist ein Wohngebiet. Anwohner befürchten Nachteile für Ihren Wohnstandort.
Foto: GSCHWÄTZ/Kristina Dorn

GSCHWÄTZ: Was hat man zu befürchten?

Falk: Die Öhringer haben das Landschaftsbild zu befürchten. Es geht insbesondere um die Anwohner der Berliner Straße. Gerade im Winter ist die Sonne durch den Bau verdeckt. Im Sommer wird die Abkühlung nicht mehr so gegeben sein. Es wird deutlich weniger Wind in die Siedlung und die Stadt vordringen.

 

„Mancher Gemeinderat ist sogar davon überzeugt, dass man hier die Chance auf ein neues Wahrzeichen von Öhringen hat.“

 

GSCHWÄTZ: Was sagen Bürgermeister Thilo Michler und der Gemeinderat dazu?

Dr. Kammerer: Wir haben das Gutachten von 2013, das die Stadt Öhringen im Zuge des Flächennutzungsplanes hat erstellen lassen, als Hauptargument benutzt. Damals kam der Gutachter zu dem Ergebnis, dass hier nicht gebaut werden sollte. Die Stadt hat immer wieder neue Gutachten machen lassen. Sie versuchen, die Auswirkungen herunterzurechnen. Gerade bei der letzten Gemeinderatsitzung, als die zweite Runde für den Bebauungsplan eingeleitet worden ist, war von den meisten Fraktionen zu hören: Ja, es wäre ein Eingriff, aber kein dramatischer. Da die Firma Schäfer+Peters der größte Gewerbesteuerzahler ist, sind die Einnahmen wichtiger.

Falk: Mancher Gemeinderat ist sogar davon überzeugt, dass man hier die Chance auf ein neues Wahrzeichen von Öhringen hat. Da stellt sich die Frage, ob man lieber die Kirche und das Schloss oder einen riesen Monsterbau als Wahrzeichen möchte.

 

GSCHWÄTZ: Es wird gemunkelt, dass Sie von PrimaKlimaWest eine Normenkontrollklage in Erwägung ziehen.

Dr. Kammerer: Das tun wir tatsächlich. Ich habe frühzeitig Informationen eingeholt und mich mit Rechtsanwälten getroffen. Der nächste Schritt wird sein, dass ein Anwalt meine Einwendungen und die Gutachten prüfen wird. Wenn der Anwalt zu dem Schluss kommt, dass wir dieses Verfahren gewinnen können, dann werden wir das versuchen.

 

„Deshalb habe ich gesagt, dass die Stadt uns verkauft und dazu stehe ich.“

 

GSCHWÄTZ: Das Rathaus hat uns gegenüber geäußert, dass Sie in einem Artikel im Öhringer falsche Tatsachen genannt hätten und beleidigend geworden wären.

Falk: Wir haben ein Gutachten mit dem anderen Gutachten verglichen und in diesem Beitrag nur auf die Differenzen hingewiesen. Wir haben dem Gemeinderat damals nur vorgeworfen, dass ihm das Geld wichtiger sei als alles anderer. Das sehe ich aber nicht als Beleidigung. Man hat uns in den vergangenen Monaten immer nur als Lügner betitelt, aber man hat uns nie aufgewiesen, wo wir denn gelogen haben sollen. Man kam weder von der Stadt noch vom Gemeinderat auf uns zu und hat das Gespräch gesucht.

Dr. Kammerer: Ich habe mit einigen Gemeinderäten persönlich gesprochen und die geben ganz klar zu, dass es eigentlich nur ums Geld geht. Der Gemeinderat sagt, dass sie an die ganze Stadt Öhringen denken müssen. Ein großer Teil der Stadt Öhringen wird, mit Ausnahme des Landschaftsbildes, nicht stark betroffen sein. Wir, aus dem Wohngebiet der Berliner Straße, werden aber stark betroffen sein. Deshalb habe ich gesagt, dass die Stadt uns verkauft und dazu stehe ich. Uns wurde auch nie gesagt, was in dem Artikel im Öhringer falsch sein soll.

 

GSCHWÄTZ: Bürgermeister Michler soll auch im Zusammenhang mit der Debatte um das Hochregallager einen Drohbrief erhalten haben. Wissen Sie mehr darüber?

Falk: Wir wissen nur das, was in der Zeitung stand. Den Drohbrief gab es. Als wir es erfahren haben, haben wir uns auf unserer Prima-Klima-West-Facebook-Seite davon distanziert.

 

„Wir lassen prüfen, ob wir ein Normenkontrollverfahren anstreben können“

 

GSCHWÄTZ: Wie geht es die nächsten Wochen weiter?

Falk: Wir haben wieder eine Vereinssitzung, um die weiteren Schritte zu besprechen. Wir lassen prüfen, ob wir ein Normenkontrollverfahren anstreben können. Letzte Woche ist die Abgabefrist der zweiten Einwendungen abgelaufen und wir warten jetzt auf die neuen Antworten, die darauf folgen.

Dr. Kammerer: Wir hoffen, dass der Gemeinderat in seiner Sitzung im November den Bau durch unsere Beiträge ablehnt. Bei der ersten Gemeinderatsitzung im Dezember 2017 soll es zwei Stimmen gegen und 22 Stimmen für den Bau gegeben haben. Jetzt im Juli waren es sieben Stimmen dagegen und 15 dafür. Es hat sich schon etwas bewegt.

Auf diese grüne Wiese soll der Neubau kommen, sagt Bastian Falk vom Verein PrimaKlimaWest.
Foto: GSCHWÄTZ/Kristina Dorn

 

 

WAS SPRICHT LAUT DEM VEREIN GEGEN DEN BAU?

  1. Der Kaltluftstrom wäre reduziert, das heißt, die unmittelbaren Anwohner wären direkt betroffen
  2. Grundwasserspiegel: Durch den Bau wäre ein Verlust der Grundwasserneubildung zu erwarten.
  3. Naturschutz: Das Planungsgebiet liegt in einem Biotopverbund.
  4. Lärm: Es wird mit 50 bis 70 Lastwagen am Tag zu rechnen sein.
  5. Das Landschaftsbild wäre stark verändert.
  6. Sonnenlicht: Das geplante Gebäude würde zu mehr Schatten für die Anwohner führen.

Die Stadt Öhringen nimmt Stellung.
Foto: Burgen und Schlösser

Größter Steuerzahler bevorzugt? Die Stadt Öhringen nimmt Stellung zu den Vorwürfen

Die Stadt Öhringen hat innerhalb eines Tages Stellung zu den Aussagen des Vereins genommen. Anbei die Antwort der Stadt:

 

GSCHWÄTZ: Was sagen sie zu den Einwänden des Vereins gegen einen solchen Bau?

Stadt Öhringen: Die Einflüsse auf Natur und Landschaft der angedachten baurechtlichen Festlegungen und eines darauf aufbauenden möglichen Bauvorhabens wurden und werden sorgfältig bewertet. Die Einflüsse liegen in Bereichen, die den gesetzlichen und rechtlichen Anforderungen entsprechen. Die Anlieferung sowie der Versand von Waren erfolgt bisher im Betriebsalltag und auch künftig im Falle einer Betriebserweiterung ausschließlich über die Grundstückszufahrt am Zeilbaumweg. Nach Fertigstellung der Betriebserweiterung gelten die astronomischen Zusammenhänge im Hinblick auf Sonnenauf- und Sonnenuntergang generell unverändert. Ihre Frage zielt vermutlich auf Betrachter, die sich zum Zeitpunkt des Sonnenunterganges östlich des Firmengeländes aufhalten. Steht der Betrachter bei Sonnenuntergang im beschriebenen Bereich, rückt die Sonne im Falle eines Erweiterungsbaus natürlich sehr abhängig vom Betrachtungsort während des Sonnenuntergangs kurze Zeit früher aus dem Blickfeld, ehe sie ohnehin im üblichen Tageslauf hinter dem Horizont abtaucht.

 

GSCHWÄTZ: Laut PrimaKlimaWest soll Schäfer+Peters der größte Gewerbesteuerzahler in Öhringen sein.

Stadt Öhringen: Steuerliche Aussagen unterliegen dem Datenschutz. Generell steht die Stadt Öhringen Erweiterungswünschen örtlicher Unternehmen im Zuge der städtischen Wirtschaftsförderung völlig unabhängig von steuerlichen Effekten offen gegenüber. Die Auswirkungen betrieblicher Erweiterungen werden in den gängigen Verfahren stets sorgfältig geprüft und im Rahmen der (bau-)rechtlichen Vorgaben abgewogen.

 

GSCHWÄTZ: Es wurde uns gegenüber erwähnt, dass mancher Gemeinderat und vielleicht auch Sie mit dem Bau des Hochregallagers eine Chance auf ein neues Wahrzeichen in Öhringen sehen. Stimmt das?

Stadt Öhringen: Die Aufgabe der kommunalen Stadtplanung, der Kommunalpolitik und auch die Bemühungen der städtischen Wirtschaftsförderung beinhalten nicht die Schaffung von Wahrzeichen im Stadtgebiet. Auch private Investitionen orientieren sich generell und primär an betriebswirtschaftlichen Kriterien und zielen ebenfalls nicht auf den Bau von Landmarken oder die Errichtung städtischer Wahrzeichen.

 

GSCHWÄTZ: Ist der geplante Bau beschlossene Sache oder könnte es passieren, dass der Bau nicht umgesetzt wird?

Stadt Öhringen: Ein Bauvorhaben kann zu diesem Zeitpunkt keine „beschlossene Sache“ sein. Zunächst muss der (bau-)rechtliche Rahmen für Bauvorhaben geschaffen werden. Ebenso müssen die Investoren betriebsintern für sich entscheiden, ob ein Bauantrag erstellt und eingereicht wird. Dieser müsste dann geprüft und könnte bei Einhaltung der rechtlichen Vorgaben erst am Ende des erforderlichen Verfahrens genehmigt werden.

 

GSCHWÄTZ: Würde es einen alternativen Standort für das Hochregallager geben?

Stadt Öhringen: Alternative Standorte für die weitere Unternehmensentwicklung wurden in den vergangenen Jahren sehr intensiv, jedoch ohne Erfolg gesucht. Der Unternehmenssitz am Zeilbaumweg bildet daher die einzige Option, die vom Unternehmen angestrebte Betriebserweiterung zu verwirklichen.

 

 

 




„Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte“

Video-Interview: Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über die Höhen und Tiefen seiner Amtszeit und welche Vision er für Künzelsau hat.

Kurz bevor es richtig losgeht mit dem Bürgermeisterwahlkampf in den einzelnen Ortsteilen und der Bürgermeisterwahl am 03. Juni 2018 haben wir am 23. April 2018 mit Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann über seine Zeit als Chef der Kreisstadt und seine Vision für die Zukunft gesprochen.

GSCHWÄTZ: Können Sie sich noch an den Tag vor acht Jahren erinnern, als Sie zum neuen Bürgermeister gewählt wurden?
Neumann: Es war ein sehr heißer Tag damals und es war ein wunderschönes Gefühl.

GSCHWÄTZ: Hätten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Neumann: Man tritt schon an, um zu siegen. Man geht in den Wahlkampf, weil man gewinnen möchte. Das war damals der Fall und das ist auch heute der Fall.

GSCHWÄTZ: Wenn Sie zurückdenken an die vergangenen acht Jahre, was waren besondere Momente?
Neumann: Gern erinnere ich mich zurück an die Stadtfeste, denn die sind ein Highlight für Künzelsau und für die gesamte Region. Da kommen Künzelsauer von der ganzen Welt her, um sich dort zu treffen. Was sicher auch ein besonderes Highlight war, war die Eröffnung des Carmen-Würth-Forums. Und auch die Welcome-back-Party mit Alexander Gerst.
Alexander Gerst fliegt bald wieder in den Weltraum. Wie begleitet Künzelsau dieses Ereignis?
Neumann: Wir versuchen, das angemessen zu begleiten. Wir sind ja in Kooperation mit der deutschen Luft- und Raumfahrt. Es wird unter anderem eine Startveranstaltung am Alten Rathaus am 06. Juni 2018 geben.

GSCHWÄTZ: Es gab ja nicht immer Sternstunden in den vergangenen Jahren.Wie haben Sie das Hochwasser 2016 erlebt?
NEUMANN: Das war ein ganz prägendes Ereignis. Bei mir persönlich was es so, dass ich abends noch eine WhatsApp von einer Kollegin bekommen habe, die in Braunsbach [Anm. der Redaktion: Braunsbach wurde am stärksten von dem Hochwasser verwüstet] Theater gespielt hat. Ich habe die Kinder noch ins Bett gebracht. Dann ging auch schon mein Melder los. Ich bin gar nicht mehr über die Kocherbrücke gekommen, weil das Wasser schon so hoch gestanden ist.

GSCHWÄTZ: Was haben Sie dann gemacht?
Neumann: Ich habe das Auto auf dem Gehweg abgestellt und bin zu Fuß zur Feuerwehrwache gelaufen.

Gesundheitsversorgung : „Es war eine unglaublich kräfezehrende Zeit“

GSCHWÄTZ: Wie haben Sie die Zeit erlebt rund um die Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes?
Neumann: Es ist eine unglaublich kräftezehrende Zeit, die ja auch einen gewissen zeitlichen Vorlauf hat. Das hat ja schon mit meiner Tätigkeit als Aufsichtsrat begonnen und mich über die ganzen Jahre begleitet und begleitet mich ja heute immernoch, denn auch mit der Wahl des neuen Partners, der BBT-Gruppe, ist das Thema ja nicht ausgestanden, sondern es gibt viele offene Fragen, die es noch zu klären gilt und wo wir uns auch einbringen müssen.

GSCHWÄTZ: Wie geht es weiter mit der Gesundheitsversorgung für Künzelsau? Kennen Sie die Konzepte, die angedacht sind?
Neumann: Es gibt Konzepte und Varianten. Diese müssen aber noch ausformuliert werden. Das eine ist, was jetzt auf dem Papier steht, das andere ist, was man am Ende des Tages letztendlich leben kann. Wir können alle keine Lösung gebrauchen, die ein, zwei oder drei Jahre hält, sondern wir müssen Perspektiven auftun. Mit dem neuen Partner haben wir diese Möglichkeit, aber da gehört noch mehr dazu, als der neue Partner.

GSCHWÄTZ: Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth könnte sich ein medizinisches Versorgungszentraum (MVZ) ähnlich dem in Forchtenberg vorstellen.
Neumann: Ein MVZ kann für mich nur ein Teil der Lösung sein. Es ist sicherlich richtig, dass vermehrt Ärzte ins Angestelltenverhältnis gehen möchten. Aber wir haben ja einen ganzen Komplex zu bespielen, der jetzt da ist. Das MVZ kann ein Kernelement sein, weil wir davon ausgehen, dass der ambulante Bereich gestärkt wird. Wir wollen aber auch die Möglichkeiten nutzen, die es in Künzelsau gibt. Wir haben beispielsweise Operationsmöglichkeiten. Die Frage ist: Kann man das in die Zukunft führen – auch in einem ambulanten Zentrum? Welche Fachrichtung kann man noch hinzugewinnen? Welche gesundheitsnahen Dienstleistungen kann man noch hinzuziehen? Das sind Fragen, sie es noch zu klären gilt, wo aber auch das Sozialministerium sicherlich seinen Teil dazu beitragen kann.

Medien: „Das eine ist, was man über die Medien wahrnimmt, das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet.“

GSCHWÄTZ: Manche Bürger bemängeln, dass Sie sich zu wenig für das Krankenhaus Künzelsau eingesetzt haben.
Neumann: Das eine ist, was man wahrnimmt über die Medien und das andere, was im OFF tatsächlich stattfindet – sei es im Kreistag oder in Gesprächen, die wir mit dem Ministerium oder Ärztevertretern führen. Man kann davon ausgehen, dass sich der Bürgermeister und auch andere verantwortliche Personen in die Sache richtig reinknien, weil wir nicht nur ein persönliches, sondern ein städtisches Interesse haben, wie wir das Ganze nun weiterentwickeln. Da kann man sich natürlich an Wörtern stören oder an Meinungen. Aber unsere Aufgabe ist es, verantwortungsbewusst zu handeln und dann auch für die Zukunft einen Nutzen zu stiften. Die Gesundheitsversorgung hört mit der Schließung des Krankenhauses nicht auf und da muss jeder seinen Teil dazu beitragen – auch der Bürgermeister von Künzelsau.

GSCHWÄTZ: Künzelsaus Innenstadt hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Es hat sich einiges getan. Aber dennoch gibt es offene Baustellen, wie etwa das Peka-Areal. Wie geht es da weiter?
Neumann: In den nächsten Monaten werden wir den Kaufvertrag abschließen, der Bauantrag wird eingereicht. Wir haben erst diese Woche die letzten Details besprochen. Ich gehe davon aus, dass es mit der Baustelle ab Herbst und in den Wintermonaten so richtig losgeht. Ab Baubeginn rechnet man mit 18  Monaten Bauzeit, bis alles fertig ist.

GSCHWÄTZ: Ein weiteres großes Vorhaben ist der Neubau des Landratsamtes.
Neumann: Wir machen in diesem Jahr einen städtebaulichen Wettbewerb, um die ideale Stelle fürs Landratsamt zu finden. Es geht nicht nur ums Landratsamt, sondern auch um die Mitarbeiter. Die kommen großteils mit dem Auto. Wir schauen uns daher an, wo ein guter Standort für das Verwaltungsgebäude wäre und wo ein Parkhaus entstehen könnte.

Begrenzter Wohnungsmarkt: „Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen“

GSCHWÄTZ: Wo sehen Sie Künzelsau in den nächsten fünf bis zehn Jahren?
Neumann: Wichtig ist, dass sich Künzelsau positiv weiterentwickelt, dass wir den Schwung, den wir derzeit haben, auch mitnehmen und weiterführen. Künzelsau ist eine sehr lebenswerte Stadt, aber dafür muss man am Ball bleiben.

GSCHWÄTZ: Einige Bürger bemängeln den knappen Wohnungsmarkt.
Neumann: Künzelsau ist gefragt. Wir sehen den Trend zum urbanen Wohnen. Daher schaffen wir Wohnflächen in der Innenstadt. In Gaisbach haben wir eigene Flächen für Geschosswohnungsbau, wo wir modellhaft zeigen wollen, das preisgünstiges Wohnen möglich ist.

Im Rathaus in Künzelsau legen wir Stefan Neumann jeweils zwei Bilder vor, zwischen denen er sich entscheiden muss.

Fußball: VfB Stuttgart oder FC Bayern München?
Neumann: VfB Stuttgart. Ich habe ja bei der Landeshauptstadt Stuttgart angefangen zu arbeiten. Und mein Traum als Verwaltungspraktikant war eine Stelle im gehobenen Dienst im Sportreferat zu bekommen. Das sitzt nämlich direkt im Stadion. Meine Frau ist übrigens Bayern-München-Fan.

Musik: „lieber Après-Ski als Toten Hosen“

Helene Fischer oder Lena Meyer-Landrut?
Neumann: Ich würde mich dann eher für Helene Fischer entscheiden.

Andreas Gabalier oder die Toten Hosen?
Neumann: Ich entscheide mich für Après-Ski und damit Andreas Gabalier.

Dörzbachs Bürgermeister Andy Kümmerle oder Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss?
Neumann: Ich komme mit beiden richtig gut aus. Michael Foss hat bei uns mal ein Praktikum gemacht. In Forchtenberg habe ich auch meine berufliche Laufbahn begonnen. Deshalb entscheide ich mich für Michael Foss.

Landrat Dr. Matthias Neth oder BI-Sprecher Andreas Eckle?
Neumann: Das sind zwei Herren, die ich beide sehr gut kenne und ich komme auch mit beiden gut aus. Ich weiss nicht genau, wie das Innenverhältnis zwischen den Zweien ist. Mit dem Landrat haben wir natürlich viele Berührungspunkte, nicht nur das Krankenhaus, zum Beispiel auch der Neubau das Landratsamtes. Deshalb würde ich mich für Matthias Neth entscheiden.

// Stefan Neumann //

Stefan Neumann (35) wurde am 05. November 1982 in Schwedt geboren. Der Diplom-Verwaltungswirt war Kämmerer von Forchtenberg und Putzbronn, bevor er im Juli 2010 zum Bürgermeister von Künzelsau gewählt wurde. Neumann ist verheiratet und hat drei Kinder im Alter von fünf, drei und eins.
Das Video-Interview mit Neumann wurde in Künzelsau gedreht.

// Gegenkandidaten //

Ob es ein Wahlkampf wird, werden die Bürger am Montag, den 07. Mai 2018, in der Gemeinderatssitzung in Künzelsau erfahren. Dort wird verkündet, ob es Gegenkandidaten gibt und wenn ja, wer es ist.

Die Bürgermeisterwahl in Künzelsau ist am 03. Juni 2018.

Das Interview führte Dr. Sandra Hartmann; Videodreh und Schnitt: Dr. Felix Kribus

Das ganze Interview sowie Fotos vom Videodreh gibt es in unserer aktuellen GSCHWÄTZ-Ausgabe des Monats Mai – jetzt überall im Einzelhandel abonnieren über unseren GSCHWÄTZ-Shop: www.gschwaetz.de/gschwaetz-shop/

 




Des Bürgermeisters großes Mimimi

Ein Kommentar von Matthias Lauterer über die Rolle des Künzelsauer Bürgermeisters Stefan Neumann beim Thema Krankenhaus.

Wie erwartet hat der Kreistag sich mit überwältigender Mehrheit, sogar mit 100 Prozent, für den einzigen verbliebenen Bewerber BBT entschieden.

Der Künzelsauer Bürgermeister Neumann empfand es kurz vor der Abstimmung noch als notwendig, eine Pressemeldung vor der versammelten Weltpresse (z.B. hier nachzulesen) herauszugeben, in der er nachdrücklich und fast schon weinerlich darum fleht, doch endlich auch mal was zum Thema beitragen zu dürfen:

„Als Vertreter der Stadt Künzelsau biete ich dem Kreis an, dass wir uns in den nun folgenden Prozess aktiv einbringen und gerne Verhandlungsteilnehmer werden.“

Wen er mit „ich“ meint, ist klar, aber wen genau meint er mit „wir“?

Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, daß die „Vertreter der Stadt Künzelsau“ in die Entscheidungen über das Wohl und Wehe der Stadt Künzelsau einbezogen werden. Wenn das nun, so muß ich Neumann interpretieren, nicht der Fall ist, dann muß sich der Bürgermeister und dann müssen sich natürlich auch die Bürger, um deren Stimmen er sich ja wieder bewirbt, fragen, warum das so ist.

Und auch mit den Sätzen

„Als Mitglied des Lenkungsausschusses habe ich den Prozess des Markterkundungsverfahrens aktiv begleitet. (…) Leider war kein Interessent bereit, den Standort Künzelsau als akutstationäres Haus zu betreiben.“

disqualifiziert und demontiert er sich als „Mitglied des Lenkungsausschusses“ eigentlich selbst – denn er sollte in dieser Funktion eigentlich wissen, daß (nach der Zusicherung der knapp 50 Millionen vom Land und der Zusicherung des Bettenabbaus im Gegenzug … oder war die Reihenfolge doch umgekehrt? Egal.) die Option „akutstationäres Haus in Künzelsau“ bereits bei Erstellung der Ausschreibung schon gar nicht mehr wirklich offenstand. Warum er diese Option im Nachhinein wieder in den Raum stellt, ist doch sehr merkwürdig.

Wie das Gschwaetz berichtet, sagt Dr. Andreas Eckle als Vorsitzender der BI „Wir sind HK“, daß der Bürgermeister „machtlos“ sei – und damit hat er sicherlich aus heutiger Sicht aber sowas von recht.

Man darf aber nicht vergessen, daß derselbe Bürgermeister bis 2015 Mitglied im Aufsichtsrat der Hohenloher Krankenhaus gGmbH war, also durchaus in einer Position, in der er ganz und gar nicht „machtlos“ war! Diesen Posten hat er 2015 freiwillig aufgegeben – die Gründe für den Rücktritt von diesem Amt hat er bis heute nicht öffentlich gemacht.

„Ich sehe mich nicht mehr in der Lage, meiner Aufsichtspflicht im Rahmen des mir erteilten Mandates gerecht zu werden.“

[Quelle: Hohenloher Zeitung]

ist halt leider nur eine inhaltsleere Aussage. Dabei spricht er doch selber von Aufsichtspflicht – gerade wenn die Aufsichtsführung problematisch ist, wäre es nur pflichtbewußt gegenüber den Bürgern seiner Stadt (die ihn in das Amt des Bürgermeisters Amt gewählt haben und gegenüber denen er in der Verantwortung ist), diese Aufsicht weiterhin auszuüben und seinen Einfluß innerhalb des Gremiums (und sei es vielleicht letztendlich vielleicht auch nur als lästige, aber immerhin protokollrelevante Gegenstimme) auszuüben. So hat er sich selber aus dem Spiel genommen und sich selber vom Informationsfluß abgeschnitten.

Fakt ist, daß er als Bürgermeister damit die Entscheidungsgewalt über einen ganz wichtigen Aspekt der Zukunft seiner Stadt aus der Hand gegeben hat. Ist es das, was ein Bürger von einem Bürgermeister erwartet? Zumindest ich erwarte etwas anderes.

Und Fakt ist, daß er jetzt herumjammert, daß er keinen Einfluß mehr habe. Nun … das eine hat sicherlich mit dem anderen zu tun.

Fakt ist auch, daß er sich im gesamten Prozeß nicht unbedingt durch Einbringen von konstruktiven Beiträgen hervorgetan hat. Immerhin sieht er für Künzelsau

„eine große Chance, den Standort als Gesundheitscampus in eine gute Zukunft zu überführen.“

Was das denn sein mag, so ein Gesundheitscampus, das ist sein Geheimnis – und damit ist er ein genausogroßer Geheimniskrämer wie Landrat Neth, der ja auch über „fünf tolle Konzepte“ verfügt, über die er allerdings mit den Bürgern nicht reden mag.

Über Neumanns Amtsführung wird ja bald abgestimmt und das Krankenhaus-Schlammassel ist sicher sein größter und folgenschwerster politischer Mißerfolg.

Und über den Spruch „Wir haben keine rechtliche Verantwortung, aber eine politische und moralische. Wir werden daher auch finanziell Künzelsau bei der Umsetzung unterstützen.“ von Landrat Neth sage ich jetzt besser nichts ….

 

// Den Text und weitere Kommentare von Matthias Lauterer gibt es nachzulesen auf seinem Blog rund ums Künzelsauer Weltgeschehen:

 

https://matthiasausk.blogspot.de/2018/03/des-burgermeisters-groes-mimimi.html

 

Fotos // GSCHWÄTZ; Mattias Lauterer




Jetzt wird’s persönlich

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann zur Berichterstattung der Hohenloher Zeitung über Dr. Andreas Eckle (BI) und Dr. Andor Toth

Eine „Hasskampagne“ sei von der Bürgerinitiative zum Erhalt des Hohenloher Krankenhauses (BI) gegen Dr. Andor Toth gefahren worden, so sagt es Uwe Heer, Chefredakteur der Heilbronner Stimme und Hohenloher Zeitung, in seinem 360-Grad-Video von vergangener Woche, während er eigentlich gerade dabei war, die Vorzüge des Sole- und Saunaparadieses Rappsodie in Bad Rappenau vorzustellen. So ein Verhalten sei „menschenverachtend“ und „unterste Schublade“. Dann stellte er weiter die Vorzüge der Therme vor. Was ist passiert?

Für alle, die das Thema Hohenloher Krankenhaus (HK) längst ad acta gelegt haben: Andor Toth war der ehemalige Geschäftsführer der HK, Vorgänger des jetzigen Geschäftsführers Jürgen Schopf. Der Aufsichtsrat der HK hat sich von ihm nach einer kurzen Amtszeit als Geschäftsführer getrennt und Jürgen Schopf zum 01. Februar 2017 zum neuen Geschäftsführer bestellt. Danach bewarb sich Andor Toth bei dem Zollernalb-Klinikum in Balingen als Geschäftsführer.  Laut diversen Aussagen von hiesigen Kreisräten während einer Kreistagssitzung im Juni 2017, nun von der Hohenloher Zeitung noch einmal recherchiert und von dem Landrat in Balingen bestätigt, gab es wohl Anrufe von Seiten der BI beim Balinger Klinikum mit Verweis auf das wenig rühmliche Abschneiden Toths während seiner Zeit in Künzelsau und Öhringen. Dies soll nun der Grund gewesen sein, warum Toth den dortigen Posten nicht bekommen habe.

Dr. Andreas Eckle soll laut der HZ der böse Bube gewesen sein, der hinter den Anrufen gesteckt kat. Eckle hat gegenüber der HZ schon vor einiger Zeit gesagt, dass er nicht dort angerufen hat. Trotzdem wird sein Name wieder aufs Tableau gebracht und auch seine Frau findet Erwähnung. In einem Kommentar schreibt Uwe Heer: „Dass er [Eckle] seine Gegner vernichten will, das ist schäbig. Seine Frau wird übrigens neue Vorsitzende des Sportkreises Hohenlohe. Dort legt man Wert auf Fair Play. Sie sollte ihrem Mann darin Nachhilfe geben.“

Als Chefredakteur einer unabhängigen Zeitung macht  Heer mit seinen brachialen Sätzen genau das, was er Eckle vorwirft: Er diffamiert eine Person persönlich, hat jedoch keine Beweise, dass Eckle dort angerufen hat. Auch vor Gericht gilt: Wenn es keine Beweise gibt, im Zweifel für den Angeklagten. Fair Play, oder?

Fotos // Youtube, GSCHWÄTZ