1

Gemeinderat ist sich einig: Das Krankenhaus darf vorerst nicht abgerissen werden

In der Sitzung vom 18. Oktober 2022 hat der Gemeinderat einstimmig einen richtungsweisenden Beschluß zur Zukunft des Geländes, auf dem das Krankenhausgebäude steht, gefaßt: Für das rund 1,7 Hektar große Areal, das neben dem Krankenhaus und dem Medikün auch unbebautes Gelände enthält, wurde eine Veränderungssperre erlassen.

GSCHWÄTZ hatte bei BBT unter anderem nachgefragt, ob schon ein Investor bereitsteht. In der umfangreichen Antwort wurden genau diese beiden Fragen nicht beantwortet.
BBT bestätigte in der Antwort allerdings mehrere Gutachten, die offenbar den Gemeinderäten und der Verwaltung bisher nicht vorliegen.

Nach dem Beschluss des Kreistags, die „Vermarktung“ des Geländes durch die Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) freizugeben, hat nun die Stadt Künzelsau eine Satzung über eine Veränderungssperre beschlossen. Das bedeutet, dass die Eigentümer nun keine Veränderungen an dem Gebäude durchführen können, insbesondere ein Abriß ist damit vorläufig vom Tisch.

Städtebauliche Verantwortung und Hoheit liegt in den Händen der Stadt

Bürgermeister Stefan Neumann sieht das Gelände weiterhin als den geeignetsten Standort für ein Zentrum für medizinische Dienstleistungen in Künzelsau. „Es ist nun an uns, unsere Rechte zu wahren“, sagt er – und die städtebauliche Verantwortung liegt tatsächlich in den Händen der Stadt und nicht bei einem möglichen Investor. Ziel der Stadt Künzelsau ist es, die Flächen für gesundheitsnahe Dienstleistungen, aber auch für Wohnbebauung zu nutzen. „Um die Planung bis zur Rechtskraft des Bebauungsplans abzusichern, ist eine Satzung über eine
Veränderungssperre erforderlich“, so der Beschlußantrag.

Etwa 1.7ha umfasst das Gelände, ein großer Teil ist unbebaut. Foto: Sitzungsunterlagen

Einmütig äußern sich alle Fraktionen in diesem Sinne. Hans-Jürgen Saknus sieht einen Umbruch in der medizinischen Versorgung und fordert, dass die bisherigen Gutachten – es gibt davon mehrere -, die die HK eingeholt haben, der Stadt Künzelsau zur Verfügung gestellt werden. Außerdem schlägt er eine fraktionsübergreifende Arbeitsgruppe vor, die erarbeitet, was auf dem Gelände entstehen könnte.

„Heisse Luft“

Verena Löhlein-Ehrler findet deutliche Worte: „Nur Versprechungen wie heiße Luft“ habe man bisher von der Trägergesellschaft Barmherzige Brüder Trier (BBT) gehört. Auch beim geplanten Hospiz sieht sie keinen Fortschritt, dabei würde so eine Einrichtung dringen gebraucht, die nächsten Hospize seien in Ansbach, Weinsbach oder Würzburg. „Es darf nicht sein, dass der Kreis damit Geld verdient. Wir müssen nach uns schauen, sonst tuts niemand“.

„Wir müssen einen Ersatz für das schaffen, was wir verloren haben.“

Von einem „Debakel“ ums Krankenhaus spricht Boris d’Angelo. „Wir müssen selbst sehen, dass unsere Versorgung gewährleistet ist“. Er zitiert eine Studie, nach der sich die medizinische Versorgung überall dort, wo Krankenhäuser geschlossen wurden, verschlechtert hat und verweist darauf, dass viele in Künzelsau ansässige Ärzte erst im Krankenhaus gearbeitet hätten, bevor sie eine Praxis eröffnet haben. „Wir müssen einen Ort bekommen, wo gesundheitsnahe Dienstleistungen vorhanden sind“, sagt er, „einen Anlaufpunkt für die Bevölkerung, wo sich auch Ärzte austauschen. Wir müssen einen Ersatz für das schaffen, was wir verloren haben.“

Konsequenzen für Eigentümer und Investoren

Die Konsequenz ist nun, dass die Stadt Künzelsau erst einmal einen Rahmen festlegen für das festlegen muss, was sie sich auf diesem Gelände vorstellt, das ein städteplanerisches Sahnestück ist. Auch ist zu klären, welche Nutzungen das Gebäude in seiner jetzigen Form oder mit wirtschaftlich vertretbaren Renovierungen zuläßt. Jeder Investor, der das Grundstück neu bebauen will, muss seine Pläne mit den Vorstellungen der Stadt abgleichen. Ein unmittelbarer einfacher Abriss, um das Gelände einfach einem Investor unbebaut zu verkaufen, ist jetzt nicht mehr möglich. Die Stadt hat nunmehr „den Daumen drauf“, kann die Bausubstanz des Gebäudes selber prüfen und in Ruhe einen Bebauungsplan erstellen – ggf. auch in Zusammenarbeit mit einem geeigneten Investor.

Text: Matthias Lauterer

 




BBT bezeichnet Künzelsauer Krankenhaus nicht als „marode“

In der Kreistagssitzung vom 26. September 2022 wurde die BBT als Mehrheitseigentümerin der Hohenloher Krankenhaus gGmbH (HK) dafür verantwortlich oder mitverantwortlich gemacht, dass für das Krankenhausgebäude keine Nachnutzung gefunden wurde und dass das versprochene Medizinische Versorgungszentrum bisher nicht wirklich existiert.

BBT konnte im Kreistag nicht Stellung beziehen – GSCHWÄTZ bietet die Möglichkeit

GSCHWÄTZ hat der BBT-Gruppe daher die Gelegenheit gegeben, ihre Sicht der Dinge darzustellen. Ute Emig-Lange, die zuständige Presseprecherin hat das getan. Sie bestätigt, dass mehrere Nachnutzungen geprüft wurden, allerdings nennt sie neben einer Nutzbarkeit als Bürogebäude nur Nachnutzungen im medizinnahen Bereich:

„mehrere umfangreiche Prüfverfahren“

„Die BBT-Gruppe als Mehrheitsgesellschafter der Hohenloher Krankenhaus gGmbH [die BBT-Gruppe hält 51 Prozent der Anteile, der Hohenlohekreis den Rest, Red.]  seit 2019 mehrere umfangreichen Prüfverfahren in Auftrag gegeben, um Nachnutzungsmöglichkeiten für das Gebäude des ehemaligen Krankenhauses in Künzelsau auszuloten.
Untersucht wurden unter anderem die Nutzung und Vermarktung als Bürogebäude, die Nutzung als Kurzzeitpflegeeinrichtung, die Nutzung als Reha-Einrichtung sowie die Nutzung als Hospiz. Die Gutachten wurden von national und international renommierten Firmen durchgeführt. Dazu gehört die Beraterfirma Drees & Sommer mit Sitz in Frankfurt.“

Eine Nachnutzung beispielsweise als Studentenwohnheim, was bei vielen einzelnen Zimmern mit Sanitäranschluß eine denkbare Option wäre, nennt sie nicht. Für Studentenappartements dürfte es in Künzelsau Nachfrage geben.

Keine Rede von „marode“ – dafür von hohem Investitionsbedarf

Emig-Lange spricht – im Gegensatz zur Kreisverwaltung – nicht davon, dass das Gebäude selbst in Gänze „marode“ sei. Sie sagt stattdessen, dass der projektbezogene Sanierungsbedarf der untersuchten Nachnutzungen, sich als unwirtschaftlich herausgestellt habe – das ist natürlich eine ganz andere Aussage mit einem ganz anderen Inhalt: „Bei allen genannten Nachnutzungsszenarien wurde der große Sanierungs- bzw. Modernisierungsbedarf im Gebäude von den Gutachtern unterstrichen. Eine Umnutzung des Gebäudes mache eine „Komplettrevitalisierung“ mit erheblichen Kostenrisiken erforderlich, so ein Fazit der Gutachter, so dass eine geeignete Nachnutzung in jedem Szenario mit sehr hohen Investitionskosten verbunden wäre. Unter diesen Voraussetzungen ist eine wirtschaftlich darstellbare Nutzung des ehemaligen Krankenhausgebäudes aus Sicht der BBT-Gruppe und des Hohenlohekreises nicht möglich. Alle angedachten Projekte scheiterten an den zu hohen Umbau- und Sanierungskosten.“

Um im Beispiel zu bleiben: Ein Studentenwohnheim hätte möglicherweise deutlich geringere Sanierungskosten erfordert als jegliche medizin-nahe Nachnutzung.

„Verwertung“ als einzige Alternative

Unter diesen Umständen sei, so Emig-Lange, eine „Verwertung“ für die HK die wirtschaftlich einzige sinnvolle Alternative:

„Daher suchen wir nun nach einer geeigneten Verwertung des Areals. Dafür hat der Kreistagsbeschluss vom vergangenen Montag die Grundlage gelegt. Die möglichen Szenarien werden im Kreistagsbeschluss vom Montag genannt.“ Genaugenommen ist dort sogar nur ein Szenario genannt: Der Verkauf des Areals, entweder mit Bestandsgebäuden oder nach einem vorherigen Abriß der Gebäude.

Zusammenarbeit mit der Stadt Künzelsau notwendig

Auch in Richtung Stadt Künzelsau spricht Emig-Lange in einem ganz anderen Duktus als die Kreisverwaltung, sie geht von einer Zusammenarbeit aus, wie das in aller Regel bei so großen Projekten auch üblich ist: „Wichtig für eine erfolgreiche Vermarktung des Areals mit einer guten Entwicklungsperspektive für das Grundstück in sehr guter Stadtlage ist nun die Zusammenarbeit mit der Stadt Künzelsau. Der aktuelle Bebauungsplan lässt für einen möglichen Investor praktisch keinen Spielraum, im Rahmen des bisherigen Bebauungsplans ist daher keine sinnvolle Vermarktung zu erwarten. Wir werden nun mit der Stadt Künzelsau das Gespräch über eine Änderung des Bebauungsplans suchen.“

Auf die Frage, ob es bereits Interessenten für das Grundstück oder das Gebäude gibt, geht Emig-Lange allerdings nicht ein.

Auf mittlere Sicht kein MVZ zu erwarten

Sowohl der Landkreis als auch die BBT haben den Künzelsauer:innen als eine Art Kompensation für den Verlust des Krankenhauses ein  „Gesundheitszentrum, das neue Möglichkeiten bietet“ versprochen. Von diesem MVZ ist wenig zu sehen – eine einzige aktive Praxis kann man kaum als lebendiges MVZ bezeichnen. Natürlich hat GSCHWÄTZ auch nach dem MVZ nachgefragt, etwa warum die Bemühungen der BBT, Ärzte für ein MVZ zu finden, offensichtlich nicht erfolgreich waren. Emig-Lange antwortet kurz – der Fragenkatalog ist länger als die Antwort – aber durch die Kürze vielsagend:

„Die medizinische Versorgung der Menschen in Künzelsau und Umgebung mit niedergelassenen Haus- und Fachärzten ist nach wie vor sehr gut. Viele etablierte Praxen halten an ihrer Selbständigkeit fest und suchen aktuell nicht den Weg in ein Medizinisches Versorgungszentrum. Wir sehen das Medizinische Versorgungszentrum MVZ mittel- und langfristig als ein gutes Modell, um die ambulante medizinische Versorgung auch zukünftig zu sichern und bemühen uns intensiv, offene Arztstellen zu besetzen.“

Die Aussage, dass die medizinische Versorgung in Künzelsau „sehr gut“ ist, wird nicht jeder bestätigen, der im Umkreis der Stadt Künzelsau nach einem Arzt oder Facharzt sucht. Dazu fehlen der Kreisstadt einfach einige Fachrichtungen.

Eigenverantwortliche Praxis oder angestellte ärztliche Tätigkeit

Es ist verständlich, wenn sich ein erfahrener Arzt, der seit Jahren eine wirtschaftlich erfolgreiche Praxis in unternehmerischer Eigenverantwortung führt, nicht mit einer angestellten Tätigkeit liebäugeln möchte. Für neue Ärzte stehen derzeit keine Kassensitze zur Verfügung, sodass das MVZ auch nicht mit neuen Ärzten besetzt werden kann, die HK ist also derzeit darauf angewiesen, dass ein ansässiger Arzt ins MVZ eintreten würde – oder dass sich einer der hiesigen Ärzte sich in den Ruhestand zurückzieht, nicht mehr ärztlich tätig ist und seinen Arztsitz an die KH abgibt.

Es sieht schlecht aus für das Konzept MVZ

Die Anzahl der für Künzelsau vorgesehenen Kassensitze war zum Zeitpunkt der Überlegungen für das MVZ bekannt. Man darf also guten Gewissens den Ansatz der BBT, ansässige Ärzte zu einem Übergang in das MVZ zu bewegen, als gescheitert ansehen. Ein solches MVZ lebt aber nicht nur von den beteiligten Ärzten, sondern auch von den medizinnahen Dienstleistungen drumherum, von Apotheken, Physiotherapeuten, Pflegediensten und was man sich alles vorstellen kann. Auch in diesem Bereich tat sich wenig, die Physiotherapiepraxis, die im Krankenhaus angesiedelt war, ist sogar inzwischen nach Schloß Stetten umgezogen. Die konkrete Frage, ob vielleicht der neuerbaute Medizincampus auf Schloß Stetten die Entwicklung des MVZ behindert haben könnte, beantwortetet Emig-Lange nicht.

Wo will man dann ein MVZ aufbauen?

Künzelsaus Bürgermeister Neumann argumentierte in der Kreistagssitzung, dass es sich beim Künzelsauer Krankenhausgebäude um einen etablierten Gesundheitsstandort handelt. Ein anderer geeigneter Standort für die Ansiedlung mehrerer unterschiedlicher Arztpraxen wird im Bereich der Künzelsauer Kernstadt kaum zu finden sein. Und darüber, wo die gut angenommene Psychiatrische Tagesklinik, die vom Klinikum am Weissenhof betreiben wird, ihren neuen Platz finden soll, darüber hat noch niemand ein Wort verloren.

Text: Matthias Lauterer




„Daher kann man aktuell nicht von einer Entlastung für das ärztliche und pflegerische Personal sprechen“

Bundesweit sind die Inzidenzwerte der Neuinfektionen in den Wochen des Lockdowns gesunken, auch in Schwäbisch Hall und im Hohenlohekreis war dieser Abschwung vor dem neuen Ausbruch bereits spürbar.

DIAK: „Die Belegungszahlen sind stabil“

Die Beschäftigten in den Krankenhäusern haben davon allerdings noch wenig gespürt, da sich der Abschwung erst zeitversetzt in den Behandlungzsahlen wiederspiegelt: „Die Belegungszahlen sind stabil. Auch wenn die allgemeinen Inzidenzzahlen derzeit sinken, wird sich eine Entlastung unserer Mitarbeitenden erst verzögert einstellen“, sagt Markus Wagner, Pressesprecher des DIAKONEO-Verbunds,zu dem auch das DIAK in Schwäbisch Hall gehört. Und er fügt hinzu: “ wenn die Ansteckungsrate niedrig bleibt.“ Im DIAK waren am 17. Februar 2021 „15 Patienten mit einer Corona-Infektion und zwei Patienten mit Verdacht auf eine Infektion stationär aufgenommen. Drei davon werden intensivmedizinisch betreut, zwei davon beatmet“, so Wagner. Am 17. Februar hat das  DIAK 6 freie Intensivbetten an das DIVI-Zentralregister gemeldet.

Britische Variante auch in den Krankenhäusern der BBT-Gruppe

„Im Hohenloher Krankenhaus werden zurzeit täglich im Schnitt 10 bis 15 Patienten mit dem Verdacht auf eine Infektion bzw. positiv getestete Patienten behandelt, darunter in der Regel 2 bis 3 auf der Intensivstation“, teilt Ute Emig-Lange, Leiterin Unternehmenskommunikation der BBT-Gruppe, mit. Weiter sagt sie: „Im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim liegt die Zahl der COVID-19-Patienten sowie der Corona-Verdachtspatienten insgesamt bei etwas mehr als zehn. In beiden Krankenhäusern sind auch schon Fälle mit der so genannten britischen Variante aufgetreten.“

HK: „Bestenfalls ein paar wenige Tage zum Durchatmen“ für das Personal

Auch im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen gibt es für das Personal noch keine Entspannung, wie Dr. Werner Reinosch, ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus, betont: „Durch die Ausbrüche in verschiedenen Firmen in der Region ist der Hohenlohekreis und auch der Landkreis Schwäbisch-Hall – wieder einmal – zum Hotspot geworden. Erfahrungsgemäß kommen die schweren Krankheitsverläufe dann etwa zehn bis 14 Tage später zu uns ins Krankenhaus. Wir bleiben daher in Bereitschaft und für das Personal gibt es wahrscheinlich bestenfalls ein paar wenige Tage zum Durchatmen.“  Am 20. Februar 2021 meldete das DIVI-Intensivregister ein freies Intensivbett am Hohenloher Krankenhaus.

Sicherheitsmaßnahmen im HK weiterhin hoch

Reinosch beschreibt die Sicherheitsmaßnahmen für Patienten und Personal im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen: „Wir testen alle Patienten vor der stationären Aufnahme mit einem PCR-Test, zusätzlich werden sie einmal pro Woche mit einem Antigen-Schnelltest auf Corona abgestrichen. Auch das gesamte Personal wird regelmäßig wöchentlich getestet, bei Verdacht auf ungeschützten Kontakt – etwa wenn das Testergebnis eines Notfall-Patienten erst nachträglich bekannt wurde – werden zusätzliche Tests angeordnet. Patienten mit Verdacht auf eine Corona-Infektion werden auf einer separaten Isolierstation aufgenommen, getrennt von den übrigen Patienten, die wir natürlich nach wie vor behandeln. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im patientennahen Bereich tragen FFP2-Masken, auch alle ambulanten Patienten müssen FFP2-Masken tragen. Dies gilt ebenfalls für Rettungssanitäter oder Polizisten, wenn sie das Krankenhaus betreten. Die in besonderen Ausnahmefällen zugelassenen Besucher, z.B. bei sterbenden oder schwerstkranken Patienten, müssen einen negativen Antigentest vorweisen, der nicht älter ist als 48 Stunden und zusätzlich ebenfalls FFP2-Masken aufsetzen. Mit diesen Maßnahmen, versuchen wir – gerade auch mit Blick auf die hoch ansteckenden neuen Mutationen – Corona-Infektionen soweit wie irgend möglich zu verhindern.“

Umfangreiche Schutzmaßnahmen auch wegen britischer Mutante

„Dies ist in unseren Krankenhäusern inzwischen Standard“, unterstreicht der ärztliche Direktor des Caritas-Krankenhauses, Dr. Ulrich Schlembach: „Gerade mit Blick auf die auch bei uns in der Region aufgetreten Virusmutationen gehe ich davon aus, dass wir unsere umfangreichen Schutzmaßnahmen im Krankenhaus noch einige Zeit beibehalten werden.“

Auch eine hohe Zahl an Patienten mit anderen schweren Erkrankungen und zahlreiche Notfälle

Auch im Caritas-Krankenhaus sinkt die Belastung für das Personal nicht: „Im Caritas-Krankenhaus behandeln wir neben den Corona-Patienten zur Zeit eine hohe Zahl an Patienten mit anderen schweren Erkrankungen und zahlreiche Notfälle, so dass die Intensivstationen im Haus trotz der rückläufigen Zahl an COVID-19-Patienten stark belegt sind. Daher kann man aktuell nicht von einer Entlastung für das ärztliche und pflegerische Personal sprechen“, sagt Schlembach.

Impfungen für Krankenhauspersonal weit fortgeschritten

Im Hohenloher Krankenhaus sind bereits mehr als 200 Mitarbeiter:innen geimpft: „Damit sind die Mitarbeitenden der ersten Prioritätsstufe weitgehend geimpft – eine große Erleichterung im täglichen Umgang mit Corona-Patienten. Allerdings müssen bis auf Weiteres alle oben genannten Hygienemaßnahmen, wie Maskentragen, Abstandhalten, Tests etc. von den Mitarbeitenden eingehalten werden – denn noch wissen wir nicht, ob die Infektion trotz Impfung weitergegeben werden kann.“, so Dr. Reinosch.

„Alle Impfstoffe schützen sehr gut vor schweren Komplikationen“

Auch in Bad Mergentheim sind rund 200 Mitarbeiter:innen geimpft: „Und seit dieser Woche wissen wir, dass wir zusätzlich Impfdosen von AstraZeneca erhalten werden.“ Dr. Schlembach betont: „Auch wenn hier die Wirksamkeit etwas niedriger angegeben wird – entscheidend ist: Alle Impfstoffe, die bisher in großen Studien getestet und zugelassen wurden, schützen sehr gut vor schweren Komplikationen. In den Studien musste nicht eine vollständig geimpfte Person wegen COVID-19 ins Krankenhaus, keine einzige starb. Daher sind wir froh, unseren Mitarbeiter:innen nun weitere Impfungen anbieten zu können. Das Interesse daran ist nach wie vor sehr hoch, und noch sind nicht alle Kolleg:innen  der ersten Priorität durch eine Impfung geschützt.“

Im DIAK kann die Impfung der Stufe 2 beginnen – wenn der Impfstoff kommt.

„Am Diakoneo Diak Klinikum Schwäbisch Hall sind bisher 350 Mitarbeitende der höchsten Priorität mit einer ersten Impfung versorgt worden“, teilt Thomas Wagner mit: „Für die Mitarbeitenden der Priorität 2 erwarten wir täglich die vom Sozialministerium angekündigte Impfstofflieferung.“

Text: Matthias Lauterer

Dr. Werner Reinosch, Ärztlicher Direktor im Hohenloher Krankenhaus Öhringen. Bild: BBT-Gruppe

Dr. Ulrich Schlembach, Ärztlicher Direktor Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim. Bild: BBT-Gruppe

 




Landratsamt sagt: Corona-Isolierstation im Künzelsauer Krankenhausgebäude für gesunde & kranke Menschen gleichermaßen gedacht

Nun ist es amtlich, was GSCHWÄTZ Anfang dieser Woche veröffentlicht hat: Die Landkreisverwaltung hat sich entschieden, im ehemaligen Krankenhaus Künzelsau eine Isolierstation einzurichten. Am heutigen Donnerstag, den 26. März 2020, nun hierzu auch eine offizielle Pressemitteilung.

Die Isolierstation kann, so das Landratsamt, für folgende Fälle genutzt werden:

1. Menschen mit schwachen Krankheitsanzeichen, die nicht zuhause leben können, weil dort Risikogruppen mit Ihnen leben.
2. Gesunde Menschen, die von kranken Familienmitgliedern getrennt werden sollen.
3. Klassische Verdachtspersonen, d.h. z.B. Personen, die aus dem Ausland einreisen, können in der Isolierstation zwei Wochen leben, bis klar ist, dass sie keine Infektion haben.
4. Risikogruppen, wie z.B. alte oder immunschwache Menschen, die von den Familienmitgliedern getrennt untergebracht werden sollen.
5. Mitglieder von systemrelevanten Berufen, die vorsorglich isoliert leben sollen.
6. Menschen, die aus dem Krankenhaus mit noch schwachen Symptomen entlassen werden.

Offen lässt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung, wie gesunde Menschen aus Risikogruppen innerhalb des Gebäudes strikt getrennt werden von Coronapatienten, um Ansteckungen zu vermeiden. Zumal sich dort vermutlich jeder frei bewegen kann.

Die BBT-Gruppe hat noch vor rund zwei Wochen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage ein klares „Nein“ geantwortet bei der Frage, ob das eheamlige Künzelsauer Krankenhaus im Rahmen der Corona-Pandemie genutzt werden könnte. https://www.gschwaetz.de/2020/03/10/coronavirus-quarantaenestation-in-kupferzell-krankenhaus-kuenzelsau-kommt-nicht-als-quarantaenestation-in-betracht/

Nun also der Umschwung, nachdem der Hohenlohekreis mit steigenden Coronazahlen zum deutschlandweiten Hotspot avanciert ist.

Die Hohenloher Krankenhaus GmbH habe in den vergangenen Wochen überprüft, inwiefern kurzfristig weitere Krankenhausplätze geschaffen werden können, erklärt das Landratsamt die Meinungsänderung. Für Coronapatienten mit einem schweren Krankheitsverlauf stünde jedoch nach wie vor das Öhringer Krankenhaus an erster Anlaufstelle. Denn: „Insbesondere für Menschen, die beatmet werden müssen, ist es nicht sinnvoll, diese im Hohenlohekreis außerhalb des Öhringer Krankenhauses unterzubringen. Denn nur im Krankenhaus Öhringen sind die medizinischen Geräte und die medizinischen Fachleute vor Ort.“

Aufnahme erfolgt freiwillig – medizinisches Personal werde es nicht geben

Daher handelt es sich, betont das Landratsamt, „beim ehemaligen Krankenhaus in Künzelsau um eine reine Isoliereinrichtung, eine medizinische Versorgung wird nicht angeboten. Die Aufnahme in der Isolierstation erfolgt freiwillig. Das Essen der Bewohner werde vom DRK Hohenlohekreis gestellt. Warum aber hat man die Isolierstation nicht in Kupferzell belassen? „Ein Vorteil gegenüber der Isolierstation in der Akademie Kupferzell ist, dass die Zimmer im ehemaligen Krankenhaus Nasszellen haben und die dort lebenden Personen somit ihre Zimmer nicht verlassen müssen“, erklärt das Landratsamt.

Aber es gäbe noch einen weiteren Grund: „Aus den Krankenhausentlassberichten von bisherigen Patienten ist ersichtlich, dass viele Infizierte aus dem Krankenhaus entlassen werden können, auch wenn noch leichte Krankheitssymptome und eine Virusausscheidung vorliegen. Diese Personen können dann, falls eine häusliche Unterbringung nicht sinnvoll ist, in der Isolierstation bis zur vollständigen Genesung bleiben. Dadurch können Krankhausbetten für schwerer erkrankte Personen freigehalten werden.“

Das Technische Hilfswerk Künzelsau werde, so das Landratsamt, die Isolierstation im Krankenhaus Künzelsau mit Materialien, die noch aus der Flüchtlingskrise zur Verfügung stehen, herrichten.

Ab nächster Woche startklar

Die Nutzung des Gebäudes wurde mit der Stadt Künzelsau abgestimmt. Die Isolierstation könnte somit ab Anfang nächster Woche in Betrieb gehen. Platz für über 50 Personen steht dann bereit.
Landrat Dr. Neth und die BBT-Gruppe haben dem Land Baden-Württemberg auch frühzeitig angeboten, dass das ehemalige Künzelsauer Krankenhaus für landeseigene Nutzungen zur Verfügung steht. Auch der Bundeswehr sei das Gebäude zum Gebrauch angeboten worden. Vor zwei Tagen allerdings wusste die dafür zuständige Bundeswehr in Stuttgart noch nichts davon (wir berichteten https://www.gschwaetz.de/?s=bundeswehr ). Das Land und der Bund würden derzeit noch prüfen, ob sie das Krankenhausgebäude nutzen möchten. Falls diese Prüfung positiv verlaufe, könnte sich der Hohenlohekreis vorstellen, „die Räumlichkeiten dann anderen Trägern zu übergeben“. Die BBT-Gruppe als Mehrheitseigner erwähnt das Landratsamt in seiner Pressemitteilung nicht.




HK: “ Da kommt en Bepper drauf“ – Nur wenige Kreisräte setzen sich für Künzelsau ein – Zuschauer pfeifen Landrat aus – Die besten Zitate

Gestern war Kreistagsmarathon. Bis abends ging die Sitzung des Kreistages des Hohenlohekreises in Zweiflingen am Montag, den 04. November 2019 mit Punkten wie dem Haushalt, steigenden Abfallgebühren und das wohl emotionalste Thema von allen: der zukünftigen Gesundheitsversorgung im Hohenlohekreis. Nachdem dieser Punkt abgehandelt war, verließen dann auch schlagartig fast alle der rund 200 gekommenen Zuschauer den Saal in der Zweiflinger Mehrzweckhalle, obwohl noch einige andere Punkte wie unter anderem die steigenden Abfallgebühren auf dem Programm standen. Bis dahin aber ging es nochmal heiß her und ungewöhnlich viele Kreisräte meldeten sich beim Thema Gesundheitsversorgung  zu Wort. Für Künzelsau machten sich vor allem Hans-Jürgen Saknus (SPD), Anton Baron (AfD) und Christian von Stetten (CDU) stark. Dr. Dubowy, Kreistagsmitglied und Arzt in Krautheim, sowie Achim Beck, Bürgermeister in Niedernhall, beide nur einen Steinwurf entfernt von Künzelsau, fielen hingegen eher durch andersgeartete Äußerungen auf.

Matthias Warmuth, einer der BBT-Geschäftsführer, verwies darauf, dass BBT nicht für die ambulante Versorgung zuständig sei. Foto: GSCHWÄTZ

BBT: „Die Sicherstellung des ambulanten Bereiches liegt nicht bei uns“

Matthias Warmuth, einer der Geschäftsführer der BBT-Gruppe (die BBT-Gruppe ist der Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses (HK)), machte noch einmal mehrfach deutlich, dass „die Entwicklung eines ambulanten Gesundheitssektors in Künzelsau eigentlich nicht mehr in die Zuständigkeit der BBt-Gruppe falle. Wir haben nun keine echte Zuständigkeit mehr, lediglich in der stationären Versorgung. Die Sicherstellung des ambulanten Bereiches liegt nicht bei uns.“ Aber er betonte auch: „Wir möchten den ambulanten Sektor so weit es geht unterstützen“, auch wenn das nicht das eigentliche Handlungsfeld der BBT sei.“Wir möchten ein Mehr an ambulanter Versorgung schaffen. Eine ambulante Versorgung aber kann ein Krankenhaus nicht in Gänze ersetzen“,  das weiß auch Warmuth und sagte weiter: „Wir werden Sitze niemals gegen die bereits niedergelassenen Kollegen etablieren, sondern mit ihnen.“ Hintergrund dieser Aussage ist, dass man eine Sonderbedarf für ärztliche Sitze hätte beantragen können, die durch die Schließung eines Krankenhauses wegfallen, zum Beispiel im Bereich der Inneren Medizin. Die BBT-Gruppe hat diese Sonderbedarf nicht beantragt, weil die niedergelassenen Ärzte in Künzelsau laut BBT-Aussagen nicht dahintergestanden seien. Somit werden diese Sitze für Künzelsau erst einmal nicht kommen.

Landrat Dr. Matthias Neth verweist auf Sanierungskosten von über 40 Millionen Euro für den „Bettenblock“ in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Landrat Neth: „Ich weiß, dass viele kein Verständnis haben“

Landrat Dr. Matthias Neth weiß, dass er und der Kreistag wegen der Entscheidung zur Schließung des Krankenhausstandortes in Künzelsau noch immer massiv bei den Bürgern besonders in Künzelsau in der Kritik stehen: „Ich weiß, dass viele weiterhin kein Verständnis für die Verlegung der akutstationären Versorgung nach Öhringen haben.“ In diesem Zuge zählte er aber Beispiel um Beispiel in ganz Baden-Württemberg auf, wo Krankenhäuser geschlossen und MVZ gebildet wurden, unter anderem nannte er Brackenheim und Möckmühl. Durch diese Zentralisierung soll eine „bessere Gesundheitsversorgung erreicht werden“.

Neth zum Neubau Öhringen: „Es wird eine extreme Herausforderung, im Kostenrahmen zu bleiben“

Anton Baron (AfD) verwies hingegen darauf, dass die MVZs in Brackenheim und Möckmühl kläglich gescheitert seien.“Der Beschlussantrag ist für uns eine große Enttäuschung. In Künzelsau können künftig Patienten nur noch ambulant behandelt werden.“ Tatsächlich bringe dieser Sitzdienst bei einer lebensbedrohlichen Krankheit nichts, nur der Rettungsdienst. Auch bei einem Beinbruch könne dieser Notarzt im Sitzdienst in Künzelsau nicht wirklich viel bewirken. „Wir sehen einen Handlungsbedarf im Bereich des Rettungsdienstes“, sagte er  und forderte zugleich einen Ausbau des Rettungsdienstes. „Wir werden das Medizinzentrum mittragen. Besser etwas als gar nichts. Aber es ersetzt ein Krankenhaus nicht“, machte Baron zum Schluss noch einmal deutlich. Auf Barons Frage, ob es stimme, dass der Neubau in Öhringen keine 100 Millionen, sondern mittlerweile zwischen 150 und 200 Millionen Euro kosten solle, äußerte sich Landrat Neth nur insofern, als dass er sagte, dass die derzeitigen Baukosten deutschlandweit steigen und daher immer schwerer zu kalkulieren seien. Auf erste Kostenschätzungen der Architekten „warten wir noch“, sagte Neth. Es werde jedoch „eine enorme Herausforderung, im Kostenrahmen zu bleiben“.

Anton Baron: „Wir sehen einen Handlungsbedarf im Rettungsdienst“

Anton Baron (2. von rechts) stellte einige kritische Nachfragen im Bezug auf die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Christian von Stettens neues Praxishaus stand in der Kreistagssitzung in der Kritik. Foto: GSCHWÄTZ

Für Stefan Neumann gab es schon angenehmere Kreistagssitzungen (4. v. links). Foto: GSCHWÄTZ

Bürgermeister Stefan Neumann hielt sich an diesem Abend mit öffentlichen Äußerungen in der Kreistagssitzung zurück. Er sagte lediglich unmittelbar nach dem Statement der BBT-Gruppe: „Ich darf mich bedanken, dass Sie heute öffentlich gemacht haben, wo wir eigentlich stehen, was kommt und was nicht im ersten Schritt kommt (Anm. d. Redaktion: zusätzliche Angebote im Bereich der Pflege). Die Stadt Künzelsau ist natürlich bereit, diesen Prozess gemeinsam zu gehen, so dass wir auch inhaltlich vorankommen. Das ist wichtig für den Mittelbereich Künzelsau.“ Völlig überrascht war er laut eigenen Aussagen von dem Antrag von Achim Beck im Namen der Bürgerlichen Wählervereinigung (BWV), den geplanten Notarzt-Sitzdienst, der ab November 2019 in Künzelsau kommen soll, bereits im Februar 2020 hinsichtlich der Sinnhaftigkeit eines solchen Sitzes zu prüfen. Beck: „wir fordern Fallzahlen, Patientenkosten und die Ergebnisse der Behandlungen.“ Für einige Zuschauer kam dieser Vorschlag ebenfalls überraschend, ist doch Beck mit seiner Stadt Niedernhall nur einen Steinwurf von Künzelsau entfernt und gehört damit ebenfalls zum Einzugsgebiet der Kreisstadt.

Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck (3. von rechts) stellte die Sinnhaftigkeit eines Notarzt-Dienstes in Künzelsau in Frage. Auch Dubowy (2. von rechts), ebenfalls von den Freien Wählern, erachtet den Notarzt-Sitzdienst in Künzelsau als wenig sinnvoll. Foto: GSCHWÄTZ

Doppelstrukturen? von Stettens neues Praxishaus in der Kritik

Laut Beck seien die Kosten von über 500.000 Euro jährlich nicht zu vertreten im Hinblick darauf, dass dieser Notarzt nicht mal ein Rezept oder eine Überweisung ins Krankenhaus ausstellen könne. Irmgard Kircher-Wieland von der SPD stimmte ihm dabei zu. Waltraud Kuhnle (FDP, Ingelfingen) fragte gar: „Wer bezahlt ein eventuell nicht kostendeckendes MVZ?“ Wieder ging es in dieser Kreistagssitzung in erster Linie um die Kosten in Künzelsau. Beinahe ausgeklammert wurden die immensen Neubau-Kosten in Öhringen. Auf GSCHWÄTZ-Nachfrage sagte Neumann in Bezug auf die Forderung der Freien Wähler, den Notdienst-Sitz bereits im Februar ob der Sinnhaftigkeit zu überprüfen: Eine derartige Forderung „untergräbt die Glaubwürdigkeit des Kreistages.“ Christian von Stetten führte diesen Glaubwürdigkeitsverlust denn auch in der öffentlichen Sitzung näher aus, indem er Achim Beck antwortete: „Dazu kann ich  nur sagen: Ursprünglich wollten wir zwei Krankenhäuser halten, dann sollte Künzelsau erst geschlossen werden, wenn Öhringens Neubau fertig ist. Dann sollte zumindest eine 24-Stunden-Versorgung für Künzelsau gewährleistet sein. Und jetzt steht auch das auf der Kippe?“ Er habe seine Zweifel, ob das noch vermittelbar sei.

Kuhnle, FDP, Ingelfingen: „Wer bezahlt ein nicht-kostendeckendes MVZ?“

Aber auch Christian von Stettens neues Ärztehaus, das im Frühjahr Eröffnung feiern soll, stand in dieser Kreistagssitzung in der Kritik. Hans-Jürgen Saknus erinnerte daran, dass rund 300 Milliarden jährlich in Deutschland für die Gesundheitsvorsorge zusammenkämen. „Nun ist bekannt, dass Christian von Stetten seit Bekanntwerden der Schließung an einem eigenen Ärztehaus baut und Dr. Kühn unter anderem in dieses Ärztehaus einzieht und seine Dienste dort anbietet. Zugleich entstehen dort ambulante OP-Räume.“ Schloss Stetten habe lediglich 281 Einwohner, liege auch nicht zentral. „Ist das im Sinne der Zentralität?“, fragt Saknus. Und weiter: Wie könne etwas in Schloss Stetten möglich sein, in Künzelsau aber müsse um alles gekämpft werden? Christian von Stetten indes erwiderte: „Wenn Professor Dr. Karle nicht hätte bauen können, hätte man ihn in Heidelberg besuchen können. Ich bin froh, dass dieser absolute Spezialist in Künzelsau bleibt.“

Hans-Jürgen Saknus (SPD, 1. von rechts) sprach Tacheles für Künzelsau. Foto: GSCHWÄTZ

Saknus: „Ist das Ärztehaus in Schloss Stetten im Sinne der Zentralität?“

Des Weiteren erinnerte Saknus an das Ärztehaus, das vor rund zehn Jahren in Künzelsau gebaut wurde. Komme da nun noch mehr oder bleibe es im Grunde nicht einfach bei eben diesem Ärztehaus? In Bezug auf die BBT-Äusserungen hinsichtlich der geringen Kooperationsbereitschaft der Ärzteschaft in Künzelsau fragte Saknus: „Wie ist man denn mit der Ärzteschaft im Raum Künzelsau umgegangen und ist man auf sie zugegangen? Wurden denn Kompensationsangebote gemacht durch den Wegfall der stationären Versorgung? Wurde über ambulante Räume für operative Eingriffe gesprochen oder nicht, damit die Patienten letztendlich nach Öhringen gehen, um dort das Haus zu füllen?“ Viel Applaus bekam Saknus für seine kritischen Fragen und Anmerkungen aus den Zuschauerreihen. Landrat Neth, bei dem zu Beginn der Sitzung viel gelacht wurde, verwies die Zuschauer darauf, dass „eine Kreistagssitzung nicht vorsehe, dass gebuht oder gejubelt wird.“ Daraufhin erntete Neth noch mehr Pfiffe aus den Zuschauerreihen.

Neth: „Eine Kreistagssitzung sieht nicht vor, dass gebuht oder gejubelt wird“

Kreisrat Prof. Dr. Otto Weidmann, Otto bezeichnet das Ärztehaus in Schloss Stetten indes als „Riesenchance, nur zehn Minuten von Künzelsau weg“. Allerdings müsse man schon schauen, „dass es da keine Doppelstrukturen gibt“.

Frau Junge von der BBT-Gruppe erläuterte, dass Prof. Dr. Karle neben seiner baldigen Tätigkeit in Schloss Stetten auch im Öhringer Krankenhaus mit Belegbetten weiterhin tätig sein wird, ebenso wie der Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Krist von Künzelsau sowie Dr. Renner.

„Dieses Haus kann struktuell in schwarzen Zahlen geführt werden“, betonte BBT-Geschäftsführer Warmuth. Allein dieser Satz machte deutlich: Öhringen ist längst nicht über den Berg. Aber Warmuth sagte auch: „Wir hätten uns nicht engagiert, wenn wir nicht geglaubt hätten, dass es eine Zukunft hat.“

Dubowy: „20 km mehr fahren ist kein Beinbruch, aber das Hospiz hat einen echten Mehrwert für die Region“

Das Schlusswort überlassen wir an dieser Stelle dem Krautheimer Arzt Dr. Dubowy, der die bis auf den letzten Stuhl gefüllten Zuschauerreihen „begrüßt“ und den Besuchern erklärt: „Die Schließung des Krankenhauses erfolgt durch eine Veränderung in der ärztlichen Qualifikation. Wir haben einfach das Problem, dass wir nicht von einem Feld- und Wieseninternisten untersucht werden wollen. Und diese Fachgruppen bekommen Sie nicht mehr gestellt.“ Dabei lässt Dubowy außen vor, dass das HK viele gute Fachkräfte hatte. Aber unlängst haben erst wieder zwei sehr gute Chefärzte gekündigt. „Und der Patient möchte, dass ihm auch mal der Magen nach 18 Uhr gespiegelt wird und nicht so, wie wir es zum Schluss hatten.“ Auch das stimmt so nicht, fragt man  Bürger in Künzelsau. Diese erklären, dass sie eher froh sind, wenn sie nicht bis spät abends warten müssen. „Aber“, so Dubowy weiter, „wir müssen darauf achten, dass die Sitze nicht nach Öhringen abwandern. Und das finanzieren und tragen alle Gemeinden nun so mit. Das ist keine Selbstverständlichkeit und das muss man den Künzelsauern auch mal sagen.“ Die Dankbarkeit entzündete sich nicht sofort bei den anwesenden Besuchern aus Künzelsau. Aber das kann ja noch kommen.Auch den Notarzt-Sitzdienst, der nun für Künzelsau kommen soll, sieht er, ähnlich wie sein Fraktionskollege Achim Beck weitestgehend als sinnlos an, da dieser Notarzt kein Kassenrezept ausstellen darf, zum Beispiel bei einer Blasenentzündung. Auch keine Berufsunfälle dürfe er behandeln noch Schlaganfälle. Da bliebe einzig eine Kopfpflanzwunde, die es zu verarzten gelte und da gebe es eben „einen Bepper drauf und dann ab ins Krankenhaus“. Jetzt müssten halt die Künzelsauer weiter fahren als bislang. Aber „bei mir fahren die Patienten schon ewig 20 Kilometer zum nächsten Arzt“, sagt Dubowy. Das Hospiz wäre seiner Meinung nach aber ein echter Mehrwert für die Region.

Eine Analyse von Dr. Sandra Hartmann

Fotos: Matthias Lauterer

 




„Es blutet mir das Herz“: Am 15. November gehen die Lichter aus – Unfallchirurgie gibt es nur noch 2 Wochen

Schließung Krankenhaus Künzelsau steht unmittelbar bevor

Über 40 Jahre hat sie im Krankenhaus in Künzelsau gearbeitet, das nun schon am 15. November 2019 endgültig seien Pforten schließt. „Es blutet mir das Herz“, sagt die Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, gegenüber GSCHWÄTZ. Derzeit seien nur noch etwas mehr als 20 Patienten im Krankenhaus in Behandlung. Diverse Räume würden bereits leergeräumt werden. Eine Leere, „die ich auch innerlich fühle“, so die Mitarbeiterin.

Patienten werden von Künzelsau nach Öhringen verlegt

Schon seit einigen Wochen bereitet das Team um Projektleiterin Melanie Junge den Umzug intensiv vor. Das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der BBT-Gruppe hervor. Die BBT-Gruppe ist der Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses (HK). Weiter heißt es in der Pressemitteilung: „Am Freitag, den 15. November 2019, werden die Patienten aus den Stationen in Künzelsau ins Krankenhaus nach Öhringen gebracht und dort auf die Stationen verteilt. Den qualifizierten Transport der Patienten übernimmt das Deutsche Rote Kreuz DRK. Am Samstag, den 16. November 2019, folgen dann das Material sowie das Labor. Der Transport erfolgt durch ein spezialisiertes Umzugsunternehmen. Ab Montag, den 18. November 2019, beginnt dann der Normalbetrieb auf den Stationen in Öhringen.“

Ab November nur noch eingeschränkte Aufnahme von Patienten in Künzelsau

Ab Anfang November sollen keine Patienten mit absehbar längerer Liegezeit mehr ins Krankenhaus Künzelsau eingeliefert werden. „Damit soll die Zahl der Patienten, die liegend nach Öhringen transportiert werden müssen, überschaubar gehalten werden“, erläutert Melanie Junge. Dies gelte auch für die Belegärzte, die bisher im Krankenhaus in Künzelsau Eingriffe durchführten. „Alle Belegärzte werden künftig in Öhringen operieren und weisen ihre Patienten ab Anfang November nach Öhringen ein.“

Neue Bettenstation im Erdgeschoss

Nach außen wenig erkennbar, wurden in den vergangenen Monaten im Hohenloher Krankenhaus Öhringen verschiedene Umbaumaßnahmen durchgeführt, um künftig für die Aufnahme der zusätzlichen Patienten vom Standort Künzelsau gerüstet zu sein. Im Erdgeschoss des Gebäudes in Öhringen entsteht zurzeit eine neue Bettenstation. Außerdem wurden alle Verwaltungsbereiche aus dem Krankenhaus in den Verwaltungstrakt im Gebäude der Reha-Klinik verlegt und dort zusammengezogen. Dadurch sind weitere Kapazitäten für die Patientenversorgung in Öhringen entstanden. Diese Umbauten sollen bis Mitte November abgeschlossen sein. Für den 15. und 16. November ist dann der Umzug der Patienten sowie der Geräte und Materialien vom Krankenhaus Künzelsau nach Öhringen vorgesehen.

Hintergrund ist die Entscheidung des Kreistages vom 10. Dezember 2018, die akutstationäre Versorgung spätestens zum 31. Dezember 2019 dieses Jahres am Standort Öhringen zu konzentrieren. „Wir setzen damit den vom Kreistag gefassten Beschluss fristgerecht um“,  betont Thomas Wigant, Regionalleiter der BBT-Gruppe, seit gut einem Jahr Mehrheitsgesellschafter des Hohenloher Krankenhauses HK. Dies bedeute nicht nur eine große organisatorische und logistische Aufgabe; es verlange auch von den Mitarbeitern ein hohes Maß an Flexibilität und Veränderungsbereitschaft. Thomas Wigant: „Wir sind in den vergangenen Wochen in Öhringen alle ein wenig zusammengerückt und haben Platz geschaffen für die Patienten und Kollegen aus Künzelsau. Gemeinsam wollen wir uns am Standort Öhringen verstärkt um die gute medizinisch-pflegerische Versorgung der Patienten aus unserer Region kümmern und nun mit vereinten Kräften an einem Ort die medizinische Versorgung der Menschen in Hohenlohe sicherstellen.“

Zusätzlicher Notarzt sichert ab 15. November Patientenversorgung in Künzelsau

Die akutstationäre Patientenversorgung endet damit in Künzelsau am 15. November 2019. Die ambulante medizinische Versorgung wird für die Menschen in Künzelsau und Umgebung weiterhin rund um die Uhr gesichert sein. Neben den Praxen der niedergelassenen Ärzte wurde dafür im Beschluss des Kreistages vom Dezember 2018 ein zusätzliches Angebot festgelegt. Ab dem 15. November wird ein zusätzlicher Notarzt im Sitzdienst im Krankenhaus Künzelsau seine Arbeit aufnehmen. Er wird im Zwischenbau untergebracht sein und übernimmt den Dienst immer dann, wenn die niedergelassenen Ärzte nicht in ihren Praxen oder in der KV-Bereitschaftspraxis zur Verfügung stehen, heißt es in der Pressemitteilung der BBt-Gruppe.

Das bedeutet, dass der zusätzliche Notarzt zu folgenden Zeiten im Krankenhaus Künzelsau erreichbar sein wird:

  • Montags, dienstags und donnerstags von 18 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag
  • Mittwochs sowie freitags bis sonntags und feiertags von 14 Uhr bis 8 Uhr am Folgetag

Gemeinsam mit dem Notarzt in der KV-Bereitschaftspraxis wird also außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten der niedergelassenen Ärzte rund um die Uhr ein Arzt im Zwischenbau des Krankenhauses in Künzelsau für die Patienten erreichbar sein. Dieser zusätzliche Notarzt kann im Notfall die Erstversorgung übernehmen und die Weiterleitung in die stationäre oder ambulante Weiterbehandlung einleiten. Die Notruf-Telefonnummer der niedergelassenen Ärzte ist außerdem rund um die Uhr kostenlos zu erreichen unter der bundeseinheitlichen Nummer 116 117. In lebensbedrohlichen Fällen sollten die Patienten oder ihre Angehörigen die Nummer des Rettungsdienstes 112 anrufen.

Laut BBT gute Lösungen für Mitarbeitende aus Künzelsau gefunden

„Auch für die Mitarbeiter aus Künzelsau konnten in den vergangenen Wochen gute Lösungen gefunden werden“, so die BBT-Gruppe. Die meisten von ihnen würden künftig im Hohenloher Krankenhaus in Öhringen arbeiten. Einige würden in eine Einrichtung der Hohenloher Seniorenbetreuung wechseln; weitere seien künftig im Caritas-Krankenhaus Bad Mergentheim oder bei einer der Kommunen beschäftigt. „In den vergangenen Wochen haben Personalabteilung und Betriebsrat in vielen persönlichen Gesprächen mit den Mitarbeitern in Künzelsau nach der bestmöglichen Lösung für die Weiterbeschäftigung jedes Einzelnen im Unternehmen gesucht“, betont HK-Personalleiter Stefan Bort. „Trotz mancher Enttäuschung im Einzelfall ist der Prozess, den Mitarbeitenden aus Künzelsau gute Perspektiven und Einsatzmöglichkeiten an einem neuen Standort zu bieten, insgesamt ohne große Konflikte abgelaufen. Allen Mitarbeitern aus Künzelsau, die im Unternehmen bleiben wollten, konnte eine Stelle angeboten und zugesagt werden. Niemandem wurde gekündigt.“ Dies bestätigt der Betriebsratsvorsitzende Jürgen Ehmann. „Die Suche nach einvernehmlichen Lösungen war immer sehr konstruktiv und von gegenseitigem Wohlwollen getragen. Die weitreichenden Angebote, die wir im Interessenausgleich und Sozialplan vereinbart haben, haben sicher dazu beigetragen, gute Lösungen für alle Mitarbeiter zu finden.“

Arbeitsunfälle dürfen im Krankenhaus Künzelsau nicht mehr behandelt werden

Der Chefarzt der Unfallchirurgie Dr. Andreas Berglehner hat das Hohenloher Krankenhaus Ende September verlassen. Er wurde vom Kaufmännischen Direktor Alexander Hoß und dem ärztlichen Direktor Dr. Werner Reinosch verabschiedet. Sie dankten Dr. Berglehner für seine fachlich sehr gute Arbeit in der Unfallchirurgie im Krankenhaus Künzelsau in den vergangenen fünf Jahren und wünschten ihm für seine weitere Zukunft alles Gute.

Mit dem Weggang von Dr. Berglehner erlischt auch die D-Arzt-Zulassung für die Behandlung von Arbeitsunfällen am Krankenhaus Künzelsau. Als D-Arzt in Künzelsau steht nach wie vor Dr. Oliver Böhm im Ärztehaus mediKÜN zur Verfügung; auch das Krankenhaus Öhringen ist für die Versorgung von Arbeitsunfällen zugelassen.

Aufgrund dieser Entwicklung werden die ambulanten und stationären unfallchirurgischen Leistungen bereits ab dem 14. Oktober 2019 in Öhringen zusammengefasst. Ein Arzt der Unfallchirurgie bleibt mit einem kleinen Team zwischen dem 14.10. und 15.11. im Krankenhaus Künzelsau vor Ort und überbrückt damit die Übergangszeit bis zum endgültigen Umzug. Damit ist auch die unfallchirurgische Erstversorgung im Künzelsauer Krankenhaus bis zum Umzugstermin am 15. November sichergestellt, betont die BBT-Gruppe.

Quelle: Pressemitteilung der BBT-Gruppe




In 6 Monaten zu: Krankenhaus Künzelsau – Notaufnahme offen bis Ende November – Hospiz im Gespräch

Der Countdown läuft. Die Tage des Künzelsauer Krankenhauses sind gezählt. Wir haben die BBT-Gruppe (zu welcher das Hohenloher Krankenhaus mit seinen beiden Standorten Öhringen und Künzelsau gehört) gefragt, wie lange die Künzelsauer ihr Krankenhaus noch nutzen können und in welchem Umfang.

„Alle Abteilungen stehen bis Ende November in vollem Umfang zur Verfügung“

Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der BBT-Gruppe, verweist dabei auf den „Beschluss des Kreistages vom vergangenen Dezember 2019, die akutstationäre Versorgung schon Ende diesen Jahres am Standort Künzelsau zu beenden und am Standort Öhringen zu konzentrieren. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Umzug. In Öhringen sind verschiedene Umbaumaßnahmen notwendig, um die Abteilungen aus Künzelsau dort aufnehmen zu können. Der Umzug wird nach jetzigem Planungsstand Ende November 2019 stattfinden. Bis zu diesem Zeitpunkt stehen alle Abteilungen und die Notaufnahme im Krankenhaus Künzelsau in vollem Umfang für die Versorgung von Patienten zur Verfügung.“

BBT: Keine betriebsbedingten Kündigungen bis 2021

Wie viele Mitarbeiter wurden beziehungsweise werden im Zuge der Schließung des Krankenhauses in Künzelsau gekündigt und wie viele arbeiten nach der Schließung in Öhringen weiter?, wollte GSCHWÄTZ von BBT unter anderem wissen. Ute Emig-Lange: „Wir haben gemeinsam mit dem Betriebsrat in der vergangenen Woche die Mitarbeitenden von HK und HSB in Betriebsversammlungen sowohl in Künzelsau als auch in Öhringen über den mittlerweile zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern ausgehandelten Interessenausgleich und den Sozialplan informiert und diese ausführlich erläutert. Dabei haben wir noch einmal ausdrücklich betont, dass es keine betriebsbedingten Kündigungen bis zum 31. Dezember 2021 geben wird. Zu diesem Versprechen der BBT-Gruppe stehen wir. Vielmehr sollen – sofern als möglich – alle am Standort Künzelsau tätigen Mitarbeiter innerhalb der HK, der HSB oder in einem anderen Unternehmen in der Region Tauberfranken-Hohenlohe bzw. der BBT-Gruppe weiterbeschäftigt werden.“ Konkretere Angaben zu den genauen Zahlen konnte Emig-Lange zu dem jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht machen. Sie erklärt: „Die von der Standortzusammenlegung der Krankenhäuser betroffenen Mitarbeitenden haben in den nächsten Wochen nun die Gelegenheit, über sogenannte Präferenzlisten mehrere Optionen anzugeben, wo sie nach Beendigung der stationären Versorgung in Künzelsau eingesetzt werden wollen. Es gibt dazu viele differenzierte Angebote. Die Stimmung in beiden Betriebsversammlungen war sachlich und lösungsorientiert – wie schon zuvor die Verhandlungen mit dem Betriebsrat und der Gewerkschaft. In den kommenden Tagen und Wochen bieten Direktorium, Personalleitung und Betriebsrat diverse Gesprächsmöglichkeiten für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur individuellen Beratung an. Erst wenn diese Phase abgeschlossen ist, lassen sich Zahlen über die künftigen Einsatzorte der Mitarbeitenden aus Künzelsau nennen.

Nachnutzung: Psychiatrische Tagesklinik bleibt, Hospiz im Gespräch

Wie wird das Krankenhausgebäude künftig genutzt? Bei der Mitarbeiterversammlung sei unter anderem von Thomas Weber von der BBT-Gruppe kommuniziert worden, so berichteten es interne Quellen gegenüber GSCHWÄTZ, darüber gesprochen worden, dass möglicherweise ein Hospiz in die Räumlichkeiten kommt. Laut Emig-Lange stehe jedoch noch nichts sicher fest: „Über die Nachnutzung des Standorts Künzelsau führen wir zurzeit vielfältige Gespräche mit verschiedenen Partnern.“ Die psychiatrische Tagesklinik, die einen Stock des Gebäudes belegt, solle aber auch zukünftig am Standort Künzelsau erhalten bleiben.

Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

 

 




Öhringer Krankenhaus: Erfolgreiche Zerfizierung zur Schlaganfalleinheit

„Prüfer loben die Versorgung von Schlaganfallpatienten am Krankenhaus Öhringen“, das geht aus einer aktuellen Pressemitteilung der BBT-Gruppe hervor. Die Schlaganfalleinheit am Krankenhausstandort in Öhringen sei nun erfolgreich zertifiziert worden, so die BBT-Gruppe. BBT  (Barmherzige Brüder Trier) ist Mehrheitseigner des Hohenloher Krankenhauses mit seinen beiden Standorten Künzelsau und Öhringen. Die Schlaganfalleinheit wurde Mitte 2017 von Künzelsau nach Öhringen verlegt, nachdem die Entscheidung des Kreistags für eine Schließung des Künzelsauer Krankenhausstandortes gefallen war (wir berichteten, Artikel siehe unten).

2. Dr. Michael Ackermann, Leiter der Stroke Unit im Hohenloher Krankenhaus am Standort Öhringen. Quelle: BBT-Gruppe

Anbei veröffentlichen wir die Pressemitteilung der BBT-Gruppe zu der erfolgreichen Zertifizierung:

„Das Hohenloher Krankenhaus Öhringen ist jetzt für die gute Behandlung und Versorgung von Schlaganfallpatienten als „lokale Stroke Unit“ zertifiziert worden. Damit zeichnet die „Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen Baden-Württemberg e.V.“ nach einer intensiven Prüfung Kliniken aus, welche die strengen Qualitätskriterien der Fachgesellschaft erfüllen. „Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnung, denn damit wird die hohe Qualität der Schlaganfallbehandlung bei uns in Hohenlohe von den externen Fachprüfern bestätigt“, betont Dr. Michael Ackermann, Leiter der Stroke-Unit und Chefarzt der Inneren Medizin II im Hohenloher Krankenhaus.

“Auf der Stroke-Unit betreuen Ärzte, Therapeuten und speziell geschultes Pflegepersonal Patienten in der Akutphase des Schlaganfalls, letztes Jahr wurden mehr als 300 Schlaganfallpatienten behandelt“, erläutert der Facharzt für Innere Medizin und Kardiologie.

Durchblutungsstörungen im Gehirn sind Auslöser für Schlaganfälle

„Unser Vorteil im Krankenhaus Öhringen sind die kurzen Wege und die gute technische Ausstattung für Diagnostik und Therapie“, unterstreicht Dr. Ackermann. Die Patienten kommen von der Notaufnahme direkt in die angeschlossene Radiologie-Praxis im Haus. Hier sind rund um die Uhr Computertomographien und CT-Angiographien der Hirngefäße möglich, die über die weitere Behandlung entscheiden. Die Patienten werden danach unmittelbar auf die Stroke Unit gebracht. „Bei rund 80 % der Schlaganfälle sind Durchblutungsstörungen im Gehirn der Auslöser. Bei geeigneten Patienten beginnen wir so früh wie möglich mit einer „Lyse-Therapie“, so der Chefarzt. „Dabei werden Blutgerinnsel, die Gefäße im Gehirn verschließen, mit Hilfe von Medikamenten aufgelöst und das Gehirn wird wieder durchblutet. Denn je schneller die Durchblutung wieder normalisiert ist, desto geringer ist der Schaden.“

Neben der modernen Medizintechnik und der ärztlichen Therapie sei der engagierte Einsatz des therapeutischen Teams entscheidend. „Schlaganfallbehandlung ist immer eine Teamleistung, bei der alle gemeinsam mit ihrer jeweiligen Fachkompetenz dazu beitragen, die Folgen eines Schlaganfalls wie Lähmungen, Sprach- oder Gleichgewichtsstörungen zu reduzieren oder ganz zu verhindern. Unsere erfahrenen Krankengymnasten, Logopäden und Ergotherapeuten ebenso wie das speziell ausgebildete Pflegepersonal beginnen daher so früh wie möglich mit Rehabilitationsmaßnahmen. Mit gezielten Bewegungsübungen, Sprech- und Gedächtnistraining helfen sie den Patienten, ihre Alltagsfähigkeiten wiederzugewinnen.“ Außerdem informiert der Sozialdienst frühzeitig über die Anschlussheilbehandlung. „Je nach Allgemeinzustand können wir die Patienten direkt von der akutstationären Therapie in unsere Rehaklinik in Öhringen oder eine andere Rehaklinik weiterleiten.“

Das Team der Stroke Unit freut sich über die Zertifizierung (v.l.): Sarah Wanke, Murtez Avdija, Michael Hesswany, Dr. Michael Ackermann, Carolin Feinauer, Dr. Sabine Richter, Ergotherapeutin Patricia Schönwälder, Logopäde Bruce Rintschenk.
Quelle: BBT-Gruppe

Zusammenarbeit zwischen Schwäbisch Hall und Öhringen

Zum Team im Hohenloher Krankenhaus gehört auch die Neurologin Dr. Sabine Richter, die täglich aus dem DIAK in Schwäbisch Hall zur interdisziplinären Visite der neurologischen Patienten nach Öhringen kommt. Beide Krankenhäuser arbeiten bei der Schlaganfallversorgung eng zusammen, eine enge Kooperation besteht auch mit der Neurologie der Universitätsklinik Heidelberg, mit der das Krankenhaus Öhringen telemedizinisch verbunden ist. „Der Vorteil der Schlaganfallversorgung in Öhringen sind die kurzen Absprachewege zwischen den Ärzten, der Pflege und den Therapeuten und das kleine hoch engagierte Team. Man kennt sich und die Patienten werden hier individuell betreut. Gerade die oft älteren multimorbiden Patienten profitieren besonders von dem engen Austausch zwischen Neurologen und Internisten auf der Stroke Unit hier“,  beschreibt Dr. Richter das Besondere am Standort Öhringen.

Dieser positive Gesamteindruck wurde auch von den externen Prüfern im Auftrag der „Arbeitsgemeinschaft Schlaganfallstationen Baden-Württemberg e.V.“ bei ihrem Audit in Öhringen bestätigt. Sie lobten in ihrem Abschlussbericht das „motivierte Team“ im Hohenloher Krankenhaus: „Im Bereich der Pflege findet sich eine hohe Anzahl an fachweitergebildeten Mitarbeitern. Die Infrastruktur zeigt sich auf hohem Niveau“, schreiben die beiden Auditoren in ihrem Abschlussbericht. Insgesamt ist „die Schlaganfallversorgung sehr gut organisiert und fachlich kompetent.“

Was tun bei Verdacht auf Schlaganfall?

„Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall, der sofort behandelt werden muss“, betonen Dr. Ackermann und Dr. Richter. „Mit dem sogenannten FAST-Test lassen sich die meisten Schlaganfälle innerhalb weniger Minuten feststellen.“

FAST steht für Face (Gesicht), Arms (Arme), Speech (Sprache) und Time (Zeit).

Face: Bitten Sie die Person zu lächeln.

Ist das Gesicht einseitig verzogen? Hängt ein Mundwinkel herab? Das deutet auf eine Halbseitenlähmung hin.

Arms: Bitten Sie die Person, die Arme nach vorne zu strecken und dabei die Handflächen nach oben zu drehen. Bei einer Lähmung können nicht beide Arme gehoben werden, ein Arm sinkt oder dreht sich.

Speech: Lassen Sie die Person einen einfachen Satz nachsprechen. Ist sie dazu nicht in der Lage oder klingt die Stimme verwaschen, liegt vermutlich eine Sprachstörung vor.

Time: Wählen Sie unverzüglich die 112 und schildern Sie die Symptome.

 

Quelle: Pressemitteilung der BBT-Gruppe vom 05. April 2019

Foto: BBT-Gruppe

 

Wer sind die Barmherzigen Brüder?

„Die BBT-Gruppe ist mit mehr als 80 Einrichtungen des Gesundheits- und Sozialwesens, über 11.000 Mitarbeitenden und zirka 900 Auszubildenden einer der großen christlichen Träger von Krankenhäusern und Sozialeinrichtungen in Deutschland“, heißt es auf der Internetseite der BBT-Gruppe.

 

 

 




Das kann dann mal weg

Schnell war er weg, Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann, nach der Entscheidung des Kreistags am 10. Dezember 2018, das Krankenhaus in Künzelsau nun doch schon Ende 2019 zu schließen und nicht erst, wie ursprünglich gebetsmühlenartig von Landrat und Kreistag versprochen, 2022/23 – bis der Krankenhausneubau in Öhringen steht. Neumann votierte gegen die Schließung, ebenso wie Christian von Stetten (CDU), Birgit Muth aus Künzelsau (SPD) und Michael Bauer (CDU), waren damit aber in der großen Minderheit.

Nun wurde mit dem Neubau in Öhringen noch nicht mal begonnen und schon gibt es, vier Jahre früher, eine Bettenburg weniger im Hohenlohekreis. „Das tut schon sehr weh“, sagen Künzelsauer, wenn man sie fragt – zumal viele von ihnen ihre Kinder in den 1980er Jahren noch im Krankenhaus in Künzelsau zur Welt gebracht haben. Eine Kreisstadt ohne Krankenhaus?, wo gebe es denn sowas?, fragt der ein oder andere. Nun ist die Antwort klar: in Künzelsau.

Nur wenige Minuten nach der Entscheidung verschickte des Landratsamt des Hohenlohekreises eine Pressemitteilung mit der Verkündigung der Entscheidung.

Worüber denkt Landrat Neth (2. von links) wohl gerade nach? Foto: GSCHWÄTZ

„Heute ist ein schwarzer Tag für Künzelsau“

„Heute ist ein schwarzer Tag für Künzelsau“, sagt die Bürgerinitiative zum Erhalt des Hohenloher Krankenhauses (BI) nach der Entscheidung des Kreistages. Sie hat Recht behalten mit ihrer Befürchtung, dass der Kreistag heute entscheidet, das Krankenhaus in Künzelsau bereits einige Jahre früher zu schließen.

Welche Ärzte sollen den Mehraufwand stemmen?

Wie bereits im Sitzungsprotokoll angekündigt, stimmte der Kreistag einem medizinischen Versorgungszentrum (MVZ) in Künzelsau zu. Das heißt: Als Basis dient das bereits vorhandene Ärztehaus. Ein so genannter Versorgungsassistent der Hausärzte (VERAH) soll zusätzlich etabliert werden. Hier sei es wichtig, „dass die Ärzte in der Region gut miteinander zusammenarbeiten und nicht gegeneinander“. Ziel sei eine 24-Stunden-Notfallversorgung an sieben Tagen in der Woche. Die Frage, inwieweit die Ärzte, die jetzt schon teilweise mit Patienten überlastet sind, nun auch noch einen solchen Versorgungsassistenten aufbauen und mitbetreuen sollen, wurde nicht näher erörtert. Begriffe wie Telemedizin fielen – eine medizinische Beratung / Diagnose per Fernwartung, welche unter anderem Teil des medizinischen Konzepts für Künzelsau werden soll.

Neben der bereits bestehenden psychiatrischen Tagesklinik soll auch eine Kurzzeitpflege für Künzelsau kommen.

Was tippt Künzelsaus Bürgermeister Neumann (2. von links) da in sein Handy ein? Foto: GSCHWÄTZ

Der Rettungswagen braucht lange zum nächsten Krankenhaus

Fakt ist: Die Transportwege werden für den Rettungsdienst von Künzelsau deutlich länger werden. In die umliegenden Krankenhäuser nach Schwäbisch Hall, Bad Mergentheim oder Öhringen braucht man wegen der verstopften Straßen nicht selten 30 Minuten oder länger.

Die Kreisräte betonen, dass es immer schwieriger sei, Ärzte, besonders für eine Notfallabteilung in Künzelsau zu finden und verweisen auf eine Belegungsquote in Künzelsau von nur noch mageren 40 Prozent – wobei diese Entwicklungen angesichts der offiziellen Schließungsverkündung des Krankenhauses Künzelsau vor fast zwei Jahren keine Überraschung sind. Denn: Wer geht noch in ein Krankenhaus, über dem ein großes Totenkreuz hängt? Der Kreistag lobt indes den neuen großen Bruder, die BBT-Gruppe, die seit  März 2018, die Mehrheitsanteile des Hohenloher Krankenhauses hält. Aus Kostengründen werde nun ein früherer Schlussstrich in Künzelsau gezogen, erklären sie fast einmütig. Die damit mit einem Schlag wegfallenden Betten scheinen für die HK nicht weiter ins Gewicht zu fallen – womit man bei der Frage angelangt wäre, inwieweit der Neubau in Öhringen wirklich  nötig ist.

„Ein Krankenhaus können wir uns nicht mehr leisten, aber ein neues Landratsamt“

„Ein Krankenhaus können wir uns nicht mehr leisten, aber ein neues Landratsamt“, murren viele Künzelsauer – besonders nach der letzten Kreistagssitzung, in welcher Kreiskämmerer Michael Schellmann und Landrat Dr. Matthias Neth verkündeten, dass das geplante neue Landratsamt (vom Landratsamt als „Kreishaus“ bezeichnet) keine 56,6 Millionen Euro mehr kosten soll, wie geplant, sondern vermutlich ein paar Millionen Euro mehr, da sich seit den Pklanungen von 2015 „einiges verändert habe“.

 

Text: Elke Brand und Dr. Sandra Hartmann

Foto: Elke Brand




Krankenhaus Künzelsau: Aus schon 2019? Basiskonzept für die Kreisstadt steht

Am heutigen Montag, den 10. Dezember 2018, trifft sich der Kreistag des Hohenlohekreises um 15.30 Uhr in Bretzfeld und man darf jetzt schon gespannt sein, welche Entscheidungen an der heutigen Kreistagssitzung gefällt werden. Tagesordnungspunkt Nummer eins ist das Hohenloher Krankenhaus. Konkret: wie es in Künzelsau und Öhringen mit der Gesundheitsversorgung weitergehen soll.

Im Vorfeld äusserten sich bereits diverse Stimmen. Die Bürgerinitiative zum Erhalt des HK (BI) befürchtet, dass heute das vorzeitige Aus für das Krankenhaus in Künzelsau beschlossen wird. Geplant war bislang, das Künzelsauer Krankenhaus noch bis 2022/23 offenzuhalten – so lange, bis in Öhringen der Neubau steht. Angesichts der schwächelnden Patienten- und Personalzahlen nach Verkündigung des Aus‘ für Künzelsaus Krankenhaus sei eine frühere Schließung möglicherweise heute Gesprächs- wenn nicht sogar Entscheidungsthema (siehe offener Brief von der BI an Landrat Dr. Matthias Neth weiter unten im Text), vermutet die BI.

Ute Emig-Lange, Pressesprecherin der BBT-Gruppe (die BBT-Gruppe hält seit März 2018 die Mehrheitsanteile der HK), sagt auf GSCHWÄTZ.Nachfrage, dass mehrere Konzepte für Künzelsau im Raum stünden, aber der Kreistag letztendlich die Entscheidung darüber fälle, ob und wenn ja, welches Konzept angenommen werde.

Demonstration vor dem Krankenhaus Künzelsau zum Erhalt des Krankenhausstandortes.
Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Tagespsychiatrische Klinik soll bleiben

Die Sitzungsvorlage des Landratsamtes des Hohenlohekreises zu diesem Tagesordnungspunkt ist relativ kurz und bleibt eher unkonkret. Sie umfasst eine DIN-A4-Seite. Darin heißt es unter anderem, dass dieses Konzept aus einem Basismodell bestehe. „Ergänzend sind weitere kostenpflichtige Bausteine nach dem Bestellerprinzip möglich.“ Für das Gesundheitszentrum in Künzelsau „ist im Basismodell von Beginn an die Gründung eines medizinischen Versorgungszentrums (MVZ) mit verschiedenen Disziplinen vorgesehen. Daneben ist der Fortbestand der tagespsychiatrischen Klinik  berücksichtigt.“ Die Frage, die sich hier aufdrängt, ist: Wird das derzeit bereits existierende Ärztehaus, das sich nun zu einem MVZ wandeln soll, auch zusätzliche medizinische Angebote für die Bevölkerung bereithalten oder fragt die BI zu Recht in ihrem offenen Brief, ob sich die Künzelsauer nun mit dem bereits bestehenden Ärztehaus nun zufriedengeben müssen.

Kostenpflichtige Bausteine können darüberhinaus angeboten werden

Weiter heißt es: „Auch über die Errichtung/Organisation einer Kurzzeitpflege und die Abbildung der Notfallversorgung über das Maß der rettungsdienstlichen Angebote hinaus“ soll der Kreistag entscheiden. Ein weiterer heikler Punkt dabei ist die akutstationäre Versorgung von Patienten: „Mit der Etablierung eines Gesundheitszentrums in Künzelsau, aber auch wegen der Entwicklung der letzten Monate am Standort Künzelsau ist gleichzeitig zu entscheiden, ob an der jetzigen Beschlusslage zum Zeitpunkt der Konzentration der akutstationären Versorgung am Standort Öhringen festgehalten wird.“

Ob eine akutstationäre Versorgung von Patienten (unter anderem Notfallversorgung mit Über-Nacht-Überwachung) bereits früher nur noch in Öhringen möglich sein wird, wird sich möglicherweise in der heutigen Kreistagssitzung entscheiden.

 

Auch GSCHWÄTZ wird vor Ort sein.

Offener Brief der BI an Landrat Neth

Die BI hat angesichts der neuesten Entwicklungen bezüglich des Hohenloher Krankenhauses einen offenen Brief an Dr. Matthias Neth geschrieben. Diesen drucken wir an dieser Stelle leicht gekürzt ab:

„Man scheint sich mit dem Ärztehaus zufriedenzugeben“

„Mehr als zwei Jahre sind vergangen, als Dr. Neth in einer Versammlung verkündete, dass der Hohenlohekreis nur mit zwei starken Standorten die Gesundheitsversorgung gewährleisten kann. Keine sechs Monate später stellte sich Landrat Neth erneut vor die Mitarbeiter, um zu verkünden, dass der Standort Künzelsau geschlossen werden muss, da beide Häuser nicht zu finanzieren seien. Schon damals fragte sich die BI, ob die Aussage sechs Monate vorher nur ein Lippenbekenntnis war, um das Vertrauen der Mitarbeiter zu erschleichen.

Nun, zwei Jahre später, sehen wir eine Wiederholung. Es wird nach politischen Möglichkeiten gesucht, um den Standort Künzelsau schneller zu schließen. Wird doch der Kreistag auch darauf wieder gut vorbereitet. Das auch dass Versprechen, den Standort Künzelsau bis Fertigstellung des Neubaus in Öhringen, zu erhalten, nicht ernst gemeint war, wird jetzt sicher auch dem letzten klar.

Jetzt versucht man die Bürger zu überzeugen mit einer Flut von Millionen. Wir fragen uns: Wer hat da vor einem Jahr gerechnet? Sollte der Ausgleich auf die nächsten Jahre tatsächlich so viele Millionen verschlingen, was bleibt denn da noch von den 50 Millionen aus dem Strukturfonds übrig?

Wir sehen die neuesten Entwicklungen kritisch, tritt jetzt doch das ein, was wir bereits letztes Jahr vermutet haben und was seiner Zeit eine Rednerin und ehemalige Mitarbeiterin der Tagesklinik auf einer Demo auch ausgesprochen hat, nämlich das geplante Aus für 2019 – so wurde es vom damaligen Geschäftsführer der HK [Anm. d. Red.: Hohenloher Krankenhaus gGmbH] gegenüber der Tagesklinik kommuniziert. Gehört hat das natürlich niemand gern, wurde die Rednerin damals von einem Kreistagsmitglied abgestraft, in dem ihr damaliger Arbeitgeber informiert wurde, ungeachtet dessen, dass wir in Deutschland Redefreiheit haben.

Auch zu den Aussagen bezüglich eines Gesundheitszentrums kann man sich nur wundern. Man scheint sich damit zufrieden zu geben, was man im Ärztehaus schon hat. [….].

Es ist traurig, dass die Patienten heutzutage keine Stimme mehr haben und die Versorgung vollkommen egal scheint, auch die Meinung niedergelassener Ärzte ist scheinbar nichts mehr wert.

Wir wünschen nun der BBT-Gruppe viel Erfolg bei der anstehenden Zertifizierung der Stroke Unit, die man nun endlich nach 1,5 Jahren mal angeht. Schließlich war die Verlegung der Stroke Unit von Künzelsau nach Öhringen ganz eilig seiner Zeit.“

Landrat verzichtet auf Stellungnahme

Landrat Dr. Matthias Neth. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv

Wir haben Dr. Matthias Neth das Schreiben weitergeleitet mit der Bitte um eine Stellungnahme. Seine Pressesprecherin Silke Bartholomä hat für ihn geantwortet: „Das Schreiben, das Sie uns übersendet haben, ist – wie Sie sicherlich wissen – ein Posting auf einer einschlägigen Facebook-Seite zum Thema Künzelsauer Krankenhaus. Es ist an keiner Stelle als „offener Brief“ gekennzeichnet, hat keinen genauen Adressaten, keinen Absender und ist in keinem Medium veröffentlicht worden. Facebook als soziales Netzwerk fällt nicht unter diesen Begriff, da es keine Medien produziert und keinerlei Kontrollfunktion übernimmt. Es ist dem Landratsamt Hohenlohekreis auf keinem üblichen Weg zugegangen. Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass wir zu einer anonymen Meinungsäußerung keine Stellung nehmen.“