Ab 01. Juli 2018 gibt es eine Gehaltserhöhung für alle Bürgermeister. Denn dann zählt die neue Landesbesoldungstabelle. Das bedeutet: Für Rathaus-Chefs gibt es teilweise mehrere hundert Euro mehr im Monat. Auch wir haben uns im Ländle umgeschaut und umgehört, wer wie viel verdient. Dabei kam heraus: Es gibt einige Extras, die normale Arbeitnehmer gar nicht kennen.
Wer wiedergewählt wird, bekommt automatisch mehr Geld
Bürgermeister fallen unter die Landesbesoldungsordnung A – in unserem Fall – des Landes Baden-Württemberg. Wir orientieren uns an den Gehaltssätzen, wie sie ab Juli 2018 mit der neuen Besoldungsordnung für Beamte wirksam werden. Wie viel ein Bürgermeister verdient, hängt im Wesentlichen von einem Faktor ab: die Anzahl seiner Einwohner. Sprich: Ein Bürgermeister einer größeren Stadt verdient mehr als ein Bürgermeister einer kleineren Stadt. Fangen wir bei der größten Stadt des Hohenlohekreises an.
11.449,38 Euro für Öhringens obersten Chef Thilo Michler
Öhringen hat aktuell 23.837 Einwohner. Der dazugehörige Grundgehaltssatz wäre B4 oder B5, je nachdem, welchem Gehalt der Gemeinderat zustimmt. Auf der Internetseite der Stadt Öhringen gibt es nur die Kurzinformationen der Haushaltsjahre. So sind für das Jahr 2018 Personalausgaben von 15,5 Millionen Euro vorgesehen – das entspricht 24 Prozent des Verwaltungshaushaltes. Hinzu kommen Verwaltungs- und Betriebsausgaben von 19,7 Millionen Euro. Unter anderem werden damit die städtischen Gebäude unterhalten. Das entspricht nochmals 30,5 Prozent des Verwaltungshaushaltes. Zählt man die beiden Posten zusammen, kommt man auf 35,2 Millionen Euro. Das ergibt 54,5 Prozent, also über die Hälfte des Verwaltungshaushaltes. Wieviel Geld davon in den Geldbeutel des Stadtoberhauptes als Gehalt fließt, ist nicht gesondert aufgelistet. Laut der Besoldungsliste des Landes Baden-Württembergs müssten es jedoch entweder 8.536,89 Euro (B4) oder 9.076,07 Euro (B5) sein, die Bürgermeister Thilo Michler als Basisgehalt auf sein Konto überwiesen bekommt. Auf Nachfrage teilt uns die Stadt Öhringen mit, dass Oberbürgermeister Michler ein B5-Gehalt bezieht. Hinzu kommt eine pauschale Dienstaufwandsentschädigung von 13,5 Prozent, die jedem Bürgermeister jeden Monat automatisch zusteht, dafür, dass sie zum Beispiel mit Bürgern etwas trinken gehen und ihnen einen ausgeben. Dadurch erhöht sich Thilo Michlers Gehalt auf insgesamt 10.301 Euro. Des Weiteren gibt es noch einen Familienzuschlag. Ist ein Bürgermeister verheiratet, kommen damit nochmal 143,04 Euro obendrauf, für das erste und zweite Kind gibt es jeweils 125,07 Euro, ab Kind Nummer drei 377,60 Euro extra. Michler ist verheiratet und hat vier Kinder. Das würde ein Gesamtgehalt von 11.449,38 Euro ergeben.

Stefan Neumann (links) und Thilo Michler. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Stefan Neumanns Wiederwahl beschert ihm ein höheres Gehalt
Der komplette Haushalt 2017 von Künzelsau ist im Internet einsehbar. Gemäß den Einwohnern von 15.234 hätte Stefan Neumann einen Anspruch auf ein Gehalt in der Tarifgruppe B3/B4. Im Künzelsauer Haushalt ist sein Gehalt mit B3 eingestuft. Laut der Gehaltstabelle von 2017 verdiente er damit bislang 7.856,78 Euro. Nach der neuen Gehaltstabelle ab Juli 2018 bekommt er 8.066,95 Euro. Hinzu kommen ebenfalls die Dienstaufwandsentschädigung sowie die Familienzuschläge dafür, dass er verheiratet ist und drei Kinder hat. Gesamtgehalt: 9.926,76 Euro.
Stefan Neumann, Bürgermeister in Künzelsau, befindet sich in der zweiten Amtszeit. Dadurch steigt sein Gehalt automatisch. Sein Grundgehalt: 8.536,89 Euro. Mit allen Extras müsste er auf 10.460,15 Euro kommen. Künzelsau gibt einen etwas kleineren Batzen seines Haushaltsetats für Personalausgaben aus: laut dem Haushaltsplan 2017 immerhin 8,55 Millionen Euro. Das sind 19 Prozent des Verwaltungshaushaltes.
Ab der dritten Amtszeit acht Prozent Zuschlag
Schauen wir uns die kleineren Städte und Gemeinden an. Torsten Kunkel ist Bürgermeister in der 9.115 Einwohner starken Gemeinde Pfedelbach. Sein Gehalt liegt damit laut der Tarifordnung in der Tarifgruppe A16/B2. Euro. Kunkel ist verheiratet und hat zwei Kinder. Das würde unter Berücksichtigung der Aufwandspauschale ein Gesamtgehalt von 9.039,88 Euro ergeben.
Pfedelbachs Bürgermeister, Torsten Kunkel (verheiratet, zwei Kinder), ist in der dritten Amtszeit und müsste somit die Besoldunsgruppe B2 mit einem Grundgehalt von 7.618,24 Euro haben. Mit dem Familienzuschlag, der Dienstaufwandsentschädigung von 13,5 Prozent und dem achtprozentigen Zuschlag, den es ab der dritten Amtszeit automatisch obendrauf gibt, müsster er auf 9.649,34 Euro kommen.
Auch in kleinen Gemeinden ordentliche Verdienste
Bei den mittelgroßen Städten und Gemeinden wie Ingelfingen (5.514 Einwohner), Forchtenberg (5.072 Einwohner) und Schöntal (5.629 Einwohner) bewegt sich das Gehalt trotz wesentlich weniger Einwohner ebenfalls zwischen den Gehaltsstufen A16 und B2. Forchtenbergs Bürgermeister Michael Foss (erste Amtszeit, seit zwei Jahren im Amt, ledig, keine Kinder) hat uns auf Nachfrage mitgeteilt, dass er die Gehaltsstufe A16 erhält. Sein Gehalt müsste sich damit auf 8.292,08 Euro belaufen.
Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer befindet sich in der dritten Amtszeit, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist seit 2006, also seit zwölf Jahren Bürgermeister in Ingelfingen. Er müsste laut der Gehaltstabelle mit allen Extras 9.649,34 Euro verdienen.
Schöntals Bürgermeisterin Patrizia Filz ist ebenfalls seit 2004 im Amt, sie ist verheiratet und hat ein Kind. Den Kinderzuschlag gibt es allerdings nur für Kinder bis zum 25. Lebensjahr. Filz
müsste auf 9.399,20 Euro kommen.

Ingelfingens Bürgermeister Michael Bauer (rechts) neben Karlheinz Börkel, dem ehemaligen Bürgermeister von Schöntal. Links: Waldenburgs Bürgermeister Markus Knobel. Foto: GSCHWÄTZ/Archiv
Dörzbach, Waldenburg, Niedernhall
Die Bürgermeister der kleineren Gemeinden Niedernhall (4.070 Einwohner), Dörzbach (2.474 Einwohner) und Waldenburg (3.044 Einwohner) bekommen laut der Gehaltstabelle eine Gehaltseinstufung zwischen A15 und A16. Niedernhalls Bürgermeister Achim Beck hat GSCHWÄTZ auf Nachfrage mitgeteilt, dass sein Gehalt der Einstufung A15 entspricht.Er ist seit 2014 im Amt, verheiratet und hat zwei Kinder. Damit liegt sein Grundgehalt mit der Aufwands- und Familienpauschale bei 7.836,92 Euro.
Andy Kümmerle ist ebenfalls seit 2014 Bürgermeister in Dörzbach, er ist verheiratet, hat ein Kind und hätte damit ein Anrecht auf das gleiche Grundgehalt. Mit allen Extras käme er auf 7.711,85 Euro. Markus Knobel ist seit 2012 Bürgermeister von Waldenburg, verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat dadurch Anrecht auf 8.685,26 Euro.
Bei Mulfingens (3.669 Einwohner) Bürgermeister Robert Böhnel (seit zehn Jahren im Amt) berechnen wir nur seine zweite Amtszeit, da wir uns bei seinem derzeitigen Familienstand nicht sicher sind. Somit würde Böhnel mindestens 8.292,08 Euro an Gehalt bekommen.
Hohenlohes Landrat Dr. Matthias Neth erhält laut dem online einsehbaren Haushaltsplan 2018 10.080,51 Euro (B7).Mit den besagten Extras ergibt es ein Gehalt von 11.584,42 Euro.
Anmerkungen zur Recherche
Wir haben zunächst die Bürgermeister direkt gefragt, wievil sie verdienen. Von neun Bürgermeistern aus dem Kocher- und Jagsttal haben uns drei
Bürgermeister geantwortet. Die Stadtverwaltungen Niedernhall, Öhringen und Forchtenberg teilten uns die Besoldungsgruppen
ihrer Bürgermeister mit, zum Beispiel „A16“. Bei unseren Berechnungen zu den genauen Einstufungen und Extras, die noch hinzukommen, half uns ein ehemaliger Bürgermeister aus dem Jagsttal, Karlheinz Börkel. Einen Ansprechpartner im Landesministerium zu finden, der unsere Detailfragen beantworten konnte, war gar nicht so einfach.
Was man wissen muss, wenn man die Gehälter von Bürgermeistern berechnet
In der Landesbesoldungsordnung sind die Gehälter in Stufen gruppiert. Nach drei Jahren gibt es mehr Gehalt, nach weiteren vier Jahren automatisch wieder eine Gehaltserhöhung und so weiter. Karlheinz Börkel, ehemaliger Bürgermeister von Schöntal, hat uns darauf hingewiesen, dass Bürgermeister aber direkt in die höchste Eingruppierung katapultiert werden und damit den höchsten Lohn erhalten, den es zum Beispiel unter der Besoldung A16 gibt. Das Landesministerium hat uns diese Einstufung bestätigt. Dadurch erhalten die Bürgermeister teilweise über 1.300 Euro mehr im Monat.
Hinzu kommt: Bei einer Wiederwahl erreichen Sie zusätzlich automatisch die nächsthöhere Besoldungsstufe, etwa B1, ohne dass der Gemeinderat dies durchwinken muss.
Im Landesbesoldungsgesetz der Bürgermeister wird diese höchste Gehaltseinstufung vom ersten Tag an allerdings so nicht eindeutig definiert. Im Gegenteil. In Paragraf sechs des „Gesetzes über die Besoldung und Dienstaufwandsentschädigung der Landräte, der hauptamtlichen Bürgermeister und der Beigeordneten“ steht in der Überschrift: „ab der dritten Amtszeit“ – und nicht von Beginn an. Die dritte Amtszeit bezieht sich aber laut Carsten Dehner vom Staatsministerium in Stuttgart nur auf Unterpunkt zwei: ein achtprozentiger Zuschlag auf das Grundgehalt
der Bürgermeister, der generell noch bei jedem Bürgermeister automatisch ausgeschüttet wird ab der dritten Amtszeit – neben dem bereits von uns aufgeführten 13,5 Prozent-Zuschlag (der
so genannten Dienstaufwandsentschädigung). Wofür dieser achtprozentige Zuschlag ausbezahlt wird, wird nicht näher definiert.
Alle Angaben zu den Rathaus-Chef-Gehältern wurde nach bestem Wissen recherchiert. Die Recherche gestaltete sich wegen der teils unklaren Sachlage und der diversen Extras als schwierig. Wir geben daher keine Gewähr auf Korrektheit.
Quellen: Landesbesoldungstabelle A, gültig ab 01. Juli 2018; Landesbesoldungstabelle A, gültig ab 01. März 2017; Haushalt 2017 der Stadt Künzelsau; Haushalt 2017 des
Landratsamtes des Hohenlohekreises; Haushalt der Stadt Öhringen; Gesetz über die Besoldung und Dienstaufwandsentschädigung der Landräte, der hauptamtlichen Bürgermeister und der Beigeordneten des Landes Baden-Württemberg, verankert im Landresrecht BW.
*Alle Einwohnerzahlen haben wir der Internetseite des statischen Landesamtes Baden-Württemberg entnommen; Stand: 30. Juni 2017;