Strangulierte Tiere in Künzelsau: „Die sollen doch verrecken“
„Das strangulierte Tier hing tot im Netz, ein weiteres Tier lag tot auf dem Boden“, schildert Gudrun Schickert, Mitglied der Taubenfreunde Künzelsau e.V.. Mitte Mai 2019 spannte eine Reinigungsfirma in Künzelsau ein Netz zur Taubenabwehr zwischen den Gebäuden von OXN und ‚Die Brille‘. Passanten alarmierten die Taubenfreunde Künzelsau, da sich noch Tauben hinter dem Netz befanden. Die Reinigungsfirma und die Taubenfreunde Künzelsau rückten am nächsten Morgen an und befreiten die Tauben, bevor das Netz wieder fachgerecht verschlossen wurde.
Das Problem vorübergehend mit einer Ein- und Ausflugluke beheben
Zwei Tage später der nächste Anruf – es sollen 15 Tauben hinter dem Netz eingeschlossen sein. „Letztendlich einigten wir uns mit dem Veterinäramt, der Hausbesitzerin und der Reinigungsfirma, das Problem durch eine Ein- und Ausflugluke ganz oben im Netz wenigstens soweit zu lösen, dass die Versorgung der Tauben, vor allem der Küken, wenigstens bis zum Wochenanfang gewährleistet ist – bis weitere Entscheidungen folgen können“, schildert Schickert. Das Loch wurde aber dennoch geschlossen und so kam es dazu, dass sich eine Taube vermutlich am Netz strangulierte und dort hängen blieb und eine andere Taube tot auf dem Boden lag.
Obszöne Beleidigungen
„Wir, die Taubenfreunde Künzelsau, sind zum einen über viele emphatielosen Äußerungen und der der Vorurteile betreffs Tauben, gerade auch bei den betroffenen Geschäftsleuten, sehr erschrocken“, erzählt Schickert. „Wir mussten uns in wenigen Tagen immer wieder öbszöne Beleidigungen anhören.“
Das Tierschutzgesetz gilt auch bei Tauben
Das Tierschutzgesetz, Paragraph 13, Absatz eins, jedenfalls gibt den Tierschützern Recht. Darin heißt es: „Es ist verboten, zum Fangen, Fernhalten oder Verscheuchen von Wirbeltieren Vorrichtungen oder Stoffe anzuwenden, wenn damit die Gefahr vermeidbarer Schmerzen, Leiden oder Schäden für Wirbeltiere verbunden ist; dies gilt nicht für die Anwendung von Vorrichtungen oder Stoffen, die auf Grund anderer Rechtsvorschriften zugelassen sind. Vorschriften des Jagdrechts, des Naturschutzrechts, des Pflanzenschutzrechts und des Seuchenrechts bleiben unberührt.“

Ein Netz wurde gespannt, obwohl sich noch Tauben dahinter befanden. Foto: GSCHWÄTZ
Stacheln bringen nichts
Maritta Müller, ebenfalls bei den Taubenfreunden Künzelsau, betont, dass auch Stachelvorrichtungen nicht viel nützen, denn die Tauben setzen sich einfach dazwischen und nisten. Wenn man ein Netz spannt, dann solle man sich vorher vergewissern, dass sich keine Tauben mehr dahinter befinden, appelliert Müller. Ihr gegenüber wurden bezügliches des Netzes und der sich dahinter befindenten Tiere Sätze geäußert wie: „Die sollen doch verrecken.“ Bei Müller stößt der Gedanke, dass Menschen das sterbende Tier sehen und es ihnen egal ist, auf Unverständlichkeit.
Weder Stacheln noch Falkner, die ihre Falken auf die Stadttauben loslassen, würden etwas bringen. Das einzige, was gegen die Stadttauben helfe, sei das kontrollierte Eierablesen, erklären die Taubenfreunde Künzelsau. Denn nur so bekäme man die Population der Stadttauben in den Griff. Und genau darin besteht die Arbeit der Taubenfreunde Künzelsau. Jedoch haben die Taubenfreunde Künzelsau durch Wegzug, Todesfall und andere Umstände nur noch zwei bis vier ehrenamtlich aktive Mitglieder und auch die entsprechenden finanziellen Mittel fehlen, so dass sie derzeit nicht wissen, wie sie das nächste Futter bezahlen sollen.
Taubenhaus braucht Unterstützung
Die ehrenamtlichen Taubenfreunde locken die Tauben aus der Innenstadt, ins nahegelegene Taubenhaus, indem sie ihnen jeden Morgen am Taubenhaus Futter geben. Da wo es Futter gibt wird gerne genistet. Die Ehrenamtlichen lesen die gelegten Eier ab und ersetzen sie durch Gipseier. So bekommen sie die Population in den Griff. Seit September 2016 bis Mai 2019 wurden fast 2.000 Eier abgelesen worden. Das sind fast 2.000 Tauben weniger in der Innenstadt.
Nicht nur die Ehrenamtlichen, sondern auch das Futter muss gewährleistet, sein um die Tauben aus der Künzelsauer Innenstadt fern zu halten.
Das Taubenhaus ist immer auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern sowie Spenden:
Taubenfreunde Künzelsau e.V.
Marcalistraße 23
74653 Künzelsau
Telefon: 07940 55986
E-Mail: taubenfreunde-kuen@web.de
Bankverbindung: Sparkasse Hohenlohekreis
IBAN: DE36 6225 1550 0220 0290 50 BIC: SOLADES1KUN


Für die Arbeit im Taubenhaus will man gut ausgerüstet sein.
Auch Landrat Dr. Matthias Neth (2. v. li.) und Künzelsaus Bürgermeister Stefan Neumann (rechts) statteten dem Taubenhaus schon einen Besuch ab. Foto: Taubenfreunde