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Keine Chance mehr für den Einzelhandel in Kiau? – Jürgen Setzer vom Schuhhaus Setzer im Video-Interview: „Wir waren einfach zu lange weg“

Nichts ist für immer im Leben. Und so hat das Schuhhaus Setzer nach über 130 Jahren nun seine Türen dauerhaft geschlossen. Wie es dazu kam und wie Inhaber Jürgen Setzer die Zukunft für Gewerbetreibende hier im Städtle sieht, darüber hat er mit GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus gesprochen.

130 Jahre Stadtgeschichte am Unteren Markt schließen

Das Schuhhaus Setzer am Unteren Markt, eines der Künzelsauer Traditionsgeschäfte, schließt nach 130 Jahren seine Türen. GSCHWÄTZ -Videoreporter Dr.Felix Kribus hat sich aus diesem Anlass mit Jürgen Setzer über seine Situation und die Situation des Einzelhandels in Künzelsau unterhalten:

GSCHWÄTZ: Das Schuhhaus Setzer schließt jetzt nach über 130 Jahren, warum?
Setzer: Das war nicht geplant. Der Hauptgrund ist, dass wir nach dem Hochwasser ein Jahr weg waren. Da haben wir viele Kunden verloren und dann hätten wir wieder richtig durchstarten müssen, investieren müssen. Die Versicherung hat zwar viel bezahlt, aber nicht so viel, dass ich davon eine komplette Ladeneinrichtung hätte kaufen können oder wie früher 5.000 Paar Schuhe. Das hat nicht gereicht. Dadurch und durch den Onlinehandel, der uns in die Zwickmühle nimmt, haben wir viele Kunden verloren. Und durch den ein oder anderen Textiler, der jetzt Schuhe anbietet, die wir früher gehabt haben. Wir waren einfach zu lange weg, viele Kunden sind abgewandert, das haben wir gespürt und dann haben wir gesagt, machen wir ein Ende.

Durch Onlinehandel in der Zwickmühle 

GSCHWÄTZ: Was passiert mit der Filiale in Schwäbisch-Hall?
Setzer: Schwäbisch-Hall läuft natürlich weiter. Schwäbisch-Hall läuft noch ganz gut. Wir müssen sehen, wie sich das mit dem Virus weiterentwickelt, aber sonst bin ich noch ganz zufrieden mit Schwäbisch-Hall.

GSCHWÄTZ: Wie schätzen Sie generell die Situation für Gewerbetreibende in Künzelsau und der näheren Umgebung ein, also zum Beispiel Forchtenberg oder Niedernhall?
Setzer: Wenn man sich spezialisiert, kann der eine oder andere sein Geschäft noch machen. Wie zum Beispiel in Niedernhall, wo zwei Schuhgeschäfte vor Ort sind. Ich glaube schon, dass die Kunden binden können und dass das auch funktioniert. Generell wird es im Schuhhandel immer schwerer. In Kleinstädten wird der Einzelhandel in Zukunft das Ganze immer schwieriger bewältigen können.

GSCHWÄTZ: Woran liegt das, dass der Einzelhandel in der Provinz auf dem absteigenden Ast ist?
Setzer: Ein Hauptgrund ist, dass die Frequenz in den Innenstädten zurückgeht. Viele gehen in größere Städte oder zum Onlinehandel. Zalando macht 3 Milliarden Umsatz und bisher fast keinen Gewinn, das nimmt einem viel weg.

GSCHWÄTZ: Wie könnte man das ändern? Oder kann man das überhaupt noch ändern?
Setzer: Als kleiner Schuhhändler ist es schwierig, einen Onlinehandel aufzubauen, denn man müsste ja ein doppeltes Lager haben, eines fürs Onlinehandelsgeschäft und eines fürs stationäre Geschäft. Denn wenn Schuhe online gekauft werden, dann gehen die raus und dann habe ich die nicht mehr im Laden. Das ist schwer zu finanzieren für einen kleinen Schuhhändler. Große machen es vor, Deichmann und Co., die machen das gut: Da kann man einkaufen, zurückgeben, tauschen, wo man will. Da macht das Sinn.

Deichmann macht es vor

GSCHWÄTZ: Da braucht man dann Personal, das mit nichts anderem beschäftigt ist?
Setzer: Richtig, das muss man wie eine eigenständige Filiale betrachten, irgendwo in einer Lagerhalle, wo man dann die Sachen versendet.

Es waren die richtigen Marken 

Caroline aus Mäusdorf, Kundin von Setzer, hat während unseres Videointerviews mit Jürgen Setzer ein Paar Schuhe ausgesucht: „Die sind gekauft. Die sind bequem, haben ein gutes Fußbett und die Farbe ist für mich ausschlaggebend.“ Daß es die Schuhe momentan zum halben Preis gibt, war für sie der Anlaß, am Feierabend noch einen Besuch im Schuhgeschäft einzuschieben: „Es wäre ja schade um die schönen Schuhe, da kann man schon nochmal ein Schnäpchen machen.“ Sie findet es schade, daß das Schuhhaus Setzer schließt: „Ich bin gerne hierher gekommen und habe immer gute Schuhe bekommen. Das waren die richtigen Marken, die hier angeboten wurden. Wirklich gute Marken, das ist schade. Immerhin gibt’s die in Schwäbisch-Hall noch, dann gibt’s öfter mal einen Ausflug nach Schwäbisch-Hall.“

GSCHWÄETZ: Herr Setzer, Sie sind ja Eigentümer des Gebäudes, das heißt, Sie bezahlen keine Miete. Das trifft für viele Ladenbetreiber in Künzelsau zu. Für die, die keine Eigentümer sind, wird es ja zunehmend schwerer, oder? Setzer: Ja, davon bin ich überzeugt. Gerade in der jetzigen Zeit mit dem Coronavirus. Wenn man mehrere Wochen kaum Geschäft macht, Miete, Löhne und Ware bezahlt werden sollen, dann wird’s für viele ziemlich eng.

GSCHWÄTZ: Wie würde Künzelsau aussehen, wenn die ganzen Inhaber nur Mieter wären?
Setzer: Ich denke, es wären einige andere Geschäfte da oder mehr Leerstand.

GSCHWÄTZ: Was wünschen sie sich für die Zukunft als selbständiger Unternehmer?
Setzer: Grundsätzlich wünsche ich mir, dass das Geschäft wieder besser läuft und es mit dem stationären Schuhhandel aufwärts geht. Ich wünsche mir auch für Künzelsau, dass die Frequenz besser wird oder dass die Menschen umdenken und doch wieder mehr lokal kaufen.

PEKA: Nicht schlecht, wenn es schon lange gebaut worden wäre 

GSCHWÄTZ: Das PEKA-Areal liegt ja immer noch brach, eigentlich sollte da ja schon gebaut werden. Gibt es dafür überhaupt Bedarf? Man kann ja das Geld nur einmal ausgeben. 
Setzer: Für die Stadt wäre es nicht schlecht gewesen, wenn es schon lange gebaut worden oder das alte Gebäude weiter bewirtschaftet worden wäre. Wenn Müller mit seinen 1.700 oder 1.800 qm in das neue Gebäude zieht, ist das gut für die Stadt. Das alte Müller-Gebäude müsste man dann umbauen, um neue Geschäfte anzusiedeln. Wenn da was kommt, wäre das gut.

GSCHWÄTZ: Wenn Müller ins PEKA-Areal zieht, haben sie dann die Befürchtung, dass es sich dann in der Innenstadt weiter beruhigt?
Setzer: Es könnte natürlich etwas weniger los sein. Die Lage ist natürlich außerhalb, bisher liegt Müller in der Hauptstraße. Aber Müller ist dann um Einiges größer und zieht vielleicht Leute von außerhalb in die Stadt, die in der Stadt verweilen, bummeln und einkaufen. Das kann man noch nicht abschätzen.

GSCHWÄTZ: Sofern irgendwann gebaut wird.
Setzer: Ich sehe das im Moment auch noch nicht.

GSCHWÄTZ: Sie schließen heute zum letzten Mal zu. Wie fühlen Sie sich damit?
Setzer: Traurig, ein bisschen traurig. Aber ich glaube, das ist der richtige Weg und deswegen machen wir das jetzt so.

GSCHWÄTZ: Danke für das Gespräch.




Corona in Künzelsau: „Der Herr Spahn hinkt ä bissle hinterher“

Das Wort „Corona“ ist lateinisch und bedeutet „Krone“. Allerdings hat dieser Virus so gar nichts Krönendes, sondern verbreitet Angst und Schrecken. Neben einer grippeähnlichen Erkrankung, an der bei ungünstigem Verlauf Menschen sterben können und dies auch schon nachweislich sind. Nachdem in Heilbronn bisher acht Fälle und aktuell einer in Schwäbisch Hall von Coronainfektionen bestätigt wurden, ist es im Zeitalter der unbegrenzten Mobilität nur noch eine Frage der Zeit, bis das Virus auch Hohenlohe mit Verzögerung erreicht.

Mediale Panikmache oder politische Verharmlosung? Irgendwo dazwischen wird wohl die Wahrheit liegen. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat Passanten am Mittwoch, den 04. März 2020, in Künzelsau dazu befragt. Ohne Mundschutz.

Marvin aus Künzelsau lebt seinen Alltag ganz normal weiter und wäscht sich nach dem Händeschütteln die Hand. Foto: GSCHWÄTZ

„Die Angst ist schon da, es wird auch viel hochgepuscht von den Medien, aber man sollte trotzdem aufpassen“, sagt Dana aus Kocherstetten. Foto: GSCHWÄTZ

„Jetzt haben die Medien wieder was, was sie schreiben können, und wo man was abkassieren kann“, findet Maria aus Weißbach. Foto: GSCHWÄTZ




Prof. Spitzer: TV & Internet fördert bei weniger Gebildeten die Unbildung

Im Rahmen eines Vortrags in der Stadthalle Künzelsau hat GSCHWÄTZ-Reporter Dr. Felix Kribus die Gelegenheit genutzt, um mit Hirnforscher Manfred Spitzer ein Interview zu führen. Medienkritiker Spitzer ist unter anderem ein Gegner von Smartphones bei Kindern. 

GSCHWÄTZ: Herr Professor Spitzer, früher hat man gesagt, Fernsehen macht kluge Leute klüger und dumme Leute dümmer. Gilt das heute fürs Smartphone und fürs Internet?

Spitzer: Jein. Das hat beim Fernsehen nur teilweise gestimmt. Ich wüsste nicht, wer da wirklich klüger geworden ist. Aber dass es tatsächlich bei weniger gebildeten Menschen vor allem auch die Unbildung noch stärker gefördert hat, das ist heute fürs Fernsehen in vielen Studien nachgewiesen. Fernsehen macht Ungebildete, Nichtgebildete – man hat ja geglaubt, man bringt jetzt Bildung in den letzten Winkel der Erde. Und das Gegenteil ist passiert, die Unbildung kam in den letzten Winkel der Erde. Jetzt wird für digitale Medien das Gleiche behauptet, jetzt haben wir die Cloud und können vom Smartphone jederzeit und an jedem Ort an jedes Fitzelchen von Wissen herankommen und das würde uns schlau machen. Fakt ist, dass dem nicht so ist. Ein bisschen stimmt’s, wenn jemand, der viel Vorwissen hat, in die Cloud geht und auch noch mehr Informationen sucht, dann wird der fündig, weil er schon viel weiß. Wer aber noch nichts weiß oder wenig weiß, der wird vor allem Unterhaltung im Netz finden der seichtesten Art und deswegen wird er nicht gebildet werden. Das stimmt heute in der digitalen Welt fast noch mehr als früher fürs Fernsehen. Die Gebildeten können das Netz tatsächlich für Bildung nutzen, aber die Ungebildeten werden nicht gebildeter, sondern noch ungebildeter.

„Wir müssen das Gehirn tatsächlich immer trainieren“

GSCHWÄTZ: Ich kram jetzt mal eine alte Kamelle raus. Neil Postman, Medienprofessor und sehr bekannt in den 80ern und 90ern, hat die Bücher geschrieben „Das Verschwinden der Kindheit“ und „Wir amüsieren und zu Tode“. Sein Tenor ist, dass durch das dauernde Bildschauen, wo auch nichts erklärt werden muss, dass da im Grunde der Geist des Kindes oder auch die ständige Verfügbarkeit von Inhalten Kinder eigentlich nicht reifer und erwachsener machen.

Spitzer: Also ich denke, wir wissen es heute einfach noch ein bisschen genauer, als man das in den 80ern und 90ern wissen konnte, weil die Gehirnforschung immer klarer gezeigt hat, wie wichtig die Benutzung des Gehirns für dessen Leistungsfähigkeit ist. Wir müssen das Gehirn tatsächlich immer trainieren, was Kinder von sich aus ja tun, indem sie sich der Welt zuwenden, mit der Welt umgehen, ausprobieren und so weiter. Und die ständige Verfügbarkeit scheinbar von allen Informationen über so ein kleines Glasbildschirmchen suggeriert Wissen, wo eigentlich nur Ablenkung ist. Deswegen ist sie gerade für sich entwickelnde Gehirne sehr schädlich. Das wissen wir heute besser als das Herr Postman wissen konnte vor 25 Jahren.

„Digitale Medien verhindern Bildungsprozesse“

GSCHWÄTZ: Jetzt haben Sie ja sehr energisch gegen Ende Ihres Vortrags gesprochen, Sie sind also ein relativer oder absoluter Gegner von Smartphones, solange die Kinder noch sehr klein sind. Wenn sie älter sind und mit Medien umgehen können und auch Informationen selektieren und filtern können, ist nochmal was anderes. Warum sind Sie so sehr dagegen?

Spitzer: Weil, wenn man noch kein Vorwissen hat, und das ist es, was man braucht, um Informationen zu filtern, dann kann man dieses Vorwissen durch digitale Medien viel schlechter erwerben – das ist nachgewiesen in vielen Studien – als man das durch Lernen mit Lehrern und mit Gemeinschaft kann. Deswegen sind digitale Medien, je kleiner jemand ist, umso schädlicher. Sie schaden dann ganz besonders der Bildung und verhindern Bildungsprozesse. Und dazu kommt dann eben noch, dass Smartphones nicht nur die Bildung behindern, sondern sie verhindern die richtige Entwicklung der Augen – die machen kurzsichtig. Sie behindern die motorische Entwicklung, die Kinder bewegen sich viel weniger, wenn sie Medien nutzen. Deswegen werden sie dicker. Das macht wiederum Risikofaktoren für kardiovaskuläre Erkrankungen. Das sind die häufigsten Killer, die wir sowieso haben. Also wenn man alles zusammenaddiert, dann kommt man auf eine unglaubliche Menge an Schaden und ganz wenig Nutzen. Und je kleiner die Kinder sind, desto größer die Schäden und desto gar nicht mehr vorhanden ist der Nutzen. Weswegen es mir gerade um Kinder und Jugendliche geht. Erwachsene sind für sich selbst verantwortlich. Da muss jeder selbst entscheiden, wie er mit den digitalen Medien umgeht und wie er sie auch für sich nutzt.

„Kinder ohne Smartphone reden mit anderen“

GSCHWÄTZ: Früher waren es Markenklamotten, heute sind es eben Smartphones. Wir reden immer über Ausgrenzung oder eben Gruppenzusammenhalt oder  Gruppenausgrenzung. Was würden Sie Eltern raten, deren Kinder jetzt kein Smartphone haben – solche Kinder gibt es wahrscheinlich auch noch –  und die Eltern wissen nicht, was sie machen sollen?

Spitzer: Also an Eltern die ganz klare Botschaft: Smartphones schaden Kindern. Weswegen der Erfinder des Smartphones, Steve Jobs, das seinen Kindern auch nicht gegeben hat. Bill Gates dachte, für meine 14-Jährige ein Smartphone, aber nur unter Aufsicht. Es ist definitiv falsch, den Kindern diese Instrumente zu früh in die Hand zu geben und dann auch noch ohne jegliche Begleitung. Das Smartphone ist der Zugang zum größten Rotlichtbezirk der Welt. Das drücke ich meiner Tochter nicht einfach so in die Hand und lass sie damit unbeaufsichtigt weiter damit umgehen. Das ist unverantwortlich. Und vielleicht noch ein Tipp für die Eltern: Was sie ihren Kindern nicht schenken, müssen sie ab dem Tag nicht dauernd verbieten und nicht drüber streiten. Und weiterhin gilt, wenn mein Kind als einziges kein Smartphone hat, dann ist es das einzige, das mit anderen Kindern redet und deswegen ist es hervorgehoben. Es wird auch über Smartphones gemobbt und es wird über Smartphones Depression verbreitet. Dass die Kinder depressiv werden und gemobbt werden, wenn sie kein Smartphone haben, ist schlichtweg eine Lüge und falsch. Man kauft sich viel Schäden ein und eigentlich wenig Gutes. Je länger die Kinder kein Smartphone haben, desto besser ist es für die Kinder.

„Zugang zum größten Rotlichtbezirk der Welt“

GSCHWÄTZ: Müssen wir eigentlich nicht froh sein mit unserer Bundesregierung, die ja in allem etwas hinterherhinkt? Mit der Digitalisierung, dass sie noch nicht soweit fortgeschritten ist, und Funkfrequenzen und Internet, das ja mit einer gewissen Geschwindigkeit geplant ist für ganz Deutschland, das wird uns ja seit 15 Jahren erzählt. Müssen wir nicht dankbar sein, dass das nicht so schnell voran geht?

Spitzer: Also ich war bis vor einem Jahr immer dankbar, wenn ich gehört habe, wir hinken mit der Digitalisierung hinterher gerade was Schule anbelangt. Jetzt geben wir fünf Milliarden dafür aus, dass die Kinder weniger lernen an den Schulen, weil Router und Internetzugang genau dazu führen, das ist in x Studien nachgewiesen. Das bringt mich schon etwas in Rage, weil wenn man die Daten dazu kennt, kann man nicht guten Gewissens nicht fünf Milliarden für Internetzugänge und digitale Geräte an Schulen ausgeben, weil die nochmal das Lernen verhindern und nicht fördern.

„Besser Lehrer einstellen als fünf Milliarden für digitale Medien ausgeben“

GSCHWÄTZ: Das heißt eigentlich, wir müssten froh sein, dass das Schulsystem so ist? Was würden Sie am aktuellen Schulsystem, am aktuellen Bildungssystem ändern?

Spitzer: Also jetzt im Moment würde ich die fünf Milliarden nehmen und dafür Lehrer einstellen. Da brauch ich kein Studium, um zu wissen, dass das Wichtigste im Unterricht der Lehrer ist und wenn Unterricht ausfällt – es fällt sogar in Baden-Württemberg noch Unterricht aus, weil grad kein Lehrer da ist – dann ist das Beste, was man mit Geld machen kann, Lehrer einzustellen.

GSCHWÄTZ: Es gab mal von Neil Postman eine These, die besagt hat, das Fernsehen ist nicht für Idioten, das Fernsehen erzeugt sie. Ist das für das Internet auch so?

Spitzer: Ich würde nicht von Idioten sprechen, aber ich würde von Problemen bei der Hirnentwicklung definitiv sprechen und von einer geringeren Bildung auch definitiv.

Manfred Spitzer sagt, Smartphones schaden der Gehirnentwicklung von Kindern und Jugendlichen. Foto: GSCHWÄTZ

 

 

 

 

 

 




Krautheim lässt’s mit tanzenden Feuerwehrlern krachen

Mehr Tanz, und keine Büttenrede. Faschingsgaudi pur. Dazu hatte die Dance Crew des TSV Krautheim am vergangenen Samstag, den 15. Februar 2020, erstmals eingeladen – und es kamen viel mehr, als die Organisatoren erwartet hatten. Volles Haus im Eugen-Seitz-Bürgertreff. Geboten waren: Quirlige Schau- und Gardetänze, biegsame Tanzmariechen und artistische Einlagen mit Männerquote.

In den Pausen legte sich die Stadtkapelle Krautheim musikalisch ins Zeug. 

Das Publikum war restlos begeistert. Für Gabi und Anja aus Dörrenzimmern war der Programmpunkt mit einer als Feuerwehr verkleideten Gruppe das Highlight: „Das war echt spitze, superklasse“. „Es ist immer eine Reise wert, nach Krautheim zu kommen“, waren sich die Besucherinnen Andrea, Gabi, Ulrike und Annette aus Oberginsbach einig. „Das ist absolut empfehlenswert.“ Jutta und Robert aus Krautheim waren nach zehn Jahren erstmals wieder auf dem Fasching in ihrem Heimatort und meinten: „Ein supertolles, starkes Programm“.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus war vor und hinter den Faschingskulissen unterwegs.

Artistische Einlagen sorgten für Spannung im Publikum. Foto: GSCHWÄTZ

 

Biegsame Tanzmariechen zeigten ihr Können. Foto: GSCHWÄTZ




Professor warnt in Künzelsau: „Handys sind aktive Verdummungsmaßnahmen“ für Schüler und schaden der Gehirnentwicklung

Im menschlichen Gehirn gibt es zwölf Mal so viele Nervenzellen wie Menschen auf der Erde leben. Wer jetzt gerade überlegt und rechnet, wie viele das sind, der hat seinem Gehirn schon etwas Gutes getan. Er hat es trainiert. Und je mehr ein Mensch lernt, desto besser. Das sagt der Psychiater Professor Manfred Spitzer. Am Dienstag, den 11. Februar 2020, hat er über Bildung, Hirnforschung und Digitalisierung in der Stadthalle Künzelsau gesprochen, die bis auf den letzten Platz besetzt war. Was Spitzer referierte, war für den einen überraschend, für den anderen beunruhigend.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat die interessantesten Aussagen von Spitzer collagiert und mit dem Künzelsauer Publikum nach dem Vortrag gesprochen.

Während Schulpädagogen und die einen oder anderen Eltern die schleppend verlaufende Digitalisierung an den Schulen ihrer Kinder beklagen, ist Professor Manfred Spitzer von der Universität
Ulm, Neurowissenschaftler und Psychiater, skeptisch gegenüber dem Einsatz von Smartphone und Laptop in Bildungseinrichtungen, und das vor allem, je jünger das Klientel ist, das vor der kleinen Mattscheibe sitzt. Sie nähmen den Kindern das Denken ab, statt es zu fördern und zu unterstützten, so Psychiater Manfred Spitzer. Handys sind laut Spitzer aktive Verdummungsmaßnahmen für Schüler. So werde eine „digitale Demenz“ gefördert. Handys, so Spitzer, schaden der Gehirnentwicklung und erzeugen Sucht“ – ähnlich wie Alkohol. Deswegen gäbe es aber noch lange keine Alkoholkompetenztrainings in Kindergärten und Schulen, wie er augenzwinkernd bemerkt. Denn die Schüler würden durch solche Maßnahmen, so genannte Medienkompetenztrainings, eher „angefixt“.




Prunksitzung in Ingelfingen: „Wir haben gehört, dass einiges an unserem Zirkus unseren Stadtchef stört“

Die Prunksitzung in Ingelfingen am Samstag, den 08. Februar 2020, war gespickt von artistischen Attraktionen und der ein oder anderen lokalpolitischen Spitze.

„Manege frei -Unter dem Zirkuszelt“. Unter diesem entschärften Motto (GSCHWÄTZ berichtete) lud der TSV Ingelfingen am Samstag, den 08. Februar 2020, zur Prunksitzung ein. Gut 200 Zirkusbesucher fanden den Weg in die Stadthalle, wo von Tanzeinlagen, Seilspringen über kommunalpolitische Schelten bis hin zur schauspielerischen Ekstase alles zu sehen war – das Prinzenpaar Stefanie und Nicolai inklusive.

In der Büttenrede wurde unter anderem das „Drama“ um das Faschingsplakat, dass der TSV hat neu gestalten hat lassen, weil das erste der Stadtverwaltung wohl nicht so ganz bekommen sei, nochmal mit scharfen Worten angesprochen: „In all den Jahren hab‘ ich es noch nicht erlebt, dass ein zensiertes Plakat an der Scheibe klebt.“ Viel Beifall fiel bei diesen Worten seitens der Zuschauer.

In einem anderen Programmbeitrag der jüngeren Generation wird Bürgermeister Michael Bauer, der an diesem Abend nicht anwesend war, auch direkt angesprochen: „Wir haben gehört, dass einiges an unserem Zirkus unseren Stadtchef stört.“

Aber nicht nur Ingelfingens „Regierung“ wird an diesem Abend durch den Kakao gezogen, sondern auch Themen wie die grüne Doppelmoral, wenn es ganz trocken heißt, dass man zur nächsten CO2-Demo mit dem SUV fahre, weil man schließlich noch „vier gesunde Reifen“ habe. Unser Video (oben) zeigt die Höhepunkte des Abends.

Gardemädels heizen dem Publikum mit Andreas Gabalier ein. Foto: GSCHWÄTZ

Dem Prinzenpaar hat das bunte Programm gut gefallen. Foto: GSCHWÄTZ

Zirkus Halli Galli in Ingelfingen. Foto: GSCHWÄTZ




Straßensperrungen nerven Dörzbacher – Video vom Pferdemarkt

Straßensperrungen, Klimapolitik & die Suche nach den Pferden – Unser Reporter Dr. Felix Kribus warf sich mitten ins Umzugstreiben und fragte die Wagenbauer, wie sie auf ihre Ideen gekommen sind.

Wenn Pferdemarkt und Fasching sich treffen, dann heißt das „Frühjahrspferdemarkt“, und der findet traditionell seit über 400 Jahren in Dörzbach statt. Am Samstag, den 08. Februar 2020, war‘s wieder soweit und die gut zwei Dutzend Umzugswagen und –gruppen zogen durch die Hauptstraße an hunderten Besuchern vorbei. Unser rüstiger GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat sich mitten ins Getümmel geschmissen, mit Passanten und den Machern der Umzugswagenüber ihre Themen gesprochen. Sofern das eben möglich war bei gefühlten 100 Dezibel Lautstärke.

Mal wurde Kommunalpolitik aufs Korn genommen, mal war‘s einfach nur kreativ-künstlerisch. Die Show muss weitergehen, oder wie der Lateiner sagen würde: The show must go on.

Für Euch vor Ort: GSCHWÄTZ – Das Magazin | Wir lieben unser Ländle | www.gschwaetz.de

Mittendrin statt nur dabei – unser GSCHWÄTZ-Videoreporter begleitete den Umzug durch Dörzbach. Foto: GSCHWÄTZ

Pferdemarkt in Dörzbach am Samstag, den 08. Februar 2020.

Prima Klima – Einige Wägen betonten, dass das Jagsttal eine starke Lamdschaft hat und eine starke Landwirtschaft braucht. Foto: GSCHWÄTZ

Jugendhaus warb für sich – ein XXL-Asbach-Spender befand sich an den Bord des Umzugswagens. Foto: GSCHWÄTZ

 




Schaschlikverkäufer in christlicher Mission

Wer Jesus nachfolgt, wird das Licht des Lebens haben“ – ein solches Schild erwartet man vielleicht in der Nähe einer Kirchengemeinde, vielleicht auch auf einer Reklametafel, aber bestimmt nicht an einem Imbisswagen.

 

Sein Leben war nicht immer vom Glauben geprägt

 

Tatsächlich hängt dieses Schild aber am Schaschlikwagen von Viktor Bauer aus Wolpertshausen. Er ist Mitglied der Freien Evangelischen Kirche in Schwäbisch Hall und trägt seinen Glauben in die Welt: „Das ist die wichtigste Aussage über alle Aussagen, denn wer Jesus im Glauben erblickt hat, der weiß, was er erblickt hat“, erklärt er das Schild.
Sein Leben war nicht immer vom Glauben geprägt, erst aufgrund einer Notlage bekehrte er sich im Jahr 1994 und veränderte sein Leben. Er zitiert den Propheten Hesekiel und meint: „Die Bibel sagt, dass der Herr aus einem steinernen Herz ein fleischernes machen wird. Und das hat er gemacht.“

 

Er hat Jesus seinen Schaschlikwagen geweiht

 

Daher ist es ihm wichtig, das Evangelium, an das er glaubt, weiterzugeben an die Menschen. Und deshalb habe er seinen Schaschlikwagen Jesus geweiht, und der hätte „etwas daraus gemacht“. „Wir müssen das Licht der Welt und das Salz der Erde sein, dort, wo Jesus uns eingesetzt hat – auch in dieser Schaschlikbude“, ist er überzeugt.
Ohne die Bibel kann er nicht mehr leben, „das ist ja genauso wie essen und trinken. Wir werden gestärkt an Leib, Seele und Geist“, sagt er und vergleicht den Menschen mit einem Auto: „Ein Mensch hat drei Tanks, ich sage mal, so wie ein Auto: Man braucht Wasser, Sprit und Öl, dann kann man fahren. Wenn etwas fehlt, dann stottert das Auto.“
Und die Reaktionen seiner Kunden? Die seien „sehr unterschiedlich, die Gläubigen loben das. Andere lesen und lesen und lesen und sagen nichts. Es waren im Großen und Ganzen positive Erfahrungen. Es gibt auch negative, aber wenige.“

 

Kulinarisches Geheimnis

 

Aber nicht nur ein religiöses Geheimnis birgt der Schaschlikwagen, sondern auch ein kulinarisches, das die Stammkunden schätzen. Martina aus Berlichingen kommt jedes Jahr: „Es ist Pflicht.“ Sie isst regelmäßig den kaukasischen Schaschlik. Aber auch sie kennt das Rezept nicht, sie weiß nur: „Das Ganze, die Kombination, das passt einfach.“

Auch unserem  GSCHWÄTZ-Videoreporter will Viktor Bauer das Geheimnis nicht wirklich verraten. Er verrät nur: „Es ist einmalig, die Würze ist ganz anders, es gehört viel Liebe zum Produkt, zum Fleisch, dazu.“ Das Fleisch bezieht er regional und frisch vom Metzger Setzer, über die Würze schweigt er vielsagend: „Wir würzen es, marinieren es und lassen es zwei Tage ziehen. Dann wird es auf die Spieße gesteckt und auf meinem Rebenholz gegrillt. Das Weinrebenholz gibt einen besonderen Geschmack und wer das einmal gegessen hat, der kommt wieder.“

Diese und andere Sprüche liest man an dem kaukasischen Schaschlikwagen. Foto: GSCHWÄTZ

Sein Leben war nicht immer geprägt durch den Glauben. Foto: GSCHWÄTZ

 




Pfarrerin Sabine Focken kritisiert Umgang mit Schöpfung: „Es hat dazu geführt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“

Beim Mahnfeuer, zu dem Landwirte am 04. Januar 2020 nach Stachenhausen eingeladen hatten (wir berichteten), sprachen nicht nur Landwirte Klartext. Auch Sabine Focken, die Pfarrerin in Stachenhausen und Dörrenzimmern ist, äusserte sich klar und deutlich.

Klimaveränderungen machen Landwirten zu schaffen

Landwirt Heinrich Stier aus Stachenhausen verwies während des Mahnfeuers auf klimatische Veränderungen, mit denen Betriebe zu kämpfen hätten – die Trockenheit im vergangenen Jahr etwa. „So wie jetzt das Klima ist und sich verändert, müssen wir auch mehr Futterreserven und Geldreserven schaffen, weil wir davon ausgehen, dass diese Klimaschwankungen immer extremer werden.“ Er wisse nicht, wie „wir das schaffen sollen, gewisse Reserven zusammenzubringen.“

„Landwirtschaft wird über die Maßen verantwortlich gemacht“

Sabine Focken, Pfarrerin von der Gemeinde Dörrenzimmern-Stachenhausen, sieht die Kritik der Bauern mit gemischten Gefühlen: „Es ist viel leichter für Menschen, Schuldvorwürfe in die einzelnen Richtungen zu machen.“ Es sei aber ein „überkomplexes Problem“ zwischen Landwirten, Verbrauchern, der Politik, der Industrie, dem Handel, da wirklich zusammenzukommen. Das eigentliche Problem sei, dass „wir einen Umgang mit der Schöpfung haben, der dazu führt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“. Aber Focken nimmt dabei auch die Landwirte in Schutz: „Im Moment wird die Landwirtschaft über die Maßen für den Klimawandel verantwortlich gemacht.“

„Man muss an der Basis für mehr Verständnis sorgen“

„Neue Preisgestaltung, ein anderer Umgang mit der Natur – Wir brauchen eine neue Richtung und die auszuhandeln“, das sei schwierig, so Focken. Daher sei sie selbst auch vor Ort zu dem Mahnfeuer gekommen. Wie können Landwirte und Verbraucher anders, besser kommunizieren, „um neue Modelle anzufangen und nicht zu warten, bis die Politik endlich handelt und auf der höheren Ebene etwas passiert, sondern man muss an der Basis für Verständnis zu sorgen.“ Direktvermarktung quasi. Dazu gehöre auch „neue Bilder in unsere Köpfe zu kriegen, dass wir bereit sind, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben.“

„Ohne Landwirte geht es nicht“

Landwirt Sascha Sahm ist aufgefallen, dass in der Presse sehr wenig über die Mahnfeuer und die Demonstrationen berichtet wurde. Da mache sich dann das Gefühl bei den Landwirten breit, „dass man es nicht haben möchte, dass wir auf uns aufmerksam machen“, schildert er. Er wünsche sich von der Politik, dass man auf sie zugehe und mit ihnen redet: „Dass wir auch mit an den Tisch dürfen und gefragt werden, wenn Gesetze gemacht werden. Dafür kämpfen wir jetzt, dass wir auch gehört werden und es Gesetze sind, die auch umsetzbar sind.“

Auf die Frage, ob Landwirtsein überhaupt noch ein angenehmer Beruf sei, argumentiert Simon Gutheiß: „Ohne Landwirte geht es nicht. Ich bin damit groß geworden und mir hat es seit eh und je Spaß gemacht. Das ist der Beruf für welchen ich jeden Tag aufstehen möchte.“ Er hat sich auch schon andere Bereiche angeschaut, die seien aber nichts für ihn gewesen. An der Landwirtschaft gefalle ihm „die Abwechslung“. Es sei nicht so wie in den Firmen, in denen man immer denselben Ablauf habe und akkordmäßig arbeiten müsse.

 




„Von Leuten, die keine Ahnung haben, wie es draussen aussieht“ – Bauern kritisieren in Stachenhausen Politiker & Verbraucher scharf

„Was uns stinkt ist, dass wir in eine Ecke gedrängt wurden, dass wir an allem Schuld sind, am Insektensterben, an der Nitratbelastung, einfach an allem“, redet sich Sahm den Frust von der Seele. „Da fragt keiner, welchen Beitrag eigentlich die Industrie dazu leistet. Es gibt so viel ungeklärtes Wasser, das in Flüsse eingeleitet wird“, bei dem keiner fragt, woher das komme.

„Wir haben die höchsten Tierwohl-Standards. Wir haben die höchsten Standards im Pflanzenbau und Ackerbau, wir haben die höchsten Vorschriften. Der Verbraucher muss nun mit ins Boot genommen werden“, betonte Sascha Sahm, Landwirt aus Stachenhausen bei der Entzündung des Mahnfeuers in Stachenhausen am Samstag, den 04. Januar 2020. „Miteinander ins Gespräch kommen“, konkret mit dem Verbraucher. Das wollen die Landwirte, auch in Hohenlohe. Sie wollen auf die Probleme und deren Tragweite der aktuellen Agrar-und Umweltpolitik aufmerksam machen und setzen auf ein gesellschaftliches Miteinander. „Redet mit uns, nicht über uns“, so das Motto. Mit Berlin sind zahlreiche Landwirte nicht zufrieden. Deshalb zünden die Bauern der Landschafft-Verbindung Gruppe und die Ortsbauernverbände in regelmäßigen Abständen Mahnfeuer auf dem Feld an. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat bei Windstärke 6 und gefühlten Minusgraden versucht, Anliegen und Probleme der Bauern in ihrer Existenz zusammenzutragen.

Landwirt Sahm: „Der Verbraucher muss das bezahlen“

„Die Politik muss dafür sorgen, dass die erhöhten Anforderungen an die Landwirtschaft finanziell ausgeglichen wird. Der Verbraucher muss das bezahlen“, sagt Sahm. Und: „Der Verbraucher muss wissen, um was es geht. Deswegen sind wir heute hier, damit der Verbraucher weiß, was wir tun, wie wir es tun und warum wie es so machen. Hier fehlt einfach oft die Aufklärung zwischen uns und dem Verbraucher.“

„Wir sind Landwirte und haben einen Milchviehbetrieb“, sagt Kathrin Karle aus Garnberg. Sie sind heute zum Mahnfeuer gekommen, weil „wir mit der Politik, die derzeit betrieben wird, nicht einverstanden sind“. Karle kritisiert unter anderem die Novellierungen der Düngeverordnungen. Es bleibt keine Zeit, dass überhaupt mal eine Novellierung reifen kann. Es kann nicht von einem zum nächsten Jahr gleich wieder etwas anderes geben.“ Wichtig wäre, ergänzt Sahm, dass „wir Düngevorordnungen hätten, die nach fachlicher Praxis umgesetzt werden und nicht nach Ideologien von Leuten, die keine Ahnung haben, wie es draußen aussieht“. Als Beispiel fügt er hinzu: „Wir können doch nicht 20 Prozent unter Bedarf düngen. Die Pflanzen leider darunter und sind unterversorgt. Wenn wir Menschen unterversorgt sind, werden wir auch krank und so ist es mit den Pflanzen draußen genauso.“

Landwirtin Karle: „Finanziell  nicht tragbar“

Landwirtin Karle gibt zu Bedenken: „Wir müssen ja auch die Technik dazu kaufen und nicht jeder Betrieb hat so viel Geld. Es ist einfach finanziell nicht tragbar und auch die Erzeugerpreise sind nicht tragbar, dass landwirtschaftliche Familien finanziell durchkommen.“

Aber nicht nur die Politik steht im Mahnfeuer, sondern auch die Verbraucher. Sahm: „Wir haben hier in Deutschland die hochwertigsten Lebensmittel und sind eigentlich die billigsten im Einkaufen und das kann so nicht sein“, sagt Sahm. 1 Kilo Schweinehackfleisch für vier Euro findet Sahm nicht in Ordnung, denn „wir setzen um, dass die Tiere mehr Platz, mehr Bewegung, mehr Stroh haben und das muss auch bezahlt werden“.

Billige Lebensmittel, möglichst hochwertig hergestellt – ein Widerspruch in sich, so die Bauern

Bedauerlich in Stachenhausen sei gewesen, so Simon Gutheiß , Landwirt aus Dörzbach, dass mehr Traktorenbesitzer als Verbraucher gekommen seien, dabei sei ja die Intention gewesen, bei dem Mahnfeuer mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und aufzuklären. Aber dennoch sei es „die richtige Entscheidung und der richtige Weg“, diese Mahnfeuer zu entzünden. Auf die Frage, warum sich wenig Verbraucher eingefunden haben, vermutet Gutheiß mangelndes Interesse.

Landwirt Wenzel: „Die Menschen wissen nicht mehr, wo die Nahrungsmittel herkommen“

„Das Problem ist, dass die Bevölkerung sich entfremdet hat, dass die Landwirte es nicht geschafft haben, die Bevölkerung mitzunehmen“, erklärt Landwirt Thomas Wenzel vom Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe. „Die Menschen wissen nicht mehr, wo die Nahrungsmittel herkommen, wie sie produziert werden und dass sie auch einen Preis haben. Die Landwirte müssen einen gewissen Preis erzielen. Wir haben unsere Höfe, wir müssen Gewinne erzielen. Das ist zwingend notwendig, damit man auch einen Betrieb weiterführen kann. Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist einfach auch ein Wirtschaftsunternehmen.“

Landwirt Heinrich Stier aus Stachenhausen erinnert daran, dass die Landwirte im Juni 2016 einen Milchpreis ausbezahlt bekommen haben von mageren 21 Cent pro Liter Milch. „Das werde ich nie vergessen.“ Derzeit erhalten die Bauern laut Stier 39 Cent ausbezahlt. „Das ist ein Bereich, wo man sagen kann, da kommen wir über die Runden. Aber das man sagen kann: Da verdienen wir jetzt Geld – das ist leider nicht der Fall.“

Klimaveränderungen machen Landwirten zu schaffen

Hinzu kommen laut Stier die klimatischen Veränderungen, mit denen Betriebe zu kämpfen hätten – die Trockenheit im vergangenen Jahr etwa. „So wie jetzt das Klima ist und sich verändert, müssen wir auch mehr Futterreserven und Geldreserven schaffen, weil wir davon ausgehen, dass diese Klimaschwankungen immer extremer werden.“ Er wisse nicht, wie „wir das schaffen sollen, gewisse Reserven zusammenzubringen.“

Pfarrerin Focken: „Es hat dazu geführt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“

Sabine Focken, Pfarrerin von der Gemeinde Dörrenzimmern-Stachenhausen, sieht die Kritik der Bauern mit gemischten Gefühlen: „Es ist viel leichter für Menschen, Schuldvorwürfe in die einzelnen Richtungen zu machen.“ Es sei aber ein „überkomplexes Problem“ zwischen Landwirten, Verbrauchern, der Politik, der Industrie, dem Handel, da wirklich zusammenzukommen. Das eigentliche Problem sei, dass „wir einen Umgang mit der Schöpfung haben, der dazu führt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“. Aber Focken nimmt dabei auch die Landwirte in Schutz: „Im Moment wird die Landwirtschaft über die Maßen für den Klimawandel verantwortlich gemacht.“

„Neue Preisgestaltung, ein anderer Umgang mit der Natur – Wir brauchen eine neue Richtung und die auszuhandeln“, das sei schwierig, so Focken. Daher sei sie selbst auch vor Ort zu dem Mahnfeuer gekommen. Wie können Landwirte und Verbraucher anders, besser kommunizieren, „um neue Modelle anzufangen und nicht zu warten, bis die Politik endlich handelt und auf der höheren Ebene etwas passiert, sondern man muss an der Basis für Verständnis zu sorgen.“ Direktvermarktung quasi. Dazu gehöre auch „neue Bilder in unsere Köpfe zu kriegen, dass wir bereit sind, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben.“

Sascha Sahm ist aufgefallen, dass in der Presse sehr wenig über die Mahnfeuer und die Demonstrationen berichtet wurde. Da mache sich dann das Gefühl bei den Landwirten breit, „dass man es nicht haben möchte, dass wir auf uns aufmerksam machen“, schildert er. Er wünsche sich von der Politik, dass man auf sie zugehe und mit ihnen redet: „Dass wir auch mit an den Tisch dürfen und gefragt werden, wenn Gesetze gemacht werden. Dafür kämpfen wir jetzt, dass wir auch gehört werden und es Gesetze sind, die auch umsetzbar sind.“

Auf die Frage, ob Landwirtsein überhaupt noch ein angenehmer Beruf sei, argumentiert Simon Gutheiß: „Ohne Landwirte geht es nicht. Ich bin damit groß geworden und mir hat es seit eh und je Spaß gemacht. Das ist der Beruf für welchen ich jeden Tag aufstehen möchte.“ Er hat sich auch schon andere Bereiche angeschaut, die seien aber nichts für ihn gewesen. An der Landwirtschaft gefalle ihm „die Abwechslung“. Es sei nicht so wie in den Firmen, in denen man immer denselben Ablauf habe und akkordmäßig arbeiten müsse.

Mahnfeuer in Stachenhausen am 04. Januar 2020. Foto: GSCHWÄTZ