100 Jahre TSV Ingelfingen – ein Grund zum Feiern. Wir haben im Rahmen der Feierlichkeiten mit den Autorinnen der Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum gesprochen: Ulrike Zeller-Michel, Geraldine Blaschka und Judith Blaschka.
GSCHWÄTZ: Hallo zusammen, bitte stellen Sie sich und ihre Rolle im Verein kurz vor.
Ulrike Zeller-Michel: Ich heiße Ulrike Zeller-Michel, bin Pressewart im Verein. Seit fast 20 Jahren. Als Kind war ich auch schon in verschiedenen Gruppen im Verein.
„Ich bin ein Urgestein im Verein“
Geraldine Blaschka: Ich bin Geraldine Blaschka und mache seit rund drei Jahren die Abteilungsleitung vom Jazztanz im Verein. Außerdem habe ich noch zwei Gruppen, die ich schon trainiere, seit ich 15 bin. Angefangen habe ich selbst, als ich klein war.
Judith Blaschka: Im Mutterkindturnen! Geraldine ist meine Tochter. Ich bin Judith Blaschka. Auf gewisse Art und Weise bin ich ein Urgestein im Verein, aber ich hatte auch mal eine kleine Auszeit. Ich habe früher Jazztanz-Gruppen im Verein geleitet und bin die letzten Jahre im Orga-Team. Das heißt, ich bin dabei bei der Organisation und ab und zu mal bei der Moderation von Events.
„Wir haben auch viel dazu gelernt“
GSCHWÄTZ: 100 Jahre TSV Ingelfingen – Was bedeutet das für Sie?
J. Blaschka: Jede Menge Arbeit (lacht) und Verantwortung.
Zeller-Michel: Aber auch Spaß.
G. Blaschka: Immer wieder etwas Neues.
Zeller-Michel: Wir haben auch viel dazugelernt, glaube ich.
J. Blaschka: Und dass wir stolz darauf sein können, dass dieser Verein trotz vieler Hürden und Themen, die er bewältigen musste so gut und in dieser Größe überstanden hat.

Präsentation der Festschrift. Foto: GSCHWÄTZ
„Wir schwelgen gerne in Erinnerungen“
GSCHWÄTZ: Wie ist die Idee zu der Festschrift entstanden?
J.Blaschka: Wir hatten im September letzten Jahres eine Klausursitzung zum 100-jährigen Jubiläum und haben dort festgelegt, was wir tun wollen, welche Veranstaltungen es geben soll und haben dort auch definiert, dass es eine Festschrift geben soll. Wir hatten beim 75-jährigen Jubiläum auch schon eine und das fanden wir alle toll, weil wir selbst auch sehr gern darin blättern und in Erinnerungen schwelgen.
„Wir haben uns freiwillig gemeldet“
GSCHWÄTZ: Wussten Sie gleich, dass Sie das Verfassen der Festschrift in die Hand nehmen wollen?
J.Blaschka: Sagen wir es mal so: Wir haben uns freiwillig gemeldet (lacht).
Zeller-Michel: Ja, als Pressewart habe ich mir eigentlich schon gedacht, dass ich da in irgendeiner Weise mitwirken sollte und auch will.
„Im Dezember haben wir richtig angefangen“
GSCHWÄTZ: Wie viel Arbeit war das? Wie lange haben Sie daran gesessen?
G.Blaschka: Im Dezember haben wir richtig angefangen.
J. Blaschka: Ja, da haben wir die Interviews geführt. Also zuerst einmal einen Plan gemacht und dank Sandra (Hartmann) auch Hinweise bekommen, worauf wir achten sollen.
Zeller-Michel: Sandra hat uns auch einige Ideen für Interviews und Porträts gegeben…
J. Blaschka: …und uns viel beigebracht, worauf wir achten sollen. Was wir uns auch gemerkt haben (lacht).
„Das war echt cool“
GSCHWÄTZ: Nachdem Sie sich nun so intensiv mit dem TSV Ingelfingen beschäftigt haben. Was sind Ihre Highlights aus 100 Jahren Vereinsgeschichte?
Zeller-Michel: Sie beziehen da auch die Erstellung der Festschrift mit ein? Denn für mich waren es auf jeden Fall die beiden Interviews, die ich geführt habe. Es war noch einmal eine ganz andere Art, meine Interviewpartner kennenzulernen. Ich habe Frau Jakob und Herr Rohrbach interviewt. Frau Jakob war sehr lange Kassiererin im Verein und Herr Rohrbach ist Übungsleiter.
G. Blaschka: Ich fand die Steckbriefe über die Gruppen selbst super. Es war total interessant, da zu sehen, was die Gruppen eigentlich über sich selbst denken. Auch war ein Highlight für mich, als wir unsere Festschrift druckfertig hatten. Das war echt cool, das erste Mal zu sehen, wie sie dann aussehen wird.
„Es wurden Strafen angedroht“
J. Blaschka: Also meine Highlights waren auch die Interviews. Ich durfte den Bürgermeister im Ruhestand, unseren Vereinsvorsitzenden und Renée Weigel interviewen. Außerdem war es für mich ein Highlight, die Zusammenarbeit in unserem Organisationsteam, das ein bisschen größer war, zu erleben. Und dann war noch der Hammer, dass ich am Ende in unserem Archiv Schriftstücke von 1921 bis 1926 gefunden habe, wie man damals mit den Vereinsmitgliedern gesprochen hat und welch eindeutig klare Ansagen es damals gab (lacht). Es wurden Strafen angedroht, wenn man nicht zu Veranstaltungen erschien. Ich zitiere aus der Festschrift: „Die Mitglieder werden dringend ersucht an den angegebenen Abenden möglichst zahlreich zu erscheinen. Außerdem wird darauf aufmerksam gemacht, dass grundloses unentschuldigtes Fernbleiben laut Statuten die strengsten Strafen nach sich zieht.“ (alle drei lachen) Das wäre manchmal schon hilfreich bei Arbeitsdiensten, wenn man so sprechen würde.

Prost TSV! Die Erleichterung ist der Redaktion der Festschrift anzusehen: Ulrike Zeller-Michel, Geraldine und Judith Blaschka (v.l.). Foto: GSCHWÄTZ
„Die Gründung des Vereins hat für Überraschungen gesorgt“
GSCHWÄTZ: Was haben Sie Neues über den Verein und dessen Mitglieder erfahren, das sie überrascht hat?
G.Blaschka: Die Gründung des Vereins hat für Überraschungen gesorgt. Keiner wusste so recht, warum eigentlich 1921 das Gründungsjahr ist.
„Es gab 1921 schon eine Gründung“
GSCHWÄTZ: Was hat dabei für Verwirrung gesorgt?
J. Blaschka: Wir waren deswegen so verwundert, weil wir zwar 1921 als Gründungsjahr haben, es aber 1920 schon einmal eine Gründung eines Fußballclubs gab. Ich habe dann gefragt: „Warum haben wir 1921 und nicht 1920 als Gründungsjahr?“ und dank unserem Vereinsvorsitzenden wurden wir in die Geschichte eingeführt.
„Der Spielbetrieb hat 1921 begonnen“
GSCHWÄTZ: Und wieso ist es jetzt 1921?
Zeller-Michel: Der Spielbetrieb hat erst 1921 begonnen und es lag kein Eintrag ins Vereinsregister vor. Abschließend weiß man nicht, ob es nun am Spielbetrieb oder am fehlenden Eintrag ins Vereinsregister lag.
GSCHWÄTZ: Also hat der TSV seine Wurzeln quasi in einem Fußballclub?
J.Blaschka: Das kann man so sagen.
„Mir wurde bewusst, wie viele Personen nicht mehr unter uns sind“
GSCHWÄTZ: Sind Sie bei Ihrer Recherche auch auf Informationen gestoßen, die Sie schockiert oder traurig gemacht haben?
J.Blaschka: Ich sag es mal so: In der „Neuzeit“, in der ich unterwegs war, wurde mir schmerzlich oft bewusst, wie viele Personen, die ich selbst kenne, den Verein begleitet haben und jetzt nicht mehr unter uns sind. Wenn es um die „frühen Jahre“ geht, war da die Erkenntnis, wie sehr damals schon ein Verein hat kämpfen müssen, um existieren zu können und einen Platz zu haben, an dem man trainieren kann. Schon damals waren das immer wiederkehrende Themen. Das waren schon damals Fragen, wie „Wo können wir Fußball spielen?“, weil Plätze beispielsweise dem Bahnbau zum Opfer gefallen sind. Das finde ich interessant aber auch bezeichnend dafür, wie ein Verein auch teilweise kämpfen muss.
„Es gab Phasen, wo es zäher gelaufen ist“
GSCHWÄTZ: Was war schwierig an der Umsetzung des Projektes? Gab es besondere Hürden?
Zeller-Michel: Corona hat es vielleicht ein bisschen schwieriger gemacht. Und wie überall gab es auch zwischenzeitlich mal Phasen, wo es ein bisschen zäher gelaufen ist.
J. Blaschka: Am Ende wussten wir drei aber ganz klar: Wenn der Druck kommt, dann läuft es (lacht).
„Irgendetwas Witziges gab es immer“
GSCHWÄTZ: Was hat Sie seit Dezember in Bezug auf das Projekt zum Lachen gebracht? Gab es irgendwelche Knallergeschichten?
J. Blaschka: Also gelacht haben wir sehr viel. Das haben wir auch in die Festschrift reingebracht. Das war, glaube ich, auch der einzige Sport den wir in der Zeit getrieben haben (lacht). Also Bauchmuskelkater hatten wir auf jeden Fall.
Zeller-Michel: Irgendetwas Witziges gab es immer.
J. Blaschka: Also vielleicht auch die Erkenntnisse, die man aus den Interviews und Porträts mitgebracht hat über die man sich dann ausgetauscht hat.
G. Blaschka: Lustig war auch, dass wir zehn Mal die Auflistung gemacht haben, welche Seite denn nun was beinhalten soll.
Zeller-Michel: Und dann war doch wieder alles anders (lacht).
J. Blaschka: Auf jeden Fall war es insgesamt sehr spaßig.

Von links: Ulrike Zeller, Geraldine Blaschka, Judith Blaschka. Foto: GSCHWÄTZ
„Es ist wichtig, dass es Menschen gibt, die sich für den Verein einsetzen“
GSCHWÄTZ: Sehen Sie den TSV Ingelfingen, nachdem Sie sich intensiv mit der Vereinsgeschichte beschäftigt haben, nun mit anderen Augen?
J. Blaschka: Also vielleicht nicht unbedingt den TSV, aber ich schaue mir heute die Festschrift zum 75-Jährigen Jubiläum mit anderen Augen an, wissend, was alles dahinter steckt, so eine Festschrift zu erstellen. Ohne die Vorarbeit zur 75-Jahres-Festschrift wäre unsere auch gar nicht so möglich gewesen. Diese Recherche zu den frühen Vereinszeiten, die der Altbürgermeister Ehrmann mit dem Herrn Bauer geleistet hat, ist schon sagenhaft.
Zeller-Michel: Mir ist noch einmal bewusst geworden, wie wichtig es ist, dass es Menschen gibt, die sich für den Verein, über die ganzen 100 Jahre gesehen, einsetzen und wirklich viel Freizeit dafür opfern. Das kann nur so funktionieren. Viele sehen vielleicht gar nicht, wie viel Arbeit dahinter steckt, dass so ein Verein läuft. Viele Leute erwarten einfach, dass die Übungsstunden für ihr Geld stattfinden. Mir ist wirklich noch einmal bewusst geworden, was es überhaupt bedeutet, so einen Verein zu führen.
j. Blaschka: Am Ende sind es die Menschen. Wenn du keine Menschen hast, die Übungsleiter machen oder sich um all diese Abläufe kümmern, dann gibt es keinen Verein. Dann gibt es vielleicht ein Sportstudio, wo man hingeht und dafür teuer bezahlt, aber dann gibt es kein Vereinsleben.
„Halli-Galli-Fasching wird es nicht mehr geben“
GSCHWÄTZ: Angenommen, Sie könnten mit einer Zeitmaschine an einen Zeitpunkt in 100 Jahren Vereinsgeschichte reisen. Welcher wäre das?
J. Blaschka: Ich würde zurückkehren zu Pfingstfesten und Fasching. Aber richtig Fasching. Nicht nur Prunksitzungen, sondern Halli-Galli-Fasching. Ich weiß jedoch, das wird es nicht mehr geben… Also zumindest nicht den Halli-Galli-Fasching.
G. Blaschka: Ich auch. Also die früheren Prunksitzungen kenne ich ja nicht, aber die ersten, die ich miterlebt habe, waren eigentlich die besten.
Zeller-Michel: Was ich immer schön fand, waren tolle Aktionen mit dem Ausschuss und den Übungsleitern in den 2000-er Jahren. Kanufahren, Hochseilgarten, Fliegen, Bogenschießen,… Das waren immer schöne Veranstaltungen.
„Wir haben viel anzubieten“
GSCHWÄTZ: Was lieben Sie an Ihrem Verein?
J. Blaschka: Alles. Vor allem, dass er manchmal chaotisch ist, aber wenn es drauf ankommt, finden sich doch immer wieder die zusammen, die sich finden müssen, damit etwas auf die Beine gestellt wird.
G. Blaschka: Ich denke immer, das ist ein kleiner Verein, aber wir haben eigentlich schon viel anzubieten. Trotzdem ist es familiär. Jeder kennt jeden.
Zeller-Michel: Ich finde auch, dass wir ein breites Sportangebot haben.
J. Blaschka: Wir sind einfach gut (lacht). Das kann man zum Abschluss schreiben: Der TSV Ingelfingen ist gut.
Interview: Priscilla Dekorsi