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Ziehl-Abegg spendet der Kreisverwaltung 70 Gesichtsschutzvisiere aus dem 3D-Drucker

Am Freitag, den 03. April 2020, hat die Firma Ziehl-Abegg 70 Gesichtsschutzvisiere an den Hohenlohekreis übergeben. „Wir bewältigen die Krise gemeinsam und können uns aufeinander verlassen“, freut sich Landrat Dr. Matthias Neth. „Die Kreisverwaltung arbeitet im engen Schulterschluss mit den ansässigen Unternehmen im Kreis.“

Die Masken werden bei Ziehl-Abegg in 3D-Druckern hergestellt. „Die Idee hat eine Arbeitskollegin auf den Weg gebracht“, erklärt der Laborleiter der Firma Ziehl-Abegg, Achim Kärcher. Anschließend wurde gleich ein Testlauf gestartet. „Unsere Mitarbeiter und deren Familien leben hier – da unterstützen wir die Kreisverwaltung natürlich gerade in einer solchen Krise, wo es geht“, sagt der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl. Die 3D-Drucker sollen auch in der kommenden Woche Masken fertigen. Der große Vorteil dieser Masken ist, dass sie Mund, Nase und auch Augen – und damit alle Schleimhäute – schützt. Der Landkreis gibt die Masken an verschiedene Hilfsorganisationen weiter.

Landrat Dr. Matthias Neth (links) gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden der Firma Ziehl-Abegg Peter Fenkl (Mitte) und Laborleiter Achim Kärcher (rechts) bei der Übergabe der Schutzmasken. Foto: Ziehl-Abegg

„Das Ansteckungsrisiko für die Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen muss minimiert werden“, das ist das Ziel des Künzelsauer Ventilatorenherstellers Ziehl-Abegg und hat daher Gesichtsschilde gedruckt und an Landrat Dr. Matthias Neth überreicht. Schnell und unkompliziert lief auch die Erstellung der Schutzschilde: Der Träger wird gedruckt, die Sichtscheibe ist eine Folie für einen Tageslichtprojektor, ein handelsüblicher Locher stanzt die Öffnungen, und befestigt wird mit Gummibändern. „Einfach aber wirkungsvoll“, freut sich auch Landrat Dr. Matthias Neth. 

Die Bauanleitung hatte laut Ziehl-Abegg eine Mitarbeiterin von Ziehl-Abegg am Mittwochabend, den 01. April 2020, zufällig per WhatsApp erhalten – und schon am Donnerstagvormittag schickte Ziehl-Abegg ein Foto der ersten Gesichtsschilde an den Krisenstab im Landratsamt. Als es von dort sofort grünes Licht gab, liefen beide 3-D-Drucker im Künzelsauer Entwicklungszentrum InVent an, erklärt das Künzelsauer Unternehmen in einer Pressemitteilung.

„Wir drucken seit 2010 in 3-D-Technik“, sagt Achim Kärcher, Laborleiter bei Ziehl-Abegg. Schon im Folgejahr stand der zweite 3-D-Drucker im Entwicklungszentrum. Kostenpunkt für ein Gerät: etwa 100.000 Euro. Die Schichten beim Druck betragen 0,16 Millimeter. „Das nutzen wir normalerweise zum Erstellen von Prototypen, zum Umsetzen von neuen Ideen unserer Ingenieure“, erklärt Kärcher. Ziehl-Abegg ist Technologieführer beim bionischen Design von Ventilatoren; „daher müssen wir schnell und unkompliziert neue Formen ausprobieren können“, ergänzt der Laborleiter.

„Wir sind froh, wenn wir auf diesem Weg Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen helfen können“, sagt Firmenchef Fenkl. Dabei gehört der Medizinbereich auch zum normalen Geschäftsfeld: Ziehl-Abegg baut seit Jahren große Ventilatoren sowohl für Operationssäle als auch für Quarantäne-Stationen. Das Unternehmen hat für chinesische Krankenhäuser in Wuhan, Shandong und Shenzhen, die dort binnen weniger Tage aufgebaut worden sind, spezielle Ventilatoren geliefert. Auch in Italien und anderen Ländern hat das deutsche Unternehmen das Kernequipment für Unter- beziehungsweise Überdruck in Kliniken hergestellt. Und produziert auch aktuell solche Ventilatoren in Hohenlohe und weltweit noch immer unter Hochdruck.

3-D-Druck-Gesichtsschilde von Ziehl-Abegg. Foto: Ziehl-Abegg

Über Ziehl-Abegg

Ziehl-Abegg (Künzelsau, Baden-Württemberg, Deutschland) gehört zu den laut eigenen Angaben international führenden Unternehmen im Bereich der Luft-, Regel und Antriebstechnik. Beispiele für Einsatzgebiete der Produkte sind Wärme- und Kälteanlagen oder Reinraum- und Agraranlagen. Ziehl-Abegg hat schon in den fünfziger Jahren die Basis für moderne Ventilatorenantriebe gesetzt: Außenläufermotoren, die auch noch heute weltweit Stand der Technik sind. Ein weiterer Bereich sind elektrische Motoren, die beispielsweise in Aufzügen, medizinischen Anwendungen (Computertomographen) oder Tiefsee-Unterwasserfahrzeugen für Antrieb sorgen. Das Thema Elektromobilität im Straßenverkehr wurde 2012 bei Ziehl-Abegg Automotive angesiedelt.

Das Unternehmen (alle Angaben sind bezogen auf das Jahr 2019) beschäftigt laut eigenen Angaben 2.400 Mitarbeiter in süddeutschen Produktionswerken. Weltweit arbeiten für das Unternehmen 4.300 Mitarbeiter. Diese verteilen sich global auf 16 Produktionswerke, 29 Gesellschaften und 113 Vertriebsstandorte. Die rund 30.000 Artikel werden in mehr als 100 Ländern verkauft. Der Umsatz liegt bei 633 Mio. Euro. Dreiviertel der Umsätze werden im Export erzielt.

Emil Ziehl hat die Firma 1910 in Berlin als Hersteller von Elektromotoren gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Firmensitz nach Süddeutschland verlegt. Die Ziehl-Abegg SE ist nicht börsennotiert und befindet sich in Familienbesitz.

Weitere Informationen auf http://www.ziehl-abegg.de

Quelle: Pressemitteilungen von Ziehl-Abegg und vom Landratsamt des Hohenlohekreises

Die Idee der Gesichtsschilde bekam eine Mitarbeiterin via WhatsApp. Foto: Ziehl-Abegg

 




Ziehl-Abegg/Corona: „Lkw-Fahrer aus Italien bekommen gleich eine Schutzmaske“

Corona-Virus überall. In diesen Tagen und Wochen beschäftigt kaum etwas die Menschen so sehr wie diese Lungenkrankheit. Sie beherrscht die Nachrichten und die Gespräche. Wegen ihr werden Fußball-Spiele vor Geisterkulisse ausgetragen, Großveranstaltungen abgesagt und die Kunden machen Hamsterkäufe. Welche Auswirkungen aber hat die Lage auf die Firmen in der Region, von denen viele Handelspartner in aller Welt haben? Wir haben beim Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg nachgefragt. Der hat unter anderem eine Niederlassung in Dolo in Venetien, das im norditalienischen Risikogebiet liegt. Dort arbeiten laut einer Pressemitteilung 42 Mitarbeiter in Montage, Logistik und Verkauf. Zwei bis drei Lkw machen sich wöchentlich mit fertigen Produkten von Schöntal-Bieringen zu Ziehl-Abegg Italien auf den Weg.

„Die Lage ist noch bedrohlich“

„Für uns ist die Lage noch nicht bedrohlich“, sagt Rainer Grill, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Firma Ziehl-Abegg. Das Unternehmen hätte 2019 ein gutes Geschäftsjahr gehabt. „Wir kommen also aus einer guten Basis.“ Aus wirtschaftlicher Sicht gebe es keine Einschränkungen. Der Verkehr von Waren und Produkten laufe normal weiter. „Es gibt Länder, wo es ganz gut läuft“, so Rainer Grill weiter. „Aber natürlich merken auch wir, dass die Weltwirtschaft gerade langsamer läuft.“ 

„Das hemmt den Betrieb nicht“

In China sei die Regulierung durch den Staat viel stärker, in Italien dagegen betreffen die Einschränkungen eher das Privatleben der Menschen. „Das macht natürlich schon was“, meint Rainer Grill. „Wenn der Kindergarten oder die Schule schließt und die Eltern haben niemanden, der auf die Kinder aufpasst, bleiben sie eben zuhause.“ Aber das sei eher wie bei einer Grippewelle, das hemme den Betrieb nicht. Ob die Maßnahmen der Staaten verhältnismäßig seien, könne er nicht beurteilen. „Das steht uns auch nicht zu und sowas weiß man immer erst hinterher.“

„Das sind wir unseren Mitarbeitern schuldig“

Konkret habe das Unternehmen ein ganzes Maßnahmenbündel ergriffen und unter anderem einen Corona Krisenstab eingerichtet. „Das sind wir auch als Unternehmen den Mitarbeitern schuldig“, so der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit. So wurden Vertreterbesuche bis auf Weiteres auf ein notweniges Maß reduziert – auch innerhalb von Deutschland. Schulungen, die nicht unbedingt notwendig sind, sollten die Mitarbeiter nicht besuchen. „Aber wenn bei einem Mitarbeiter eine Prüfung ansteht, beispielsweise zum Techniker, kann er diese auch jetzt ablegen“, sagt Rainer Grill. Aufgehängte Plakate sollen die Mitarbeiter ans Händewaschen und Abstandhalten erinnern. „Und fährt ein Lkw-Fahrer aus Italien auf den Hof, bekommt er gleich eine Schutzmaske.“

Mehrere Mitarbeitern arbeiten von Zuhause aus

Der Vorstand des Unternehmens hat laut einer Pressemitteilung verschiedene Beschlüsse getroffen, die besonders Mitarbeiter betreffen, die seit dem 24. Februar 2020 in Südtirol oder einem anderen Risikogebiet waren. So seien mehrere Mitarbeiter nach Hause geschickt worden und arbeiten jetzt teilweise im Homeoffice. Zwei Mitarbeiter mussten auf Corona getestet werden, das Ergebnis fiel negativ aus.

„Bisher wurden noch keine Mitarbeiter angesteckt“

Reisen nach Italien beziehungsweise von dort zu Ziehl-Abegg sollten im Moment vermieden werden. Mitarbeiter, die privat in ein Risikogebiet reisen, müssen sich nach ihrer Rückkehr auf Corona testen lassen. Die Kosten dafür tragen die Betroffenen selbst. Wer keinen Test machen möchte, muss zwei Wochen zuhause bleiben. Dafür gibt es laut der Pressemitteilung auch keine Lohnfortzahlung, sondern das ist unbezahlte Freistellung. Alternativ könne aber auch Gleitzeit oder regulärer Urlaub genommen werden.

„Wir sind bisher verschont geblieben“

„Insgesamt sind wir froh, dass wir bisher verschont geblieben sind und weder in China noch in Italien oder Deutschland Mitarbeiter angesteckt wurden“, freut sich der Ziehl-Abegg-Mann. Aber bis jetzt wisse auch noch niemand, wie sich die Lage noch weiterentwickelt.

 




Corona-Virus: Ziehl-Abegg schickt mehrere tausend Mundschutzmasken & Ventilatoren nach China

Die frühe Entscheidung von Ziehl-Abegg, alle Dienstreisen von und nach China zu streichen, gilt unverändert“, betont Rainer Grill, Pressesprecher von Ziehl-Abegg in Künzelsau, in einer Pressemitteilung. „Zudem haben Ziehl-Abegg Deutschland und Ziehl-Abegg Japan mehrere tausend Mundschutzmasken ins Werk nach China geschickt, weil regional Mundschutzmasken bereits knapp werden.“

Bau eines neuen Krankenhauses

Des Weiteren habe Ziehl-Abegg China hat den Auftrag erhalten, innerhalb weniger Tage mehr als 70 Ventilatoren für das neue Krankenhaus in Wuhan zu liefern – das Krankenhaus soll binnen sechs Tagen gebaut werden. „Wir versuchen, alle Ventilatoren auszuliefern“, sagt Jason Liu, Geschäftsführer von Ziehl-Abegg China. Aber alle 450 Mitarbeiter sind in den chinesischen Neujahrsferien. Natürlich entspricht das deutsche Unternehmen Ziehl-Abegg grundsätzlich den Vorgaben der Stadtverwaltung von Shanghai, die Urlaubsphase bis zum 10. Februar 2020 zu verlängern. Dadurch soll eine Ausbreitung des Virus‘ verhindert werden.

„Es ist großartig, dass die chinesische Regierung so schnell reagiert und in dieser kurzen Zeit ein neues Krankenhaus gebaut hat“, sagt Jason Liu. „Ich bin sicher, dass viele Mitarbeiter die Hilfe für die Menschen in Wuhan unterstützen und in den nächsten Tagen Ventilatoren für das neue Krankenhaus produzieren werden“, sagt Jason Liu.

„Es sind spezielle Ventilatoren für Krankenhäuser“, erklärt Geschäftsführer Liu. Der Elektroantrieb ist ein hocheffizienter energiesparender EC-Motor. Das Laufrad wird aus einem speziellen Verbundwerkstoff hergestellt, der von Ziehl-Abegg entwickelt worden ist. Der Ventilator ist antibakteriell, ohne jegliche Korrosionsgefahr und ohne jede Ausgasung.

„Wenn es nicht möglich ist, die Ventilatoren in unserer Produktionsstätte in China herzustellen, versuchen wir, diese von anderen Produktionsstätten von Ziehl-Abegg nach Wuhan zu schicken“, sagt Steffen Sinn, Area Sales Manager am Stammsitz von Ziehl-Abegg in Künzelsau. Allerdings nur, falls Vorlieferanten in China die benötigten Teile nicht zeitnah in die Produktion liefern können.“

Quelle: Pressemitteilung von Ziehl-Abegg, Künzelsau

Ziehl-Abegg-Gebäude im Herzen Künzelsaus. Foto: GSCHWÄTZ




Ziehl-Abegg bleibt vorerst der Künzelsauer Innenstadt erhalten: „Es gibt keinen Beschluss für eine Verlagerung des Standorts Künzelsau in den Gewerbepark Hohenlohe“

Als die Achtklässler des Ganerben-Gymnasium am Donnerstag, den 23. Januar 2020, „Wünsch Dir was“ im Rathaus in Künzelsau spielen durften, stand auch eine Sache ganz oben auf der Wunschliste für Künzelsau: mehr Einkaufsmöglichkeiten. Diesen Wunsch teilt auch Bürgermeister Stefan Neumann: „Wir wollen attraktiver hinsichtlich einkaufen werden“, sagte er bei der Veranstaltung. Denn „wir wissen, dass die Nachfrage da ist.“ Aber es sei nicht immer so einfach, Unternehmen hierherzulocken. Deichmann beispielsweise habe ganz genaue Vorgaben, welche Fläche sie für einen Standort brauchen. Hier gelte das „Schuhschachtel“-Prinzip: 400 Quadratmeter ebenerdig. Solche Flächen aber gäbe es kaum.

H&M wollen viele

Für die 13- und 14-Jährigen lautet die Top-Marke, die her müsse: H&M, gefolgt von Intersport und Nike. Dann müssten sie auch nicht immer nach Heilbronn oder Stuttgart zum Einkaufen ausweichen. Severin (13) aus Waldenburg fragt, ob es denn nicht möglich wäre, auf das Gelände, auf dem derzeit ein blauer Hingucker-Komplex von Ziehl-Abegg (ZA) seht, ein Einkaufszentrum zu bauen. Schließlich wolle ZA doch sowieso demnächst komplett in den Gewerbepark an der A6 umziehen. Bürgermeister Neumann erklärt: „Ziehl-Abegg hat einen Masterplan für den Gewerbepark. Nach und nach soll die komplette Produktion und die Verwaltung dorthin umziehen.“ Aber es sei unklar, wann ZA damit komplett die Künzelsauer Innenstadt verlasse.

ZA hat laut eigenen Aussagen noch keine konkreten Pläne bezüglich eines Umzugs

GSCHWÄTZ hat diesbezüglich bei ZA-Pressesprecher Rainer Grill nachgefragt. Dieser sagt: „Es gibt bei Ziehl-Abegg keinen Beschluss für eine Verlagerung des Standorts Künzelsau nach Kupferzell (Gewerbepark Hohenlohe).“ Aber „die Fläche in Künzelsau ist limitiert – daher wird bei einem Wachstum des Unternehmens der Platz im Kochertal irgendwann knapp. Ob dies in zehn, in 20 oder in noch mehr Jahren der Fall sein wird, weiß ich nicht. Und wie dann vorgegangen wird, ist auch noch offen.“ Denn selbst dann könnten ja auch nur einzelne Bereiche verlagert werden – aber auch das wisse man heute noch nicht.

Ziehl-Abegg-Gebäude im Herzen Künzelsaus. Foto: GSCHWÄTZ

 




Künzelsau: Ziehl-Abegg bekommt neuen Finanzvorstand

Olaf Kanig wird laut einer Pressemitteilung im Februar 2020 kaufmännischer Vorstand des Künzelsauer Motoren- und Ventilatorenhersteller Ziehl-Abegg SE. Der 45-Jährige ist Diplom-Wirtschaftsingenieur und kommt von einem großen Automobilzulieferer. Dort hat er während der vergangenen acht Jahre ein Wachstum von einer auf gut 1,9 Milliarden Euro Umsatz mitgestaltet.

Kanig bringt sowohl kaufmännische als auch fundierte technische Kenntnisse mit: Vor seinem Studium im Fach Wirtschaftsingenieurswesen hat er eine Ausbildung als Energieelektroniker absolviert. In seiner bisherigen Position hat er die Bereiche Bordnetzwerke und Kunststofffertigung kaufmännisch begleitet. Dazu gehörte das Controlling der 25 weltweiten Produktionsstandorte. „Internationale Erfahrung, Finanzexpertise und eine solide technische Ausbildung prädestinieren Herrn Olaf Kanig für die Position des kaufmännischen Vorstands bei Ziehl-Abegg“, sagt Vorstandsvorsitzender Peter Fenkl laut der Mitteilung seines Unternehmens.

Quelle: Pressemitteilung von Ziehl-Abegg

Olaf Kanig wird im Februar 2020 Finanz-Vorstand der Ziehl-Abegg SE. Foto: Ziehl-Abegg

 




Ziehl-Abegg sagt wegen Virus alle Flüge nach China ab

Die Entwicklung in China hat auch direkte Auswirkung auf deutsche Unternehmen“, so Rainer Grill, Pressesprecher von Ziehl-Abegg aus Künzelsau, in einer Pressemitteilung an GSCHWÄTZ. Er verwies damit auf den so genannten Corona-Virus, der derzeit in China grassiert. Die Tagesschau meldete am Freitag, den 24. Januar 2020, dass es wegen des Virus‘ bereits 26 Tote gäbe, 830 Menschen hätten sich angesteckt. https://www.tagesschau.de/ausland/corona-china-103.html

Bei Ziehl-Abegg habe der Vorstandsvorsitzende Peter Fenkl am Donnerstag, den 23. Januar 2020, entschieden, dass keine Mitarbeiter mehr nach China fliegen. Fenkl: „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter ist wichtiger als wirtschaftliche Aspekte.“

Zudem wurde der Transport eines Übersee-Containers gestoppt – dieser sollte mit Maschinen und Bauteilen nach China geschickt werden, um dort einen Messestand zu gestalten und zu bestücken. Anfang April sollte in Wuhan die China Refrigeration stattfinden; die bedeutendste Messe für Kühl-, Klima- Heizungs-, Lüftungstechnik im asiatischen Raum
http://www.cr-expo.com/en/index.aspx

Der Corona-Virus ist eine Lungenkrankheit und hat sich in China von Wildtieren auf den Menschen übertragen. Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist ebenfalls möglich.




Kupferzell: Mord im Ziehl-Abegg-Restaurant DeSi

Essen, Trinken und zwischendrin einen Mordfall lösen. Zumindest einen Fiktiven. Damit waren zwei Dutzend Gäste im Ziehl-Abegg-Turmrestaurant DeSi im Gewerbegebiet – das sich Künzelsau mit Kupferzell und Waldenburg teilt – am vergangenen Samstag, den 9. November 2019, beschäftigt. Das Zauberwort heißt: Kriminal-Dinner.

Zwischen Kürbiscremesuppe, gefülltem Schweinebraten nebst Vanillecreme samt Beerenragout entstand ein interaktives Theaterstück zwischen Schauspielern und Gästen, die zu Akteuren und Handlungsträgern in der Kriminalgeschichte werden. Ein Ziel vor Augen: Den very britischen Mordfall zu lösen und den Täter zu überführen.

GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat den Abend mit der Kamera begleitet und ein Stimmungsbild montiert.

Wer ist der Mörder? Foto: GSCHWÄTZ

Die Gäste auf der Suche nach des Rätsels Lösung. Foto: GSCHWÄTZ

Mit welchem Gegenstand wurde das Opfer ermordet? Foto: GSCHWÄTZ

 




Stadt Künzelsau kauft XXL-Areal von Ziehl-Abegg

Der Kaufvertrag ist unterschrieben: In der vergangenen Woche haben die Vorstände von Ziehl-Abegg, Achim Curd Rägle und Norbert Schuster, gemeinsam mit Bürgermeister Stefan Neumann den Erwerb des Anwesens in den Kocherwiesen durch die Stadt Künzelsau offiziell vollzogen. Das rund 13.300 Quadratmeter große Grundstück in der Würzburger Straße liegt in der Nachbarschaft des Elektrofachmarktes HEM und des Sigloch-Gebäudes. Das geht aus einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung Künzelsau hervor.

Wohnraum schaffen

„Die Fläche ist attraktiv und bietet für Künzelsau interessante Entwicklungsmöglichkeiten“, so Bürgermeister Neumann laut der Pressemitteilung. Vorstellbar sei eine Nutzung für Wohnen, Einzelhandel, Dienstleistung und Gewerbe. Deshalb sollen die bestehenden Hallen voraussichtlich 2020 abgebrochen werden. Vor dem Hintergrund dringend benötigten Wohnraums in der Kernstadt soll das Grundstück für den Geschosswohnungsbau zur Verfügung stehen. „Für Gemeinderat und Stadtverwaltung steht fest, dass die Schaffung von Wohnraum in der Stadt immens wichtig und als Stärkung von Künzelsau dringend erforderlich ist“, so Neumann weiter. „Die von Ziehl-Abegg erworbene Fläche ist eine der letzten, die für den Geschosswohnungsbau in Frage kommen und außerdem noch sehr gut an Stadt, Straße, Radwegnetz und Öffentlichen Personennahverkehr angebunden.“

Ziehl-Abegg froh über Verkauf

Die Stadt unterstreicht mit dem Erwerb auch die Verbundenheit mit dem in Künzelsau zum Weltmarktführer gewachsenen Unternehmen, wie Neumann meinte: „Durch die Veräußerung kann Ziehl-Abegg unternehmerische Ziele umsetzen. Gemeinderat und Stadtverwaltung sind gerne konstruktive Partner, wenn es um die Weiterentwicklung des Unternehmens geht.“

Auch Finanzvorstand Achim Curd Rägle ist froh über den Grundstücksverkauf: „Wir bekommen dadurch Freiraum für die weitere Unternehmensentwicklung.“

Auf dem Areal in der Würzburger Straße soll Wohnraum entstehen. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 

Die große 13300 Quadratmeter große Fläche befindet sich direkt neben dem Elektronikfachmarkt Hem expert. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

Achim Curd Rägle, Stefan Neumann und Norbert Schuster (v.L.) unterzeichneten den Kaufvertrag. Foto: Stadtverwaltung Künzelsau

 




Schüler bauen weltweit Elektromotoren

Das Ziel ist klar: „Jedes Kind geht heute mit einem funktionierenden Elektromotor nach Hause“, sagt Sophie Grill zum Auftakt des Maus-Türöffnertages am 3. Oktober. Damit dieses anspruchsvolle Ziel am Ende auch erreicht wird, hat die 23-jährige Auszubildende des Künzelsauer Industrieunternehmens Ziehl-Abegg gemeinsam mit sechs weiteren Auszubildenden fast ein Dreivierteljahr Vorarbeit geleistet. Denn wie immer am 3. Oktober lud auch in diesem Jahr die „Sendung mit der Maus“ des Westdeutschen Rundfunks zum Türöffnertag ein. Das Konzept für den Tag ist einfach: In ganz Deutschland ermöglichen Firmen Kindern den Zugang zu Produktionsstätten und Verkaufsräumen, die Kinder erleben offene Türen, wo sie sonst vor verschlossenen Türen stehen.

Ziehl-Abegg ist seit 2016 regelmäßig beim Türöffnertag dabei. 2019 setzte der Spezialist für Ventilatoren und Elektromotoren aber noch einen oben drauf: Nicht nur in Deutschland, sondern rund um den Erdball, auf sechs Kontinenten, von Australien über Singapur bis nach Brasilien und die USA, sollten Kinder in Ziehl-Abegg-Standorten oder in Schulen kleine Elektromotoren bauen. Und erstmals wurde der Türöffnertag komplett von Auszubildenden geplant und verwirklicht. Sophie Grill, Auszubildende zur Industriekauffrau im zweiten Ausbildungsjahr, übernahm die Projektleitung. Sie lernte, wie sie schmunzelnd sagt, durch das Projekt nicht nur ihre Firma bis in die kleinsten Verästelungen kennen, sondern gewissermaßen die ganze Welt.

 

Weltweit nahmen 80 Kinder am Maus-Türöffnertag teil

 

In Deutschland öffnete Ziehl-Abegg im Werk in Kupferzell seine Pforten. Das Werk liegt nur wenige Kilometer vom Stammsitz Künzelsau entfernt. 30 Mädchen und Jungen im Alter zwischen neun und 12 Jahren waren eingeladen. Mehr als 200 Bewerbungen gab es um die begehrten 30 Plätze. Also musste das Losglück entscheiden. Weltweit, so berichtet Sophie Grill, nahmen 80 Kinder am Maus-Türöffnertag teil. In Südafrika und in Brasilien wurde der Aktionstag in Schulen durchgeführt.

Als die Projektleiterin um 9.45 Uhr die Veranstaltung im Kupferzeller Werk eröffnet, sind die Elektromotorenbauer in Australien schon längst fertig. Sie hatten, nach deutscher Zeit, bereits um 1.30 Uhr begonnen. Dort, so die Botschaft aus Australien, liefen alle Motoren rund. Das sollte auch in Kupferzell klappen.

 

Kein Kurzschluss

 

Es gab am 3. Oktober für die 30 Jungs und Mädchen fachkundige Unterstützung und Anleitung: „Ich bin leidenschaftlicher Bastler“, sagt Jürgen Ulm. Der hoch aufgeschossene Mann ist beim Türöffnertag mit Feuereifer dabei. Mit einem so genannten Multimeter, einem Messgerät, das ein bisschen aussieht wie ein zu dick geratenes Smartphone, geht er von Tisch zu Tisch und misst, ob die Elektromotoren, die die Kinder  zusammenbauen, Strom leiten oder einen Kurzschluss produzieren. Letzteres sollte natürlich nicht sein. Behutsam hält er zwei Kontakte an den Kupferdraht, der später das Herzstück eines jeden Elektromotors ausmacht. „Jetzt piept das Ding“, sagt er. Das heißt, es besteht Kontakt. Kein Kurzschluss also. Übrigens ist Jürgen Ulm doch ein bisschen mehr als nur ein begeisterter Bastler. Jürgen Ulm trägt einen Professorentitel und ist Doktor der Ingenieurwissenschaften. Er lehrt am Institut für Digitalisierung und elektrische Antriebe der Hochschule Heilbronn, Reinhold-Würth-Hochschule, am Campus Künzelsau. Am Türöffnertag trägt der Professor übrigens das, was auch alle Kinder und Ziehl-Abegg-Helfer  tragen: Ein blaues Maus-T-Shirt mit der Aufschrift: „Mouse around the world. Introduction to Engineering.“ Frei übersetzt: Eine weltweite Einführung ins Ingenieurswesen, ganz im Zeichen der Maus.

An einem der Tische sitzt der zwölfjährige Simon Geisler aus Bamberg und schleift gewissenhaft einen dünnen Kupferdraht ab. Der 18-jährige Auszubildende Lukas Hettenbach steht ihm beim Bau des Elektromotors zur Seite. „Sauber abschleifen, sonst gibt es keinen Kontakt und es funktioniert nicht richtig“, ermuntert er den 12-jährigen Simon, der an diesem Tag gewissermaßen der Azubi des Azubis ist. Lukas Hettenbach ist übrigens auch noch nicht so lange dabei. Erst Anfang September trat er seinen Ausbildungsplatz zum Elektroniker für Geräte und Systeme bei Ziehl-Abegg an. In der kurzen Zeit hat er schon viel über Elektromotoren gelernt. Deshalb verrät er seinem jungen Schützling, wo die besondere Herausforderung beim Umgang mit dem Kupferdraht besteht: Einmal im sauberen Abschleifen, zum anderen in der sauberen Wickelung des Drahtes zu einer Spule. Um es vorweg zu nehmen: Punkt 13 Uhr und damit weit vor dem Ende der Veranstaltung nimmt der kleine Elektromotor von Simon seinen Betrieb auf. Er hat Kraft genug, einen kleinen Propeller zu drehen.

 

„Das ist die Tür, die man sonst nie aufmacht“

 

Dass die  Mitarbeiter von Ziehl-Abegg aber auch Elektromotoren bauen, die ganze Busse bewegen und tonnenschwere Aufzüge heben können, auch das sehen die Kinder beim Türöffnertag. Eine kleine Rundfahrt mit einem Elektrobus über das Werksgelände, eine Werksführung und schließlich ein Blick in den Testraum für Aufzüge gehören ebenfalls zum Programm. „Das ist die Tür, die man sonst nie aufmacht“, sagt Firmenchef Peter Fenkl, als er mit den Kindern den Testraum betritt. Hier ist das Wort Türöffnertag also ganz wörtlich zu nehmen, denn selbst Mitarbeiter von Ziehl-Abegg, so betont Peter Fenkl, dürfen diesen Raum nur mit besonderer Erlaubnis betreten.

Simon Geisler aus Bamberg ist übrigens ein echter Türöffner-Profi. Schon drei Mal hatte er Losglück und durfte Ziehl-Abegg besuchen, in diesem Jahr zusammen mit seinem neunjährigen Bruder Florin. Im Clavius-Gymnasium in Bamberg hat Simon in der sechsten Klasse sogar schon ein Referat über die Firma Ziehl-Abegg gehalten. Er hatte in der „Sendung mit der Maus“ einen Beitrag über Aufzugmotoren  gesehen, und, logisch, der Maus-Film war bei Ziehl-Abegg in Kupferzell gedreht worden. Unerschrocken schrieb Simon daraufhin eine E-Mail und bat um Material für ein Referat. Alles wollte er wissen, zur Firmengeschichte und worauf das Unternehmen so spezialisiert ist. Das Referat hielt Simon dann im Fach Informatik. Er bekam eine glatte Eins dafür.

 

Sonderschichten am Tag der Deutschen Einheit

 

Ein Azubi-Team, das fast ein dreiviertel Jahr Vorbereitungsarbeit auf sich nimmt, ein Tag X, an dem alles bis ins Detail klappen muss, damit 30 kleine Elektromotoren funktionieren, zwei Dutzend Helfer, ein Koch, ein Busfahrer und ein Hausmeister, die am Tag der Deutschen Einheit allesamt Sonderschichten schieben: Das ist zweifelsohne viel Aufwand. Firmenchef Peter Fenkl aber ist sich sicher, dass sich dieser Aufwand lohnt. „Dahinter steckt das Interesse, die jungen Leute an die Thematik Technik heranzuführen und den Eltern zu zeigen, dass wir mehr für die Region tun“, sagt der Vorstandsvorsitzende von Ziehl-Abegg. Einen „linearen wirtschaftlichen Zusammenhang“ könne man freilich nicht herstellen, so nach dem Motto: Was bringt das eigentlich der Firma? Aber für Peter Fenkl ist das wichtigste Ergebnis dieses Tages, dass die Kinder Spaß haben. Und nicht nur die haben Spaß: „Es macht auch unseren Mitarbeitern viel Spaß“, betont Peter Fenkl.

Auf internationaler Ebene gab es im Vorfeld übrigens eine Bildungslücke zu schließen: Es ging um die Frage, was es denn mit dieser Maus auf sich hat. In Deutschland zweifelsohne Stars, sind die Maus und der kleine blaue Elefant in Singapur oder in den USA weitgehend unbekannt. So funktionierte das Azubi-Team um Sophie Grill ein jährliches Sales Treffen des internationalen Managements zu einer Schulung in Sachen Maus-Türöffnertag um. Es gab für die Herren des internationalen Managements eine abendliche Einweisung, bei welcher der Bausatz für den Elektromotor vorgestellt wurde, der am Türöffnertag zum Einsatz kommen sollte. Es gab auch eine achtseitige, bebilderte Aufbauanleitung, ein Schulungsvideo und Infos zur Sendung mit der Maus. Die Herren aus dem Management, so erinnert sich Sophie Grill, hatten großen Spaß, als sie selbst den Elektromotor bauen durften. „Selbst bei den Erwachsenen ist das so: Der Blick geht in die Runde – sieht auch jeder, dass der Motor läuft?“ An ihren Standorten gaben die internationalen Manager dann ihr Wissen weiter.

 

„Die Elektromotoren werde alle funktionieren.“

 

Auch in Hohenlohe, genau genommen in Kupferzell und Künzelsau, griffen die Zahnrädchen ineinander. So stellten beispielsweise die Auszubildenden der Metall-Lehrwerkstatt in Künzelsau mittels CNC-Fräser einheitliche Holzbretter samt stilisierter Maus her, die später als Bodenplatten für die Elektromotoren dienen sollten, berichtet Joachim Deißler. Der 34-Jährige ist Elektronikausbilder. Als solcher hat er nicht nur viel Erfahrung mit Auszubildenden, sondern auch mit Schülern, denn Ziehl-Abegg kooperiert eng mit der Realschule Krautheim. Er ist sich schon lange vor dem Ende des Türöffnertages sicher: „Die Elektromotoren werde alle funktionieren.“

Ein besonderes Augenmerk richten die Organisatoren auf den Zeitplan. Wie der gewerbliche Ausbildungsleiter Jens Münch erklärt, erfordert die Altersspanne von neun bis 12 Jahren bei den Kindern mitunter ein bisschen Improvisation. Manche Kinder seien einfach schneller beim Bauen als andere. Immer wieder schließt sich Jens Münch daher mit seinen Ausbilderkollegen und mit den Auszubildenden kurz. Mancher Programmpunkt wird vorgezogen, mancher verkürzt.

Und auch Pausen müssen sein. In der Kupferzeller Kantine gibt es am Türöffnertag Currywurst mit Pommes.

Die Eltern von Simon und Florin Geißler aus Bamberg sind am Ende der Veranstaltung sehr angetan. Es sei keine Massenveranstaltung, und für die 30 Kinder, die teilnehmen durften, werde etwas geboten. Vor allem dürften die Kinder selber anpacken. Besonders jedoch das Engagement der Mitarbeiter von Ziehl-Abegg hat den Eltern von Simon und Florin gefallen. „Man sieht, jeder ist ein Teil und sieht einen Sinn dahinter. Jeder fühlt sich verantwortlich für den Erfolg“, beschreibt Gudrun Geisler die Stimmung beim Türöffnertag. Und der Erfolg tritt dann auch ein: Pünktlich um 14.20 Uhr, zehn Minuten vor dem offiziellen Ende der Veranstaltung, verkündet Professor Dr. Jürgen Ulm, der Mann mit dem dicken Multimeter-Messgerät: „Alle Motoren laufen.“

Am Ende gibt es nach dem Abschiedsfoto für jedes Kind noch eine Urkunde über die Teilnahme. Verfasst ist sie in englischer Sprache, denn schließlich war das der erste internationale Maus-Türöffnertag.

Kinder bauen beim Maus-Türöffnertag von Ziehl-Abegg. Foto: Ziehl-Abegg

Staunend betrachten die Kinder, wie extrem starke Permanentmagnete an die Rotoren geklebt werden. Foto: Ziehl-Abegg

Technik begreifen. Foto: Ziehl-Abegg

Kinder beim Türöffnertag in Kupferzell. Foto: Ziehl-Abegg

Quelle: Pressemitteilung von Ziehl-Abegg/Artikel von Henry Doll geschrieben




Wer bekommt das XXL-Grundstück mitten im Herzen Künzelsau?

Im Besprechungsraum von Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann ziert ein Poster die Wand. Es zeigt den Plan zur Neugestaltung des großen Areals zwischen dem Rathaus und der Bergbahn. Das neue Landratsamt nimmt darin eine große Fläche ein. Von oben sieht es aus wie ein mehrfach zerteiltes Steak. Daneben sieht man das Kaufland, das so gar nicht an das Kaufland erinnern will, das es da facto bereits an dieser Stelle gibt. Mit seiner ovalen Form erinnert es vielmehr an ein kleines Fußballstadion. Besser, größer, neuer soll das Kaufland werden. Nur an der Umsetzung scheiden sich die Geister. Es geht um Millionen und um die Frage: Wie soll Künzelsau künftig ausschauen?

Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen.

Nur einen Steinschlag von diesem Kaufland entfernt hat Rainer Grill sein Büro. Er ist Pressesprecher von Ziehl-Abegg (ZA) und er hatte große Pläne mit dem Kaufland in Künzelsau. Genauso wie Dr. Herbert Küblböck aus Regensburg. Der Investor wollte das Kaufland größer, moderner, neuer aufziehen. Allerdings nicht an dem Standort an der Bergbahn, sondern in der Würzburger Straße neben dem Elektronikgeschäft HEM. Auf der über 13.000 Quadratmeter großen Fläche steht derzeit noch eine alte Produktionshalle von Ziehl-Abegg. Daran hängt schon seit Längerem das Schild: „Zu verkaufen“. Laut Bodenrichtwert ist das Grundstück mehrere Millionen Euro wert.

Vor einigen Jahren schon hat ZA in der Küblböck Unternehmensgruppe aus Regensburg einen Investor gefunden, der das Grundstück kaufen möchte. Ein großes, modernes Kaufland soll darauf entstehen. Architektonische Pläne gibt es. Gespräche mit der Stadt und dem Gestaltungsberater wurden geführt. Martin Gehring von Küblböck kritisiert: „Seit unserem einem ersten Gespräch 2015 ist uns über mehrere Jahre das Wohlwollen der Stadt in Persona des Bürgermeisters Neumann zugesichert“ worden. Es sei offen kommuniziert worden, „dass wir Einzelhandel auf dem Areal der Firma ZA in der Würzburger Straße/Kocherwiesen ansiedeln wollen. Erst – für uns völlig überraschend – im April 2018 wurde seitens Herrn Neumann verlautbart, dass unser Projekt nun von der Stadt abgelehnt würde. Wochen vorher waren unsere ausgereiften Architektenplanungen für den Umzug von Kaufland an die Würzburger Straße und die Nachnutzung der bisherigen Kaufland-Immobilie noch im Gestaltungsbeirat positiv beurteilt worden. Im Schreiben des Bürgermeisters Neumann zur Ablehnung steht nur ein einziger wortkarger Satz, der die Entscheidung begründet: das Kaufland gehöre in die Innenstadt.“
Fragt man Bürgermeister Stefan Neumann, betont dieser, dass er ebenso wie ZA ein Interesse daran habe, dass dieses Grundstück in der Würzburger Straße nicht ewig brach liege, sondern dass hierauf wieder etwas Neues entstehe.

Stefan Neumann möchte das Kaufland in der Innenstadt halten und nicht in die Würzburger Straße verlieren.
Foto: GSCHWÄTZ

„Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Er verweist aber auch darauf, dass das ZA-Grundstück in der Würzburger Straße ein eingeschränktes Gewerbegebiet sei. Elke Sturm, Pressesprecherin der Stadt Künzelsau präzisiert: „Sortimente von innenstadtrelevanter Bedeutung wie Nahrungs-und Genussmittel, Lebensmittel, Drogeriewaren, Kosmetika, Pharmazeutika, Oberbekleidung, Kurzwaren und Handarbeiten, Schuhe, Haushalt, Papier-und Schreibwaren, Bücher sind hier nicht zugelassen… Alles Sortimente die Kaufland anbietet.“

Aber was ist mit Lidl und Edeka, die sich ebenfalls in der Würzburger Straße angesiedelt haben? Elke Sturm erklärt: „Die von Ihnen angesprochenen Lebensmittelanbieter sind in einem Sondergebiet klassifiziert und jeweils mit der entsprechenden Verkaufsfläche und den Sortimenten begrenzt.“ Neumann betont darüber hinaus, wie wichtig das Kaufland für die Innenstadt Künzelsaus sei, immerhin grenze das rund 4.000 Quadratmeter große Grundstück direkt an ein größeres Wohngebiet und auch Taläcker mit seinen rund 3.000 Einwohnern sei nur eine Bergbahnfahrt entfernt: „Unser Ziel ist es nach wie vor, die Innenstadt zu stärken und nicht zu schwächen. Das haben wir von Anfang an so kommuniziert. Wenn man das nicht macht, stirbt die Innenstadt.“

Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen?

Rainer Grill von ZA betont, dass das jetzige Kaufland keine Bauruine geworden wäre, sondern es seien Pläne vorhanden gewesen, wonach ein kleiner Lebensmittelmarkt sowie ein oder zwei Fachgeschäfte darin hätten Platz finden sollen. Die Rede war von einem Schuhfilialisten sowie einem Sportartikelladen. Der Stadt Künzelsau war diese Planung zu unkonkret.

Der Investor ist mittlerweile vom Kaufvertrag zurückgetreten. Nun steht die große Frage im Raum: Was darf überhaupt auf diesem Grundstück gebaut werden beziehungsweise, was könnte sich die Stadt vorstellen? Die Stadt hat nun beschlossen, daraus ein so genanntes „urbanes Gebiet“ zu machen (Umwidmung). Dadurch bestünden mehr Möglichkeiten, das Gebiet zu bebauen. Dies sei auch ein positives Signal gegenüber dem Investor beziehungsweise anderer Investoren. „Produzierendes Gewerbe, Handwerksbetriebe, insofern sie nicht störend sind, ein Küchenstudio, Büros und auch Wohnungen sollen fortan möglich sein“, so Neumann. Martin Gehring von der Küblböck Unternehmensgruppe argumentiert: „Es gibt seitens der Stadt keine konkreten Nutzungsvorschläge. Etwas wolkig ist seitens des Bürgermeisters in einem mündlichen Gespräch eine nicht-handelsbezogene Gewerbenutzung ins Spiel gebracht worden – ohne konkrete, nachhaltige Interessenten benennen zu können. Für eine weitere Gewerbenutzung eignet sich das Grundstück wegen der hohen Abbruchkosten der bisherigen Gebäude – im Vergleich zum Kaufpreis für ein gewöhnliches Gewerbegrundstück in der Region – aber nicht. Ein solcher Verkauf wäre ein Draufzahlgeschäft für den bisherigen Eigentümer“, ist sich der Investor sicher. „Bezüglich der Altlasten- und Abbruchkosten hat unser Haus bereits 2017 fundierte Gutachten machen lassen, welche dies belegen. Wegen der umliegenden Handels- und Gewerbebebauung und der Lage an der viel befahrenen Bahnhofstraße mit den Schallproblematiken kommt auch eine wohnwirtschaftliche Nutzung nicht in Frage.“
Wenn sich die Stadt bezüglich dem Kaufland umentscheide, habe der Investor jedoch nach wie vor Interesse: „Ein Vertragsabschluss wäre auch kurzfristig möglich.“ Auch die Stadt könne sich vorstellen, die Fläche zu kaufen. Das habe man auch ZA schon signalisiert, so Neumann.

Rainer Grill von Ziehl-Abegg.
Foto: GSCHWÄTZ

 Was macht Ziehl-Abegg?

Die Firma Ziehl-Abegg (ZA) sitzt nicht nur in Künzelsau, sondern auch in Computern, Kühlgeräten und klimatisierten Gebäuden. Denn in diesen Geräten befinden sich kleine Ventilatoren. Der Ventilatoren-Hersteller ZA setzt bei der Entwicklung seiner Ventilatoren dabei sehr stark auf Bionek, betont Pressesprecher Rainer Grill gegenüber GSCHWÄTZ: „Wir setzen Dinge, die in der Natur gut funktionieren, im technischen Bereich um.“ So seien in den 1960er Jahren die gebogenen Schwingen in den Ventilatoren erfunden worden, damit sie ruhiger laufen. Man habe sich dabei an Vogelschwingen orientiert. Die Zacken in den Schwingen kamen 2006/2007 hinzu, diese habe man der Eule abgeschaut. Eine Bienenwabenstruktur sorge für Materialeinsparung. ZA fertigt vieles selbst in Deutschland, sagt Rainer Grill. Eine eigene Gießerei gehöre zu ZA. Vergangenes Jahr sei der Kunststoffspritzguss hinzugekommen. Es sei „nicht teurer, intern zu fertigen“. Im Gegenteil: Es sei „ zeitsparend“. Man sei dadurch „flexibler“. Und: „So können wir auch die Qualität optimal prüfen.“

2018 hat ZA laut Rainer Grill 50 Mitarbeiter zusätzlich eingestellt (200 weltweit). Der Umsatz des Unternehmens beläuft sich laut eigenen Angaben auf 540 Millionen Euro* (2017). ZA hat nach eigenen Aussagen 3.900* Mitarbeiter weltweit, davon 2.200* in Deutschland/Hohenlohe. Das Unternehmen exportiert laut eigenen Aussagen dreiviertel ihrer produzierten Teile ins Ausland.
Gründer der Firma ist Emil Ziehl. Er hat 1910 mit Eduard Abegg in Berlin begonnen, Elektromotoren zu bauen. Abegg verließ die Firma laut Rainer Grill bereits nach einem Jahr wieder. Ziehl stirbt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Da die Firma in Ostberlin stand, siedelten seine Söhne Günther und Heinz nach dem Krieg nach Künzelsau um, weil Kontakte zur dortigen Firma R. Stahl bestanden. 1963 gehen die Brüder getrennte Wege. Laut der Internetseite von ebm-papst, gründeten Heinz Ziehl und Gerhard Sturm Elektrobau Mulfingen (Ebm). Durch eine Fusion entsteht 2003 ebm-papst.

* Zahlen 2017