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76-Jähriger fährt Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr

Ein Autofahrer, der am Donnertagnachmittag auf der B19 Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr fuhr, löste einen Polizeieinsatz aus. Zwei Zeugen fiel ein PKW durch seine gefährliche Fahrweise auf und teilten dies am Donnerstagnachmittag gegen 17:45 Uhr dem Polizeirevier Künzelsau telefonisch mit.

Durch die Beamten konnte das Auto auf Höhe Ortsausgang Belsenberg in Fahrtrichtung Künzelsau festgestellt werden. Die Polizeibeamten warnte den Gegenverkehr. Erst auf der Höhe eines Schnellrestaurants in Künzelsau konnte der PKW zum Anhalten gebracht werden.

Während der Hinterherfahrt fuhr der 76-jährige Fahrer des PKW Schlangenlinien und mehrmals in den Gegenverkehr, wodurch es wiederum zu Gefährdungen kam. Verletzt wurde hierbei niemand. Möglicherweise hatte die Fahrweise einen medizinischen Hintergrund.




Mal schnell einen Traktor geklaut

Bereits vergangenen Montag, zwischen 21 und 22 Uhr, wurde aus einem Maschinenschuppen in Ingelfingen Stachenhausen ein Traktor der Marke Fendt Vario 712 mit angebautem Frontlader sowie einem angehängten Tandemachsanhänger der Marke Reisch, entwendet. An dem Frontlader war zudem eine Grefschaufel der Marke Stoll in Schwarz angebracht.

Die Zugkombination wurde zuletzt am Montagabend, gegen 21.30 Uhr an der Abzweigung in den Wendischenhof an der Landesstraße 515 Stachenhausen in Richtung Oberginsbach gesehen.

Das Polizeirevier Künzelsau sucht Zeugen. Wem ist im dortigen Bereich etwas Verdächtiges aufgefallen. Wer hat das Gespann am Montagabend nach 22 Uhr noch gesehen? Hinweise werden unter der Telefonnummer 07940 9400, entgegengenommen.

Rückfragen bitte an:




Gesangverein und Posaunenchor habe wieder ein Dach über dem Kopf

Nachdem kurzzeitig gleich zwei Dorfgemeinschaftshäuser (DGH) nicht genutzt werden konnten im Sindelbachtal (wir berichteten), hat das DGH in Stachenhausen wieder seine Pforten geöffnet für die Vereine und Kirchenarbeit. Hintergrund der kurzzeitigen Schließung waren Baumaßnahmen.

Das DGH im Nachbarort Dörrenzimmern bleibt jedoch nach wie vor für Vereine und die Kirche geschlossen. Der Grund sind Brandschutzvorschriften, denen das Haus aktuell nicht gerecht wird. Herausgekommen sind die Mängel bei Begehungen im Rahmen der geplanten Sanierung und Renovierung des Dorfgemeinschaftshauses. Neuer, schöner, besser soll es werden. Viel Geld will die Stadt dafür in die Hand nehmen (wir berichteten). Doch zunächst bleibt zumindest der erste Stock geschlossen. Um unteren Stock, also im Erdgeschoss, befindet sich nach wie vor der Kindergarten des Dorfes. Dieser bleibt weiterhin geöffnet.

Hierzu erklärt Jana Kilian von die Stadtverwaltung Ingelfingen auf GSCHWÄTZ-Nachfrage wie folgt: „Das DGH Stachenhausen wurde umgebaut, erweitert und saniert und wurde schon wieder in Betrieb genommen. Bis wann das DGH Dörrenzimmern wieder in gewohntem Umfang genutzt werden kann und welche Kosten uns entstehen, wird derzeit noch geprüft.“

 




Keine Vereinstermine in den Dorfgemeinschaftshäusern Dörrenzimmern und Stachenhausen: Öffnung unklar

Die Sommerferien sind vorbei, neben den Schulen hat auch die Vereinsarbeit und die Arbeit der Musikschulen wieder begonnen. In Stachenhausen und Dörrenzimmern können diese Veranstaltungen aber nicht wie gewohnt im jeweiligen Dorfgemeinschaftshaus stattfinden, denn diese Dorfgemeinschaftshäuser sind im Moment geschlossen. Musikunterricht findet beispielsweise bei einer Musiklehrerein statt, Vereine müssen sich andere Räume suchen.

Stachenhausen: Geplante Umbaumassnahmen

In Stachenhausen war die Schließung geplant: Umbaumaßnahmen machen die Schließung derzeit erforderlich. „Sobald die Umbauarbeiten abgeschlossen sind und die erforderliche Schlussabnahme durch die untere Baurechtsbehörde stattgefunden hat, kann die Nutzung im Dorfgemeinschaftshaus Stachenhausen wieder aufgenommen werden“, teilt das Landratsamt mit. Bis wann damit gerechnet werden kann, sagt das Landratsamt leider nicht.

Dörrenzimmern: Brandschutz

Nicht geplant war hingegen die Schließung des Dorfgemeinschaftshauses im Dörrenzimmerner Kindergarten, dort stellten sich Brandschutzmängel heraus: „Die Nutzung des Dorfgemeinschaftshauses in Dörrenzimmern ist aus brandschutzrechtlichen Gründen aktuell nicht möglich. Von der Stadt Ingelfingen wurde im Juli 2022 ein Antrag auf Baugenehmigung für die „energetische Außensanierung und den Anbau des Dorfgemeinschaftshauses mit barrierefreier Erschließung“ eingereicht. Bei der Prüfung dieser Unterlagen sind der unteren Baurechtsbehörde des Landratsamts Hohenlohekreis und der Brandschutzdienststelle (Kreisbrandmeister) brandschutzrechtliche Missstände bei den erforderlichen Rettungswegen aufgefallen.“ Es sind offenbar nicht genügend Notausgänge vorhanden, um eine größere Zahl von Menschen bei einem Brand schnell evakuieren zu können. „Die Überprüfung des Brandschutzes erfolgte somit anlassbezogen“, so das Landratsamt.

Bürgermeister Bauer antwortet nicht

Natürlich hat GSCHWÄTZ direkt bei Ingelfingens Bürgermeister Bauer angefragt und wollte von ihm wissen, bis wann die Dorfgemeinschaftshäuser voraussichtlich wieder genutzt werden können. Außerdem wollten wir wissen, welche Kosten der Gemeinde voraussichtlich entstehen werden, um die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, damit die Dorfgemeinschaftshäuser wieder ihrer Bestimmung übergeben werden können.

Geantwortet hat Bauer bisher nicht.

Text: Matthias Lauterer




„Sie müssen ihren Mut beweisen und die Scham überwinden, Blödsinn zu machen“

Wenn heiße Öfen durch Ingelfingen-Stachenhausen brettern, verwegen aussehende Gestalten in Lederkluft sich freundlich und zufrieden lächelnd in den Armen liegen und auf dem Hügel über dem Ort ihre Zelte aufschlagen, wilde Rockmusik über Wiese und Felder dröhnt und es nach Lagerfeuer riecht, wissen erfahrene Stachenhausener und Yankee-Fans sofort, was Sache ist: Der Motorrad-Club lädt zu einem seiner legendären Treffen ein. GSCHWÄTZ-Reporterin Priscilla Dekorsi war für GSCHWÄTZ am Freitag, den 10. Juni 2022 dabei, als es hieß: „Hier steht Party an – eine schöne Party, eine angenehme Party, nette Menschen, freundliche Menschen, kein Ärger, kein Stress und vor allen Dingen: sehr gute Musik“ – Diese prägnante Zusammenfassung des Events stammt vom Biker Micky, der seinen 19. Besuch beim Bikertreffen der Yankees gefeiert hat.

„Einsauen. Sich einfach nur im Schlamm wühlen und dreckig machen.“

Neben Party, Zelten und Freunde treffen steht aber auch eine andere Art von Freizeitgestaltung auf dem Programm, wie Dirk aus Meßbach erklärt: „Meine lustigste Erinnerung an hier sind die Spiele. Die sind immer schön. Hier werden sehr viele Prospect-Spiele gespielt. (…) Damit hat es folgendes auf sich: Also wir sind ja in einem Club, einem Motorradclub. Dieser Motorradclub hat Prospects. Das sind Anfänger und diese müssen sich natürlich auch beweisen. Das findet dann bei den Prospectspielen statt. Dabei müssen sie ihren Mut beweisen und die Scham überwinden, Blödsinn zu machen.“ Bei solch einem Prospectspiel müsse man sich beispielsweise „Einsauen. Sich einfach nur im Schlamm wühlen und dreckig machen.“

Wiedersehen mit alten Freunden

Für zart besaitete Seelen mit einem etwas weniger dreckigen Humor: Jochen von den Wolfmen aus Reinau hat ein anderes Highlight vor Augen, wenn er an seinen letzten Besuch bei den Yankees zurückdenkt. (Kurzer Spoiler für alle, die sich ungern dreckig machen, aber davon träumen, einem Motorradclub beizutreten: Jochen musste kein Prospectspiel absolvieren, um seine Gangmitgliedschaft inklusive stilechter Lederkutte zu erhalten.) „Ich verbinde damit, dass ich hier einen ganz alten Kumpel getroffen habe, den ich schon sechs, sieben Jahre nicht mehr gesehen habe. Ich laufe so durchs Zelt und denke mir ‚Oh mein Gott! Ein alter Kumpel von der Biker Blasmusik!‘ Das war eigentlich das Highlight an dem Abend.“

Freiheit wie in Easy Rider

Des Weiteren schwärmt Jochen: „Das Geile am Motorradfahren ist die Freiheit. Es ist, wenn der Motor unter dem Hintern blubbert. Es sind die Freunde, die dazugehören. Es ist die Rockmusik und das Party feiern. Es ist, nette Leute um sich herum zu haben und ein Bierle zu trinken. Mehr braucht man gar nicht – außer vielleicht noch etwas Gutem zum Essen.“ – Ehrliches Fazit nach einem Freitagabend bei den Yankees: Ich habe noch nicht einmal einen Mofa-Führerschein, aber nach diesem Erlebnis, den wunderbaren Begegnungen mit herrlich entspannten Menschen und der ausgelassenen freien Stimmung auf dem Festplatz hätte ich mich am liebsten aufs Bike geschwungen und wäre einem Motorradclub beigetreten – auch wenn das bedeutete zuerst durch den Matsch zu waten und ziemlich dreckig zu werden.

Text: Priscilla Dekorsi




Wohin am Wochenende?

Wer noch nicht weiß, was er am Wochenende vom 10. bis 12. Juni unternehmen soll, für den haben wir zwei Vorschläge:

Wer eher das gemütliche Beisammensein mit Freunden und Bekannten sucht, für den bietet sich das Stadtfest Niedernhall an:

 

Und für den, der das Vibrieren der Motoren, den Geruch von Benzin und Öl und harte Musik liebt, veranstaltet der Yankess MC ein Bikertreffen mit allem Drum und Dran:




Orstdurchfahrt Weldingsfelden gesperrt

Von Dienstag, den 14. September 2021, bis voraussichtlich Freitag, den 17. September 2021, ist die Ortsdurchfahrt K 2311 Weldingsfelden wegen Fahrbahninstandsetzungsmaßnahmen der Straßenmeisterei Künzelsau gesperrt.

Eine überörtliche Umleitung wird in beide Fahrtrichtungen ausgeschildert und erfolgt über die B19 Hohebach – Stachenhausen –  Kirchwald – K 2316 Hermuthausen – L 1022 und umgekehrt.

Der NVH darf die Streckensperrung passieren und ist von der Umleitung nicht betroffen. Die Zufahrten Hohebach – Seidelklingen und L1022 Hermuthausen – Weldingsfelden – Stachenhausen bleiben zugänglich.

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamtes des Hohenlohekreises




Dörzbach/Hohebach/Stachenhausen: 20-jähriger Motorradfahrer schwer verletzt

Zwei Männer wurden bei einem Unfall am Mittwochnachmittag, den 04. März 2020,  gegen 16 Uhr, auf der Bundesstraße zwischen Hohebach und Stachenhausen verletzt. Ein 20-jähriger Motorradfahrer war mit seiner Honda-Maschine in Richtung Stachenhausen unterwegs und versuchte einen Lastwagen zu überholen. Während des Überholvorgangs kollidierte er frontal mit dem 1er BMW eines entgegenkommenden 24-Jährigen.
Durch den Aufprall wurden der Zweiradfahrer schwer- sowie der Autofahrer leicht verletzt. Der 20-Jährige musste mit einem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Für den 24-Jährigen kam ein Rettungswagen zum Einsatz. Die Bundesstraße wurde zeitweise gesperrt. Über die Höhe des Sachschadens kann noch keine Aussage getroffen werden.

Quelle: Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Heilbronn




Pfarrerin Sabine Focken kritisiert Umgang mit Schöpfung: „Es hat dazu geführt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“

Beim Mahnfeuer, zu dem Landwirte am 04. Januar 2020 nach Stachenhausen eingeladen hatten (wir berichteten), sprachen nicht nur Landwirte Klartext. Auch Sabine Focken, die Pfarrerin in Stachenhausen und Dörrenzimmern ist, äusserte sich klar und deutlich.

Klimaveränderungen machen Landwirten zu schaffen

Landwirt Heinrich Stier aus Stachenhausen verwies während des Mahnfeuers auf klimatische Veränderungen, mit denen Betriebe zu kämpfen hätten – die Trockenheit im vergangenen Jahr etwa. „So wie jetzt das Klima ist und sich verändert, müssen wir auch mehr Futterreserven und Geldreserven schaffen, weil wir davon ausgehen, dass diese Klimaschwankungen immer extremer werden.“ Er wisse nicht, wie „wir das schaffen sollen, gewisse Reserven zusammenzubringen.“

„Landwirtschaft wird über die Maßen verantwortlich gemacht“

Sabine Focken, Pfarrerin von der Gemeinde Dörrenzimmern-Stachenhausen, sieht die Kritik der Bauern mit gemischten Gefühlen: „Es ist viel leichter für Menschen, Schuldvorwürfe in die einzelnen Richtungen zu machen.“ Es sei aber ein „überkomplexes Problem“ zwischen Landwirten, Verbrauchern, der Politik, der Industrie, dem Handel, da wirklich zusammenzukommen. Das eigentliche Problem sei, dass „wir einen Umgang mit der Schöpfung haben, der dazu führt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“. Aber Focken nimmt dabei auch die Landwirte in Schutz: „Im Moment wird die Landwirtschaft über die Maßen für den Klimawandel verantwortlich gemacht.“

„Man muss an der Basis für mehr Verständnis sorgen“

„Neue Preisgestaltung, ein anderer Umgang mit der Natur – Wir brauchen eine neue Richtung und die auszuhandeln“, das sei schwierig, so Focken. Daher sei sie selbst auch vor Ort zu dem Mahnfeuer gekommen. Wie können Landwirte und Verbraucher anders, besser kommunizieren, „um neue Modelle anzufangen und nicht zu warten, bis die Politik endlich handelt und auf der höheren Ebene etwas passiert, sondern man muss an der Basis für Verständnis zu sorgen.“ Direktvermarktung quasi. Dazu gehöre auch „neue Bilder in unsere Köpfe zu kriegen, dass wir bereit sind, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben.“

„Ohne Landwirte geht es nicht“

Landwirt Sascha Sahm ist aufgefallen, dass in der Presse sehr wenig über die Mahnfeuer und die Demonstrationen berichtet wurde. Da mache sich dann das Gefühl bei den Landwirten breit, „dass man es nicht haben möchte, dass wir auf uns aufmerksam machen“, schildert er. Er wünsche sich von der Politik, dass man auf sie zugehe und mit ihnen redet: „Dass wir auch mit an den Tisch dürfen und gefragt werden, wenn Gesetze gemacht werden. Dafür kämpfen wir jetzt, dass wir auch gehört werden und es Gesetze sind, die auch umsetzbar sind.“

Auf die Frage, ob Landwirtsein überhaupt noch ein angenehmer Beruf sei, argumentiert Simon Gutheiß: „Ohne Landwirte geht es nicht. Ich bin damit groß geworden und mir hat es seit eh und je Spaß gemacht. Das ist der Beruf für welchen ich jeden Tag aufstehen möchte.“ Er hat sich auch schon andere Bereiche angeschaut, die seien aber nichts für ihn gewesen. An der Landwirtschaft gefalle ihm „die Abwechslung“. Es sei nicht so wie in den Firmen, in denen man immer denselben Ablauf habe und akkordmäßig arbeiten müsse.

 




„Von Leuten, die keine Ahnung haben, wie es draussen aussieht“ – Bauern kritisieren in Stachenhausen Politiker & Verbraucher scharf

„Was uns stinkt ist, dass wir in eine Ecke gedrängt wurden, dass wir an allem Schuld sind, am Insektensterben, an der Nitratbelastung, einfach an allem“, redet sich Sahm den Frust von der Seele. „Da fragt keiner, welchen Beitrag eigentlich die Industrie dazu leistet. Es gibt so viel ungeklärtes Wasser, das in Flüsse eingeleitet wird“, bei dem keiner fragt, woher das komme.

„Wir haben die höchsten Tierwohl-Standards. Wir haben die höchsten Standards im Pflanzenbau und Ackerbau, wir haben die höchsten Vorschriften. Der Verbraucher muss nun mit ins Boot genommen werden“, betonte Sascha Sahm, Landwirt aus Stachenhausen bei der Entzündung des Mahnfeuers in Stachenhausen am Samstag, den 04. Januar 2020. „Miteinander ins Gespräch kommen“, konkret mit dem Verbraucher. Das wollen die Landwirte, auch in Hohenlohe. Sie wollen auf die Probleme und deren Tragweite der aktuellen Agrar-und Umweltpolitik aufmerksam machen und setzen auf ein gesellschaftliches Miteinander. „Redet mit uns, nicht über uns“, so das Motto. Mit Berlin sind zahlreiche Landwirte nicht zufrieden. Deshalb zünden die Bauern der Landschafft-Verbindung Gruppe und die Ortsbauernverbände in regelmäßigen Abständen Mahnfeuer auf dem Feld an. GSCHWÄTZ-Videoreporter Dr. Felix Kribus hat bei Windstärke 6 und gefühlten Minusgraden versucht, Anliegen und Probleme der Bauern in ihrer Existenz zusammenzutragen.

Landwirt Sahm: „Der Verbraucher muss das bezahlen“

„Die Politik muss dafür sorgen, dass die erhöhten Anforderungen an die Landwirtschaft finanziell ausgeglichen wird. Der Verbraucher muss das bezahlen“, sagt Sahm. Und: „Der Verbraucher muss wissen, um was es geht. Deswegen sind wir heute hier, damit der Verbraucher weiß, was wir tun, wie wir es tun und warum wie es so machen. Hier fehlt einfach oft die Aufklärung zwischen uns und dem Verbraucher.“

„Wir sind Landwirte und haben einen Milchviehbetrieb“, sagt Kathrin Karle aus Garnberg. Sie sind heute zum Mahnfeuer gekommen, weil „wir mit der Politik, die derzeit betrieben wird, nicht einverstanden sind“. Karle kritisiert unter anderem die Novellierungen der Düngeverordnungen. Es bleibt keine Zeit, dass überhaupt mal eine Novellierung reifen kann. Es kann nicht von einem zum nächsten Jahr gleich wieder etwas anderes geben.“ Wichtig wäre, ergänzt Sahm, dass „wir Düngevorordnungen hätten, die nach fachlicher Praxis umgesetzt werden und nicht nach Ideologien von Leuten, die keine Ahnung haben, wie es draußen aussieht“. Als Beispiel fügt er hinzu: „Wir können doch nicht 20 Prozent unter Bedarf düngen. Die Pflanzen leider darunter und sind unterversorgt. Wenn wir Menschen unterversorgt sind, werden wir auch krank und so ist es mit den Pflanzen draußen genauso.“

Landwirtin Karle: „Finanziell  nicht tragbar“

Landwirtin Karle gibt zu Bedenken: „Wir müssen ja auch die Technik dazu kaufen und nicht jeder Betrieb hat so viel Geld. Es ist einfach finanziell nicht tragbar und auch die Erzeugerpreise sind nicht tragbar, dass landwirtschaftliche Familien finanziell durchkommen.“

Aber nicht nur die Politik steht im Mahnfeuer, sondern auch die Verbraucher. Sahm: „Wir haben hier in Deutschland die hochwertigsten Lebensmittel und sind eigentlich die billigsten im Einkaufen und das kann so nicht sein“, sagt Sahm. 1 Kilo Schweinehackfleisch für vier Euro findet Sahm nicht in Ordnung, denn „wir setzen um, dass die Tiere mehr Platz, mehr Bewegung, mehr Stroh haben und das muss auch bezahlt werden“.

Billige Lebensmittel, möglichst hochwertig hergestellt – ein Widerspruch in sich, so die Bauern

Bedauerlich in Stachenhausen sei gewesen, so Simon Gutheiß , Landwirt aus Dörzbach, dass mehr Traktorenbesitzer als Verbraucher gekommen seien, dabei sei ja die Intention gewesen, bei dem Mahnfeuer mit den Verbrauchern ins Gespräch zu kommen und aufzuklären. Aber dennoch sei es „die richtige Entscheidung und der richtige Weg“, diese Mahnfeuer zu entzünden. Auf die Frage, warum sich wenig Verbraucher eingefunden haben, vermutet Gutheiß mangelndes Interesse.

Landwirt Wenzel: „Die Menschen wissen nicht mehr, wo die Nahrungsmittel herkommen“

„Das Problem ist, dass die Bevölkerung sich entfremdet hat, dass die Landwirte es nicht geschafft haben, die Bevölkerung mitzunehmen“, erklärt Landwirt Thomas Wenzel vom Bauernverband Schwäbisch Hall-Hohenlohe. „Die Menschen wissen nicht mehr, wo die Nahrungsmittel herkommen, wie sie produziert werden und dass sie auch einen Preis haben. Die Landwirte müssen einen gewissen Preis erzielen. Wir haben unsere Höfe, wir müssen Gewinne erzielen. Das ist zwingend notwendig, damit man auch einen Betrieb weiterführen kann. Ein landwirtschaftlicher Betrieb ist einfach auch ein Wirtschaftsunternehmen.“

Landwirt Heinrich Stier aus Stachenhausen erinnert daran, dass die Landwirte im Juni 2016 einen Milchpreis ausbezahlt bekommen haben von mageren 21 Cent pro Liter Milch. „Das werde ich nie vergessen.“ Derzeit erhalten die Bauern laut Stier 39 Cent ausbezahlt. „Das ist ein Bereich, wo man sagen kann, da kommen wir über die Runden. Aber das man sagen kann: Da verdienen wir jetzt Geld – das ist leider nicht der Fall.“

Klimaveränderungen machen Landwirten zu schaffen

Hinzu kommen laut Stier die klimatischen Veränderungen, mit denen Betriebe zu kämpfen hätten – die Trockenheit im vergangenen Jahr etwa. „So wie jetzt das Klima ist und sich verändert, müssen wir auch mehr Futterreserven und Geldreserven schaffen, weil wir davon ausgehen, dass diese Klimaschwankungen immer extremer werden.“ Er wisse nicht, wie „wir das schaffen sollen, gewisse Reserven zusammenzubringen.“

Pfarrerin Focken: „Es hat dazu geführt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“

Sabine Focken, Pfarrerin von der Gemeinde Dörrenzimmern-Stachenhausen, sieht die Kritik der Bauern mit gemischten Gefühlen: „Es ist viel leichter für Menschen, Schuldvorwürfe in die einzelnen Richtungen zu machen.“ Es sei aber ein „überkomplexes Problem“ zwischen Landwirten, Verbrauchern, der Politik, der Industrie, dem Handel, da wirklich zusammenzukommen. Das eigentliche Problem sei, dass „wir einen Umgang mit der Schöpfung haben, der dazu führt, dass uns die Erde um die Ohren fliegt“. Aber Focken nimmt dabei auch die Landwirte in Schutz: „Im Moment wird die Landwirtschaft über die Maßen für den Klimawandel verantwortlich gemacht.“

„Neue Preisgestaltung, ein anderer Umgang mit der Natur – Wir brauchen eine neue Richtung und die auszuhandeln“, das sei schwierig, so Focken. Daher sei sie selbst auch vor Ort zu dem Mahnfeuer gekommen. Wie können Landwirte und Verbraucher anders, besser kommunizieren, „um neue Modelle anzufangen und nicht zu warten, bis die Politik endlich handelt und auf der höheren Ebene etwas passiert, sondern man muss an der Basis für Verständnis zu sorgen.“ Direktvermarktung quasi. Dazu gehöre auch „neue Bilder in unsere Köpfe zu kriegen, dass wir bereit sind, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben.“

Sascha Sahm ist aufgefallen, dass in der Presse sehr wenig über die Mahnfeuer und die Demonstrationen berichtet wurde. Da mache sich dann das Gefühl bei den Landwirten breit, „dass man es nicht haben möchte, dass wir auf uns aufmerksam machen“, schildert er. Er wünsche sich von der Politik, dass man auf sie zugehe und mit ihnen redet: „Dass wir auch mit an den Tisch dürfen und gefragt werden, wenn Gesetze gemacht werden. Dafür kämpfen wir jetzt, dass wir auch gehört werden und es Gesetze sind, die auch umsetzbar sind.“

Auf die Frage, ob Landwirtsein überhaupt noch ein angenehmer Beruf sei, argumentiert Simon Gutheiß: „Ohne Landwirte geht es nicht. Ich bin damit groß geworden und mir hat es seit eh und je Spaß gemacht. Das ist der Beruf für welchen ich jeden Tag aufstehen möchte.“ Er hat sich auch schon andere Bereiche angeschaut, die seien aber nichts für ihn gewesen. An der Landwirtschaft gefalle ihm „die Abwechslung“. Es sei nicht so wie in den Firmen, in denen man immer denselben Ablauf habe und akkordmäßig arbeiten müsse.

Mahnfeuer in Stachenhausen am 04. Januar 2020. Foto: GSCHWÄTZ