… das wünschen sich viele Menschen. Einer, der dieses Vergnügen täglich hat, ist Günter Kantenwein, der Betriebsleiter der Künzelsauer Bergbahn. Von seinem Leitstand in der Bergstation übersieht er die gesamte Strecke, die von der Talstation am Kaufland bis zur Bergstation auf Taläcker 1.034 Meter lang ist und eine Höhendifferenz von 170 Metern bewältigt. Er gerät geradezu ins Schwärmen, wenn er über die Bergbahn spricht: Rund 30.000 mal pro Jahr werden Passagiere von Künzelsau auf Taläcker oder zurück transportiert, gut eine halbe Million Passagiere werden jährlich befördert und das seit über 20 Jahren. Die Künzelsauer Bergbahn sei eine der wenigen Bergbahnen in Baden-Württemberg, die nicht nur für touristischen Verkehr im Einsatz seien, sondern jeden Tag und ganztägig Personen befördert. Inzwischen ist die Bergbahn voll in den NVH eingegliedert.

Das große Rad – in der Bergstation ist es gut zu sehen. Foto: GSCHWÄTZ
Zuverlässig und sicher
Ein zuverlässigeres und sichereres Verkehrsmittel kann er sich kaum vorstellen, denn größere Ausfälle gab es bisher nicht. Einmal, erinnert er sich, sei die Bahn nicht weitergekommen: Ein Rudel Rehe wollte partout das Gleis nicht verlassen. Und in diesem Jahr gab es einen Stromausfall, der den Betrieb kurz unterbrochen hat. Zu diesem Zeitpunkt waren die beiden Waggons in den Stationen. Die Sicherheit der Bahn liegt ihm am Herzen, daher erklärt er gerne die Sicherheitsvorkehrungen: Bei einem Stromausfall könne so gut wie nichts passieren – in dem Fall bleibe die Bahn einfach stehen und sei durch das Zugseil gesichert. Ein Rettungsweg ist über die ganze Länge der Fahrstrecke eingerichtet, Passagiere könnten die Bahn notfalls zu Fuß verlassen. Der schlimmste anzunehmende Unfall wäre ein Riß des 34mm dicken Zugseils: In diesem Fall würde die Bahn rein mechanisch abgebremst, durch Bremsbacken, die automatisch auf die Schiene abgesenkt würden.

Bremsbacken senken sich im Notfall automatisch auf die Schiene ab. Foto: GSCHWÄTZ
Jährliche Inspektion
Damit genau das nicht passiert, werden die Bahn und die technischen Einrichtungen jedes Jahr inspiziert. Zuständig ist hier nicht TÜV oder DEKRA, sondern das Landesbergamt in Freiburg. Diese eine Woche in den Sommerferien sie die einzige Ausfallzeit, die man bei der Künzelsauer Bergbahn verzeichne. In diesem Jahr ist der Betrieb allerdings für zwei Wochen unterbrochen: Alle 6 Jahre steht der Wechsel der Drehgestelle an – nach gut 200.000 Kilometern Fahrleistung pro Drehgestell ist das Vorschrift.
Alles geht Hand in Hand
Der Wechsel ist gut geplant: Die alten Drehgestelle werden gelöst, danach wird der Waggon mit einem Kran angehoben. Die alten Drehgestelle rollen einige Meter nach unten, bevor die neuen Drehgestelle, die bereits in der Bergstation auf der Schiene auf ihren Einsatz warten, unter den Waggon gefahren werden und der Waggon abgesenkt wird.

Der Waggon schwebt, das Drehgestell ist frei. Foto: GSCHWÄTZ
Das klingt einfach, erfordert aber einige Stunden Zeit – und eine gute Teamarbeit von Mitarbeitern der Stadt, den Mitarbeitern des Herstellers der Bergbahn, der Firma Doppelmayer Garaventa aus der Schweiz, und den Kranführern der Firma Fischer. Immerhin wiegt jedes Drehgestell 2 Tonnen und muß genau plaziert werden.

Hannes (l.) und Walter Fischer von der Fa. Fischer, in der Mitte Günter Kantenwein. Foto: GSCHWÄTZ
Die Drehgestelle werden beim Hersteller wieder aufgearbeitet und später irgendwo auf der Welt wieder in eine Anlage eingebaut. Kantenwein weiß zum Beispiel, dass in Künzelsau schon Drehgestelle gearbeitet haben, die vorher bei einer Bergbahn in Schottland eingebaut waren.
Angebot wird gut angenommen
Mehr als 3.000 Menschen wohnen inzwischen auf Taläcker. Kantenwein kennt seine Stammgäste, er sieht nicht nur Schüler:innen und Berufstätige. Er sieht auch Menschen, die die Bahn einfach nutzen „um ein Stück Butter oder eine Hefe“ einzukaufen. Wie gut die Bergbahn von den Bürger:innen angenommen wird, zeigt eine Zahl, die Stadtkämmerer Ulrich Walter nennt: „Der durchschnittliche Kostendeckungsgrad der Bergbahn in den letzten 20 Jahren liegt bei 75 Prozent“ sagt er und ergänzt: „Das ist für ein öffentliches Personenverkehrsmittel sehr gut“.
Inspektion am 12. August 2021
Am 12. August 2021 wird das Bergamt die Abnahme vornehmen – dann darf die Bahn ein weiteres Jahr fahren. Ab Montag, den 15. August 2021, steht die Bahn wieder für den öffentlichen Verkehr zur Verfügung, bis dahin ist ein Busersatzverkehr im Einsatz.
Text: Matthias Lauterer