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Zurück ins Leben

Kupferzell/Pfedelbach/Öhringen: Eine Familie sucht für ihren elfjährigen Sohn Noah eine Pflegeunterstützung für zu Hause.

Es handelt sich dabei um eine 1:1 Betreuung eines Jungen mit Anfallsleiden. Hier erfahrt ihr mehr über Noah:

Noah – unser Kampf zurück ins Leben | Facebook

Die Familie wird von dem Kinderintensivpflegedienst Agapeo betreut. Auch Agapeo sucht für Noah nach einer passenden Pflegeunterstützung. Anbei veröffentlichen wir die dazugehörigen Informationen von Agapeo zu der Pflegekraft, die für Noah gesucht wird:

„Wir sind ein ambulanter Pflegedienst, der auf die Betreuung schwer kranker Kinder im Alter von Geburt bis 18 Jahren zuhause, in ihrem gewohnten Umfeld, spezialisiert ist.

Um den Kindern Lebensqualität und Freude bieten zu können suchen wir ab sofort oder zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine examinierte Pflegefachkraft (m/w/d) für einen 11-jährigen Jungen mit Anfallsleiden.

Dein Profil

  • du hast in erster Linie Freude am Umgang mit intensivpflegebedürftigen Kindern
  • Empathie und Verlässlichkeit, Verantwortungsbewusstsein und Sozialkompetenz stehen bei dir an erster Stelle
  • du bist examinierte Pflegefachkraft
    • Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*in
    • Gesundheits- und Krankenpfleger*in
    • Altenpfleger*in
  • selbstständiges und gewissenhaftes Arbeiten sind dir nicht fremd
  • du hast eine hohe Bereitschaft zur persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung
  • in stressigen Situationen behältst du stets den Überblick

Deine Aufgaben

  • Grundpflege
  • Behandlungspflege
  • Intervention bei Krampfanfall
  • Pflege der PEG-Sonde

Was wir bieten

Sicherheit– ein zukunftssicherer Arbeitsplatz in familiärer Atmosphäre, unbefristet in  Voll-/Teilzeit oder auf Minijob Basis.

Wunschdienstplan – Mitgestaltung der Dienstpläne unter Berücksichtigung Ihrer persönlichen Prioritäten.

Flexible Arbeitszeitmodelle – Work Life Balance? Familie und Beruf? Hobbys und Freizeit? Bei uns kein Problem. Dank flexibler Arbeitszeitmodelle können Sie privates und berufliches bestens vereinen.

Willkommenskultur– ein Einarbeitungskonzept mit persönlicher Betreuung und strukturiertem Onboarding

Gesundheit & Prävention – Zugang zur Plattform „machtfit“ mit kostenlosen Online-Kursen und Vergünstigungen für Deine Gesundheit.

Karriere– Aufstiegsmöglichkeiten durch regelmäßige Fort – und Weiterbildungen der gruppeneigenen Bildungsakademie BaWiG.

Vergütung – Tarifliche Vergütung mit 13. Monatsgehalt und attraktiven Zuschlägen

Altersvorsorge – Wir bezuschussen Ihre betriebliche Altersvorsorge.

Wir suchen Menschen, die mit Ihrem Engagement und der Liebe zur Pflege unsere Kinder unterstützen, fördern und Ihnen Geborgenheit schenken möchten. Gehören Sie dazu?

Dann bewerben Sie sich mit Angabe Ihres frühestmöglichen Einstellungstermins über unser Online-Bewerberportal

Sie haben Fragen?

Ihr Kontakt:

Agapeo Kinderintensivpflege

Telefon: 0921 164 968 80

Mail: info@agapeo.de

 




„Einen alten Baum verpflanzt man nicht“

„Einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ Das ist das Motto von Igar Gebert von PROMEDICA Plus Künzelsau. Der gelernte Altenpfleger möchte ältere Menschen zu Hause in ihrem Alltag unterstützen.  So lange wie möglich möchte Gebert hier Hilfe und Unterstützung bieten, damit das Zuhause auch im Alter weiterhin das Zuhause bleiben kann.

| 1:1 Betreuung |

„Mit PROMEDICA Plus habe ich das System für mich gefunden, mit dem ich meine Kunden und Ihre Angehörigen gut versorgt sehe“, sagt Gebert, der sich nach seiner Ausbildung zum Altenpfleger in der außerklinischen Intensivpflege weitergebildet und ein Team in der 1:1 Betreuung geleitet hat.

| Jahrelange Erfahrung in der Pflege |

„Ich arbeite seit 10 Jahren in der Pflege, zuletzt als Pflegedienstleiter und kann deshalb zum Thema Pflege gut beraten“, betont Gebert, der bereits einen Pflegedienst für Menschen mit Behinderung mit aufgebaut hat.

| Pflegekonzept, damit die Lebensqualität im Alltag wieder steigt |

„Ich bringe in meine Tätigkeit als Berater vor Ort mein Wissen mit und erschaffe ein Pflegegesamtkonzept, damit die Lebensqualität im Alltag wieder steigt. So werden die Angehörigen und die zu betreuende Person entlastet.“ Wichtig ist dem gelernten Altenpfleger auch, dass er während der gesamten Laufzeit den Angehörigen stets bei Fragen oder anderen Anliegen zur Verfügung steht. Er ist der Ansprechpartner sowohl für den zu Pflegenden als auch für die Familie.

| Pflegenotstand |

„Wir haben einen Pflegenotstand, die Altersheime sind überfüllt und bieten leider oft eines Menschen unwürdiges Dasein aufgrund des Personalmangels“, sagt Gebert. „In diesen Zeiten möchte ich helfen.“ Eine Vor-Ort-Beratung ist für ihn selbstverständlich zur Schaffung eines funktionierenden Alltags zusammen mit den Angehörigen. Eine Betreuung geht nur Hand-in-Hand. Mit Vertrauen und Wertschätzung. PROMEDICA PLUS Künzelsau steht für diese Werte.

Jetzt kostenlos unverbindlich beraten lassen.

Mehr Informationen: http://www.promedicaplus.de/kuenzelsau/

Hinweis: Dies ist ein bezahlter Anzeigentext von Promedica Plus




Tagespflege in Dörzbach: „Große Erleichterung für uns“

Frischer Kaffeeduft strömt durch das Treppenhaus im Seniorenzentrum „Am Goldbach“ in Dörzbach, während man aufgeweckten Stimmen in die Tagespflegeräume folgt. Dort sitzen in einem großzügigen, selbst dekorierten Gemeinschaftsraum acht Tagesgäste gemeinsam am Tisch und tauschen sich rege über das Tagesgeschehen aus.

Mittendrin: Altenpflegerin Birgit Volkert, die die Senioren mittwochs und freitags in der Tagespflege zusammen mit ihrer Kollegin Monika Scheid betreut. „Wir sind hier eine tolle Gemeinschaft, in der man sich mit Vornamen anspricht, sich schätzt, vertraut und unterstützt“, berichtet Volkert über die Tagespflege, die seit August 2018 im neuen Anbau angeboten wird. Sie wird in Dörzbach und Umgebung so gut angenommen, dass künftig noch ein dritter Tagespflegetag angeboten werden soll.
„Der Schulbus der Gemeinde holt die Tagesgäste morgens gegen einen geringen Unkostenbeitrag ab und bringt sie zu uns in die Tagespflege“, sagt Einrichtungsleiterin Meta Götz. Das sei nicht zuletzt dem Einsatz von Bürgermeister Andy Kümmerle zu verdanken, der das Seniorenzentrum als wesentlich für die Stärkung der kommunalen Infrastruktur ansehe und unterstütze. „Man merkt, dass wir hier gewollt sind. In der Gemeinde hat man stets ein offenes Ohr für unsere Belange“, so Götz weiter. Auch über die engagierten Ehrenamtlichen um Cäcilia Schmeißer sei man bestens vernetzt. „Wir unterstützen im Seniorenzentrum Dörzbach Mitarbeitende wie Senioren, begleiten sie zu externen Veranstaltungen und geben Veeh-Harfen-Konzerte“, berichtet Cäcilia Schmeißer. Wie die meisten ihrer Kolleginnen im Ehrenamt gehört Schmeißer zu den „Damen der ersten Stunde“, die seit 13 Jahren im Dienst sind. „Langsam kommen wir aber etwas in die Jahre und suchen Nachwuchs für unsere sinnstiftende ehrenamtliche Arbeit. Melden Sie sich gern bei uns.“

 

„Anfangs habe ich ein schlechtes Gewissen gehabt, meinen Mann hier buchstäblich abzugeben.“

 

Dass die Aufgaben und Angebote im Seniorenzentrum Dörzbach vielfältig sind, bestätigen die anwesenden Tagesgäste. Else Scheu, früher selbst Ehrenamtliche, besucht die Tagespflege sowohl am Mittwoch als auch am Freitag. „Wir frühstücken hier gemeinsam, machen uns dann an die Zeitungsrunde und freitags besuchen wir den Gottesdienst. Wir basteln, gehen spazieren oder machen Gymnastik. Nach der Mittagsruhe folgt die Kaffee-und-Kuchen-Runde. Damit ist mein Tag ausgefüllt und zuhause bleibt noch genügend Zeit für den Haushalt“, erklärt Else Scheu. Die Angebote werden morgens bei der Tagesplanung nach den individuellen Wünschen der Gäste angepasst und ergänzt, betont Birgit Volkert: „Denn es ist unser erklärtes Ziel, dass niemand miesepetrig nach Hause geht.“ Zusätzlich zum Betreuungsangebot für jeden Tagesgast erstellt Birgit Volkert eine individuelle Pflegeplanung. „Wir ermitteln, wie viel Hilfe die Senioren jeweils beim Essen, bei der Medikamenteneinnahme, dem Toilettengang und der Tagesgestaltung benötigen. Auch kleinere Pflegeleistungen sind bei uns problemlos möglich.“
Horst Distler und seine Frau Birgit sind begeistert. „Ich kann meinen Mann zweimal die Woche herbringen und mich in dieser Zeit etwas um mich selbst kümmern. Durch seine fortschreitende Erkrankung wird es für mich immer schwieriger, rund um die Uhr für ihn da zu sein“, berichtet die Oberginsbacherin. „Anfangs habe ich ein schlechtes Gewissen gehabt, meinen Mann hier buchstäblich abzugeben. Aber nachdem ich gesehen habe, was in der Tagespflege alles geboten wird, wie er hier aufblüht und wie qualifiziert die Betreuerinnen sind, da war ich beruhigt. Die Tagespflege ist eine große Erleichterung für uns und ein Gewinn an Lebensqualität. “ Dass ein Teil der Tagespflegekosten von den Pflegekassen getragen wird, war für Birgit Distler eine zusätzliche Erleichterung. „Ich wusste gar nicht, dass ein monatliches Budget in der Pflegeversicherung für Tagespflege zur Verfügung steht. Die Mitarbeiterinnen hier in Dörzbach haben mich hervorragend beraten.“ Wie Einrichtungsleiterin Meta Götz erklärt, werden die Kosten für Tagespflege abhängig vom Pflegegrad zu einem Teil von der Pflegekasse übernommen.

Quelle: Pressemitteilung der BBT-Gruppe, Mehrheitseigner des Seniorenheims; Pflegeleistungen der Pflegekassen




Pflegestützpunkt im Hohenlohekreis bekommt Verstärkung

Wenn Eltern, Partner oder Angehörige pflegebedürftig werden, sind Betroffene vor Entscheidungen gestellt, die vorab eine Vielzahl von Fragen aufwerfen: Wie lässt sich Pflege zuhause organisieren? Bin ich der körperlichen und seelischen Belastung der Pflege gewachsen? Gibt es ergänzende oder entlastende Hilfen? Welche Leistungsanbieter gibt es im Hohenlohekreis? Wo gibt es finanzielle Unterstützung? Bei wem muss ich einen Antrag stellen?

Ein neuer Rahmenvertrag, den die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen und die Kreise, Städte und Gemeinden im Land Baden-Württemberg geschlossen haben, ermöglicht den Ausbau des Pflegestützpunktes im Hohenlohekreis um eine Vollzeitstelle. Seit 1. August 2019 verstärkt Silvia Singler das Beratungsteam im Pflegestützpunkt Hohenlohekreis. Silvia Singler war zuvor bei einem Bildungsträger zuständig für die Begleitung von jungen Erwachsenen in der Phase der Berufsorientierung. „Ich freue mich auf die neue Tätigkeit und den Kontakt mit den Menschen im Hohenlohekreis – der Pflegestützpunkt ist für Rat- und Hilfesuchende jeden Alters da“, so Singler.

Das Beratungsangebot des Pflegestützpunktes wurde von Beginn an gut von der Bevölkerung angenommen und die Zahl der Anfragen ist seither kontinuierlich gestiegen. Im ersten Jahr suchten 575 Betroffene Unterstützung, 2018 hatte der Pflegestützpunkt bereits 2.496 Erstkontakte.

Die starke Nachfrage ist nicht nur auf Veränderungen der Pflegestärkungsgesetze zurückzuführen, sondern insbesondere auf die kompetente und einfühlsame Beratungsleistung der Mitarbeiterinnen, die auch zu den Klienten nach Hause kommen, wenn die Betroffenen aus gesundheitlichen Gründen nicht selber die Beratungsstelle aufsuchen können.

„Aktuell haben wir täglich mehrere Anfragen von Angehörigen, die auf der Suche nach Kurzzeitpflegeplätzen sind“, berichtet Birgit Bährle aus ihrem Alltag. „Das ist der Urlaubszeit geschuldet, aber die Nachfrage nach Angeboten an Kurzzeit- und Tagespflegeplätzen, um die Pflegepersonen zu entlasten und die ambulante Versorgung daheim besser zu organisieren, kommen immer wieder.“ Ein weiteres wichtiges Thema in der Beratung ist nach Aussage von Maria Freihart das Begutachtungsverfahren des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). „Oft kommen schon im Vorfeld der Beantragungen Fragen zur Begutachtung, der Umsetzung von möglichen Hilfen und Unterstützungsmöglichkeiten auf. Hier stehen wir ebenfalls sehr gerne beratend zur Seite.“ Seit Januar 2017 werden Pflegebedürftige und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz wie Demenzkranke, längerfristig psychisch Erkrankte oder geistig Behinderte je nach ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit in fünf Pflegegrade eingestuft und erhalten dadurch Zugang zu den entsprechenden Leistungen aus der Pflegeversicherung.

Seit 2011 beraten bereits die Mitarbeiterinnen Birgit Bährle und Maria Freihart neutral, kostenlos und individuell im Vor- und Umfeld zur Pflege. Seit 2013 kann man sich auch in Öhringen beraten lassen. Bislang kommt einmal wöchentlich eine Mitarbeiterin zur Sprechstunde ins Mehrgenerationenhaus in die Hunnenstraße. „Durch die Einstellung einer weiteren Mitarbeiterin im Pflegestützpunkt planen wir die Beratungszeiten in der Großen Kreisstadt Öhringen zu erhöhen“, freut sich Ursula Mühleck, Dezernentin für Familie, Bildung und Gesundheit im Landratsamt Hohenlohekreis.

Mitarbeiter beraten kostenlos und individuell im Vor- und Umfeld zur Pfelge. Foto: Landratsamt des Hohenlohekreis

Hintergrund

Die Mitarbeiterinnen des Pflegestützpunktes sind telefonisch zu erreichen:
Telefon: 07940 9355-013 oder 9355-014
Fax: 07940 9355-012
Mail: pflegestuetzpunkt@hohenlohekreis.de
Die Öffnungszeiten des Pflegestützpunkts im Hohenlohekreis in Künzelsau, Rösleinsbergstraße 29, sind Montags, Dienstags und Freitags von 9 Uhr bis 12 Uhr. Donnerstags von 14 Uhr bis 17 Uhr.
Die Sprechzeiten im Mehrgenerationenhaus in Öhringen, Hunnenstraße 12 sind immer Mittwochs von 9 Uhr bis 12 Uhr. Beratungstermine können auch außerhalb der Öffnungszeiten vereinbart werden.

 

Quelle: Pressemitteilung des Landratsamt des Hohenlohekreises

 

 




Die Uhr der Schande

Nach unserer Berichterstattung über den Pflegeskandal im Altenheim Krautheim hat uns eine tragische Geschichte aus Rheinland-Pfalz erreicht. Anbei veröffentlichen wir diese Geschichte, geschrieben von Stefan Heyde, die sich laut Heyde 2011 ereignet hat. Heyde und ein Kollege der Protestaktion „Pflegekräfte in Not“ haben den Brief sowie die dazugehörige kaputte Uhr (Foto links) im Juni 2018 im Bundesgesundheitsministerium (BG) abgegeben – adressiert an Bundesgesundheitsminister Jens Spahn.  Das BG weist auf GSCHWÄTZ-Nachfrage darauf hin, dass der für die Pflegeversicherung zuständige Unterabteilungsleiter der Abteilung vier, Herr Dr. Martin Schölkopf, als Vertreter des Ministers mit Herrn Heyde gesprochen und das Schreiben in Empfang genommen habe.

„Flächendeckender Tarifvertrag“

Auf die Pflegeproblematik allgemein angesprochen, verweist Doris Berve-Schucht vom BG darauf, dass es das Ziel des BG sei, „in der Altenpflege einen flächendeckenden Tarifvertrag zu erreichen. In der Krankenpflege wird hingegen bereits weitgehend nach Tarif bezahlt.“ [Anm. d. Red.: Die Mitarbeiter am Krankenhausstandort Künzelsau wurden jahrelang untertariflich bezahlt]. Das Ministerium verwies jedoch darauf, dass „das konkrete Aushandeln von Löhnen und Lohnerhöhungen in den Händen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer beziehungsweise der Tarifparteien liegt.“ Im Fall Altenheim Krautheim wären somit die BBT-Gruppe und der Hohenlohekreis als Eigner in der Pflicht, die Mitarbeiter nicht mehr länger untertariflich zu entlohnen.

28. Juni 2018 – der Brief

„Sehr geehrter Herr Spahn,

diese Uhr, welche sie in Ihren Händen halten, gehörte einem Bewohner aus einem Seniorenzentrum in Rheinland-Pfalz. Diese Uhr habe ich von der Ehefrau des Bewohners nach seinem Tod erhalten und die Geschichte hinter dieser zerbrochenen Uhr hat mich sehr traurig und nachdenklich gestimmt. Sie war ein Teil, der dazu beigetragen hat, mich so intensiv mit dem Pflegenotstand zu beschäftigen und gegen diesen anzukämpfen.

Es handelte sich um einen Mann von 76 Jahren. Er war noch sehr fit und eigenständig, obwohl ihn seine Grunderkrankung, Morbus Parkinson, immer mehr einschränkte und er dadurch auf Hilfe angewiesen war. Die Ehefrau hatte ihren Mann sehr lange, fast zehn Jahre, daheim mit Unterstützung eines ambulanten Dienstes versorgt. Am Ende reichte ihre Kraft jedoch nicht mehr aus und sie musste ihn schweren Herzens in ein Pflegeheim geben. Dort gewöhnte er sich schnell ein und verlor niemals den Humor und hatte Verständnis für die anderen Bewohner, aber auch für die Situation der Pflegekräfte vor Ort. Wenn es möglich war, half er mit und versuchte, diese zu entlasten. An diesem Tag jedoch sollte sich alles verändern.

Der Bewohner wollte kurz vor Mitternacht auf die Toilette gehen und meldete sich per Ruf bei der zuständigen Pflegekraft, um deren Unterstützung zu bekommen, da der Weg für ihn alleine zu gefährlich und er zu unsicher auf den Beinen aufgrund seiner Erkrankung war. Die Pflegekraft war in dieser Nacht jedoch mit der Situation im Wohnbereich überfordert, betrat das Zimmer und bat den Bewohner, um ein wenig Geduld. In „fünf Minuten“ wollte sie wieder da sein.

Er verlor das Gleichgewicht und stürzte.

Der Bewohner wartete und wartete, aber die Pflegekraft kam nicht wieder.  Um die Pflegekraft zu entlasten, machte er sich selbst auf den Weg zur Toilette, denn das hatte schon etliche Male vorher geklappt. Er lief schwankend zum Bad in seinem Zimmer und suchte nach dem Lichtschalter. Er verlor das Gleichgewicht und stürzte. Mühevoll versuchte er, sich während des Sturzes irgendwo festzuhalten und schrammte dabei mit seinem Kopf vorbei, knallte auf das Waschbecken und fiel zu Boden. Er verlor das Bewusstsein.

Die Pflegekraft schaffte es erst um 0:15 Uhr, das Zimmer des Bewohners aufzusuchen und wollte ihn, wie geplant, zur Toilette begleiten. Als sie das Zimmer betrat, fand sie den Bewohner im Bad in einer großen Blutlache mit klaffender Platzwunde und ohne Puls vor. Die Pflegekraft fing sofort mit der Reanimation an, rief den Notarzt und kämpfte um das Leben des Bewohners. Als der Rettungsdienst eintraf, hatte der Bewohner einen sehr flachen Puls. Der Rettungsdienst nahm den Bewohner sofort mit, um ihn ins nächstgelegene Krankenhaus zu bringen. Der Bewohner verstarb gegen 03:00 Uhr an einer schweren Hirnblutung. Er starb, weil er die Pflegekraft, welche in der Nacht mit einem Kollegen zu zweit für über 110 Bewohner zuständig war, entlasten wollte. Diese Uhr hat mich viele Jahre begleitet und wurde für mich zu einem Symbol, sie wurde für mich zur „Uhr der Schande“. Nun ist es an der Zeit, diese Uhr weiterzugeben,  um vielleicht auch Sie zum Nachdenken zu bringen.

Diese Uhr wurde beim Sturz zerstört und blieb genau zu diesem Zeitpunkt mit zersplittertem Glas stehen. Die Uhrzeit zeigt 23:58 Uhr. Die Situation in den Pflegeberufen ist nicht mehr „fünf vor Zwölf“ oder „zwei Minuten vor Zwölf“, es ist schon weit danach.

Es wird Zeit, dass Sie handeln, fernab jedes Parteibuches zum Wohle der Bürger, welche einen Lebensabend in Würde und mit der bestmöglichen Versorgung verdient haben. Diese Uhr ist ein Sinnbild, wie schnell jeder von uns ein Teil dieses kranken Gesundheitssystems werden kann.“

Die Uhr der Schande.
Foto: privat




Pflegekräfte: Sie haben unseren höchsten Respekt verdient

Der Pflegeskandal im Altenheim Krautheim beschäftigt auch weiterhin die Bürger in Hohenlohe. Die dort arbeitenden Pflegekräfte wurden nach unserer Berichterstattung darauf angesprochen, ob sie überfordert mit ihrer Arbeit wären beziehungsweise schlechte Arbeit leisten würden. GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann macht in ihrem Kommentar nochmal deutlich, dass die schlechte Situation in der Pflege nichts mit schlechten Mitarbeitern zu tun hat. Im Gegenteil. Diese leisten eine Arbeit, die höchsten Respekt verdient.

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Eine Schande für das reiche Deutschland – Kommentar zum Pflegeskandal in Krautheim

Kommentar von GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmann zu dem vom Magazin GSCHWÄTZ aufgedeckten Pflegeskandal im Altenheim Krautheim. Hartmann verurteilt darin scharf die Misstände in einem derart reichen Industriestandort wie Deutschland und hat am Ende nur eine entscheidende Frage an die Verantwortlichen.

 

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2,5 Millionen für die Pflege? Das ändert nichts an der katastrophalen Unterversorgung

Die baden-württembergische Landesregierung ruft einen 2,5-Millionen-Fördertopf für den Bereich Pflege ins Leben. Für GSCHWÄTZ-Chefredakteurin Dr. Sandra Hartmannn sind solche Einmalfinanzspritzen nicht die Lösung für die katastrophale Situation im Bereich Pflege. Ein Kommentar.

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Wir sind so gut im Russland-Bashing – Aber sind wir wirklich so viel besser?

Ein Kommentar von Dr. Sandra Hartmann

Ein Russland-Kenner, der heute morgen in SWR 1 zu den Russland-Wahlen am kommenden Sonntag, den 18. März 2018, zu hören war, war sich sicher: Wladimir Putin gewinnt die Wahl, weil er sehr populär in Russland sei, obwohl er viele innenpolitische Baustellen habe. Als Beispiel nannte er die Gesundheitspolitik, die Bildungspolitik und die Infrastruktur. Da musste man als Zuhörer schon fast schmunzeln. Genauso gut könnte er von Deutschland gesprochen haben. Wir sind wirklich gut darin, unsere östlichen Nachbarn, allen voran Russland und Wladimir Putin zu kritisieren oder über die USA den Kopf zu schütteln, wie das Volk nur einen Donald Trump zum Präsidenten wählen konnte. Bei unserem eigenen innenpolitischen Scherbenhaufen zucken wir lediglich mit den Schultern oder – noch schlimmer – die Parallelen, etwa zu Russland, fallen uns gar nicht auf.

Ja, hätte denn ersthaft jemand am Sieg von Angela Merkel gezweifelt – obwohl es reihenweise Pleiten, Pech, Pannen und vor allem Stillstand bei innenpolitischen Problemen in den vergangenen Jahren gab? Es hat sich weniger als nichts getan in der Gesundheitspolitik, in der Bildungspolitik und der Infrastruktur. Viel versprochen, noch weniger gehalten, stattdessen wurde vieles heruntergekürzt. Lediglich die Diätenerhöhung war sicher. Und was sich jetzt frisch gedruckt auf dem Koalitionspapier lesen lässt, interessiert sowieso das Gros der Bevölkerung nicht mehr, weil die Umsetzung dieser ganzen Heilsversprechen ohnehin in den Sternen steht.

// Deutschlands Baustelle 1 //

Unsere Gesundheitspolitik hat sich in den vergangenen Jahren in allen Bereichen verschlechtert: zahlreiche Krankenhäuser wurden deutschlandweit geschlossen, in der Stadt und auf dem Land herrscht Ärztemangel, der in den kommenden Jahren noch größer werden wird, Rettungsdienste beklagen eine so dünne Personaldecke wie noch nie, die staatlichen Pflegeheime sind zwar teuer, aber Pflegekräfte bekommen trotzdem nur ein Azubigehalt oder häufen Überstunden ohne Ende an.

// Deutschlands Baustelle 2 //

Deutschland war mal Klassenprimus in der Bildungspolitik – Sie erinnern sich vielleicht noch, das war zu einer grauen Vorzeit. Das ehemalige Musterländle Baden-Württemberg hatte stets Platz 2 bei den Pisastudien sicher, nach Bayern. Nun dümpeln unsere Kinder im Lesen, Schreiben und Rechnen auf den hintersten Plätzen herum. Viele Schulen beklagen einen Mangel an Lehrern, so dass es zu immer mehr Unterrichtsausfällen kommt und die Klassen immer größer werden. Geld wurde vor allem an den Grundschulen jahrelang nicht investiert – dort, wo der Samen für Bildung gesetzt wird.

// Deutschlands Baustelle 3 //

Über Infrastur sprechen wir lieber erst gar nicht. So wurde manch ein fast nie benutztes landwirtschaftliches Sträßchen im Kocher– und Jagsttal wurde bestens asphaltiert. Die A6 aber – die Problemzone für alle Pendler – ist so stark belastet, dass es andauernd zu Unfällen kommt. Permanente Baustellen und Unfälle zusammen – ergibt was? Richtig. Staus. Wartezeiten. Stillstand. Frust. Wann kommt der Ausbau?

Wohin sind in den vergangenen Jahren die sprudelnden Steuereinnahmen geflossen, die der ehemalige Finanzminister Woflgang Schäuble postuliert hat? Das fragen sich viele Bürger zu Recht.

A propos Altlasten: Wo ist eigentlich der beinahe-Aussenminister Martin Schulz (SPD) abgeblieben?

Foto: adobe stock